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Full text of "Papyros Ebers. Das älteste buch über heilkunde. Aus dem aegyptischen zum erstenmal vollständig übers"

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Papyros  Ebers. 


Das 


I     älteste  Buch  über  Heilkunde. 


Aus  dem  Aegyptischen  zum  erstenmal 
vollständig  übersetzt 


von 


Dr.  med.  H.  Joachim^ 

praet  Arat  in  Berlin. 


Berlin. 

Di^ck  und  Verlag  von  Georg  Reimer. 

1890. 


Alle  Rechte  vorbehalten. 


Seinem  treuen  Berather 


Herrn  Prot  Dr.  Lieblein  in  CMstiania 


■   ta  dankbarer  Yerehrang 


gewidmet. 


1^ 


Vorwort. 


Bei  der  Abfassung  dieses  Buches ,  das  hauptsächlich 
für  das  ärztliche  Publikum  bestimmt  ist,  war  es  mein 
Hauptbestreben,  dem  Leser  eine  möglichst  wörtliche  Ueber- 
setzung  zu  liefern.  Das  unbedingte  Festhalten  an  einer 
wortgetreuen  Uebertragung  erschien  mir  um  so  mehr  noth- 
wendig,  als  gar  manche  Worte  und  Stellen  unseres  Papyrus 
biaher  unklar  sind.  Auf  diese  Weise  soll  dem  Leser  eine 
eventuelle  Mitarbeiterschaft;  ermöglicht  werden,  insofern  er 
nunmehr  selbst  in  der  Lage  ist,   die  unsicheren  Stellen, 

—  die  durch  ein  Fragezeichen  oder  eine  dahingehende 
Bemerkung  kenntlich  gemacht  sind  —  zu  prüfen  und 
eventuell  zu  erklären.  Um  ihm  das  zu  erleichtem,  habe  ich 
in  den  Anmerkungen  die  Grundbedeutung  der  unklaren 
Worte  angegeben,  bisweilen  auch,  wo  es  mir  möglich  war, 
selbst  eine  Erklärung  versucht.  Dass  einer  solchen  lieber- 
Setzung  —  noch  dazu  aus  dem  Aegyptischen  ins  Deutsche 

—  hinsichtlich  des  Ausdruckes  gar  manche  Mängel  an- 
haften, ist  wohl  nicht  zu  verwundern;  es  liegt  das  eben 
in  der  Sache  selbst,  und  ich  bitte  deshalb  bei  der  Beur- 
theilung  um  gütige  Nachsicht. 

Es  bedarf  einigermaassen  der  Erklärung,  dass  ich  als 
Arzt  mit  einer  Uebersetzung  des  Papyrus  Ebers  hervor-^ 


—    VI    — 

trete.  Als  ich  vor  mehreren  Jahren  anfing,  mich  mit  der 
Medicin  der  alten  Aegypter  zu  befassen,  vermisste  ich  vor 
allem  eine  Uebersetznng  der  bereits  au^efundenen  medicioi- 
sehen  Papyri;  denn  vas  uns  die  griechiscbeo  und  römi- 
schen Schriftsteller  über  die  Medicin  dieses  alten  Ealtnr- 
volkes  überliefert  haben,  ist  doch  nur  sehr  geringfügig.  Je 
länger  ich  mich  mit  diesen  Papyri  speciell  mit  dem 
Papyrus  Ebers,  aber  den  wir  ja  durch  Ebers  noch  ver- 
hältnissmiissig  die  meisten  Nachrichten  haben,  beschäftigt«, 
um  so  dringender  hegte  ich  den  Wunsch,  dieses  alte, 
werthvolle  Schriftstücli  selbst  zu  verstehen  und  eventuell 
auch  weiteren  Kreisen  zugänglich  zu  machen.  So  fing  ich 
selbst  an,  die  ägyptische  Sprache  zu  studiren,  und  war 
nach  läi^erem  Studium  grammatisch  so  weit  vorgebildet, 
das»  ich  an  eine  Uebertrf^;ung  dieses  Papyrus  herangehen 
konnte.  Die  Schwierigkeiten,  die  dabei  zu  fiberwinden 
waren,  waren  ungemein  gross;  indessen  das  Interesse, 
das  der  Inhalt  bot  und  die  Ermunterung  und  Unter- 
stützung, die  mein  Vorhaben  von  vielen  Seiten  erfuhr, 
halfen  über  manche  Mühen  und  Arbeiten  hinweg. 

Ich  kann  dieses  Vorwort  nicht  schliessen,  ohne  meines 
treuen  Berathers  und  Mitarbeitets ,  des  Herrn  Professor 
Lieblein  in  Christiania  zu  gedenken.  Derselbe,  A^pto- 
loge  an  der  dortigen  Universität,  hat  mir  nicht  nur  seine 
vor  längerer  Zeit  veröffentlichten  Auszöge  aus  dem  Papyrus 
Ebers  in  uneigennützigster  Weise  zur  Verfügung  gestellt, 
sondern  mich  auch  sonst  bei  der  Uebersetznng  mit  Rath 
nnd  That  unterstützt  Ich  sage  ihm  dafür  auch  von  dieser 
Stelle  aus  im  Namen  unserer  Wissenschaft  meinen  ver- 
bindlichsten Dank.  Dank  auch  Herrn  Stud.  Spiegelberg, 
der  mich  bei  der  Entzifferung  einiger  schwieriger  Stellen 
in  bereitwilligster  Weise  unterstützt  hat. 


—    VII    - 

Zusätze  von  Prof.  Lieblein  sind  darch  den  Buch- 
staben L.  angedeutet. 

Statt  x^t'-Pflanze  ist  durch  die  ganze  Uebersetzung 
Xet-Pflanze  zu  lesen. 

Zur  Orientirung  des  Lesers  habe  ich  eine  kurze  Ein- 
leitung der  Uebersetzung  vorangeschickt;  in  derselben  ist 
auch  die  Erklärung  einiger  ägyptischer  Erankheitsnamen 
versucht  worden.  Ein  angefügtes  Register  soll  die  Be- 
nutzung dieses  Buches  erleichtern. 

Wenn  ich  mit  dieser  Arbeit  zur  Anregung  des  Stu- 
diums der  Geschichte  der  Medicin  auch  in  weiteren  ärzt- 
lichen Kreisen  beitragen  wurde,  wäre  meine  Absicht  voll- 
kommen erreicht. 

Berlin,  Ende  September  1890. 

Heinrich  Joachim. 


Einleitung. 


Der  oDgeahnte  Aufschwung,  den  die  altagypüsche  Forschung 
in  unserem  Jahrhundert  genommen  hat,  ist  auch  für  die  Kenntniss 
der  Medicin  dieses  ehrwürdigen  Kulturvolkes  nicht  ganz  ohne 
Wirkung  gehlieben.  Wir  sind  nicht  mehr  wie  vordem  auf  die 
wenigen,  sehr  dürftigen  und  ungenauen  Angaben  griechischer 
und  römischer  Schriftsteller  angewiesen,  sondern  sind  heut  in 
der  Lage,  aus  erster  Quelle  zu  schöpfen  und  können  uns  so 
aus  den  Originalschriften  —  man  nennt  diese  bekanntlich  nach 
dem  Material,  auf  dem  sie  geschrieben  sind,  Papyri  —  ein  un- 
gefähres Bild  von  den  medicinischen  Leistungen  dieser  Nation 
machen. 

Derartiger,  mehr  oder  minder  werthvoller,  medicinischer  Pa- 
pyri besitzen  wir  bereits  eine  ganze  Reihe ;  doch  sind  sie  für  uns 
Aerzte  bis  jetzt  ein  Buch  mit  sieben .  Siegeln  geblieben.  Die 
wichtigsten  von  ihnen  sollen  hier  kurz  besprochen  werden. 

1.  Das  Berliner  Museum  besitzt  einen  grösseren  und 
einen  kleineren  Papyrus  Brugsch.  Der  erstere  stammt  aus 
dem  14.  Jahrhundert  v.  Chr.,  besteht  aus  21  Seiten  und 
ist  (von  Passalacqua  entdeckt)  von  Brugsch  herausgegeben 
worden*).  Bisher  ist  er  noch  nicht  übersetzt,  doch  besitzen 
wir  von  verschiedenen  Aegyptologen  genauere  Mittheilungen 
über  ihn'). 


*)  Recueil  de  Monuments  egyptiens.    Abth.  IL,  Tafel  85 — 107. 

*)  a.  BrugjLciu  Allgemeine  Monatsschr.  für  Wissensch.  und 
Litteratur  vom  Jahre  1853,  S.  44 — 56. 

b.  Brugsch.  „Notice  raisonnee  d'un  traite  medical  datant  du 
XlVi^me  si^cle  avaut  nofre  "ere  et  contenu  dans  un  papyrus  hi^ra- 
tique  du  mus^e  royal  de  Berlin.^    Leipzig  1863. 


—    IX    - 

Der  kleinere  medicinische  Papyras  besteht  ans  15  Seiten; 
über  ihn  wissen  wir  vorlänfig  nichts. 

2.  Der  Papyrus  des  British  Mnsenm;  er  ist  18  cm 
breit  nnd  2,5  m  lang  und  stammt  wahrscheinlich  aus  der  Zeit 
der  18.  Dynastie.  Er  ist  bis  heut  noch  nicht  einmal  edirt  und 
von  seinem  Inhalt  wissen  wir  daher  auch  heute  noch  so  gut 
wie  nichts.  Eine  kurze  Notiz  über  ihn  findet  sich  in  einem 
von  dem  englischen  Aegyptologen  S.  Birch  ^)  herrührenden 
Artikel. 

3.  Ausserdem  finden  sich  Texte  von  magisch -medicini- 
schem  Inhalt  im  Museum  zu  Leyden,  Turin,  Boulaq  und  Paris; 
doch  sind  sie  für  die  Eenntniss  der  alt-ägyptischen  Medicin  nur 
von  geringem  Belang. 

4.  Der  Papyrus  Ebers,  der  jetzt  in  der  Leipziger  Uni- 
versitätsbibliothek aufbewahrt  wird.  Er  übertrifft  durch  den 
Reichthum  seines  Inhalts,  seine  Vollständigkeit  und  Fehlerlosig- 
keit  an  Wichtigkeit  alle  anderen  medicinischen  Papyri;  er  ist 
der  grösste,  am  schönsten  geschriebene  und  am  besten  erhaltene 
medicinische  Papyrus  und  wurde  von  Ebers  im  Winter  1872/73 
bei  seinem  Aufenthalt  in  Aegypten  von  einem  Bürger  in  Luqsor 
erworben. 

Er  ist  30  cm  hoch  und  20,23  m  lang;  von  Ebers  ist  er 
im  Jahre  1875  in  eleganter  Ausstattung  herausgegeben  und  so 
auch  weiteren  Kreisen  zugänglich  gemacht  worden^).  Abgefasst 
ist  er  in  hieratischer')  Schrift  und  besteht  aus  108  Seiten;  auf 


c.  Chabas.  „La  raedecine  des  anciens  Egyptiens;  anti<luite 
des  clystSres;"  signes  de  lagrossesse.*  ITelanges  egyptologiques. 
PErtrTB62,  S.  55-79. 

d.  LePageRenouf.  Zeitscbr.  für  ägypt.  Sprache  und  Alter- 
tbumskunde.  1873,  S.  123—125.  [Ein  in  dem  genannten  Papyrus 
beschriebenes  Schwangerscbaftszeichen  findet  sieb,  wie  R.  zuerst  ge- 
fimdenTiat,  wortgetreu  beT  Hippocrates.] 

^)  ZeitschfT'ffir  ägypt.  Sprache  und  Alterthumskunde.  1871, 
S.  61-64. 

^  „Papyros  Ebers.  Das  bermetiscbe  Buch  über  die  Arznei- 
mittel der  alten  Aegypter  in  hieratischer  Schrift.  Herausgegeben 
mit  Inhaltsangabe  und  Einleitung  yerseben  von  Georg  Ebers. 
Mit  bieroglypbiscb ' lateinischem  Glossar  von  Ludwig  Stern.*' 
2  Bände.    Leipzig.     1875. 

')  Man  bat  bei  den  Aegyptem  3  Schriftarten  zu  unterscheiden: 

1.  Die  hieroglyphiscbe;  sie  ist  die  älteste  und  findet  sich 
vorzugsweise  auf  Monumenten  und  in  Texten  religiösen  Inhalts. 

2.  Die  hieratische,  die  schon  sehr  früh  aus  der  Abkürzung 


—    X    — 

jeder  Seite  stehen  —  mit  wenigen  Ausnahmen  —  20  bis  22  Zeilen. 
Wohl  durch  ein  Versehen  des  Schreibers  ist  bei  der  Nummeri- 
mng  die  Zahl  28  und  29  übergangen  worden,  so  dass  auf 
Seite  27  —  ohne  Unterbrechung  des  Textes  —  unmittelbar 
Seite  30  folgt;  die  letzte  Tafel  des  Papyrus  schliesst  also  nicht 
mit  108,  sondern  mit  der  Zahl  110. 

Auf  der  Rückseite  der  ersten  Tafel  findet  sich  ein  Kalender, 
aus  dem  £bers  die  Entstehungszeit  der  Handschrift  zu  bestim- 
men versuchte.  Dieser  Kalender,  und  besonders  der  auf  dem- 
selben genannte  König  Ba-gerh-Rä*),  hat  der  Entzifferung 
grosse  Schwierigkeiten  bereitet;  Ebers  hat  aus  den  in  dem- 
selben gemachten  Zeitangaben  die  Abfassung  des  Papyrus  auf 
die  Jahre  1553 — 1550  v.  Chr.  verlegt.  „Mit  einer  an  Gewiss- 
heit grenzenden  Wahrscheinlichkeit",  sagt  er  in  der  Einleitung ') 
zu  seinem  Papyrus  und  hält  diesen  Ausspruch  auch  in  seiner 
vorjährigen  Abhandlung*)  über  die  Augenkrankheiten  aufrecht, 
„darf  behauptet  werden,  dass  Papyroji  Ebers  in  dec  Jutta  des 
1 6^  Jahrhunderts  v^Chr^geschrieben  worden  sei".  Ob  er  auch 
in  dieser  Zeit  entstanden  ist,  ist  eine  Frage,  auf  die  wir  weiter 
unten  zurückkommen  werden. 

Was  haben  wir  unter  dem  Papyrus  Ebers  zu  verstehn? 
Sein  Herausgeber  erklärt  ihn  für  das  von  Clemens  Alexan- 
drinus  erwähnte  Buch  irspl  ^apixaxoDV  und  hält  diese  Meinung 
auch  in  der  eben  genannten,  jüngsten  Arbeit  über  seinen  Papyrus 
aufrecht.  Bekanntlich  berichtet  Clemens  Alexandrinus*),  der 
im  2.  Jahrhundert  p.  Chr.  lebte  und  als  einer  der  besten  Kenner 
Aegjptens  zu  betrachten  ist,  dass  dort  42  hermetische  *)  Bücher 
bestanden  hätten,  von  denen  36  über  Philosophie,  die  übrigen 
6  aber  über  Medicin  handelten  und  folgendermaassen  lauteten: 


der  bieroglyphischen  Zeichen  von  den  heiligen  Schreibern  gebildet 
wurde;  man  bediente  sich  ihrer  fast  ausschliesslich  beim  Schreiben 
auf  Papyrus. 

3.  Die  demotische  (Volksschrift),  die  erst  aus  der  Ab- 
karzun?  des  Hieratischen  entstanden  ist;  sie  ist  nicht  vor  dem 
8.  Jahrhundert  v.  Chr.  in  Gebrauch  gewesen. 

^)  Nach  Ebers.  Op.  cit.  Einleitung.  S.  8.  Bi^eris,  der  6.  (?) 
König  der  4.  Dynastie. 

«)  Seite  3. 

^  Papyros  Ebers.  Die  Maasse  und  das  Kapitel  über  die 
Augenkrankheiten.     Von  Georg  Ebers.     Leipzig.     1889. 

<)  Stromata.     Lib.  VI.    S.  758.     Edid.  Potter. 

*)  D.  h.  dem  Gotte  Thoth  (Hermes)  geweiht. 


—    XI     — 

1)  irepl  ttJ?  toü  acujiaToc  xataaxeoTjC 

2)  icepl  ve5aa)V. 

3)  icepl  Jp^avcov. 

4)  itepl  9app.ax(ov. 

5)  ircpl  ö(pöaX[AÄv. 

6)  Trepl  T&v  ^üvatxftüv  (voacov). 

Diese  Ansicht  des  gelehrten  Forschers,  dass  der  Papyrus 
Ebers  also  das  von  Clemens  Alexandrinus  genannte  Buch 
irepl  cpap}Aaxtt>v  sei,  kann  ich  durchaus  nicht  theilen.  In  einem 
so  betitelten  Werke  sucht  der  Arzt  eine  Abhandlung  über  die 
einzelnen  Arzeneimittel ,  ihre  Wirkung,  ihre  Anwendung,  ihre 
schädlichen  Folgen  etc.  Dein  entspricht  der  Inhalt  des  Pa- 
pyrus keineswegs;  er  handelt  vielmehr  von  Organ-,  besonders 
Magen-Krankheiten,  von  Augen-,  Frauen-Krankheiten  und  vom 
Bau  des  menschlichen  Körpers.  Ich  glaube  daher,  dass 
wir  unter  dem  Papyrus  Ebers  eine  Art  medicinisches 
Compendium  zu  verstehn  haben;  dass  er  damit  an  seinem 
Ansehn  und  seiner  Wichtigkeit,  insbesondere  fur  die  Geschichte 
der  Medicin  nichts  verliert,   bedarf  wohl  kaum  der  Erwähnung. 

Hieran  schliesst  sich  unmittelbar  die  Frage,  ob  unser  Pa- 
pyrus eine  Originalprodnction  sei.  Lepsius'}  und  mit  ihm 
wohl  die  meisten  Aegyptologen  erklären  ihn  fur  eine  blosse 
Abschrift.  Auf  die  Grunde,  die  der  gelehrte  Forscher  für  seine 
Ansicht  angeführt  hat,  soll  hier  nicht  weiter  eingegangen  werden. 
Dass  wir  aber  in  der  That  in  dieser  Handschrift  nur  eine  Copie 
vor  uns  haben,  dafür  lassen  sich  ans  dem  Papyrus  selbst  po- 
sitive Beweise  erbringen.  An  einigen  Stellen,  nämlich  Tafel  18, 
Zeile  1;  Tafel  89,  Zeile  1  und  Tafel  90,  Zeile  3,  finden  wir 
mitten  im  Text  mit  rother  Tinte  die  Worte  qem-sen  =  „ge- 
funden zerstört".  Was  soll  dieser  Ausspruch  in  einem  Original- 
werk? Femer  finden  sich  einige  Abschnitte,  mit  nur  geringen 
Varianten,  wiederholt;  vergleiche  hierzu 

Tafel  37,  Zeile  10  bis  Tafel  38,  Zeile  3  und  Tafel  38,  Zeile  10 
bis  Tafel  39,  Zeile  2;  Tafel  25,  Zeile  3-8  und  Tafel  52,  Zeile  1-7. 

Ausserdem  kehren  —  durchaus  nicht  selten  —  dieselben  Re- 
cepte  an  verschiedenen  Stellen  und  für  verschiedene  Leiden  wieder. 

Die  Art  und  Weise,  wie  diese  Handschrift  entstanden  ist, 
kann   man    sich  mit  Ebers')    am   besten  so    erklären,    „dass 


»)  Zeitschr.  f.  -ägypt.  Spr.  und  Alterthumsk.    1875.  S.  148. 
^  Cfr.  Einleitung.   S.  15. 


—    XII    — 

nnser  Hierogrammat  verschiedene  kleinere  Schriften  zu  einer 
zu  verbinden  hatte  und  ohne  auf  den  Sinn  zu  achten,  abschrei- 
bend, einige  Stucke  von  gleichem  Inhalte  copirte^  und,  wie  wir 
hinzufügen  wollen,  etwa  in  diesen  Schriften  vorhandene  Lücken 
eben  durch  das  oben  erwähnte  „qem-sen^  bemerkbar  machte. 

Der  Papyrus  ist  sicher  benutet  worden;  kleine  Ungenauig- 
keiten  im  Text  sind,  wie  ich  vermuthe,  nachträglich  beim  Ge- 
brauch, bisweilen  sogar,  wie  man  deutlich  unterscheiden  kann, 
mit  blasserer  Tinte,  als  mit  der  der  Papyrus  geschrieben  ist, 
häufig  verbessert  worden.  Am  Rande  der  Tafeln  finden  sich  bis- 
weilen kurze  Bemerkungen;  so  ist  —  wahrscheinlich  von  einem 
späteren  Benutzer  —.  am  Rand  von  Tafel  40  mit  blasser,  vom 
Original  abweichender  Tinte  dreimal  das  Wort  „nefr  =  gut** 
hinzugefügt;  auf  Tafel  41  finden  sich  am  Rande  die  Worte 
„nefr  är  =  gut  zu  bereiten**. 

Was  nun  das  eigentliche  Alter  des  Papyrus  betrifft,  so 
glaube  ich  nicht,  ob  es  jemals  gelingen  wird,  dasselbe  annähernd 
zu  bestimmen.  Derselbe  ist  ja,  wie  wir  oben  erörtert  haben, 
aus  verschiedenen  kleineren  Schriften  zusammengesetzt,  und  es 
ist  damit  wohl  auch  die  Annahme  begründet,  dass  die  einzelnen 
Theile,  die  den  Papyrus  bilden,  ganz  verschiedenen  Zeitepochen 
angehören.  Dafür  spricht  in  mancher  Beziehung  auch  das  gram- 
matische Studium  unserer  Handschrift.  Dass  einzelne  Abschnitte 
ein  besonders  hohes  Alter  haben  und  in  ihrer  Entstehung  viel- 
leicht bis  in  die  graue  Vorzeit  hineinreichen,  ist  mir  nicht 
zweifelhaft.  Hierher  rechne  ich  z.  B.  Tafel  46,  Zeile  10  bis 
Tafel  47,  Zeile  10;  Tafel  47,  ZeUe  12;  Tafel  66,  Zeüe  15—18 
und  Tafel  103,  Zeüe  1—3. 

Fassen  wir  das  Resultat  unserer  allgemeinen  Betrachtungen 
kurz  zusammen,  so  darf  wohl  mit  Recht  behauptet  werden, 
dass  wir  in  dem  Papyrus  Ebers  eine  Art  medicinisches 
Compendium  oder  Sammelwerk  vor  uns  haben,  das 
spätestens  um  1550  v.  Chr^  niedergeschrieben  ist,  das 
aber  in  seinen  ein^^Jnen,  Theilen  verschiedenen,  mehr 
oder  weniger  älteren  Zeitepochen  apgehört. 

W"enn"wir  uns  nach  diesen  allgemeinen  Bemerkungen  zum 
Inhalt  des  Papyrus  wenden,  so  sind  es  zunächst  die  Maasse 
und  Gewichte,  die  unsere  Aufmerksamkeit  in  Anspruch  neh- 
men. Ich  kann  mich  über  diesen  Gegenstand  um  so  kürzer 
fassen,  zumal  wir  darüber  etwas  Sicheres  noch  nicht  wissen. 
Auch  die  von  Ebers  im  vorigen  Jahre  veröffentlichte  Abband- 


—    XIII    — 

lung  über  die  Maasse  und  Gewichte  im  Papyrus  Ebers  hat 
uns  darüber  noch  nicht  volle  Klarheit  gebracht;  so  geistreich 
auch  die  Bemerkungen  des  gelehrten  Forschers  über  diesen 
Punkt  sind  —  und  er  hat  sich  darüber  mit  gewohntem  Scharf- 
sinn sehr  eingehend  geäussert  — ,  so  ist  ein  vollgültiger  Beweis 
iür  seine  Auffassung  noch  nicht  erbracht.  Verschiedene  be- 
deutende Aegyptologen ,  wie  Lieblein  in  Christiania  und  Er- 
man  an  der  hiesigen  Universität,  meinten,  dass  die  von  Ebers 
gegebene  Erklärung  bis  jetzt  nichts  weiter  sei  als  eine  allerdings 
ausserordentlich  geistreiche  Hypothese. 

Was  die  Umschrift  betrifft,  so  bin  ich  dabei  den  Inten- 
tionen meines  treuen  Berathers,  des  Prof.  Lieblein  in  Chri- 
stiania, gefolgt. 

Das  ägyptische  Alphabet: 
1.     '^    =  a  4.       \\     =  i 

=  I 


2.  q      =  ä  5. 

3.     a  =  ä  6 


7 

8. 


J     =  b         10.     ^,  £=  =  m         13.     ra  =  h 
■     =  p         11.         www        =  n  14.     y    =  h 


9.     H-^  =  f  12.         <r>        =   r  15.     0  =  X 

16.  -Hl-,  n  =  s         19.      ^     =  q         22.        o       =    t 

17.  csa    =  s         20.   ^^z^  =  k         23.  8=3,  \^  ^ 

18.  ]ßg    =s         21.      S     =  g         24.     c:=-,     =  d 

25.     "^     =t\ 

Von  Vocalen^)  kennt    also  die  Hieroglyphenschrift    nur 
a,  i  und  u;  wo  in  der  Uebersetzung  andere  gebraucht  werden, 


*}  D.  h.  Vocalen  in  unserem  Sinne. 


—    XIV    — 

geschah  es  lediglich  in  der  Absicht,  die  Aussprache  des  be- 
treffenden Wortes  zu  ermöglichen.  So  werden  häufig  ,,besbes- 
Kömer**  ^  Fenchel  verordnet;  im  ägyptischen  Text  heissen  sie 
nur  ,,bsbs^;  nur  um  das  Wort  aussprechen  zu  können,  sind 
die  genannten  Vocale  eingefügt. 

Die  Bezeichnung  der  ägyptischen  Worte  ist,  um  auch  das 
hier  wenigstens  kurz  zu  erwähnen,  eine  sehr  genaue;  zu  einer 
Gruppe  von  Zeichen,  die  zusammen  die  Laute  des  gesprochenen 
Wortes  ausdrucken,  pflegt  ein  Bild  zu  treten,  das  den  Gegen- 
stand näher  charakterisiren  soll;  das  ist  das  sogenannte  Deter- 
minativ um.  So  heisst  z.  B.  die  Sycomore  ägyptisch:  neht, 
geschrieben  mit  dem  Bild  des  Baumes;  der  Wein:  ärp  mit  einem 
Krug  als  Bestimmungszeichen.  Es  liegt  auf  der  Hand,  dass 
dadurch  die  Erklärung  der  einzelnen  ägyptischen  Worte  unge- 
mein erleichtert  wird. 

Diese  erläuternden  Bemerkungen  glaubten  wir  zur  Orien- 
tirung  des  Lesers  voranschicken  zu  müssen;  wer  sich  über  den 
Papyrus,  seine  Herkunft  etc.  genauer  unterrichten  will,  sei  hier- 
mit auf  die  oben  erwähnten  Arbeiten  von  Ebers*)  verwiesen. 

Um  den  fortlaufenden  Text  der  Uebersetzung  nicht  durch 
längere  Auseinandersetzungen  zu  unterbrechen,  sollen  einige 
ägyptische  Namen  bereits  an  dieser  Stelle  erklärt  und  commen- 
tirt  werden;  in  der  Uebersetzung  selbst  wird  an  den  betreffen- 
den Stellen  unter  der  Bezeichnung  „cfr.  Einleitung^  auf  diese 
Bemerkungen  verwiesen  werden. 

1.    Die  äaä-Erankheit  =  Chlorosis  aegyptiaca. 

In  der  ersten  Hälfte  unseres  Papyrus  wird  unter  diesem 
Namen  eine  Krankheit  häufig  erwähnt,  die  —  aus  der  grossen  An- 
zahl der  für  dieses  Leiden  angegebenen  Recepte  zu  schliessen  — 
im  alten  Aegypten  eine  grosse  Verbreitung  gehabt  haben  muss; 
auch  im  Papyrus  Brugsch  finden  wir  sie  wieder.  Zahl- 
reiche Vermuth  ungen  sind  bereits  über  ihre  Natur  —  meist 
jedoch  von  Aegyptologen  —  geäussert  worden,  ohne  dass  es 
bisher  gelungen  wäre,  eine  befriedigende  Erklärung  dafür  zu  geben. 


*)  a.  Papyros  Ebers.  Das  hermetische  Buch  über  die  Arzenei- 
mittel  der  alten  Aegypter  in  hieratischer  Schrift.  Bd.  I.  Eiuleitung. 
Leipzig  1875. 

b.  Die  Maasse  und  das  Kapitel  über  die  Augenkrankheiten. 
Leipzig  1889.  Cfr.  Hirschberg.  ^Ueber  die  Augenheilkunde  der 
alten  Aegypter.*     Leipzig.     1890. 


—    XV    — 

Um  eine  genauere  Bestimmang  zu  treffen,  stellte  ich  zu- 
nächst alle  diejenigen  Stellen  unseres  Papyrus  zusammen,  an 
denen  die  äaä- Krankheit  beschrieben  und  erwähnt  wird.  Es 
wurde  zu  weit  führen,  diese  Zusammenstellung  an  dieser  Stelle 
zu  wiederholen;  Jeder,  der  die  Uebersetzung  zur  Hand  nimmt, 
ist  ja  durch  das  angefugte  Register  sehr  leicht  im  Stande,  diese 
Stellen  in  Kürze  zu  sammeln.  Anfanglich  glaubte  ich  aus  dem 
ganzen  Bilde  —  es  handelt  sich,  wie  in  der  Handschrift  aus- 
drücklich erwähnt  wird,  um  eine  Krankheit  des  Leibes  —  auf 
eine  cholera-  oder  ruhrartige  Erkrankung  schliessen  zu  können, 
um  so  mehr  als  ja  grade  die  Dysenterie  in  südlichen  Ländern, 
speciell  in  Aegypten,  auch  heut  noch  ungemein  häufig  auftritt. 
Dagegen  sprach  allerdings  gar  mancherlei.  Ich  will  hier  auf 
die  vielen  Bedenken  nicht  weiter  eingehn;  nur  zwei  Punkte 
sollen  in  aller  Kürze  angeführt  werden.  Die  alten  Aegypter 
waren  vorzügliche  Beobachter  und  es  wäre  doch  auffallend,  dass 
sie  in  der  Bezeichnung  das  markanteste  Symptom  der  beiden 
genannten  Krankheiten,  nämlich  die  Diarrhoe,  ganz  unberück- 
sichtigt gelassen  haben  sollten.  Weiter  aber  schloss  ich  aus 
der  bei  diesem  Leiden  nicht  selten  erwähnten  Verordnung  „gleich 
nach  dem  Zubettgehen  einzunehmen^,  dass  der  Patient  dabei 
nicht  bettlägerig  war  —  was  ja  bei  Cholera  und  acuter  Dysen- 
terie selbstverständlich  ist  — ,  dass  es  sich  mithin  um  eine 
—  wie  wir  heute  sagen  würden  —  chronische  Krankheit  ge- 
handelt hat.  Damit  waren  von  vornherein  Cholera  und  Ruhr 
absolut  auszuschliessen. 

Nun  ergab  aber  andrerseits  eine  genauere  Untersuchung 
aller  derjenigen  Stellen,  an  denen  das  genannte  Wort  vorkommt, 
dass  die  Jaä-Krankheit  ohne  Zweifel  mit  Würmern  in  Verbin- 
dung zu  bringen  ist,  eine  Ansicht,  die  vor  mir  schon  Sc  heu  t- 
hauer')  ausgesprochen  hat.  Die  betreffende  Stelle  findet  sich 
auf  Tafel  19  des  Papyrus;  dort')  wird  ein  vorzügliches  Mittel 
zum  Gebrauch  für  den  Leib  eines  Kranken  verordnet,  „der  in 
seinem  Leib  Würmer  hat,  die  von  der  äaä-Krankheit 
hervorgebracht  sind^.  Aus  meiner  Zusammenstellung  konnte 
ich  ferner  schliessen,  dass  es  sich  um  ein  im^  alten  Aegypten 
sehr  häufig  vorkommendes,  chronisches,  gefährliches  Leiden  des 
Verdauungsapparates  gehaudelt  haben  muss,    das  schwere  Stö- 

»)  Virchow's  Archiv.   Bd.  85.  S.  343— 354. 
^  Cfr.  die  nachfolgende  Uebersetzung  S.  13. 


—    XVI    — 

rangen  von  Seiten  der  Circalationsorgane,  besonders  des  Herzens, 
im  Gefolge  hatte.  Diesem  kurz  skizzirten  Symptomencompiex 
entspricht  ziemlich  genau  die  durch  das  Ankylostomum  duo- 
denale veranlasste  Chlorosis  aegyptiaca,  die  nach  den  überein- 
stimmenden Mittheilungen  sachverständiger  Forscher  wie  Pruner- 
Bey  *),  Bilharz')  und  Griesinger')  auch  noch  heutigen  Tages 
in  Aegypten  ausserordentlich  häufig  ist.  ^Wir  halten  es  fur 
eine  nur  sehr  massige  Schätzung*^,  sagt  der  letztgenannte  Autor, 
„wenn  wir  annehmen,  dass  der  4.  Theil  der  egyptischen  Be- 
völkerung in  höherem  oder  geringerem  Grade  an  dieser  Krank- 
heit —  Chlorosis  aepyptiaca  —  leidet". 

Interessant  und  zugleich  sehr  lehrreich  für  mich  war,  dass 
in  einer  der  neusten  Arbeiten  über  diesen  Gegenstand  von 
Lutz*)  ein  Theil  der  in  unserem  Papyrus  erwähnten  Symptome, 
insbesondre  diejenigen  von  Seiten  des  Herzens,  fast  mit  den- 
selben Worten  wiedergegeben  werden;  den  „Herzpalpita- 
tionen*)",  dem  „Schmerzgefühl"  in  der  Herzgegend,  das 
„bald  als  dumpfes  Drücken,  bald  als  entschiedenes  Stechen 
und  Brennen"  angegeben  wird,  entspricht  in  unserer  Hand- 
schrift „die  Herzschwäche,  Herzpalpitationen  und  die 
Herzstiche".  Es  lehit  somit  ein  Vergleich  beider  Stellen,  dass 
die  alt-ägptischen  Aerzte  auch  gut  zu  beobachten  verstanden. 

Ich  will  allerdings  nicht  verschweigen,  dass  das  Zeichen, 
mit  dem  das  Wort  äaä  determinirt  ist,  nämlich  der  Phallus, 
wenn  auch  nicht  grade  dagegen,  so  doch  auch  nicht  für  unsere 
Ansicht  zu  sprechen  scheint.  Indess  hat  z.  B.  auch  das  Wort 
äa  =  Esel  das  Determinativzeichen  des  Phallus,  ohne  dass  wir 
—  nach  unseren  heutigen  Vorstellungen  —  eine  genügende  Er- 
klärung dafür  abgeben  könnten;  möglich  also,  dass  auch  die 
alten  Aegypter  mit  diesem  Zeichen  einer  —  für  uns  heute  — 
unverständlichen  Theorie  Ausdruck  geben  wollten.  Auf  der 
andern    Seite    aber    kommt    es    nach    den  Beobachtungen   von 


*)  Die  Krankheiten  des  Orients.  S.  244. 

^  Beitrag  zur  Helminthographia  humaua.  Zeitschr.  für  wissensch. 
Zoologie.  Bd.  IV.   1853.   8.  53. 

^  Klinische  und  anatomische  Beobachtungen  über  die  Krank- 
heiten Yon  Egypten.  Archiv  fur  physiol.  Heilkunde.  Bd.  13. 
S.  556. 

*)  Ueber  Ankylostoroa  duodenale  und  Ankylostomiasis.    Samm- 
lung klin.  Vorträge  von  Volkmann.   Nr.  255— 256.  S.  47. 
,*)  Ich  citire  möglichst  wörtlich. 


—    XVII    — 

Lutz')  in  schweren  Fällen  von  Chlorosis  aegyptiaca  beim  männ- 
lichen Geschlecht  zur  Impotenz,  bei  Frauen  kommt  es  dabei 
nur  sehr  selten  zur  Schwangerschaft;  ferner  verzögert  sich  die 
Pubertätsentwickelung  dabei  um  Jahre  und  Monate.  Es  wäre 
also  vielleicht  denkbar,  dass  die  Aegypter  mit  dem  Determi- 
nativzeichen des  Phallus  auf  diese  Erscheinung  aufmerksam 
machen  wollten. 

Nach  alledem  ist  wohl  der  von  mir  gezogene  Schluss  ge- 
rechtfertigt, dass  wir  unter  der  äaä-Krankheit  die  durch 
das  Ankylostomum  duodenale  veranlasste  Chlorosis 
aegyptiaca  zu  verstehn  haben. 

2.    pend-Wurm  =  Taenia  mediocauellata. 

Der  Stamm  pen  bedeutet:  se  deplisser,  sich  entfalten;  das 
Determinativum  weist  auf  einen  Wurm  hin.  Nun  berichtet  be- 
reits Plinius'),  dass  bei  den  Bewohnern  von  Aegyptern  Tae- 
nien  vorkommen,  und  auch  die  Berichte  von  Pruner-Bey, 
Bilharz  und  Griesinger')  stimmen  mit  dieser  Angabe  überein. 
Da  nun  die  alten  Aegypter  das  Schweinefleisch  verschmähten, 
die  Taenia  solium  aber  durch  den  Genuss  dieses  Fleisches  vom 
Menschen  erworben  wird,  so  glaube  ich,  dass  wir  unter  dem 
pend-Wurm  nur  die  Taenia  mediocauellata  zu  ver- 
stehn haben. 

3.    heft-Wurm  =  Ascaris  lumbricoides. 

Der  Stamm  heft  bedeutet:  sich  hinstrecken,  sich  winden, 
kriechen;  das  Determinativum  weist  ebenfalls  auf  einen  Wurm. 
Nun  kommt  der  heft-Wurm  in  unserer  Handschrift  oft  mit  dem 
pend-Wurm  vor,  und  da  dieser  letztere  die  T.  mediocauellata 
bezeichnet,  so  lag  es  nahe,  auch  den  heft-Wurm  mit  einem 
Bandwurm  in  Verbindung  zu  bringen.  Dass  dies  indes  nicht 
richtig  ist,  zeigt  uns  Tafel  66,  Zeile  1;  dort  wird  als  Mittel 
graues  Haar  zu  vertreiben  neben  anderen  Substanzen  auch 
„dunkler,  schwarzer  heft-Wurm"  verordnet.  Daraus  folgt  für 
jeden  Arzt,  dass  dieses  Wort  nicht  etwa  mit  Bandwurm  über- 
setzt werden  darf.  Ich  bin  indes  bei  diesem  negativen  Ergebnis 
nicht  stehn  geblieben,  sondern  bin  noch  einen  Schritt  weiter 
gegangen.     Auf  die  eben  angeführte  nähere  Charakteri- 


0  Op.  cit  8.  55. 

^  Cai    Plinii    secuudi    Naturalis    historia.       Lib.    XXVII. 
Cap.  119. 

5)  Cfr.  die  Seite  XVI  erwähnten  Arbeiten. 

Joachim,  Aegyptiscbe  HeUkunde.  \} 


—    XVIII    — 

sirang  des  heft-Wurmes  passt  genau  Ascaris  laiobri- 
coides;  dafür  spricht,  dass  grade  dieser  Eingeweidewurm  in 
Äegypten  auch  noch  heutigen  Tages  sehr  häufig  angetroffen 
wird,  und  sich  auch  im  Papyrus  Ebers  eine  grosse  Anzahl 
von  Recepten  zum  Vertreiben  dieses  Wurmes  finden.  Nun 
wird  allerdings  in  dnem  Recept  die  Wurzelrinde  des  Granat- 
apfelbaumes'  gegen  den  heft-Wurm  empfohlen  und  danach  könnte 
es  scheinen ,  als  wenn  meine  Auslegung  eine  irrige  wäre.  In- 
des die  oben  angeführte  Stelle  von  dem  dunkelbraunen, 
schwärzlichen  heft-Wurm  spricht  ganz  entschieden 
gegen  Bandwurm  und  für  Ascaris  lumbricoides. 

4.    Ro-äb  =  Herzgrube,  Herz-,  Magen-Gegend. 

Die  wortliche  üebersetzung  lautet:  Oeffnung  oder  oberer 
Theil  des  Herzens  (Magens).  Nun  ist  dafür  die  üebersetzung 
Cardia  resp.  Pylorus  vorgeschlagen  worden,  wie  mir  scheint  mit 
Unrecht.  Denn  erstens  glaube  ich  nicht,  dass  die  alten  Aegypter 
bereits  die  Cardia  oder  den  Pylorus  gekannt  haben.  Zweitens 
aber  werden  auf  Tafel  43  zur  Vertreibung  der  Verhärtung  am 
ro-ab')  Pflaster  zur  äusserlichen  Anwendung  empfohlen;  ägyp- 
tisch: ut  heres  =  damit  bepflastern,  ein  Wort,  das  nach 
Luring^  ^nur  verwandt  wird,  wenn  es  sich  um  äusserliche 
Körpertheile  handelt^.  Ich  schlage  deshalb  die  Üebersetzung 
Herzgrube  (scrobiculus  cordis),  Herzgegend,  Magen- 
gegend vor;  auch  Luring')  spricht  sich  in  der  genannten 
Dissertation  gegen  Cardia  und  Pylorus  aus  und  übersetzt  ro-ab 
mit  „Nabel,  Nabelgegend,  Herzgrube**. 

5.    Die  uha-Krankheit. 

Der  Stamm  uha  bedeutet:  vernichten,  verheeren.  Die 
Krankheit  kommt  fast  nur  im  Leib  vor,  ist  ein  chronisches, 
Männer  und  Frauen  ergreifendes  Leiden,  zu  dessen  Beseitigung 
meist  äasserliche  Mittel  angewandt  wurden;  daneben  wurden 
auch  innerliche  Mittel,  oft  „warm  einzunehmen**,  verordnet. 
Ausserdem  kommt  die  Erkrankung  auch  „in  jedem  Glied"  und 
„im  Fleisch  (Körper)  einer  Person"  vor;  an  einer  Stelle  wird 
ferner  „die  wirkliche  uha-Krankheit"  erwähnt,  was  meiner  An- 
sicht nach  soviel  wie  uha-Krankheit  im  Leib  zum  unterschied 


^)  Cfr.  üebersetzung  S.  50. 

*)  Die  über  die   medicin.  Kenntnisse    der    alten  Aegypter  be- 
richtenden Papyri  etc.    Strassburger  Dissert.    1888.   S.  74. 
3)  Op.  cit.  S.  74. 


—    XIX    — 

von  demselben  Leiden  „in  jedem  Olied^'  bedeutet.  Einen  ge- 
wissen Anhalt  far  die  Bestimmung  gaben  mir  zwei  Stellen,  an 
denen  die  uha- Krankheit  —  überhaupt  zum  ersten  Mal  in  un- 
serem Papyrus  —  erwähnt  wird;  sie  finden  sich  auf  Tafel  23  *). 
Das  eine  Mal  werden  Abfuhrmittel  gegen  die  dabei  bestehende 
hartnäckige  Obstipation  ausdrücklich  verordnet;  an  der  andern 
heisst  es  von  ihr,  dass  sie  „schwer  drückend  im  Körper  liegt'^ 
Danach  scheint  es  mir,  als  wenn  unter  uha-Krankheit  die 
bei  der  Chlorosis  aegyptiaca  so  häufige  chronische 
Obstipation  und  Meteorismus  des  Unterleibes  zu  ver- 
stehn  ist.  „Die  Verstopfung",  sagt  Lutz*),  „ist  gegen  Abführ- 
mittel sehr  resistent  und  führt  nicht  selten  zu  bedeutenden 
Coprostasen;  die  Patienten  empfinden  sie  als  sehr  lästiges 
Symptom,  dessen  Behebung  grosse  Erleichterung  bringt".  Die 
uha-Krankheit  in  jedem  Glied,  oder  im  Fleisch  (Körper)  einer 
Person  kann  man  dann  entweder  für  Anschwellungen  etwa 
gichtischer  Natur  erklären,  oder  für  das  bei  dem  von  mir  an- 
genommenen Zustand  im  ganzen  Körper  bestehende  Unbehagen 
—  es  liegt  eine.  Schwere  in  allen  GHedem. 

Nun  kommt  auf  Tafel  LVII,  Zeile  4  eine  Stelle  vor,  die 
mit  unserer  Erklärung  kaum  in  Einklang  zu  bringen  ist;  dort 
wird  nämlich  die  uhat-Krankheit  im  Auge  erwähnt.  Ich  glaube 
mit  Luring'),  dass  man  hier  ebenso  wie  Zeile  10  nicht  uhat, 
sondern  nehat  =  Schielen  zu  lesen  hat,  dass  also  ein  Fehler 
des  Abschreibers  vorliegt.  An  den  meisten  Stellen  nämlich,  an 
denen  diese  Krankheit  überhaupt  erwähnt  wird,  finden  wir  nicht 
uha,  sondern  den  Plural  davon:  uhau;  nur  an  2  Stellen: 
Tkfel  XXV,  Zeile  9  und  Tafel  XXVII,*  Zeile  16  findet  sich  der 
Singular  und  zwar  beide  Male  nicht  uhat,  sondern  Uha.  Es 
scheint  also  in  der  That,  als  wenn  wir  es  Tafel  57,  Zeile  4 
nur  mit  einem  Versehn  des  Abschreibers  zu  thun  haben. 

6.    uxedu  =  schmerzhafte  Anschwellung. 
Das  Wort  uxed  steht  nach  Brugsch*)   „nicht  ohne  Zu- 
sammenhang mit  pinguis,  crassus,  obesus".    Nun  lehrt  uns  eine 
Zusammenstellung    aller    derjenigen    Stellen,    an    denen    dieses 
Wort  in  unserem  Papyrus  erwähnt  wird,  dass  das  Leiden  zwar 


*)  Cfr.  Uebersetzung  S.  18. 

')  Sammlung  klin.  Vorträge  von  Volkmann.  Nr.  255-256.  S.  40. 

»)  Op.  cit.  S.  17. 

*)  Wörterbuch  Bd.  V.   S.  331. 


—    XX    — 

an  den  verschiedensten  Körperstellen,  besonders  aber  und  haupt- 
sächlich im  Leib  vorkommt;  daneben  auch  im  Mund,  in  den 
Beinen,  am  Rumpf,  im  Rücken,  Herzen,  üringang,  Auge, 
zitternden  Arm,  in  den  Zähnen,  im  Kopf  und  in  allen  Gliedern; 
auch  eiternde  Wunden,  die  aus  uxedu  entstehen,  werden  er- 
wähnt. Ausserdem  kommen  sie  nicht  grade  selten  in  Verbin- 
dung mit  der  äaä-Krankheit  vor,  was  mir  für  die  Erklärung 
des  Wortes  einen  gewissen  Anhalt  zu  geben  scheint. 

Nach  alledem  ist  wohl  der  Schluss  gerechtfertigt,  dass 
man  darunter  zunächst  die  bei  der  Chlorosis  aegyptiaca  so  un- 
gemein häufig  und  schon  sehr  frühzeitig  auftretende  schmerz- 
hafte Anschwellung  des  Leibes  zu  verstehu  hat;  „der 
ganze  Unterleib",  sagt  Lutz^),  „ist  spontan  oder  auf  Druck 
schmerzhaft  und  dabei  gewöhnlich  meteoristisch  aufgetrieben". 
Die  gegebene  allgemeine  Erklärung  passt  auch  vorzuglich  für 
die  verschiedenen  Körpertheile,  an  denen  die  uyedu  sonst  noch 
vorkommen;  welche  specielle  Bedeutung  diesem  Wort  indes  an 
den  einzelnen  Stellen  zu  geben  ist,  soll  bei  der  meist  unge- 
nügenden Beschreibung  dahingestellt  bleiben. 

7.  gent-Krankheit»)  =  ?* 
Der  Stamm  bedeutet  nach  Brugsch'):  kraftlos,  matt, 
schwach,  ohnmächtig  sein;  das  Determinativum  des  Vogels  deutet 
auf  etwas  Schlechtes,  Böses.  Ich  vermuthe,  dass  es  sich  dabei 
um  eine  durch  starken  Blutverlust  —  vielleicht  in  Folge  von 
Abort  —  veranlasste  Krankheit  handelt,  wobei  ja  auffallend  ist, 
dass  in  der  Beschreibung  nichts  auf  den  Blutverlust  hindeutet. 
Die  Vermuthung  von  Ebers,  dass  darunter  Kindbettfieber  zu 
verstehn  sei,  erscheint  mir  ebenfalls  fraglich;  nichts  weist  an 
jener  Stelle  auf  einen  Zusammenhang  mit  der  Geburt  hin,  der 
so  guten  Beobachtern,  wie  es  die  alten  Aegypter  waren,  wohl 
schwerlich  entgangen  wäre. 


')  Sammlung  klin.  Vorträge  von  Volkmann.  Nr.  255-256.  S. 43. 
^  Durch  ein  Versehn  ist  das  Wort  in  der  fortlaufenden  üeber- 
setzung  ohne  Erklärung  geblieben. 
')  Wörterb.  Bd.  IV.  S.  1514. 


Es*)  fängt  an  das  Buch  vom  Bereiten  der  Arzeneien  Tafel  I. 
für  alle  Körpertheile  einer  Person.  Hervorgegangen  bin 
ich  aas  Heliopolis  mit  den  Priestern  von  het-äat,  den  Herren 
des  Schutzes,  den  Königen  der  Ewigkeit  und  der  Rettung. 
Hervorgegangen  bin  ich  ans  Sais  mit  den  mütterlichen  Göt- 
tinnen, die  mir  Schutz  gewähren.  Es  wurden  mir  Worte 
verliehen  vom  Herrn  des  Alls,  die  Leiden  aller  Götter  und  die 
todtlichen  Krankheiten  jeglicher  Art  zu  vertreiben.  So  viele 
Kapitel  sind  von  diesem  meinem  Kopf,  von  diesem  meinem 
Halse,  von  diesen  meinen  Armen,  von  diesem  meinem  Fleisch, 
von  diesen  meinen  Gliedern,  zu  strafen  die  Verhöhnungen  der 
Obersten,  welche  die  Krankheit  in  dieses  mein  Fleisch  ein- 
dringen lassen,  zaubernd  in  diesen  meinen  Gliedern,  dass  sie 
(die  Krankheit)  eindringt  in  dieses  mein  Fleisch,  in  diesen  meinen 
Kopf,  in  diese  meine  Arme,  in  meinen  Leib,  in  diese  meine 
Glieder,  [so  of^  erbarmt  sich  Ra,  indem  er  spricht:  ich  be- 
schütze  ihn  gegen  seine  Feinde.  Es  ist  sein  Führer  Hermes, 
der  ihm  die  Sprache  gegeben,  der  die  Bücher  schafft  und  Ruhm 
verleiht  den  Gelehrten')  und  den  Aerzten,  die  ihm  folgen,  um 
das,  was  dunkel  ist,  zu  enträthseln.  Denjenigen,  der  Gott  liebt, 
den  macht  er  lebendig;  ich  bin  Einer,  der  Gott  liebt,  er  macht 
micHTebendig.  Worte  zu  sprechen  bei  der  Bereitung  der 
Arzeneien  für  alle  Körpertheile  einer  Person,  die  krank 
ist.  Wie  es  sein  soll,  tausend  Mal.  Dies  ist  das  Buch  von  der 
Heilung  aller  Krankheiten.  Möge  mich  Isis  heilen,  sowie 
sieHorus  heilte  von  allen  Schmerzen,  die  ihm  sein  Bruder  Set 

')  Alles   gesperrt  Gedruckte  ist  im  Papyrus   mit  rother  Tinte, 
das  Uebrige  mit  schwarzer  geschrieben. 
^  Eigentlich:  denen,  die  Alles  wissen. 

Jomcbim,  Aegyptische  Heilkunde.  1 


—     2     — 

angethan  hatte,  da  er  seinen  Vater  Osiris  tödtete.  0  Isis,  du  grosse 
Zauberin ,  Tieile  micTT,'  erlöse  mich  von  allen  bosen^  schlechten, 
typhonischen  Dingen,  von  den  dämonischen^)  und  tödtlichen 
Krankheiten  und  Verunr^imgnngen  jeder  Art,  die  sich  auf  mich 
stün^erfT  sowie  Du  erlöst  und  befreit  hast  deinen  Sohn^  Horus. 
Da  ich  elngeärungen  bin  in  das  Feuer  und  herausgekommen  aus 
dem  Wasser.  Möge  ich  nicht  gerathen  in  die  Falle  jenes  Tage§, 
an  dem  ich  sageiTcE  T)in  klein  und  bejammemswerth.  0  Ra, 
der  du  gesprochen  hast  fuF  Deinen  Leib,  o  Osiris,  der  du 
betest  für  deine  Manifestation;  es  spricht  Ra  für  seinen  Leib, 
es  betet  Osiris  für  seine  Manifestation.  Wohlan  befreie  mich 
von  allen  möglichen  bösen,  schlechten,  typhonischen  Dingen,  von 
den  dämonischen^)  und  tödtlichen  Fiebern  jeglicher  Art. 

IL  Soviele  Kapitel  da  sind  [zu  sagen]  wie  es  sein  soll, 

tausend  Mal.  Capitel  vom  Trinken  der  Arzeneien.  Es 
kommen  die  Arzeneien,  es  kommt,  allerlei  zu  vertreiben  in 
diesem  meinem  Herzen,  in  diesen  meinen  Gliedern;  die  Zau"ber- 
sprüche  haben  grosse  Macht  über  die  Mittel.  Nocli  einmal. 
Erinnere  ich  mich  denn  nicht,  dass  geführt  wurden  Horus  und 
Set  zu'  dem  grossen  Vorhof  von  Heliopolis,  zu  berathen  über  die 
Hoden  Hes  Set  und  Horus  werde  frisch  (gesund),  wie  er  auf 
Erden  war.  Er  macht  alles,  was  er  will,  wie  diejenigen  von 
den  Göttern,  die  dort  sind.  Worte,  wenn  man  die  Arzeneien 
trinkt,  [zu  sagen]  wie  es  sein  soll,  tausend  Mal. 

Beginn  des  Buches  von  den  Arzeneien. 

Zu  vertreiben  die  Krankheiten  im  Leib: 
Öehui-Korn  mit  Bier  mischen  und  vom  Kranken  zu  trinken. 

Ein  andres  für  den  kranken  Leib: 
Kümmel  y^^ 

Gänseschmalz       y^ 
Milch  1  dena'') 

kochen,  durchseihen  und  einnehmen. 

Ein  andres: 

Feigen  V, 

Sebesten  /^ 

Süsses  Bier       1  dena  ebenso 
(d.  h.  kochen,  durchseihen  und  einnehmen). 


^)  Vielleicht  soviel  wie:  epidemisch  (?). 
')  denä  =  0,6  Liter. 


—     3     — 

AbführmitteP): 

Milch  y,  denä 

Brodteig  74 

Honig  V, 

kochen,  durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 

Ein  andres  Abführen  zu  bewirken: 


Honig 

Zwiebelpulyer  (?) 
Absynthpulver 
daraus  eine  Pille  machen. 

1 

1 
1 

Abfuhrmittel: 

Kräuter  des  Feldes 

i 

Honig 
in  Eins  bringen  und  einnehmen. 

Zusammennehmen  mit  Bier  7, 

oder  Wein  7^. 

Ein  andres: 

äaam-Pflanze 

V, 

Zwiebel  (?) 
Kräuter  des  Feldes 

■^ 

Honig                          %, 
in  Eins  bringen  und  vom  Kranken  einmal  einzunehmen 

Ein  andres: 

Honig 

Kräuter  des  Feldes 

l 

Palmwein 

V. 

gengent-Bohne             7i 
Oel                            V, 
kochen  und  vom  Kranken  einmal  einzunehmen. 

Ein  andres: 

Wein 

1 

Honig 

Kräuter  des  Feldes 

1 
1 

durchseihen  und  einmal  einnehmen. 

Ein  andres: 

Frische  Datteln       1 

Seesalz                   1 

»ebbet  »)-Saft          1 

III. 


IV. 


^)  Eigentlich:  MilteLden  Leib  zu  theilen,  ihn  zu  offnen. 

»)  Brugsch.    Wörterb.  Bd.  VII  S.  1175  ^Mischtrank,  Mixtur". 


—     4     — 

in  Wasser  mischen,  in  einen  Thonkrag  bringen  and  darauf  ge- 
quetschte gengent-Bohne  thun;  zusammenkochen,  in  eine  Kapsel 
oder  Hülse  legen  und  Yom  Kranken  warm  einzunehmen;  danach 
süsses  Bier  trinken. 

Ein  andres: 

Kräuter  des  Feldes     '/« 

Honig  V,  ■) 

zermahlen,  zerreiben  und  vom  Kranken  mit  süssem  Bier  einzu- 
nehmen. 

Ein  andres: 

Qrün^an       1 
zerjoabUüA)  zerreiben,  in  bät-Brod  thun,  zu  3  Kugeln  formen 
und  vom  Kranken  zugleich  mit  süssem.  Bier  einzunehmen. 

y.  Andre  Mittel  den  Leib  zu  öffnen: 

uam-Samen 
aneb-Pflanze 

Frucht  vom  kesebt')-Baum 
Honig 

§eneft')-Kom 
in  Eins  bringen  und  4  Tage  einnehmen. 

Ein  andres: 

däm-Pflanze 
Zwiebeln  (?) 
Kümmel 
Feigen 
Sebesten 
Oel 
in  Eins  bringen  und  vom  Kranken  zu  nehmen. 

Ein  andres  den  Leib  auszuleeren: 
Kuhmilch         1 
Brodteig  1 

Honig  1 

VI.  zermahlen,  zerreiben,  kochen  und  4  Tage  einnehmen. 


^  Der  Bruch  V4  ^^^  ^1®  ^^^  ^^  Papyrus  deutlich  sehen  kann, 
aus  einem  andern  verbessert. 

^  Nach  Ebers  „Die  Maasse  und  das  Kapitel  über  die  Augen- 
krankheiten*"  Leipzig  1889.    Seite  90  „ricinus  frutex?''. 

»)  Nach  Ebers  Seite  31  gehört  es  zu  den  als  Opfer  dargebrachten 
Komem. 


—     5     — 

Ein  andres  für  den  Leib: 

Blätter  von  der  qaqa^ -Pflanze  V4 

Datteln  von  der  männlichen  Palme     Ye 

Cypergras  V 

Stengel  von  der  xasit ')-Pflanze  Vis 

Coriander  Vis 

Kühles  Bier  V, 

feucht  stehen  lassen*),  durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 

£in  andres  die  uremlt^)- Krankheit  im  Leib  zu 
vertreiben: 

ännek-Pflanze       1 
in  Kuhmilch  oder  süssem  Bier  gekocht  vom  Kranken  zu  trinken, 
damit  er  die  uremIt-Krankheit,  die  er  in  seinem  Leibe  hat,  ausleere. 
Ein  andres  den  Mastdarm  zu  heilen: 

Zwiebeln  (?)       7, 

Süsses  Bier         '/j 
feucht  stehen  lassen  und  vom  Kranken  4  Tage  zu  trinken.         VII. 

Ein  andres  den  Leib  auszuleeren  und  alle  schlech- 
ten Dinge,  die  im  Körper  eines  Kranken  sind,  abzu- 
führen: 

Kräuter  des  Feldes       Vg 

Honig  % 

Dattehi  V, 

uäh-Kom  */, 

in  eins  mischen  und  an  einem  Tage  kauen. 
Ein  andres  Mittel: 

Frische  Milch  7, 

Absynth  7« 

ääam-Pflanze  7s3 

däm-Pflanze  788 

Wachholderbeere  Vi  6 

*)  Das  griech.  x{x(  =  Ricinus. 

^  Brugsch.  Wörterbuch  Bd.  VL  S.896  «Mohnpflanze*. 

^  Oder:  „Ueber  Nacht  stehen  lassen*;  oder:  «auf  die  Presse 
legen*. 

*)  Nach  Luring  „Die  über  die  medic.  Kenntnisse  der  alten 
Aegypter  berichtenden  Papyri  verglichen  mit  den  med.  Schriften 
griech.  und  röm.  Autoren*  Strassburg.  Dissert,  inaug.  1888.  S.  15 
^schädliche  Ansammlungen*. 

Urem  bedeutet  „anschwellen"  und  wird  vom  Steigen  des  Nils 
gesagt;  vielleicht  handelt  es  sich  bei  dieser  Krankheit  um  Anschwel- 
lung des  Leibes:  Ascites,  Hydrops  abdominis. 


—     6     — 

Cypergras  V„ 

Beere  vom  nän-Baum      Vi  6 

Weihrauch  7,^ 

Seesalz  7« 

kochen  mit  tehebu-Holz     ^e 
zusetzen  lassen 
VIII.  Honig,  sobald  es  geronnen  (?)  ist^);  kochen  und  hernach  warm 
an  einem  Tage  trinken. 

Ein  andres  Mittel  fär  den  Leib: 

ELräuter  des  Feldes       74 

gengent-Bohne  V^ 

Absynth  7^ 

Süsses  Bier  7$ 

in  eins  mischen,  kochen,  durchseihen  und  an  einem  Tage  nehmen, 
damit  der  Kranke  alle  schädlichen  Säfte,  die  in  seinem  Leib 
sind,  entleere. 

£in  andres  den  Leib  zu  entleeren  und  den  Unrath 
aus  dem  Leib  einer  Person  zu  vertreiben: 

Beere  vom  deqm')-Baum,  kauen  und  mit  Bier  hinunter- 
schlucken, um  alles,  was  in  seinem  Leibe  ist,  auszuleeren. 

Mittel  Ausleerungen  zu  regeln: 
Honig 

sasa  ')-Samen 
Absynth 
IX.  Wachholderbeere 

Beere  vom  uän-Baum 
Kerne  von  der  ut'ält-Frucht 
Künmiel 
ääam-Samen 
däm-Samen 
Seesalz 
zu  einer  Kugel*}  formen  und  in  den  After  brinjjfiu. 

Ein  andres  den  Urin  zu  regeln  und  Abführen  zu 
regeln: 


^)  Loret  Recueil  de  travaux  relatifs  a  la  phiiologie  et  k  Tar- 
cheologie  egypt.  et  assyr.  Vol  XI.  S.  122  „aussitöt  que  le  lait  monte". 

^  Ricinusbaum. 

^  Brugsch.  Worterb.  VIT.  S.  1226  „Kuchen  a.us  zusammen- 
gepressten  Rosinen''. 

«)  Luring  S.  15  „Seifenzäpfchen". 


—     7     — 

Glnseschmalz         7, 

BleivitrioP)  (?)     V,, 

kochen  and  hernach  warm  mit  Wein  hinunterschlucken. 

Ein  andres  um  Abführen  zu  machen  (bewirken): 
gengent-Bohne  6  Stück;    sie    ist  ähnlich  der  phönicischen 
Bohne;  Beere  von  mennuh-Pflanze;  setze  zu  jenen  Kräuter 
des  Feldes; 
zermahlen,  zerreiben,  in  Honig  thun  und  den  Kranken  nehmen  X. 
lassen  zusammen  mit  Palmwein  7,. 
Ein  andres: 

Wachholderbeere      78 
Honig  V, 

kochen  ind  hernach  warm  einnehmen  an  einem  Tage  mit  Hefe 
von  Biefj^  das_geschäumt  hai^ 

Ein  andres  kranke  Excremente  aus  dem  Leib  einer 
Persoi  auszutreiben: 

Weissen  Kuchen')      1 
Rothes  tlt-Kom  1 

Frauenmilch 
in  Eim  mischen  und  vom  Kranken  einzunehmen. 
Fin  andres: 

Weizenmehl 
öäm-Pflanze 
Beeren  vom  uän-Baum 
Kräuter  des  Feldes 
gengent-Bohne 
sexet-Pflanze 
in  Eds  zermahlen,  zu  Brod  backen  und  vom  Kranken  zu  essen.  XL 

Ein  andres  den  Leib  zu  entleeren  und  uxedu  zu 
tilgen: 

Eine  Prise  (Portion)  hemit,  zermahlen,  zerreiben,  in 
4  Kuchen  backen,  in  Honig  aufweichen  und  von  der  Person 
zu  ;ssen. 

Ein  andres: 

Grünspan  Ysi 

Honig  ebensoviel. 


1)  acBpu   des   Dioscorides.     De   mat.   med.   Ed.  Kuhn   YoL  25. 
Bu(h  V.  Cap.  118.  S.  783. 

^  Eigentlich:  ^as  oben  ist"  von  t'afa  =  Kopf. 

*)  Nach  Luring  S.  158  pit  =  Brod,  Kuchen,  Brodteig. 


—     8     — 

Arzeneimittel  dem  Leib  Oeffnang  zu  schaffen: 
Kräuter  des  Feldes       1 
Wachholderbeere  1 

Gänzescbmalz  1 

Honig  1 

Süsses  Bier 
in  eins  mischen  und  4  Tage  trinken. 

Ein  andres    um   allerlei  Krankheiten   im   Leib    zu 
vertreiben  und  den  Mastdarm  zu  behandeln: 

Der  Schaum ')  von.ÄÜasßm  Bier 
Zwiebelii  (?)  V, 

XII.  in  einen  des-Krug  thun  als  köstliches*)  (Mittel)  gegen  den  Tod. 
Im  Schaum  zerreiben;  lass  Du  es  wärmen  jeder  Zeit']^ 
Ein  andres  um  Abführung  zu  bewirken: 
Süsses  Bier  7,  dena 

seneft*)-Samen      7,, 
Seesalz  7,^ 

Sebesten  78 

feucht^)  stehen  lassen  und  4  Tage  trinken. 
Ein  andres: 
Durra,  1  hennu-Geföss,  getrocknet  und  geröstet  ebenso ;  davon 
Brot  machen,   Oel  dazu  setzen  und  von  der  Person  zu  essen, 
die  nicht  Abführung  hat. 

Ein  andres  um  den  Leib  in  Ordnung  zu  bringen: 
sasa*)-Kuchen  1 

sames-Pflanze  1 

f  aä-Samen  1 

Grünspan  ein  wenig 

Honig  1 

XIll.  zerreiben  und  gleich  nach  dem  Schlafengehu  essen. 

Ein  andres  Tumoren^)  im  Leib  zu  entfernen: 
Feigen  7, 

Sebesten  y^ 


K 


*)  Cfr.  vorige  Seite  Anm.  2. 
^  Eigentlich:  lieblich. 
^  Die  üebersetzung  ist  unsicher. 
*)  Gehort  zu  den  als  Opfer  dargebrachten  Körnern. 
^)  Erman  „lass  es  feucht  stehn*';  Luring  „lass  es  auf  die  Pr<sse 
legen". 

^  Cfr.  Anmerkung  3  zu  Seite  6. 
^)  a  Anschwellungen**. 


% 


—     9     — 

Weinbeeren  7^ 

Milch  7, 

Brodteig  Vg 

Beere  von  x^slt  ^)-Pflanze  Vg 

Grüne  Bleierde  (?)  7„ 

Weihrauch  7^^ 
Wasser 
feucht  stehen  lassen  und  4  Tage  einnehmen. 

Ein   andres   um  Krankheiten    auf  der  einen  Seite 
des  Leibes  zu  vertreiben: 

Lactuca       1 

Datteln        1 
in  Oel  kochen  und  als  Pflaster  darauf  legen. 

Ein  andres  um  alle  Krankheiten  im  Leib  zu  ver- 
treiben: 

Geröstete  Feigen  aufgeweicht  in  frischem  Baumöl  (?) ;  Wein- 
beeren ebenso;  Wachholderbeere  ebenso; 
in  eins  mischen  und  von  einer  Person  zu  essen,   die  krank  in 
ihrem  Leib  ist;  und  sie  trinken  lassen. 

Ein  andtes:  XIV. 

Geröstete  Feigen  aufgeweicht  in  frischem  Baumöl  (?);  Wein- 
beeren ebenso;  Wachholderbeere  ebenso;  ein  Krug  paäb')- 
Saft;  ein  Krug  Wein; 

in  eins  mischen  und  zu  trinken  von  einer  Person,  die  krank 

in  ihrem  Leib  ist. 

Ein  andres  um  Krankheit  des  Leibes  zu  vertreiben: 
Oel,  uäh-Kom,  Absynth,  ein  Kügelchen  *) 
in  Honig  zerrieben,  in  eins  mischen  und  einen  Tag  einnehmen. 

Mittel  die  Ausleerungen  zu  Ende  zu  bringen^): 

Grüne  Zwiebeln  (?)  Ys 

Frischgekochte  Grütze  Vg 

Oel  und  Honig  V^ 

Wachs  V,g 

Wasser  7,  dena 
kochen  undj4  Tage  einnehmen. 


0  Brugsch  Wörterbuch  Bd.  VI.  S.  896  „Mohnpflanze\ 

^  Stern  liest  pahet-Saft 

^  Soll  wohl  heissen  eine  Pille  davon  machen. 

*)  Also  Mittel  Diarrhoen  zu  stillen. 


—     10     — 

Ein  andres: 

Brodmehl  7,^ 

Grüne  Bleierde  (?)      7,, 

äpert ')  -  ndaa  -  Saft       7,  ^ 

Wasser  7,  ^^^^ 

in  4  Tagen  einnehmen. 
XV.  Ein  andres: 

seneft*)-Kom  V, 

Sebesten  78 

Weinbeeren  7i6 

änest-Kom  Vis 

Beere  vom  uän-Banm      7i6 

Honig  V,. 

Wasser  y,  denä 

feucht  stehen  lassen,  in  gleicher  Weise  (d.  i.  4  Tage  einnehmen). 

Ein  andres: 

Brodmehl  7,^ 

äpert')-ndau-Saft  78 

Zwiebeln  (?)  7„ 

Wasser  V,  dena 
4  Tage  trinken. 
Ein  andres: 

Feigen  7^ 

Weintrauben  78 

Brodteig  y„ 

pTt»)-Kom  V„ 

Grüne  Bleierde  (?)  //^^ 

XVI.  Zwiebeln  (?)  %, 

Wachholderbeere  7$ 
recitiren:  o  hetn*)!  abermals  o  hetu;  o  äVen!  o  ät'enit  abermals. 
Mischen  mit  Wasser  7,,  feucht  stehen  lassen  und  4  Tage  ein- 
nehmen. 

Ein  andres  häufige  Blutausleernngen  zu    vertrei- 
ben*): 

Frischgekochte  Grütze       7$ 

0  Nach  Sterns  Glossar  »ovum  sive  globulus". 
')  Cfr.  Anmerkung  zu  Seite  4. 
')  Brod  oder  Kuchen. 

*)  Vielleicht  Kynocephalus,  wie  Lieblein  meint. 
^)  Es  kann  3ich  hier  um  Beimischungen  von  Blut  zum  Darm- 
inhalt,   oder  auch  um   blutigen  Stuhlgang   handeln.     Das  erstere 


—    11    — 

Pulverisiites  näh-Kom      '/i 

Oel  ■  V, 

Honig  V, 

durchseihen  und  4  Tage  einnehmen.     Alle  Droguen  in  gleicher 
Weise  das  zweite  Mal. 

heft*)-Würmer  ahzutödten: 

Das  Holzartige  der  nehiinaa-Frucht ')    Yj 

Wasser  V, 

feucht  stehen  lassen,  durchseihen  und  an  einem  Tage  einnehmen. 
£in  andres: 

Durra  vom  Süden     V, 

Seesalz  Ys 

Wasser  7,  in  gleicher  Weise. 

Ein  andres: 

Harz  von  Acanthus  ^/, 

Wasser  V,  XVII. 

feucht  stehen  lassen,  durchseihen  und  an  einem  Tag  einnehmen. 

heft-Würmer  im  Leih  zu  vertreiben: 
Grünspan  4  Priesen,  in   4  Kuchen   zu  backen    und   vom 
Kranken  zu  essen. 

Ein  andres: 

Das  Innere  des  kesebt ')-Baumes    V, 
Hefe  V, 

Wasser  V,  V, 

feucht  stehen  lassen,  durchseihen  und  an  einem  Tag  einnehmen. 

Mittel  heft-Würmer  zu  tödten: 
Dattelmehl       V^ 
Zwiebeln  (?)     V^ 
Süsses  Bier      Ya  ^^^^ 
kochen,  durchseihen  und  einnehmen. 


kommt  bei  Haemorrhois  ja  häufig  vor,  im  letzteren  Falle  wäre  an 
Ruhr  (?)  zu  denken;  das  Letztere  scheint  mir  wahrscheinlicher. 

*)  Ascaris  lumbricoides ;  cfr.  hierzu  die  Einleitung.  [Mit  Scheu t- 
hauer  (Virchow's  Archiv  Bd.  85.  S.  350)  glaube  ich,  dass  man  unter 
heft  den  Ascaris  lumbricoides  zu  verstehen  hat.  Eine  Taenie  dafür 
zu  halten,  dagegen  spricht  eine  Stelle  nämlich  Tafel  66.  Zeile  1; 
dort  wird  ein  dunkler  (schwarzer)  Jieft-Wurm  als  Einreibung  gegen 
graues  Haar  verordnet.] 

^  Wurzelrinde  des  Granatapfelbaumes;  nehimaa  ist  wohl  eine 
Variante  von  änhemani;  Cfr.  Taf.  19.  Zeile  19. 

*)  Ricinus  frutex? 


—     12     — 

Ein  andres: 

Bluthe  der  nesau*)- Pflanze       V, 
Absynth  V', 

Süsses  Bier  1  dena 

zermahlen,  durchseihen  und  einnehmen. 

Ein  andres: 

Das  Innere  des  Ricinusstrauches   4  Tage  in   Hefe,  gähren 
und  feucht  stehen  lassen;  rühr  es  5  Tage  in  einem  irdenen  Krug 
XVIII.  um*"7g  thun  ...  .^;  auf  ad,  feucht  stehen  lassen  im  Sommer 
und  am  Morgen  zu  trinken. 

Ein  andres: 

Cyperusknollen       */,, 
Grünspan  */,, 

Wasser  '/i 

kochen  und  4  Tage  einnehmen. 

Ein  andres: 

Frucht  von  uam-Beere     74 
seneft  ')-Kom  7* 

Das  Innere  des  kesebt  *)-Baumes     ^/^ 
Honig  7, 

Bier  V, 

zermahlen,  in  Honig  stehen  lassen,  am  Morgen  es  thun  in  Bier  y, 

und  vom  Kranken  einzunehmen. 

Ein  andres: 

uam- Samen       7i 
Wasser  '/s 

feucht  stehen  lassen  und  4  Tage  einnehmen  oder  (auch)  mit  Bier. 

Ein  andres: 

äsu  *)-Pflanze       7a 
XIX.  §ames-Pflanze      74 

in  Honig  kochen  und  essen.      Si_e  sprechen  die  Beschwö- 


0  Brugsch  Wörterb.  Bd.  VI.  S.  698  „Gerste«. 

')  qem-§en  =  „gefunden  zerstört*.  Hier  ist  also  eine  Lacke, 
d.  h.  der  Abschreiber  hat,  wie  ich  vermuthe,  im  Originalwerk,  aus 
dem  er  abgeschrieben  hat,  ein  Stück  zerstört  gefunden  und  hat 
das  durch  das  Aegyptische:  „qem-sen"  wiedergeben  wollen.  Cfr. 
89. 1  und  90.  3,  wo  sich  ebenfalls  diese  Bemerkung  findet. 

^  Gehört  zu  den  als  Opfer  dargebrachten  Körnern. 

♦)  Ricinus  frutex? 

*)  Brugsch  Wörterb.  V  S.  141  „eine  liebliche  Pflanze". 


—     13     — 

rong^aus:  der  herxetef )-Wnrm  sticht  die  üenachen,  beun- 
rahigt  den  Schwachen  und  schmerzt- ia -diesem  Leib ;  der  Gott 
und  der  Feinä  hat  ihm  Zauberei  angethan;  der  Gott  lässt  auf- 
hören,'washer  in  dem  Leib  bewirkt  hat. 

Ein  andres  vorzügliches  Mittel  zum  Gebrauch  für 
den  Leib: 

äsu  *)-Pflanze        1 

sames- Pflanze      1 
zerreiben,  zermahlen,  in  Honig  kochen  und  vom  Kranken  zu  essen, 
der  in  seinem  Leib  heltu  *)-Würmer  hat,  die  von  der  äaä  *)-Krank- 
heit  hervorgebracht  sind  und  durch  kein  (andres)  Mittel  sterben. 

Ein  andres: 

Die  Rinde  vom  Granatapfelbaum  zerstossen  in  Bier  7,, 
feucht  stehen  lassen  in  einem  Krug  mit  Wasser  '/g)  ^^  Morgen 
durch  ein  Tuch  seihen  und  vom  Kranken  zu  trinken. 

Ein  andres  heft*)-Wurm  aus  dem  Leib  zu  vertreiben:  XX. 

Lactuca  1 

Absynth  1 

Much  1 

zusammenrühren  und  einnehmen.  Siehe,  der  Kranke  treibt*) 
alle  Würmer  aus,  die  in  seinem  Leib  sind. 

Ein  andres  heft*)-Würmer  zu  tödten: 
Getrocknete  Sycomorenfeigen      1 
Datteln  1 

gut  stossen,  in  umtet^)-Bier  thun  und  vom  Kranken  zu  trinken. 

Ein  andres  die  Krankheiten  zu  heilen,  die  von  heft*)- 
und  pend^-Würmern  entstehen: 

Dumpalmenpulver       •  1 


*)  Scheuthauer's  Vermuthung  (cfr.  Virchow's  Archiv  Bd.  85. 
S.  350)  dass  hierunter  der  Oxyuris  vermicularis  zu  verstehn  sei, 
tbeile  ich  nicht;  überhaupt  heisst  „her-vetef"  nicht  „aus  dem  Leibe** 
wie  Scheuthauer  meint  Unter  her-^etef  kann  man  ganz  allgemein 
„Eingeweide^'urm"  verstehen. 

2)  Brugsch  Wörterb.  V  S.  141  „eine  liebliche  Pflanze«. 

«)  Brugsch  Wörterb.  VI  S.  838  „Gewürm";  Würmer. 

*)  Chlorosis  aegyptiaca;  cfr.  die  Einleitung. 

^)  Ascaris  lumbricoides. 

^  Eigentlich:  scheisst  aus. 

^)  Von  der  Wurzel  umot  nach  Brugsch  Wort.  Bd.  V.  S.  314. 
„stark";  also  starkes,  kräftiges  Bier. 

^  Taenia  mediocanellata;  cfr.  die  Einleitung. 


—     14     — 

Spitzen  von  ämamu-Pflanze     1 

Gänseschmalz  1 

in  eins  mischen,  durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 

Krankheiten    zu  vertreiben,    die    entstehen  durch 
pend*)- Würmer:  ^ 

XXI.  'Harz  von  Acanthus        1 

Pfefferminzblüthe  1 

Lactuca  1 

t'as-Pflanze  1 

zerstossen,  in  eins  mischen  und  als  Pflaster  auf  den  Leib  einer 
Frau  oder  eines  Mannes  legen. 

Mittel  heft*)-Würmer  zu  tödten: 
Harz  von  Acanthus,  ins  Wasser  gelegt  in  einer  Vase,  steht 
mit  einem  Tuch  zugedeckt,  in  der  Frühe  in  einem  Stein-Morser 
zerstossen,  bis  Du  es  zerrieben  findest;    durch  ein  Rohr  darin 
(gesteckt)  hernach  es  einschlürfen. 

Ein   andres    die    Krankheiten    zu    vertreiben,    die 
von  pend^)-Würmern  entstehen: 
ännek  ')-Pflanze  1 

aneb-Pflanze  1 

Die  Spitze  von  Rohr     1 
Honig  1 

4  Tage  einnehmen. 

Ein  andres  heft')-Würmer  zu  tödten: 
uam-Samen  *)         7$ 
äeneft*)-Samen      Yic 
Seesalz  Yaa 

Honig  ■/„ 

in  eins  bringen,   1  Tag  essen.* 
XXII.  Andre  Mittel: 

Frucht  von  der  Sycomore,  getrocknet      1 
Grüne  Datteln  1 

in  Bier  zerstossen  und  4  Tage  trinken. 


0  Taenia  mediocanellata. 

^  Ascaris  lumbricoides. 

•)  Brugsch  Worterb.  V  S.  93  „Pflanze,  die  mit  dem  Mond  in 
Verbindune  steht*. 

*)  Während  bis  hierher  die  einzelnen  Medicamente  im  Papyrus 
unter  einander  gesetzt  wurden,  werden  sie  von  hier  ab  neben  ein- 
ander gesetzt. 

^)  Gehört  zu  den  als  Opfer  dargebrachten  Kornern. 


—     15     — 

Andre  Mittel  die  pend')-Würmer  zu  tödten: 
Das  Innere  des  kesebt')-BaDme8     7i 
sert-Saft  1   denä 

kochen,  durchseihen  und  sogleich  einnehmen. 

Ein  andres: 

uam- Samen  7« 

Seesalz  7aj 

seneft  ')-Samen  7i  s 

Honig  V, 

Süsses  Bier  7$ 

4  Pillen  machen  und  von  der  Person  einzunehmen,  zu  trinken 
mit  Bier  76* 

Andre  Mittel: 

uam-Samen  74 

seneft  ')-Samen  7aj 

sert-Saft  7, 

zermahlen,  zerreiben  und  1  Tag  trinken. 

Ein  andres: 

Krauter  des  Feldes 
8efet*)-0el 
Fett 

Natron,  roth 
Kuhgalle 
in  einen  Kuchen  backen,  einen  Tag  einnehmen. 

Ein  andres: 

Mennige  1 

gentet- Pflanze,  nesOl-Kom,  ta-Brod     1 
Erdöl  (Petroleum?)  1 

Süsses  Bier 
zerstossen,  pulverisiren,   durchseihen    und   an  einem  Tag  ein- 
nehmen. 

Ein  andres: 

Kräuter  des  Feldes        1 
Natron,  roth  1 

sefet*)-Oel  1 

in  einen  Kuchen  backen  und  1  Tag  einnehmen. 


0  Cfr.  vor.  Seite. 
^  Ricinus  frutex. 


^  Gehort  zu  den  als  Opfer  dargebrachten  Körnern. 
')  Ein  heüiges  Salböl. 


—     16     — 


Ein  andres: 

begsu-Beeren        Ys 
Wein  7, 

ämamu-Samen      Ys 
wann  machen  und  4  Tage  trinken. 

Ein  andres: 

sert-Saft 
Kümmel 
faas- Samen 
suti-sut- Pflanze 
ämamu-Samen 
däm-Pflanze 
Sebesten 
Süsses  Bier 
kochen  und  1  Tag  einnehmen. 

Ein  andres: 

Alraunbeeren  1 

Much  1 

Honig  1 

Kräuter  des  Feldes       1 
Wein 

kochen,  durchseihen,  4  Tage  nehmen;  es  entleert  den  Leib. 

Ein  andres: 

Kräuter  des  Feldes 
Herz  vom  mesä- Vogel 
Honig 
Wein 

ännek  ^)-Pflanze 
Süsses  Bier 
in  einen  Kuchen  backen  und  einen  Tag  essen. 

Ein  andres  pend')-Würmer  zu  behandeln: 
Pfefferminz  1 

qemu»).  Samen      1 
nua-Pflanze  1 

ämamu- Frucht       1 
kochen,  durchseihen  und  einen  Tag  einnehmen. 


')  Gfr.  Seite  14. 

^  Taenia  mediocanellata. 

3)  Brugsch  Worterb.  VII  S.  1245  ,Schwarzbaum^ 


—     17     — 
Ein  andres: 


Vr 


Dattelkörner 

Absynth  '/^ 

Cyperus  7,^ 

Bleivitriol ')  (?)  7^^ 

seneft')-Samen  V,, 

Benenntet  *)  -  Pflanze      y^ 

ämamu- Frucht  7a 

Kümmel  7^^ 

Süsses  Bier  1    denä 

kochen,  durchseihen,  4  Tage  einnehmen. 
Ein  andres: 

Zwiebeln  (?)     '/^ 

Mennige  ^L^ 

Saure  Much      % 

Weisses  Oel      7^ 

Süsses  Bier       7a  ^®°* 
kochen  und  einnehmen;  es  tödtet  die  pend*)- Würmer.  XXIII. 

Ein  andres: 

Beeren  vom  uän-Baum      7a 

Weisses  Oel  7a 

einen  Tag  einzunehmen. 

Mittel  uxedu  im  Leib  zu  heilen: 

Fleisch  von  einer_  gebenden  Kuh  7i 

Weihrauch  7,^ 

Lactuca  78 

Beere  vom  uän-Baum  7i« 

Frischgebackenes  Brod  78 

Süsses  Bier  7a  ^®"* 
durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 

Ein  andres  uxedu  im  Leib  fortzubringen: 
Oäm- Pflanze       78 
Sebesten  78 

sexept-Saft        7a 
Süsses  Bier        7» 
durchseihen,  kochen,  4  Tage  einnehmen. 


»)  oÄpu  des  Discor.;  cfr.  Seite  7. 
^  Cfr.  Seite  15. 

^  Luring  S.  161  „Pistia  stratiotes  L.' 
*)  Taenia  mediocanellata. 

Joachim,  Aegyptiscbe  Ueilkande. 


—     18     — 

Ein  andres: 

Nastortiom  784 

Sebesten  Vg 

Harz  von  Acanthus  7„ 

Ganseschmalz  7,g 

Beere  vom  nän-Baum  7i6 

Süsses  Bier  7a  ^®"^  ebenso. 
Ein  andres: 

Brodteig  7, 

Weintraaben  7i6 

Sebesten  78 

Feigen  7^ 

Weihrauch  764 

Eämmel  764 

Beeren  vom  uän-Baum  7i6 

Gänseschmalz  7i6 

Süsses  Bier  7a  ^^^^  ebenso. 
Ein  andres  nha-Erankheit  im  Leib  zu  vertreiben: 

Lapis  memphites 

BleivitrioP)  (?) 

besbes*)- Körner 

sesqa- Kömer 

Wachs 

sefet')-Oel 
zerstossen,  in  Eins  bringen  und  damit  salben. 

Wohlan  bereite  Du  Abführmittel,  nachdem  es 
gegen  seinen  Leib  verschlossen  gewesen  ist: 

Kräuter  des  Feldes      1 

gengent-Bohne  1 

äneb-Pflanze  1 

Brodteig  1 

zerstossen,  in  Eins  bringen,  davon  4  Kuchen  machen  und  ihn  es 
essen  lassen. 

Ein  andres  uha-Krankheit  zu  vertreiben,  die 
schwer  drückend  im  Körper  liegt;  sie  im  Leib  völlig 
zu  vernichten: 


1)  acüpu  des  Diese.  De  mat.  med.  Ed.  Kahn   Vol.  25.   Lib.  V. 
Cap.  118.  S.  783. 

«)  „Fenchel«;  Brugsch.   Zeitschr.  f.  ägypt.  Spr.  1881.  S.  33. 
s)  Ein  heiliges  Salböl. 


—     19     — 

Getrocknete  Myrrhen  7,^ 

Weihrauch  Yei 

Lapis  memphites  7«  4 

Bleivitrior)  (?)  7,, 

aneb-Pflanze  7« 

Grüne  Bleierde  (?)  7ij 

äsQ*)- Pflanze  7ie 

Absynth  78 

CoUyrium       '  7*4 

gengent- Bohne  7$ 

Kräuter  des  Feldes  78 

Zwiebeln  (?)  7^ 

Honig  •  7, 

feuchtes  uäh')-Korn  7jj 

zerreiben,   in  Eins  mischen  und  warm  einnehmen;    eine  voll- 
kommene Linderung. 

Ein  andres  die  uha-Erankheit  im  Leib  auszuscheiden 
(heben)  oder  sie  zu  vernichten: 

Feigen  7„ 

Seesalz  78 

Frisches  Brod       78 

Süsses  Bier  7,  denä 

kochen,  durchseihen  und  einen  Tag  einnehmen. 

Ein  andres  nach  ihm  (dem  vorhergehenden  Mittel): 
Kräuter  des  Feldes       78 

Hefe  7g  XXIV. 

Honig  7, 

Süsses  Bier  7j 

4  Tage  einnehmen. 

Ein  andres  seteft*)-Krankheit  zu  vertreiben: 

Dattelmehl  7, 

Zwiebelmehl  (?)     7, 

mesta- Getränk  ein  wenig 
kochen  zu   einer  Dose  von  Wasser  7}  dena;    dem  Mann   oder 
der  Frau  warm  zu  geben ;  vorzüglich  um  ihn  gesund  zu  machen. 


^)  oÄpu  des  Di  ose.  Lib.  V.  Cap.  118. 

2)  Brugsch  V.  S.  Ul  „eine  liebliche  Pflanze«. 

^  Wohl  eine  Getreideart  (?). 

*)  Drücken,  Aufstossen  (?). 


—     20     — 

Ein  andres  uha-Krankheit  zu  vertreiben: 

Absynth  V, 

Zwiebelmehl  (?)  V, 

Seesalz  7a 

Abfall  von  Datteln  7, 

Oel  7, 

ämamu-Pflanze  7a 

Süsses  Bier  Va 
kochen  und  heiss  essen. 

Ein  andres  uha-Krankheit  im  Leib  zu  vertreiben 

Süsse  Myrrhen  1 

Bleivitriol  (?)')  1 

Rnss  vom  bet'a*)-Topf     1 
Rbnig  1 

in  Eins  mischen  und  damit  bestreichen. 

Ein  andres    die   böse    seteft')-Krankbeit    zu    ver- 
treiben: 

abu-Saft 
Mennige 

Beere  von  der  Tamariske 
Natron 
Seesalz  *) 
in  Eins  bringen  und  gegen  die  Krankheit  geben. 

Ein  andres  uxedu  im  Leib  zu  heilen: 

Kräuter  des  Feldes  7^ 

8äm- Pflanze  7i8 

Feigen  7« 

Zwiebeln  (?)  7„ 

Sebesten  78 

Kümmel  764 

ääam- Pflanze  78  a 

Gänseschmalz  78 

Süsses  Bier  '/,  denä  in  gleicher  Weise. 


*)  oÄpu  des  Di  ose. 

")  Brugsch  Wörterb.  V  S.  464  „der  irdene  Topf,  Scherben*. 
')  Cfr.  vorige  Seite. 

^)  meht  mit  rother  Tinte  durchstrichen;   dann  müsste  man  nur 
„Salz"  übersetzen. 


—     21     — 

Ein  andres  axedu  zu  tilgen: 

Frucht  der  Dumpalme     Vis 

Datteln  V, 

Bittres  Bier  V, 

Brodteig  7^ 

Wein  7, 

Eselsmilch  1  denä 

kochen,  durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 

Ein  andres  nyedu  zu  tilgen  und  die  tödtliche  äaä')- 
Krankheit  in  dem  Leib  eines  Mannes  oder  einer  Frau 
zu  vertreiben: 

Harz  von  Acanthus  ^/^ 

Die  Fibern  desselben  7a 

Die  Frucht  desselben  7» 

Harz  vom  Terpenthinbaum      7s 

Die  Fibern  desselben  7i 

Die  Frucht  desselben  ^/^ 

Absynth*)  7^ 

Indigo") -Pflanze  74 

Frucht  von  der  taa- Pflanze    74 

annek  *)-Pflanze  74 

Weinbeeren  74 

Pfefferminz  74 

mischen,  zum  Essen  fertig  machen  und  4  Tage  einnehmen. 

Ein  andres')  uxedu  im  Leib  zu  tilgen: 
Weizen -Kömer  7> 

Durra -Körner  7» 

ut'ä  von  Datteln  74 

seneft*)-Kömer  7, 

AbfaU  von  Datteln  7^ 

Frucht  von  der  Dumpalme     74 
Absynth  7, 

kochen,  feucht  hinstellen  und  4  Tage  einnehmen. 


')  Chlorosis  aegyptiaca. 

>)  Mit  schwacher  rother  Tinte   ist  hier  dem  äam  ein  s  v oran- 
gesetzt; säam-Absynth. 
^  Luring  S.  163. 
*)  Cfr.  S.  14. 

^)  nt  mit  blasser  rother  Tinte  hinzugesetzt. 
«)  Cfr.  S.  4. 


—     22     — 

Ein  andres: 
XXV.  Knollen  XXV.  von  Cyperus    7^, 

Cyperus  vom  Binnenlande     ^/,g 

Cyperus  (vom  Ufer)  7i« 

Beere  vom  uän-Baum  ^/,j 

Wachholderbeeren  7i  e 

Gummi  7« 

Gänseschmalz  7^ 

Honig  7, 

Wasser  etwas*)  ebenso. 

Wenn  Du  Jemand  siehst  mit  Geschwulst  v^ji_tßig- 
artiger  Beschaffenheit,  sein  Leib  ist  hart  darunter,  er 
ist  krank  an  seinem  ro-ab'),  es  ist  seine  Geschwülst  in 
seinem  Leib,  die  keinen  Weg  findet  herauszukommen  und  die 
keinen  Weg  hat  aus  ihm  herauszukommen,  es  ist  Faulichtes  in 
seinem  Leib.  Nicht  kommt  es  heraus,  es  wird  zu  hesebt-Wür- 
mernj  wird  es  nicht  zu  beseht,  so  wird  sich  eine  Kugel  (?) 
bilden.  Leert  er  es  aus,  so  wird  er  augenblicklich  gesund. 
Führt  er  es  aber  nicht  als  hesebt-Würmer  ab,  so  mach  Du  ihm 
ein  Abführmittel,  um  ihn  augenbUcklich  gesund  zu  machen. 

Ein  andres  u/edu  im  Leib  zu  vertreiben  und  die 
holzharte  uha-Krankheit  im  Leib  eines  Mannes  oder 
einer  Frau  zu  zerstören: 

A 


A 
A 
A 
A 
A 


Pulverisirtes  uäh-Kom,  geröstet 
Kräuter  des  Feldes 
Süsser  Brodteig 
Dattelteig 
Gänseschmalz 
Honig 
in  Eins  zerreiben  und  einmal  einnehmen. 

Der   Beginn    der    Salben    uha-Krankheit    zu    ver- 
treiben: 

Lapis  memphites,  Milch,  reines  Oel 
viermal  damit  anfstreichen. 
Andre  Salbe:       . 
Harz  von  Acanthus,  Bieivitriol  (?),  Lapis  memphites,  ta- 
Saft  der  Bauern,  rothes  Natron,  Honig,  Oel 
damit  aufstreichen. 


? 


Ofr.  Ebers  S- 51. 
')  Cfr.  die  Einleitung. 


—     23     — 

Andre  Salbe: 
seneft')-Korn,  Eselskopf,  besbes*)-Korn,  sebtetit- Pflanze, 
nesti  *)  -  Pflanze ,    mäki  -  Korn   vom    he  -  Platz ,    baq  -  Oel, 
reines  Oel 
damit  aufstreichen. 

Andre  Salbe: 
Zwiebelmehl  (?),  Bohnenmehl,  nesti*) -Pflanze,  Bleivitriol 
(?),  Baumöl,  reines  Oel 
4  Tage  damit  aufstreichen. 

Andre  Salbe: 
Samen  der  Blüthen  der  Erde,  Eselsklauen,  sefseft- Samen 
des  Sees,  frische  Sahne,  reines  Oel 
4  Tage  damit  salben. 

Andre  Salbe: 
Erwärmte  Durra -Kömer,   erwärmte  äat-Pflanze,   erwärmte 
Frucht    der  Dumpalme,  XXVI.  Lapis    memphites,    Milch  XXVI. 
einer  Frau ,  die  einen  Knaben^  gebpren^  h^,  frisches  baq- 

(5el,  Oel  

kochen  und  7  Tage  damit  aufstreichen. 

Andre  Salbe: 
Fenchel  (?),  Mentha  montana,   sebtetit -Pflanze,  die  rothe 
Frucht  der  Sycomore,  Harz  der  x^t'-Pflanze,  reines  Oel 

8  Tage  damit  aufstreichen. 

Andre  Salbe: 
mäki-Korn  vom  nehe  *)-Platz,  Leinsamen  (?),  Crocus,  sesqa- 
Pflanze,  Beere  von  der  äbu-Pflanze,  Kümmel,  Wachs,  Oel, 
-  Baumöl,   Milch  einer  Frau,  die  einen  Sohn    geboren   hat 

9  Tage  damit  aufstreichen. 

Andre  Salbe: 
sefseft- Frucht,  FencheP)  (?),  Beere  von  der  äbu-Pflanze 
sesqa- Samen,    Bleivitriol  (?),    Lapis  memphites,    Crocus, 
trockene  Myrrhen,  süsse  Myrrhen 
in  Eins  bringen  und  10  Tage  damit  salben. 


')  Cfr.  Seite  4. 

*)  Brugsch ,  Zeitschrift  für  ägypt.  Sprache  und  Alterthumskunde. 
1881.  S.  33.    „Fenchel.« 

*)  Luring  S.  158  „Carthamus  tinclorius«. 

*)  Wahrscheinlich  ein  Fehler  anstatt:  „he^-Platz.     L. 

*)  Cfr.  Anmerkung  2. 


—     24     — 

Mittel  uha-Krankheit  za  vertreiben  und  uxedu  zu 
trennen^): 

Knhhirn       7^ 

Seesalz       ^/^ 

Honig         V„ 

Wasser        */, 
in  £ins  mischen  und  damit  anfstreichen. 

Ein  andres  uha-Krankheit  im  Fleisch')  einer  Per- 
son zu  vertreiben: 

Klares  Oel  1 

Oel^yom  Nilpferd     1 

Alter  Honig 

Bleivitriol  (?)  1 

dam -Pflanze  1 

Absynth  1 

pax-Kraut  1 

Wachs  1 

Fenchel')  (?)•  1 

8efet*>0el  1 

in  Eins  mischen  und  4  Tage  damit  anfstreichen. 

Ein  andres  Mittel  seteft-Krankheit  (oder)  irgend 
ein  andres  Uebel  im  Körper')  nicht  entstehen  zu 
lassen: 

Trockenes  saTt')-Kraut     1 

Oel  1 

Natron  1 

Seesalz  1 

zermahlen,  zerreiben,  in  Eins  mischen  und  damit  aufstreichen. 

Eine  andre  Salbe  uha-Krankheit  an  jedem  Glied 
einer  Person  zu  vertreiben: 

Süsse  Myrrhen       1 

BleivitrioF)  (?)      1 

Oel  1 


*)  Loret.    Recueil  de  travaux  relatifs  k  la  pbilol.  et  k  rarcheol. 
egypt.  et  assyr.    Vol.  XI.  S.  131.  »lever";  „sauver,  delivrer*. 
')  Aegyptisch :   hä  =  caro,  musculus,  corpus. 
»)  Cfr.  Seite  23. 
*)  Cfr.  Seite  18. 
*)  Wörtlich:    „in  jedem  Glied". 
«)  Brügsch  Worterb.  VII.  S.  982  „Wegerich?«. 
^  Ott>pu  des  Diese.  Lib.  V.  Cap.  118. 


—     25     — 

Zwiebeln  (?) 

Wachholderbeere 

CoUyrium 

Rass  vom  bet'aM-Gefass  (?) 

Honig 
in  Eins  mischen  und  damit  aufstreichen. 

Ein  andres  uha-Krankheit  zu  vertreiben  und  uyedu^ 
ZU  entfernen'): 

Euhgalie      1 

Seesaiz        1 

Honig  1 

in  Eins  mischen  und  damit  auf  streichen. 

Eine  andre  XXVH.  Salbe  uha-Krankheit  in  jedem  XXVII. 
Körpertheii  einer  Person  zu  vertreiben: 

Kräuter  des  Feldes,  Oel 
damit  aufstreichen. 

Ein  andres  Mittel  seteft')-Krankheit  nicht  entstehn 
zu  lassen: 

Oel  V. 

Gequetschtes  salt*)-Krant     1 

Seesalz  1 

ut'ält-Frucht  1 

Natron  1 

zermahlen,    zerreiben,    in  Eins  mischen  und  den  Korper  damit 
einreiben. 

Ein  andres  wirkliche  uha-Krankheit  zu  vertreiben: 

Oel 

Rothes  Korn 

Seesalz 

salt*)- Kraut 

Natron 
als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres  uxedu  zu  vertreiben: 

Mohnpflanze ')  1 

Mennige  1 

Grüne  Bleierde  (?)       1 

')  Cfr.  Anm.  2  zu  Seite  20. 

^  Loret    Recueil  de  travaux  etc.    Vol.  XI.  S.  131. 

»)  Cfr.  Seite  19. 

*)  Cfr.  vorige  Seite. 

^)  Brugsch.    Wörterb.  VI.  S.  896  ,Opium«. 


—     26     — 

Honig 

sesqa-Körner 
Fracht  der  Dumpalme 
Kuchen 
senen-Myrrhe 
äber*)-Oel 
Fett 
in  Eins  machen  und  dagegen^)  geben. 

Ein  andres  n/edu  im  Mund  zu  vertreiben'): 
Absynth  Ys 

däm- Pflanze  7$ 

ääm-Pflanze  V^, 

Beere  von  7aslt*)-Pflanze  7s 

Beere  vom  uän-Baum  ^/^^ 

Brodteig  7« 

Sebesten  7i6 

Zwiebeln  (?)  7^ 

Weihrauch  764 

Grüne  Bieierde  (?)  7g, 

Nasturtium  7^4 

utit  [Samen  (?)]  von  Sycomore      7$ 
ämu- Kömer  1  denä 

feucht  stehen  lassen,  durchseihen,  4  Tage  einnehmen. 
Ein  andres  uxeda  zu  vertreiben: 
Oel,  ausgepresst  aus  Samen  von  der  Ricinusstaude,  damit 
eine  Person  bestreichen,   die  uha  (-Geschwulst)  mit  stinkender 
Materie  hat;   siehe  das  Uebel  wird  vertrieben,  als  ob  ihr  (i.  e. 
der  Person)  nichts  fehlte;    sie   braucht  das  Oel  gleicher  Weise 
10  Tage  als  Salbe,  indem  sie  sich  damit  zwei  Mal  früh  morgens  be- 
streicht, um  die  Krankheit  zu  vertreiben,  wie  es  sich  immer  gebührt. 
Ein  andres  u/edu  zu  vertreiben: 
Schale  der  Schildkröte       1 
Natron  1 

Frisches  Baumöl  (?)  1 

sefet*)-Oel  1 

in  Eins  machen,  erhitzen  und  damit  salben. 


')  Bezeichnung  eines  heiligen  Salböls. 
^  Gegen  die  Krankheit. 
')  Eigentlich:  abzuwehren,  fernzuhalten. 
*)  Brugsch.    WGrterb.  Vi  S.  896  «Opium' 
»)  Cfr.  Seite  18. 


—     27     — 

Ein  andres  uha-Krankheit  und  Hitzblattern') 
(pustulae)  zu  vertreiben: 

Frucht  der  Papyruspflanze        Ys 

sasa^)- Samen  ^4 

Frucht  der  Dnmpalme  '/s 

Honig  V, 

Wasser  ^/j  denä 

feucht  stehen  lassen,  durchseihen,  4  Tage  einnehmen. 

Ein  andres  Hautflecke  ^  zu  vertreiben,  die  von 
uxedu  entstehen*): 

Feigen  7^ 

Weizenbrod  ^j 

Sebesten  ^/^ 

Grüne  Bleierde  (?)     V„ 

Wasser  7^  dena 

feucht  stehen  lassen,  4  Tage  einnehmen. 

Andre  Mittel  Hautflecke*)  zu  vertreiben,  die  von 
uxedu  entstanden  sind*): 

§enBft*)- Samen 

Das  Innere  von  Zwiebeln*  (?) 

Grüne  Bleierde  (?) 

saSa*)- Samen 

Harz  von  Acanthus 

Harz  von  Terpenthin 

Kuhmilch 
gut  durchkochen  und  4  Tage  trinken. 

Andre  Mittel  XXX.*)  für  die  Vorderseite  des  Schien-  XXX. 
beins: 

Das  Innere  des  när^)- Fisches,  das  innen  in  seinem  Kopf 
sich  findet«  in  Honig  weichen,  als  Pflaster  auflegen,  um  den 
Kranken  sogleich  zu  Reilen. 


*)  qaqat. 

')  Cfr.  Seite  6. 

')  ännut. 

*)  Eigentlich:  Hautflecke  der  nvedu. 

*)  Cfr.  Seite  4. 

^  Hier  folgt  auf  Tafel  27  unmittelbar  30,  ohne  dass  der  Text 
wie  es  scheint  eine  Unterbrechung  erfahren  bat;  beim  Numeriren 
hat  der  alte  Schreiber  wahrscheinlich  die  Zahlen  28  und  29  ver- 
gessen, cfr.  Ebers  „Das  hermetische  Buch  über  die  Arzeneimittel  etc." 
Leipzig  1875.    Einleitung  S.  17. 

0  Ebers  S.  169  „Wels«. 


—     28 


Ein  andres  u-/eda  za  tilgen: 
Weizenmehl 
Durramehl 

Mehl  von  der  Dumpalmenfracht 
Xet'- Pflanze 
Honig 
als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres  eiternde  Wunden  zu   heilen,    die  aus 

u/edu  entstehen: 

Gequetschte  Dumpalmenfrucht      1 

Süsses  Bier  1 

Bohnen  1 

Harz  von  Acanthus  1 

Cbarpie  von  Leinwand  1 

Süsse  Myrrhen  1 

Süsses  Bier  zusetzen  1 

darauf  als  Pflaster  legen  ^). 


XXXI. 


Mittel  den  Leib  und  Anus  zu  hei 
Milch 

Gänseschmalz  (?) 
Gequetschtes  uäh')-Korn 
Kräuter  des  Feldes 
Weinbeeren 
durchseihen  und  einen  Tag  einnehmen. 

Ein  andres: 

Brodteig  1 7, 

Durrapulver  ^/^ 

Dattelpulver  Yi 

Honig  Yie, 
Kräuter  des  Feldes*)     V^ 

Gänseschmalz  ^/, 

durchseihen  und  einen  Tag  einnehmen. 


len: 

u 

8 


/, 


u 


0  Hier  folgt  eine  lange  Beschwörungsformel,  die  hergesagt 
werden  solTle,  um  die  Medicamente  wirlcsaraei'  zu  machen;  da  sie 
keine  medicinische  Bedeutung  hat,  üherspringe  ich  sie.  " 

2)  Eine  Getreideart  (?). 

»)  Hier  ist  mit  kleinerer  Schrift  zu  Beginn  der  Tafel  XXXI  Fol- 
gendes eingeschoben :  ,,nonig  Vs  durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 

Ein  andres:  Wein  Vs»  Honig  Vs»»  Kräuter  des  Feldes  Va» 
Zwiebelwasser  (?)  74«" 


—     29     — 

Ein  andres: 

Gänseschmalz  Vie 

Honig  Vie 

Kräuter  des  Feldes       V4 
Frisches  Brod  Vi 

durchseihen  und  einen  Tag  einnehmen. 

Ein  andres: 

Zwiehelwasser  (?)       '/i 

flüssige  Grütze  */, 

Gänseschmalz  */^ 

kochen,    zu    einem  Brei    machen    und   jeden  Tag    einnehmen; 
dazu  Bierschanm  Jrinken. 

Ein  andres: 

Kräuter  des  Feldes  7, 

Süsses  Bier  Yi 

Honig  V„ 

Weihrauch  Yei 
Beere  vom  uän-Baum      Yie 

Weinbeeren  */, 

Feigen  V, 
feucht  stehen  lassen,  durchseihen  und  täglich  einnehmen. 

Ein  andres*)  äaä')-Krankheit  bei  einem  Patien- 
ten zu  vertreiben,  uxedu  zu  heben,  heftige  Schmerzen 
(Kolik),  die  über  eine  Person  kommen,  zu  vertreiben 
und  den  Anus  durch  Kühlen  zu  heilen: 

Absynth  7, 

Beere  vom  uän-Baum  7i6 

Honig  7„ 

Süsses  Bier  7« 
durchseihen  und  4  Tage  trinken. 

Andre  Mittel  Entz_üjQduDg  (Gluth,  Hitze)  ijn  Anus 
un_d_iu^  der  Blase*)  bei  einer  Person  zu  vertreiben,  die 
häufig  Winde  von  sich  giebt,  ohne  es  zu  wis^sen*): 

abu- Pflanze     1 

Salz  1 


^)  nt  doppelt  geschrieben. 

')  Chlorosis  aegyptiaca. 

^  Septit,  vom  Stamme  Sep  =>  eine  Flüssigkeit  beseitigen. 

*)  Soll  wohl  soviel  heissen  wie:  unfreiwillig. 


—     30     — 

Wassermelone      1 

Honig  1 

zerreiben,  in  Eins  mischen,  zu  einer  Engel  formen  und  in  den 
Anus  bringen. 

Eine  andre  Kugel  den  Anus  zu  kühlen: 

Xeper-ur- Samen  1 

Wachholderbeere  1 

Beere  vom  uän-Baum       1 

Weihrauch  1 

Grüne  Bleierde  (?)  1 

Seezungekomer  1 

Kümmel  1 

Honig  1 

Myrrhen  1 

Aloe  1 

zu  einer  Kugel  formen  und  in  den  Anus  bringen. 

Ein  andres  u/edu  am  Anus  zu  vertreiben: 

Feigen  1 

Seesalz  1 

Weihrauch  1 

Horn  (?)  von  der  Kuh      1 
zu  einer  Kugel  formen  und  in  den  Anus  bringen. 

Ein  andres^)  Brennen  am  Anns  zu  entfernen: 

Antilopenfett     1 

Kümmel  1  in  gleicher  Weise. 

Mittel  den  Anus  zu  kühlen: 

Baumöl  (?)  1 

Zwiebelwasser  (?)       1 

Oel  1 

Honig  V, 

einspritzen  in  den  Anus. 

Andre  Mittel  den  Anus  zu  lindern: 

Weihrauch 

sehtet -Kömer 

xeslt*)- Samen 

uän-Baum 

Kümmel 

Collyrium 


0  nt  mit  schwarzer  Tinte  eingeschoben. 

2)  Brugsch,  Wörterb.  VI  S.  89C  „Mohn pflanze«. 


—     31     — 

Zwiebel  (?) 

sa- Kraut- Samen 

Baumöl  (?) 

Fett 

Oel 

Seesalz 

zermahlen,  zerreiben,  zu  einer  Kugel  formen  und  4  Tage  in  den 
Anns  bringen.  

Ein  andres  gegen  unex^)  (Wunde?)  am  Anus: 
Myrrhen 
Weihrauch 

Cyperu»  des  Binnenlandes 
(Cyperus)  des  Nordens  am  Strande 
Crocus 
Coriander 
Oel 
Salz 
in  Eins  kochen,  in  Charpie  legen  und  in  den  Anns^jt^ringen. 

Andre  Mittel: 

Gänseeier  (?)  1 

Gänseeingeweide  (?)       1 
in  den  Anns  bringen. 

Ein  andres  den  Anus  zu  behandeln: 
Milch  V, 

Gänseschmalz  ^/, 

Gequetschten  uäh')-Samen    7^ 
Kräuter  des  Feldes  74 

Weinbeeren  7* 

durchseihen  und  eineiuTag  einnehmen. 

Ein  andres: 

Gequetschte  Durra  ^/^ 

Gequetschte  Datteln  ^j^ 
Gequetschten  Weizen     ^/^ 

Honig  Vj^ 

Kräuter  des  Feldes  74 

Fett  7, 
in  Eins  bringen  und  einen  Tag  einnehmen. 


XXXIl 


0  Brugsch,  Wörterb.  V.  S.  331.  unex  =  »verwunden**. 
*)  Eine  Getreideart  (?) 


—     32     — 

Ein  andres: 

Gänseschmalz  7i« 

Honig  y,. 

Kräuter  des  Feldes       7^ 

Frisches  Brod  Vi 

einen  Tag  einnehmen. 
Ein  andres: 

Zwiebelwasser  (?)      1 

Honig  V3 

4  Tage  trinken. 

Andre  Mittel: 

Wein  V, 

Honig  V 

Kräuter  des  Feldes  ^/^ 

Zwiebelwasser  (?)  ^/^ 

Flüssige  Grütze  7^ 

Gänseschmalz  Vi 
kochen,   zu  Brei  machen  und  tätlich  mit  Hefe  vom  Bier,  das 
geschäumt*)  hat,  essen. 

Ein  andres: 

Kräuter  des  Feldes  7^ 

Süsses  Bier  7^ 

Honig  7,, 

Weihrauch  764 

Beere  vom  uän-Baum  7i6 

Weinbeeren  ^j^ 

Feigen  7, 

Sebesten  7$ 
feucht  stehen  lassen  und  4  Tage  einnehmen. 

Mittel  Brennen')  am  Anus  zu  verhindern,  wenn 
er  leidet  in  Verbindung  mit  uxedu  in  seinen  (i.  e.  des 
Patienten)  Beinen: 

Das  Innere  von  Zwiebeln  (?)     7*8 
Frischgekochte  Grütze  7$ 

Wachs  y 

Gänseschmalz  /^ 

Wasser  7a  ^^^^' 

feucht  stehen  lassen  und  4  Tage  einnehmen. 

»)  Cfr.  Seite  7  Anm.  2. 

*)  Determinirt  durch  die  Flamme. 


—     33     — 

Ein  andres,  Brennen^)  (Entzündung)  am  Anns  zu 
vertreiben: 

sasa*)- Stücke 

fuhu- Samen 

Teig 

Wachholderbeere 

Absynth 

Knollen  von  der  tektek- Pflanze 

Grüne  Bleierde  (?) 

Kern  vom  Sycomorenbaum 

Knoblauch 

Unreine  Datteln 

zerreiben,   mischen  und  von  einem  Mann  oder  einer  Frau  zu 
trinken,  die  an  Entzündung^)  leidet. 

Ein  andres  Entzündung^)  am  Anus  zu  vertreiben:  XXXIII. 

Bohnenmehl  1 

Zwiebelmehl  (?)     1 
Myrrhen  1 

ähemt-Harz  1 

Collyrium  1 

zu  einer  Kugel  formen  und  in  den  Anus  bringen. 

Mittel  nach  anderen  Aerzten  zu  kühlen: 

Knoblauch  V-. 

Wein  7, 

Galle  (?)  von  einem  fetten  Ochsen  ^/^ 

seter  ^- Trunk  7^ 
Honig 
durchseihen  und  in  den  Anus  giessen. 

Ein  andres: 

Ochsengalle  ^/^ 

Abgekochte  Milch  v  76 
Honig  7, 

mähui  *)-Frucht  7j 

durchseihen  und  einen  Tag  in_den  Anus  giessen. 


^  tau  =  Hitze. 

*)  Cfr.  Seite  6. 

^  Yielleicht  Opium;  determinirt  mit  dem  Ruhebett. 

*)  Brugsch.    Wörterb.  VI.  S.  563  »Wunderfrucht**. 

Joachim,  Aegyptische  HeUkunde.  3 


—     34     — 

Ein  andres: 

Zwiebeln  (?)         1 
ännek^)-Pflanze     1 
Wasser 
in  den  Anns  giessen. 

Ein  andres: 

Zwiebelwasser  (?)  1 

Harz  von  Acanthus  1 

Harz  von  Zizyphus  Lotus')      1 
mähui ')  -Flüssigkeit 
in  den  Anus  giessen. 

Ein  andres  den  Anus  zu  kühlen: 
Zwiebelmehl  (?)    V„ 
Mäuseschwanz       Yaj 
Honig  V, 

Wasser  7s 

durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 

Ein  andres  die  metu^)  des  Anus  zu  lindern^); 

Fett  y„ 

Harz  von  Acanthus     */^^ 
darauf  streichen  (salben). 

Ein  andres  den  kranken  Anus  zu  heilen: 
Kuhhom  1 

Stücke  von  getrocknetem  Oel       1 
Hefe  von  Wein 
zu  einem  Zäpfchen  für  den  Mann  oder  die  Frau  machen. 

Ein  andres  Zäpfchen  den  Anus  zu  kühlen: 


SaSa«)- Stücke 

Zwiebelmehl  (?) 

Weinhefe 

Xeper-ur-Kom 

Seesalz 

Durramehl 

> 

»)  Cfr.  Seite  14.  Anm.  3. 

^  Luring  S.  157. 

^  Cfr.  vorige  Seite. 

*)  metu  hier  wohl  die  HämorrhoidalkDOten. 

^)  Wörtlich:   angenehm  machen. 

«)  Cfr.  Seite. 

—    35     — 

Dattelmehl       1 
Honig  1 

za  einem  Z&pfchen  machen  und  in  den  After  bringen. 

Linderung  für  den  After  und  Linderung  für  den 
Unterleib^)  zu  schaffen: 

Bohnenmehl 

Natron 

gemischt  mit  Myrrhen 

Xesait-Samen  von  mät'au') 

Wachholderbeere 

Beere  vom  uän-Baum 

Weihrauch 

Zwiebelmehl  (?) 

Kümmel 

Honig 

zerreiben  in  Eins,  mit  diesem  Honig  mischen,  zu  einer  Kugel 
formen  und  4  Tage  in  den  After  bringen. 

Zauberei  in  dem  Leib  zu  vertreib.en: 

Das  Innere  der  hemem')- Pflanze     1 
Das  Innere  der  ufält- Frucht  1 

Weihrauch  1 

Kräuter  des  Feldes  1 

Süsses  Bier 
in  Eins  znsammenreiben  und  von  der  Person  zu  trinken. 

Ein  andres: 

Greif  meine  Hand^F^ags  .mgloe  .Hasd -Kraut!),  hinzusetzen 
1  denä')  Wasser  die  Nacht  hindurch  und  davon  jeden  Tag  ein 
hennu^-Gef&ss  Wasser  4  Tage  lang  trinken. 

Ein  andres  Zauberei  in  dem  Leib  eines  Mannes 
oder  einer  Frau  zu  vertreiben: 

Aloe  1 

Wachholderbeere       1 


XXXIV. 


^  Luring  S.  65  „Mutterleib* ;  Ob  abas  schlägt  die  Uebersetzung 
.Blase*  vor. 

>)  Brugsch.  Wörterb.  VI.  S.  896  „Mohn  vom  Lande  mat'au^ 

*)  Brugsch.  Wort.  VI.  S.  821  ^eine  gewisse  Pflauzenklasse, 
aus  der  eine  berühmte  Salbe  bereitet  wurde''. 

*)  Ebers  S.  35. 

*)  deni  »  0,6  Liter. 

^  hennu  =  0,46  Liter. 

3* 


—     36     — 

Roher  Honig  1 

Natron 
in  Eins  bringen  and  von  dem  Mann  oder  der  Fran  zn  essen. 

Ein  andres  Zauberei  and  die  gottliche ^)y  tMiliche 
äaä-Krankheit  in  dem  Leib  einer  Person  zu  vertreiben; 

Die  erste  Fracht  von  Cyperas     '/$ 
sasa')-Stacke  '/§ 

Beere  von  Oehui-Pflanze  '/^^ 

abn- Pflanze  */, 

zu  Palver  stossen,  in  Bier  bringen  und  von  der  Person  gleich 
nach  dem  Zubettgehn  zu  trinken. 

Ein  andres: 

Gequetschte  Datteln,  thun  in  Oei,  thun  in  sehet  *)- Saft, 
auf  Feuer  setzen,  dazu  sar-Saft^)  setzen 
zu  essen  von  einer  Frau,  ihren  Leib  zu  schützen. 

'  Ein  andres: 

ahn- Pflanze         Ys* 

sames- Pflanze      7,^ 

»ehui-Frucht       '/^^ 

Coriander  ^/^ 

in  Eins  kochen  and  gleich  nach  dem  Zubettgehn  einzunehmen. 
Ein  andres: 

§ames- Pflanze      Yie 

sasa*)- Stücke      7$ 

genti  *)-Samen      '/ei 

Honig  7, 

in  Eins  machen  und  gleich  nach  dem  Zubettgehn  zu  nehmen. 
Ein  andres: 

Trauben  7» 

Kuchen  7i« 

§ames- Pflanze        78 

Honig  7j, 

Saäa*)- Stücke       7^, 
zerreiben  und  einzunehmen  gleich  nach  dem  Zubettgehn. 


*)  D.  h.  von  Gott  gesandte  ^  Epidemie  (?);  cfr.  die  Einleitung. 
5)  Brugscb.   Wort.  VII.   S.  1226    „Kuchen   aus   zusammenge- 
pressten  Rosinen". 

3)  Brugsch.  Wort.  VIL  S.  1175  „Mischtrank,  Mixtur*. 

*)  Luring  S.  21  „Hefe*. 

*)  Brugsch.  Wort  YIL  S.  1269  „Cassia«. 


16 


—     37     — 

Ein  andres:  XXXV. 

Frucht  der  Dampalme     7i« 

annek*)- Pflanze  7i« 

Wachholderbeeren  7i6 

mema-Fnicht  7^ 

Absynth  V^ 

Honig  V, 

einzunehmen  gleich  nach  dem  Zubettgehn. 
£in  andres: 

äbu- Pflanze  7«  4 

Coriander  ^/^^ 

Dumpalmenfrucht       7^^ 

saäa^- Stücke  7, 

sames- Pflanze  ^L^ 

kochen  in  Honig        7^ 
und  Yon  einer  Frau  um  die  Zeit  des  Zubettgehens  einzunehmen. 
Mittel  Entzündung^  im  Unterleib  zu  vertreiben: 

Dumpalmenfrucht 

Gerösteter  Weizen 

Weizenmehl 

Durramehl 

xet*- Pflanze 

Honig 
den  Unterleib  damit  bepflastern  (als  Pflaster  auf  den  Unterleib 
legen). 

Ein  andres: 

Feigen  1 

Kümmel  1 

Mehl  von  uäh^)- Samen    1 

Honig  1 

sefu-Oel  1 

den  Unterleib  damit  bepflastern. 
Ein  andres: 

Beere  vom  uän-Baum       1 

Weihrauch  1 

Sebesten  1 


^)  Brugscb.  Wort.  Y.  S.  93    „Pflanze,   die  mit  dem  Mond  in 
Verbindung  steht". 

•)  Cfr.  vorige  Seite. 
^  Hitze,  Brennen. 
^)  Eine  Getreideart  (?). 


—     38     — 

Datteln  1 

Oel  1 

Esio^  1 

davon  ein  Pflastgx  (machen  und)  aaf  den  Unterleib  legen. 
Ein  andres: 

Mehl  Yon  näh*) -Samen   1 
Honig  1 

Oel  1 

Pfefferminz  1 

xet'- Pflanze  1 

auf  den  Unterleib  als  Pflaster  legen. 
Ein  andres: 

Ein  Stack  vom  Stamm  der  Leinpflanze     1 
Frische  Milch 
auf  den  Unterleib  einer  Person  za  legen,  die  krank  ist. 
Ein  andres: 

Oel  von  zuoberst  des  des-Kmges*)  auf  den  Unterleib  der 
Person  than. 

Ein  andres: 

sefseft-Kömer   mit  dem   aasgegohrenen  mesta- Getränk  (?) 
mischen  and  aaf  den  Unterleib  der  Person  legen. 

Ein  andres  die  Todeskrankheit')'in  dem  Leib  einer 
Person  aaszatreiben: 

Beere  von  &ehai- Fracht  1 

Beere  von  Grocas  1 

Fracht  von  Terpentin-Pistazie  1 
Das  Innere  von  der  at'ält-Frucht  1 
sasa^)-Stacke  1 

zermahlen,  zerreiben  and  mit  Honig  von  der  Person  zu  essen. 
Mittel  den  Rampf^)  za  heilen: 
Zwiebeln  (?)     7,^ 
Kämmel  ^/^ 

Wein 
kochen  and  4  Tage  einnehmen. 


.V 


*)  Cfir.  vorige  Seite. 

3)  Ebers  S.  20. 

*)  Wörtlich:  der  Tod;  es  ist  wohl  die  &aa-Krankheit  gemeint; 
cfr.  hierzu  die  Einleitung. 

*)    Cfr.  Seite  36. 

^)  Seuebt;  Luring  übersetzt  «Brust*;  Brugsch.  VII.  S.  1196 
,Leib,  Oberkörper,  Torso*. 


—     39     — 

Ein  andres: 

Gemahlene  Durra  7« 

Cypemsknollen  7« 

netertu-Pflanze  (Weihrauch  (?))     7„ 

Das  Innere  von  Zwiebeln  (?)       */,, 

utit  von  Sycomore  */„ 

Beere  vom  uän-Banm  7i« 

ftäm- Pflanze  7, 

Wasser 
4  Tage  lang  zu  essen. 

Ein  andres  den  Rumpf  zu  heilen,  alle  Krankheiten 
im  Leib  zu  vertreiben  und  den  Mastdarm  zu  heilen: 

Der  Schaum'}  von  sussegi  Bipr 

2^beln  (?)       "  '  "    7, 

thun  in  einen  des-Krug  als  köstliches  (Mittel)  gegen  den  Tod; 
den  Schaum  anwenden;  lass  Du  es  jeder  Zeit  aufgewärmt  essen; 
davon  1  hennu*)-Geffos  jeden  Tag  trinken*). 

Ein  andres  Brennen  der  uxedu  am  Rumpf  zu  ver- 
treiben: 

Feigen 

Beere  vom  Weinstock 

Sebesten 

Beere  vom  XXXVI.  nän-Baum       1  XXX VI. 

Weihrauch 

Nasturtium 

Rummel 

Uta  von  Datteln 

Susses  Bier 
kochen,  durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 

Ein  andres  u/edu  am  Rumpf  abzuwehren: 

Harz  von  Acanthus     78 

Süsses  Bier  */,  denä*) 

zerreiben,  feucht  stehen  lassen,  durchseihen  und  4  Tage  trinken. 

Regeln,  wenn  der  ro-ab*)  leidend  ist.  ^J ;2 

Wenn  Du  eine  Person  untersuchst,  die  an  einem  Hindernis 

(Verstopfung)  an  ihrem  ro-ab  leidet;   sie  fühlt  sich  beschwert, 

wenn  sie  Nahrung  zu  sich  nimmt;    ihr  Leib  schwillt  auf,  ihr 

*)  Am  Rand  mit  blasser  Tinte  nefr  =  gut! 

>)  Die  üebersetzung  ist  unsicher!    cfr.  Tafel  XI.  Z.  18— XII.  3. 

")  bennu  =  0,46  Liter;  dena  =  0,6  Liter. 

^  Cfr.  die  Einleitung. 


—     40     — 

HerejstjByitt,  wenn  sie  geht,  wie  eine  Person,  die  an  Entzfin- 
dang  am  Aups  leidet;  lass  sie  sich  ausgestreckt  hinlegen  and 
nntersnche  sie.  Findest  Da,  dass  ihr  Leih  heiss,  ihr  ro-ih  hart 
ist,  so  sage  Da  ihr:  „es  ist  ein  Leherleiden"  (eigentlich:  L.-Fall); 
mach  ihr  das  geheimnisvolle  Pflanzenmittel,  das  der 
Arzt  verschriehen  hat*): 

payestet-Pflanze,  Abfall  von  Datteln 
mischen,  in  Wasser  auflösen  and  vom  Patienten 
4  Morgen  za  trinken,  dam^t  Da  seinen  Leib  ausleerst. 
Wenn  Da,  nachdem  dies  gächehn  ist,  die  beiden  Seiten  an 
seinem  Leibe  and  zwar  die  rechte  heiss *),  die  linke  kahl  fin- 
dest, sTTag  Du  dazu:  „das  ist  eine  Krankheit  *)  (P),  die  dabei 
ist,  zu_ heilen,  sie  verzehrt  sich".  Sieh  ihn  wieder.  Findest 
Du,  dass  sein  Leib  überall  abgekählt  ist,  so  sag  Du:  „sdpe 
Leber  hat  sich  geth^llt  und  i^einigt*);  er  hat  die  Medicin.  an- 
genommen (d.  h.  sie  hat  gewirkt)". 

Üntersachst  Du  eine  Person,  deren  ro-ab  krank 
ist,  alle  ihre  Glieder  sind  beschwert,  wie  (von  einer 
Person),  die  geht  um  sich  legen  (d.  h.  die  schwerföllig  und 
matt  ist);  leg  oänn  deine  Hand  auf  ihren  ro-ab.  Findest  Du, 
dass' Ihr  ro-ab_ geschwollen  ist  und  dass  es  geht  und  kommt 
(d.  h.  dass  Bie  Geschwulst  sich  bewegt)  unter  deinen  Fingern, 
so  sag  DiT  dazn:  y^es  ist  ein  Fehler  in  der  Verdauung  der 
XXXVII.  Speisen^  ^).  Nicht  lass  sie  XXXVII.  zuerst  essen;  mach  ihr 
radikale  Abführung: 

Abfall  von  Datteln  auflösen  in  abgestandenem  Bier;  (nach- 
her) gehen  und  ihr  Brod  essen  ^). 

Untersuchst  Du  ihn,  nachdem  dies  geschehn  ist, 
und  Du  findesT  seine  Kreuzgegend  warm,  seinen  Leib  abgekühlt, 
80  sag  Du:  „der  MangeT  an  Abführung  ist  gehoben^;  lass  ihn 
seinen  Mund  schützen  ^vor  (gegen)  allem  Heissen'). 

0  Luring  hält  das  für  den  Titel  einer  medicinischen  Schrift 
*)  Mit  dem  Determinativ  der  Flamme ;  nachträglich  eingeschoben 
mit  rother  Dinte. 

*)  yait  =  [B  rug  seh  VI.  S.  884]  „Krankheit  in  ihren  verschie- 
denen Formen,  Schwäche^. 

*)  Die  Uebersetzung  ist  nicht  sicher!  eigentlich:  abgeschäumt 
^)  Eigentlich:    es  ist  ein  Aufhören  der  verdauungsthätigkeit 
*)  Erst  wenn  er  das  Mittel  genommen  und  spazieren  gegangen 
ist,  nimmt  er  wieder  Nahrung  zu  sich;  vorher  soll  er  sich  der  >^h- 
rung  enthalten. 

0  Er  soll  sich  in  Acht  nehmen,  es  meiden. 


—     41     — 

Wenn  Du  eine  Person  untersuchst  mit  Hindfiinis 
(Verstopfung)  und  Neigung  zum  Brechen;  es  ist  Krankes^)  in 
seinen  Sei^n  wie  Excrements ugeln ,  so  sind  das  in  seine  Seiten 
aufgestiegene  Schädlichkeiten;  es  ist  sein  ro-äb  geschwollen. 
Verschreib  ihm  folgendes  Lin'^erungsmittel  zu  trinken: 
frische  Grütze,  kochen  in  Oel,  Honig 

Absynth  ^jj 

Wachholderbeere     7i« 

sasa*)- Stücke         V, 
dazu  thun,  in  Eins  kochen  und  4  Tage  trinken.* 

Wenn  Du  ihn  nachher  untersuchst  und  findest  es 
mit  seiner  Krankheit')  wie  das  erste  Mal,  so  bezeichnet  das 
Heilung. 

Wenn  Du  eine  Person  mit  einem  Leiden  an^ihrem  ro-äb 
untersuchst;  sie  ist  krank^  an  ihrem  Arm,  ihrer  Brust  (Mamma) 
und  der  Gegend  ihres  ro-aU  und  es  ist  ihr  gesagt,  es  ist  die 
uat*)-^rankneit,  so  sag  Du  dazu:  „es  ist  der  Tod,  der  in  den 
Mund  eingedrungen  igt  und  dort  haust.  Mache  ihr  ein 
Wund  mittel*)  aus  (folgenden)  Pflanzen: 

Beere  von  tehua*)  1 

Xaslt^)- Pflanze  1 

Pfefferminz  1 

ännek  *)-Pflanze  1 

Rother  Samen  von  sexet       1 
in  Oel  kochen  und  vom  Patienten  zu  trinken. 

Leg  Du  deine  Hand^  auf  ihn,  sein  Arm  wird  mit 
Leichtigkeit  ausgestreckt,  frei  von  Schmerzen.  Sag 
Du:  ^dieses  Leiden jst  den  wirklichen  Dannkanal  zum  After  her- 
abgegangen^  ich  wiederhole  gar  nicht  mehr  das  (Arzenei)mitlel**. 
"wenn  Du  eine  Person  untersuchst,  die  das  Leiden 
an    ihrem    ro-äb   hat,    sie   bricht  oft  und  Du  findest  es 


')  Cfr.  vorige  Seite  Anm.  3. 
»)  Cfr.  Seite  36. 
»)  vait 

*)  Wörtlich:  die  grüne,  blühende,  frische. 
^)  Eigentlich:  stechendes  Mittel;  der  Sinn  ist  unklar. 
^  Sonst  dehui. 

0  Brugsch  VL  S.  896  „Opium«. 
^  Cfr.  Seite  37  Anmerk.  1. 

')  detek  =  ^deine  Hand*'  ist  mit  blasser,  schwärzlicher  Tinte 
dazwischen  geschrieben. 


—     42     — 

(als.  etwas)  Hervorragendes  innen  auf  der  Vorderseite^);  seine 
beideiT^ugen  sind  ermattet  nnd  seine  Nase  verstopft;  sag  Da 
za  l¥m~:  ^es  ist  Fäulnis  seiner  Excremente;  es  geht  nicht  durch 
seine  Weichen  ab  als  Excremente  von  ihm.  Mach  ihm  dafür 
(folgendes  Mittel): 

Weizenbrod,  Absynth  in  besonders  grossen  Mengen;  dazu 
XXX Vi II.  setzen  ein  kleines  Gefäss  XXXVIIl.  mit  Knoblauch  nebst 

saatef)  davon  mit  Bier;  fettes  Ochsenfloisch 
vom  Patienten  zu  essen  und  mit  Bier,  das  aus  mehre- 
ren Ingredrenzien  gebraut  ist,  zu  trinken,  um  seine  bei- 
den Augen  zu  offnen,  seine  Nase  zu  Öffnen  und  Abgang  fur  die 
Excremente  zu  schaffen. 

Untersuchst  Du  eine  Person  mit  Verhärtung  ihres 
ro-ab,   so  leg  deine  Hand  darauf.     Findest  Du,   dass  ihre 
yalt')  sich  verstärkt  hat  zwischen  den  darauf  gelegten  Fingern, 
so  sag  Du  ihr:    „es  ist  die  seyen^)- Krankheit  der  uxedu,  die 
nicht  gehoben  ist^;  mach  ihr  das  Pflanzenmittel: 
Rothe  Körner  von  ment'ä*)       Vs 
kochen  Oel  in  Honig 
Oäm-Pflanze  Vi« 

Wachholderbeere  Vi« 

.  sasa*)- Stücke  V, 

Cyperus  vom  Strande^)  Vi« 

Cyperus  vom  Binnenlande         Vi« 
Wein 
Milch 
zu  essen  und  herabzuschlucken  mit   süssem  Bier,    da- 
mit er  sogleich  geheilt  werde. 

Wenn  Du  eine  Person  mit  einem  Leiden  an  ihrem 
ro-ab  untersuchst,   sie  ist  krank  an  ihrem  Arm,  ihrer 


*)  D.  h.  eine  kleine  Geschwulst  vorn;  übrigens  ist  die  üeber- 
setzung  nicht  ganz  sicher! 

*)  «Gebrochenes?*;   vielleicht:  kleine  Stücke. 

»)  Cfr.  Seite  40  Anm.  3;  hier  vielleicht:  die  kranke  Stelle  (?). 

*)  Brugsch.  Wort.  VII.  S.  1109  ^Geschwür*^;  er  vergleicht  da- 
mit das  Hebr.  pPK^i    die    sechste  der    10  ägyptischen  Plagen;   cfr. 

II.  Buch  Mose  Cap.  9  Vers  9  (Die  israelit.  Bibel  von  Dr.  Philippson). 
*)  Brugsch:   » weiches  Wachs*. 
«)  Cfr.  Seite  36. 
0  Cfr.   Disscorides.     Otpl   öXijc   iorcpix^c.     Lib.  I.    Cap.  IV. 


—     43     — 

Brost  und  der  Gegend  ihres  ro-ab  und  es  ist  ihr  gesagt, 
es  ist  die  nat-Krankheit,    so  sag  Da  daza:    ^os  ist  der  Tod, 
der  in  den  Mand  eingedrungen  ist  und  dort  haust ^.     Mach  ihr 
ein  Wandmittel  aus  (folgenden)  Pflanzen: 
Beere  von  tehua  1 

XasTt-Pflanze  1 

Pfefferminz  1 

annek-Pflanze  1 

Rother  Samen  von  se/et      1 
in  Bier^)  kochen  und  vom  Patienten  zu  trinken. 

Leg  Deine  Hand  auf  ihn,  sein  Arm  wird  mit  Leich- 
tigkeit ausgestreckt,  frei  von  Schmerzen.  Sag  Du: 
^das*)  Leiden  ist  den  wirklichen  Darmkanal  zum  After  heraus- 
gegangen; ich  wiederhole  gar  nicht  mehr  das  (Arzenei)mittel^. 
Wenn  Du  eine  Person  untersuchst,  die  das  Leiden 
an  ihrem  ro-ab  hat;  sie  bricht  oft  und  Du  findest  es  (als 
etwas)  Hervorragendes  innen  auf  der  Vorderseite;  seine  beiden 
Augen  sind  ermattet  und  seine  Nase  verstopft;  sag  Du  zu  ihr: 
„es  ist  Fäulnis  seiner  Excremente;  es  geht  nicht  durch  seine 
Weichen  ab  als  Excrepiente  von  ihm.  Mach  ihm  dafür  (fol- 
gendes Mittel): 

Weizenbrod,  Absynth  in  besonders  grossen  Mengen;  dazu 
setzen  ein  kleines  Geföss  voll  mit  Knoblauch  nebst  säatet 
davon  mit  Bier;  fettes  Ochsenfleisch 
vom  Patienten  zu  essen  und  mit  Bier,  das  aus  mehre-  XXXIX. 
ren  Ingredienzien  gebraut  ist,  zu  trinken,  um  seine  bei- 
den Augen  zu  öffnen,  seine  Nase  zu  öffnen  und  Abgang  fur  die 
Excremente  zu  schaffen*). 

ünters_nchst  Du  eine  Person,  die  von  Zeit  zu  Zeit 
Schmerzen  hat  wie  diejenigen,  welche  Unrein! jchkeiten  ge- 
gessen haben;  ihr  Herz  ist  matt,  als  ob  die  Gebrechlichkeit  des 
Alters^ über  sie  gekommen^),  so  sag  Du:  „es  ist  eine  An- 
sammlung von  kranken  Sä^n^;  er  soll  sich  nicht  über  die 
Krankheit    übermüthig    hinwegsetzen    oder    sein   Vertrauen    auf 


»)  In  der  Variante  Tafel  37.  14.  heisst  es  „in  Oel". 

^  In  der  Variante  Tafel  37  Z.  16  heisst  es  «dieses  Leiden'^. 

«)  Die  Tafel  38.  10—39.  2  wiederholt  nur  Tafel  37.  10—38.  3; 
die  Abweichungen  an  beiden  Stellen  sind  geringe;  cfir.  Seite  39  und 
die  betreffenden  Anmerkungen. 

*)  Die  Uebersetzung  ist  nicht  ganz  sicher  1 


—     44     — 

schwache  Mittel  setzen.  Es  hat  sich  ein  Geschwnr  gebildet;  es 
ist  fauler  Eiter  und  Fluss  von  der  Wunde*).  Mach  ihm  die 
Mittel,    dTe    es   (das    (Seschwür)    durch    Arzeneimittel 

offnen  5* 

Wenn  Du  eine  Person  untersuchst,  die  das  Leiden  an  ihrem 

ro-ab  hat,  ihre  Glieder  sind  zart  und  ganz  ermattet;  Du  unter- 
suchst sie  und  findest  keine  Wunde*)  am  Leib  ausgenommen 
an  den  Geschlechtsorganen ^  (?)  wie  ein  Kügelchen,  so  sag  Du 
zu  ihr:  „es^ist  Gefährliches  in  Dir"*);  mach  ihr  als  Mittel 
dagegen: 

Alraunen  von  Elefantine,  zermahlen 

des*) -Samen 

Zwiebeln  (?) 

kochen  in  Oel  und  Honig 
vom  Patienten  4  Morgen  zu  essen,  um  seinen  Durst  zu  löschen 
und  das  Gefährliche  seines  Herzens^)  zu  vertreiben. 

Wenn  Du  die  Verstopfung  (Hindernis)  an  seinem 
ro-ab  untersuchst  und  findest,  er  ist  nicht  im  Stande,  aber 
den  Nil  zu  .setzen  (sich  zu  bewegen),  es  ist  sein  Herz*)  ange- 
schwollen und  sein  ro-äb  asthmatisch^),  so  sag  Du  rßiri:  „es 
ist  das  Blut^  das  sich  festgesetzt  hat^  und  nicht  circulirt**. 
Mach  5u"*Äusleerung ^  durch  Arzeneimittel.  Mach  ihm  dafür 
(folgendes  Mittel:) 

Absyntb  */g 

Wachholderbeeren       7i« 

Sebesten  */g 

sasa'^)-Stöcke  V, 

in  Bier  kochen,  das  ans  verschiedenen  Ingredienzien  gebraut 
ist,  durchseihen  in  eins  (gut)  und  vom  Patienten  zu  trinken. 
Dieses   Mittel  treibt   (Blut)    durch    seinen  Mund    oder 


0  yait. 


*)  Das  specielle  Reeept  fehlt  hier. 
^)  Die  UebersetzuDg  ist  unsicher;  eigentlich  „an  dem  henut  des 
Körpers". 

^)  „In  deinem  Hause." 

*)  Brugsch.  Wort.  VIL  S.  1375  „Leinsamen«. 
•)  Oder  Machen. 
0  Unsicher: 

^  Eigentlich:  est  ist  ein  Blutnest. 
^  Eigentlich:   „fallen,  gehn";  zu  ergänzen:  des  Blutes. 
»*0  Cfr.  Anmerkung  2  zu  Seite  36. 


—     45     — 

i^fter  ans,  das  dem  Schweineblut  gleicht,  wenn  e,9  ge- 
kocht~~l8t.  EntweJeFmach  ihm  einen  ümschlagj^.  ujn 
vornan  kühlen;  oder  mach  Du  nicht  dieses  Mittel, 
sondern  mach  ihm  folgende  wirklich  'ausgezeichnete  Salbe  be- 
stehend aus: 

Ochsenfett,    Samen    von    Crocus,    Coriander,    Myrrhen, 

äager-Baum 
zermahlen  und  als  Pflaster  auflegen. 

Wenn  Du  eine  Person  untersuchst,  die  leidet  an  einer  Ver- 
stopfung^) an  ihrem  ro-XXXX.  ab  und  Du   findest,   dass   sie    XXXX*). 
geht  und  kommt  (sich  bewegt)  unter  deinen  Fingern  wie  Oel 
in  einem  Schlauche,  so  sag  Du  dazu:  „es  kommt  ihm  in  den 
Mund  wie  Schleim*';  mach  Du  für  ihn  (folgendes  Mittel): 

Frucht  von  der  Dumpalme  lY^, 

mischen,  auflösen  in  männlichem  Samen^^  zermahlen,  in  Oel 
und  Honig  kochen  und  von  der  Person  4  Morgen  zu  essen; 
darauf  diesen  bestreichen  mit  trockenem,  zerriebenem  und  zer- 
stampftem ma^et-?orn. 

Wenn  Du  eine  Person  untersuchst,  die  das  Leiden 
an  ihrem  ro-äb  hat  und  findest  es  an  ihrem  Ruckgrat  wie 
die  Beschwerden  von  Messerträgerkrankheit ^),  so  sag  Du  dazu: 
„das  sinddie__uxedu,  die  in  seinen  Rücken  übergegangen  sind**; 
er  ist  krank7  ich  will  die  Rücken-Mittel  machen;  es  (das  Mittel) 
geht  inihnjüoein.  als  ob*)  es  hineinhüpft  (?).  Mach  Du 
ihm  eme   Topfhefe ^)  und   mach  ihm  nachher  folgende  Mittel: 

yet'-Pflanze  (frutex  hortensis)      1 

Pfefferminz  1 

Harz  von  Acanthus  1 

Maurerlehm  1 

zermahlen,  kochen  in  Hefe  von  süssem  Bier  und  4  Tage 
aufstreichen,  um  ihn  sogleich  zu  heilen. 

Wenn  Du  die  Verhärtung  seines  ro-äb  untersuchst 


*)  Hier  wohl  eine  Art  Geschwulst. 

*)  Obenan  auf  Tafel  XXXX  steht  „Abfall  von  Datteln  %*. 
3)  Der  weisse  milch-  oder  schleimartige  Same  des  Mannes.  L. 
*)  JlTne  "Krankheit,  die  auch  im  Berliner  med.  Papyrus  beschrie- 
ben ist;  cfr.  Brugsch  VI.  S.  968. 

^)  Ich  fasse  hier  m  gleichbedeutend  mit  mä  auf. 
«)  Ebers  S.  19. 


—     46     — 

nnd  findest^),  es  ist  sehr  viel  schlimmer  geworden,  so  sag  Du 
zu  ihm:    ^diese  Verhfirtung  hringt  Dir  schmerzhafte')  Conval- 
sionen*)    nnd  ist  wie  ein  Leiden*),    das  sich  im  Leib  erhebt. 
Mach  Du  ihm: 

Öäm-Pflanze  1 

iaia')- Stucke  1 

Gyperus  vom  Strande  1 

Gyperus  vom  Binneniande       1 
Zwiebeln  (?)  1 

in  süssem  Bier  kochen,  um  .......*). 

Wenn^)  Du  eine  Person   mit  Verhärtung   an  ihrem 
ro-ab  untersuchst;  sie  bricht  und  ist  sehr  krank,  ihr  Leiden 
ist  wie  eine  Wunde ^,  so  sag   Du:    „gehoben  sind  die  uxedu, 
sie  umschlingen  ihn  nicht ^).     Mach  ihm  zu  trinken: 
Feigen  V^ 

Milch  V„ 

Brodteig  Vg 

ruhen  lassen  in  süssem  Bier      Y, 
durchseihen  und  sehr  häufig  einnehmen,  um  ihn  sogleich  gesund 
zu  machen. 

Wenn*®)  Du  eine  Person  untersuchst,  die  das  Lei- 
den an  ihrem  ro-äb  hat,  so  leg  deine  Hand  auf  ihn.  Fin- 
dest Du  ihre  rechte  Seite  angeschwollen'^),  so  sag  Du: 
„ ^'^;  mach  Du  ihr  dagegen  als  Augenblicks- 
mittel: 

Dumpalmenfrucht  durchseihen  und  4  Tage  trinken. 


^)  Am  Rand  der  Tafel  ist  mit  blasser,  schwarzer  Tinte  nefr  =  gut 
hinzugefügt. 

*)  Cfr.  Zeitschr.  f.  aegypt.  Spr.  1880.  S.  14;  eigentlich:  „bitter". 

^  Aegyptiscli:  hit;  Brugsch  VI.  S.  747  „convulsiones  inducere". 

*)  Aegyptisch:  nesit;  cfr.  Brugsch  VL  S.696  =  Schmerz,  Leiden. 

*)  Cfr.  S.  36  Anm.  2. 

^  Die  üebersetzung  ist  unsicher. 

^)  Am  Rand  ist  mit  blasser  schwarzer  Tinte  nefr  =  gut  biozu- 
gefügt. 

*)  Wortlich:  sie  leidet  daran  (an  dem  ro-äb). 

')  Eigentlich:  sie  legen  keinen  Strick  um  ihn. 

*<*)  Am  Rand  ist  mit  schwarzer  blasser  Tinte  nefr  =  gut  hinzu- 
gefügt. 

*^)  Eigentlich:  wenn  Du  ihn  gehöben  findest  auf  seiner  rechten 
Seite. 

")  Die  Üebersetzung  ist  unsicher. 


—     47     — 

Wenn  Da  ihn   untersuchst  XXXXI.,   nachdem  dies  XXXXI. 
geschehn  ist   und   findest,    dass  diese  seine  kranke  Stelle  *) 
gleich  bleibt  wie  vorher,  so  mach  Du  ihm  das  Linderungsmittel 
zu  seiner  Ausleerung  und  Heilung  *): 
Beere  von  tehua*)      Ye« 
Eine  Priese  (Portion)  Salz 
zermahlen,  in  süssem  Bier  kochen. 

Mach  Du  ihm  das  Linderungsmittel  von  Oel  zu 
seiner  Ausleerung: 

Eine  grosse  Portion  seyet-Frucht  zermahlen,  in  Oel 
und  Honig  kochen*)  und  vom  Patienten  4  Tage  lang 
zu  essen. 

Wenn*)  Du  eine  Person  mit  Verhärtung  an  ihrer 
linken  Seite  untersuchst^  sie  hat  Fasse*),  dass  sie 
nicht  auf^dem  Boden  gehn  kann,  so  sag  Du  zu  ihr: 
„sie  bat  Sandbänke  gegraben  und  Sand  gehoben**  (vermuthlich 
ein  Ausdruck  daTur,  da^s  sie  sich  angestrengt  hat).  Mach  Du 
ihr  die  Mittel,  die  vorher  genannt  waren: 

Dumpalmenfrucht  */^ 

ftäm-Samen,  zermahlen      7$ 

Wachholderbeere  7i  e 

äasaO- Stücke  7, 

in  Eins  kochen  mit  Oel  1   und  Honig    ein    wenig    und  vom 
Patienten  4  Tage  lang  zu  essen. 

Wenn  Du  den  Kranken  untersuchst,  nachdem  dies 
geschehn  ist  und  Du  findest,  dass  sie  ^)  sich  bewegt,  der 
untere  Theil  ausgenommen'),  so  mach  Du  ihm: 

Eine  Masse  von  trockenen  pesed- Körnern  ebenfalls*^  zu 
kocheq  und  vom  Kranken   4  Tage   zu   essen,   um  seinen  Leib 


*)  Aegytisch:  vait;  cfr.  Seite  40  Anm.  3. 
^  Eigentlich:  damit  es  herausfalle  und  er  gesund  werde. 
*)  Sonst  dehui. 

*)  pes  iat  mit  schwarzer  Tinte  hineingeschrieben. 
*)  Am  Rand    ist  mit  schwarzer  Tinte:    „nefr  är  ^  „gut  zu  be- 
reiten" hinzugefügt. 

*)  Eigentlich:  Gelenke,  insbesondre  Fussgelenke. 
0  Cfr.  Seite  36  Anm.  2. 
*)  Die  Verhärtung. 
•)  Die  Uebersetzung  ist  unsicher! 
*^  Unsicher;  vielleicht:  Kochen  mit  Umdrehen  (?). 


—     48     — 

zu  füllen  ai|d  seine  Eingeweide  *)  anzufeuchten  *)  (einzutauchen). 
Leg  Deine  Hand  darauf;  findest  DtX"  316"^  z€r8tnckelt_nnd 
zermahlen  wie  etwas  in  der  uahit-Pflanze^),  so  mach  Du 
ihm  augenblicklich  zur  Kühlung: 

Frucht  von  der  Dumpalme     1 
fuh-Rönier  1 

Wasser 

durchseihen  und  4  Tage  lang  einnehmen. 

Wenn  Du  eine  Person  mit  einem  Leiden  an  ihrem 

ro-ab  untersuchst  und  Du  findest,    nachdem   sie  über  den 

Nil  gesetzt  hat,  dass  siencrant  Ist'  än^renhefden  "Seiten^  ihr 

Leib    ist    aufjgetrieben ,    wenn    sie   N'ahrung    zu    sicJi    nimmt  *), 

/         ihr  M.agen  (Herz)  fohlt  sich  beschwert  bei  ihrem  ^  Hineintreten  \ 

<''^  /scfist  es  die  beöetu- Krankheit ^\    ESmpfe  Du  (regen  sie  mit 

-Linderungsmitteln,    nachdem^T"iertli"eh  Umschlag   von 

Weizenwasser  erhalten  hat.     Wenn  sie  sich  hernach  unter 

deinen  Fingern^^iEfig^,    so  brauche  Du  bei  ihm   4  Morgen 

die" Klistierspritze^).     lhr_Eindringen  (der  Spritze)   verwundet; 

dagegen  ist  zu  brauchenl 

uäh')- Körner  V, 

Gummitropfen         V, 
Grüne  Bleierde  (?)  7,^ 

in  Oel  und  Honig  koch£aL.ttnd  vom  Patienten  4  Tage  lang  ein- 
zunehmen. 

Wenn  sie  sich  nachher  unter  Deinen  Finjgernjb^ 
wegt,  wfe  yanSkürner,  alle_  seine  Glieder  brennen  unter  der 
de^ert'^'-'Krankheit 

"  '    Bröd  iD^Qährung. 


»)  Brugsch  VIL  S.  1241  „Geschlinge". 

')  Luring  S.  80. 

")  Die  Verhärtung'. 

*)  Kohl  oder  Getreide. 

^)  Eigentlich:  von  dem  Brode. 

^)  D.  h.  wenn  die  Person  Nahrung  geniesst  und  sie  in  den 
Magen  kommt. 

0  Nach  Brugsch:  confractio,  coutorsio,  tortura. 

«)  Ebers  S.  19. 

»)  Eine  Getreideart  (?). 

1^  Sterns  Glossar  zu  dem  Papyrus  Ebers:  putredo,  morbus 
cutis. 


—     49     — 

Etwas  vom  Horn 

Nahrangsmittel  von  Enten 
geht  in  ihn  hinein,'  "als  6h  es  Tiineinhfipfüj^ 

Wenn  JL>u~eine  Person  untersuchst  mit  Verhärtung 
an  ihrem  ro-ab,  ihr  Herz  CMag^en)  schmerzt  sie,  Unbe- 
hagen XLU.  ergreift  sie  bei  jeder  Nahrung~~^ie  sie  isst,  ihr  XLII. 
ro-ab  ,ist~ngeschyoiien.  sie  leidet,..aQ  ihren  beiden  Füssen, 
ihren  Fusssohlen,  aber  nicht  an  ihren  beiden  Schenkeln;  unter- 
suchst Du  ihn  und  findest  seinen  ro-dh -schwach  wie  eine 
Frau,  die  ein  Kind  geboren  hat^^^  und  sein  Kopf  ist  schwach, 
so  sag  Du  ih m :  7,6s  Jst__eineYers topf un^  der  Excrementa; 
das  Wasser  dringt  jq  ihn  hinein^  als  ob  es  hineinhüpft ^).  Mach 
D'u  ihm  die  Mittel  des  Geheimnisses^,  das  nur  für 
den'XrzTJsT,  ausgeliömmen  für  deine  eig^ene  Xoiüiter: 
Grünen,  nicht  getrockneten  Weizen  in  Wasser  kochen,  ohne 
zu  verdampfen;  es  vom  Feuer  nehmen,  um  es  mit  Dattelabfall 
zu  mischen;  durchseihen  und  in  4  Tagen  einnehmen,  damit  er 
sogleich  geheilt  werde. 

Wenn  Du  eine  Person  untersuchst'),  die  Verhärtung 
hat,  ihr  HerzXMagen)  schmerzt  sie,  ihr_  Gesicht  ist  bleich,  ihr 
Herz  klopft  (?);  wenn  Du  ihn  untersuchst  und  findest 
sejn  Herz  (Magen)  brennend,  seinen  Leib  aufgetrieben, 
so  ist  es  die  8e)(en^)-krftnkheit  in  der  Tiefe,  und  der 
Brandy  verzehrt  ihn.  Mache  Du  ihm  ein  Mittel,  das  den 
Brand  löscht  und  seine  Eingeweide'  ausleert  durch  Trinken  von 
süssem  Bier,  das  in  getrocknetem  Teig  gestanden,  hat;  zu  essen 
und  trinken  4  Tage  lang.  Sieh  Du  jeden  Morgen  in  6  Tagen 
nacfij^ was^aus  seinem  After  herausfällt.  Wenn  die  näat'et 
(Excremenle?)  aus  ihm  herausfallen  ~* wie  schwarze 
Klümpchen,  so  sag  Du  ihm:  „dieser  Körperbrand  ist  auf 
sein  Herz  (Magen)  gefallen,    die  äsI-KranTcheit^  seines  Leibes 

*)  Die  Uebersetzung  dieses  kleinen  Abschnittes  ist  upsicher;  es 
scheint  etwas  ausgelassen  zu  sein ;  cfr.  Tafel  4Ö  Z.  7. 

*)  Eigentlich:    hervorgestossen  hat 

^  Die  Uebersetzung  des  letzten  Satzes  ist  unsicher! 

♦)  Im  Papyrus  steht  seta,  was  keinen  Sinn  giebt,  wohl  fälschlich 
statt  sesta. 

*)  vaek  ist  mit  blasser  rother  Dinte  nachträglich  dazwischen- 
geschrieoen. 

«)  Brugsch  Vll.  S.  1109.  „heiss  sein,  Geschwür";  cfr.  Seite  42 
Anm.  4. 

^)  Brugsch  I.  S.  120  „damnum  sive  detrimentum". 

Joachim,  Aegyptische  Heilkunde.  4 


—     50     — 

ist  verlJißinßrt*).  Untersuchst  Du  ihn,  nachdem  dies  ge- 
selle hen  ist,  und  es  tritt  etwAS.  aus  seinem  AftßjuFie  das 
Weisse  von  Johnen'),  und  Tropfen  schiessen  jiiiÄitun-hervor  wie 
nesu  von  tepant^,  so  sagDü"däzüV  ^^das  was  in  ^seinem  ro-äb 
XLIII.  ist,  XLIII.  fallt  herunter*^.  Mach  Du  iÜmT Mittel,  die  das 
Gesicht  kGhlen;  den  Kessel  über  Feuer  stellen,  eine 
Mischung  i¥m  machen  und  auf  dieselbe  Weise*)  kochen. 
Ein  andres*)  Mittel  zur  Vertreibung  der  Verhärtung 
am  ro-äb: 

Brod  von  Zizyphus  Lotus  ^) 

Wassermelone 

KatzenXöth 

Süsses.  Bier 

Wßi». 
in  Eins  machen  und  als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres  Verhärtung    an    der    rechten  Seite   zu 
heilen  und  den  Schmerz^)  ihm  auszutreiben: 

äeneft")- Körner  1  denä 

Weisse  sexet-Frucht  Ys 

Grüne  sexet-Frucht  Yg 

Fibern  der  xas^t-Pflanze®)    7i6 

Beere  vom  uän-Baum  7i6 

Crocus  des  Berges  7« 

Crocus  des  Nordens  7$ 

Lotusblume  7$ 

Myrrhen  7i6 

xet'- Pflanze  78 

Grünspan  von  der  Barke     78 

sefet**»)-Oel  7,^ 

teun-Pflanze  7, 


')  Hat  abgenommen. 

»)  Brugsch  VIL  S.  1207.     Cfr.  Ebers,  1.1.  S.  18. 

')  Die  Uebersetzung  ist  unsicher! 

*)  Unsicher ;cfr.  Seite  47  Anm.  10.  Dieser  ganze  Abschnitt  bietet 
der  Uebersetzung  sehr  erosse  Schwierigkeiten. 

*)  Folgt  unvermittelt  ohne  Absatz;  ket  ist  mit  schwarzer  Tinte 
geschrieben. 

«)  Lürin^  S.  157. 

7)  Aegyptisch:  nesit  =  Schmerz,  Krankheit,  Leiden. 

«)  Cfr.  Seite  4.  Anm.  3. 

^  Brugsch.  WörtVL  S.  896  „Mohnpflanze*. 

'<>)  Ein  heiliges  Salböl. 


—     51     — 

Honig  V„ 

Bier  V. 

Gänseschmalz  ^)         */g 

feocht  stehen  lassen,  durchseihen,  4  Tage  lang  einnehmen. 

Ein    andres  Verhärtang    an   der  rechten   Seite   zu 

vertreiben,    wenn    das  Feuer')    (die  Entzündung)   ab- 
nimmt: 

Feigen  7, 

Sebesten  7$ 

genti-Samen  *)  Yie 

Weinbeeren  7^^ 

änest-Pflanze  7i6 

Beere   vom  uän-Baum  7i6 

Milch  7, 

Honig  73 

Weihrauch  ^/^ 

Weisser  Kuchen  7j> 

Brodteig  7,, 

Grüne  Bleierde  (?)  7„ 

Harz  von  Acanthus  7j> 

Wein  7^ 

Harz  von  Zizyphus  Lotus*)  73> 

Harz  von  Sycomore  */,, 

Bier  73  ^®°* 

feucht^)  stehen  lassen,   durchseihen  und   4  Tage  lang 
eiDDehmen. 

£in  andres  Verhärtang  zu    vertreiben,    wenn  das 


gt^am^ro-ab  frisst  *): 


1)  set  =  „Gans"  ist  mit  schwach-rother  Tinte  hinzugefügt. 

^  Wörtlich:    wenn  es  erlischt. 

')  Brugsch  VII.  S.  1269.  „Cassia". 

*)  Cfr.  Luring  S.  157. 

^  Ausnahmsweise  ist  hier  die  Verordnung  mit  rother  Tinte  ge- 
schrieben. 

^  Die  Erkl&rang  des  am r aenef  .bei  Brugsch  V.  S.  76.  ist  wohl 
nicht  richtig;!  überall  wo  von  ,JBJutfressen"  im  Papyrus  die  Rede 
i»t,*natniich  43.  14;  75. 19;  87. 17;  87.  20;  88.  1;  89. 14  ist  Jas  am 
durch  die  den  Fiag.er  zum  Mund  führende  Person  determinirt  im 
GegeABäTSTzu  am  mit  der  Bedeutung  „quod  est  in"^  wo  dieses  De- 
termioatiTua^L  fehlt. 

4* 


—     52     — 

Mischung  von  Wein  und  Wasser      1 

Saure  Milch  1 

Baumol  (?)  1 

in  Eins  machen  und  als  Pflaster  auflegen. 
Aadre*)  Mittel  für  den  ro-äb: 

uäh ')  -  Körner  7» 

Weinbeeren  7a 

Kräuter  des  Feldes      7* 

Feigen  ein  wenig 

Teig  von  Sycomore 

oder  Zwiebeln  (?)  von  der  Oase 
zermahlen,  zerreiben,  in  süsses  Bier  von  zur  Ernährung  erforder- 
lichem Getreide ')  (also  Weizen-  oder  Gerstenbier)  thun^  feucht 
stehen  lassen,   es  nicht  trocken  (oder)  zugedeckt  finden  lassen, 
dazu  tiiun: 

Honig  7, 

Gänsefett        7, 
in  Eins  machen  und  von  einem  Mann  oder  einer  Frau  zu  trinken. 
Ein    andres   Verhärtung    am  ro-äb    zu   vertreiben: 

Brod  von  Zizyphus  Lotus*) 

Katzendreck 

Mennige 

Wassermelone 

Süsses  Bier 

Wein 
in  Eins  machen  und  als  Pflaster  darauf  legen. 
Andre*)  Mittel   für  den   ro-äb: 

Honig  1 

Baumöl  (?)       1 

Weihrauch        1 

Wein  1 

XLIV.    in  Eins  thun,  kochen  und  essen. 
Ein   andres: 

Honig  2 

Mehl  von  der  Dumpalmenfrucht     2 

Kräuter  des  Feldes  1 


0  Wörtlich:  Ein  andres:  Mittel  etc 

^  Wohl  eine  Getreideart  (?). 

*)  Uebersetzung  ist  nicht  sicher;  cfr.  Brugsch  VII.  S.  1365. 

*)  Wörtlich:  gethan. 

*)  Cfr.  Luring  S.  157. 


—     53     — 

zu  4  Kuchen  machen  für  4  Tage;  nachher  Honig  kochen,  vor- 
her hinzufügen  *) 

Mehl  von  Dumpalmenfrucht 
Kräuter  des  Feldes 
4  Tage  lang  essen. 

Ein  andres  für  den  ro-äh: 

Weihrauch  Y^^ 

Wachholderbeere  7a 

Kräuter  des  Feldes')      7^ 

Honig  7, 

Wein  7, 

Gänseschmalz  7a 

kochen  und  einen  Tag  einnehmen. 

Ein  andres  Krankheiten  am  Herzen  zu  vertreiben: 

Dattelmehl  7^ 

Zwiebeln  (?)  7,., 

ämamu-Pflanze       78 

Süsses  Bier  7a  ^®°* 

kochen,  durchseihen  und  4  Tage  einnehmen 

tehebu-Baum  *)      73« 
Ein   andres: 

Milch       73 

Honig       7jg 

Wasser     7» 
kochen,  durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 

Mittel  su§*)    der  Fieber(hitze)   am  Herzen  zu  ver- 
treiben: 

änest-Pflanze  1 

Sebesten  78 

Weizenbrod  78 

Kuchen  788 

Blüthen  von  Cucumis  melo     ^/j, 

genti  *)-Samen  78  a 


')  Eigentlich:  dazu  fallen  lassen. 

*)  ta  =  »Feld"  ist  mit  rother  Tinte  dazwischengeschrieben. 

^  Hier  ist  wohl  etwas  ausgelassen;   cfr.  T.  VII.  Zeile  21. 

*)  Brugsch  VIT.  S.  1022  bringt  das  Wort  mit  der  Messschnur 
zusammen;  Sterns  Glossar:  angor  seu  siccitas?  Ich  schlage  die 
üebersetzung  „Beklemmung  (Dyspnoe?)  in  Folge  von  etc.**  vor;  die 
Annahme  des  ersten  Autors  spricht  ebenfalls  für  diese  Üebersetzung. 

*)  Brugsch  VII.  S.  1269  »Cassia«. 


—     54     — 

Honig  V, 

Wasser  1  dena 

feacht  stehen  lassen  und  4  Tage  lang  trinken. 
Ein  andres  das  Herz  zu  behandeln: 

Cucumis  melo  7a » 

Brodteig  7» 

Grüne  Bleierde  (?)      7„ 

Frische  Datteln  7, 

Honig  V, 

Wasser  1  denä 

feucht  stehen  lassen,  durchseihen  und  1  Tag  einnehmen. 

Der  Beginn  der  Mittel  äaä^)-Krankheit  im  Leib  und 
im  Herzen  zu  vertreiben: 

sames-Pflanze  7is 

sasa')-Stücke  7, 

Grüne  Bleierde  (?)      V^, 

Honig  V, »)  (?) 

in  Eins  machen  und  gleich  nach  dem  Zubettgehen  einzunehmen. 
Ein  andres: 

Cyperus  Ys 

sasa*) -Stücke  Ys 

Wachholderbeere         Yi« 

Grünspan  Ys4 

sehtet-Kömer  */,, 

pesed-Samen  *)  ^/ 

Honig  7.^  (?) 

in  Eins  machen  und  gleich  nach  dem  Zubettgehen  einzunehmen. 
Ein  andres: 

Gummi  Yj» 

Weintrauben  7is 

§asa»)-Stücke         7, 

Sames-Pflanze        7i6 

Honig  */, »)  (?) 

in  Eins  machen  und  gleich  nach  dem  Zubettgehen  einzunehmen. 
Andre  Mittel: 


»)  Cfr.  die  Einleitung. 

^  Brugsch.     Wort.  VII.  8.  1226    „Kuchen    aus    zusammenge- 
pressten  Rosinen". 
»)  Ebers  S.  50. 
*)  Ebers  S.  101  «Gerste«. 


—     55     — 

uäh*)-K5raer,  zennahlen  Ya 
Blätter  der  Ricinospflanze ')      7$ 

xesu  von  der  Sycomore  */, 

Grane  Datteln  7^ 

Lotusblume  7$ 

Frischer  Brei  7» 

Wasser  1  denä 
auflosen  und  sogleich  nehmen. 

Ein  andres  die  gottliche,  todtÜche^  äaä^K^rankheit 
im  Leib  einer  Person  zu  vertreFBen: 

HaVz  XLV.  von  Acanthus  7„  ^^^• 

Harz  von  Pistacia  terebinthus  ^/,j 

Frucht  von  Pistacia  terebinthus  7ij 

Zwiebel  (?)  7.    * 

Salz  7„ 

Weintrauben  78 

Kern  der  ut'ält-Frucht  7« 

saäa*>Stücke  7^ 

sames-Pflanze  ^/.^ 

Honig  »/,  *)  (?) 
in  Eins  machen  und  gleich  nach  dem  Zubettgehen  einnehmen.      ^^-«^ 

Ein  andres: 

änest-Pflanze  ^/^ 

Feigen  7, 

Crocus  des  Nordens  7u 

genti  *)-Kömer  7,, 

Honig  1  denä 

Weintrauben  7sj 

uäh  ^)-Korner  7^^ 

Brod  von  Zizyphus  Lotus  7i6 

abu-Pflanze  7«» 

Coriander  ^/^^ 

durchseihen  und  gleich  nach  dem  Zubettgehen  einnehmen. 


»)  Wohl  eine  Getreideart  (?). 
^  Aegyptisch  =  qaqa;  das  Griechische  x(xi. 
*)  Eigentlich:  ^es  Gottes  und  des  Todes  d.  h.  die  von  Gott  ge- 
sandte, (epidemische?),  todiliche;  cfr.  die  Einleitung. 
*)  Cfr.  die  Anmerkungen  zu  voriger  Seite. 
*)  Brugsch  VII.  S.  1269  „Cassia*. 


-     56 


Ein  andres  äaä^)-Krankheit  am  Herzen  za  vertrei- 
ben;   zu  vertröiben   die  HerzschwäcEeT),  Herzpalpita- 
tionen')  und  die  Herzstiche: 
änest-Pflanze 


V 

7j  ebenso. 


Feigen 

Crocus 

Grüne  Bleierde  (?) 

sasa*)-Stücke 

Honig 

Wasser 
Ein  andres: 

Weintrauben 

uäh  *)-KÖrner 

Brod  von  Zizyphus  Lotus 

abu-Pflanze 

Crocus 

anest-Pflanze 

Wasser 
Handmittel®)  die  göttliche,  tödtliche  äaä')-Krank- 
heit  zu  vertreiben  und  alles  Mögliche  (üebel)  zu  tilgen: 


'i 

V 

7,  ebenso. 


Feigen 
Sebesten 
Weizenbrod 
Grüne  Bleierde  (?) 
Wasser 


7,  ebenso. 


Ein  andres  Handmittel*)  das  Herz  in  Wahrheit  zu 
heilen: 


Feigen 

Grüne  Bleierde  (?) 

Kuchen 

Wasser 


*/j  ebenso. 


Handmittel®)    den  Tod  im  Leib  zu  vertreiben,   zu 


0  Cfr.  S.  55  Anm.  3. 

^  ab  =  Herz  mit  rother  Tinte  eingeschoben;  eigentlich  j^das 
Aussei-sich-gerathen" ;  Brugsch  VI.  S.  561. 

3)  Brugsch  T.'S.  305  ^fliehen«. 

*)  Brugsch  VIL  S.  1226  „Kuchen  aus  zusammengepressten 
Rosinen". 

^)  Wohl  eine  Getreideart  (?). 

^)  Augenblicksmittel,   d.  h.  sofort  anzuwenden. 

^)  Cfr.  Anmerkung  3  zu  vor.  Seite. 


—     57     — 


vertreiben  die  göttliche,  todtliche  äaä')-KraDkheit  und 
die  uxeda,  and  alles,  das  krank  ist,  zu  tilgen: 
Crocus  vom  Delta       7i 


13 


V 
V 

7,  ebenso. 


näh  ')-Samen 

Brodteig 

Feigen 

Dumpalmenfracht 

sasa  *)-Stücke 

Honig 

Wasser 
Ein  andres: 

Mehl  von  aäh')-Komem 

Feigen 

Weintrauben 

änest-Pflanze 

Wachholderbeere 

Cyperus 

Kümmel 

Honig 

Wasser 
Ein  andres  ^)    das  Herz    zu  heilen  und  die  uxedu 
fernzuhalten*): 


V 
V 
V 

v" 

/8 

7,  ebenso. 


Grüne  Bleierde  (?) 
Kuchen 
Feigen 
Weinbeeren 
Sebesten 
Weizenkom 
Wasser 
kochen  und  4  Tage  einnehmen. 
Ein  andres: 
Feigen 
Weizenkom 
Honig 

Grüne  Bleierde  (?) 
Wasser 


'r 

V 

v: 


V, 


6 


V. 


V 

7,  dena  el)enso. 


>)  Cfr.  S.  55  Anm.  3. 

^  Cfr.  S.  56  Anm.  5. 

')  Cfr.  S.  56  Anm.  4. 

^)  nt  ist  nachträglich  eingeschoben. 

^)  Eigentlich:  fortgehn  zu  lassen. 


—     58     — 

Ein  andres  Handmittel  das  Herz  zu  kühlen: 

Feigen  '/,  "     " 

anest-Pflanze  7^ 

Grüne  Bleierde  (?)      7^ 

Honig  V„ 

Wasser  7»  öbenso. 

Ein  andres^)  die  äaä-Krankheit  im  Herzen  zu  ver- 
treiben: 

Crocus  Vi6 

abu-Pflanze         7ij 

Süsses  Bier         Ys  ^®^^ 
kochen  und  4  Tage  einnehmen. 
XLVI.  Ein   andres: 

äbu-Pflanze  764 

Crocus  7« 

Öehui-Frucht         %^ 

Süsses  Bier  7» 

kochen,  feucht  stehen  lassen,  durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 
Ein  Handmittel, ^  die  äaä-Krankheit  im  Leib  und 
im   Herzen  in  Wahrheit  zu  vertreiben: 

Pulver  von  der  äbu-Pflanze  764 

Pulver  von  Coriander  7^^ 

Süsses  Bier  7^ 

gleich  nach  dem  Zubettgehen  zu  trinken. 
Ein   andres: 

äbu-Pflanze  764 

Coriander  7i  6 

»ehua-Frucht  7^^ 

sames-Pflanze  7i6 

Dumpalmenfrucht        7i6 

sa§a')-Stücke  7, 

Honig  7, 

kochen  und  gleich  nach  dem  Zubettgehen  einnehmen. 


0  ket  ist  doppelt  gesetzt,  als  letztes  Wort  einer  Zeile  und 
als  erstes  der  darauf  folgenden;  wahrscheinlich  liegt  hier  ein  Ver- 
sehn des  Abschreibers  vor. 

*)  ^heniä  =  HandmitteP  scheint  nachträglich  hinzugefügt  zu 
sein;  der  Abschreiber  sab  das  eine  Zeile  vorher  stehende  ket  und 
hat  vielleicht  dadurch  veranlasst  „herua^  ausgelassen. 

')  Brugsch  Wort.  VlI.  S.  1226  „Kuchen  aus  zusammenge- 
pressten  Rosinen''. 


—     59     — 

Ein   andres: 

Durra- Wasser,  die  Durrakeme  aus- 
schneiden, zerstossen  und  kochen     Ya 
gentet-Pflanze  Vis 

Zwiebeln  (?)  7„ 

Honig  V„ 

Knollen  von  der  tektek-Pflanze  Vjj 

Sycomore  7»« 

kochen,  durchseihen,  feucht  hinstellen  und  4  Tage  lang  trinken. 
Ein  andres  die  äaä-Krankheit  zu  tilgen  ^): 
Jochaullegung ')  (?)    von  sau -Holz    in  Oel  erwärmen  und 
dagegen  geben. 

Der  Beginn  von    den  Mitteln,    welche    der  Gott  rä 
für  sich  selbst  gemacht  hat: 

Honig  ans  Feuer  gestellt  1 

Wachs  1 

Das  Abgeschabte*)  von  Weihrauch  1 

Leinsamen  (?)  1 

Zwiebeln  (?)  1 

sa§a^)-Stücke  1 

Knollen  von  Cyperus  1 

Beere  von  der  t'aas-Pflanze  1 

abtt-Pflanze  1 

Xaslt  *)-Pflanze  1 

Ausgezeichneter  Weihrauch  1 

peres-Samen  1 

Beere  von  Coriander  1 

Das  Abgeschabte')  vom  uän-Baum  1 

Das  Abgeschabte  *)  vom  Cederbaum  1 
Frischer  Brei 

in  Eins  machen  und  damit  die  kranken  Stellen  bestreichen, 
(um)  die  gottlichen  und  alle  Arten  todtlicher  Krank- 
heiten und  die  u/edu  jeglicher  Art  in  jeglichem  Glied 
einer  Persoli  zu  vertreiben,  um  sie  sogleich  gesund 
zu  machen. 


')  Eigentlich:  zum  Weichen  zu  bringen,  fernzuhalten. 

^  Cfr.  Brugsch  VI.  S.  690;  Name  einer  Erd-  oder  Steinart. 

«)  Ebers  S.  93  „Feilspähne«. 

*)  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  3. 

»)  Brugsch  VI.  S.  896  „Opium«. 


—     60     — 

Ein  andres    zweites  Mittel,   das  der_Gott_su_|J__Xür  _ych 
selbst  gemacht  hat: 
"     Weizenmehl 

Seesalz 

Oel 

Coriandermehl 

Maorerkohle 

Zwiebelmehl  (?) 

Bohnenmehl 

Weihrauch 

gentet-Pflanze 

Grüne  Bleierde  (?) 

Frische  Milch 
in  Eins  machen  und  damit  auf  die  kranke  Stelle  streichen. 

Ein  andres,  drittes  MJitelj^das  die^Göttin Jefnut ')  für 
den  Gott  rä  selbst  gemacht  hat: 

Mehl  von  ämää-Eömem  1 

seneft  ')-Frucht  1 

Gänseschmalz  1 

sechs  Mal  versiegeln,   alle  Wunden  und  göttliche  Krankheiten 
bestreichen,  um  ihn  sogleich  gesund  zu  machen. 

Das  vierte  Mittel  vomGoUseb*)  für  den  Gott  rä  selbst 
gemacht: 
"■"*  Zwiebelmehl  (?)  1 

Mehl  von  Öehua-Frucht  1 

Mehl  von  xet'-Baum  Blüthen  (?)       1 
XLVH.    zermahlen,  zerreiben  in  natürlichem  Dattelwein  XLVII.  und  alle 
Wunden    in  göttlichen  Krankheiten  und  allerlei   Uebel  zu  be- 
streichen, um  sogleich  gesund  zu  machen. 

Das  fünfte  Mittel  von  der  Göttin  nut')  für  den  Gott  rä 
selbst  gemacht: 

Maurerziegel  1 

Der  Stamm  ^)  von  der  qadet-Pflanze      1 

Stein  vom  Flussstrande  1 

Natron  1 


0  Der  Gott  der  Luft. 

^  Die  Göttin,  welche  die  feuchten  Niederschläge  spendet. 

*)  Gehört  zu  den  als  Opfer  dargebrachten  Körnern. 

*)  Name  des  Erdgottes. 

*)  Göttin  des  Himmels. 

^  Eigentlich:  was  am  Boden  ist. 


—     61     — 

Seesalz 

Frische  Grütze 
Oel 

pat-Saft 
sefet  *)-Oel 
sens-Brod 

kochen,  in  Eins  machen  und  damit  bestreichen  alle  Wunden  von 
u^edu  jeglicher  Art  und  von  allerlei  ÜePeTn. 

Ein  andres,  das  sechste,  von  der  Göttiji^  äst")  für  den 
Gott  rä  selbst  gemacht,  um  Schmerzen,  die  in  seinem  Kopf 
sind,  zu  vertreiben: 

Beere  von  Coriander  1 

Beere  von  der  /aslt ')-Pflanze  1 

Absynth  1 

Beere  von  der  äames-Pflanze  1 

Wachholderbeere  1 

Honig  1 

in  Eins  machen,  dieses  mit  Honig  mischen  und  damit ^)  auf- 
streichen, um  ihn  sogleich  gesund  zu  machen.  Wenn  bei  ihm 
alle  diese  Mittel  gegen  allerlei  Krankheiten  am  Kopf  und  gegen 
Leiden  und  Uebel  jeglicher  Art  angewendet  werden,  wird  er 
augenblicklich  gesund  werden. 

Mittel  Schmerzen*)  am  Kopf  zu  vertreiben: 

Das  Innere  von  Zwiebeln  (?) 

Die  Frucht  vom  äm-Baum 

Natron 

sefseft-Samen 

Qrate_yRnnL jrra^J-Fisch ,  gekocht 

Rother  Fisch,  gekocht 

Schädel  vom  behau  ^}-Fisch,  gekocht 


0  Ein  heiliges  Salböl. 
v\  ^g^  ^—  Isis. 

«)  Brugsch  VI.  S.  896  „Opium^ 

*)  Nämlich  auf  dem  Kopf. 

*)  Aegyptisch  heta  oder  dsta. 

®)  Brugsch.  Zeitschrift  für  ägypt.  Spr.  1881.  S. 38:  „vielleicht 
Schwertfisch*'. 

0  Brugsch.  Zeitschrift  für  ägypt.  Spr.  1882.  S.  70:  „vielleicht 
Krebs«. 


—     62     — 

Honig  1 

äbra  ^-Salbe  1 

damit  den  Kopf  4  Tage  lang  einölen. 
Ein  andres: 

Beere  von  der  ämmest')-Pflanze 
Beere  von  der  xasIt*^)-Pflanze 
Beere  von  Coriander 
ännek  *)-Pflanze 
yet'-Pflanze 
Eselsfett 
den  Kopf  damit  einölen. 

Ein  andres  gegen  Schmerzen  auf  der  einen  Seite 
d^s  Kopfes  (Migräne): 

Den  Schädel  vom  när  *)-Fisch  in  Oel  erwärmen  und  4  Tage 
damit  den  Kopf  einschmieren. 

Verzeichnis*)  über  die  Verwendung  des  deqm- 
Baumes,  wie  man  es  gefunden  in  alten  von  dem  Licht^ 
der  Männer  [verfassten]  Bücher: 

Wenn  man  seine  Stengel  in  Wasser  zerreibt  und  auf  einen 
Kopf,  der  krank  ist,^thut,  wird  er  sogleich  wieder  frisch  werden, 
als  wenn  er  nicht  krank  gewesen  wäre.  Wenn  dann  eine  Per- 
son, die  Mangel  an  Excrementen  *)  hat,  ein  wenig*  von  seinen 
Beeren  mit  Bier  kaut,  so  wird  es  das  Kranke')  in  dem 
Leib  des  Patienten  vertreib en^*^). 

Auch  werden  weiter  die  Haare  einer  Frau  durch  seine 
Beeren  wachsen;  es  zermahle  sie,  mach  in  Eins,  und 
thlie  es  in  Oel  eine  Frau  und  salbt  ihren  Kopf  damit. 


>)  Ebers  S.  98  „feines  Salböl«. 

^  Loret.  Recueil  de  travaux  relatifs  ä  la  philol.  et  ä  rarcbeol. 
egypt.  et  assyr.  Septieme  annee.  Paris  1886.  S.  108.  ,Anethum 
graveolens  L." 

«)  Brugsch  Wort.  VI.  8.896  „Opium«. 

♦)  Brugsch  Wort.  V.  S.  93  „Pflanze,  die  mit  dem  Mond  in 
Verbindung  steht. 

*)  Ebers  S.  169  „Wels«. 

*)  In  ungewöhnlicher  Weise  ist  hier  der  Text  abgebrochen,  und 
es  folgt  eine  zusammenhängende  Angabe  über  die  Verwendung  des 
Ricinusstrauches ;  ägyptisch  dfiqm. 

Ö  Aegyptisch:  yut  =  T(i  iyaM;  Licht,  Ruhm,  Weisheit. 

^  1).  h.  verstopft  ist. 

*)  Aegyptisch:  vait.;  cfr.  Seite  40.  Anm.  3. 

»0)  Cfr.  Diese.  De  mat.  medica.    Lib.  IV.     Cap.  161. 


—     63     — 

Es  ^)  wird  dann  auch  sein  Oel  aus  seinen  Beeren  gepresst  als 
Salbe*)  für  den  gebraucht,  der  eine  uha ')-Geschwul8t  mit  stin- 
kender Materie  hat;  siehe  das  üebel  wird  fliehen,  als  wenn  ihm  XLVIIf. 
nichts  gefehlt  hätte*);  er  braucht  es  (das  Oel)  in  gleicher 
Weise  10  Tage  als  Salbe,  indem  er  sich  damit  täglich  am 
Morgen  früh  salbt,  um  sie  (die  Geschwüre  oder  Geschwülste)  zu 
vertreiben*).     Wie  es  sein  soll,  tausendmal. 

Ein  andres  Schwindel"*)  im  Kopf  zu  vertreiben: 
Wenn  der  Kopf  bei  einer  Person  schwindlig')  ist,  so  leg  Du 
deine  Hand  auf  seinen  Kopf,  während^)  er  Beschwörungen  dar- 
über liest,  mach  für  ihn: 

Natron,  zermahlen  in  Oel,  Honig  und  Wachs 
in  Eins  machen  und  damit  aufstreichen. 

Andre  Mittel^  für  seinen  kranken  Kopf  und  Kopf- 
schmerzen: 

Weihrauch 

Fett**^)  von  der  äbu-Pflanze 

äbra  ")-Oel 

ässes-Pflanze 

Fett 
zermahlen,  kochen  und  damit  einsalben. 

Ein  andres  für  seinen  kranken  Kopf  und  u/edu 
zu  vertreiben^'): 

Weihrauch  1 

Kümmel  1 

Beere  vom  uän-Baum        1 

Gänsefett  1 

kochen  und  damit  einsalben. 


J)   Cfr.  Tafel  27.    Zeile  11—14. 

*)    Einreibung. 

•)  uJ^a  =  (durch  Feuer)  yernichten ;  also  wohl  eine  Art  Abscess 
oder  Geschwür. 

*)  Eigentlich:   als  wenn  nichts  gegen  ihn  wäre. 

*)   Cfr.  Diese.  De  mat.  med.    Lib.  I.   Cap.  38. 

*)    daut  ^  tremor  oder  »Schuttfilfl". 

0    Oder  «schüttelt". 

^)   Oder  „ohne  dass  er". 

»)  Brugsch  VIT.  8.1117:  „Kopfuoittel.  1st  er  leidend,  so  stillt 
den  Schmerz." 

»0)  Brugsch  VII.  S.  1386.  tjeda  =  feist,  fett;  von  Pflanzen  ge- 
sagt bedeutet  es  „das  Beste,  Vorzüglichste". ' 

»0    Ebers  S.  9^  „ein  feines  Salböl". 

*^    Eigentlich:  aufzuheben. 


-     64     — 


Ein  andres  den  Kopf  zu  heilen: 

Oel  von  Aloö  1 

Mentha  montana  1 

Das  Weiche  vom  5resTi^)-Harz     1 

Weihrauch  "  1 

salben  damit  6  Tage;  es  heilt  den  Kopf. 
Ein  andres: 

Das  Innere  im  Weihrauch       1 
den  Kopf  damit  oftmals  einreiben. 

Ein  andres  seinen  kranken  Kopf  gesund  zu  machen: 

äsu  ')-Pflanze 

uän-Baum 

Fett  vom  Cederbaum 

paätet-Holz 

Weihrauch 

Fett 
zermahlen  und  auf  den  Kopf  thun. 
Ein  andres: 

Kümmel 

gesfen  *)-Korn 

tentem  Beere 

Myrrhen 

Baumol  (?) 

Beere  vom  uän-Baum 

Lotus 
zermahlen  und  auf  den  Kopf  thun. 

Ein  andres  seinen  kranken  Kopf  zu  kühlen: 

Grüne  Bleierde  (?) 

Weihrauch 

Fauliges  Holz  (?)*) 

uaneb-Pflanze 

Aloe 

Hirschhorn 

Kuchen 

netr-tit-Metal  *) 

Maurerlehm 


»)   Brugsch.  Wort.  S.  896  „Mohnpflanze". 

^  Brugsch.  Wort.  V.  S.  14l"*;;i^'e  TiBbliche  Pflanze". 

3)    Luring  S.  155  „Kupfervitriol"  (?). 

*)    Ebers  S.  73  „arab.  Holzpulver?" 

*)   Cfr.  Luring  S.  60. 


'64 


'64 


—     65     — 

Zwiebeln  (?)  1 

Wasser  1 

zermahlen  und  auf  den  Kopf  thun. 

Ein  andres  für  die  Spitze  des  Scheitels'): 

Weihrauch  ^64 

Knoblauch  7^ 

netr-tlt-Metal ')       7^ 

senen-Myrrhe  ^/j 

uat'-Stein ')  7, 

Collyrium  733 

Alabaster*)  7„ 

uah-nehebt-Stein     7e 

Wasser  7« 

zermahlen  und  auf  den  Scheitel  thun. 

Der    Beginn   von   den    Mitteln    Ansammlun^^)'   von 
Urin  und  Krankheit  im  Unterleib^)  zu  vertreiben: 

Weizen  7$ 

Datteln  7^ 

uäh^)-Korn,  gekocht     74 

Wasser  7^ 

zermahlen,  durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 

Ein  andres  für  ein  Kind  zur  Entleerung  von  Urin-    XLIX. 
ansammlung  in  seinem  Leib^): 

Ein  altes  Buch,  in  Oel  gekocht,  auf  seinen  Leib  schmieren, 
um    seine    (des    Kindes)    Ausleerung    in   Ordnung  zu   bringen. 
Ein  andres  den  Urin^)  in  Ordnung  zu  bringen: 

Stroh  von  der  nebät-Pflanze  78 

Datteln  7, 

Der  Stamm  von  der  j^aslt  ^°)-Pflanze    74 

')  Cfr.  Luring  S.  60. 

»)   Brugsch  VII.  S.  1311  „Gotteskoth". 

*)    Grüne  Augenschminke  (?). 

*)   Cfr.  Luring  S.  96. 

*)   des  heisst  eigentlich  [Brugsch  VII.  S.  1350]  „ejnpn  Strick 
um  etwas  legen". 

'^  kenes;  die  Uebersetzung  ist  unsicher.  Luring  übersetzt  es 
mit  .Mutterleib** ;  der  Aegyptologe  Chabas*  schlug  die  Uebersetzung 
„vessie  =  Blase"  vor,  was  roedicinisch  am  besten  passen  würde. 

^   Wohl  eine  Getreideart  (?). 

^   Eigentlich :  ein  Kind  Ansammlungen  von  Urin  in  seinem  Leib 
ausleeren  zu  lassen. 

•)   D.  b.  das  Urinlassen. 
***)  Cfr.  vor.  Seite.     Hier  ist  ^ait  anstatt  ^asit  geschrieben. 

Joachim,  Aegyptische  Heilkunde.  5 


—     66     — 

Honig  Vg 

Beere  vom  uän-Bauni  ^/^ 

Wasser  1   denä 

durchseihen  und  4  Tage  lang  einnehmen. 

Ein  andres  die  Urinentleerung  bei  einer  erwach- 
senen Person  zu  ordnen*): 

Gyperus  1 

Wachholderbeere  1 

Das  Holz  von  belieh-Pflanze       1 
zu  einer  Masse  stossen,    stehn  lassen  in  süssem  Bier  und  trin- 
ken; es  ist  zuträglich  dafür  *). 

Ein  andres  Verstopfung')  auf  Grund  von  Entzün- 
dung im  üringang*)  bei  einer  Person  zu  vertreiben,  die 
an  Verstopfung  des  Urins   leidet): 

Seesalz  Ye« 

mähui  *)-Samen     7s 

Baumöl  (?)  1 

Honig  1 

Süsses  Bier  1 

in  den  Anus  spritzen. 

Ein  andres  das  unregelmässige  Urinlassen  zu 
regeln*): 

Beere  vom  uän-Baum     7i6 

sasa>Stücke  V^ 

Gänseschmalz  Ys 

Honig  V, 

uäh-Komer  Vs 

Dattelabfall  7^^ 

Grüne  Datteln  V,, 

feucht  stehn  lassen,  durchseihen   und   4  Tage  lang  einnehmen. 
Andre  Mittel  gemacht  für  den,    der  krank  ist  mit 
ujjedu  in  seinem  Urin  (gang): 


0   Eigentlich:  was  rechtmässig  zu  leisten  ist. 

^   D.  h.  es  ist  ein  gutes  Mittel  dagegen. 

')   Verstopfung  oder  Verhärtung. 

*)   Blase. 

*)   Brugsch  VI.  S.563  „Wunderfrucht«. 

^  Eigentlich :  Urinlassen,  das  nicht  in  Ordnung  ist,  in  Ordnung 
zu  bringen. 

^)  Brugsch.  Wort.  VII.  S.  1226.  »Kuchen  aus  zusammenge- 
pressten  Rosinen^. 


—     67     - 

Kahleber  1 

anest-Pflanze        1 
thun  in^)  pät')-Brod  und  von  der  Person  zu  essen. 
Ein  andres: 

deser^)-Samen  7$ 

Das  Inwendige  von  Zwiebeln  (?)       Vas 
Weizenmehl  74 

Gänseschmalz  78 

Honig    ~-  73 

Papyruspflanze  7» 

Wasser  ^/, 

kochen,  durchseihen  und  4  Tage  lang  einnehmen. 

Ein  andres  den  Urin   zu  regeln: 
)^et'-Pflanze  1  in  frischer  Milch  mischen  und  auf  den  Phallus  thun. 
Ein  andres; 

Crocus  des  Südens       1 
Bohnen,  geröstet  1 

in  Oel  thun,  damit  den  Phallus  einsalben. 

Ein  andres: 
Ein  hennu  *)-Gefilsß^  voll  von  Wasser  von  dem  Vogelteich     1 
Wachholderbeere 
Fibern  der  j^aslt  *)-Pflanze 
Frische  Milch 
Bierspülicht 

Blumen  von  cucumis  melo 
Grüne  Datteln 

in  Eins  machen,  durchseihen  und  4  Tage  lang  einnehmen. 
Ein  andres: 

Holz  von  Zizyphus  Lotus       1 
mischen  in  Hefe  von   mesta-Getränk ,    damit  den  Phallus    ein- 
salben. 

Ein  andres  Urinausleerung  bei  einem  Kind  in  Ord- 
nung zu  bringen  (zu  ordnen): 

Blüthe,  die  auf  der  nebät-Pflanze  ist,  zusammen  bringen 


0  Nachtraglich  ist  mit  rother  Tinte  dazwischen  geschrieben:  är 
m  =  thun  in. 

^  Brugsch.  Wort.  VI.  S.  470  „Name  einer  besonderen  Art 
(runder)  Opferbrote". 

»)   Brugsch.    Wort.  S.  1375  „Leinsamen". 

*)   bennu  =  0,465  Liter. 

*)   Brugsch.    Wort.  VL  S.  896  »Mohupflanze". 

5* 


—     68     — 

mit  süssem  Bier  in  eine  kühle  Flasche  und  von  einem  Mädchen 
za  trinken,  einem  Jangen  ^)  aber  in  einem  hennu  ')-Krag  zu  geben. 
Was  man  einem  Kind  machen  muss,  das  am  Urin 
leidet: 

Xent')-Kom  in  einer  Pille  erwärmt;   wenn   es    ein    älteres 
Kind  ist,   so  nehme  es  dieselbe  zusammen  mit  der  Nahrung^); 
L.    wenn  es  aber  ein  Wickelkind  ist,  so  bringe  man  Ihm  es  in  die 
Brustmilch,  indem  seine  Amme  es  4  Tage  lang  hineinspeit  ^ 
Andre  Mfltel  zu  viel  ürinausleerung^)  zu  vertreiben: 
Weizenkom  ^/j 

Sebesten  */g 

Grüne  Bleierde  0*)  V„ 

Wasser  */, 

feucht  stehen  lassen,  durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 
Ein  andres: 

Kuchen  */^ 

Weizenkom  Yi 

Frische  Grütze  Vi 

durchseihen,  4  Tage  lang  einnehmen. 

Ein  andres  das  (zu)schnelle^  Urinlassen  zu  ver- 
treiben: 

Wachholderbeere        1 
Cyperus  1 

Bier  1  hunnu-Gefass 

kochen,  durchseihen  und  4  Tage  lang  einnehmen. 

Ein  andres  zu  viel  Urinausleerung*)  zu  vertreiben: 


*)  im  Text  steht  an,  wie  ich  annehme,  statt  n,  was  in  unserem 
Papyrus  häufiger  vorkommt;  cfr.  Ebers  „Das  hermetische  Buch  etc. '^ 
S.  16. 

Liest  mau  an,  so  muss  man  abersetzen:  „einem  Nicht-Knaben, 
d.  h.  einem,  der  nicht  mehr  Kind,  also  erwachsen  ist.*  Das  würde 
freilich  keinen  rechten  Gegensatz  zu  „einem  Mädchen**  bilden;  ausser- 
dem soll  das  Mittel  die  Unnausleerung  bei  einem  Kina  ordnen. 

»)    Cfr.  S.  67  Anm.  4. 

*)   Nach  Brugscb  VI.  S.  948  =  xenti,  also  „grüne  Bleierde?* 

*)   Wörtlich:  esse  sie  in  dem  Essen. 

*)  Aegyptisch:  kefef  =  dimittere,  vomere.  Die  Amme  erwärmt 
es  in  ihrem  Mund  und  speit  es  nachher  in  den  Hund  des  Kin- 
des. (?)  L. 

^)    Polyurie ;  vielleicht  Diabetes  mellitus  (?). 

^  as  bedeutet:  schnell;  also:  das  schnelle  Urinlassen,  woran 
alte  Leute  häufig  leiden.  Ich  denke  an  Froslalahyperfrophle  oder 
Lithiasis. 


69     — 


39 


Kochen 
Weizenkom 
Frische  Grütze 
Grüne  Bleierde  (?) 
Wasser,  Honig  7s 

feacht  stehen  lassen,  durchseihen,  4  Tage  lang  einnehmen. 
Ein  andres: 

Zweige  (Aestchen)  von  der  qadet-Pflanze     ^/^ 
Trauben  7, 

Honig  7, 

Beere  vom  uän-Baum  */., 

Süsses  Bier  1  7« 

kochen,  durchseihen  und  2  Tage  einnehmen. 
Ein  andres: 

Sebesten  Vg 

Weizenkom  7« 

Grüne  Bleierde  (?)  7„ 

Kuchen  7« 

Wasser  7j  ebenso. 

Ein  andres: 

Kuchen  7« 

Honig  V„ 

Wasser  7a 

durchseihen  und  1  Tag  einnehmen. 

Ein  andres  as^)  des  Urinlassens  zu  vertreiben: 
Wachholderbeere         1 
Cyperus  1 

Bier  1  hunnu-Gefäss 

kochen,  dorchseihn,  1  Tag  einnehmen  *). 

Mittel  den  Urin  herauszutreiben'): 
Crocus  des  Berges  7* 

Crocus  des  Delta  7$ 

äbu-Pflanze  von  Oberägypten         7i« 
Beere  vom  uän-Baum  ^/^^ 

Frische  Grütze  7$ 

äbu-Pflanze  von  ünterfigypten        7i« 


0  Cfr.  vorige  Seite  =  Urindrang  (?). 

')  Dasselbe  Recept  wie  oben  Zeile  5,  nur  dass  dort  4  Tage  lang 
eingenommen  werden  soll. 
»)  Vielleicht:  Strictur(?). 


—      70     — 

Leinsamen  (?)  Vi« 

uam  *)-Samen  Vis 

duat-Pflanze  V^g 

Wasser  Vi^ 

feucht  stehen  lassen,  durchseihen,  4  Tage  lang  einnehmen. 

Die  ^  Urinentleerung  zu  regeln  und  gegen  Unter- 
leibs-Krankheit bei  erstmaliger  Erkrankung: 
Honig  1 

Weihrauch  1 

Wachholderbeere  1 

Cyperus  1 

Gekneteter  Teig  vom  Bäcker')         1 
Rinde  der  Sykomore  1 

Wurzelrinde  vom  Ricinusstrauch  ^)     1 
Grüne  Bleierde  (?)  1 

Frische  Datteln  1 

Rinde  von  der  yasit-Pflanze  *)  1 

Brei 
wärmen,    durchseihen,  in    einen  Becher  thun,    zu  einer  Kugel 
formen   als  Pastille  für  den  Geruch  des  Mundes®);  zugleich  es 
zu  trinken,  um  ihn  sogleich  gesund  zu  machen. 

Der  Beginn  der  Arzneimittel  das^Herz  in  den  Stand 
zu  setzen,    die  Nahrung  aufzunehmen^): 
LI.  Fleisch  LI  fettes  (fettesTleisch)       7^^ 

Schreibfarbe  Yj» 

Feigen    *     "  7^ 

Beere  vom  uän-Baum  7i6 

Weihrauch  7«4 

Kümmel  764 

Nasturtium  764 

Oäm-Pflanze  7i6 


1)  Scheint  nachträglich  eingeschoben  worden  zu  sein. 

')  ket  =  „ein  andres**  ist  hier  weggelassen. 

»)  Luring  S.26. 

*)  Aegyptisch  qaqa  =  x^xt. 

*)  Brugsch  VL  S.  896  „Mohn«. 

®)  Unsicher;  nach  B  rug  seh  und  Luring:  zu  einer  Kugel  for- 
men, wenn  da  ist  die  wiederkehrende  Zeit  der  MumI toilette  (Luflng 
S.  27). 

0  Also  Stomaebica  in  unserem  Sinne,  nur  mit  dem  Unterschied, 
dass  nach  unserer  Auflassung  natürlich  nicht  das  Herz,  sondern 
der  Magen  die  Nahrung  aufnimmt. 


—     71      — 

Gänseschmalz  Yg 

Sebesten  */^ 

sert-Saft  7, 

Süsses  Bier  7a  ^^^^ 

za  trinken. 

Ein  andres: 

Süsses  Bier  73 

sexept-Saft  7a 

sert-Saft  7, 

Dattelmehl  7, 

Weizenmehl  7« 

Beere  vom  uän-Baum      7ifi 

Weihrauch  764 

Nasturtinm  7«  4 

Weinbeeren  7« 

Feigen  7, 

Gänseschmalz  7« 

kochen,  durchseihen,  4  Tage  lang  einnehmen. 
Ein  andres: 

seneft>Kömer        7„ 

Sässes  Bier  Ve 

kochen,  durchseihen,  1  Tag  einnehmen. 
Ein  andres: 

^eizenkorn        7« 
feucht  stehen  lassen,  durchseihen  und  1  Tag  einnehmen. 
Ein  andres: 

Oäm-Pflanze  7$ 

uäh  ^Körner  7^ 

Weihrauch  7i4 

'talg  7s 

Grüne  Bleierde  (?)  7„ 

Wein  1  denä 

kochen,  durchseihen  und  4  Tage  lang  einnehmen. 
Ein  andres: 

Brod  am  Feuer  geröstet')  7« 

uäh  ^Körner  7* 


0  Gehört  zu  den  als  Opfer  dargebrachten  Körnern. 
^  Wohl  eine  Getreideart  (?). 
»)  Der  «Platz''  der  Thüringer. 


—  72     — 

genti  ')-Samen  y^^ 

Honig  7,^ 

Wasser  y^ 

durchseihen  und  4  Tage  lang  einnehmen. 
Ein  andres: 

Geröstetes*)  Brod        7^ 

uäh  ')-Kömer  7^ 

Honig  7„ 

Wasser  7^ 
zermahlen,  durchseihen,  4  Tage  lang  einnehmen. 
Ein  andres: 

Fettes  Fleisch  7,. 

Wein  7, 

Weinheeren  y^^ 

Feigen  y^^ 

Crocus  7i« 

Süsses  Bier  y^  denä 

kochen,  durchseihen,  4  Tage  lang  einnehmen. 
Ein  andres: 

unti-Brod  y^ 

heken  *)-Brod  y^ 

battelfrucht  \ 

Honig  y 

Wein  7j 

kochen,  durchseihen,  1  Tag  einnehmen. 
Ein  andres: 

Feigen  y^ 

uäh  ')-Kömer  7^ 

Weihrauch  y^^ 

Dattelfracht  7„ 

Knohlauch  y^^ 

Süsses  Bier  y^  denä 

Fettes  Fleisch  y^ 

Weidenhaum  *)  '/^ 

kochen,  durchseihen,  4  Tage  lang  einnehmen. 


^)  Brugsch.   Wort.  VII.  S.  1269  „Cassia«. 
*)  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  3. 
')  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  2. 
*)  Liebliches,  süsses  Brod. 
*)  Aegyptisch:  Äert. 


—     73     — 

Der  Beginn  von  den  Arzeneimitteln,  Anschwellun- 
gen in  der  Leiste^)  (?)  zum  Fallen  zu  bringen: 

Eine  Pflanze,  senenutet  ^  mit  Namen,  die  auf  ihrem  Bauch 
gleich  der  qadet- Pflanze  kriecht*)  und  blüht*)  wie  die  Lotus- 
pflanze, so  dass  man  ihre  Blätter  gleich  einem  weissen  Baum 
findet.  Man  bringe  sie  herbei  und  lege  sie  auf  die  Weiche*); 
(die  Schwellung)  fällt  sofort.  Auch  wird  ihr  Samen  in  Brod 
auf  die  uyedl  gethan,  um  sie*)  in  der  Weiche  zum  (Ein)fallen 
zu  bringen. 

Ein  andres.  Wenn  du  eine  Person  mit  (Drüsen) 
Anschwellungen  an  ihrem  Halse^)  siehst;  sie  leidet  an 
beiden  Gelenken  ihres  Halses^)  und  hat  Schmerzen 
an  ihrem  Kopf;  der  Wirbelknochen  ihres  Nackens*) 
ist  steif,  ihr  Nacken")  beschwert,  so  dass  sie  nicht 
auf  ihren  Leib  herabsehn  kann,  und  sie  ist  wie  lahm- 
geschlagen, so  sag  Du:  „sie  hat  (Drüsen)  Anschwellungen  an 
ihrem  Nacken ^.^  Lass  ihn  sich  salben  und  einreiben,  damit  LH. 
er  sogleich  gesund  werde. 

Ein  andres.  Wenn  ^)  Du  Jemand  mit  Ansamm- 
lungen^) von  teigartiger  Substanz  siehst,  sein  Leib  ist  ' 
hart  darunter;  er  ist  krank  an  seinem  ro-äb;  es  ist  seine 
GTeschwulst  in  seinem  Leib,  die  keinen  Weg  findet  herauszukom- 
men und  keinen  Weg  hat  aus  ihm  herauszukommen;  es  ist  Faules 
in  seinem  Leib.  Nicht  kommt  es  heraus,  es  wird  zu  hesebt- 
Wnrmem;  vrird  es  nicht  zu  hesebt,  so  wird  sich  eine  Kugel 
bilden *).  Leert  er  es  aus,  so  wird  er  augenblicklich  gesund; 
fuBH  6r  es  aber  nicht  als  hesebt- Würmer  ab,  so  mach  Du  ihm 
ein  AbfuhrmitteP^) ,   um  ihn  augenblicklich  gesund  zu  machen. 

Ein  andres*  Kothanschwellungen  im  Leib  zu  ver- 
treiben: 


#  *" 


0  Unsicher;  ägyptisch  nepehu  von  Luring  S.  27  mit   ^Hufle' 
abersetzt 

")  Luring  S.  161  ^Pistia  stratiotes  L." 

')  Eigentlich:  wächst. 

^)  Eigentlich:  Blüthen  setzt. 

*)  Nämlich:  die  u^edi. 

«)  Luring  S.  66  «Genick*'. 

0  Variante  von  Tafel  25  Zeile  3—8. 

»)  Luring  S.  28  ,Küth«. 

*)  Die  üebersetzung  ist  unsicher.     Cfr.  Luring  1.  1.  S.  28. 

*®)  Wörtlich:  die  Mittel  des  Ausleerens. 


Feigen 

V. 

Sebesten 

V, 

Weinbeeren 

'ho 

Kümmel 

7" 

Harz  von  Acanthna 

v„ 

Schreibfarbe 

7,4 

Pfefferminz 

7:; 

gengent-Bohne 

7, 

Süsses  Bier 

fencbt  stehn  lassen  nnd  4  Tage  lang  einnehmen. 

Ein  andres  Zd  machen  für  ei 

ine  Person,  die  anient') 

in  ihrem  Kopf  und  (Drüsen)  A 

naehweHangen  in  ihrem 

Nacken  leidet; 

äbrä').0el 

zesalt  ')-Pflanze 

Holz  vom  uän-Baum 

Weihrauch 

CoUyrium 

Grüne  Bleierde  (?) 

Fett  von  Ibex  nubiana 

zermahlen,  in  eine  Hülle  thun,  am 

Kopf  anbringen. 

Andre  Uittel: 

suH^anze  des  Südens 

nehedet')-Harz 

Kümmel 

Beere  vom  uän-Baum 

Myrrhen 

Fett  vom  Cederbaum ") 

Fett  1  von  Ibei  nubiana       1 

abräO-Oel 

1 

in    Eins    machen,    feucht  hinstellen 

1,  durchseihen,   4  Tage  ein- 

nehmen. 

')  Bigentlic^h:  Hervorragendes;  vielleicht:  Kopfschmerz.  L. 

i)  Ein  heiliges  Salböl. 

»)  Brugsch.  Wort  VI.  S.  896   .Mohupflanze". 

')  Ebers  S.  69  .ZahnkSraer'. 

')  Nach  „Fett  vom  Cederbaum"  fehlt  der  rothe  Strich  (wohl 
aus  Versehn),  wahrend  er  (ganz  ungehörig)  hinter  „Fatt"  und  „von 
Ibei  nubiana*,  also  doppelt  sieht.  Ohne  Zweifel  liegt  hier  ein  Ver- 
Bebn  des  Schreibers  vor. 


—     75     — 

Ein  andres  (Drüsen)  Anschwellangen  im  Leib  eines 
Mannes  oder  einer  Frau  zu  vertreiben: 
Feigen  V, 

Sebesten  Vs 

Weinbeeren  7i6 

Weihrauch  7«4 

Knmmel  */g^ 

Kräuter  des  Feldes         7^ 
Honig  7, 

Susses  Bier  7s  ^®^* 

durchseihen  und  einnehmen. 

Andre  Mittel  Krankheiten  in  allen  Gliedern  einer 
Person  zu  vertreiben*): 

Eine  Auflosung  von  sebeb  ^)-Flässigkeit  zermahlen,  zerreiben, 
mischen  mit  saurer  Milch  und  als  Pflaster  auflegen. 

Ein  anjires  d_ehert^')-Krankheit  zu  vertreiben: 
Zwiebeln  C?}^in  Honig  zermahlen  und  in  Bier  nehmen. 
Ein  andres  ßrand(wunde)  abzuwehren: 
Frosch  *)(?)  in  Oel  erhitzen  und  damit  einreiben. 
Ein  andres: 

Den  Kopf  vom  t'edeb  ^)-Fisch  in  Oel  erhitzen  und  der  Per- 
son auf  ihren  KÖrpertheil  thun. 

Der  Beginn  von  den  Mitteln  serlt*)  zu  vertreiben:    LIII. 
Grüne  Zwiebeln  (?)  in  Wasser  thun  in  einem^  neuen  hunnu- 
Geföss  und  4  Tage  trinken. 
Ein  andres: 

Zwiebeln  (?)  in  süssem  Bier  kochen  und  den  dritten  Theil 
davon  4  Tage  trinken. 
Ein  andres: 

Nimm  ein  Tragegefäss  ^)  halb  mit  Wasser,  halb  mit  Zwie- 
beln (?),  lass  es  4  Tage  lang  stehn,  pass  auf,  dass  es  nicht 
trocken  wird;  nachdem  es  feucht  gestanden,  schäume  Du  74 
des   dritten  Theiles  von  dem  Inhalt  dieses  Gefässes  ab  und 


')  Eigentlich:  fortgehn  machen. 

>)  B  rugs  eh.   Wort.  VII.  S.  1175  „Mischtrank,  Mixtur**. 
')  Ebers.    Einleitung  zum  Papyrus  Ebers  S.  28  „Krätze". 
*)  Aegyptisch:  äbeven. 
*)  Ebers  S.  26,  «Zitteraal**. 
^  Brechreiz,  ünverdaulichkeit,  Ueberladung. 
^  Aegyptisch:    rement  =  Tragegeßss;    Ebers    S.  23    , Kasse- 
rolle«. 


—     76     — 

lass   es  denjenigen,   der  an  Brechreiz*)  leidet,   4  Tage  trinken, 
damit  er  sogleich  gesund  werde. 
Ein  andres: 

Dattelmehl,  ein  henno^-Gefass,  zu  einem  Teig  machen, 
in  2  mehet ')-Gefässe  thun,  es  ans  Feuer  setzen,  so  dass 
dieser  Teig  sich  spaltet  (scheidet);  nachdem  dies  geschehn,  den 
Brei  in  Fett  und  Baumöl  (?)  thun  *)  und  von  der  Person  gehörig 
warm  zu  essen,  damit  sie  sogleich  gesund  werde. 
Ein  andres: 

Zwieheln  (?)  1 

Gedörrte  Datteln       1 

Milch  1  hennu^    zu  trinken. 

Ein  andres: 

Kuhmilch    kochen,    nachher    mähetet^)- Samen    zermahlen, 
Sahne  dazu  thun  und  von  der  Person  4  Tage  zu  trinken*),  zu 
trinken  mit  gekochter  Milch. 
Ein  andres: 

Abfall  von  Datteln,  zerstossen,  in  einen  Leinwandsack  thun, 
diesen  Sack  1  Tag  in  einem  Mischtrank  lassen,  der  ans  Feuer 
gestellt  wird,  bis  der  Teig  sich  scheidet^)  (zerrinnt?),  diesen 
Sack  leeren,  in  ein  hunnu-Gefäss  thun,  Wasser  dazu  setzen, 
durchseihen,  wie  es  mit  Bier  geschieht  und  4  Tage  trinken. 
Ein  andres: 

Saure  Milch        7^ 
Oei  7, 

Bier  V, 

in  einen  Kessel  thun  und  kochen.     Nachher  zerreibe  Du 
Lactuca  1 

Xet'-Pflanze       1 
in  diesen  Kessel  thun.     Wenn  es  nachher  gekocht  und  durch- 
geseiht ist,  lass  es  4  Tage  lang  trinken. 


0  Aegyptisch:  sent;  cfr.  vor.  Seite. 

^  hennu  =»  0,456  Liter. 

^  Brugsch  VI.  S.  632  „irdener  Krug«. 

*)  Eigentlich:    Zu  einem  Brei  machen  in  Fett  und  Baumöl  (?). 

*)  Brugsch  VI.  S. 563  „ Wunderfrucht** ;  abzuleiten  von  mäh  = 
mirari. 

*)  se)(eb,  nicht  wie  in  Sterns  Glossar  se^^ep. 

^  Loret  übersetzt  8ed  mit  lever,  s'enlever;  also  hier  „aufgehn 
lassen",  „sich  erheben**  etc.;  cfr.  Recueil  de  travaux  relatifs  ä  la 
Philologie  et  a  rarcheol.  egypt.  et  assyr.  Vol.  XI.  S.  131. 


—     77     — 

Ein  andres: 

Dattelmehl  7, 

in  Wasser  thun,  zu  einem  Sauerteig  *)  machen  und  mischen;  thu 
Du  zwei  pega^-Brode  ans  Feuer,  um  sie  zu  backen;  diesen 
Sauerteig*)  dazu  setzen  und  zu  einem  Brod')  machen;  nach- 
dem es  gebacken  ist,  mach  Du  es  zu  Fladen  in  Honig  und 
Ochsenfett;  1  Tag  zu  essen. 
Ein  andres: 

Kuhmilch,  näh*)-KÖmer 
in  eine  Kasserolle*)  bringen;  wird  am  Feuer  gesotten  wie  man 
Bohnen  kocht;   nachdem  es  gesotten,    kaue  der  Kranke  diese    LIV. 
uäh  *)-Körner,  4  Tage  lang  in  dieser  Milch  zu  trinken. 
Ein  andres: 

Honig  und  Sahne,  in  Eins  machen,   essen  und   trinken  in 
Bierhefe  4  Tage  lang. 
Ein  andres: 

Ein  Schweinezahn,    zermahlen,    zerreiben,    ins  Innere  von 
4  Zuckerkuchen  thun  und  4  Tage  essen. 
Ein  andres: 

Wasser  von  Hefe 
pet-Saft 
Sahne  ^ 
in  Zuckerkuchen  4  Tage  einnehmen. 
Ein  andres: 

Mehl  von  Dumpalmenfrucht       7s 
Gänseöl  7, 

Honig  7, 

kochen  und  4  Tage  einehmen. 
Ein  andres: 

Dattelmehl  7„ 

seneft^)-Körner  7« 

däm-Pflanze  78 

Kräuter  des  Feldes         7» 
zermahlen,  zerreiben,  in  Eins  machen,  thun  in 


*)  Cfr.  vor.  Seite  A  um.  7. 

^  Luring  S.  29  „Brotscheibe**;  also  eine  Art  ^Platz". 

')  Aegyptisch:  x^r. 

*)  Wohl  eine  Qetreideart  (?). 

»)  Cfr.  S.  75  Anm.  7. 

^  Mit  rother  Tinte  ist  hier  „gekocht"  dazwischen  geschrieben. 

0  Gehört  zu  den  als  Opfer  dargebrachten  Körnern. 


—     78     — 

Bier  1  denä 

feucht  stehn  lassen,  durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 
Ein   andres: 

Oäm-Pflanze  7ia 

ämamu-Pflanze       7« 
zermahlen,  zerreiben,  ans  Feuer  setzen,  den  Dampf  davon  durch 
ein  Rohr  einziehen  1  Tag. 

Ein  andres  Augenblicksmittel  Brechreiz^)  im  Leib 
zu  vertreiben: 

Feigen  7^ 

Sebesten  78 

Weinbeeren  7jg 

Kümmel  764 

Harz  von  Acanthus  7s a 

Schreibschwärze  764 

Pfefferminz  7ss 

gengent-Bohne  7$ 

Süsses  Bier 
feucht  stehn  lassen  und  4  Tage  lang  einnehmen*). 
Ein  andres: 

Gedorrte  Dumpalmenfrucht,  mischen  in  Bier;  dazu  ein  bet'a')- 
Geföss  heiss  machen,  zu  einem  Brot  machen  und  2  Tage  essen. 
Ein  andres: 

Honig  1  hennu*) 

Ochsenfett  1  hunnu 

sar*)-Wasser  2  hunnu 

Geröstete  Dumpalmenfrucht        1  hunnu 
Teig  von  Acanthus 
in  Eins  zermahlen,   kochen  und  hernach  warm  einnnehmen. 
Ein  andres: 

Grüne  Zwiebeln  (?)  in   eine  Kasserolle*)  thun,  deren  eine 
Hälfte   mit  Wasser,    die  andre  mit  Zwiebeln  (?)  (gefüllt   ist); 
davon  1  hennu*)  6  Mal  trinken,  4  Tage. 
Ein  andres: 


0  Aegyptisch:  serit;  cfr.  S.  75  Anm.  6. 

^  Dasselbe  Recept  findet  sich  Tafel  LH.  Zeile  8—10;  dort  gegen 
(Drüsen)  Anschwellungen. 

3)  Brugsch.    Wort.  V.  S.  464  „irdene  Topf,  Scherben". 

*)  hennu  =  0,456  Liter. 

*)  Luring  S.  21  „Hefe". 

^  rement-Qefäss;  cfr.  S.  75  Anm.  7. 


—     79     — 

fut-ab  '>Kom       1 

meni  ')-Korn         1 

ääm-PJQanze  1 

in  Eins  zermahlen.  Nimm  Du  7  Steine,  mach  sie  an  dem 
Feuer  heiss;  nimm  einen  davon  und  bringe  von  den  genannten 
Ingredienzien  darauf.  Deck  es  in  einem  neuen  GefSss  zu,  bohre 
ein  Loch  in  seinen  Boden'),  steck  ein  Calmusrohr  durch  jenes 
Loch,  thu  deinen  Mund  auf  dieses  Rohr,  damit  Du  den  Dampf 
davon  einathmet.  Ebenso  mit  den  übrigen  6  Steinen.  LV.  Iss  LV. 
hernach  dazu  irgend  etwas  Fettes,  entweder  vom  fetten  Fleisch 
oder   OeL 

Der  Beginn  von  den  Ärzeneimitteln  grosse  Schwä- 
che (?)*)  zu  vertreiben  (abzutödten^: 

netr-her-Frucht  Yie 

Was  *in  ut'ält-Frucht  ist  7^^ 

hemut-Korn  '/le 

Excremeute  vom  ädu- Vogel  Vu 

Baumöl  (?)  V3 

Süsses  Bier  Vs 

in  Eins  machen,  kochen,  durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 
Ein  andres: 

Feigen  V3 

Sebesten  Ys 

Weintrauben  Vb 

Brodteig  7^ 

Weihrauch  764 

Kümmel  764 

Beere  vom  nän-Baum      7i6 
Wein  V, 

Gänseschmalz  7, 

Süsses  Bier  7s 


0  „Animi  solatium"-Korn. 

^  Luring  S.  29  „ein  aromatisches  Ilarz". 

')  Hier  also  „Deckel". 

*)  Aegyptisch  gehu.  Ebers  übersetzt,  gehu-Milben",  Stern  im 
Glossar  „morbus  pedicularis",  indem  er  das  nach  gehu  folgende 
Zeichen  als  Determinativum  fasst;  Lieb  lein  hat  „grosse  Schwäche" 
vom  Stamm  gah  =  „schwach  sein"  vorgeschlagen.  Alle  verordneten 
Mittel  sollen  innerlich  gegeben  werden,  das  spricht  wohl  gegen 
Ebers  und  Stern. 


—     80     — 

zermalilen,  zerreiben,  in  Eins  machen,  durchseihen  und  4  Tage 
einnehmen. 

Ein  andres: 

ämamu-Fnicht  7s 

Frisches  Brod  7^ 

Grüne  Bleierde  (?)  '/„ 

Beere  vom  uän  Baum      '/b 

Oel  V, 

Seesalz  74 

in  Eins  machen,  durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 
Ein  andres: 

Weihranch  764 

Lebende  Binse        78 

Zwiebeln  (?)  7„ 

Wein  7, 

kochen,  durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 
Ein  andres: 

Kräuter  des  Feldes     7« 

Knoblauch  78 

hemut-Korn  78 

taa  O-Pflanze  7, 

Faules  Fleisch  7, 

Gänseöl  78 

sert-Saft  7,^ 

kochen,  durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 
Ein  andres: 

Weihrauch  764 

Lebende  Binse        78 

Zwiebeln  (?)  7„ 

Wein  7^ 

kochen  und  1  Tag  einnehmen*). 
Ein  andres: 

Seesalz  7i6 

Bleivitriol  (?)  7^^ 

Grüne  Bleierde  (?)     7^^ 

Wein  7,^ 

sert-Saft  73 

durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 


»)  Brugsch.  Wort.  VII.  S.  1310  „Gerste". 

')  Dasselbe  Recept  wie  oben  T.  55  Zeile  9  mit  geringen  Varianten. 


—     81     — 

Ein  andres: 

Krokodilerde ')  7, 

dua  (Stern)  von  Datteln        ^/^ 

Süsses  Bier  Ya 

zermahlen,  in  Eins  machen  und  1  Tag  einnehmen. 
Ein  andres: 

Grünes  teur'>Schilf  7,^ 

Frisches  Brod  7» 

Kräuter  des  Feldes  7$ 

Samen  des  Esels  78 

Crocus  7$ 

Beere  vom  uän-Baum  7i6 

Kümmel  7^^ 

Feigen  7,, 

Trauben  7i  e 

Wein  7g 

sert-Saft  7a  ^^^^ 

durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 
Ein  andres: 

Honig  7„ 

sert-Saft  7^ 

Wein») 
durchseihen  und  1  Tag  einnehmen. 

Ein  andres.  Der  Beginn  des  Buches  von  den  Augen. 
Zu  machen  gegen  die  Zunahme  der  u^edu  im  Blut  in 
dem  Auge*): 

sa^)-Samen  von  Oberagypten       1 
'         Honig  1 

Kümmel  1  LVI. 

nehed  *)-Kömer  1 

Behandlung  von  dem  Wasser  darin  (die  Flüssig- 
keit, die  aus  dem  Auge  fliesst)^): 


»)  Ebers  S.  186  „Nilschlamm''? 

»)  Brugsch.   Wort.  VII.  S.  1315  „Weidenbaura". 

*)  Im  Papyrus  folgen  nach  „Wein"  zwei  rothe  Punkte. 

*)  Hirschberg.  Ueber  die  Augenheilkunde  der  alten  Aegypter. 
Deutsch,  med.  Wochenschr.  1889.  S.  790.  „Krankhafte  Rötbuug  des 
Auges*. 

*)  Ebers  S.  69.  „Natron  oder  Salpeter". 

^)  Ebers  I.e.  „Zahnkorner". 

^)  Hirschberg  S.  790  „thränige  Absonderung". 

Joachim,  Acgyptische  Heilktinde.  (5 


—     82     — 

Weihrauch 

Myrrhen  1 

tentem-Samen  1 

Gräne  Bleierde  (?)      1 
Behandlung  der  wachsenden  uxedu'): 

sa*)-Samen  von  ünterägypten       1 

Mennige  1 

Grünspan  1 

Honig  1 

Darauf  mach  Du  ffir  ihn: 

Oel 

Fruhjahrswachs') 

gesfen  *)-Kom 

Vorzüglichen  Weihrauch 

Grüne  Bleierde  (?) 

Das  1  Jahr  alte  faulige  Holzpulver*) 

Weihrauch 

Gänseschmalz 

Bodensatz  der  grünen  Bleierde 
(Bleierde  des  Spätjahres?)  L. 

Gollyrium 

Oel«) 
damit  4  Tage  aufschmieren;  nicht  reibe  Du  stark  (?)^). 

Ein  andres  zu  machen  gegen  Verschleierung^  im 
Auge  den  ersten  Tag: 

Wasser  vom  Vogelteich  1. 

Den  zweiten  Tag: 

Honig  1 

Gollyrium        1     auf  einen  Tag. 
Ist  Blut  (im  Auge): 


')  Hirschberg  S.  791  „Bindehautcatarrh  mit  Schwellung". 

^  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  5. 

')  Cfr.  Diese.  De  mat.  med.  IL  Gap.  105. 

*)  Luring  S.  91  »möglicherweise  Kupfervitriol". 

*)  Ebers  S.  73  „das  schwarze  hinter  arab.  Holzpulver?"; 
Luring  S.  109  „ vielleicht  Bobrmehl".  Cfr.  Diese.  De  mat  med. 
Lib.  I  Cap.  79. 

^  Auffallend  ist,  dass  sich  «Gel"  zu  Beginn  und  Ende  des  Re- 
ceptes  findet. 

^)  Die  Uebersetzung  ist  unsicher. 

8)  Aegyptisch:  te^en;  Hirschberg  S.  791  „entzündliche  Horn- 
hauttrübung";  Ebers  S.  76  aintische  Affection". 


—     83     — 

Honig  i 

CoUyriam         1 
auf  das  Aage  streichen  *)  2  Tage. 

Wenn   dabei  viel  Wasser  vom  Auge  fliesst,    mach 
Du  dagegen  das  Mittel  gegen   die  äfes^)- Krankheit: 

aau-Eorn  1 

Grünspan  1 

Weihrauch  1 

Die  Spitze  der  Papyruspflanze  1  kochen 

Harz  von  Acanthus  1 

Collyrium  1 

Grünspan  1 

Zwiebel  (?)  1 

Wasser  1 
zermahlen  und  in  sein  (des  Auges)  Inneres  bringen. 

Ein  andres  Triefen*)  im  Auge  zu  vertreiben: 

Myrrhen  1 

Bleivitriol  (?)  1 

qesTt*)-Kom  1 

Zwiebel  (?)  1 

Cyperus  des  Nordens  1 

Grünspan  1 

Antilopenexcremente  1 

Das  Innere  vom  qadit ')-Thier  1 

Klares  Oel  1 
tbun  in  Wasser,  feucht  stehen  lassen,   durchseihen  und  4  Tage 
(als  Umschlag)  auflegen.      Nach    einer  andern  Vorschrift 
pinsele  es  mit  einer  Geierfeder  ein. 
Ein  andres: 

gesfen  •)-Samen  1 

nsefan-Vogel  des  Sees^)         1 

Zweige  der  Nordpflanze  ^)       1. 


^  Ebers  S.  77  „Umschläge  machen". 

*)  Ebers  1.  c.  „mouches  volantes?" 
^  »)  Hirschberg  S.  791  „Triefauge". 

*)  Ebers  S.  87  „hartes  Korn  des  Grünspans";  Brugsch.  VII. 
S.  1204  „pulvis«. 
»  *)  Ebers  S.  177:  Antilope. 

^  Luring  S.  91  „Kupfervitriol"? 

^)  Ebers  S.  88  „Pistia  stratiotes". 

^  Ebers  S.  89  „Zweige  des  Mastixstrauches,,? 

6* 


Darauf  mach  for  ihn: 
äfet')  1 

■Wachs         1 
nachhei  geben. 


Ein 
Angen: 


am    Ferobalteu    der    a/^'^i    >"    ^^^ 


Collyriam        1 

Dinte  1 

die  Angen  damit  salben. 

Ein    andres    das  Sehen    zn    eröffnen;    nach    dem 
Schlaf,  dann  anf  die  Augen*): 

Beere  von  ten&a  1 

Der  Kern  von  kesebt*)-frucht       1 

Collyrium  1 

Wasser  1 

zermahlen,    zerreiben,    in    Eins    machen    und    dann    auf    die 
Angen  thnn*). 
Ein  andres: 

Zwiebeln  (?)  1 

Das  Innere  der  ut'SIt-Frucht         1 

Venniscben  in  Oel  1 

zu  einem  Teig  machen,  es  trocknen  lassen;  nachdem  es  getrock- 
net ist,  damit  mischen  and  dann  auf  die  Augen  thun*). 
Ein  andres: 

Skarabä-CoIlTrium  *) 

Zwiebeln  (?) 

Grüne  Bleierde  (?) 

Erokodilkoth 

Bleivitriol  (?) 

Rotbes  Natron 

Honig 
n  Eins  machen  nnd  hernach  anf  die  Ängen  thun*). 


*)  Die  Uebersetzung  ist  Dicht  sicher;  nörllich: 
lugen",  was  keinen  rechten  Sinn  giebt. 
■0  Kbers  S.  91  „Slibiumoiyd" ? 


—     85     — 

Ein  andres  für  das  Znsammenziehen')  der  Pupille 
des  Auges: 

Feilspäne  vom  Ebenholz*)  1 

sa')-Samen  von  Oberägypten       1 
in  Wasser  mischen  und  oftmals  auf  die  Augen  thun. 

Ein  andres  uhat*)  in  den  Augen  zu  vertreiben: 

Collyrium  1 

Mennige  1 

Grüne  Bleierde  (?)  1 

Rothes  Natron  1 
hernach  auf  die  Augen  thnn^). 

Ein  andres  zum  Vertreiben  der  Albugo*)  der  Augen: 
Schildkrötenhim        1 
Honig  1 

sodann  auf  die  Augen  thun^). 

Ein  andres    zum  Vertreiben  des  Blutes')   in    den 
Augen: 

Schreibfarbe  1 

Grünspan  4 

Collyrium  1 

Fauliges  Holzpulver*)  1 

Zwiebeln  (?)  1 

Wasser  1 
zermahlen,  zerreiben  und  in  die  Augen  thun. 

Andre  Mittel*)  gegen  Verschleierung,  die  sich  im 

Auge  erhebt: 

Trockene  Excremente  vom  Leib  eines  Kindes     1 
Honig  1 

in  frische  Milch  thun  und  nachher  auf  die  Augen  bringen^). 


0  Ebers  S. 92.  „Hypopyon"?  Luring  S.  Ill  „Verdunkeln  der 
Pupillen";  Hirschberg  S.  792.   „Verengerung  der  Pupille". 

^  Aegyptisch:  hebeni. 

')  Ebers  S.  94  „Natron  oder  Salpeter". 

^)  Ebers  S.  94  „Verkalkung  in  den  Meibomschen  Drüsen"; 
Luring  S.  17  liest  nehat  =  Schielen. 

*)  Hirschberg  S.  792  „weisse  Narbe  der  Hornhaut". 

*)  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  4. 

0  Hirschberg  S.  807  „Blutunterlaufung  der  Lider". 

8)  Ebers  S.  96  „arab.  Holzpulver"? 

^  Mit  schwarzer  Dinte  ist  hier  eingefügt:  ärt  =>  zu  machen. 


—     86     — 

£in   andres  das  Schielen^)  in   den  Augen  zu  ver- 
treiben: 

Schildkrötenhim        1 
äbrä*>Salbe  1 

in  die  Augen  bringen. 

Ein  andres  gegen  sau')  in  den  Augen: 
Rindsleber    gebraten    und    ....*)    mit    Vorsicht    dar- 
auf thun. 

Ein  andres  Blut  um  die  Augen  zu  vertreiben: 
Weihrauch       1 
Crocus  *)  1 

in  die  Augen  thun. 

Ein  andres  Hitze^)  in  den  Augen  zu  vertreiben: 
Zwiebeln  (?)         1 
Collyrium  1 

tendä-Beere  1 

nachher  auf  die  Augen  thun^). 

Ein  andres  Fett^  in  den  Augen  zu  vertreiben: 

Collyrium  1 

Grünspan  1 

Mennige  1 

Bleivitriol  (?)  1 

Honig  1 
hernach  auf  die  Augen  bringen  ^). 

Ein  andres  Granulation^  im  Auge  zu  vertreiben: 
Collyrium  1 

Grünspan  1 

Zwiebeln  (?)  1 


^  Aegyptisch:  nehat. 

^  Bezeichnung  eines  heiligen  Salböls. 

»)  Ebers  S.  98  „Hitze". 

*)  Die  Uebersetzung  von  a&f  ist  bis  jetzt  unbestimmbar. 

*)  Nach  Ebers  S.  99  „Chelidonium  majus";  ägyptisch:  matet. 

^  Mit  schwarzer  Tinte  ist  hier  eingeschoben:  sus  n  =  Been- 
gung (?)  in  Folge  von  (Hitze);  cfr.  Tafel  44  Zeile  8,  wo  derselbe 
Ausdruck  vom  Herzen  gebraucht  ist. 

0  Cfr.  S.  84.  Anm.  4. 

^  Ebers  S.  100  „Xanthelasma";  Hirschberg  S.  808  denkt  an 
„Steatom"  oder  „Hydatis". 

^  Ebers  S.  101  „Gerstenkorn";  ägyptisch:  pedest  =  glo- 
bulus. 


—     87     — 

Fauliges  Holz(?)*)        1 
gesfen  ')-Kom  1 

in  Wasser  umrühren  und  sodann  auf  die  Augen  thun'). 
Ein  andres  gegen  Blindheit^): 
2  Schweinsaugen,  das  Wasser  darin  ^)  ausziehen 
Echtes  Collyrium        1 
Mennige  1 

Roher  Honig  1 

zermahlen,    zerreiben,    in  Eins  machen  nnd    in    das  Ohr    des 
Patienten  spritzen,  damit  er  sofort  gesund  werde. 

Wenn  Du  der  Ordnung  gemäss  nachgesehn  hast,  so  sag 
als  Zauberformel  her:  Ich  habe  dieses  Ding  geführt  nnd 
auf  jenen  Platz  gebracht;  das  Krokodil  ist  schwach  und  kraft- 
los; zweimal! 

Ein  andres  Blindheit  in  den  Augen  durch  eine 
Pille*)  zu  vertreiben: 

Trockene   Myrrhen   zermahlen   in  saurer  Milch   und  dann    LVIII. 
auf  die  Augen  thun '). 
Ein  andres: 
Zwiebel  (?)  in  Honig  mischen  und  sodann  auf  die  Augen 

thun^. 

Ein  andres  zur  Behandlung  der  Sehkraft  in  den 
Augen: 

Stibium 

Dinte 

Zwiebeln  (?) 

gesfen  ^Kom 

Männliches  Collyrium') 
in  Eins  machen  und  auf  die  Augen  thun. 

Ein  andres  Albngo  in  den  Augen  zu  vertreiben: 


^  Cfr.  Ebers  S.  101  „arab.  Holzpulver?'. 

2)  Luring  S.  91  „Kupfervitriol"? 

^  Cfr.  S.  84.  Anm.  4. 

*)  Sepet;  Hirschberg  S.  808  „Amblyopie  der  Griechen". 

^)  Eigentiich:  das  Wasser,  das  dazu  gebort. 

^  Ebers  S.  103  übersetzt  m  benen  mit  „an  dem  Rundkörper 
(Pupille  oder  Linse)";  Lieblein:  in  dem  Rundkorper. 

0  Cfr.  S.  84.  Anm.  4. 

^  Luring  S.  91  „Kupfervitriol"? 

^  Cfr.  Plinius.  Histor.  natur.  Lib.  XXXIIL  Cap.  101.  „Duo 
eius  (stibii)  genera  mas  et  femina.*' 


Eh  ist  ein  Geschrei  am  sädlichen  Himmel  noter  Pinsttr- 
nis,  es  ist  ein  Aufnihr  am  nSnÜicbea  Himmel;  die  Sanlenbalie 
stürzt  ins  Wasser;  des  Sonnengottes  Schiffsleale  schlagen  ihre 
Rnder,  so  dass  die  KSpfe  an  seiner  Seite  ins  Wasser  stirzen. 
Wer  führt  heran,  was  er  findet?  ich  fähre  hervor,  yfts  ich 
finde;  ich  führe  Enre  Köpfe  hervor,  ich  richte  Eure  Nacken 
aaf;  ich  befestige,  vas  an  Ench  abgeschnitten  war,  in  seiner 
Stelle.  Ich  fähre  Ench  hervor,  um  den  Gott  des  Fiebers  nnd 
alle  möglieben  Todesarten  zn  vertreiben,  soviel  ikrer  sind. 
Eine  Formel  herzusagen  über  Schildkrötenhirn,  das 
in  Honig  gemischt  wird,  und  sodann  an/  die  Augen 
bringen'). 

Ein  andres  Hitze  in  den  Angen  zn  vertreiben: 
Wachholderbeeren  von  Byblos*) 
zermahlen,  zerreiben   in  Wasser  nnd   dem  Kranken  sodann  auf 
seine  beiden  Augen  thun*),    nm  ihn  sofort  gesund  zu  machen. 

Ein  andres: 

Talg  von  der  Kinnlade  eines  Esels  in  kühlem  Wasser 
mischen  und  dem  Kranken  auf  seine  Schläfe*)  thnn,  nm  ihn 
sofort  gesund  zu  machen. 

Ein  andres  für  die  Schl&fe'): 

Crocus  in  kühlem  Wasser  zerstossen,  der  Person  anf  ihren 
Augenrand  thun,  um  sie  sofort  gesund  zu  machen. 

Ein  andres: 

Eselszabn  in  Wasser  mischen  nnd  der  Person  auf  ihren 
Angenrand  thun,  um  sie  sofort  gesund  zn  machen. 

Ein  andres   adet')  im  Auge   za   vertreiben: 

Bxcremente  des  henat-Vogels       1 

Seesalz  1 

Weihrauch  1 

in  Eins  machen  nnd  in  das  Innere  des  Auges  thun. 


')  Cfr.  S.  84.  Anm.  4. 

^  Stadl  in  Phönlcien;  ägvptiscb:  kepni. 

>)  Cfr.  S.  84.  Anm.  4. 

*)  Aegjptisch:  mi;  Brugach.  Wort.  VI.  S.537  „Backe,  Wange"; 
ich  schlafe  die  Uebersetzung;  „Schläfe,  Augennind"  vor. 

')  Ebers  S.  121  „Blepharitis". 

•)  Ebers  S.  122  „Pterygion"?  Luring  S.  32  „Verletzung'; 
Hirschberg,  „Geschichtliche  Studien  eines  ÄuRenarites"  S.  49 
„Carcinom  des  Auges  (F)".  Uir  scheint  Lürings  Ucbersetzung  am 
wahrscheiDÜchsten. 


-     89     - 

Ein  andres  Hitze  zu  vertreiben: 
8a^)-Kom  von  Oberägypten  in  Quell wasser  thun   und  ins  Auge 
thon,  um  ihn  zu  heUen. 

Ein  andres  x^^^^O  ^°  ^^^  Augen  zu  vertreiben: 
Collyrium  Vsa 

senen  ')-Harz  7i6 

Galmei  ^/i5 

Schreibfarbe  7^^ 

Frische  Myrrhen  Y«* 

8a*)-Korn  von  Oberagypten     7g  ^ 
zermahlen,  zerreiben,  in  Eins  machen  und  in  die  Augen  thun, 
um  sie  sofort  zu  heilen. 

Ein  andres  Eiterfluss*)(?)  in  den  Augen  zu  vor- 
treiben: 

Echtes  Collyrium  in  Wasser  thun  in  einem  hennu-Krug 
4  Tage;  die  Handlung  wiederholen,  indem  man  es  4  Tage  in 
Gänseschmalz  bringt;  es  werde  mit  der  Milch  einer  Frau,  die 
einen  Knaben  geboren  hat,  gewaschen;  es  9  Tage  trocknen  lassen, 
es  werde  zermahlen;  eine  ganze  Myrrhenkugel  darauf  thun  und 
damit  die  Augen  salben. 

Ein  andres  adet^)  im  Auge  zum  ersten  Mal,  nach- 
dem man  seine  Beschwörung  gesprochen  hat,  zu  ver- 
treiben: 

yepera-Honig •)  oder  eine  Honigwabe  4  Tage  darauf^)  thun. 
Zum  zweiten  Mal: 

Knpfergrunspan  ^/g 

Collyrium  Ys 

Fauliges  Holz^  (?)  V, 

8a®)-Kom  von  Oberägypten       Ys 
in  Eins  zermahlen  und  4  Tage  darauf^)  thun. 


*)  Ebers  S.  125.   „Natron  oder  Salpeter**. 

')  ^öiit  =  Hervorragendes,  also  Geschwulst;  Ebers  S.  125  ,Lid- 
abscess";  Luring  S.  32  „grössere  Geschwüre". 

')  Ebers  I.e.  „Opalharz". 

*)  Aegyptisch:  bädi;  Ebers  S.  126  „Chemosis";  nach  Luring 
S.  118  „ein  anderer  Name  für  das  t'eftVt";  cfr.  T.  59  Zeile  22. 

*)  Cfr.  vorige  Seite  Anm.  6. 

«)  Ebers  S.  128  „Käferwachs". 

0  Nämlich:  „auf  das  Auge". 

^  Ebers  I.e.  „arab.  Holzpulver"? 

^  Ebers  I.  c.  „Natron  oder  Salpeter". 


—     90     — 

Ein  andres: 

Eidechsenexcremente  1 

8a*)-Korn  von  Oberägypten         1 

Collyrium  1 

Naturhonig  1 

in  Eins  zermahlen  und  auf  die  Augen  thun. 
Ein  andres: 

Mennige  1 

Collyrium         1 

Naturhonig       1 
in  Eins  machen  und  auf  die  Augen  thun. 
Ein  andres: 

Kupfergrünspan         1 

Honig  1 

4  Tage  auf  die  Augen  thun. 
Ein  andres: 

Mennige  1 

Collyrium  1 

senen  ')-Harz         1 

Natnrhonig  1 

in  Eins  zermahlen  und  4  Tage  auf  die  Augen  thun 
Ein  andres: 

Mennige 

Fauliges  Holz')  (?) 

Eisen  von  der  Stadt  qesi*) 

Galmei 

Straussenei 

sa  *)-Kom    von   Oberägypten 

Pulver   vom   hennut -Metall  •) 

Honig 
in  Eins  machen  und  auf  die  Augen  thun. 
Ein  andres: 

Schwarzer  Messerstein        1 

Weihrauch  1 


*)  Off.  vor.  Seite  Anm.  9. 

2)  Ebers  S.  128  „Opalhan**? 

•)  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  8. 

*)  qesi  =  Apollinopolis  parva,  Stadt  in  Oberägypten;    La  ring 


S.  97  „Alabaster*'. 


')  Ebers  S.  131  „Natron  oder  Salpeter*'. 
•)  Ebers  I.e.  „Schwefelpulver**? 


—     91     — 

Collyrium  1 

Honig  1 

4  Tage  in  die  Augen  thun. 

£in  andres  gegen  t'eft^eft^)  im  Auge: 

Lehm  von  einer  Statue')  1 

BlStter  des  Ricinusstrauches  1 

Honig  1 

für  denjenigen,  dessen  beide  Augen  an  Eiterfluss *) (?)  leiden*); 
zermahlen,  zerreiben,  in  Eins  machen  und  auf  die  Augen  thun.    LX. 
Ein  andres  das  Sehen  zu  eröffnen: 

Collyrium  Vs 

FauUges  Holz  (?)*)  V, 

senen  •)-Harz  ^/^ 

Schreibfarbe  Vei 

8a^)-Köm  von  Oberägypten       Ye* 

Myrrhen  Ye* 

in  Eins  machen  und  damit  die  Augen  salben. 

Ein   andres    das  Aufsteigen  ^   von  Wasser  in  den 
Augen  zu  vertreiben: 

Echter  Lapis  lazuli 

Grünspan 

senen  •)-Harz 

Milch 

Collyrium 

Krokodilerde  •) 

menuu  ^^Weihrauch 
in  Eins  machen  und  hernach  auf  die  Augen  thun^^). 
Ein  andres: 


^  Luring  S.  32  „Eiterfluss";  Ebers  S.  131  „Phlegmone"; 
Brugsch.  Wort.  VIL  S.  1384  „das  Triefen  des  Auges". 

^  Cfr.  Di  ose  de  mat  med.  Lib.  I.  Cap.  36. 

^  Aegyptisch:  bädi. 

*)  Hier  ist  im  Papyrus  eine  Locke  von  einer  halben  Zeile,  doch 
scheint  der  Text  dadurch  nicht  unterbrochen  zu  sein. 

*)  Ebers  1.  c.  „arab.  Holzpulver". 

^  Ebers  I.e.  „Opalharz"? 

0  Ebers  1.  c.  „Natron  oder  Salpeter". 

*)  Aegyptisch:  ä^et.  Ebers  l.c  „Cataract  oder  Staar";  Hirsch- 
berg S.  53  „ftifAttTOc  iTti^oprf". 

»)  Ebers  1.  c.  „Nilschlamm"? 

><Ö  Vielleicht:  Stücke  (?)  von  Weihrauch 

")  Cfr.  S.  84.  Anm.  4. 


-     92     ~ 

sehetet-Korn  1 

Gänseschmalz        1 
Naturhonig  1 

in  Eins  machen  und  4  Tage  in  die  Augen  than. 
Ein  andres: 

gesfen  *)-Kom  1 

Grünspan  1 

per-her-setef*)  1 

zermahlen,  in  Eins  machen  und  damit  die  Augen  salben. 

Ein  andres  Verschleierung')  im  Auge  zu  vertreiben: 
sa§a^)-Stucke,  gekocht       1 
Zwiebel  (?)  1 

Honig  1 

zermahlen,  zerreiben,  aufbewahren  in  einem  Tuch,  damit  das 
Auge  verbinden,  das  verschleiert  *)  ist;  sodann  auf  die  Augen 
(thun)*). 

Ein  andres  Albugo^  im  Auge  zu  vertreiben: 
Granit^),  zermahlen,   zerreiben,  in  ein  Tuch  pressen  und 
es  auf  die  Augen  binden. 

Andre   Mittel   Schielen^)   in    den    Augen    zu    ver- 
treiben: 

Harz  von  Acanthus        1 

Zwiebelpulver  (?)  1 

Granit  0  1 

zermahlen  und  als  Pflaster  auf  die  Augen  legen. 

Ein  andres  Blut  um  die  Augen^)  zu  vertreiben: 
2  Schalen    von    Thon,    die    eine    mit    Pulver    der    Dum- 
palmenfrucht  und  Milch  von  einer  Frau,  die  einen  Knaben  ge- 
boren,   die   andre   mit  (Kuh)milch,    feucht  stehen   lassen;    am 
Morgen  fülle  deine  beiden  Augen  mit  jener  Dumpalmenfrucht  '^); 


1)  Luring  S.  91.  „Kupfervitriol"? 

^  Ebers  S.  137  „was  aus  seinem  Lande  heraustritt  =  Marien- 
glas oder  Gyps". 

')  Aegyptisch:  texen;  cfr.  S.82.  Anm.  8. 

*)  ß rug 8 eh.  Wort.  VIL  S.  1226  „Kuchen  aus  zusammenge- 
pressten  Rosinen*'. 

5)  Cfr.  S.  84.  Anm.  4. 

«)  Cfr.  S.85.  Anm.  5. 

T)  Ebers  S.  138  „Glaskopf  oder  Hämatit"? 

^  Aegyptisch:  ne^at. 

^  Ebers  S.  140  „Bluterguss  in  den  Augen". 

*°)  Nämlich  von  der  ersten  Schale. 


^     93     — 

nachher  wasch  Du  die  Augen  mit  dieser  (Kuh)milch  *)  vier  Mal 
6  Tage  lang. 

Ein  andres  Aufsteigen  von  Wasser^)  in  den  Augen 
zu  vertreiben: 

Komm  Grünspan,  komm  Grünspan!  Komm  frisch;  komm 
Ansflnss  aus  dem  Auge  des  Gottes  Horus;  es  komme  das,  was  aus 
Tums  Auge  rinnt;  komm  Saft,  der  von  Osiris  strömt.  Er  kommt  zu 
ihm,  er  vertreibt  ihm  Wasser,  Eiter,  Blut,  Augentzündung,  Eiter- 
fluss,  Blindheit,  Triefauge,  die  bewirkt  der  Gott  des  Fiebers, 
aller  Todesarten,  der  uxedu  jeder  Art  und  aller  bösen  Dinge 
in  diesen  Augen,  soviel  ihrer  sind. 

Worte   zu    sprechen    über   Grünspan    gemischt   in 
xeperä-Honig*);    LXI.    dazu    setzen   Cyperus    und    mit    LXf. 
Vorsicht*)  auf  das  Auge  bringen. 

Ein  andres^)  von  der  Augensalbe  uxedu  in  den 
Augen  abzuwehren: 

Spitze  der  PapyrusfL^^ze 

Zwiebeln  (?) 

Honig 

Gänseschmalz 

zu  gleichen  Theilen*);  hernach  mit  Vorsicht*)  auf 
die  Augen  thnn^),  unzählige  Male. 

Ein  andres*)  die  Blutgefässe^)  in  den  Augen  zu  ver- 
treiben: 

Getrocknete  Myrrhen,  nehedet  ^-Korn,  Grünspan 

zu  gleichen  Theilen*);  hernach  auf  die  Augen  thun^). 

Was  zu  brauchen  ist  im  3.  zum  4.  Winter- 
monat*"): 


0  Nämlich  der  zweiten  Schale. 

^  Cfr.  S.91.  Anm.  8. 

»)  Ebers  S.  142  „Kaferwacbs". 

*)  Wörtlich:  der  Ordnung  gemäss,  wie  es  sich  gehört 

^)  ket  ist  mit  schwarzer  Tinte  geschrieben. 

*)  Wortlich:  ein  Bein  zum  andern. 

0  Cfr.  S.  84.  Anm.  4. 

^  Ebers  S.  144  „subconjunctivaler  Blutaustritt". 

^  Ebers  1.  c.  „Zahnkrautkömer**? 

'°)  Ebers  S.  146  «vom  17.  Januar  bis  16.  Februar  jul." ;  eigent- 
lich «im  3.  Monat  des  Sprossens  (der  Saat)  bis  zum  4.  Monat  des 
Sprossens",  entsprechend  unserem  Winter. 


—     94     — 

Collyrinm,  M')-Kom  toq  OberSgypten,  Dinto"),  ßalmei, 
fauliges  Holz')  (?) 

ZD  gleichen  Theilen*);  in  die  Aagen  than. 

Eine  andre  Angensalbe,  anzuweuden  im  Sommer, 
Winter  and  in  der  Ueberschwemmungsjabreszeit  (d.h. 
fQr  das  ganze  Jahr): 

Collyriam,  am  Uorgen  in  Schmalz  von  der  terp'}-Gaiis 
zerreiben;  es  soll  nicht  ans  Fener  kommen');  damit  nachts 
salben. 

Ein  andres: 

Collyrium,  Grünspan,  Lapis  Eazali,  Honig,  Grüne  Blei- 
erde  (?) 

zu  gleichen  Thcilen*);  zu  einem  gezogenen  Teig  macben 
und  sodann  auf  die  Augen  thun'). 


Ein    andres   Geschwulst 

,    am    Kop 

fe')    mit  A 

Ibe  zu  vertreiben: 

Collyriam 

1 

Fauliges  Holz  ^  (?) 

V, 

senen'^Hsrz 

V,. 

Galmei 

v„ 

Scbreibfarbe 

V« 

V 

tendn-Beere 

'/.,■ 

Andre  Mittel  fCr  das  An 

ge,  wenn 

ihm  etwas 

igestossen  ist: 

Henschenhim,  in  2  HSiften  tbeilen;  seine  eine  Hälfte  in 
Honig  thun  nnd  das  Auge  damit  am  Abend  (wenn  es  dnnkel 
ist)  salben  und  seine  andere  Ullfte  trocken  macben;  zermahlen, 
zerreiben  nnd  das  Auge  damit  am  Hoi^n  salben. 


I)  Ebers  S.  146.     „Natron  oder  Salpeter". 

^  Von  Ebers  wobl  aus  Versebn  in  seiner  Uebersetzung  weg- 
gelassen. 

')  Ebers  1,  c.  „arab.  Holzpuher"? 

*)  Eine  besondre  Ginsearl,  die  man  bei  den  Opfern  darzu- 
bringen pflegte. 

*)  Eigentlich :  nicbt  in  Feuer  fallen  lassen. 

')  Cfr.  Tor.  Seite  Anm.  6. 

>)  Cfr.  S.84.  Anm.  4. 

")  Wohl  Atherom. 

*;  Ebers  S.  149  „arab.  HolzpuNer"? 

'•)  Eber»  I.e.  .Opalbarz"? 


—     95     — 

Ein   anderes    das  Gesicht  zu  stärken*),  anzuwen- 
den im  1.  bis  zum  2.  Wintermonat'): 

Collyriam,  Männliches  Collyrium'),  senen*)-Harz 
zu  gleichen  Theilen;  in  die  Augen  thun. 
Ein  andres: 

sa*)-Kom  von  Oberägypten,  Collyrium 
zu  gleichen  Theilen;    sodann  auf  die  Augen  thun^). 
Ein  andres: 

Zwiebeln  (?),  Collyrium,  Honig 
zu  gleichen  Theilen;  in  die  Augen  thun. 
Ein  andres  das  Sehen  zu  öffnen: 
Die  Topfscherbe    eines  neuen  hennu-Gefässes  in  frischer 
Milch  erwärmt,  oftmals  auf  die  Augen  thun. 

Eine  andre  Augensalbe  zum  Oeffnen  des  Sehens: 

Collyrium,  Rindermark  (?) 
in  die  Augen  thun. 

Ein  andres  das  Sehen  zu  öffnen: 
Collyrium        4 

Honig  3 ')  ebenso. 

Ein  andres  LXII  das  Sehen  zu  öffnen:  LXII. 

Collyrium,  Saft  von  frischen  Zwiebeln  (?),  Naturhonig 
in  die  Augen  thun. 

Eine  andre  Augen(salbe): 

Collyrium  2 

Honig  4 

Grünspan  ^/^ 

Grüne  Bleierde  (?)  7, 

Echter  Lapis  lazuli 
zermahlen  und  in  die  Augen  thun. 
Eine  andre  Augensalbe: 
Collyrium  2 

Gänseschmalz       2 
Wasser  4 

in  die  Augen  spritzen. 


0  Wörtlich:   das  Sehn  wachsen  zu  machen. 

^  Ebers  S.  150  »vom  17.  November  bis  16.  December*'  jul. 

^  Cfr.  S.  87.  Anm.  9. 

*)  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  10. 

*)  Ebers  1.  c.  «Natron  oder  Salpeter". 

^  Cfr.  S.  84.  Anm.  4. 

0  Die  Zahl  ist  nachträglich  mit  rother  Tinte  eingeschoben. 


—     96     — 

Ein    andres    Albogo*)   za    vertreiben,  die  in  den 
Angen  entstanden  ist: 

Collyrium  1 

Fauliges  Holz ')  (?)       1 
zermahlen,  zerreiben  and  in  die  Augen  tbun. 
Ein  andres: 

Dinte  1 

Collyrium         1 
Wasser 
zermahlen,  zerreiben  and  in  die  Augen  thun. 
Ein  andres: 

Ebenholz'),  Collyrium,  Wasser  ebenso 

Ein  andres: 

Galle  (?)  vom  äbdu-Fisch  (Flosselhecht), 
Collyrium  ebenso. 

Ein  andres: 

Sahne,  Milch  ebenso. 

Ein  andres  das  Schielen^)  zu  vertreiben: 
Collyrium  1 

Mennige  1 

Grüne  Bleierde  (?)         1 
Rothes  Natron  1 

zermahlen,  sodann  auf  die  Augen  thun^). 

Ein  andres  typhonische  Nebel^)  in  den  Augen    zu 
vertreiben: 

Zwiebeln  (?),  Harz  von  Acanthus,  Grunstein,  Milch 
einer  Frau,  die  einen  Knaben  geboren  hat 
in  Eins  machen  und  sodann  auf  die  Augen  thun  ^). 
Ein  andres  adlt^)  im  Auge  zu  vertreiben: 
Collyrium      */, 
Geierei  */* 

zermahlen,  zerreiben  und  sodann  auf  die  Augen  thun^). 


0  Cfr.  S.  85.  Anm.  5. 

^  Ebers  S.  154  ,arab.  Holzpulver«? 

*)  Aegyptisch:  hebeni. 

*)  Aegyptisch:  nehat. 

*)  Cfr.  S.  84.  Anm*.  4. 

^  Eigentlich:  qesemut  =  Glanzlosigkeit,  Verdunkelung,  Nebel; 
deSer  =  reih  oder  typhonisch  =  böse;  Ebers  S.  156  „allgemeine 
Trübung  der  Hornhaut,  die  mit  Reizerscheinungen  verbunden  ist". 

0  adit  ist  eine  Variante  von  adet;  cfr.  S.  8o.  Anm.  6. 


—     97     — 


Ein  andres: 

Collyrium 

Honig 

Grüne  Bleierde  (?) 

Mennige 

senen  *)-Har2 

Ein  andres: 

Mennige 

Grüne  Bleierde  (?) 

Collyrium 

senen  ^)-Harz 

Naturhonig 

Ein  andres: 

Schwarzer  Messerstein 

Weihrauch 

Krokodilerde ') 

Honig 
aof  die  Augenbrauen^  tbun. 
Ein  andres: 

Mennige 

Grüne  Bleierde  (?) 

Naturhonig 

Collyrium 

senen  *)-Harz 


2 

V 

/l6 

I' 

7 

/is 

2  7. 


1 
1 


V 
7 


ebenso. 


ebenso. 


S) 


ebenso. 


Ein  andres  das  Sehn  zu  öffnen: 

Sahne,  Milch  einer  Frau,  die  einen  Knaben  geboren 
in  Eins  machen  und  in  die  Augen  spritzen. 

Ein  andres  Triefauge,  Dunkelheit,  Augenschmer- 
zen und  Entzündungen,  die  in  den  Augen  entstanden 
sind,  zu  vertreiben: 


Fauliges  Holz  *)  (?) 
Grünspan 
Zwiebelpulver  (?) 
Harz  von  Acanthus 


1 
1 
1 
1 


>)  Ebers  S.  157  «Opalbarz*? 
^  Ebers  S.  158  „Nilschlamm«? 
^  Eigentlich:  die  Arme  der  Augen. 

<)  Ebers  S.  159  „arab.  Holzpulver?«;  Luring  S.  109.   „Bohr- 
mehl ?« 

Joachloif  AegyptUche  Heilkunde.  7 


—     98      -^ 

Spähne  von  Ebenholz  1 

Saft  der  qebu '>Frucht        1 
in  Eins  machen,    zu   einem  trocknen  Teig  machen,  in  Wasser 
mischen  und  dann  auf  die  Augen  bringen'). 

Ein  andres  Fett')  im  Auge  zu  vertreiben: 

Grünspan  2 

Schreibfarbe  1 

Collyrium  27, 

Nairon  1 

LXIir.  Grüne  Bleierde  (?)         7^ 

in  Wasser  zermahlen  und  sodann  auf  die  Augen  thun  '). 
Ein  andres: 

Mennige  1 

Gänseschmalz       1 
damit  dann  auf  die  Augen  schmieren*).     Sieh  nach^)! 

Ein  andres  eine  Geschwulst  in  der  Nase*)  zu  ver- 
treiben: 

Collyrium  1 

Fauliges  Holz «)  (?)        1 

Trockene  Myrrhen  1 

Honig  ] 

4  Tage  damit  (das  Auge)  salben;  sieh  gut  nach,  denn  dieses  ist 
das  Rechte. 

Eine  andre  (Augen)salbe,  zubereitet  vom  Priester- 
Pharmaceuten^)  j^ul: 

Collyrium 

Grünspan 

sa*)-Korn  von  Oberägypten 

sa'^-Kom  von  ünterägypten 

Mennige 

Fauliges  Holz«)(?) 

Naturhonig 


»)  Ebers  S.  160  „Behenöl". 

^  Cfr.  S.  84.  Anm.  4. 

*)  Aegyptisch:  qenät;  cfr.  S.  86.  Anm.  8. 

*)  So  übersetze  ich  das  am  Anfang  der  Zeile  2  stehende  är  inaek ; 
Ebers  liest  är  ^erek. 

*)  Ebers  S.  161  „Dakryocystitis" ;  ägyptisch:  vent  m  fent. 

«)  Cfr.  S.  96.  Anm.  2. 
t  ^EbersS.  162  „Sonnenpriester  von  Heliopolis". 

j  ^Ebersl.  c.  „Natron  oder  Salpeter". 


•  •  • 


•  • 


—     99     — 

Ein  andres  Blindheit*)  in  den  Aagen  zu  vertreiben: 

Zwiebeln  (?),    zermahlen,    zerreiben,    in   ein   Tuch 

hüllen  lassen,   in  Naturhonig    verschliessen   und  in 

die  Augen  thnn. 
Ein    andres    Hindernisse')    der    Muskeln    in    den 
Augen*)  zu  vertreiben: 

Grünspan,  Weihrauch,  Mennige 
zermahlen  und  auf  die  Augen  thun. 

Andre  Mittel  für  die  Augen,  mitgetheilt  von  einem 
Semiten  aus  Byblos^): 

ät^aulen  *)-Korn 

Datteln 

Frische  Datteln 

Durra 

Ou&eken  ^)-Korn 

Mennige 

äbennu-Metal 

Salz 

dehui«)-Frucht        1 

Collyrium  1 

Schenkeltalg,  frisches  Baumöl  (?) 
auf  die  Mittel  thun. 

Ein  andres  Granulation^)  im  Auge  zu  vertreiben: 

CoUyrium  1 

senen  *)-Harz  1 

Fauliges  Holz*)  (?)  1 

das  Auge  damit  salben. 

Ein  anderes  Druck*°)  der  Haare  im  Auge  zu  ver- 
treiben: 


0  Aegyptiscb:  sepet;  cfr.  S.  87.  Anm.  4. 

*)  Aegyptisch:  ^esefu  ^  Hindernisse,  Lähmungen. 

>)  Hirschberg  S.  840  „Lähmung  der  Lider'';  Ebers  S.  163 
,,Augenmuskellähmung'^ 

*)  Aegyptiscb:  kepni;  Stadt  in  Phonien. 

^)  Pflanze  aus  Phönicien. 

^  Sonst  dehui,  tehui. 

T)  Cfr.  S.  86.  Anm.  9. 

»)  Ebers  S.  165  „Opalharz?" 

^  Ebers  1.  c.  „arab.  Holzpulver?** 

*")  Aegyptisch:  uäf  =  v6wü>  =  stossen,  stechen;  Ebers  I.e.  „Tri- 
chiasis". 


—      100     — 

Myrrhen  1 

Eidechsenblut  1 

Flcdermausblut  1 

die  Haare   ausrupfen   und   darauf  thun,    um   es   gesund 
zu    machen^)   (das  Auge). 

Ein    andres   das  Haar  nicht  in   das  Auge  wachsen 
zu  lassen,   nachdem  man  es  ausgerupft  hat: 

Weihrauch  zerniahlen  in 

Excrementen  der  Eidechse 

Kuhblut 

Eselsblut 

Schweineblut 

Hundeblut 

Hirschblut 

CoUyrium 

Grünspan 

zermahlen,   in  Eins   zerreiben   in   diesen  Blutsorten   und  an  die 
Stelle  dieses  Haares  thun,  nachdem  man  es  ausgerupft  hat,  dass 
es  nicht  wächst. 
Ein  andres: 

Fledermausblut  1 

Der  Rand  von  einem  neuen  hennu-Gefäss    1 

Honig  1 

zermahlen,    zerreiben   und    an    die  Stelle    dieses  Haares    thun, 
nachdem  man  es  ausgerupft. 
Ein  andres: 

Rinderfett  1 

Baumöl  (?)  1 

Das  Innere  des  äpnent-Thieres  *)      1 
in  Eins    zermahlen,    auf  Feuer  setzen   und  an  die  Stelle  des 
Haares  thun. 

Ein  andres: 

Hirn  vom  uäat-Vogel,  ein  Blatt ')  damit  bestreichen  und  auf 
LXIV.    die  Stelle  dieses  Haares  thun,  nachdem  man  LXTV.  es  ausgerupft. 
Ein   andres   das  Haar  ins  Auge   nicht  wachsen   zu 
lassen,  nachdem  man  es  ausgerupft: 


^)  Cfr.  Diese,  de   mat.  med.  Lib.  I.  cap.  52:  ed.  Kühn  Vol.  26. 
Seite  116. 

^9  Ebers  S.  169  „Maulwurf?*' 
3)  Ebers  S.  170  „Weinrebe\ 


•  •  »■ 


•  • 


~      101     — 

Wespenexcreincnte      1 
Mennige  1 

Urin  1 

mischen  und   auf  die  Stelle  dieses  Haares   than,   nachdem  man 
es  ausgerupft. 

Ein  andres.  Mittel  Granulation^)  im  Auge  zu  ver- 
treiben: 

senen  *)-Harz  1 

Collyrium  1 

FauUges  Holz»)  (?)        1 
damit  die  Augen  salben. 

Ein  andres  Fett*)  im  Auge  zu  vertreiben: 
Messerstein    in    frischer   Milch   mischen    und    sehr    häufig 
darauf  (auf  das  Auge)  bringen  *). 

Ein  andres  gegen  Biss  (oder  Stich)  von  Menschen: 
Stücke  eines  ändu-Gefösses,  Calmus 
zerstossen,  in  Eins  machen  und  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres  zweites  Mittel: 
Weihrauch  1 

Grüne  Bleierde  (?)         1 
Gazellenhim  1 

in  Eins  machen  und  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres  drittes  Mittel: 
Gotteskraut  (?)      1 
Weihrauch  1 

•    Knoblauch  1 

kochen,  zu  einer  Salbe  machen  und  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres: 

Mach  Du  ihm  einen  Umschlag  in  rohem  Fleisch  den  ersten 
Tag;  nachher  behandle  ihn  mit  Gel  und  Honig,um  ihm 
wohl  zu  thun;  sodann  thu  Du  Gel  in^)  Wachs,  um  ihm  so- 
fort wohl  zu  thun. 


*)  Aegyptisch:  pedest;  cfr.  Seite  86.  Anin.  y. 

2)  Ebers  S.  171.  „Opalharz?'* 

2)  Ebers  1.  c.  „arab.  Holzpulver?" 

*)  Cfr.  S.  86.  Anm.  8. 

*)  Hier  endet  der  Abschnitt  von  den  Augenkrankheiten:  cfr. 
hierzu  Diese.  Td  tu>v  ö^pdaXfjiuiv  ßoT]^(xaTa.  Ed.  Sprengel. 
Vol.  26.  S.  107 — 120.  Ebers  rechnet  zu  diesem  Abschnitt  noch 
eine  Reihe  von  Recepten  und  Vorschriften,  die  mit  dem  Kapitel  von 
den  Augenkrankheiten  gewiss  nichts  zu  thun  haben. 

^)  her  ist  mit  rother  Tinte  (nachträglich)  dazwischengeschrieben. 


-      103       - 

Za  machea  gegen  den  Bisa  eines  Krokodiles ')- 
Triffst  Da  den  Krokodilbiss ')  and  Du  findest  sein  Fleisch 
gleichmässig  heruntergefallen  Buf  beiden  Seiten,  so  beleg  Du  es 
in  rohem  Fleisch  den   ersten  Tag;    in   gleicher  Weise  trocknet 
alles  Fleisch  einer  Person '), 

Der  Beginn  von  den  Mitteln  Kopfschwäche ")  zu 
vertreiben: 

Beere  son  dega  '}-Banm  1 

Fett  1 

baq-Oel  1 

in  Eins  machen  und  damit  6  Tage  einreiben. 
Ein  andres: 

Lein(3<i(K),  in  Honig  zerstossen  und  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres: 

Hennige       1 
Honig  1 

als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres: 

Lapis  memphites  (?) 
Palm  wein 
sepnen  ')-Sam6n 
Honig 

seneft*)-Kom 
in  Eins  machen  und  damit  einreiben. 
Ein  andres: 

Honig  1 

Palmwein  1 

seneft ')-Korn        1 
damit  einreiben. 
Ein  andres: 

*}  Eigentlich:  g«gsn  den  Erokodllrachen.  Ebers,  der  diescD 
kleinen  Abschnitt  nocn,  wie  oben  erwähnt,  zu  den  Augenkrankheiten 
rechnet,  sieht  hierin  eine  Augenkrankheit,  nfimlich  das  Plenfgion. 
Er  hat  «obl  übersehn,  dass  oben  (Tafel  59.  I)  adet  anders  deler- 
minirt  ist  als  hier  und  dasa  oben  Tor  Allem  von  „adet  m  niert*  die 
Rede  ist;  cfr.  auch  Tafel  Ö9.   10. 

')  Die  UebersetzuDg  ist  unsicher. 

•)  yenait  =^  krankhafte  Mattigkeit,  Schwäche, 

')  AegyptiBcb:  dega,  statt  deqm  (?);  vielleicht  also  Ricinus- 
strauch  (?). 

')  Luring  S.45  .Mohn'. 

^  Ebers  S.91  „gebort  lu  den  aU  Opfer  dargebrachten  Körnern*. 


103 


Mennige  1 

Oel  1 

Zwiebeln  (?)      1 
in  Eins  machen  und  damit  einreiben. 
Ein  andres: 

Die  Haut  des  Nilpferdes,  erhitzt       1 

Oel  1 

sepnen  ^)-Kömer  1 

Zwiebein  (?)  1 

in  Eins  machen  und  damit  einreiben. 
Ein  andres: 

äbu-Körner 

Myrrhen 

Zwiebelmehl  (?) 

Krokodilerde ') 

Straussenei 
damit  verbinden. 
Ein  andres: 

Lapis  memphites  (?)  1 

sepnen ')-Körner  1 

Myrrhen  1 

sehetet-Kömer  1 

damit  verbinden. 
Ein  andres: 

Kümmel 

Kräuter  des  Feldes 

Seezunge-Körner 

sefseft-Kömer 
zermahlen,  in  Eins  zerreiben  und  damit  verbinden. 
Ein  andres: 

Oel  vom  Nildpferd 

Pulver  von  Mentha  montana 

Myrrhen 

mesfen  *)-K5mer 

Bleivitriol  (?) 
in  Eins  zermahlen  und  damit  einsalben. 


XLV. 


1 
1 
1 
1 


0  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  5. 

^  Ebers  S.  186.  „Nilschlamm?" 

^  La  ring  S.  45.  „Mohn". 

*)  Statt  gesfen;  Luring  S.  91  „Kupfervitriol?' 


—      104     ~ 

Ein  andres: 

penes-Körner  1 

Krokodilerde  ^)  1 

Mentha  montana  1 

damit  verbinden.     Wenn  Luft  fehlt  *)  thu  Du  Oel  dazu. 
Ein  andres: 

Straussenöl,   Galle  des  schwarzen  abdu- Fisches*),   Blei- 
vitriol (?),  Sefet*)-Oel,  Weihrauch 
in  Eins  machen  und  den  Kopf  damit  4  Tage  einreiben. 
Ein  andres: 

Mennige  1 

Grüne  Zwiebeln  (?)       1 
Oel  1 

in  Eins  machen  und  damit  einreiben. 

Beginn')  von  den  Arzeneimitteln  graues  Haar  zu 
entfernen  und  das  Haar  zu  conserviren: 

Das  Blut  von  einem   schwarzen  Kalb  in  Oel  kochen   und 
damit  einreiben. 
Ein  andres: 

Schildkrötenschale  und  Kehle*)  vom  gabgu- Vogel  in  Oel 
kochen  und  häufig  damit  einreiben. 

Ein  andres  graues  Haar  nicht  entstehn  zu  lassen: 
Uterus')  der  Katze,  Ei  vom  gabgu-Vogel,  Oel,  äbra*)-Salbe 
warm  machen  und  auf  den  Kopf  der  Person  thun,  nachdem  er 
die  Mischung  vorgenommen  hat  (?)*). 
Ein  andres: 

Das  Blut  von  einem  schwarzen  Kuhhorn  in  Oel  erwärmen 
und  damit  einreiben. 
Ein  andres: 


»)  Ebers  S.  186  „Nilschlamm?« 

^  Aegyptisch:  ^emu. 

')  Flösselhecht. 

«)  Ein  beiliges  Salböl. 

^)  Es  ist  bemerkenswerth,  dass  zu  den  Salben  dieses  Abschnittes 
häufig  eine  schwarze  Substanz  oder  eine  solche  von  einem  schwarzen 
Thicr  verordnet  wird. 

*)  Aegyptisch:  beqsu;  Luring  S.  130  „Federn". 

0  Eigentlich:  Mutter  der  Menschen. 

^  Die  Uebersetzung  ist  unsicher;  Luring  S.  132  vermutbet 
„nachdem  man  (den Kopf)  vorher  geschoren  hat**.  Stern  giebt  dem 
Worte  mät*  die  Bedeutung:  „liquor". 


—     105     — 

Galle  von  vielen  behau  ')-Fischen  in  einen  hennu-Krug  thun 
and  auf  den  Kopf  einer  Person  bringen,   die  graues  Haar  hat. 

Ein  andres: 

Getrocknete  Kaulquappe  vom  Kanal,  zermahlen  und  mischen 
in  äbra-Balsam,  damit  einreiben,  nachdem  er  die  Mischung  vor- 
genommen hat')  (?). 

Ein  andres: 

Blut  von  der  Kehle')  des  gabgu- Vogels  in  echten  äbra- 
Balsam  thun  und  damit  einreiben.  Er  streckt  seine  Hand 
aus  auf  den  Rücken  eines  lebenden  Falken,  ihn  auf  seinen 
Kopf  setzend  gegen  eine  lebende  Schwalbe"*). 

Ein  andres: 

Horn  eines  Hirschkalbes,  in  Oel  in  einer  Pfanne  erwär- 
men, in  Oel  mischen  und  damit  den  Kopf  eines  Mannes  oder 
einer  Frau  einreiben. 

Ein  andres  graues  Haar  wirklich  zu  vortreiben 
und  das  Haar  zu  conserviren: 

Blut  einer  schwarzen  Kuh,  in  Oel  tbun  und  damit  einreiben. 

Ein  andres  graues  Haar  zu  vertreiben: 

Eselsklauen   geröstet,   Vulva   einer  Hundin,    eine   Prise 
(Portion)  hemIt-Kömer,  Gummi,  ein  glattes  Zeugstäck*) 
LXVI.  von  Oel,  dunkler  (schwarzer)  heft-Wurm,   uäult-    LXVI. 
Wurm  im  Koth  gefunden,  in  Oel  kochen  und  damit  häufig 
einreiben. 

Haar  an  den  Augenbrauen  nicht  grau  werden  zu 
lassen: 

Honig  in  Zwiebelwasser  (?)  und  Krokodilerde  **);  nachher  eine 
Zeit  von  3  Monaten  (damit)  waschen,  nachdem  Du  es  hast  stehn 
lassen  und  6  Tage  es  aufbewahrt')  (?). 


0  Brugsch.  Zeitschr.  f.  ägypt.  Sprache.  1882.  S.70.  „vielleicht 
Krebs**. 

*)  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  8. 

^  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  6. 

*)  Die  Uebersetzung  ist  nicht  sicher;  Lieblein  meint,  es  be- 
zeichne vielleicht  die  Kraft  des  Medicamentes ,  das  die  Krankheit 
besiegt  wie  der  Falke  eine  Schwalbe. 

*)  Hier  ist  im  Papyrus  eine  Va  Zeile  lange  Lacke,  durch 
die  der  Text  eine  Unterbrechung  erfahren  hat  Dass  etwas  fehlt  geht 
wohl  daraus  hervor,  dass  man  mit  „ein  Zeugstück  von  Gel''  kaum 
etwas  anfangen  kann.    Aegyptisch:  sep  =  Hemd. 

«)  Ebers  S.  186  „Nilschlamm?« 

0  Die  uebersetzung  ist  unsicher. 


--      106     - 

Ein  andres  gutes  Mittel: 

seter-seref-Saft^)  (wanner  Schlaftrank),  Eselleber 
es  in  ein  Gefäss  thun,  dass  es  zu  trockenen  Kügelchen  wird; 
in  einem  Tiegel   auf  Feuer  setzen;  ist  es  darin  dann  erwärmt, 
hineinmischen  in  Oel  und  damit  einreiben. 

Der  Beginn  von  Mitteln  zum  Haarwuchs'): 
Zerstossene  Leinsamen')         1 
in  Oel  1 

in  Quellwasser  thun  und  damit  einreiben. 

Ein  andres  zum  Haarwuchs  für  das  stellenweise 
Kahlwerden  des  Kopfes*): 

Fett  der  Wildkatze  (Löwe)     1 
Fett  vom  Nilpferd  1 

FeU  vom  Krokodil  1 

Fett  der  Katze  1 

Fett  der  Schlange  ^     1 

Fett  von  Ibex  nubiana  1 

in  Eins  machen  und  damit  den  Kopf  des  Kahlköpfigen  einreiben. 
Ein  andres  das  Haar  wachsen  zu  lassen  beim  Kahl- 
werden*): 

Haare  des  hunta-Thieres  in  Oel  aufwärmen  und  damit  den 
Kopf  4  Tage  einreiben. 
Ein  andres: 

Schreibfarbe  in  Gehimwasser  1  mischen   und  darauf  thun. 
Lactuca  geschnitten  darauf  thun. 
Das    Innere    der    ut'ält-Frucht    mischen    in    abra- 
Balsam  1,    darauf  thun. 

Andre  Mittel  zum  Haarwuchs,  bereitetet  für  ses, 
Mutter  Sr.  Majestät  des  Königs  von  Ober-  und  Unterägypten, 
tetä,  des  Gestorbenen^): 

Die  Zehen  von  einem  Hund^)      1 
Dattelabfall  1 

Eselsklaue  1 


')  Ebers  S.  16  „Opium?**;  eigentlich  „Trank  des  Ruhens". 
^  Eigentlich:  das  Haar  wachsen  zu  machen. 
•)  Eigentlich:  Leinsamen  (?),  zerstossen  1  in  Oel  1. 
*)  Aegyptisch:  näask;  cfr.  Brugsch  VI.  S. 659;  möglicherweise 
handelt  es  sich  hier  um  area  Celsi. 
*)  Cfr.  Brugsch  VL  S.  659. 
*)  Aegyptisch;  maÄ-yeru. 
0  Luring  S.  64  „ Windhund pfoten«. 


-        107     ~ 

in    einem    Tiegel    in    Oei    sorgfältig    kochen    und    damit    ein- 
reiben. 

Ein  andres: 

Eine  schwarze  Eidechse,  mischen  Ringe  (Krammen),  Vulva, 
PhaUus  *),  in  Oel  kochen  und  damit  einreiben. 

Ein  andres  das  Haar  gehörig  zu  conserviren: 

Eselszahn  in  Honig  mischen  und  einreiben. 
Ein  andres  das  Haar  zu  conserviren: 
Schreibfarbe  1  ^ 

Collyrium  1 

•/et'-Pflanze  1 

Öel  1 

Gazellenexcremente         1 
Fett  vom  Nilpferd  1 

in  Eins  machen  und  damit  einreiben. 

Ein  andres  zum  Haarwuchs  auf  einer  Wunde'):  LXVII. 

Wachholderheere 
Cyperus 

Frucht  vom  am- Baum 
sasa-Stücke  *) 
Dumpalmenfrucht 
Oel 
Honig 
als  Pflaster  darauf  legen. 

Ein  andres  zum  Haarwuchs: 
Oel  1 

sefet  *)-Oel       1 
einreiben  damit. 

Ein  andres  Haar  zu  entfernen®): 
änärt-Wurm  gekocht  und  erwärmt  in  Oel   und  Baumöl  (?), 
auf  den  Kopf  eines  verhassten  Weibes  thun. 
Ein  andres: 


*)  Nicht  recht  verstandlich! 

^)  Die  Zahl  1  mit  schwarzer  Dinte;  sonst  werden  die  Zahlen  im 
Papyrus  mit  rotber  Dinte  geschrieben. 

')  Aegyptiscb:  ubennu  =  Wunde  oder  wunde  Stelle;  vielleicht 
bandelt  es  sich  hier  um  Haarwuchs  bei  Eczema  capitis  (?) 

*)  Brugscb.  Wort.  VII.  S.  1226  „Kuchen  aus  zusammenge- 
pressten  Rosinen". 

^)  Ein  heiliges  Salböl. 

^  Eigeptlich:  Kahlsein  der  Haare  zu  bewirken. 


—      lOH      — 

Hyoscyamus*)  erwärmen,   in  Oel  thun  und   auf  den  Kopf 
eines  verhassten  Weibes  thun. 

Ks  (das  Haar)  zu  entfernen,  sobald  es  sich  zeigt: 
Schildkrötenschale  erhitzen,  zermahlen,  in  Fett  von  Nilpferd- 
klauen thun  und  sehr  oft  damit  einreiben. 

Der    Beginn    von    den    Mitteln    zur    Heilung    der 
Leber^): 

Feigen  Yg 

Sebesten  ^/^ 

Weintrauben  7i6 

Brodteig  */, 

Beere  von  der  /asit  '}-Pflanze      Yi« 
Kuchen  Yja 

Weihrauch  Y«* 

Nasturtium  7^4 

Wasser  7^ 

feucht  stehen  lassen,  durchseihen  und  4  Tage  lang  einnehmen. 
Ein  andres: 


Feigen 

Weinbeeren 

Wachholderbeere 

asu  *)-Pflanzc      • 

Weihrauch 

Grüne  Bleierde  (?) 

Wasser 


/, 
/, 


8 

16 
16 
«4 


/: 
/ 
/ 

/„  ebenso. 


Ein  andres: 

Lotusblüthen  Yg 

Wein  1   denä 

Pulver  von    Zizyphus  Lotus*)  Ys 

Feigen  Y« 

Milch  Y16 

Beere  vom  uän-Baum  Yie 

Weihrauch  Ygi 

Süsses  Bier  1  denä 

feucht  stehen  lassen,   durchseihen  und  4  Tage  lang  einnehmen. 

Ein  andres: 

*)  Aegyptisch:  sepet-Pflanze;  Brugsch:  Bluthenblatt. 

^  Aegyptisch:  merest. 

3)  Brugsch  VI.  S.  896  „Mohnpflanze". 

*)  Brugsch  V.  S.  141  eine  liebliche  Pflanze. 

^)  Luring  S.  157. 


—     109     — 

Feigen  V, 

Sebesten  Ys 

anest-Kom  Yi 

Brod    von    Zizyphus  Lotus  ^)  ^/^ 

Zwiebeln  (?)  7,, 

Brodteig  V^e 

Weintrauben  Yg 

Nasturtium  ^/^^ 

Weihrauch  Ys* 

Süsses  Bier  1  denä 

feucht    stehen    lassen ,     durchseihen    und    4   Tage    lang    ein- 
nehmen. 

Ein  andres: 

Feigen  7^ 

Brodteig  7« 

Beere  vom  uän-Baum  7,^ 

sa*)-Kom  von  Oberagypten        7« 
Wasser  1   denä 

feucht    stehen    lassen ,     durchseihen    und    4   Tage    lang    ein- 
nehmen. 

Der  Beginn  von  den  Mitteln  gegen  Brandwunde') 
den   1.  Tag  dagegen  zu  brauchen: 
Schwarzen  ämät-Saft  darauf  thun. 
Den  zweiten  Tag  zu  brauchen: 

Ziegenexcremente   verbrennen,   zermahlen,    zerreiben  in 
entstehender  (gährender)  Hefe  und  darauf  thun. 
Den  dritten  Tag  zu  brauchen: 

Domen  (?)  von  Acanthus  getrocknet,    sie  zermahlen  in 
gekochtem   Durrakom   und  Zwiebeln  (?),    in   Oel    thun 
und  als  Pflaster  auflegen. 
Den  4.  Tag  zu  brauchen: 


»)  L firing  S.  157. 

^  Ebers  S.  69.  „Natron  oder  Salpeter". 

')  Aegyptisch:  ubedet  mit  dem  Determinativ  der  Flamme.  Es 
ist  zweifellos,  dass  es  sich  hier  um  Verbrennung  handelt  und  nicht, 
wie  Ebers  und  Stern  meinten,  um  Krebs.  Dagegen  spricht  erstens 
die  Bedeutung  des  Wortes  ubedet,  das  brennen,  verbrennen  bedeutet ; 
zweitens  das  Determinativ  der  Flamme  und  drittens  der  Inhalt  der 
Recepte  und  die  Art  ihrer  Verabreichung.  Ausserdem  ist  Carcinom 
der  Haut,  resp.  carcinomatöse  Geschwüre  derselben  doch  verhältnis- 
mässig selten. 


—    no    — 

Wachs,  gebratenes  Kuhfett,  Palmfasern')  in  uäh*)-Kom 
in  Eins  machen  und  als  Pflaster  auflegen. 
Den  5.  Tag  zu  brauchen: 

Zwiebeln  (?)  1 

Mennige  1 

Frucht  vom  äm-Baum         1 
zermahlen,  zerreiben  in  Kupferspähnen '),  in  Eins  machen  und 
als  Pflaster  (auf) legen. 

Mittel  zum  Verband*)  einer  Brandwunde*): 
LXVHI.  uäh^-Kom  kochen  und  als  Pflaster  auflegen. 

Mittel  gegen  eine  Brandwunde*): 
uäh  ')-Korn 
Durra 

Cyperus  vom  bebauten  Lande  (e  locis  cultis) 
Seesalz 
Baumwolle 
Palmfasem  ^) 
t'ehä-Thier,  gekocht 
Riuderfett 
Oel 

Wachs 

täglich  auf  die  Brandwunde  bringen,   nachdem  sie  ge- 
kühlt worden  ist. 

Ein  andres*)  gegen  Brandwunde*): 
Wachholderbeere         1 
Papyruspflanze  1 

in  Gummiwasser  mischen  und  darauf  thun. 
Ein  andres: 

Kuchen  1 

Katzenhaare  1 

in  Eins  zermahlen  und  darauf  thun. 

Ein    andres    zur  Heilung    einer    eiternden   Brand- 
wunde^) an  jeder  Körperstelle  einer  Person: 


»)  Luring  S.  34. 
^  Wohl  eine  Getreideart  (?). 
')  Luring  S.  96  „Das  Abgeriebene  von  Kupfer." 
*)  Wörtlich:  die  Brandwunde  einzuwickeln. 
*)  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  3. 
^  ket  ist  mit  schwarzer  Tinte  geschrieben. 
^)  So  übersetze  ich  ubennu  n  ubedet;  eigentlich  das  Eitern  der 
Brandwunde. 


—    Ill    ^ 


qebu  ^)-Oel  1 

Crocus  1 

Fetter  Saft  vom  Cederbaum  1 

sefet»>Oel  1 

zermahlen  und  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres: 

"Wachholderbeere         1 

Papyrus-Pflanze  1 

Katzenexcremente       1 
mischen,  in  Kuchenwasser  bringen  und  darauf  thun, 
Ein  andres: 

Talg 

heta-Pflanze 

Foenum  graecum 

Harz  von  Acanthus 

Seezunge-Kömer 

Rother  *)-Samen 

abra-Balsam  *) 
Ein  andres: 

Krokodil-Weihrauch 

Fett  von  Ibex  nubiana 

Stein  vom  Ufer 

Wachs 

Zwiebel  (?) 

Oel 

Seezunge-Komer 

Rother  ')-Samen 

Fetter  Saft  vom  Cederbaum 

Sycomore 

änest-Pflanze 
zermahlen  und  zu  einem  Pflaster  machen. 

Ein  andres  gegen  stinkenden  Brand*): 

Kupferspähne  1 

Grünspan  1 


ebenso '). 


»)  Ebers  S.  160  „Behenöl". 
*)  Ein  heiliges  Salböl. 
*)  Aegyptisch:  deSer. 
*)  Ein  feines  Salböl. 
^)  Eigentlich:  ist  ebenso. 

*)  Aegyptisch :  set  huaes  =  Gangrän,  welche  stinkt ;  set  =  Feuer, 
Flamme. 


—     112     — 

Schreibfarbe 
Frischer  Weihrauch 
Kümmel 
gcnti  *)-Samen 
gesfen  '')-Korn 
Wachs 
Aloe 

Xesalt  *)-Harz 
Süsse  Myrrhen 
sefet*>Oel 
Honig 

zermahlen,  zerreiben,  in  Eins  machen  und  darauf  als  Pflaster  legen. 
Ein    andres    zu   machen  gegen  eine  Brandwunde^) 
den  1.  Tag: 

Honig  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres: 

aqeh-Stein  ^),  der  Wasser  annimmt,  Fett,  Baumol  (?) 
in  Eins  kochen  und  darauf  thun. 

Ein    andres    eine    eiternde  Brandwunde    an   jeder 
Körperstelle  einer  Person  zu  behandeln: 

äat-Pflanze  in  Oel  kochen,    zermahlen  und  darauf  thun. 
Ein  andres: 

Stein  von  der  Mundung')  des  Wassers      1 
änest-Pflanze  1 

äbu-Pflanze  1  \ 

Fett  von  Ibex  nubiana  1 

zermahlen  und  darauf  thun. 
Ein  andres: 

Gekochte  ut'ält-Frucht,  darauf  thun. 
Ein  andres  gegen  eine  Brandwunde')  den  1.  Tag: 
Gekochtes  uäh  *')-Korn  1 

Gekochte  Durra  1 


k 


0  Brugsch  VII.  S.  1269.   «Cassia«. 

«)  Luring  S.91.  „Kupfervitriol?« 

3)  Brugsch  VI.  S.  896.  „Mohnpflanze". 

*)  Ein  heiliges  Salböl. 

*)  Aegyptisch:  ubedet;  cfr.  S.  109.  Anm.  3. 

^  Also  ein  poröser  Stein;  nach  Brugsch  V.  S.  21:  ein  Stein, 
mit  dem  man  schneidet. 

^)  re  =  Mündung  ist  nachträglich  eingeschoben;  d.  h.  wohl  Stein 
von  der  Flussmündung  oder  vom  Strande. 

*)  Wohl  eine  Getreideart  (?). 


—     J13     — 

Gekochter  Cyperus 
Gekochte  Baumwollenpflanze 
Gekochte  Palmfasern 
Gekochtes  deher-Thier 
Rinderfett 
Oel 

Geschmolzenes  Wachs  in  Fett 
in  Eins  machen  und  darauf  thun. 
Ein  andres: 

Wachholderbeeren       1 
uäh  ^)-Komer  1 

Katzenexcremente       1 
in  Eins  mischen  in  Kuchenwasser  und  darauf  thun. 

Ein  andres.    Beschwörung  von  Feuer')  zum  I.Mal: 

„0  Du  Gottessohn,  Horus!     Es  ist  Feuer  im  Lande;   mag 

nun  Wasser  dort  sein  oder  nicht,  das  Wasser  ist  in  Deinem  Munde, 

der  Nil  ist  in  den  Füssen,  wenn  Du  kommst  das  Feuer  zu  löschen.^ 

Zu    sprechen    über  Milch    ein^r  Frau,    die    einen 

Knaben   geboren   hat,    Kuchen    und    Widderhaare;    auf 

die  Brandwunde  thun. 

Andre  Beschwörung: 

„0  Sohn  Horus!  Es  ist  Feuer  im  Lande;  nicht  Wasser  ist 
da,  nicht  Du  bist  da;  bringe  Wasser  über  die  Ufer  des  Flusses, 
das  Feuer  zu  löschen.^' 

Herzusagen  über  Milch  einer  Frau,  die  einen  Kna- 
ben geboren  hat. 

Ein  .andres.  Mittel  gegen  das  Grauwerden')  der 
Brandwunde: 

Mennige  1 

zermahlen  in  Sycomorenmilch       1 
Zwiebeln  (?)  1 

utit  von  Zwiebeln  (?)  1 

zermahlen  und  als  Pflaster  darauf  legen. 
Brauch  Du  das  Messer  des  Arztes: 
Gestossener  Halm       1 
dehui-Beere  1 

als  Pflaster  darauf  legen. 


LXIX. 


^)  Wohl  eine  Getreideart  (?). 

^  Soll  wohl  beissen  7on  Brandwunde;  den  Reeepten  folgt  also 
hier  eine  Beschwörung. 
*)  unsicher! 

Joacbintf  Aegyptlsche  Heilkand«.  8 


—      114     — 

Ein  andres: 

Crocus  des  Nordens         1  gestossen 
als  Pflaster^)  darauf  legen. 
Ein  andres: 

Zerstossenes  meneq^-Holz  1 

Domen ')  (?)  von  der  uam-Pflanze,  zerstossen      1 
in  Eins  machen  und  als  Pflaster  darauf  legen. 

Andre  Mittel  das  Weisswerden  der  Brandwunde 
zu  vertreiben: 

kesu-Komer  1 

Honig  1 

Zwiebeln  (?)        1 
mit  dem  Stachel  zerstückeln*)  und  versenken  in  Mennige  und 
Collyrium;    zermahlen,  zerreiben,    in  Sycomorenmilch   mischen; 
damit  viele  Tage  einsalben. 
Ein  andres: 

Zwiebelpulver  (?)       1 
in  Honig  mischen  und  als  Pflaster  darauf  legen. 
Ein  andres: 

Glattes,  leinenes  Hemd  in  Oel  zerstampfen  und  damit  ein- 
salben. 

Ein  andres: 

Weihrauch        1 
Honig  1 

damit  einsalben. 
Ein  andres: 

Durrabrot  in  Oel  und  Salz,  in  Eins  mischen  und  sehr  oft 
als  Pflaster  auflegen,  um  ihn  sogleich  gesund  zu  machen.  Es 
ist  ganz  wahr;  ich  habe  (es)  gesehn;  es  ist  mir  häufig 
vorgekommen. 

Mittel  die  Striemen  von  Schlägen  zu  vertreiben: 
Honig,  Kuhhirn,  Mauerlehm,  Leinsamenwasser  (?),  Dattel- 
saft 
kochen  und  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres: 

Staub*)  von  Alabaster 


^  ut  ist  mit  rother  Dinte  dazwischengescbrieben. 

*)  B  rugs  eh  VI.  S.  611  „noizstückchen  vom  Styrax-Baum." 

')  Aegyptisch:  ägit. 

*)  Brugscb  Wort.  VII.  S.  1341  „zu  zermalmen  mit  dem  Reiber". 

*)  Luring  S.  101. 


—     115     — 

Staub  von  Statuen 
Granit 

Frische  Milch 
damit  einsalben. 
Ein  andres: 

Durramehl 
Kuhmilch 
damit  sehr  oft  einsalben. 
Ein  andres: 

Honig,  hernach  warm  damit  salben. 
Ein  andres: 

Eine  Prise  hemit,  getrocknet 
zermahlen,    zerreiben  und  in   einen  Zuckerkuchen   thun;    dazu 
eine  andre  (Prise)  in  Honig  aufweichen  und  von  der  Person  zu 
essen. 

Es  beginnen   die  Mittel   die  Wunden')  zu  heilen,    LXX. 
die  an  dem  Körper  geschlagen  sind: 

Ein  Stuck  Leinwand   in  Weihrauch  und  Honig  befeuchten 
und  4  Tage  auflegen. 

Ein  andres  zum  Verbinden  von  Wunden^): 
Bohnen  zermahlen,    zerreiben')  und  in  ein   Tuch    aufbe- 
wahren,  mischen  in   Oel,    Honig  und  Baumwollencharpie,    auf 
ihren  (der  Wunde)  obem  Theil  7  Tage  lang  (legen),  um  sie  zu 
heilen. 

Ein  andres  Blut  aus  Wunden^  auszuziehen: 
Wachs 
Fett 

Baumol  (?) 
Honig 

Zwiebeln  (?) 
Durra,  erwärmt 
kochen,  in  Eins  machen  und  4  Tage  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres  vom  Ausfluss,  der  aufquillt: 
Wachs  1 

Oel  1 

Fett  1 

in  Eins  kochen,  und  als  Pflaster  auflegen. 


*)  Aegyptisch :  ubennu  =  die  eiternde,  fliessende  Wunde. 
2)  an  =  zerreiben  ist  mit  rother  Tinte  durchstrichen. 
^  Wörtlich:   Blut  in  der  Oeffnung  der  Wunden. 

8* 


—     116     — 
Ein  andres: 


Oehni-Beere 

(Essbares)  nsä-Krant 
Oel 

Honig 
sefet  ^)-Oel 

Knoblaach-Kageln           7  todt  (verwelkt?) 
zermahlen  und  als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres  eine  Wunde 

^  ausztrocknen: 

Weihrauch            1 

Zwiebeln  (?)        1 

Kuhfett                 1 

zermahlen  und  darauf  thun. 

Ein  andres: 

Teig 
Weihrauch 

nehed  *)-Harz 

Wespenexcremente 

Mennige 

Salz  vom  Norden 

Wachs 

zermahlen  und  darauf  thun. 

Mittel  gegen  eine  Wunde  den  ersten  Tag: 

Kuhfett  oder  Kuhfleisch,  um  sie  zu  reifen*);  wenn  sie 
dann  gut  reif  ist,  umhülle  sie  in  gesäuertem  Durrabrod,  damit 
sie  darunter  trockne;  nieder  umhülle  sie  in  Fett,  damit 
sie  reife. 

Wenn  sie*)  dann  hart  wird  in  ihrem  Ausfluss,  so 
umhülle  sie  in  Fett  von  Ibex  nubiana,  sefet  ^)-OeI  und  zer- 
mahlener  ftehui-Frucht. 

Wenn  du  darunter  drückst,  und  es  ist  hart,  thu  es 
in  Mehl  von  frischem  Elfenbein^).    Nachher  umhülle  sie  in 


^)  Ein  heiliges  Salböl. 
^  Cfr.  vor.  Seite  Aniu.  1. 

»)  Ebers  S.  144  «Zahnkörner?«;  Luring  S.  108. 
*)  Wörtlich:  in  Verwesung  zu  bringen. 
^)  Eigentlich:  der  Aufluss  von  der  Wunde. 
^  Ein  heiliges  Salböl. 

')  Papyrus  Harris   I.  pl.  XXXIII.   v.  13   haben   wir  dasselbe 
Wort,  von  Birch  ab  gelesen  und  mit  „steatite,  or  ivory"  übersetzt.  L. 


-      117     — 

Baumwollecharpie  in  äbe/et- Flüssigkeit.  Nachher  mach 
Du  einen  Verband  mit  einer  Salbe,  die  die  metii^)  fester 
macht,  als  Pflaster  darauf  legen,  um  sie  zu  heilen.  Wenn  es 
nachher  in  seiner  Ausfiuss(wunde)  hart  geworden  ist, 
so  mach  Du  Fett  von  der  t'as-Pflanze,  als  Pflaster  darauf  legen, 
um  die  Wunde')  zu  öfiTnen,  und  sie  reif  zu  machen. 
Ein  andres  zum  Wundverband: 
Wachs  1 

Coriander,  getrocknet 
zermahlen,  zerreiben  und  als  Pflaster  auflegen. 
£in  andres: 

Pulver  von  frischem  Elfenbein*),  in  Honig  mischen   und 
als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres: 

Fett  von  Ibex  nubiana  1 

Wachs  1 

Zwiebeln  (?)  1 

mischen  und  als  Pflaster  auflegen. 

Mittel*)  für  denjenigen,    der  Stiche  in  der  Wunde 
hat: 

Durramehl  1 

Fett  1 

Baumöl  (?)  1 

kochen  und  ihn  es  essen  lassen,  wenn  er  auch  widerstrebt'). 
Andre  Mittel  gegen  bennut^)  in  der  Wunde: 

Harz  von  Acanthus        1  LXXI. 

zermahlen,    in  Oel  thun   und  auf  die  Wunde  legen,   um  diese 
bennnt  zu  entfernen. 

Mittel^)  gegen  eine  Wunde  in  der  Mamma: 
usebet-Kom  1 

Seesalz  1 

Dickes  Fett  1 

auf  die  Mamma  thun,  als  Pflaster  darauf  legen. 

MitteP)  gegen  eine  Wunde  am  Halse  (Nacken): 


')  Muskeln,  Geßsse,  Nerven,  Sehnen. 

^  Wörtlich:  um  ihre  OefFnung  zu  öffnen. 

')  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  7. 

^)  Wörtlich:  was  für  denjenigen  zu  machen  ist,  der. 

^)  Lörine  S.  35:  „lass  es  gemessen  den,  der  (dich)  hasst' 

^  Blasen  (?),  Pusteln;  Stamm:  rund,  kugelig  sein. 

0  Wörtlich:  was  zu  machen  ist. 


—     118     — 

Myrrhe  1 

Palver  von  der  Baamwollenpflanze 
in  Eins  machen  und  als  Pflaster  auflegen. 

Alle  Arten  Uehles  zu  heilen,    die   eine  Person  an 
was  auch  immer  fur  einen  Ausfluss^)  haben  kann: 
Seesalz  1 

Lactnca  1 

in  Oel  zermahlen  und  als  Pflaster  auflegen. 

£in  andres  Ausflüsse^)  aller  Art  zu  heilen: 
Abfall  von  Durra  in  Fett  vom  Nilpferd  oder  Schwein  zer- 
mahlen und  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres: 


Gekochte  Durra          1 

Zwiebeln  (?)               1 

Weihrauch                  1 

Oel                             1 

in 

Eins  machen  und  als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres  das  Fleisch  zum  Wachsen  zu  bringen: 

CoUyrium                  1 

Ruhfett                      1 

Grunspanspähne         1 

Honig                     .    1 

in 

Eins  zermahlen  und  als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres: 

Zwiebeln  (?)                                 1 

Bohnen                                         1 

Samen  von  der  seps ')-Pflanze     1 

Oel                                               1 

Honig                                             1 

in 

Eins  zermahlen  und  als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres: 

Zweige  vom  am-Banm                 1 

Harz  von  Acanthus                      1 

Alo6                                             1 

Beeren  vom  änennu-Baum           1 

äneb-Pflanze                                 1 

Zwiebeln  (?)                                1 

')  Aegyptisch:  setu. 

^  Brugsch.  Wort.  VII.  S.  1180  „Edelkraut**. 


-      119     — 

sefet  *>Oel  1 

Wachs 
kochen  und  auf  die  Oeffnang  der  Wunde  legen. 

Alle  Arten  Böses    zu  heilen,    die  eine  Person    in 
was  auch  immer  für  einer  Wunde  haben  kann: 

Brod  von  Zizyphus  Lotus')  in  Wasser  kochen,  gelinde  auf- 
wärmen und  als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres  asit')  zu  vertreiben: 
Zwiebeln  (?) 
Seesalz 
in  Urin  kochen  und  darauf  thun. 
Ein  andres: 

Teig  1 

Natron  1 

Harz  von  Acanthus  1 

zermahlen  and  als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres  äaglt^)  (Krallen)  in  det  Oeffnung  einer 
Wunde  zu  vertreiben: 

Straussenei  1 

Schildkrotenschale  gebrannt  1 

Krallen  (Domen  ?)  vom  äm-Baum       1 
damit  salben. 

Ein  andres  jede  Wunde  zu  heilen: 
Gazellenfett 
Wachs 

Teig  des  Geruches 
Alog 

Frisches  Baumöl  (?) 
in  Eins  machen  und  auf  die  Wunde  than,    um  sie  zu  heilen. 
Ein  andres  eine  Wunde  zu  verbinden: 
Menschenexcremente,  zermahlen  in  Hefe  von  süssem  Bier, 
sefet  *)-Oel  und  Honig  und  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres  eine  Wunde  zu  lindern^): 
ant-Fisch 

temi-Fisch  1 

Zwiebeln  (?)         1 

>)  Ein  heiliges  Salböl. 

>)  Luring  S.  157. 

')  Sterns  Glossar.  S.  1.  „morbus  leprosus?*' 

')  Luring.  S.  35.  „caro  luxurians,  Granulationen*'. 

^)  Wörtlicn:  angenehm  zu  machen. 


—      120     - 

Wachs  1 

Krokodilerde ')      1 

Honig  1 

zermahlen,  zerreiben,  in  Eins  machen  and  als  Pflaster  auflegen. 
Der  Beginn  von  Mitteln  akat')  zu  vertreiben: 
LXXll.  Palmwein         1 

bedet  •)-Salz 

hautet- Earz       1 

Kuchen  1 

Honig  1 

darauf  thun. 

Ein  andres: 

teun-Pflanze 

Honig 

Harz  von  Acanthus 

Zwiebeln  (?) 

sefet*>Oel 
darauf  thun. 

Ein  andres: 

Granit,  zermahlen,  zerreiben  in  Myrrhen  und  darauf  thun. 
Ein  andres  Pusteln^)  auf  jedem  Glied  der  Person 
zu  vertreiben: 

Fett  vom  Cederbaum 

8efet*>0el 

Harz  von  der  yesalt  *)-Pflanze 

Seezunge-Kömer 

Grüne  Bleierde  (?) 

Kochendes  Wasser 
zermahlen,  zerreiben,  in  Eins  mischen  und  damit  salben. 
Ein  andres: 

Seesalz  1 

Frische  Milch  1 

Rothes  Natron        1 

Oel  1 

damit  oftmals  salben. 


»)  Ebers  S.  136  „Nilschlamm?*' 

*)  Sterns  Glossar.  S.  1.  „scabies,  impetigo^. 

•)  Brugsch.  Wort  V.  S.462.  „eine  besonders  reine  Natronart". 

*)  Ein  heiliges  Salböl. 

*)  Aegyptisch:  qaqaut;  Pocken  (?). 

^  Brugsch.   Wort.  VI.  S.  896.  »Mohnpflanze«. 


—     121      — 

Pusteln  (qaqaut)  zu  vertreiben: 

t'aä-Körner  in  Schaum  von  Bier  kochen  und  4  Tage  essen. 

Ein  andres: 

Kochendes  (Wasser)')        1 

Rothe  Körner*)  1 

Seezunge-Körner  1 

seßeft-KÖrner  1 

Wasser 
damit  salben. 

Ein  andres: 

Seesalz  1 

Frische  Much  1 

Rothes  Natron        1 

Oel  1 

damit  oftmals  salben. 

Anfang  von  Mitteln  um  bennut-Blasen  im  Fleisch 
in  allen  Gliedern  einer  Person  zu  vertreiben: 


i 
1 

Mehl  von  pesen 
Seesalz 

-Brod  (?) 

1 
1 

Honig 
damit  oftmals  salben. 

1 

Ein  andres: 

Kräuter  des  Feldes     V« 

1 

Honig 
Wein 

;^: 

zermahlen,  zerreiben  und  trinken. 

Ein  andres  zum  Vertreiben 

der  Stiche*)  der  ben- 

nut-Blasen im  Zahn: 

seps*)-Kömer 
Teig 
Honig 
Oel 

1 
1 
1 
1 

als  Pflaster  darauf  legen, 
bennut- Blasen    im 

Zahn  zu 

vertreiben    und    das 

Fleisch  wachsen  zu  lassen: 

^)  Hier  ist  wohl  aus  Versehn  des  Schreibers  ^Wasser"  ausge- 
lassen; oben  Zeile  5  ist  „Wasser'',  wie  man  deutlich  sehn  kann,  erst 
nachträglich  eingeschoben. 

^  Wohl  Natron. 

*)  Eigentlich:  des  Hämmems,  Stampfens. 

*)  Brugsch.  Wort.  VII.  S.  1180.  „Edelkraut«. 


-     122     — 


besbes  *)-Kömer 
Brodteig 
änest-Pflanze 
Honig 
Weihrauch 
Wasser 
feucht  stehen  lassen  und  kauen. 
Ein  andres: 

Oäm-Pflanze 

änest-Pflanze 

Weihrauch 

ämää-Pflanze 

nuan-Pflanze 

Crocus 

Aloeholz 

ännek-Pflanze 

Cyperus 

Zwiebein  (?) 

Wasser  ebenso. 

Der  Beginn  vom  Vertreiben  der  Schorfe*)  und  vom 
Stillen  des  Juckens*)  in  jedem  Glied  einer  Person: 
Durragrutze  1 

seneft*)-Kömer  1 

in  Mscher  Milch  mischen  und  als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres  um  die  Unreinigkeiten  auszuziehen: 


LXXlll. 


äpesnen-Komer 

Natron 

Thorlehm 

Zwiebeln  (?) 

Weihrauch 

Dattelabfall 

in  Eins  machen  und  als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres: 

Weihrauch 

1 

Collyrium 

1 

Schreibfarbe 

1 

0  Brugsch.  Zeitschr.  f.  ägypt.  Spr.  1881.  S.  33.  „Fenchel«. 

^  Aegypt:  §efut. 

•)  Aegypt:  usäu. 

*)  Gehurt  zu  den  als  Opfer  dargebrachten  Körnern. 


—     123     — 

gentetrPflanze        1 
Honig  1 

in  Eins  machen  and  als  Pflaster  auflegen'). 
Ein  andres: 

penes -Brod- Krümchen   1,    in  Wasser    thun,    zu    einem 
Pflaster')  machen,  Zwieheln  (?),    zermahlen,    in  einem 
Tuch  aufbewahren,  in  Eins  kochen,  zu  einem  Brei  machen 
und  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres: 

Weisses  Weizenkom,  rösten,  zermalmen,  in  einem  Linnen 
aufbewahren,  in  frische  Milch  thun,  zu  einem  Brei  machen,  in 
Gel  gemischt,  als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres.    Mittel  fur  Füsse,  die  an  Schorfen  krank  sind: 
Rothes  Natron  1,  mit  entstehendem  Dattelsaft  mischen  und 
als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres  für  den  Schenkel: 

Bohnenmehl  1 

Mehl  von  pesen-Brod  (?)        1 
Seesalz  1 

Menschenurin 
in  Eins  kochen,  und  als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres  Schorfe  zu  vertreiben    und  Jucken  in 
jedem  Glied  zu  stillen: 
Cyperus 
Zwiebeln  (?) 
Lebende  Datteln 
Natron 
Seesalz 
Saure  Milch 
seneft')-Kömer 
Kümmel 
kochen  und  damit  salben. 
Ein  andres: 

Kohlen  1 

Dattelsaft         1 
Seesalz  1 


1)  Diese  Vorschrift  ist,  wie  man  deutlich  sieht,  erst  nachträglich 
hinzugefügt;  sie  ist  nicht  wie  gewöhnlich  fortlaufend  geschrieben, 
sondern  vertical  am  Rande  nachgetragen. 

*)  Die  Uebersetzung  ist  unsicher! 

')  Gehört  zu  den  a&  Opfer  dargebrachten  Körnern. 


-   *  ->  -  , 


—      124     — 

Bierhefe  1 

Weihrauch        1 
Myrrhen  1 

kochen  und  als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres  Schorfe  in  jedem  Glied  zn  vertreiben. 
Mach  Du  ihm  Mittel,  welche  Wasser  in  den  Schorfen 
ausziehen: 

Mehl  von  frischer  Durra 
Cyperus  des  Sumpfes  (e  palustribns) 
Cyperus  des  Ackers  (e  locis  cultis) 
Cyperusknollen 
Collyrium 

Mehl  von  qaat-Komem 
in  frischem  Oel 
BanmwoUencharpie 
tlt-Kömer 
Weihrauch 
Gänseöl 

Männlicher  Samen 
bäa-Flüssigkeit 
utit-Kömer 

Mehl  von  gekochten  net'hät'ehät-Beeren 
Rothes  Korn 
als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres: 

Mehl  von  nah -Pflanze         1 
Trauben  1 

senäu')- Pflanze  1 

zerstossen  in 

Frischer  Milch       •  1 

Grünes  Rohr  1 

in  Nilwasser  zerstossen  und  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres: 

Seesalz  1 

Mehl  von  pesen-Brod  (?)    1 
Natron  1 

Brodteig  1 


als  Pflaster   auflegen,    um 
Wunde)  zu  vertreiben. 


das  hervortretende  Wasser  (in  der 


*)  Luring  S.  143.     «Carthamus  lanatus.  L." 


—     125     - 

Ein  andres: 

Mehl  von  Weizenkorn  1 

Das  Fette  von  dem  deber-Thier       1 

Lehm  von   der  LXXIV.'  Mauer         1  LXXIV. 

sebeb*)-Pflanze  1 

in  Hefe  von  süssem  Bier  durchseihen  und  als  Pflaster  auf  die 
Schorfe  auflegen. 
Ein  andres: 

Grüne  hemu-Pflanze  kochen  in  mesta-Getränk       1 
hum-Eorner  in  Menschenmilch,  auf  die  Oeffhung  des  Geschwürs 
thun,  damit  es  (das  Pflaster)  von  selbst  abföllt. 
Ein  andres: 

Wespenkoth  in  Milch  von  der  Sycomore  auf  die  Oeffnung 
des  Geschwürs  thun,  damit  es  von  selbst  abfUllt. 
Ein  andres: 

am  (?)  von  Teig  1   in 
Eselsmilch  1 

auf  die  Oeffnung  des  Geschwürs  thun,  damit  es  von  selbst  abfällt. 
Nachdem  es  abgefallen  ist,  thu  darauf 
Xert  (Baumfibem  ?),  dazusetzen 
viel  Gel 
seneft')- Körner 
Natron 
Seesalz 
Thorlehm 
Weihrauch 
Zwiebeln  (?) 
Dattelabfall 
zermahlen  in  von  selbst  entstehendem  Dattelsaft  und  als  Pflaster 
auflegen. 

Ein  andres: 

Dumpalmenfrucht 
Frische  Milch 
Weizenkom 
qaa-Eörner 
Wespenexcremente 
in  frischer  Milch  mischen  und  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres: 


')  Brugsch.  Wort  VII.  S.  1174.    „Festuca". 

^  Gehört  zu  den  als  Opfer  dargebrachten  Körnern. 


—     126     ~ 

Schreiberkoth   tüchtig    in    frischer  Milch   mischen   and   als 
Pflaster  auflegen. 
£in  andres: 

Cederholz,   in  frischer  Milch  reiben    zusammen   mit   dem, 
was  unten  ^)  ist  auf  einem  neuen  hennu-Geföss,  Eins  zu  Eins 
mischen')  und  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres: 

Die  Spitze    vom  Cederbaum  mischen  in  Milch  von    einer 
Frau,  die  einen  Knaben  geboren  hat  und  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres: 

äpnent-Würmer     7 
Wespen  7 

äku-Thiere  7  der  Erde 

Mehl  der  Alraune  von  Elephantine 
in  Oel  kochen  und  auf  das  Geschwür  der  Schorfe  als  Pflaster  legen. 
Ein  andres: 

Mehl  von  Krautern  des  Ackers         1 
Mehl  von  der  Absynthpflanze  1 

Mehl  von  grünem  Sebestenbaum       1 
kochen  in  suset- Wasser  und  frischer  Milch  und  als  Pflaster  auf- 
legen. 

Ein  andres: 

Ein  Stuck  Blei         1 
Katzenkoth  1 

Hundekoth  1 

als  Pflaster  auf  die  Schorfe  legen. 
Ein  andres: 

Durramehl    in   mesta-Getränk    mischen ,    kochen   und    als 
Pflaster  auflegen. 
Ein  andres: 

ääu  von  samu-Oel  1 

Schweinezahn 

Katzenkoth  1 

Hundekoth  1 

Beeren  von  der  xet'-Pflanze     1 
zerstossen  und  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres: 

t'ät-Oel        1 


*)  ui  ist  hier  —  wohl  aus  Versehen  —  einmal  zuviel  gesetzt 
^  Soll  wohl  heissen:  durcheinaudermischen. 


• 


• 


'V 


•     •  • 


—     127     — 

Seesalz        1 
Honig  1 

kochen  and  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres: 

deben-KÖrner  zermahlen  in  Kuchenwasser      1  LXXV 

Beere  von  der  Sycomore 
Beere  von  Zizyphus  Lotus 
Beere  von  der  Weide 
Dumpalmenfrucht 
in  Eins  machen  und  als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres  zu  kühlen  und   Schorfe  zu  vertreiben: 
sa§a^)- Stücke       1 
Honig  1 

in  Eins  machen  und  4  Tage  als  Pflaster  auflegen. 

Ein    andres    Schorfe  und  Verhärtungen')  in   allen 
Gliedern  einer  Person  zu  vertreiben: 
Stücke  von  Excrementen 
Katzenkoth 
Hundekoth 

Beeren  von  der  xet'-Pflanze 
als  Pflaster  auflegen;  es  vertreibt  die  Schorfe. 
Schorfe  im  Leib  zu  vertreiben: 

Frauenmilch  Ys  ^®"* 

Beere  vom  uän-Baum     Yie 
ketket-Pflanze  Vs 

in  Eins  zerstossen,  durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 
Ein  andres: 

Seesalz  Ys 

Bier  7i  öl>enso. 

Ein  andres: 

Weizen  Y« 

Honig  V, 

Winde  (Pflanze)  7,,  1 

t'aas-Pflanze  Yj, 

kochen,  durchseihen  und  4  Tage  einnehmen.  \ 

Ein  andres  die  Dinge  (Schorfe)  von  selbst  abfallen 
zu  lassen:  i 

i 


')  B  rugs  eh.  Wort  VIT.  S.  1226.  »Kuchen  aus  zusammenge- 
pressten  Rosinen **. 

*)  Aegyptisch:  nehept;  Brugscb.  Wort.  VL  S.  686,  „um  zu 
beseitigen  die  beginnenden  Schmerzen  etc.* 


—     128     — 


&ehai-Beere 

• 

Natron 

Seesalz 

Grüne  Bleierde  (?) 

Oel 

in  Eins  machen  und  4  Tage  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres  das  Jucken  zu  stillen: 

Cyperus  von  der  "Wiese  (?)       1 

Zwiebelmehl  (?)  1 

Weihrauch  1 

Roher  Dattelsaft 
in  Eins  machen  und  auf  die  Stelle  der  Schorfe  thun.  Sieh  Du 
nach;  denn  dies  ist  das  wahre  Mittel.  Es  ist  gefunden  unter 
den  erprobten  (Mitteln)  im  Tempel  des  Gottes  unnefer').  Es 
ist  ein  Mittel,  das  Schorfe  an  jedem  Glied  einer  Per- 
son vertreibt;  ja  sie  heilen  sogleich;  sieh  Du  nach. 

Schorfe  zu  vertreiben,   dass  sie  absolut  verschwin- 
den'): 

Ein  hennu  ')-Gefas6  Durra,  zerstossen  und  zermahlen, 

ämää-Komer 

Rothes  Natron      1 

Absynth 
in  Eins  machen  und  als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres  Schorfe  zu  vertreiben  und  Jucken  im 
Schenkel  zu  stillen: 

Zwiebeln  (?)  1 

Getrocknete  (?)  Bohnen      1 

Rothes  Natron  1 

Seesalz  1 

Saure  Milch  1 

als  Pflaster  auf  den  Schenkel  legen,  um  ihn  sogleich  zu  heilen^). 
Anfang  der  Mittel  für  das  Blutfressen  und  Jucken 
zu  stillen: 

Wachholderbeeren  1 

änun-Pflanze  1 

Leinsamen  (?)  1 


*)  Osiris. 

^  Eigentlich:  dass  sie  überhaupt  nicht  mehr  da  sind. 

»)  hennu  =  0,456.  Liter. 

*)  Hier  ist  im  Papyrus  eine  Lücke  von  einer  halben  Zeile. 


—     129 


sebtetlt-Pflanze 

Absynth 

Natron 

ämää-Pflanze 

Zerriebener  Mannssamen  *) 

Hefe  von  Wein 

Roher  Dattel  saft 
kochen  in  LXXVl.  Eins,  nachher  aufwärmen  und  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres  um  Blutsäckchen')  in  seinem  Entstehn 
zu  vertreiben: 


LXXVI. 


Absynth 
Sebesten 

Wachholderbeeren 
sasa')- Stücke 
Oel 


V 
V 
T 

In 


in  Bier  von  mehreren  Ingredienzien  kochen  und  einen  Tag  trinken. 
Ein  andres: 

Fett 

Weihrauch 

Cyperus  der  Wiese 

Cyperus  des  Sumpfes 

Cederspähne 

nennudu-sepsu  *)-Oel 

Trockene  Myrrhen 

ääaget-Oel 

Crocus 
ins  Eins  zermahlen  und  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres  Eiter  auszuziehen^): 


Dattelmehl,  geröstet 
Mehl  von  Weizenspreu 
Natron 

qatsut*)-Körner 
erwärmt  als  Pflaster  auflegen. 


1 
1 
1 
1 


»)  Cfr.  Ebers  S.  97. 

')  Wörtlich:  Nest  von  Blut;  vermuthlich  Furunkel. 

^)  Brugsch.  Wort.  VII.  S.  1226.  „Kuchen  aus  zusammenge- 
pressten  Rosinen*'. 

*)  Brugsch.  Wort.  VI.  S.  682,  „wahrscheinlich  sorbiilum". 

*)  Luring.  S.  36.  „Ein  anderes,  welches  herbeibringt  die  ün- 
reinlichkeiten". 

«)  Luring  S.  36  „Eudivia.* 

Joachim,  Acgyptiüche  Heilkunde.  9 


—      130     — 

Ein  andres')  um  (Böses  am)  Hals  zu  vertreiben: 
Eine  gespaltene  Fiedermaos  als  Pflaster  auflegen,   um  ihn 
sogleich  zu  heilen. 

Ein  andres  Blut  um  den  Knöchel  zu  vertreiben: 

Roher  seht- Weihrauch 
Saure  Milch 

kochen,  in  ihre  Theile  trennen*),  in  zwei  Kugeln  machen,  die 
hervortretende  und  die  fallende'),  in  Oel  und  Baumöl  (?)  zer- 
reiben und  als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres  Krankheiten,  die  im  Innern  des  Flei- 
sches sind,  zu  vertreiben: 

sätet-Kuchen,  die  in  das  mesta-Getränk  (?)  geschüttet  sind, 
sobald  sie  vom  Feuer  gekommen,  als  Pflaster  auf  alles  Ueble 
legen. 

Ein  andres: 

§ätet-Knchen,  gemischt  und  erwärmt  in  Oel  und  Seesalz, 
als  Pflaster  auflegen  auf  allerlei  Wunden  und  alles  Ueble. 

Ein  andres: 

sens-Brod  in  Seesalz  mischen  und  als  Pflaster  auf  alles 
Ueble  legen. 

Ein  andres  Krankheiten  iü  allen  Gliedern  einer 
Person  zu  vertreiben: 

Beeren  vom  deqam^)-baum,  zerstossen,  in  Honig  thun  und 
als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres  für  den  kranken  Knöchel: 

Ein  hunnu-Geföss  mit  Wein  und  Wasser     1 
Seesalz  1 

Kuhfett  1 

in  Eins  kochen,  mischen  und  als  Pflaster  auflegen. 

Anfang  der  Mittel  den  Schenkel  geschmeidig  zu 
machen: 

Cyperus  1 

Fettes  Fleisch       1 


^)  nt  ist  mit  schwarzer  Dinte  dazwiscbengesch rieben. 

^  Die  saure  Milch  trennt  sich  durch  Kochen  in  Käse  und  Molke; 
Stern  übersetzt:  kochen  in  omnes  cibos.  L. 

^  Indem  die  Molke  steigt  und  der  Käse  sinkt.  Die  Stelle  ist 
übrigens  schwierig  und  die  Erklärung  zweifelhaft.  L. 

*)  Olivenbaum  nach  Brugscb;  vielleicht  Ricinusstrauch  (?). 


—     131     — 

Weizenmehl  1 

Honig  1 

in  Eins  zermahlen  und  als  Pflaster  auf  den  Schenkel  legen. 
Ein  andres  für  ein  gequetschtes  Bein: 

Gehackte  Spreu,    in   Wasser    erweichen    und    als    Pflaster   LXXVII. 
darauf  legen,    um  ihn  sogleich  zu  heilen.    Es  ist  auch  zu  be- 
reiten für  jedes  beliebige  Glied*). 

Ein  andres  um  Krankheiten  im  Bein  zu  vertreiben: 
Mehl  von  qat-KÖmem        1 
t'as-Pflanze  1 

zerstossen  in  süssem  Bier,  kochen  und  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres: 

Heuschrecken  *),  in  einem  Stein mörser  zerstossen  mit  allen 
Dingen,  die  dazu  gehören')  und  als  Pflaster  auflegen. 

Ein    andres  Mattigkeit^)    (in  den  Beinen)    zu  ver- 
treiben: 

seset-Pflanze  1 

dehui-Beeren  1 

•   Mehl  von  pesen  (?)-Brod         1 
in   rohen    Dattelsaft    schütten    und  als   Pflaster    auf   die   Füsse 
legen. 

Ein  andres  den  Schenkel  geschmeidig  zu  machen: 
sesqa-Kömer 
Roher  Dattelsaft 
Oehua-Beeren 
Seesalz 
Kuhfett 
Kuhtalg 
Kuhfleisch 
Kuhmilz 

Hefe  von  süssem  Bier 
Honig 
Lactuca 
Xet'-Pflanze 
in  Eins  zusammenschliessen  und  als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres  Krankheiten  im  Schenkel  zu  behandeln: 


^)  Wortlich:  für  jedes  Glied,  das  Du  willst. 

^  Ebers  S.  21. 

^  Butter,  Spezereien  etc.  L. 

*)  Aegyptisch:  gab  =  Mattigkeit,  Schwäche;   cfr.  Luring  S.  37. 

9* 


—      132     — 

Dickes  t'ät-Oel  1 

Mehl  Ton  pesen  (?)-Brod        1 

Seesalz  1 

Rothes  Natron  1 

fas-Pflanze  1 

äagut-Eorner  1 

Hefe  von  süssem  Bier  1 

Lactuca  1 

in  Eins  kochen  und  als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres  den  Schenkel  geschmeidig  zu  machen: 

Oel  1 

Honig  1 

penest-Eömer  1 

Beere  von  xaslt^)-Pflanze        1 

öehui-Beeren  1 

Beere  von  Crocus  1 

Beere  von  sames-Pflanze         1 
zermahlen  und  als  Pflaster  auflegen. 

Ein  andres  den  Fussschweiss  bei  einer  Person  zu 
vertreiben: 

uadu-Pflanze  des  Feldes 

Aal  des  Kanals 
in  Oel  aufwärmen  und  damit  die  beiden  Füsse  bestreichen. 
Mittel  für  den  kranken  Fuss: 

sasa*)- Stücke 
zermahlen,    zerreiben,    in    mesta-Wasser  (?)   schütten    und    als 
Pflaster  auflegen,  um  ihn  zu  heilen. 

Ein  andres  die  kranken  Zehen  zu  heilen: 

Fett 

Honig 

Weihrauch 

Grünspansalbe 

Trockene  Myrrhen 
kochen  und  als  Pflaster  auflegen. 
Ein  andres: 

besbes')-Kömer  1 

Harz  von  Acanthus         1 


')  Brugsch.  Wort.  VI.  S.  896.  „Mohnpflanze". 

*)  Brugsch.  Wort.  VII.    S.  1226.    „Kuchen   aus   zusam menge- 

»)  Brugsch.  Zeitschr.  f.  ägypt.  Spr.  1881.  S.  33.  „Fenchel«. 


—     133     — 


Harz  vom  mafet-Baiim 

Xesalt*) -Pflanze 

Wachs 

Teig  von  Acanthus 

Weihrauch 

Frisches  Baumöl  (?) 

xe8alt*)-Komer 

Alo8-K5mer 

Cyperus 

Das  Fette')  vom  Cederbanm 

Das  Fette')  vom  uän-Baum 

Wasser  vom  Regen  des  Himmels 

Trockene  Myrrhen 

Absynth 

Beeren  vom  uän-Baum 

Wachhoiderbeeren 
zermahlen,  zerreiben  und  auf  die  Zehen  4  Tage  lang  als  Pflaster 
legen. 

Ein  andres  Hühneraugen')  an  den  Füssen  zu  ver- 
treiben: 

Wachhoiderbeeren 

Oehui-Beeren 

Beeren  von  der  sames-Pflanze 

Kuhfett 
kochen  und  4  Tage  als  Pflaster  auflegen^). 

Anfang  der  Mittel  für  den  kranken  Rücken  oder 
das  Rückgrat^)  (?),  nachdem  Da  ihm  die  Mittel  der 
Kühlung  gemacht  hast: 

Harz  von  Acanthus 

Harz  von  Zizyphus  Lotus 

Grüne  Bleierde  (?) 

Grünspanpnlver 

Das  Innere  von  der  ut'ält-Frucht 
zermahlen  und  damit  bepflastern. 


LXXVIII. 


1 
1 
1 
1 


V 

1% 


*)  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  1. 

*)  Wir  haben  wahrscheinlich  hier  das  ägyptische  Wort  äd  = 
adeps;  Fett  von  Bäumen  ist  wohl  =  Harz  oder  Gummi.  L. 
*)  Aegyptisch:  ab  d.  h.:  das  Horn.  L. 
^)  Hier  ist  im  Papyrus  eine  Lücke  von  einer  halben  Zeile. 
*)  Luring  S.  68.  »Schienbein  und  Wade,  Knie". 


k 


—      134      — 

Wenn  Du  den  Rücken  oder  das  Rückgrat*)  (?)  krank 
findest,  Wasser  rollt  hinter  ihnen  (?),  übel  ist  ihr  Ge- 
ruch, sie  bringen  den  sa')-Wurm  hervor,  so  sag  Du 
dazu:  „er  ist  krank,  ich  werde  (ihn)  behandeln^;  mach 
Du  ihm  die  Mittel,  den  sep*)-Wurm  zu  tödten: 

sa')-Kom  des  Südens  7„ 

8a*)-Kom  des  Nordens  Vss 

8efet*>0el  7^ 

zermahlen  und  als  Pflaster  legen  ^). 

Ein  andres  für  nent  des  Rückgrates  (?)*)• 

Honig  V, 

Grüne  Bleierde  (?)     7^^ 

Sesam  7ij 

Knoblauch  733 

äbu-Pflanze  733 

ebenso  und  als  Pflaster  legen  ^). 
Ein  andres: 

Honig  7, 

Grüne  Bleierde  (?)       7^^ 

Oel  73«  ebenso. 

Ein  andres  das  kranke  Rückgrat*) (?)  zu  heilen: 

Grüne  Bleierde  (?) 

Natron  • 

Bleivitriol  (?) 

Mennige 

Eine  Flasche  von  he-Platz-Kömem 

Rothe  Kömer 

nes&l-Kom 

kochen,   in  eine  Kugel  machen.     Nachdem  Du  diese  Kugel 
bereitet  hast,  mach  Du  eine  Salbe  (bestehend)  aus  Talg, 
Fett,  Honig  und  Oel;  in  Eins  zermahlen  und  darauf  thun. 
Ein  andres.     Mittel  für  das  Rückgrat*)  (?): 

Mennige  1 


»)  Luring  S.  63  „Schienbein  und  Wade". 
')  Luring  S.  37.  „Filaria medinensis* ;  cfr.  Hartmann  ,Natur- 
geschicbtlich-mediciniscbe  Skizze  der  Nilländer".  S.  402. 
*)  Luring  S.  99.  „Natron«. 
*)  Ein  heiliges  Salböl. 
*)  Wörtlich:   damit  bepflastern. 
^  Luring  S.  37  „ Winkel  des  Schienbeins,  Knie". 


—     135     — 


Scherben  von  einem  neuen  hennu-Gefäss       1 
Roher  Honig  1 

als  Pflaster  legen*). 

Ein   andres   nent*)  za  heilen,    die  zur  Erde  fällt; 
mach  Du  ihm: 

Natron  1 

Weihrauch  1 

Oel  1 

Grüne  Bleierde  (?)  1 
und  dazu  fügen  Natron. 

Ein   andres  das  Zittern')  in  den  Fingern  zu    ver- 
treiben: 

Beere  von  der  teunen-Pflanze 

Kuhfett 

sesqa-Kömer 

mich 

Seesalz 

Sycomore 

kochen,  in  Eins  machen  und  als  Pflaster  legen*). 

Ein  andres: 

Weihrauch 
Kümmel 
Wachs 
Mennige 

netr-tit  *)-Kömer 
Honig 
Feigen 

Grüne  Bleierde  (?) 
in  Eins  kochen  und  als  Pflaster  legen*). 

Ein  andres  Zittern  in  allen  Gliedern  einer  Person 
zu  vertreiben: 

Dumpalmen^cht       1 
Knoblauch  1 

Honig  1 

Kupfer-Grünspan        1 


LXXIX. 


0  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  5. 

*)  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  6. 

«)  Luring  S.  38  „Chiragra**. 

*)  Brugscb.   Wort.  VU.  S.  1311  „Gotteskoth«. 


-      136     — 

die  Haut')  eines  Hundes  (HundefeU)  auf  ihn  thun;  drück  nicht 
die  Hand  auf  ihn. 
Ein  andres: 

Dampalmenfmcht       1 
Zwiebeln  (?)  1 

Grünspan  1 

kochen,  darauf  legen,  drück  Du  nicht  die  Hand  auf  ihn. 

Anfang    der  Salben    die  metu ')    fest    zu    machen; 
Mittel  die  metu'^  zu  stärken'): 

Katzenöl  1 

Fauliges  Holz  *)  (?)  1 

Domen  (?)  des  äqru-Baumes       1 
in  Eins  machen  und  damit  salben. 
Ein  andres: 

Beeren  von  Coriander  1 

Leder  des  Schuhmachers*)      1 
sesqa-Kömer  1 

in  Eins  zermahlen  und  damit  salben. 
Ein  andres: 
Wurmöl  damit  salben. 

Ein  andres  um  gegen  alles  zu   schützen  (?): 
Kuchen  von  Durrabrod  1 

Oehui-Beeren  1 

t'as-Pflanze  1 

als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 

Ein  andres  den  met*)  in   der  linken  Hälfte   zu  be- 
handeln: 

Feigen  7^ 

Sebesten  Ys 

Trauben  7^ 

äsu-Pflanze^)  (?)  7„ 

Wein  7, 

änest-Pflanze  7$ 

Beeren  vom  uän-Baum  7js 


')  Aegyptisch:  sa;  die  Bedeutung  ist  zweifelhaft. 
^  Das  Wort  met,  Plural  metu  bezeichnet  „die  Gänge,  Muskeln, 
Nerven,  Adern". 

')  Wörtlich:  süss,  angenehm  machen. 

*)  LuringS.109  „Bohrmehl?";  Ebers S.  128 „arab.HolzpuWer?" 

*)  Wörtlich:  des  Sandalenmachers. 

«)  ßrugsch.  Wort.  V.  S.  Ul  „eine  liebliche  Pflanze«. 


—     137     — 

7: 


sut-Pflanze  des  Südens 

Weihrauch 

Kümmel 

Zwiebeln  (?) 

Grüne  Bleierde  (?) 

Brod  von  Zizyphus  Lotus 

Blüthen  von  Cucumis  melo 


aa 


/, 

/ 


64 
39 

8 


8 

Süsses  Bier  1  denä 

feucht  stellen,  durchseihen,  4  Tage  einnehmen. 

Andre  Mittel  für  die  linke  Hälfte: 

Feigen  V, 

Sebesten  7$ 

Weinbeeren  ^/^ 

Zwiebeln  (?)  7„ 

anest-Pflanze  Yg 
Grüne  Bleierde  (?)       7,, 

Teig  Va, 

Nasturtium  ^/^^ 

Weihrauch  7^^ 

Kümmel  ^/^^ 

Brodteig  7^ 

Wein  7, 

sexept-Saft  7» 

sert-Saft  7, 

feucht  stellen,  durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 

£in  andres: 

Feigen  7, 

Sebesten  ^/^^ 

Trauben  7^ 

änest-Pflanze  7« 

Zwiebeln  (?)  7^ 

Teig  7„ 

Grüne  Bleierde  (?)  7„ 

Wasser  1  denä 

feucht  stellen,   4  Tage  einnehmen. 

Ein    andres    den  met*)   des    Schenkels    geschmei 
dig  zu  machen: 

Seesalz  1 

nehedet')-Kömer  1 

1)  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  2. 

^  Ebers.  S.  69.  „Zahnkrautkörner". 


—      138     — 

Fett  von  Ibex  nubiana 

Honig 

Weihrauch 

Crocus 

hunta-KÖrner 

• 

Galmei 

Knoblauch 

KupferfeilspäJine  ^) 

Ziegenfett 

Kümmel 

Oel 

Natron 

zermahlen  und  damit  bepflastern. 
LXXX.  Ein  andres  um  zu  reizen*)  LXXX.  und  zu  stärken: 

die  motu')  in  jedem  Glied: 

Fleisch  von  einer  fetten  Kuh  damit  die  kranken  Stellen  be- 
pflastern (auf  die  kranken  Stellen  als  Pflaster  legen). 

Ein  andres;    Gesundheitssalbe^)   für    die  Knochen 
in  jedem  Glied  einer  Person,  der  Wahrheit  gemäss: 

Natron  1 

ua§ebt-Körner  1 

Fett  1 

Schwarzer  Messerstein        1 

Honig  1 

in  Eins  machen  und  als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 

Salbe   alles    Mögliche    geschmeidig   zu    machen^): 

Teig^  1 

peres-Kömer  1 

Myrrhen  1 

Grüne  Bleierde  (?)  1 

Kuhfett  1 

Wachs  1 

motu  ^) 
kochen  und  als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 


*)  „Kupferrost".  Zeitschr.  für  ägypt.  Sprache  und  Alterthums- 
kunde  1881.  S.  26. 

^  Eigentlich:  Stechen. 

3;  Cfr.  S.  136.  Anm.  2. 

^)  Eigentlich:  Salbe  gesund  zu  machen  etc. 

^)  Oder:  „Salbe  für  jedwede  Schwäche.*  L. 

^  Ist  nicht  recht  verständlich:  es  scheint  etwas  weggelassen  zu  sein. 


—     139     — 


Ein  andres: 

Schreibfarbe 

xent*)- Körner 

Kupferfeilspähne ') 

Weihrauch 

Honig 

Natron 

Seesalz 

Mennige 

Fett  von  Ibex  nubiana 
in    Eins   machen    und    4  Tage    als   Pflaster  legen   (damit  be- 
pflastern). 

Ein  andres: 

Fleisch  vom  när')-Fisch 

Hefe  von  süssem  Bier 

Cyperus 

Honig 
4  Tage  als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 
Ein  andres: 

usebt-KÖmer 

peres-Körner 

Kupferfeilspähne ') 

Hefe  von  seter*) -Trank 

Natron 

Fett  von  Ibex  nubiana 

Lactuca 

Eselskoth 

Lebende  tepau-Frucht  *) 

sesqa-Komer 

teun-Pflanze 

Dumpalmenfrucht 

Zwiebeln  (?) 

Bohnen 

Weisses  Oel 


0  Nach  Brugsch.  Wort.  VI.  S.  948  =  x^nti;  also  „grüne 
Bleierde?« 

^  Cfr.  vor.  Seite  Anna.  l. 

»)  Ebers.  S.  169  «Wels«. 

*)  Vielleicht  Opium;  determinirt  mit  dem  Ruhebett. 

^)  Luring.  S.  39.  „tepau  «»  Ausschlag,  Grind^;  Brugsch. 
Wort.  Vn.  S.  1325.  „Früchte«. 


—     140     — 

zermahlen,    in   Eins    machen  und  als  Pflaster  legen  (damit  be- 
pflastern). 

Ein  andres: 

Gröne  Datteln  1 

Gnlne  uam-KÖmer      1 

Kuhfett  1 

Honig  1 

als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 

Ein  andres  die  metu^)  die  Mittel  aufnehmen  zu 
lassen : 

Milch  einer  Frau,  die  einen  Knaben  geboren  hat,  stehn 
lassen  in  einem  neuen  hennu-Gefass,  damit  die  Sahne  davon 
absteht;  damit  alles  Kranke  bestreichen. 

Ein  andres: 
Menschen- ter  (oder  sa')),  Schaum  von  Bier 
damit  bestreichen. 

Mittel  für  den  met'),  ihn  in  jedem  Glied  zu 
schützen: 

Frucht  des  äm-Baumes       1 

teun-Pflanze  1 

Naturhonig  1 

in  Eins  machen  und  damit  bepflastern. 

Ein  andres: 

Kuhfleisch  1 

MUz  1 

Seesalz  1 

Weizenkorn  1 

Alraunen  1 
Fett  von  Ibex  nnbiana       1 

Kuhgalle  1 
damit  bepflastern. 

Ein  andres: 

Baumöl  (?)  1 

Weihrauch  1 

Natron  des  Nordens  1 

LXXXI.  sesqa-Kömer  1 


0  Cfr.  S.,136.  Anm.  2. 

^)  Die  üebersetzung  ist  unsicher! 

»)  Cfr.  S.  136.  Anm.  2. 


141     ~ 


äbra-Körner  1 

Honig  1 

Kuhfleisch  1 

damit  bepflastern. 

Ein    andres    die    metu^)    des    Ruckgrates')  (?)    zu 
stärken: 

Wachs 

Kuhfett 

Harz  von  Acanthus 

Mehl  von  teun-Pflanze 

Stengel')  von  qadet-Pflanze 

sehetet-Kömer 

Kuchenmehl 

Zwiebelmehl  (?) 

Honig 
kochen  und  damit  bepflastern. 

Ein    andres   die    metu*)    des   Rückgrates'}  (?)    ge- 
schmeidig zu  machen: 

Weizenkomer       1 

DurrakÖmer  1 

Oel  1 

in    Eins    kochen    und  damit    bepflastern,   nachdem    es    gehörig 
aufgewärmt  ist. 

Ein  andres  die  metu^)  geschmeidig  zu  machen: 

Wachs 

Kuhfett 

Wachholderbeeren 

Frischer  Weihrauch 

Cyperus 

Beeren  von  Coriander 

Beeren  von  x^slt*)- Pflanze 

Beeren  von  Leinpflanze  (aapt) 

Xet'-Pflanze 

Collyrium 

kochen,  als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern)  und  in  Myrrhenöl 
weich  machen. 


>)  Cfr.  S.  136.  Anm.  2. 

*)  Luring  S.  63  ^Schienbein  und  Wade,  Knie**. 

^  Wörtlich:  das  was  am  Boden  ist. 

*)  Brugsch  Wort.  VI.  S.  896  „Mohnpflanze". 


—      142     — 


Ein  andres  die  metu')  der  Schulter  za  stärken'): 

Süsse  Myrrhen 

Weihrauch 

Absynth 

Beeren  von  abu-Pflanze 

Beeren  von  ämmest ')-Pflanze 

Cyperus 

Männlicher  Samen 

Spähne  vom  Cederbaum 

sesqa-Kömer 

Sebesten  von  Sycomore 

nesdt  von  Durra 
in  Eins  mischen  und  als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 

Ein  andres  die  metu')  in  jedem  Glied  zu  stärken'): 

Wachs 

Kuhfett 

Wachholderbeeren 

sefseft-Komer 

Absynth 

Seezunge-Körner 

CoUyrium 

Honig 

in  Eins  machen,    als   Pflaster  legen  (damit  bepflastern)    und  in 
Myrrhenöl  zerschmelzen. 

Ein   andres  die  metu*)  zu  beleben  und  die  metu^) 
zu  erfrischen: 

ähemt-Harz 

Weihrauch 

sefet*)-Oel 

Wachs 

Spähne  von  AI08 

Spähne  vom  uän-Baum 

Beeren  von  Coriander 

Schweinefett 

Rinderfett 


J)  Cfr.  S.  136.  Anm.  2. 

*)  Eigentlich:  zu  versussen. 

')  Loret.  „Recherches  sur  plusieurs  plantes  connues  des  aneiens 
Egypliens.*  Recuei  1  de  travaux  relatifs  k  la  pbilol.  et  a  farcheol. 
egypt.  Paris   1886.  S.  108:  „Änethum  graveolens  L." 

*)  Ein  heiliges  Salböl. 


—      143 


kochen,  als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern)  und  in  Myrrhenöl 
zerschmelzen. 

Eine  andre  Salbe  die  metu*)  zu  stärken*): 

äbra')-Oel  1 

Das  Innere  von  Weihrauch  1 

tenftä-Beeren  1 

Corianderbeeren  1 

damit  viele  Tage  einreiben.  LXXXII. 

Ein    andres    die    Gelenke*)    in    jedem    Glied    ge- 
schmeidig zu  machen: 

Honig 

Wachs 

Das  Innere  von  Weihrauch 

äbra»)-Oel 

mähui  *)- Flüssigkeit 

Zwiebelmehl  (?) 

sasa*)- Stücke 

Beeren  von  t'as-Pflanze 
in  Eins  zermahlen  und  damit  einreiben. 
Ein  andres: 

Beeren  vom  uän-Baum 

Knollen  von  der  tektek-Pflanze 

Harz  von  der  x^salt  ^)-Pflanze 

pere§-Kömer 

Beeren  von  Crocus 

Das  Abgeschabte  von  Weihrauch 

tepau^  vom  uän-Baum 
in  Eins  machen  und  als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 

Ein   andres   die  Verhärtung  in  jedem  Glied    einer 
Person  geschmeidig  zu  machen: 


0  Cfr.  S.  136.  Anm.  2. 

*)  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  2. 

^  Ein  heiliges  Salböl. 

*)  Aegyptisch:  re-ati;  d.  h.  die  Stelle,  wo  zwei  Glieder  münden; 
wörtlich:  „Mund  der  beiden  Glieder". 

*)  Brugsch.  Wort.  VI.  S.  563  , Wunderfrucht**. 

^)  Brugsch.  Wort.  VII.  S.  1226  „Kuchen  aus  zusammenge- 
pressten  Rosinen**. 

0  Brugsch  VI.  S.  896  „Mohnpflanze**. 

»)  Luring.  S.  39  „Ausschlag,  Grind«.  Brugsch.  Wort.  VII. 
S.  1325  „Früchte«. 


—      144     --. 


Natron 

Bohnen 

Oel  des  2.  Tages  ^) 

Oel  vom  Nilpferd 

Oel  vom  Krokodil 

Oel  vom  ädu -Fisch 

Oel  vom  när')- Fisch 

Weihrauch 

Süsse  Myrrhen 

Honig 
kochen  und  als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 

Ein  andres  die  metu')  geschmeidig  zu  machen: 

Rinderfett 

Hefe  von  Wein 

Knoblauch 

Mauerkohle 

Beeren  von  der  xastt*)-Pflanze 

Beeren  von  Oehui 

Beeren  von  t'as-Pflanze 

sa*)-Kom  des  Südens 

Weihrauch 

Myrrhenöl 
bestreichen  das  Fleisch*),  nicht  trocknen  lassen. 

Eine   andre   Salbe   die  Verhärtungen   geschmeidig 
zu  machen: 

Schweinefett 

Wurmöl 

Oel  von  äJ)8ersu-Thier 

Mauseöl 

Katzenöl 
in  Eins  sammeln  und  als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 

Ein  andres  das  Trockene^)  des  met')  geschmeidig 
zu  machen: 


*)  Sterns  Glossar  S. 24  „oleum  diebus  duobus  ante  factum." 
•-0  Ebers  S.  169  «Wels«. 
^)  Cfr.  S.  136.  Anm.  2. 
*)  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  7. 
*)  Luring  S.  98  „Natron". 
«)  „Die  Haut?" 

Ö  Stern  liest  määt  =  latus,  latera;  dies  Wort  giebt  hier  keinen 
Sinn.  t,. 


—      145     — 


yet'-Pflanze       1 

Fett                  1 

Kuhmilz           1 

Weihrauch        1 

Bohnen             1 

als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 

Ein  andres: 

Knoblauch 

Wassermelone 

Seesalz 

Honig  ' 

1 

Fett  von  Ibex  nubiana 

sesqa-Kömer 

Rindfleisch 

Alraunen 

Zwiebeln  (?) 

als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 

Ein  andres: 

Männlicher  Koth 

1 

Beeren  von  Coriander 

1 

Datteln 

1 

als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 

Ein  andres  das  Jucken*)  des  met')  zu 

stillen: 

t'ät-Oel 

1 

Trockener  Dattelsaft 

1 

Seesalz 

1 

Hefe  von  süssem  Bier 

1 

als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern) 

Ein  andres  den  met')  geschmeidig  zu  machen: 
Dumpalmenfrucht 
Bohnen 
ämää-Kömer 
Zwiebeln  (?) 
Spähne  vom  Cederbaum 
Spähne  vom  Maulbeerbaum') 
Spähne  von  der  Weide 
Spähne  von  Zizyphus  Lotus 


[   LXXXIir. 


')  Aegyptisch :  uiau  =  prurigo. 
»)  Cfr.  S.  136.  Anm.  2. 
')  Aegyptisch:  meri. 

Joacbiiii,  Aegyptisclie  UeiSkuude.  ]Q 


—     14G     - 


Spähne  von  Sycomore 

Spähne  vom  uän-Baum 

Harz  von  Acanthus 

Harz  von  Zizyphus  Lotus 

Harz  vom  äm-Baum 

Harz  von  Sycomore 

Rothe  Körner 

Beeren  vom  am-Baum 

Weisses  Oel 

Gänseöl 

Schweinekoth 

Wachholderbeeren 

Myrrhen 

Knoblauch 

Kräuter  des  Feldes 

usä^)  von  Cyperus 

Wassermelone 

tau*) -Pflanze 

besbes  *)-Körner 

abu-Pflanze  vom  Delta 

Abfall  von  der  Leinpflanze 

Seesalz 

Bergsalz 

äneb-Pflanze 

Mennige 

Grüne  Bleierde  (?) 

Natron 

Rinderfett 

§asa^)- Stücke 

in  Eins  machen  und  als  Pflaster  legen  (damit 

Ein  andres  die  Verhärtungen  in  jedem  Glied  hin- 
wegzunehmen: 

Lebendes*)  Fleisch         1 


bepflastern). 


0  Vielleicht:  „Domen,  Stacheln**.  L. 

2)  Brugsch.  Wort  VIL  S.  1310  »hordeum«. 

')  Brugsch  „Fenchel?« 

*)  Brugsch.    Wort  VlI.   S.  1226    „Kuchen   aus   zusammenge- 
pressten  Rosinen". 

*)  Wohl  so  viel  wie  -frisch**. 


—     147 


Lebender*)  Cyperus       1 

Honig  1         • 

zermahlen  und  als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 
Ein  andres: 

Kuhmilz  1 

Hefe  1 

sesqa-Komer         1 
in  Eins  zermahlen  und  als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 
Ein  andres: 

(Kuh)  Milz  1 

Xesalt  ^-Pflanze  1 

Weizenspreu  1 

Beeren  von  Oehui      1 

Seesalz  1 

als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 
Ein  andres: 

Zwiebeln  (?) 

Wachs 

Honig 

Leinpflanze  (aapi) 

Seesalz 

Hefe  1  ebenso. 

Ein  andres: 

Seesaiz  1 

Hefe  1 

t'ät-Oel  1 

Natron  1 

Lactuca  1  ebenso. 

Ein  andres: 

nesau  ')-Pflanze  des  Südens 

nesau ')-Pflanze  des  Nordens 

adehet*)- Pflanze 

taa*)-Pflanze 

sut-Pflanze  des  Südens 

Schreibfarbe 
als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 

*)  Cfr.  Tor.  Seite  Anm.  5. 

*)  Brugsch.  Wort.  VL  S.  896  „Mohnpflanze«. 

')  B  rug  seh.  Op.  cit  S.  698  „die  borstige  Pflanze*,  Oerste. 

*)  Papyrospflanze. 

*)  Brugsch.  Wort.  VII.  S.  1310  „hordeum«. 

10* 


—     148     — 


Ein  andres  Verhärtungen   in  jedem  Glied   zu  er 
weichen: 

t'ät-Oel 

Dattelsaft 

Seesaiz 

Hefe  von  Wein 

Natron 

Rinderfett 

Feigen 

Lactu  ca 

Honig 

Eselskoth 

Lebende  tepu-Kömer 

seneft')- Körner 

sesqa-Kömer 
kochen  und  als  Pflaster  legen')  (damit  bepflastern). 
Ein  andres: 

teun-Pflanze 

Zwiebeln^  (?) 

Dumpalmenfrucht 

Bohnen 

Oel 

Honig 
zermahlen  und  als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 
Ein  andres: 

/et'-Pflanze  1 

Rinderfett  1 

Bohnen  1 

Weihrauch  1 

als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 
Ein  andres: 

Dumpalmenfrncht 

Bohnen 

seps')- Pflanze 

Schwarzer  Messer(stein) 

Seezungekomer 

Zwiebeln  (?) 


*)  Gebort  zu  den  als  Opfer  dargebrachten  Körnern. 
^)  heres  ist  mit  rother  Tinte  dazwischengescbrieben. 
3)  Brugsch.  Wort.  VH.  S.  1180  „Edelkraut^ 


-      149 


Weihranch 
xet'-Pflanze 
Teig 
Mennige 
Alraunen 
Seesalz 
Honig 
zermahlen  nnd  als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 

Ein  andres: 

Hefe  1 

Dattelsaft         1 
Seesalz  1 

kochen  und  als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 

Ein  andres   Verhärtungen  in  jedem  Glied   zu  er- 
weichen: 

Honig 

Wachs 

Zwiebeln  (?) 

Absynth 

Beeren  vom  uän-Baum 

Beeren  von  Crocus 

Knollen  von  Cyperus 

Mentha  montana 

Oel 

Leinsamen  (?) 

Fett  vom  Cederbaum 

sert-Saft 

Beere  von  der  sames-Pflanze 

Weihrauch 

Grüne  Bleierde  (?) 

Pulver  von  ämää-Pflanze 
kochen  und  als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 

Ein  andres: 

Lehm ')  (?)  1 

Seesalz  1 

Süsses  Bier  1 

Sycomorenfrucht        1 
als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 


LXXXIV. 


')  Aegyptisch:  besen. 


—     150     — 

Ein  andres: 

äba-Pflanze 

sert-Pflanze*) 

sessäit-Eöraer 

Aloe 

Dumpalmenfrucht 

Cypenis 

Mentha  montana 

Grocusbeeren 

Corianderbeeren 

Oel  vom  Nilpferd 
als  Pflaster  auflegen  (damit  bepflastern). 
Ein  andres: 

Dumpalmenfracht       1 

Bohnen  1 

seps')- Pflanze  1 

Frische  Milch  1 

Sebesten 
sie  zerstossen  in  ätehennet') -Vogel,    sie   zerstossen   in    seinen 
Federn;  als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 
Ein  andres: 

Weisses  Oel 

Gänseschmalz 

Fett  von  Ibex  nubiana 

Das  Fette*)  vom  nän-Banm 

sefet*)-Oel 

Süsse  Myrrhen 

§asa  *)-  Stücke 

Knoblauch 

Wachs 
kochen  und  als  Pflaster  legen  (damit  bepflastern). 
Ein  andres: 

seneft^)-Kömer  1 


^)  Das  Determinativzeichen  ist  hier  ohne  Zweifel  falsch.  L. 
2)  Brugsch.  Wort.  VII.  S.  1180  „Edelkraut**. 
*)  Brursch.  Wort.  V.  S.  166  „Zugvogel^ 
*)  Cfr.  S.  133.  Anm.  2. 
')  Ein  feines  Salböl. 

^  Brugsch.   Wort.  VII.   S.  1226    „Kuchen   aus   zusammenge- 
pressten  Rosinen ''. 

0  Gehört  zu  den  als  Opfer  dargebrachten  Körnern. 


-     151      - 


Seesalz 

Honig 

Dattelsaft 

Natron 

sesqa-Körner 

Rinderfett 

Hefe 
kochen  und  damit  bepflastern. 

Ein  andres.     Mittel  za  machen  für  den  met'),  der 
in  jedem  Glied  hinläuft^: 

Sanre  Milch  1 

Brosame  von  sebet-Brod         1 
in  eine  Pille  machen,  erwärmen  und  damit  bepflastern. 
Ein  andres: 

nehed  ')-Körner 

Weihranch 

Beeren  von  der  xaslt^)-Pflanze 

Helxine 

sesqa-Komer 

Grütze*)  von  Durra 

Grocns 

Gyperos 

Fett  vom  Gederbaum 
kochen  und  damit  bepflastern. 
Ein  andres: 

Sycomorensaft 

Hefe  von  süssem  Bier 
kochen  und  damit  bepflastern. 

Ein  andres  sept*)  des  met^)  zu  vertreiben: 

uäh^)-Komer       1  zu  kauen  von  einer  Person 

Gänseeier 
in  den  Hintern  thun. 


1 
1 


I)  met  =  Gänge,  Muskeln,  Nerven,  Adern,  Sehnen  etc.  in  dem 
menschlichen  Körper. 

')  Aegyptisch:  nehept  =  „vorangehen^.  Brugsch  Wort.  VI. 
S.  686. 

>)  Ebers  S.  69.    „Zahnkrautkömer." 

<)  Brugsch  Wort.  VI.  S.  8%  »Mohnpflanze". 

^)  Luring  S.  158. 

^  .Unordnung?«  L;  Brugsch  Wort  VII.  S.  1181  »röthliche 
Flecken  zeifl^en«. 

0  Wohl  eine  Getreideart  (?). 


-      152     - 


Ein  andres: 

xeper-ur-Körner      1 
Wachs  1 

Honig  1 

damit  bepflastern. 

Ein  andres  die  metu^)  stark  zu  mächen: 
Rinderfett 
Weihrauch 
Wachs 
•  Beeren  vom  uän-Baum 

LXXXV.  Beeren  von  xaslt ')-Pflanze 

Alog 
Kümmel 
in  Eins  machen  und  4  Tage  damit  bepflastern. 

Eine  andre  Salbe  die  metu^)  zu  beruhigen'): 

CoUyrium 

Wachs 

Weihrauch 

Alog 

Trockne  Myrrhen 

Rinderfett 

Süsses  Baumöl  (?) 
4  Tage  damit  bepflastern. 

Ein  andres  die  motu*)  geschmeidig  zu  machen: 

Süsse  Myrrhen  1 

Spähne  vom  Cederbaum  1 

Dattelmehl  1 

Bauernöl  1 

in  Eins  kochen  und  4  Tage  damit  bepflastern. 

Ein    andres  Knoten^)    in  die  Höhe    zu   heben    und 
Verhärtungen  zu  erweichen: 

Dattelsaft  1 

Seesalz  1 

sefseft-Kömer       1 

Oel  1 


')  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  1. 
^  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  4. 
')  Eigentlich:  wiederherzustellen. 

*)  Aegyptisch:  qereft;  Brugsch  Wort  VII.  S.  1216  „ etwas  das 
sich  zusammengeballt  bat  im  Gesicht,  Drüse  oder  ähnliches''. 


153     — 


Natron                   1 

t'as-Pflanze           1 

in  Eins  machen  und  damit  bepflastern. 

Ein  andres  zu  erweichen: 

Natron 

1 

Seesalz 

1 

Fett  vom  Cederbaum 

1 

Hefe  von  Bier 

1 

damit  bepflastern. 
Ein  andres: 

Honig               1 
Seesalz            1 

Eselskoth         1 

kochen  und  damit  bepflastern. 

Ein  andres: 

Oel                             1 

Honig                         1 
Lebende  tepau*)       1 
kochen  und  damit  bepflastern. 

• 

Ein  andres  die  motu")  zu  erfrischen: 

Rinderfett                       1 

[ 

Eselsfett                         1 

L 

Widderfett                      1 

Dumpalmenfrucht           1 
ftehua-KÖrner                 1 

L 

Xasit  ')-Pflanze                1 
Seesalz                           ] 

damit  bepflastern. 

Was  zu  machen  ist  für  dei 

1  verhärteten 

met^ 

Pefferuiinz             1 

nesa  *)-Pflanze       1 

zerstossen  und  damit  bepflastern. 

Ein  andres  gegen  Alles  zu 

schützen^): 

Die  Seite  einer  Statue  *) 

1 

Mentha  montana 

1 

0  Brugsch  Wort.  VII.  S.  1325  „Frucht**. 

0  Cfr.  Seite  136  Anm.  2, 

"0  Brugsch  Wort.  VI.  S.  896  „Mohnpflanze* 

*)  Brugsch  Wort  VI.  S.  698  „Gerste-. 

*)  Unsicher! 

^  „Das  Abgeschabte?"  L. 


~      154     — 

sasa-Stücke  *)  1 

Oel  1 

Wachs  1 

kochen,  durchseihen  and  4  Tage  einnehmen. 

Ein  andres  Paroxy8men')(?)  der  uxedu  im  zittern- 
den Arm  zu  vertreiben: 

Durramilch,  die  Erbrechen  und  ebenfalls  Verwesung  be- 
wirkt; zu  trinken  6  hennu-Gefösse,  indem  man  es  erwärmt,  so 
dass  Erbrechen  folgt,  4  Tage  *). 

Anfang  der  Mittel  Krankheit  der  Zunge  zu  ver- 
treiben: 

Milch  gurgeln^)  und  auf  die  Erde  thun. 

Ein  andres  für  die  kranke  Zunge: 

Rinderfett  1 

äam-E5mer  1 

Kuhmilch  1 

Frisches  Brod       1 
kauen. 

Ein  andres: 

ämää-Kömer  1 

Much  1 

Gänseschmalz        1 
kauen. 

Ein  andres  die  kranke  Zunge  zu  heilen: 

Weihrauch  1 

Kümmel  1 

Grüne  Bleierde  (?)         1 

Gänseschmalz  1 

Honig  1 

Wasser  1 

kauen  (9  Mal?). 

Ein  andres: 

Collyrium  1 

Crocus  1 

Grüne  Bleierde  (?)  1 


1)  Brugsch  Wort  VII.  S.  1226  „Kuchen  aus  zusammengepress- 
ten  Rosinen'*. 

3)  Aegyptisch:  tehennu;   die  Uebersetzung  ist  unsicher! 

>)  Die  Uebersetzung  dieses  kleinen  Abschnittes  ist  ganz  unsicher  I 

*)  Eigentlich:  kauen. 


-      155     -- 


Rupferschlacken 
Honig 
zennahlen  und  darauf  legen. 

Ein  andres: 

xesu-KÖmer  1 

Brodteig  1 

Zwiebeln  (?)         1 
Honig  1 

"Wasser  1 

kauen  LXXXVI.  9  mal  (?). 

Ein  andres: 
Sebesten 
Zwiebeln  (?) 
Grüne  Bleierde  (?) 
Honig 
Wasser 

Ein  andres: 

Harz  von  Acanthus 

ämää-Eömer 

Grüne  Bleierde  (?) 

Nasturtium 

Bohnen 

Alraunen 

Alabastermehl 

Honig 


1 
1 


LXXXVI. 


ebenso. 


ebenso. 


Anfang  der  Mittel  die  äepen^)-Krankheit  zu  ver- 
treiben, die  den  Körper  eines  Mannes  oder  einer  Frau 
überzieht: 

Seesalz  7* 

Weihrauch  Y^ 

Frische  Much       V, 
in  den  Hintern  giessen;  auch  wird  es  gemacht,  ohne  Weihrauch 
hinzuzuthun. 


£in  andres: 
Urin 

Zwiebeln  (?) 
Oel 


7,  ebenso. 


»)  «Die  Räude.«  L;  Brugsch  Wort.  VIT.  S.  1181  „rothe  Flecken 
zeigen'^ ;  im  Berl.  med.  Pap.  findet  sich  ein  Recept,  die  sepen-Krank- 
heit  im  Urin  zu  vertreiben. 


1  oH     — 


Ein  andres: 

Frische  Milch 

V. 

Baumöl  (?) 
Kapferrost ') 
Collyrium 
Honig 
Es  ist  berühmt,  die 

7g  ebenso, 
u/edu  zu  vertreiben. 

Mittel  ein  stinken 

des  Geschwür  im  Sommer  zu  ver- 

iben: 

Weihrauch 

1 

äbu-Pflanze 

1 

Wachholderbeeren       1 

Myrrhen 

1 

in  Eins  sammeln  und  damit  salben. 

Ein  andres  stinkendes  Geschwür  im  Körper  eines 
Mannes  oder  einer  Frau  zu  vertreiben: 

Zerstossene  Zwiebeln  (?)  in  eine  Kugel  machen  und  damit 
den  Körper  salben. 

Ein  andres: 

Straussenei ,    Schildkrötenschale ,    Dornen    vom    am  -  Baum 
erwärmen  und  damit  salben;  werde  Du  nicht  dabei  müde. 

Ein  andres: 

Weihrauch,  Teig 
in  Eins  mischen,  in  eine  Kugel  machen;  auf  den  Ort  thun,  wo 
ein  Glied  sich  mit  dem  andern  verbindet''). 

Mittel  Eczem*)  im  Kopf  zu  vertreiben: 

Durramehl  zermahlen  und  erwärmt       '/s 

Dumpalmenmehl  erwärmt  Yj 

Weiches  Fett  7, 

in  Eins  machen,  damit  einölen  und  seinen  Kopf  verbinden ;  seinen 

Kopf   auf   die  Erde  neigen;    nicht   irgend    ein  (andres)   Mittel 

darauf   anwenden.     Nachdem    sein   Kopf   mit   Salbe    von 

diesen  Ingredienzien  bestrichen  worden  ist,  werde  er 

dann  eingeölt  in  Fischöl  den  2.  Tag;  einölen  in  Nilpferdöl 

den  3.  Tag;  einölen  in   äbrä-Oel  den   4.  Tag;   bestreichen  mit 

Brodmehl  und  faulem  Getreide,  um  seinen  Kopf  jeden  Tag  thun. 


*)  Cfr.  Zeitsebr.  für  ägypt.  Spr.   und  Alterthumskunde.     1881. 
S.  26. 

*)  Die  üebersetzung  ist  nicht  sicher I 

^  Aegyptiscb :  tepau  =  Grind,  Ausschlag. 


-     157     — 

Mittel  das  Fleisch  zu  theilen^:  LXXXVII. 

Esalsmilch  Vs  ^^"^ 

Harz  von  Acanthus  Vis 

Indigo  Vie 

duat-Pflanze  Vss 

Nüsse  von  Pistacia  terebinthus  Yaa 

Honig  Vi6 

kochen,  durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 

Ein  andres  die  Hautfarbe  zu  ändern: 
Honig  1    • 

Rothes  Natron      1 
Seesalz  1 

in  Eins  zermahlen  und  damit  den  Körper  salben. 

Ein  andres  den  Körper'^)  zu  verschönern: 
Alabastermehl       1 
Natronmehl  1 

Seesalz  1 

Honig  1 

in  Eins  in  diesem  Honig  mischen  und  den  Körper  damit  salben. 

Ein  andres  Runzeln  *)  des  Gesichtes  zu  vertreiben: 
Weihrauchkuchen  1 

Wachs  1 

Frisches  Baumöl  (?)        1 
Cyperus  1 

zermahlen,    zerreiben,  in  frische  Milch  thun,   G  Tage  auf  das 
Gesicht  thun;  sieh  Du  zu! 

Ein  andres  das  Gesicht  glatt  zu  machen: 
Kuchenmehl  in  Quellwasser  (thun);  nachdem  sie  ihr  Gesicht 
jeden  Tag  gewaschen  hat,  salbe  sie  ihr  Gesicht  damit. 

Ein  andres: 

Riüdergalle,  Oel,  Teig,  zerstossenes  Straussenei,  bedet*)-Salz, 
hautet-Harz;  mischen,  zu  einem  Brei  machen,  in  frischer  Milch 
mischen  und  das  Gesicht  damit  täglich  waschen. 


0  Lürin^  S.39  „von  gesundheitsschädlichen  Stoffen  zu  befreien". 

^  D.  b.  die  Haut ;  also  ein  Schminkmittel. 

^  Aegyptisch:  qereft;  LiebJein  hält  es  fur  ,  Ausschlag, 
Flecken*;  Brugsch  VII.  S.  1261  „etwas  das  sich  zusammengeballt 
hat  im  Gesicht,  Druse  oder  ähnliches*'. 

*)  Brugsch  Wort.  V.  S.  462  „eine  besonders  reine  Natronart". 


—     158     — 

Ein  andres: 

sefet^)-Oel,  Honig,  bedet ')-Salz,  hantet-Harz 
zu  einem  Brei  machen,  in  frischer  Milch  mischen  und  das  Ge- 
sicht damit  sehr  oft  waschen. 

Ein  andres: 

Wasser  von  der  qebu-Pflanze,  Alabastermehl,  Kuchen,  frische 
äbt')-E5mer;  in  Honig  mischen,  zu*  einem  Brei  machen,  in 
Menschenmilch  mischen  und  das  Gesicht^)  damit  salben. 

Ein  andres  Schwinden^)  des  Gesichts  zu  vertreiben: 

Das  Innere  des  kesebt')-Baumes  in  Mennige  mischen  und 
auf  das  Gesicht  sehr  häufig  bringen. 

Ein  andres  Blatfressen^)  im  Körper  zu  vertreiben: 


Mehl  von  ämää-Pflanze 

Scherbenpulver 

Mehl  von  bedet*)-Korn 

dehui-Beeren 

• 

Naturhonig 

Roher*)  Dattelsaft 

in  Eins  machen,  in  einen  Brei  machen 

und  damit  bepflastern. 

Ein  andres  gegen  Blutfressen: 

Dattelsaft 

Zwiebeln  (?) 

dehui-Beeren 

Scherben 

Granit 

Was  in  ut'ält-Frucht  ist 

Saure  Milch 

LXXXVIII.  in  Eins  machen  und  damit  bepflastern  4  Tage. 

Ein  andres  gegen  Blutfressen  in  jedem  Glied: 
Knoblauch  in  Fett  zerstossen,  darauf  legen. 


1)  Ein  heiliges  Salböl. 

')  0fr.  vor.  Seite  Anm.  4. 

')  Brugsch  Wort  V.  S.  205  »ein  mit  Kunst  geschnittener 
Stein«*. 

4)  her  s=  Gesicht  ist  nachträglich  mit  blasserer  Dinte  einge- 
schoben. 

^)  Aegyptisch:  betau  =  Runzeln. 

•)  Ricinusstrauch  (?). 

0  »Blut  zu  vertreiben,  das  im  Innern  des  Korpers  frisst".  L. 

^  Cfr.  vor,  Seite  Anm.  4. 

')  X^P^**  t'esef  =  »selbst  entstanden"  ist  nachträglich  hinzu- 
gefügt. 


—     159     — 

Ein  andres: 

Teig,  in  Natron  nnd  änIt-Pflanze  mischen, 
auf  jedes  Glied  than,  in  dem  (das  schädliche)  Blnt  ist^). 

Was    zu  machen    ist  um  Splitter,    die    im  Fleisch 
sind,  auszuziehen*): 

per-halbalt-Vogel,  Honig 
darauf  legen. 

Ein  andres: 

Wurmblut')  kochen  und  in  Oel  zermahlen;  äpnent*)-Thier, 
?ibgestochen ,  abgekocht,  abgesondert^)  in  Oel,  darauf  thun  (auf 
seine  Oeffnung^);    Eselskoth    in    frischer   Milch    mischen    und 
darauf  (auf  seine  Oef^ung^))  legen. 
Ein  andres: 

Samen  von  dem  männlichen  und   weiblichen  Geschlechts- 
theil  darauf  thun. 
Ein  andres: 

Schädel  vom  när^)-Fi8ch,  in  Oel  gekocht,  auf  seinen  oberen 
Theil  [die  Spitze  des  Splitters]  legen,  damit  er  hervorkommt. 
Ein  andres: 
Weihranch,  Teig,  Seesalz,  Wespenkoth,  Fett,  Meimige,  Wachs 
darauf  legen;  es  zieht  das  Wasser  (den  Eiter)  von  ihm  heraus. 
Mittel  gegen  eine  Ritze,    die  geschnitten  ist,    so 
dass  das  Blut  aus  ihr  herauskommt: 
Zwiebel  (?) 
Honig 

Seezunge-Körner 
Sycomore 

Beeren  von  der  t'as-Pflanze 
in  Eins  machen  und  darauf  legen  ^. 


^  Hier  zeigt  der  Papyrus  eine  grossere  Lücke,  jedoch  wie  es 
scheint,  ohne  Unterbrechung  des  Textes. 

^  Loret  Le  yerbe  sed  et  ses  derives.  Recueil  des  travaux 
relatifs  ä  la  philologie  et  ä  Tarcheol.  ^gypt  et  assyr.  Vol.  XI.  S.  131. 

*)  Stern  liest  mäfed  nu  heft  =  die  (ausgepressten)  Säfte  des 
Wurmes. 

*)  Ebers  S.  169  „Maulwurf?" 

»)  Ebers  S.  26. 

^  Im  Papyrus  ist  re  =»  Oeffnung  (foramen)  mit  rother  Tinte 
durchgestrichen. 

^  Ebers  S.  169  „Wels**. 

')  Hier  findet  sich  wieder  eine  bemerkenswerthe  Lücke;  wie  es 
den  Anschein  hat,  ohne  Unterbrechung  des  Textes. 


—      IGO     -• 

Mittel  allerlei  Zauber  zu  vertreiben:   . 

Einem  grossen  Scarabäus  seinen  Kopf  und  seine  beiden 
Flügel  abschneiden;  kochen,  in  Oel  thun  und  darauf  bringen. 
Wenn  Du  nachher  wünschst  ihn  (den  Zauber)  zu  ver- 
treiben^), so  wärme  seinen  Kopf  und  seine  beiden  Flügel  auf; 
in  Oel  des  äpnent')- Wurmes  thun,  kochen  und  es  die  Person 
trinken  lassen. 

Ein  andres.  Mittel  gegen  uases-Geschwür'): 
Menschenmilch ,  Sasa*)- Stücke,  Granit  des  äny-Metalles, 
mischen  in  Abfall  von  der  Leinpflanze,  Schildkrötenschale  in 
gleicher  Weise  sammeln,  nicht  trocknen  lassen;  setze  dazu  Un- 
rath  von  dem  Messerstein;  gieb  Du  es,  damit  das  Blut  fallt 
(sinkt). 

Ein  andres: 

Bodensatz  von  Hefe,  äsemu*)-Metall,  Sand,  Myrrhen 
zerreiben  und  damit  salben. 

Ein  andres: 

Durra,  kochen,  Quellwasser,  Collyrium 
damit  salben. 

Ein  andres: 

Taubenblut,  Gänseblut,  Schwalbenblut  ^),  Geierblut 
damit  salben. 

LXXXIX,  Zerriebenes  von  Kupfergrünspan %  Milz 

in  Eins  zermahlen  und  damit  salben. 

Der  Beginn  von  den  Mitteln  den  Zahn  zu  stärken'): 
Dumpalmenfruchtpulver      1 


J)  der  =  vertreiben  ist  mit  schwarzer  Tinte  eingeschoben. 

')  Ebers  S.  169.  „Maulwurf?« 

^  Luring  S.  41  „ein  bestimmtes  Blutgeschwür*. 

*)  B  rugs  eh  Wort.  VII.  S.  1226  „Kuchen  aus  zusammenge- 
pressten  Rosinen"« 

^)  Nach  Lepsius  [Abhandl.  der  Konigl.  Akad.  der  Wiss.  Phil.- 
histor.  Gl.  1871  S.  43]  „^iXtxTpoc". 

^  Zunächst  stand  im  Papyrus  menit  =  Taube,  so  dass  dann  in 
demselben  Recept  zweimal  Taubenblut  verordnet  worden  wäre.  Es 
ist  dann  mit  rotber  Dinte  das  „i"  weggestrichen,  und  es  blieb  so 
ment  =  Schwalbe. 

0  Mit  rother  Dinte  steht  hier:  qem-sen  =  gefunden  zerstört;  d.  h. 
der  Schreiber  hat  die  betreffende  Stelle  im  Original,  aus  der  er  ab- 
schrieb, zerstört  gefunden;  cfr.  S.  12.  Anm.  2. 

^  Wörtlich:  festmachen,  cioraöelv. 


—     161     - 

Grüne  Bleierde  (?)  1 

Honig  1 

in  Eins  machen  und  damit  den  Zahn  abreiben  (reinigen^)). 
Ein  andres: 

Pulver  vom  Kieselstein*)        1 

Grüne  Bleierde  (?)  1 

Honig  1 

den  Zahn  damit  abreiben^). 

Das   Wachsen  der  uyedu   in    den  Zähnen    zu    ver- 
treiben: 

Brodteig 

Bohnen 

Honig 

Grünspan 

Grüne  Bleierde  (?) 
zermahlen,  reiben  und  auf  den  Zahn  bringen. 

Ein  andres  den  Zahn  zu  behandeln,   der  bis  zum 
obern  Theil  des  Fleisches')  frisst*): 

Kümmel  1 

Weihrauch         1 

Zwiebeln  (?)     1 
reiben  und  auf  den  Zahn  bringen. 

Ein  andres  den  Zahn  zu  stärken^): 

Weihrauch  1 

Grüne  Bleierde  (?)     1 

Granspan  1 

reiben  und  auf  den  Zahn  bringen. 
Ein  andres: 

Wasser       1 

Absynth      1  ebenso. 
Ein   andres  Zähne  in  Kau(mitteln)  zu  behandeln: 

ämäa-Pflanze  1 

Süsses  Bier  1 

sut-Pflanze  des  Südens      1 
kauen  und  auf  die  Erde  thun. 


0  Aegyptisch:  u§a  =  nacb  Brugscb  Wort.  V.  S.  344  „entleeren, 
leer  machen,  ausschütten". 

^  Aegyptisch:  beunut;  cfr.  Brugsch  Wort.  V.  S.  430. 
')  Mit  „obern  Theil  des  Fleisches"  ist  die  Gingiva  gemeint. 
*)  Kigentlich:  juckt,  nagt. 
*)  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  8. 

Joachim,  Aegyptiscbe  Heilkunde.  1  1 


~      162     — 

Ein  andres  bennut^)-Blasen  in  den  Zähnen  zu  ver- 
treiben and  das  Fleisch  wachsen  zu  machen: 

Kuhmilch  1 

Frische  Datteln         1 

uäh  ')-Kom  1 

feucht  stehn  lassen  und  kauen  (9  mal). 

Ein  andres: 

anest-Pflanze 

Brodteig 

Grüne  Bleierde  (?) 

Sebesten 

Kuchen 

Oäam-Pflanze 

besbes-Kömer  ^ 

Baumol  (?) 

Wasser  ebenso. 

Ein  andres  die  Zähne  wachsen  zu  lassen^)  und  die 
Zähne  zu  behandeln: 

Crocus  1 

duat-Pflanze         1 

Susses  Bier  1 

kauen  und  auf  die  Erde'  thun. 

Ein  andres.  Mittel  zur  Behandlung  des  Blutfressens 
im  Zahn'^): 

qebu-Frucht  7,, 

Zwiebeln  (?)         7^^ 

Kuchen  7i6                                • 

Brodteig  Vg 

anest-Pflanze  7« 

Wasser  7j 

feucht  stehn  lassen  und  4  Tage  kauen. 

Anfang    der    Mittel  Flöhe ^)  (?)  und   Läuse^)  (?)   zu 
vertreiben: 


')  Runde  Blasen;  vielleicht  Zahngeschwör? 

')  Wohl  eine  Getreideart  (?). 

^  Brugsch.   Zeitschr.  f.  ägypt.  Spr.  1881.  S.33.  „Fenchel". 

*)  «Starken«  L. 

*)  „Fressen  des  Blutes  im  Zahn."  L. 

^  Aegyptisch:  dehert. 

0  Aegyptisch:  selit;  Brugsch  WGrt.  VII.  S.  1027. 


-     163     — 

Dattelmehl  V, 

Wasser  7s 

kochen  zu  einer  Portion  von  2  hennu-Gefässen  und  warm  trin- 
ken; nachher  ausspeien  lassen,  nachdem  er  es  gemacht  hat,  um 
die  Flohe  *)  und  Läuse  *)  zu  vertreiben ,  die  sich  auf  jedwedem 
Glied  bewegen'). 

Vertreiben  der  nesIt*)-Krankheit  in  den  Augen: 


besbes  *)-Kömer 

1 

Lactuca 

1 

t'as-Pflanze 

1 

Papyruspflanze 

1 

Süsses  Bier 

Vs 

durchseihen  und  von  der  Person  zu  essen,  die  die  nesit  *)-Krank-  • 
heit  hat. 

Ein  andres  die  nesIt*)-Krankheit  in  der  Person  zu 
vertreiben: 

seneft  ^-Körner  1   denä 

Weisse  sexet-Pflanze  ^/^   . 

Beeren  vom  uän-Baum  Yie 

Fibern  der  xaslt  ^)-Pflanze  7i6 
in  Eins  machen  und  einnehmen. 

Ein  andres: 

Eine  Prise  von  hemIt-Kömern  in  saurer  Milch   gut  kochen 
und  einnehmen. 

Ein  andres: 

Feigen  7^ 

Sebesten  7* 

Oel  XC.  weisses  7$  •  ^^^ 

Honig  V32 

Weinbeeren  y^^ 

Beeren  vom  uän-Baum        7,^ 

Süsses  Bier  73 

kochen,  durchseihen  und  einnehmen. 


^)  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  6. 

^  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  7. 

')  Eigentlich:  kriechen,  herumschweifen  auf. 

*)  Schmerz,  Krankheit,  Leiden. 

*)  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  3. 

*)  Gehört  zu  den  als  Opfer  dargebrachten  Körnern. 

^)  Brugsch  Wort.  VL  S.  896  , Mohnpflanze". 

ll"^ 


—     164     — 

Ein  andres: 

Mentha  montana         1 

Datteln  1 

Zwiebeln  (?)  1 

Seesalz  1 

Roher  Dattelsaft         1 

pat-Saft  1 ') 

Ein  andres: 

Die  beiden  Testikel  eines  schwarzen  (?)  Esels  zermahlen, 
zerreiben,  in  Wein  thun  und  von  der  Person  zu  trinken;  sie 
(die  Krankheit)  verschwindet  sogleich. 

Anfang  der  Mittel  zur  Behandlung  der  rechten 
Seite  gegen  die  rult^-Krankheit: 

Frischer  Brei  Vaa 

sexet-Flüssigkeit       ^/^^ 

sert-Saft 
damit  bepflastern. 
Ein  andres: 

Weihrauch  '^^ 

Beeren  vom  uäu-Baum  ^/^^ 

abu-Pflanze  des  Nordens  7,^ 

äbexä-Flüssigkeit  Yi« 

Crocus  des  Berges  7i6 

Crocus  des  Nordens  Yi« 

Leinsamen  Y^^ 

Oäam-Pflanze  7,g 

Schilf  v„ 

Xebu  ')-Pflanze  Yie 

sut-Pflanze  des  Südens  Y.^ 

Weisse  sexet-Flüsslgkeit  Ysa 

Grüne  se/et-FlGssigkeit  Yie 

Fett  vom  Cederbaum  Ya 


')  Mit  rothor  Tinte  steht  hier  (Zeile  3):  qem-sen  =  »gefunden 
zerstört";  cfr.  S.  12.  Anm.  2  und  S.  160.  Anm.  7. 

*)  Lu  rings  Vermuthung,  dass  hierunter  die  von  P  run  er  „Die 
Krankheiten  des  Orients"  Erlangen  1847.  S.  257  beschriebene  Hepa- 
titis superficialis  geroeint  sei,  scheint  mir  wohlhogrundet.  In  der 
That  ist  sie  —  in  Aegypteu  —  das  häufigste  Leiden  der  rechten 
Seite:  man  hat  hier  übrigens  vielleicht  auch  an  Perityphlitis  zu  den- 
ken; doch  scheint  mir  Lü rings  Combination  zutreffender. 

3)  Brugsch  Wort.  VI.  S.  905  „Uonigpflanze,  fieXauiToc?". 


165     — 


Cyperus 

V.e 

Dumpalmenfracht 

V, 

red-Körner 

V.o 

yet'-Pflanzo 

V, 

Honig 

v„ 

damit  bepflastern. 

Ein  andres: 

l)epflastern. 


senenutet  ^)-Pflanze 
Weinbeeren 
Dumpalmenfrucht 
Brei 

hemamu  ')-Pflanze 
gentet-Pflanze 
Durraspreu 
in  Eins  machen  und  die  Seite  damit 
Ein  andres: 

Cyperus  1 

Gänseschmalz       1 
Honig  1 

damit  bepflastern. 

Der  Beginn  von  den  Mitteln  für  res')  der  Nase: 

Dattelsaft,  ihre  Oeffnung*)  (seinen  Mund)  damit  füllen. 
Ein  andres  Schnupfen*)  in  der  Nase  zu  vertreiben: 

Pfefferminz  in  Datteln  reiben  und  auf  die  Nase  thun. 
Ein  andres  die  Stinknase*)  (Coryza?)  zu  bezaubern: 
Spuck  Du  Schleim  aus,  Sohn  des  Schleimes*)!  Fass  die 
Knochen,  berühre  den  Schädel,  bestreiche  mit  Talg,  gieb  dem 
Kranken  7  Oeffnungen  im  Kopf,  diene  dem  Gott  Ra,  danke 
dem  Gott  Thoth.  Denn  ich  brachte  deine  Mittel  für  Dich, 
deinen  Trank  für  Dich:  Milch  einer  Frau,  die  einen  Knaben 
geboren  hat  und  wohlriechendes  Brot  vertreiben,  heilen  es. 
Noch  einmal.     Es  trete  hervor  auf  die  Erde  die  Fäulnis,  die 


0  Luring  S.  161  „Pistia  stratiotes  L." 

')  Cfr.  S.  35.  Anm.  3. 

^  Aegyptisch:  res  =  Schleiin. 

)  Aegyptisch:    ref;    kann  heissen:   „seinen  Mund"   oder   ,ihre 
(der  Nase)  Oeffmmg'*. 

*)  Aegyptisch:   näa  =  Brugsch  Wort.  VI.   S.  659    , schnaufen, 
verschnupft  sein,  Schnupfen". 

*)  Solche  Zaubersprüche  haben  oft  keinen  (wenigstens  für  uns) 
fasslichen  Sinn.  L. 


-     166     — 

Fäulnis!  4 Mal.  Zu  sprechen  über  Milch  einer  Frau,  die 
XCl.  einen  XGl.  Knaben  geboren  hat  und  wohlriechendes 
Brod;  iu  die  Nase  thun*). 

Der  Beginn  von  den  Mitteln  für  das  Ohr,  das 
schlecht  hört: 

Mennige  und  Harz  vom  äm-Baura,  zermahlen,  zerreiben 
in  frischem  Baumöl  (?)  und  auf  das  Ohr  bringen. 

Ein  andres  für  das  Ohr,  aus  dem  übelriechende 
Materie^)  fliesst: 

Weihrauch  in  Gänseschmalz,  Sahne  von  Ruhmilch,  bedet')- 
Kom,  hauIt-Harz;  zermahlen,  zerreiben,  in  Eins  machen  und  auf 
das  Ohr  bringen. 

Ein  andres  das  Ohr  zu  behandeln: 

Behandle  Du  es  mit  kühlen  Mitteln,  nicht  (mit)  warmen. 
Wenn  der  met*)  zittert,  so  mach  Du  ihm  ut  von  Grünstein, 
zermahlen  und  4  Tage  darauf  thun. 

Danach  mach  Du  ihm  Charpie  (mit): 


Oel  7, 


3 


Honig        de?  Rest 
häufig  darauf  thun. 

Wenn  es  aus  seiner  Oefifnung  fliesst,  so  mach  Du  ihm  eine 
Kugel,  welche  die  Wunden  trocken  macht  (bestehend  aus): 

Harz  von  Acanthus,  Harz  von  Zizyphus  Lotus,  Beere  von 
der  Weide,  Kümmel 
zermahlen  und  darauf  bringen. 

Wenn  es   dick*)  darunter  wird,    so   mach  Du  ihm  die 
Mittel,  welche  die  Wunden  trocknen: 

Kopf  von  ämämu-Thier,  Gazellenohren  (?),  Schildkröten- 
schale, annek  *)-Pflanze 
es  damit  sehr  häufig  vollstopfen. 

Mach  Du  ebenso,  ohne  es  zu  verzögern  ^).    Fliesst  es  her- 

')  Hier  ist  im  Papyrus  eine  Lücke,  jedoch  ohne  Unterbrechung 
des  Textes. 

'0  Eigentlich:  das  stinkende  Flüssigkeit  absondert;  wir  gehn 
wohl  nicht  fehl,  wenn  wir  hier  an  die  Otitis  media  purulenta  denken. 

*)  Brugsch  Wort.  V.  S.  462  „eine  besonders  reine  Natronart". 

♦)  Cfr.  S.  136.  Anm.  2. 

*)  Dick,  stark,  fett;  Brugsch  Wort.  VII.  S.  1251  „was  das 
Gewohnliche  überschreitet". 

*)  Brugsch  Wort.  V.  S.  93  „Pflanze,-  die  mit  dem  Mond  in 
Verbindung  gebracht  wird**. 

^)  Eigentlich:  nicht  hinter  es  machen.   L. 


->     167     — 

vor  auf  die  Erde,  so  ist  es  eine  Heilung  (Genesung)  des  Ohres; 
(denn)  es  zcrreisst  durch  das  Hervorschiesseu  des  Gottes  su '). 
Fällt  es  ihm  nicht  auf  die  Erde,  so  mach  Du  ihm  Schlamm  von 
der  Grösse  des  Hervortretenden  (der  Geschwulst),  es  einschliessen 
in  Milchsaft  vom  Sycomorenhaum,  dass  es  sich  mit  seinem  Blut 
verbinde;  nicht  Oel  (oder)  Honig  dazu  thun;  schneide  Du  seiuc 
eine  Hälfte  ab,  da  man  nicht  will '),  dass  sein  Blut  (auch)  von 
der  andern  Hälfte  abfällt,  dass  es  nicht  vollständig  verfault'). 

Wenn  du  nachher  erkennst,  dass  es  sich  verbunden 
hat,  so  mach  Du  für  ihn: 

Oel,  Wachs 
kochen  und  damit  bepflastern;  nicht  viel  nehmen. 

Behandle  Du  ihm  ebenso  jedes  Geschwür,  das  aufbricht. 
Wenn  es  in  Fülle*)  abgeht,  so  mach  ihm  einen  Liunenverband 
aufgeknüpft  um  seinen  Hinteikopf^)  herum. 

Was  zu  machen  ist  zur  Behandlung  des  Geschwüres, 
das  sich  ins  Ohr  zieht.  Es  schwillt  in  seinem  Innern 
an;  (es  ist)  Materie  des  Geschwüres  von  dem  Unflath  seines 
Ohres  mit  Flüssigkeit  wie  Wasser  von  dem  gegohrencn  mesOä- 
Getränk;  geh  rings  um  (das  Geschwür)  dasselbe  mit  dem 
Messer,    bis  soweit  XCII.  alles  darin  krank  ist  und  mach  ihm:    XCII. 

Oel,  Honig 
in   sein  Inneres  Charpie  aus  Flachs  eines  Zeuges   thun,   damit 
bepflastern,  damit  es  gesund  werde. 

Mittel  für  ein  geweihtes  Ohr,  das  von  Eiter  ange- 
griffen ist: 


Baumol  (?) 

1 

Weihrauch 

1 

seyepet-Kömer 

1 

in  das  Ohr  spritzen. 

Ein  andres: 

sexepet-Kömer 

1 

Weihrauch 

1 

Seesalz 

ebenso. 

Ein  andres  ein  Ohr 

zu  trocknen,   das  Flüssigkeit 

(von  sich)  giebt: 

■ 

0  Goit  der  Luft. 

'-Q  Eigentlich:  das  Herz  ist  nicht  dabei.   L. 

^  Die  Uebersetzung  dieses  ganzen  Abschnittes  ist  unsicher! 

*)  Zu  reichlich.  L. 

^)  Im  Papyrus  steht  mahaef  statt:  mäkhaef. 


—     168     - 

Mennige  1 

Kümmel  1 

Eselsohr  1 

hätet^Oel  1 

Baumöl  (?)  1  ebenso. 

Mittel  zur  Vertreibung  der  Alopecie*)  (?): 
Stachel  eines  Igels 
aufwärmen,  in  Oel  mischen  und  dagegen  geben. 
Ein  andres: 

Mennige,  Schaum  von  starkem  Bier') 
dagegen  geben. 

Nachdem  es  (durch  ein  Messer)  kahl  gemacht  wor- 
den ist: 

Zerriebene  Papyruspflanze  dagegen  geben. 
Ein  andres: 

Zerstückelte  Figur,  in  Oel  wärmen,  Schreibfarbe  in  Wasser 
mischen;  dagegen  geben. 
Ein  andres: 

Leinpflanze,  hunnu-Pflanze 
aufwärmen,    in  Oel  und  Wespenkoth  mischen,    in  Eins  reiben 
und  dagegen*)  geben. 
Ein  andres: 

ErdöP),  das  für  die  Person  gut  (?)  ist;  dagegen*)  geben, 
damit  sie  augenblicklich  weicht. 

Ein  andres  zur  Beschworung  der  Alopecie  (?): 
0  Strahlender,  der  Du  oben  schwebst J  o  x^re!  o  Sonnen- 
scheibe! 0  Beschützer  des  Gottes  neb-äpt*).    Zu  sprechen  über: 
Mennige,    Zwiebeln  (?),    Alabaster,     ärt-pet')- 
Körner,  Honig 
in  Eins  machen  und  dagegen*)  geben. 

Ein  andres   zur  Vertreibung    der  Alopecie  (?)    im 
Kopf: 


0  Cfr.  Brugsch  Wort.  III.  S.  934. 

')  Luring  S.  44;  ägyptisch:  nesseq;  Brugsch  Wort  VI.  S.  659 
»stechen,  beissen";  ^auch  von  den  kahlen  Stellen  des  Kopfes". 
')  ^ Bitterbier".     L;  eigentlich:  ausgegohreues  Bier. 
*)  Nämlich:  gegen  die  Krankheit. 
*)  Aegyptisch:  ta-Flüssigkeit  =  Petroleum  (?). 
^  Beiname  der  Sonne. 
Ö  Sterns  Glossar  S.  32:  „coelo  factum*;  aferrum*. 


—     169     - 

Feigen  7^ 

Sebesten  Y^ 

aam-Pflanze  7^ 

Grüne  Bleierde  (?)  7„ 

Weihrauch  754 

Gänseschmalz  78 

Susses  Bier  (?)  1  dena 

kochen,  durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 

Mittel  die  Balggeschwulst')  (?)  zu  vertreiben: 
Naturhonig,  damit  die  Balggeschwulst  einölen. 
Mehl  von  Harz  von  Acanthus,  Spähne  von  Pistacia  tere- 
binthus 
damit  4  Tage  bepflastern. 

Ein  andres.     Mittel  gegen  ein  Mal^: 
Beeren  von  der  t'as-Pflanze        1 
mämer-Kömer  1 

zerstossen   und  von   der  Person   zu   nehmen,    die    ein   Mal    XCIII. 
hat*): 

Honig  1 

Blatt  von  mämer -Körnern       1 
zerstossen  in  Wasser,    mit  dem   der  Phallus  gewaschen  worden 
ist;    damit  eine  Nacht  bepflastern,   damit  es  auf  seinen  Armen 
und  seinen  Gliedern  verbleibt. 

Mittel  das  Schreien  (des  Kindes)  zu  vertreiben: 
Kapseln  von  der  Mohnpflanze  (?),   Wespenkoth,    der  an 
der  Mauer  ist 
in  Eins  machen,   durchseihen  und  4  Tage  einnehmen;   es  hört 
sogleich    auf.      Es    ist    das    Schreien    des    Kindes,    das 
schreit*). 

Es  beginnen  die  Mittel,  zu  bereiten  fär  eine  Frau, 
zu  bewirken,  dass  die  Frau  das  Empfangene  ausleert 
im  1.,  2.,  oder  3.  Zeitabschnitt: 

Frucht  von  Acanthus,  Zwiebeln  (?)  und  Datteln 


0  Aegyptisch:  mehes. 

*)  Aegyptisch:  8er  =  macula. 

*)  Hier  ist  die  Verordnung  mit  rother  Dinte  geschrieben.  Die 
Ueberschrift  des  folgenden  Receptes  fehlt;  wahrscheinlich  hat  der 
Schreiber  die  letzten  Worte  noch  im  Gedächtnis  gehabt  imd  sie 
deshalb  nicht  wiederholt. 

*)  Eigentlich:  „Was  das  Schreien  betrifft,  so  ist  es  das  Kind, 
das  schreit**;  d.  h.  es  ist  das  Schreien  des  Kindes  gemeint. 


—     170     — 

zermahlen,  zerreiben  in  einem  Geföss  mit  Honig,  Charpie  damit 
besprengen  und  in  ihre  Vulva*)   bringen. 

Büttel    ein  Weib    nicht  krank    sein    zu  lassen    an 
ihrem  Urin: 

Seesalz  Vis 

mähetet')-Kömer        7g 
Süsses  Bier  Yj  ^^"^ 

Honig  V, 

in  den  Anus  spritzen. 

Ein  andres  den  Anus  zu  kühlen: 
Baumöl  (?)  1 

Oel  1 

Zwiebelwasser  (?)  1 

Honig  1 

in  den  Anus  spritzen. 

Ein  andres  zu  machen  für  eine  (Frau),    die  Abge- 
kühltes entleert'): 

Stücke  von  rothem  Jaspis,  sie  nicht  das  Licht  sehn  lassen; 
in  weisse  Erde*)  thun  und  sie  in  der  Finsternis  mit  sehr  viel 
Wasser  besprengen ;  lass  ein  neues  ändit-Gefass  und  einen  neuen 
yenu-Krug  mit  Regenwasser  ruhig  stehn,  bespritze  diese  Steine 
wieder,  wenn  der  heilige  Lucifer  sich  erhebt;  und  die  Frau  viele 
Tage  darauf  sitzen  lassen.  Lass  dir  einen  neuen  Thonkrug  ange- 
füllt mit  Oel  bringen;  das  Weib  sich  darauf  setzen  lassen  4  Tage. 
Zu  erkennen  verdorbene  Milch: 
Sieh  zu,  ob  sie  riecht  wie  die  Frucht  (Eingeweide)  vom 
mehit-Fisch. 

Mittel  die  Gebärmutter*)    eines  Weibes   an   ihren 
Ort  eintreten  zu  lassen: 

Spähne  vom  Cederbaum    in  Hefe  thun  und    eine   Zeug- 
platte bestreichen;  lass  sie  darauf  sitzen. 
Ein  andres: 

Erdöl  mit  peddn^)  auf  Honig  stehn  lassen  und  den  Leib 
der  Frau  damit  einreiben. 


*)  Aegyptisch:  at  =  uterus,  vulva;  cfr.  Brugsch  Wort.  VI.  S.819. 
»)  Brugsch  Wort  VL  S.  563  „Wunderfrucht^ 
•**)  Die  üebersetzung  ist  unsicher. 

*)  Aegyptisch:  ta-het\  determinirt  mit  dem  Hausplan;  es  scheint 
also  eine  bestimmte  Localität  damit  gemeint  zu  sein.    L. 
*)  Aegyptisch:  met-ret  =  „Mutter  der  Menschen*. 
«)  Wohl  eine  Art  Mist  L. 


-      171     — 

Ein  andres: 

Den  üeberzug  von  Feuchtigkeit^),  der  sich  in  dem  Schiffs- 
holz findet')  (?)  XCIV.  in  Hefe  von  ausgegohrenem  Bier')  rei-    XCIV. 
ben  und  sie  es  trinken  lassen. 

£in  andres: 

Grüne  Bleierde  (?)  1  auf  frischen  Myrrhen  stehn  lassen  und 
in  ihre  Genitalien  thun;  ein  Kräutersäckchen  mit  Myrrhenöl  be- 
sprengen und  an  der  obern  Hälfte  derselben  anbringen*). 

Ein  andres: 

Trockene  Menschenexcremente  in  Weihrauch  thun;  das 
Weib  duckt*)  sich  über  dasselbe  und  lässt  den  Dampf  davon 
in  das  Innere  ihres  Geschlechtsorganes  eindringen. 

Ein  andres: 

Trockene  Excremente,  Schaum  von  Bier 
die  Finger  der  Frau  damit  reiben;   bring  es  auf  alle  ihre  Glie- 
der gegen  ihre  Leiden^). 

Ein  andres  den  Uterus  wieder  an  seinen  Ort  ein- 
treten zu  lassen: 

Einen  Ibis  von  Wachs  auf  Kohle  thun;  den  Dampf  davon 
in  ihr  Geschlechtsorgan  eindringen  lassen^). 

Zu  sehn  ob  die  Milch  gut  ist: 

Ist  ihr  Geruch  wie  Staubmassen  von  uäh  ^)-Körnern,  es  ist 
ausgezeichnet^,  wenn  er  gefunden  wird. 

Ein  andres  eine  Frau  niederkommen  zu  lassen: 
Pfefferminz,    die  Frau    sich  darauf  mit    entblösstem  Hin- 
tern setzen  lassen. 

Ein  andres  all  und  jedes,  das  im  Leib  einer  Frau 
ist,  fallen  zu  lassen: 


*)  Schimmel? 

^  Die  Uebersetzung  ist  unsicher! 

^  „Bitterbief*  L.;  das  Wort  heqt  =  Bier  ist  mit  rother  Dinte 
durchstrichen. 

*)  Ebers  S.  24. 

^)  Aegyptisch:  kep;  Brugsch  Wort.  IV.  S.  1491  „sich  ducken, 
gewölbten  Buckels  sein". 

^  Der  Sinn  dieser  Worte  ist  unklar,  ich  vermuthe  dass  die  so 
bestrichenen  Finger  auf  den  prolabirten  Uterus  gelegt  werden  sollten. 

0  Cfr.  Di  ose.  de  mat.  med.  ed.  Kühn.  Vol.  2G.   S.  284. 

»)  Wohl  eine  Getreideart  (?). 

')  Aegyptisch:  sedennu  =  Brugsch  Wort.  VII.  S,  1158  „gross 
machen,  vergrössern,  erhöhen". 


—     172     — 

Scherbe  eines  neuen  hennn-Gefässes,  zermahlen  in  erwärm- 
tem Oel  and  in  ihre  Genitalien  giessen. 
Ein  andres: 

Gut  gereinigter  Dattelsaft,  Seesalz,  Oel 
kochen,  einnehmen,  indem  es  nachher  aufgewärmt  wird*). 

Ein    andres   ein  Kind  in    dem  Leib  einer  Frau  zu 
lösen'): 

Seesalz  1 

Weisser  Weizen  1 

Weibliches  Rohr»)  1 

den  Unterleib  damit  bepflastern. 
Ein  andres: 

Frisches  Salz        1 
Honig  1 

durchseihen  und  1  Tag  einnehmen. 
Ein  andres: 

besbes  *)-Kömer 
Weihrauch 
Knoblauch 
sert-Saft 
Frisches  Salz 
Wespenkoth 
in  eine  Kugel  formen  und  in  ihre  Vulva  thun. 
Ein  andres: 

Weihrauch        1 
Oel  1 

den  Leib  damit  bestreichen. 
Ein  andres: 

Pfefferminz  1 

genti  *)-Körner        1 
Wein  1 

durchseihen  und  4  Tage  einnehmen. 
Ein  andres: 


')  Soll  wohl  heissen,  dass  es  jedesmal  aufgewärmt  genommen 
werden  soll. 

-)  Aegyptiscb:  sefe^;  Brugsch  Wort.  VII.  S.  1048  „ablösen, 
loslösen,  abschneiden,  entbinden**. 

3)  Di  ose.  de  mat.  med.  Lib.  I.  Cap.  114.  S.  Ill  „altera  (arun- 
dinum  species)  femina". 

*)  Brugsch.    Zeitschr.  f.  ägypt  Spr.  1881.    S.  33.    „Fenchel«. 

^)  Brugsch  Vn.  S.  1269  „Cassia". 


^     173     — 

Sebesten  1 

sert-Saft  1 

in  ihre  Vulva  spritzen. 
Ein  andres: 

Beeren  vom  nän-Baum        1 
Pfefferminz  1 

Fett  vom  Cederbaum  1 

in  eine  Kugel  formen  und  in  ihre  Vulva  thun. 
Ein  andres: 

Schwanz  (?)  einer  Schildkröte  1 

Schale  vom  Käfer  1 

sefet^Oel  1 

sert-Saft  1 

Oel  1 

in  Eins  zermahlen  und  damit  bepflastern'). 

Der  Beginn  yon  den  Mitteln  die  beiden  Brüste')(?)    XOV. 
nicht  fallen  zu  lassen: 

Wenn  sie  von  Blut  überfliesst,  und  ihre  Reinigung*)  plötz- 
lich kommt,  so  dass  es  (das  Blut)  über  ihren  Leib  und  ihre 
Füsse  strömt,  dass  sie  nicht  die  mesu  ^)-Krankheit  bekomme. 

Ein  andres  den  Fluor  nicht  über  die  Jungfrau  (?) 
kommen  zu  lassen: 

Leber  von  der  Schwalbe,  getrocknet,  in  saurer  Milch  rei- 
ben;   der  Patientin    auf  ihre  Brust,    ihren  Leib  und  alle  ihre 
Glieder  thun,  an  denen  sie  von  mesu-Krankheit  leidet*)  (?). 
Ein  andres.     Mittel  gegen  die  kranke  Brust'): 
Galmei  1 

Kuhhim  1 

Wespenkoth  1 

Grüne  Bleierde  (?)         1 
in  Eins  machen  und  4  Tage  damit  die  Brust  einreiben. 
Beschwörung  für  die  Brust: 


0  Ein  heiliges  Salböl. 

2)  Cfr.  Diese,  de  mat.  med.  Ed.  Kühn  VoL  26.  Lib.  IL  Cap.  78 
und  79. 

')  Aegyptisch:  benti;  Luring  S.  65  ^Die  Papillen  der  Brust*; 
Sterns  Glossar  S.ll  ^Ovaria  uteri  mulieris". 

*)  Aegyptisch:  hesmen  =  Menstruation. 

''')  Brugsch  Wort.  VL  S.  645  „Fluss**;  also  Fluor  (albus)? 

^  Unsicher!  vielleicht  „wenn  bei  ihr  der  Fluor  entstaudeu  ist  (?)". 

0  Aegyptisch:  mened  oder  mendu. 


—     174      - 

Die  Brust  ist  dieselbe  kranke  (Brast)  der  Isis,  die  in 
der  Stadt  */ebt  die  Götter  su  und  tefnet  gebar.  Sie  hat  für  sie 
ihre  Besciiwöning  gethan  über 

äat-Pflaoze,  Gesundheitskorner,  ober  beqat ')  des 
Rohres,  über  Haare  der  äbt-Pflanze,  die  iierbei geführt 
sind,  um  alle  möglichen  tödtlicheii  Krankheiten,  soviel 
ihrer  sind,  zu  vertreiben;  ausführen  beim  Ausgiessen 
auf  der  linken  Seite,  machen  gegen  alle  möglichen  tödt- 
lichen  Krankheiten;  keine  Ausleerung,  kein  Jucken,  keine 
Verblutung;  verhüte,  dass  Aiigentriefen  an  Menschen 
entstehe. 
Zu  sprechen  fiber 

äat-Pflanze,  über  Gesundheit.ikSrner,  über  be- 
qat')  des  Rohres,  über  Haare  des  Kopfes  der 
äbt-Pflanze,  es  ansgiessen  lassen  auf  der  lin- 
ken Seite,  7  Portionen  machen  und  ihr  geben'). 
Mittel  Geschwülste  in  der  Vulva  (Uterus)  zu  ver- 
treiben: 

Getrocknete  yet'-Blfitter  in  Hefe  von  starkem')  Bier  auf 
ihre  Weiche  und  ihren  Leib  bringen. 

Ein    andres    gegen    Fressen    in    der    Vulva,     das 
bennut')-Blasen  in  ihrer  Scheide')  hervorbringt: 
Frische  Datteln  1 

hekennn  *)-K5mer  1 

Stein  von  der  Flnssmündung 
zerreiben  in    Wasser,    feucht    stelin  lassen    und   in   ihre   Vulva 
spritzen. 

Frische  Datteln  1 

Schweinegalle  1 

genti')-Kömer  1 
Wasser 

feucht  stehn  lassen  und  in  ihre  Vulva  spritzen. 

I)  ,Üer  befruchtete  Theil?"  L. 

<)  Die  Ueberseti^uQg  dieses  Abschnittes  ist  höcht  unsichorl 

^  .Bitterbier-  L. 

*)  Brugsch  ■WOrl.V.S.434  .pustula";  der  Stamm  ,rund  oiler 
kugelig  sein". 

')  Aegyptisch:  s*d. 

^  Aegyptiach:  hekennu ;  Brugsch  Wort,  VI.  S.  357  .bösllicb, 
lieblich". 

')  Brugsch  Würt  VII.  S.  1269  „Casaia". 


—     175     - 

Ein  andres  zu  machen  gegen  die  gent-Krankheit: 

Kuhmilch,  gekocht         1 

Harz  von  Acanthus        1 

genti  ^)-Körner  1 

in  Eins  zennahlen,  feucht  stehn  lassen  und  in  ihre  Vulva  spritzen; 
es  kühlt. 

Ein  andres: 

Frische  Datteln  1 

Weisses  Oel  1 

Harz  von  Acanthus        1 

Oel  1 

Wasser  ehenso. 

Ein   andres   gegen    Entstehn    von    Krankheiten   in 
ihrer  Schamlippe: 

Knohlauch 

Grüne  Bleierde  (?) 

nehedet  ')-Kömer 

Weihrauch 

Harz  von  Acanthus 

Kuhhom 

hunta  ')-Kömer 

Wasser 
in  Eins  machen  und  In  ihre  Vulva  spritzen. 

Ein  andres   gegen  Stiche  in  der  Vulva  und  gegen 
runde  Pusteln*),  die  in  ihrer  Scheide  entstanden  sind: 

Xeper-nr-Kömer  1  zerreiben  in 

Weihrauch  -Wasser  1 

genti  *)-K5mer  1 

in  ihre  Vulva  spritzen. 
Ein  andres: 

uäh  *>Kom  7^ 

Frische  Datteln  7g 

Harz  von  Acanthus         7$ 

genti  ^Körner  73, 


XCVI. 


')  Cfr.  vor.  Seite  Anm.  7. 

»)  Ebers  S.  189  „Zahnkrautkoraer?" 

^)  Brugsch  Wort.  VI.  S.  798  „besondre  Pflanzenart,  deren 
Dasein  mit  dem  Hinterland  von  Apollinopolis  in  Verbindung  ge- 
setzt wird*. 

*)  Aegyptisch:  bentet;  mit  der  Nebenbedeutung  „rund,  kugelig". 

^)  Wohl  eine  Getreideart  (?). 


-     176     — 

Wasser  7i 

Eselsmilch 
feucht  stehn  lassen  und  ia  ihre  Vulva  spritzen. 

Ein  andres  die  Vulva  (Uterus)  zu  kühlen  und  Ent- 
zündung darin  zu  vertreiben: 

Dumpalmenfrucht  zermahlen,  Cypenis  zermahlen  in  Oel  und 
in   ihre  Vulva  spritzen;  es  ist  ein  zusammenziehendes  (Mittel) 
für  die  Vulva  (den  Uterus). 
Ein  andres: 

Sesamum  in  Honig  zermahlen  und  in  ihre  Vulva  spritzen; 
es  ist  ein  zusammenziehendes  (Mittel). 
Ein  andres: 

Weihrauch  und  Crocus  in  Ruhmilch  zermahlen  und  zerrei- 
ben, durch  ein  Tuch  durchseihen ')  und  in  ihre  Vulva  spritzen ; 
es  ist  ein  zusammenziehendes  (Mittel). 

Ein  andres  die  Vulva  (den  Uterus)  zusammenzu- 
ziehen: 

Xeper-ur-Komer  1 

Honig  1 

Zwiebelwasser  (?)      1 
Milch  1 

durchseihen  und  in  ihre  Vulva  spritzen  lassen. 
Ein  andres: 

Wasser  von  mesöa-Getränk  in  ihre  Vulva  spritzen. 
Ein  andres: 

Saft  von  der  nesa ')-Pflanze  in  ihre  Vulva  spritzen. 
Ein  andres: 

Saft  von  qereqtu-Kömem  in  ihre  Vulva  spritzen. 
Ein  andres: 

Pfefferminz  Wasser  in  ihre  Vulva  spritzen. 
Mittel  für  die  Menstruation^): 
Knoblauch        1 
Wein  1 

in  Eins  machen  und  in  ihre  Vulva  spritzen. 
Ein  andres: 

Harz  von  Acanthus  1 


*)  Aegyptisch:  sekepu  =  Brugsch  Wort.  VII.  S.  1142  „durch 
ein  Sieb  seihen,  durchseihen". 

-)  Brugsch  Wort.  VI.  8.0)98  „Gerste";  Stern  liest:  mu  nu 
sa  =  Saft  von  Coriander;  im  Papyrus  steht:  mu  nu  nesa. 

^)  Eigentlich:  das  Blut  einem  Weibe  herauszuziehen. 


—     177     — 

Baumöl  (?)  1 

Trocknes  Oel  1 

paxestat-Pflanze  1 

Beere  von  ftehui-Kömern  1 

Honig  1 
in  ihre  Vnlya  spritzen. 

Ein  andres: 

besbes  ^)-K5mer  Yg 

Honig  \ 

mähetet')-Kömer  Ve 

Süsses  Bier  Ys 
4  Tage  in  ihre  Vulva  spritzen. 

Wenn  Du  ein  Weib  untersuchst,  es  geht  etwas  von 
ihr  ab  wie  Wasser,  dessen')  Bodensatz  wie  warmes 
Blut  ist,  so  sag  Du  ihr:  „es  ist  die  axät^)-Krankheit  in 
ihrer  Vulva.**  Mach  Du  fur  sie  Jaspis,  der  Wasser  anzieht; 
reiben  in  Honig  und  GoUyrium,  Charpie  von  Leinwand  damit 
bestreichen  und  4  Tage  in  ihre  Vulva  thun. 

Wenn  Du  ein  Weib  untersuchst,  das  ein  Uebel  an 
der  einen  Seite ^)  ihres  Leibes  hat,  so  sag  Du  zu  ihr: 
„nicht  ist  sie  offen  für  ihre  Menstruation**.  Nachdem 
er  seinen  Kopf  gegeben^),  mach  Du  für  sie: 

zerstossenen   Knoblauch,    sehet -Brod,    Spähne  vom    XCVII. 
Cederbaum 

den  Leib  damit  bepflastern. 

Wenn  Du  ein  Weib  untersuchst,  das  viele  Jahre 
gelebt  hat,  ohne  dass  ihre  Menstruation  bei  ihr  einge- 
treten ist,  sie  bricht  etwas  wie  Schaum  aus,  und  ihr 
Leib  ist,  wie  wenn  Feuer  darunter  wäre,  aber  sie  er- 
holt sich  wieder  nach  dem  Brechen,  so  sag  Du  zu  ihr: 
„es  ist  ein  Steigen  von  Blut  in  ihre  Vulva  (ihren  Uterus).    So- 


>)  Brugsch.  Zeitschr.  f.  ägypt.  Spr.  u.  Alterth.  1881.  S.  33. 
„Fenchel". 

«)  Brugsch  Wort.  VL  S.  563  , Wunderfrucht". 

^  Bezieht  sich  auf  etwas. 

*)  Brugsch  Wort  V.  S.  17  «kratzen,  ritzen,  zerkratzen". 

*)  Aegyptisch:  hert  =  Weg,  Richtung,  Ausgang. 

^  Bedeutet  vielleicht:  nachdem  der  Arzt  die  Krankheit  genau 
untersucht  hat.  L. 

Joachim,  Aegypüsche  Heilkunde.  12 


—     178     — 

bald  sie  ihre  Beschwörang  gesprochen ')  and  den  Bei- 
schlaf (aosgeäbt  hat),  mach  Da  für  sie: 
Beere  vom  uän-Baam      */,, 
Kümmel                          ^/^^ 
Weihrauch                      ^/g^ 
näh*) -Kömer                  7,^ 
setze  Da    Kuhmilch  auf  Feuer  mit   Schenkeltalg;    dazu   Milch 
thun  und  4  Tage  lang  einnehmen. 

Ein  andres.  Mittel  gegen  Entzündungsschmerzen^ 
um  die  Vulva  (Uterus): 

Kuhgalle  1 

genti  *)-KÖmer      1 
Oel  1 

in  Eins  machen  und  in  ihre  Vulva  spritzen. 

Ein  andres  das  zu  machen  ist,  um  in  den  Uterus 
hineinzukommen: 

Getrocknete  Beeren  von  der  /enes-Pflanze,  zermahlen,  zer- 
reiben und  darein  thun. 

Milch  zu  schaffen  in  eines  Weibes  Brust,  um  ein 
Kind  zu  säugen: 

Gräten  vom  /ra*)- Fisch,  in  Oel  erwärmen  und  ihr  Rück- 
grat damit  bestreichen. 
Ein  andres: 

Wohlriechendes  Brot  von  fauler  (gesäuerter)  Durra,  den 
Arm  ihres  Feuers  (des  entzündeten  Kanals  (?))  in  xesau*) -Kraut 
machen  (?);  zu  essen  von  der  Frau,  indem  sie  mit  unterge- 
schlagenen Beinen  sitzt. 

Ein  andres.  Prognose  für  ein  Kind  am  Tage,  an  dem 
es  geboren  wird: 

Wenn  es  nl^)  sagt  (schreit),  wird  es  leben;  wenn  es  bä*) 
schreit,  wird  es  sterben. 

*)  Hier  ist  im  Papyrus  eine  kleine  Lücke  mit  Unterbrechung 
des  Textes. 

')  Wohl  eine  Getreideart  (?). 

^  Aegyptisch:  seftu  =Brugsch  Worterb.  VII.  S.  1045  „schnei- 
den, glatt  machen;  Messer,  Schwert*;  eigentlich  also:  Stiche  der 
Entzündung. 

*)  Brugsch  Wort  VII.  S.  1269  „Cassia*. 

^)  Brugsch.  Zeitschr.  f.  ägypt.  Spr.  1881.  S.  38  „Schwertfisch?« 

^  Brugsch  Wort  VI.  S.  971  „Mohnpflanze*. 

0  Brugsch  Wort.  VI.  S.  661  „Klagegeschrei*. 

*)  B rugs ch  Wort  V.  S.408  „Laut  den lundersehrei  ausdruckend**. 


-     179     ~ 

Andre  Voraussage: 

Wenn  es  ein  starkes  Klagelied  hören  lässt,  wird  es  sterben; 
wenn  es  sein  Gesicht  herabsenkt,  wird  es  darauf  sterben. 

Es  beginnen  die  Mittel,  um  Ungeziefer  aus  dem 
Hause  zu  vertreiben: 

Befeuchte  Du  es  mit  Natronwasser,  damit  es  fortgeht. 

Ein  andres: 

bebet-Pflanze  in  Kohle  zermahlen  und  das  Haus  sorgfältig 
damit  bestreuen,  damit  es  fortgeht. 

Ein  andres  den  hefu-Wurm  nicht  aus  dem  Loch 
hervorkriechen  zu  lassen: 

Getrockneter  ant-Fisch  (wird)  in  den  Eingang  seines  Loches 
gebracht,  nicht  wird  er  daraus  hervorkriechen. 

Ein  andres: 

Natron  in  den  Eingang  des  Loches  thun,  nicht  wird  er  her- 
vorkriechen. 

Ein  andres: 

Eine  Knoblauchkngel  in  den  Eingang  des  Loches  thun, 
nicht  kriecht  er  aus. 

Ein  andres  die  Wespen  nicht  stechen  zu  lassen: 

Fett  von  gennn*) -Vogel,  damit  einreiben. 

Ein  andres   nicht  stechen    zu  lassen  XCVIIL   die    XGVIIL 
Taranteln: 

Frisches  Baumol  (?),  damit  einreiben. 

Ein    andres   Mäuse   von    Sachen   fern   ^u  halten'): 

Katzenfett  auf  alles  Mögliche  thun. 

Ein  andres  den  Taubenfaiken  nicht  stehlen  zu 
lassen: 

Einen  Stab  von  Acanthus  aufstellen  lassen;  die  Person 
sage:  „G  Horus,  er  (der  Falke)  stiehlt  in  Stadt  und  Garten;  er 
durstet  nach  dem  Garten;  flieg  zu,  koch  und  iss  ihn."  Zu 
sprechen  über  den  Acanthusstab;  Zuckerkuchen  darauf 
thun;  er  ist  es,  der  den  Falken  nicht  stehlen  lässt'). 

Ein  andres  die  Nagethiere  Durra  im  Kornspeicher 
nicht  fressen  zu  lassen: 

Gazellenexcremente  auf  Feuer  thun  in  dem  Kornspeicher, 
seine  Wand  und  seinen  Fussboden  mit  ihren  (der  Mäuse)  Ex- 


*)  firugsch  Wort.  VIL  S.  1299  „der  Vogel  coracias  gamila*. 
^  Eigentlich:  nicht  nähern,  herantreten  lassen. 
^  Sind  die  Worte  gesprochen  über  .  .  . . ,  so  kannst  Du  Kuchen 
darauf  thun,  und  er  wird  den  Falken  nicht  stehlen  lassen. 

12* 


—     180     — 

crementen  und  mit  Urin  bedecken^);  das  wird  nicht  zulassen, 
dass  die  Durra  gefressen  wird. 

Ein  andres  zu  machen,  (um)  die  Scorpione  zu 
tödten: 

Eine  Eidechse  auf  Feuer  thun,  um  sie  zu  tödten. 

Was  geschehn  muss  eine  Eidechse  zu  tödten: 

Einen  Scorpion  auf  Feuer  thun,  um  sie  zu  tödten. 

Kyphi^)  zu  brauchen,  um  den  Geruch  des  Hauses 
oder  der  Kleider  angenehm  zu  machen: 

Trockene  Myrrhen,  Wachholderbeere,  Weihrauch,  Cyperus, 
Aloe-Holz,  sehet*) -Harz,  Calmus  vom  Lande  t'ahi  (in  Asien), 
Inekuun-Kömer,  Mastix  (?),  Saft  von  niluben-Baum  *) 

zermahlen,  zerreiben,  in  Eins  machen  und  davon  auf 
Feuer  thun. 

Ein  andres  für  die  Frauen  daraus  zu  machen: 

Diese  Ingredienzien  nach  jener  Vorschrift  auf  Honig  thun, 
kochen,   mischen,   zu  Kügelchen  formen;   sie  sollen  mit  ihnen 
räuchern.     Es  ist  auch  zuträglich,    dass  sie  Mundpillen  daraus 
machen,  um  den  Geruch  ihres  Mundes  angenehm  zu  machen. 
XCIX.  Der    Beginn    des    Geheimbuches    des    Arztes,    die 

Kenntnis  vom  Gang  des  Herzens  und  die  Kenntnis  vom 
Herzen.  In  ihm  sind  die  metu*)  zum  ganzen  Körper.  Was 
diese  betrifft,  so  stösst  auf  sie  ein  jeder  Arzt,  ein  jeder 
se/et-Priester,  ein  jeder  Zauberer^),  wenn  er  seine  Finger  legt 
auf  den  Kopf,  auf  den  Hinterkopf,  auf  die  Hände,  auf  die 
Magen-(Herz)gegend,  auf  die  beiden  Arme,  auf  die  Beine;  über- 
all betastet  er  ihm  das  Herz,  denn  seine  metu*)  (laufen)  zu 
allen  seinen  Gliedern;  deswegen  wird  es  genannt  das  Centrum 
der  metu*)  aller  Glieder. 


')  Die  Uebersetzung  ist  unsicher! 

-)  Cfr.  Diese,  de  mat.  med.  Lib.  I.  Cap.  24:  10  Substanzen; 
Plutarch    „Isis  und  Osiris"   herausgegeben  von  Par  they. 
Cap.  81.  S.  143:  16  Substanzen; 

Nicolai  Myrepsi  Alexandrini  medicamentorum  opus, 
von  Leonhard  Fuchs.    Basel  1549: 

Cap.  298  S.  92:  „Antidotus  Cyphi  ex  quinquaginta  spe- 
ciebus  composita";  Cap.  299:  „alia  coufectio  Cyphi  ex  rebus  viginti 
00 to  constans". 

^)  Brugsch  Wort.  VII.  S.  1175  „thus,  suffimentum". 

*)  Brugsch  Wort.  VL  S.  661  „Styrax". 

*)  Gefasse;  cfr.  S.  136  Anm.  2. 

«)  Cfr.  Piehl.  Zeitschr.  f.  ägypt.  Spr.  1880  S.  130. 


-     181     — 

Es  sind  4  Ge fasse  in  den  beiden  Nasenlöchern,  wovon 
2  Schleim  und  2  Blut  geben. 

Es  sind  4  Ge  fasse  im  Innern  der  beiden  Schläfen;  nach- 
dem sie  den  Augen  Blut  gegeben  haben,  entsteht  allerhand 
Krankheit^)  der  Augen  durch  sie,  dadurch  dass  sie  zu  den 
Augen  offen  sind;  wenn  Wasser  aus  ihnen  heraustritt,  so  geben 
es  die  beiden  Pupillen  der  Augen;  oder  (nach  einer  andern 
Ansicht)  der  Schlaf  in  den  Augen  ruft  es  hervor. 

Es  sind  4  Gefässe,  die  sich  im  Kopf  theilen  und  in  dem 
Hinterkopf  sich  ausbreiten,  die  nachher  eine  grosse  Masse  Haar 
schaffen  (hervorbringen);  es  ist  ihre  (der  Haare)  Schöpfung  nach 
oben*).  Wenn  der  Hauch  in  die  Nase  geht,  dringt  er  zum 
Herzen  und  zum  Mastdarm  hin;  sie  (die  letztgenannten  Gefässe) 
geben  dem  Leib  reichlich  (davon).  Wenn  man  darunter 
etwas  hört,  so  bewirken  es  die  2  Gefässe*),  die  nach  dem 
Jochbein  leiten;  oder  wenn  man  sie  darunter  vernimmt,  so  sind 
es  diese,  die  in  dem  oberen  Backenknochen  einer  Person  sind, 
indem  es  der  rauhe  Wind  ist,  der  in  der  Person  schneidet,  wenn 
er  fur  sich  den  Hauch  davon  einathmet.  Oder  wenn  das  Herz 
Wasser  einsaugt,  so  schwinden  seine  Glieder  ganz  dahin. 
Wenn  das  Herz  getroffen*)  ist,  so  ist  es  das  Gefäss,  „der 
Fasser"  ist  sein  Name,  das  es  macht;  es  giebt  Wasser  zum 
Herzen  oder  zum  Auge,  wenn  es  verstopft  (verschlossen)  ist. 
Wenn  er  hört  durch  die  Oeffhung  seines  Mundes,  so  zeigen  sich 
alle  seine  Glieder  betäubt,  nachdem  Verwirrung  (Nebel)  darin 
sein  Herz  ergriffen  hat.  Wenn  der  Zorn  im  Herzen  ent- 
steht, so  ist  es  eine  Aufwallung  bis  zu  den  Theilen  des  Mast- 
darmes und  der  Leber,  C,  sein  Ohr  richtet  sich  auf*),  seine  C. 
Gefässe  fallen,  nachdem  ihre  aufwallende  Hitze  alles  aufgelöst  hat. 

Es  sind  4  Gefässe  zu  seinen  2  Ohren  und  (zwar) 
2  zur  rechten  und  2  zur  linken  Seite.  Lebenshauch  geht 
ins  rechte  Ohr  und  Todeshauch  ins  linke;  oder  (mit  an- 
dern Worten):  (Lebenshauch)  geht  in  die  rechte  Seite,  Todes- 
hauch geht  in  die  linke. 

Es  sind  6  Gefässe,  die  zu  den  beiden  Armen  fuhren. 


0  Aegyptisch:  ^ait;  cfr.  S.  40  Anm.  3. 

^  Die  Uebersetzung  dieses  letzten  Satzes  ist  ganz  unsicher! 

^  Hier  steht  met  2,  nicht  der  Pluralmetu. 

*)  Aegyptisch:  Ses;  B  rug  seh  Wort  VIT.  S.  1204  „ictus,  plaga* 

^)  Eigentlich:  rollt,  kreist  L. 


—     182     — 

3  zQm  rechten,  3  zam  linken  and  sie  fahren  (bis)  za  seinen 
Fingern  hin. 

Es  sind  6  Gefässe,  die  za  den  beiden  Fassen  fahren, 
3  zum  rechten,  3  zam  linken;  sie  reichen  herab  bis  za  der 
Fasssohle. 

Es  sind  2  Gefässe  za  seinen  beiden  Hoden,  die  den 
Samen  geben.  Es  sind  2  Gefässe  za  den  Nieren,  eins  za 
der  einen  Niere,  das  andre  za  der  zweiten  (Niere). 

Es  sind  4  Gefässe  zur  Leber,  die  ihr  Feachtigkeit  and 
Laft  zafuhren;  nachher  bewirken  sie  Entstehn  von  allerhand 
Krankheit^)  darin,  indem  sie  mit  Blat  gemischt  sind. 

Es  sind  4^  Gefässe  zum  Mastdarm  and  zar  Milz, 
die  ihr  ebenfalls  Feuchtigkeit  und  Luft  geben. 

Es  sind  2  Gefässe  zur  Blase,  die  den  Urin  geben. 

Es  sind  4  Gefässe,  die  in  den  After  auslaufen^; 
sie  geben  und  bringen  in  ihm  hervor  Feuchtigkeit  und  Luft; 
sodann  ofifoet  sich  der  After  jedem  Gefass  auf  der  rechten 
und  linken  Seite  bis  in  die  Fasse  hin^)  und  vermischt  sich  mit 
Excrementen. 

Wenn  das  Herz  betrübt  ist,  so  ist  das  die  Wortkarg- 
heit des  Herzens,  oder  die  Gefässe  des  Herzens  sind  ver- 
schlossen, indem  sie  unter  Deinen  Händen  nicht  erkennbar  sind; 
es  wird  Wasser  und  Luft  voll  in  ihnen  (sie  werden  voll  von 
Wasser  und  Luft). 

Wenn  das  Herz  Ekel  empfindet,  so  ist  es  die  Bitter- 
keit des  Herzens  auf  Grund  von  Entzündung  am  After;  Du  fin- 
dest es  gross,  und  es  bildet  sich  etwas  in  seinem  ro-äb  wie 
im  Auge. 

Wenn  sein  Herz  sich  ausbreitet,  so  sind  des  Herzens 
Gefässe  mit  Excrementen. 

Wenn  irgend  eine  dehert*)-Krankheit  in  das  linke 
Auge  hineingeht  und  im  Nabel  (?)  hervortritt,  so  ist  es  der 
Hauch  der  Handöffhung^  des  Priesters,  den  das  Herz  in  seine 
Gefässe  hineingehn  lässt;  Feuer  jeder  Art  ist  in  seinem  Fleisch 
(verschlossen),  das  Herz  ist  ihm  krank  davon,  weil  das  Feuer 


*)  Aegyptisch:  x^it;  cfr-  S-  40  Anm.  3. 

*)  Die  Zahl  4  ist  mit  schwarzer  Dinte  dazwischen  geschrieben. 

')  Eigentlich:  sich  offnen. 

*)  Eigentlich:  indem  er  sich  erstreckt  bis. 

*)  Bruffsch  Wort.  VIT.  S.  1373  ^putredo;  malum,  peiorem  fieri*. 

®)  Der  Hauch,  der  durch  die  hohle  Hand  gehaucht  wird(?).  L. 


—     183     — 

hervortritt,    und  die  GefSsse   seines  Herzens  ihm  gänzlich  den 
Dienst  versagen. 

Wenn  ihre  Kleider  sie  beschweren,   so  ist  es  die  dehert-    CI. 
Krankheit*);    wenn  seinö  dehert-Krankheit *)  sich  erhebt,  so  ist 
sie  gefährlich  (in  Fälle  vorhanden)'). 

Wenn  das  Herz  krank  ist,  so  ist  es  eine  Beängsti- 
gung*) im  Herzen,  oder  es  ist  ein  (6lut)äberfluss  (?)  im  Herzen, 
der  entsteht,  herunterföUt  und  sich  seinem  Zwerchfell  ^)  (?)  nähert, 
indem  sein  Herz  einen  Ekel  fühlt. 

Wenn  es  die  mast^)-Krankheit  des  Herzens  ist,  so 
ist  es  Engbrüstigkeit,  sein  Herz  hat  auf  seinem  Platz  von  dem 
After  Blut,  das  unter  der  Krankheit  ein  .wenig  hervortritt,  es 
ist  ein  Fieber  des  Herzens;  wird  sein  Herz  unter  der  Krankheit 
etwas  ruhig,  so  isst  er,  aber  nur  wählerisch. 

Wenn  das  Herz  sich  verzehrt,  so  ist  es  eine  An- 
sammlung von  Blut  im  Herzen.  Wenn  es  die  mas-Krank- 
heit  des  Herzens  durch  u^edu  ist,  so  ist  sein  Herz  klein 
im  Innern  seines  Bauches;  die  uxedu  fallen  auf  sein  Herz  (be- 
fallen sein  Herz);  er  ist  aat-krank,  er  ist  mas-krank. 

Wenn  es  Schwäche  (Bitterkeit)  in  Folge  von  Alter') 
ist,  so  sind  es  u^edu  an  seinem  Herzen.  Wenn  es  eine  Er- 
hebung des  Herzens  ist,  so  hebt  es  sich  an  seiner  linken 
Brust,  es  hebt  sich  auf  seinem  Fett^,  es  flieht  von  seinem 
•Platze,  es  sind  seine  Fettschichten  auf  seiner  linken  Seite,  um 
sich  in  seiner  Schulter  zu  sammeln. 

Wenn  die  deher^)-Krankheit  seines  Herzens  hälifig 
auftritt,  so  ist  es  sein  Herz,  das  schwimmt  und  nach  unten 
sinkt,  es  ist  nicht  an  seinem  Platz. 

Wenn  sein  Herz  an  seinem  (rechten)  Platz  ist,  so 
befindet  sich  das  Fett  des  Herzens  in  seiner  linken   Seite,    es 


*)  ßrugsch  Wort.  VII.  1373  „putredo;  malum,  peiorem  fieri**. 

5)  Cfr.  S.  182  Anm.  5. 

^  Die  Uebersetzung  ist  ganz  unsicher! 

*)  Eigentlich:  Bedrücken  des  Herzens  im  Herzen. 

*)  Aegyptisch:  sat;  Brugscb  Wort.  VII.  S.  1228  «praecordia?" 

^  Brugsch  Wort.  VI.  S.  543  „der  zum  Sitzen  dienende  Theil 
des  Körpers". 

^)  Alterschwäche. 

^  Aegyptisch:  maket;  Brugsch  Wort.  VI.  S.  573  „die  das 
Herz  umgebende,  schützende  Fettmasse **;  Luring  S.  76  „Pericar- 
dium", eigentlich  „Unterlage**. 


—     184     — 

steigt  nicht  nach  oben,  und  es  föUt  nicht  nach   unten,    heil^) 
bleibt  es  auf  seinem  Platze. 

Wenn  sein  Herz  zittert  und  viel  Fett  unter  seiner 
linken  Brust  ist,  so  ist  es  sein  Herz,  das  ein  wenig  des 
Heruntersinkens  bewirkt'),  indem  «seine  Krankheit')  sich  aus- 
breitet. 

Wenn  sein  ro-ab  klopft,  so  ist  das  die  Grösse  seines 

ro-?ib*);  wenn  der  Mund  glüht  und  matt  wird*),  und  das 

Herz  müde  wird,  so  ist  es  ein  Feuer,  das  eindringt  auf  sein 

CIL    Herz;  es  ist  sein  Herz,  das  von  Hitze  brennt,  wie  eine  Person, 

welche  Mattigkeit  befällt. 

Wenn  sein  Herz  (Magen)  Ekel  empfindet,  wie  eine 
Person,  welche  die  (Stier)früchte  des  Sycomorenbaumes 
gegessen  hat,  so  ist  es  eine  Verhüllung*)  seines  Herzens, 
wie  eine  Person ,  welche  die  (Stier)früchte  des  Sycomorenbaumes 
gegessen  hat. 

Wenn  das  Herz  elend  ist  und  das  Herz  ausser 
sich  gerathen  ist,  so  bewirkt  es  der  Hauch  der  Handöff- 
nung ^)  des  heb -xer- Priesters ');  er  (der  Hauch?)  dringt  in  den 
Mastdarm  hinein,  dergestalt,  dass  das  Herz  hervortritt  und  sich 
unter  der  Krankheit  verirri;. 

Wenn  Trockenheit  sein  Herz  befällt,  so  ist  es  die 
Trockenheit  des  Feuers,  die  sein  Herz  befallt;  er  seufzt  häufig 
auf),  und  sein  Herz  wird  von  Zorn  gefressen;  es  geschieht  das- 
dadurch,  dass  sein  Herz  voll  von  Blut  ist,  was  wieder  daher 
kommt,  dass  er  Wasser  getrunken  und  schlechte  Speisen  warm 
gegessen  hat. 

Wenn  sein  Herz  trübselig  ist  und  Trübnis  ge- 
schmeckt hat,  so  ist  sein  Herz  eingeengt,  und  Finsternis  ist 
in  seinem  Leib  in  Folge  von  Zorn,  was  dergestalt  wirkt,  dass 
er  sein  Herz  frisst. 


*)  Aegyptisch:  ma^er;  eigentlich  „als  Sieger"  Brugsch  Wort 
V.  S.  535. 

^  „Das  klein  macht  und  heruntersinkt''  L. 

3)  Cfr.  S.  40  Anno.  3 

*)  D.  h.  „die  Anschwellung  des  ro-ab  bewirkt  es*. 

*)  „Matt  glüht"  L. 

*)  Verwirrung,  Unordnung? 

')  Der  Hauch,  der  durch  die  hoble  Hand  gehaucht  wird(?).  L. 

^  Sterns  Glossar  S.  15  „Colchites*'. 

»)  „Er  jammert  (klagt)  häufig".  L. 


—     185     — 

Wenn  sein  Fleisch  ganz  verdorrt  ist  wie  das 
stillstehende  Herz  einer  Person,  die  den  Weg*)  ge- 
fanden hat,  so  ist  es  sein  Fleisch,  das  darunter^  unbeweg- 
lich geworden  ist,  wie  das  unbewegliche  Fleisch  einer  Person, 
die  in  die  Weite  ^  gegangen  ist. 

Wenn  es  das  Schicksal^)  ist,  nach  oben  zu  gehn 
(sterben?),  so  ist  es  sein  Herz,  das  bestimmt  (sich  windet), 
nach  oben  zq  gehn. 

Wenn  sein  Herz  überfällt  ist,  so  ger&th  sein  Herz 
ausser  sich,  wie  es  in  einer  andern  Abhandiong  dargestellt  ist  ^). 

Anfang  des  Baches  vom  Vertreiben  der  uxeda  in    CHI. 
allen  Gliedern  einer  Person,  sowie  es  in  einer  Schrift 
unter  den  Füssen  des  Gottes  Anubis  in  der  Stadt  Leto-  . 
polis  gefunden  wurde;  es  wurde  zu  Sr.  Majestät  dem 
Konig   von   Ober-    und   ünterägypten  üsaphais,  dem  Ge- 
storbenen, gebracht*). 


0  Aegyptisch:  hert=  Brugsch  Wort.  VI.  S.  832  „Weg,  Aus- 
gang"; hier  wohl  „Tod**. 

2)  unter  der  Krankheit. 

2)  „Dahin  gegangen,  gestorben  ist?**  L. 

*)  Brugsch  Wort.  VI.  S.  663:  „sich  winden,  umwinden**. 

^)  Die  Uebersetzung  der  letzten  Tafeln  ist  vielfach  unsicher;  wir 
haben  sie  dennoch  nicht  zurückhalten  wollen  in  der  Hoffnung,  dass 
roan  mit  der  ersten  Uebersetzung  Nachsicht  haben  wird. 

*)  Im  mediciniscben  Papyrus  von  Berlin  (ctr.  Brugsch,  Allge- 
meine Monatsschr.  für  Wissensch.  und  Lit  1853.  S.  44-56;  Brugsch, 
Notice  raisonnee  d*un  traitö  medical  etc.  Leipzig;  Chabas.  Melanges 
ogyptol.  S^rie  I.  Paris  1862;  Brugsch,  Recueil  de  Monuments  egyp- 
tiens".  IL  Tafel  85-107),  der  zum  Theil  denselben  Inhalt  wie  der 
Papyrus  Ebers  bat,  indes  bei  weitem  nicht  so  umfangreich  und  so 
gut  erhalten  wie  jener  ist,  wenn  er  auch  m  einzelnen  Parthien  aus- 
führlicher ist,  lautet  der  zugehörige  Abschnitt  folgendermassen  (cfr. 
Recueil  Tafel  99):  „Beginn  des  Buches  vom  Vertreiben  der  Krank- 
heiten, gefunden  in  einer  alten  Schrift  in  einer  Kiste  mit  Schreib- 
sachen unter  des  Gottes  Anubis  Füssen  in  Letopolis  unter  Sr.  Maje- 
stät des  ägyptischen  Königs  Usaphais  Regierung.  Nachdem  er  ge- 
storben war,  wurde  das  Buch  zu  Sr.  Majestät  dem  König  von  Aegyp- 
ten,  Sent,  auf  Grund  seiner  Vortrefflichkeit  gebracht*  Der  hier 
genannte  Usaphais  war  der  5.  König  der  I.  Dynastie  und  regierte 
um  3700  V.  Chr.  Man  sieht  also,  dass  die  Aegypter  die  Abfassung 
ihrer  mediciniscben  Schriften  in  die  graue  Vorzeit  verlegten.  Einen 
ähnlichen  Bericht  liest  man  in  einem  mediciniscben  Papyrus,  der  im 
British  Museum  aufbewahrt  wird  (cfr.  Zeitschr.  f.  -  ägypt.JSpr.  1871 
S.  61  und  Zeitschr.  der  Deutsch,  morgenl.  Gesellscb.  Bd.  31.  S.  451): 
^Dieses  Arzeneibuch  wurde,   während  die  Nacht  herabfiel,  in  den 


—     186     — 

Der  Mensch  hat  1 2  Herzgefässe  ^),  die  sich  nach  allen  seinen 
Gliedern  ausbreiten.  Es  sind  2  Gefässe  in  ihm  in  seiner 
Bmstgegend,  die  Entzündung  im  After  bewirken.  Zu  machen 
dagegen: 

Frische  Datteln,  Blätter  von  der  Ricinaspflanze,  Fruchte 

von  der  Sycomore 
in  Eins  stossen  in  Wasser,  durchseihen    und  4  Tage  lang  ein- 
nehmen lassen. 

Es  sind  2  Gefässe  in  ihm  zum  Schenkel.  Wenn  er 
an  seinem  Schenkel  leidet,  und  seine  beiden  Schenkel  zittern, 
so  sag  Du  dazu:  „es  ist  dieses  ein  Geföss,  das  zu  seiner 
Schenkelgegend  fuhrt,  das  ihm  die  Krankheit  aufgenommen^ 
hat;^   zu  machen  dagegen: 

Frische  Milch,  Absynth,  Natron 
in  Eins  kochen  und  von  der  Person  4  Tage  zu  trinken. 

Wenn  er  an  seinem  Halse  krank  ist  und  Schmer- 
zen an  seinen  beiden  Augen  hat,  so  sag  Du  dazu:  „es 
sind  dies  die  Gefässe  seines  Halses,  welche  die  Krankheit  auf- 
genommen haben;^  zu  machen  dagegen: 

Xet'-Baum-Saft,  eines  Ackerbauers  Harn  (?),  Wachholder- 

beere,  Beeren  von  der  sames- Pflanze 
in  Honig  mischen,  auf  seinen  Hals  thun  und  4  Tage  damit  be- 
pflastern. 

Es  sind  2  Gefässe  in  ihm  zu  seinem  Arm.  Wenn 
er  an  seinem  Arm  leidet,  und  seine  Finger  zittern,  so  sag  Du 
dazu:  „es  sind  (Drüsen)  Anschwellungen";  dagegen  zu 
brauchen: 

Fischleim  (?)  in  Bier  und   t'as-Pflanze   oder  Fleisch  in 


Tempelhallen  in  Tebmut  im  Sanctuarium  der  Göttin  durch  eines 
Priesters  Hand,  der  im  Tempel  angestellt  war,  gefunden.  Siehe 
derNacht  Finsternis  breitete  sich  über  die  Erde  aus,  aber  der  Mond 
warf  sein  Licht  auf  alle  Seiten  jenes  Buches,  und  es  wurde  zu  Sr. 
Majestät,  des  ägyptischen  Königs  x^^y  Schatzkammer  gebracht*' 
Der  hier  genannte  König,  der  Cheops  Herodots,  der  die  grosse 
Pyramide  gebaut  hat,  regierte  wie  bekannt,  um  3000  v.  Chr.  Nim 
*8oll  nicht  behauptet  werden,  dass  diese  Berichte  streng  historisch 
sind;  indes  das  beweisen  sie  doch  deutlich,  dass  die  mediciniscben 
Papyrusrollen,  die  wir  besitzen,  unter  welchen  mindestens  die  eine, 
nämlich  unser  Papyrus  Ebers,  vor  1550  v.  Chr.  geschrieben  ist,  nicht 
Originale  sind,  sondern  nur  Kopieen  von  älteren  Texten.  L. 

')  Wörtlich:  was  den  Menseben  betrifft,  so  sind  12  Ge- 
isse in  ihm  zu  seinem  Herzen. 

^  Eigentlich:  ergriffen  hat.  L. 


—     187     — 

Wassermelone  und    seine  Finger   bepflastern,    damit  er 
gesund  werde. 

Es  sind  2  Gefässe  in  ihm  zu  seinem  Hinterkopf;  es 
sind  2  Gefässe  in  ihm  zu  seinem  Vorderkopf;  es  sind  2 
Gefässe  in  ihm  zq  seinem  Auge;  es  sind  2  Gefässe  in 
ihm  zu  seiner  Augenbraue;  es  sind  2  Gefässe  in  ihm  zu 
seinem  Nasenloch;  es  sind  2  Gefässe  in  ihm  zu  seinem 
rechten  Ohr,  und  Lebenshauch  geht  durch  sie  ein;  es  sind  2 
Gefässe  zu  seinem  linken  Ohr  und  Todeshauch  geht  durch  sie 
ein.  Sie  kommen  in  ihrer  Gesammiheit  von  seinem  Herzen 
und  vertheilen  sich  in  seine  Nase,  sich  sammelnd  in  ihrer 
Gesammtheit  in  seinen  beiden  Hinterbacken.  Es  entstehen  die 
Krankheiten  des  Afters  durch  sie  bei  der  Ausleerung;  sie  wer- 
den herbeigefährt  durch  die  Schenkelgefässe  von  Anfang  bis 
zum  Tod. 

Lehre  vom  Gewächs^)  im  Hals  eines  Patienten. 

Wenn  Du  dieses  im  Halse  eines  Patienten  triffst  mit  Be- 
lästigung GIV.  der  ätut,  welche  vom  sind  und  Du  findest  es,  als  CIV. 
wenn  es  eine  Decke  darin  hätte,  es  ist  weich  unter  Deinen 
Fingern,  und  es  ist  etwas  darauf  wie  Eom,  so  sag  Du  dazu: 
„er  hat  ein  Gewächs')  von  Fett  mit  Belästigung  der 
ätut  in  seinem  Halse  (dem  Halse  des  Patienten)."  Ich 
werde  die  Krankheit')  behandeln.  Mach  Du  dagegen  die 
Mittel,  welche  ihr  Weggehen  veranlassen  durch  lin- 
dernde Mittel: 

sa')  Kömer,  teun-Pflanze,  Wespenblut,  Rindsgalle,  See- 
salz, Bohnenmehl 
zermahlen  und  4  Tage  damit  bepflastem. 

Lehre  vom  Gewächs*),  das  in  Verbindung  mit  Be- 
lästigung der  uxedu  (in  jedem  beliebigen  KÖrpertheil 
einer  Person*)  entsteht.  > 

Wenn  Du  ein  Gewächs*)  triffst,  das  in  Verbindung  mit 
Belästigung  der  uxedu  entstanden  ist,  Du  findest  es  wie  Boh- 
nen, kranke  Beulen*)  entstehen  auf  seiner  Haut,  freilich  nicht 


*)  Aegyptisch:  hunhunt;  Sterns  Glossar  S.  16.  „tumor  scrophu- 
losus,  struma.*' 

*)  Eigentlich:  er  ist  krank,  ich  werde  (ihn)  behandeln. 

^  Ebers  S.  94  „Natron  oder  Salpeter**. 

^)  Am  Rande  ist  hier  mit  rother  Tinte  von  oben  nach  unten: 
m  at  nebt  n  se  hinzugefügt 

*)  Luring  S.  36  „offene  Geschwüre**. 


—     188     — 

gross;  wenn  der  Patient  krank  ist  an  (Wand)eiter^)  innen 
in  seinem  Körper,  so  sag  Du  dazu:  „er  hat  ein  Gewächs^ 
deru/edu,  das  (Wund)eiter  entwickelt."  Ich  werde  die  Krank- 
heit behandeln').  Mach  Du  dagegen  die  Mittel,  die  von 
Pusteln*)  befreien  und  Eiter*)  ausziehen: 

teun- Pflanze,  öehui- Beeren,  Wespen(blut*)),  Seesalz, 
Wassermelone,  hemit-Körner ,  Pulver  von  ämää-Pflanze, 
Bohnenmehl,  Rinderfett,  Wachs 

kochen  und  damit  bepflastern,  damit  er  gesund  werde. 

Lehre  vom  Gewächs'),  das  in  Verbindung  mit  Be- 
lästigung der  ätut,  worin  Eiter  ist,  entsteht. 

Wenn  Du  ein  Gewächs*)  an  der  Kehle  eines  Pa- 
tienten triffst,  das  in  Verbindung  mit  Belästigung 
der  ätut,  worin  Eiter  ist,  in  einem  beliebigen  Körper- 
theil  einer  Person  entstanden  ist,  und  Du  findest  seine 
Spitze  hoch  aufgerichtet  gleich  einer  Warze  ^),  der  Eiter  bewegt 
sich  darin,  so  sag  Du  dazu:  „er  hat  ein  Gewächs*)  in 
seiner  Kehle,  der  Eiter  bewegt  sich  darin."  Ich  werde 
die  Krankheit  behandeln').  Mach  Du  dagegen  die  Mittel 
der  Heilung  (?)^)  durch  (folgende)  Mittel: 

Knoblauch,  Palmensaft,  öehui-Körner,  Kümmel,  Seesalz, 
Hefe,  Bohnenmehl,  Beere  von  sames- Pflanze,  Honig, 
äber^-Oel 

in  Eins  mischen  und  4  Tage  lang  damit  bepflastern,  damit  er 
CV.    gesund  werde. 

Lehre  vom  Fett-Gewächs*)  in  seiner  Kehle. 

Wenn  Da  ein  Fett-Gewächs*)  in  seiner  Kehle 
triffst  und  findest  es  wie  ein  Abcess^)  des  Fleisches, 


*)  Aegyptisch:  tit  =  Brugsch  Wort.  VII.  S.  1311  ^Absonderung 
schmutziger  Art,  Koth". 

^  Cfr.  S.  187   Anm.  1. 

»)  Cfr.  S.  187  Anm.  2. 

*)  Aegyptisch;  tuau;  Brugsch  Wort.  VII.  S.  1313  „Erhebung, 
Anschwellung*'. 

*)  Hier  ist  wohl  aus  Versehn  senef  =  Blut  ausgelassen. 

^Aegyptisch:  mened  =  „Weiberbrust" ;  Brugsch  Wort.  VI. 
S.  615. 

^)  Eigentlich:  welche  es  krank  machen,  bekämpfen (?). 

8)  Ein  heiliges  Salböl, 

')  Aegyptisch:  se^en  =  Brugsch  Wort  VII.  S.  1109  „Geschwur, 
heiss  sein" ;  cfr.  S.  42  Anm.  4. 


—     189     — 

der  unter  Deinen  Fingern  erreicht  ist, ^), 

so  sag  Du  dazu:  „er  hat  ein  Fett-Gewächs*)  in  seiner  Kehle." 
Ich  werde  die  Krankheit  mit  dem  Messer  behandeln,  indem 
ich  mich  vor  den  Gefassen  in  Acht  nehme.  Mach  Du  da- 
gegen ein  Pflaster  als  Heilmittel'),  das  von  Pusteln*) 
befreit: 

teun- Pflanze,   Oehui- Körner,  Beere   von   sames- Pflanze, 
Blut    vom     nehur- Vogel,    Wespenblut,    sa^*)- Stücke, 
Honig,  ämamu-Pflanze,  Bleivitriol  (?),  Seesalz 
zermahlen,  in  £ins  machen  und  damit  bepflastern. 

Lehre  vom  Eiter-Gewächs')  im  Halse  eines  Pa- 
tienten. 

Wenn  Du  ein  Eiter-Gewächs^  im  Halse  eines  er- 
wachsenen Mannes  triffst;  es  bildet  eine  Erhöhung, 
bringt  Fleischmassen  von  Eiter  heTvor  und  dauert 
Jahre  oder  Monate;  Eiter  (?)  tritt  daraus  hervor  wie  das 
Flüssige  von  einem  behäu^-Fisch  oder  einem  grossen 
Scorpion  (?),  so  sag  Du  dazu:  „er  hat  ein  Eiter-Gewächs''').'' 
Ich  werde  mit  der  Krankheit  kämpfen.  Mach  Du  dagegen 
die  Mittel,  die  Pusteln*)  von  seinem  Halse  ziehen: 

Wachs,  Kuhfett,  yet'-Pflanze,  Schreibfarbe,  teun-Pflanze, 
Kümmel,  Kupferspähne ,  Grünspan,  Mörtel  von  yent 
(grüner  Bleierde  (?)),  Seesalz,  Gänsefett,  Beere  von 
Weihrauch,  CoUyrium 

kochen  und  den  Hals  damit  bepflastern. 

Lehre  vom  Gewächs*)  der  ätut,  das  viele  Tage 
gedauert  hat. 

Wenn  Du  ein  Gewächs')  der  ätut  triffst,  das  viele  Tage 
bedauert  hat,  es  ist  Schmutz  darin,  es  macht  fettige  Anschwel- 
lungen, und  die  grössere  Hälfte  davon  ist  heiss,  so  sag  Du 
dazu:  „er  hat  ein  Gewächs')  der  ätut,  das  Ansammlungen  von 
Eiter  gemacht  hat.  Es  hat  sich  Schmutz  darin  gebildet  und  er 
ist  heiss    darunter."     Ich  werde   mit  der  Krankheit  kämpfen. 


*)  Hier  fehlt  etwas  im  Text. 

3)  Cfr.  S.  187  Anm.  1. 

*)  Wortlich:  Mach  Du  dagegen  die  Mittel,  welche  es  durch  ein 
Pflaster  heilen. 

*)  Cfr.  S.  188  Anm.  4. 

*)  B rug 8 eh.  Wort.  VII.  S.  1226  , Kuchen  aus  zusammenge- 
pressten  Rosinen". 

ß)  Brugsch.  Wort  V.  S.  443  „Stachelfisch.« 


—     190     — 

Mach  Du   dagegen  die  Mittel,    die  es  heilen,  dadurch 
dass  (folgende)  Mittel  es  vertreiben: 
CVI.  Getrocknetes  Blut,    Kümmel,    Oel,   Zwiebeln  (?),  Harz 

von  Acanthus,  Früchte  und  Nüsse  von  Acanthus^),  See- 
zunge-Körner, Kupferkohle 
zu  einer  Kugel  machen. 

Lehre  vom  Tumor  des  Fleisches  in  jedem  beliebigen 
Korpertheil  einer  Person. 

Wenn  Du  einen  Tumor  des  Fleisches  in  einem  beliebigen 
Korpertheil  einer  Person  triffst  und  Du  findest  ihn  wie  Haut  an 
seinem  Fleisch;  er  ist  feucht,  er  geht  und  kommt')  unter  Deinen 
Fingern,  ausgenommen  (die  Finger)  werden  ruhig  gehalten'), 
denn  die  Bewegung  entsteht  dadurch  (durch  die  Finger);  so 
sag  Du  dazu:  „es  ist  ein  Tumor  des  Fleisches.^  Ich  werde 
die  Krankheit  behandeln,  indem  ich  versuche  es  mit  Feuer  zu 
heilen,  wie  der  sa-hemem*)  heilt. 

Lehre  vom  Haut-Tumor  (bekleideten  Tumor)  an 
dem  ä^assersten  Punkt  seines  Leibes. 

Wenn  Du  einen  Haut-Tumor  (bekleideten  Tunrar)  an  dem 
äussersten  Punkt  seines  Leibes  oberhalb  seines  Geschlechts- 
organes  ^)  triffst,  so  leg  Deinen  Finger  darauf,  untersuche  seinen 
Leib  und  palpire  mit  Deinen  Fingern;  lässt  Du  seine  Speise 
entleert  werden  und  es  geschieht  in  Verbindung  mit  Uebelkeit 
von  ihm,  so  sag  Du  dazu:  „es  ist  ein  Haut-Tumor  seines 
Leibes.**  Ich  werde  die  Krankheit  behandeln  durch  Hitze  auf 
die  Blase  vom  in  seinem  Leib,  was  bewirkt  dass  (wodurch)  er 
(der  Tumor)  auf  die  Erde  föilt;  ist  er  so  abgetrennt,  so  mach 
Du  ihn  warm,  um  gegen  seinen  Leib  durchzustechen®);  heile 
Du  es  wie  der  sa-hemem*)  heilt. 

Lehre  vom  Tumor  am  untern  Theil  seines  Leibes. 

Wenn  Du  einen  solchen  am  untern  Theil  seines  Leibes  triffst, 
Wasser  seines  Leibes  fliesst  hervor,  so  sag  Du  dazu:  „es  ist 
Mangel  an  Lebenswirksamkeit ^)  im  untern  Theil  seines  Leibes." 


0  qaa  =  Nüsse  ist  nachträglich  mit  rother  Dinte  eingefügt 
')  D.  h.  er  bewegt  sich. 

^  Sterns  Glossar  S.  23:  „et  est  sine  quiete,  qua  re  motus  fit*'. 
*)  Metall  mann;     Luring    S.  55    „Ausbrennung    mittelst    eines 
glühenden  Metallstabes*. 
^)  Oder  Nabels. 

^  Die  Uebersetzung  ist  ganz  unsicher! 
^)  Wörtlich:  Mangel  des  obern  (Leben8)hauches. 


—     191     ~- 

Ich  werde  die  Krankheit  durch  Hitze  auf  die  Blase  hehandeln; 
wenn  Du  dies  gethan  hast,  behandle  es  mit  einem  Kupfer- 
instrument (?);  es  (soll)  nicht  auf  das  mesantef^)  dringen;  heile 
Du  es  wie  der  sa-hemem*)  heilt. 

Lehre  vom  Tumor,  der  den  met')  ergreift*). 

Wenn  Du  einen  Tumor,  der  ein  met  ergriffen  hat,  triffst, 
er  hat  einen  Tumor  an  seinem  Leib  gebildet;  wenn  Dein  Finger 
es  untersucht  und  es  ist  wie  ein  (harter)  Stein  unter  Deinen 
Fingern,  es  ist  verhärtet  (?) ,  so  sag  Du  dazu:  „es  ist  ein 
Tumor  des  met*)."  Ich  werde  die  Krankheit  mit  dem  Messer 
behandeln.  Bepflastere  es  mit  Fett,  CVII,  behandle  es  wie  man  CVII. 
eiternde  Wunden  in  jedem  beliebigen  KÖrpertheil  einer  Person 
behandelt. 

Lehre  vom  Fett-Tumor.  * 

Wenn  Du  einen  Fett- Tumor  in  einem  beliebigen  KÖrper- 
theil einer  Person  triffst  und  findest,  dass  es  unter  Deinen  Fin- 
gern geht  und  kommt ^),  indem  es  zittert,  (auch  wenn)  Deine 
Hand  still  ist,  so  sag  Du  dazu:  „es  ist  ein  Fett-Tumor."  Ich 
werde  die  Krankheit  behandeln.  Behandle  Du  ihn  (den  Tu- 
mor) mit  dem  Messer,  behandelt,  wie  man  offene  Wunden  heilt. 

Lehre  vom  Tumor  des  sa-Gliedes. 

Wenn  Du  einen  Tumor  des  sa-Gliedes  in  einem  beliebigen 
KÖrpertheil  einer  Person  triffst  und  findest  davon  einen  oder 
mehrere,  indem  er  wie  seine  Fleischhaut  ist,  die  unter  Deinen 
Fingern  wächst,  wenn  er  (auch)  nicht  gross  ist;  er  nimmt  zu 
und  wird  schlimmer  in  seinem  Fleisch,  so  sag  Du  dazu:  „es 
ist  ein  Tumor  des  sa-Gliedes."  Ich  werde  die  Krankheit  behan- 
deln. Behandle  sie  mit  dem  Messer,  behandelt,  wie  man 
offene  Wunden  in  jedem  beliebigen  KÖrpertheil  einer  Person  heilt. 

Lehre  vom  Eiter-Tumor. 

Wenn  Du  einen  Eiter- Tumor  in  einem  beliebigen  Glied 
einer  Person  triffst  und  findest  die  Spitze  davon  erhöht,  be- 
grenzt und  mit  rundlicher  Form,  so  sag  Du  dazu:  „es  ist 
ein  Eiter-Tumor,  der  in  seinem  Fleisch  umläuft."    Ich  werde  die 


*)  Aegyptisch:  mesäntef  nach  Luring  S.  67  „Samenleiter"; 
ich  denke  an  den  Ureter. 

»)  Cfr.  S.  190  Anm.  4. 

»)  Cfr.  S.  136  Anm.  2. 

♦)  Aegyptisch:  sefet;  der  Stamm  sef  nach  Brugsch  Wort  VII. 
1045  „sich  ergiessen,  reiben,  abschaben". 

*)  D.  h.  er  bewegt  sich. 


—    192     - 

Krankheit  mit  dem  Messer  behandeln.  Es  ist  etwas  wie  Milch- 
saft darin,  danach  kommt  etwas  (HSssliches)  heraus  wie  Wachs, 
es  1st  sackförmig');  wenn  etwas  in  seinem  Sacke  übrig  bleibt, 
so  rollt  es  hemm. 

Lehre  vom  Haar-Tumor. 

Wenn  Da  einen  Haar-Tamor  triffst  und  findest  ihn  mit 
rundlicher  Form,  erweicht,  und  seine  Substanz  wftchst;  ich 
werde  die  Krankheit  mit  dem  Messer  behandeln;  es  sieht  aus 
wie  ein  £iter-Tumor  mit  Knötchen*). 

Lehre  vom  Tumor  der  nxedn. 

Wenn  Du  einen  Tumor  der  uxedu  im  Kopf  triffst, *) 

und  findest,  dass  er  Flüssigkeit  producirt,  dass  er  unter  Deinen 
Fingern,  die  ruhig  gehalten  werden,  gewachsen  ist,  und  dass  er 
eiVeicht  ist,  wenn  er  (auch)  nicht  gross  ist,  so  sag  Du  dazu*. 

„es  ist  ein  Tumor  der   uxedu   im  Kopf ').*'     Ich  werde 

die  Krankheit  behandeln.  Behandle  sie  mit  dem  Messer, 
aber  pass  auf,  dass  Du  das  Ge&s  meidest.  Es  fliesst  etwas 
CVIll.  daraus  wie  Kuchenwasser;  es  ist  eine  zottige  Hülle  darauf  (fest- 
gebunden); lass  nicht  etwas  davon  darin  zurück,  lass  es  nicht 
herumlaufen;  heile  es  sowie  man  eine  off^ene  Wunde  heilt  in 
jedem  Körpertheil  einer  Person  (durch)  Umhüllen  und  Heilen 
der  metu^);  die  Flecken,  die  eine  Person  bekommt,  lassen  es 
aufschwellen  und  vertreiben  es  nachher'). 

Lehre  vom  Tumor  der  motu*). 

Wenn  Du  einen  Tumor  der  motu  in  irgend  einem  belie- 
bigen Körpertheil  einer  Person  triffst  und  findest  ihn  von  rund- 
licher Form,  unter  Deinen  Fingern  im  Gehen  gewachsen  und 
gegen  sein  Fleisch  ausgebreitet^);  er  ist  nicht  gross  und  hebt 
sich  nicht,  so  sag  Du  dazu:  „es  ist  ein  Tumor  des  met^).^ 
Ich  werde  die  Krankheit  behandeln.  Die  motu  ^)  bewirken  es, 
und  sie  wird  dann  dabei  zum  Stich  um  den  met^).  Behandle 
Du  ihn  mit  dem  Messer  und  brenne  aus  mit  Feuer,  dass 
es  nicht  stark  blutet.     Heile  Du  es  wie  der  sa-hemem^)  heilt. 

*)  Aegyptisch:  temamut;  Brugsch  Wort  VII.  S.  1328:  „sack- 
förmige Umhüllung'':  Lieblein:  „es  ist  zottig". 

^  Luring  S.  56. 

')  Unsichere  Stelle. 

*)  Cfr.  S.  136  Anm.  2. 

^)  Die  Uebersetzung  ist  nicht  ganz  sicher. 

^  Aegyptisch:  fur;  Brugsch  Wort.  V.  S.  511  „schwanger  sein, 
fruchtbar  sein*. 

0  Cfr.  S.  190  Anm.  4. 


—     193     — 

Lehre  vom  Tumor  der  metu^). 

Wenn  Du  einen  Tumor  der  metu  *)  im  Innern  irgend  eines 
Gliedes  triffst,  er  wächst  und  (Du)  siehst,  dass  er  sich  in 
Schlängeleien  windet,  indem  er  viele  Erhöhungen  macht,  und 
diese  sind  wie  Dinge  vom  Winde  bewegt;  so  sag  Du  dazu: 
„es  ist  ein  Tumor  der  metu ^).''  Nicht  stosse  Du  einen  Stoss*) 
abermals,  (denn)  dieses  sticht  das  Glied  durch  seinen  Stoss. 
Mach  Du  und  pflege  die  metu^)  in  jedem  beliebigen  Glied 
einer  Person. 

Seine  Zauberworte  sind  in  Wahrheit: 

') 

Zu  sprechen  viermal  des^Morgens. 

Lehre  vom  Tumor  des  Gottes  x^nsu. 

Wenn  Du  einen  grossen  Tumor  des  Gottes  yensa  in  einem 
beliebigen  Glied  einer  Person  triffst,  er  ist  widrig  und  lässt 
viele  Pusteln  hervortreten;  es  entsteht  etwas  darin  wie  wenn 
Wind  darin  wäre,  er  bewirkt  Stiche;  der  Tumor,  er  ruft  mit 
lauter  Stimme  zu  Dir:  ist  er  nicht  wie  die  widerlichste  der 
Pusteln?  er  CIX.  macht  (die  Haut)  bunt  und  macht  Figuren,  CIX. 
alle  Glieder  sind  wie  die,  welche  belastet  sind.  Sag  Du  dazu: 
„es  ist  ein  Tumor  des  Gottes  yensn,^  Thu  Du  gamichts  da- 
gegen *). 

Lehre  von  den  Pusteln  in  jedem  Glied  einer  Person. 

Wenn  Du  den  Pustel-Tumor*)  in  einem  beliebigen  Glied 
einer  Person  triffst;  Du  lässt  ihn  bestreichen  und  findest,  dass 
er  gellt  und  kommt  ^)  und  das  Fleisch,  das  darunter  ist,  über- 
zieht, so  sag  Du  dazu:  „eine  Eiterung  der  Pusteln"').  Brauch 
Du  dagegen  das  Messer,  durchbohre  mit  dem  Messer,  bearbeite 
mit  dem  hennuh-Thier,  bearbeite  das,  was  im  Innern  desselben 
ist,  mit  dem  hennuh-Thier;  schneide  Du  ihn  mit  dem  Messer, 


»)  Cfr.  's.  136  Anm.  2. 

^  Das  Wort  ä  kann  auch  die  Bedeutung  ^Stoss,  coup**  haben; 
cfr.  Maspero  in  Pierrets  Vocabulaire  S.  60.  Die  Bedeutung  ist 
vielleicht:  mach  keine  neue  Operation.  L. 

^  Diese  Zauberworte  sind  dunkel;  es  soll  deshalb  eine  üeber- 
setzung  unterbleiben;  überhaupt  haben  ja  derartige  Formeln  wohl 
kaum  einen  für  uns  fasslichen  Sinn.  L. 

*)    Hier  ist  mit  schwarzer  Dinte  „res**  eingeschoben. 

^)  Hier  fehlt  das  Determinativ. 

*)  D.  h.  er  bewegt  sich. 

^  Brugsch  WörtVIL  S.  1377  ,dass  der  Ausbruch  der  Pocken 
eingetreten  ist". 

Joachim,  Aegjrptiscbe  Heilkunde.  13 


—     194     — 

es  ist  Grosses  darin,  es  ist  etwas  darin  wie  menter  der  Maus; 
schneide  es  uaat*),  führe  herbei  diese  aderu,  die  auf  seiner 
Seite  sind,  bedecke  den  Körper  mit  sas  (Schnitten?),  bearbeite 
mit  1  hennu-Gef&ss  Ton  Zwiebehi *). 

Lehre  vom  sefet')  in  jedem  Glied. 

Wenn  Du  ein  sefet*)  des  met*)  in  irgend  einem  Glied  triffst 
und  findest  es  fernes ')  in  rundlicher  Form  mit  sex  ^)  von  Holz 
in  Folge  von  Verletzungen^)  von  allerhand  Dingen  in  jedem  Glied, 
es  macht  7  Erhöhungen,  so  sag  Du  dazu:  „es  ist  ein  sefet') 
des  met,  eine  Verletzung  des  Gefässes  hat  es  bewirkt.**  Be- 
handle Du  es  mit  dem  Messer,  bestehend  aus  einer  Binse, 
die  zum  Messer  gemacht  ist  (?)  ^).  Wenn  es  gross  ist  und 
blutet,  so  brenne  Du  es  mit  Feuer  und  heile  es,  wie  der  sa- 
hemem^  heilt. 

Wenn  Du  im  Innern  eines  beliebigen  Gliedes 
viele  Schlängeleien  und  Hindernisse ^°)  beim  Athmen 
findest,  so  ist  es  eine  Verunreinigung  des  met*); 
nicht  stosse  Du  einen  Stoss  abermals  ^^).  Alles  dieses  ist  der 
Kopf  zu  der  Erde  (gewendet)*'). 

Lehre  von  den  Pusteln  des  Schnittes  des  Gottes 
^ensu. 

Wenn  Du  die  Pusteln,  des   Schnittes  des  Gottes  x^nsu  in 

irgend  einem  Glied  einer  Person  triffst  und  findest  seinen  obem 

Theil  richtig  und  seinen  untern  Theil  in  Ordnung,  seine  beiden 

CX.    Augen  sind  grün  und  abgemattet,  CX.,  sein  Fleisch  ist  darunter 

(dabei)  brennend  oder  kämpfend"),  es  ist  (wie)  eine  Quetschung 


0  Vielleicht  „los?«;  cfr.  Brugsch  Wort  V.  S.  300  „loslösen*'. 

*)  Die  Uebersetzung  ist  unsicher! 

')  Zu  ergänzen  des  met;  nach  Brugsch  „hinschmelzen,  zerrei- 
ben'';  vielleicht:  „Lehre  vom  Hinschmelzen  (zerfressen  werden)  des 
met  in  jedem  Glied". 

♦)  Cfr.  S.  136  Anm.  2. 

*)  Die  Uebersetzung  ist  zweifelhaft;  Brugsch  Wort.  IV.  S.  1584 
„Tafel,  auf  der  man  schreibt";  Sterns  Glossar  S.  50  „coustituere" ? 

«)  Aegyptisch:  sex;  Brugsch  Wörterb.  III.  S.  1286  „Wunde, 
Schlag«. 

T)  Aegyptisch:  seqeru;  Brugsch  Wort.  VII.  S.  1139  „Schläge''. 

^)  Die  Uebersetzung  ist  unsicher  1 

»)  Cfr.  S.  190  Anm.  4. 

^®)  Die  Uebersetzung  ist  unsicher! 

")  Cfr.  S.  193  Anm.  2. 

'»)  „Verkündet  den  Tod?"  L. 

^^  „Aufgezehrt?" 


—     195     — 

and  Du  findest  in  seinen  beiden  Achseln,  in  seinen  beiden 
Armen,  in  seinen  beiden  Hüften  und  in  seinen  beiden  Beinen 
£iter  (darin),  dann  mach  gar  nichts  dagegen.  Aber  wenn  Du 
dieselbe  findest  wie  ein  oder  die  andre  Wnndkniste  nach 
Quetschung  an  der  Brust,  an  den  Papillen,  an  jedem  beliebigen 
Glied,  und  es  geht  und  kommt  ^)  und  fliesst  unter  Deinem  Finger 
und  sondert  Flüssigkeit  auf  der  Oberfläche  ab,  so  sag  Du  da- 
zu: „es  ist  auf  der  Hand  (es  ist  offenbar).^  Mach  Du  ihm 
folgende  Mittel  es  zu  vertreiben: 

Wespenexcremente,  Weizenmehl,  Natron,  Mehl  von  pe- 
sen^,  Bohnen,  Collyrium,  Oel,  giessen  in  ämamu-Samen, 
nicht  Wasser  darauf  thun,  die  Mittel  zur  Heilung  brauchen. 


')  D.  h.  bewegt  sich. 

^  Brugsch  Wort.  VI.  S.  489  „Leinsamen?« 


13 


r. 


Aal  132. 

Abführen  6  7  8  40. 

Abführmittel  3  18  22  73. 

Abhandlung  185. 

Abscess  188. 

Absyuth  3  5  6  9  12  13  17  19 
20  21  24  26  29  33  37  41 
42  43  44  61  126  128  120 
133  142  149  161  186. 

Acanthus. 

Dornen  desselben  109. 
Fibern  desselben  21. 
Frucht  desselben  21  190. 
Harz  desselben    11    14  18  21 
22  27  28  34  39   45  51  55 
74  78  83  92  96  97  111  117 
118    119   120  132    133    141 
146    155   157    166   169   175 
176    190. 
Stab  desselben  179. 
Teig  desselben  133. 

Achsel  195. 

Ackerbauers  Harn  186. 

After  (cfr.  Anus)  6  35  41  43  45 
49  50  182  183  186  187. 

Alabaster  65  90  115  155  157 
158  168. 

Albugo  85  87  92  96. 

Aloe  30  35  64  112  118  119  122 
133  142  150  152  180.  . 

Alopecie  168. 

Alraunen  16  44  126  140  145  149 
155. 

Alter  43  183. 


Amme  68. 

Anethum  graveolens  L.  62  142. 

Anschwellungen  186  189. 

Antilope. 

Fett  derselben  30. 
Excremente  derselben  83. 

Auubis  185. 

Anus  (cfr.  After)  28  29  30  31 
32  33  34  40  66  170. 

Arm  41  42  43  154  169  180  181 
186  195. 

Arzt  33  40  49  113  180. 

Ascaris    lumbricoides    (cfr.   Ein- 
leitung) 11   13  14  105. 

Ascites  5. 

Asthmatisch  44. 

Atherom  94  169. 

Athmen,  Hindernisse  dabei    194. 

Auge  42  43  81  82  83  84  85  86 
87  88  89  90  91   92  93  94 
95  96  97  98  99  100  101  163 
181  182  186  187  194. 
-Brauen  97  105  187. 
-Rand  88. 
-Salbe  98. 

Augenblicksmittel  46  78. 

Ausfluss  (von  einer  Wunde)  115 
116  117  118. 

Ausleoningen  6  9  44  47  65  174 
187. 

B. 

Backenknochen  181. 
Balggeschwulst  94  169. 
Bauch  183. 


—      197     - 


Bauernöl  152. 
Baumfibera  (?)  124. 
Baumöl  9  23  26  30  31  52  64  66 
76  79  99   100  107  112  115 
117    119  130   133    140   152 
156  157    162    166   167   168 
170  177  178. 
Baumwolle  110  113  Üb  117  118 

124. 
Beängstigung  (im  Herzen)  183. 
Becher  70. 

Bein  32  131  178  180  195. 
Beischlaf  178. 
Bergsalz  146. 
Beschwörung   12  63  89  113  168 

173  178. 
Beulen  (kranke)  187. 
Bier  2  3  6   12  13  14  15  36  42 
43  44  51  62  68  69  75  76 
78  127  129  186. 
Abgestandenes  Bier  40. 
Ausgegohrenes  (Bitter,  star- 
kes) Bier  13  21. 
Hefe  davon  171  174. 
Schaum  davon  168. 
Hefe  von  Bier  7  32  77  124  153. 
Kühles  Bier  5. 
Schaum  von  Bier  29  121  140 

171. 
Spülicht  von  Bier  67. 
Süsses  Bier  2  4  5  6  8   11 
12   15   16   17    18   19  20  28 
29  32  35  39  42  46  47  49 
50  52  53  58  66  68  69  71 
72  74  75  78  79  81   108  109 
131    137    149   161    162    163 
169  170  177. 
Hefe  davon  45  119  125  131 

132  139  145  151. 
Schaum  davon  8  39. 
Binse  80  194. 
Biss  101  102. 

Bitterkeit  des  Herzens  182  183. 
Blase   29    66   117   121    174  182 

190  191. 
Blei  126. 
Grüne  Bleierde  9  10  19  25 
26  27  30  33  48  51   54  56 
57  58  60  64  68  69  70  71 
74  80  82  84  85  94  95  96 


97  98  101  108  120  128  133 
134    135   137   138   139   146 
149   154   155   161   162  169 
171    173  175   189. 
Bleivitriol    7  17   18    19  20 
22  23  24  80  83  84  86  103 
104  134  189. 
Blindheit  87  93  99. 
Blut  44  51  81  82  85  86  92  93 
104  105  115    128    130   158 
159   160  162    167    173    177 
181   182  183  184  190. 
Ansammlung  davon  183. 
-Ausleerungen  10. 
-Säckchen  (Furunkel)  129. 
Bohne  7  23  28  33  50  60  67  77 
115  118  123  128  139  144  145 
148  150  155  161  187  188  195. 
Brandwunde  49  75  109  110  111 
112  113. 
Grau  werden  derselben   113. 
Weiss  werden  derselben  114. 
Brechen  41  43  46  75  76  78. 
Brei  29  32  55  59  70  76  123  157 

158  164  165. 
Brennen  am  Anus  30  32  33  39. 
Brod  (cfr.  Kuchen)  8  10  40  48 
73  77  78. 
Frisches  Brod  17   19  29  32 

80  81  154. 
Geröstetes  Brod  71  72. 
-Mehl  10  156. 

-Teig  3  4  9  10  18  21  22  26 
28  46  51  54  57  79  108  109 
122  124  137  155  161   162. 
Wohlriechendes  Brod    165 
166  178. 
Brust  41  43  183  184  186  195. 
Brust  (Mamma)   41    68    173   174 

178  188. 
Buch  65  81  180  185. 
Byblos  (Stadt  in  Phönicien)  88  99. 

C 

Calamus  79  101  180. 

Carthamus  lanatus  L.  124. 

Cederbaum  59  64  74  111  120  126 
129  133  142  145  149  151 
152  153  164  170  173  177. 


—     198     — 


Charpie  31  166  167  170  177. 
Cheops  186. 
Chiragra  135. 

Chlorosis  aegyptiaca  (cfr.  Einlei- 
tung) 13  21  29  36  38  54  55 

56  57  58  59. 
Colchites  184. 

Colly rium  19  25  30  33  65  74  82 
83  84  85  86  87  89  90  91  94 
95  96  97  98  99  100  101  107 
114  118  122  141  142  152 
154  156  160  177  189  195. 
Männliches  C.  87  95. 

Convulsionen  46. 

Coracias  garrula  (ein  Vogel)  179. 

Coriander  5  31  36  37  45  55  58 
59  60  61  62  117  136  141 
142  143  145  150. 

Coryza  165. 

Crocus  23  31  38  45  50  55  56 

57  58  67  69  72  81  85  88  111 
114  122  129  132  138143149 
150  151  1.54  162  164  176. 

Cucumis  melo  54  67  137. 
Cyperus  5  6  17  22  31  36  42  46 

54  57  66  68  69  70  83  93  107 
110113122  123  124  128  129 
130 133  139  141  142  146  147 
150  151  157  165  176  180. 

Knollen  Ton  C.  12  22  39  59 
124  149. 

D. 

Dampf  78  79  171. 
Darmkanal  41  43. 
Datteln  5  9  13  21  31  33  36  38 
39  65  72  76  81  99  123  145 
164  165  169. 
Abfall  yon  D.  20  21  40  49 

66  76  106  122  125. 
Frische  (grüne)  D.  3   14  54 

55  66  67  70  99  140  162 
174  175  186. 

Körner  von  D.  17. 

Mehl  Yon  D.  11  19  28  35  53 

71  76  77  129  152  163. 
Saft  TonD.  114  123  125  128 

129  131  145  148  151  152 

158  164  165  172. 


Datteln.   Teig  Toh  D.  22. 
Wein  von  D.  60. 

Decke  187. 

Dumpalme  13  21  23  26  27  28 
37  45  46  47  48  52  53  57 
58  77  78  92  107  125  127 
135  136  139  145  148  150 

153  156  160  165  176. 
Dunkelheit  (in  den  Augen)  97. 
Durra  8  11  21  23  28  31  34  37 

39  59  99  109  110  112  114 
115  116  117  118  122  124 
126  128  136  141  142  151 

154  156  160  165  178  179  180. 

E. 

Ebenholz  85  96  98. 
Eczem  im  Kopf  156. 
Eidechse  106  107  180. 

Blut  ders.  100. 

Excrepiente  ders.  90  100. 
Eingeweide  48  49. 
Eisen  90  168. 

Eiter  44  93  129  159  167  188 
189  193  195. 

Eiterfluss  (im  Auge)   89   91 
93. 

Eitergewächs  189. 

Eitertumor  191. 
Ekel  (des  Herzens)  182  183  184. 
Elfenbein  116  117. 
Endivia  129. 
Engbrüstigkeit  183. 
Enten  49. 
Entzündung  29  33  37  40  51  66 

176  178  182  186. 
Erde.   Blnthen  ders.  23. 

Oel  ders.  (Petroleum  (?))  168 
170. 

Weisse  Erde  170. 
Erhebung  (des  Herzens)  183. 
Erwachsene  Person  66  189. 
Esel.   Blut  dess.  100. 

Fett  dess.  62  153. 

Klauen  dess.  23  105  106. 

Kopf  dess.  23. 

Koth  dess.  139  148  153  159. 

Leber  dess.  106. 

Milch  dess.  21  125  157  176. 


199 


Esel.    Ohr  dess.  168. 

Samen  dess.  81. 

Talg  dess.  88. 

Testikel  dess.  164. 

Zahn  dess.  88  107. 
Excremento   7  42  43  49  62  85 
127  171  180  182. 

F. 

Falke  105  179. 

Fasser  (Name  eines  Ge^ses)  181. 

Feigen  2  4  8  9  10  18  19  20  27 

29  30  32  37  39  46  51  52 

.  55  56  57  58  70  71  72  74 

75  78  79  81  108  109  135 

136  137  148  163  169. 

Fenchel   18  23  24   122  132  146 

162  163  172  177. 
Festuca  125. 

Fett  15  26  31   34  63  64  74  76 
77  79  86  98   101    102   112 
113   115  116   117    118   129 
132    134   138  142   145    156 
159    183  184  187  191. 
F.-Gewächs  188  189. 
F.-Schichten  am  Herzen  183. 
F.-Tumor  191. 
Feuchtigkeit  171  182. 
Feuer  51   113  177  178  182  184 

190  192  194. 
Fieber.   Gott  des  F.  88  93. 

F.-Hitze  53  183. 
Figur  168  193. 
Filaria  medinensis  134. 
Finger  135  171  180  182  186  187 

189  190  191  192  195. 
Finsternis  184. 

Fisch,  a  b  d  u  -  F.  (Flösselhecht)  96 
104. 
änt-F.  119  179. 
adu-F.  144. 
b  e  h  &u  -  F.  (Stachelfisch,  Krebs) 

61  105  189. 
vrd-F.  (Schwertfisch)  61  178. 
Leim  von  F.  186. 
mehit-F.  170. 

nar-F.  (Wels)  27  139  144  169. 
Gel  Yon  F.  156. 
Rother  F.  61. 


Fisch.    temt-F.  119. 

fedeb^.F.  ^Zitteraal)  75. 
Flachs  167. 
Fladen  77. 
Flasche  68  134. 
Flecken  (maculae)  192. 
Fledermaus  130. 

Blut  derselben  100. 

Fleisch  24  70  72  79  80  101  102 

118    121    130   138   144  146 

157    159   162   182  185   186 

188    190  191    192  193  194. 

Fl.-Haut  191. 

Fl.-Massen  189. 
Flöhe  162  163. 
Flüssigkeit  167  192  195. 
Fluor  albus  173. 
Flussstrand.   Stein  davon  60. 
Foenum  graecum  111. 
Frau  (cfr.  Weib)  49  62  105  107 
108  169   170  171    172    178 
180. 

Milch  ders.  7  127. 
Fressen  des  Blutes  128  162  174. 
Frosch  75. 
Furunkel  129. 

Fuss  47  49  113  123  131  132  133 
173  182  185. 

-Schweiss  132. 

-Sohle  49  182. 

Galmei  89  90  94  138  173. 
Gangrän  111. 
Gans.  Blut  ders.  160. 
Ei  ders.  31  151. 
Eingeweide  ders.  31. 
Gel  ders.  77  80  124  146. 
Schmalz  (Fett)  ders.  2  7  8 
14  18  20  22  28  29  31  32 
51   52  53  60  63  66  67  71 
79  82  89  92  93  94  95  98 
150  154  165  166  169  189. 
Garten  179. 

Gazelle.  Excremente  ders.  107 
179. 
Fett  ders.  119. 
Hirn  ders.  101. 
Ohr  ders.  166. 


—     200     — 


Gebärmutter  170. 

Geftsse    181    182    183    186   187 

189  192  194. 
Geheimbuch  180. 
Geheimnis  49. 
Gehirnwasser  106. 
Geier.   Blut  dess.  160. 

£i  dess.  96. 

Feder  dess.  83. 
Gelenke  143. 
Genick  73, 
Geruch  180. 
Geschlechtsorgane  (Genitalien)  44 

159  170  172  190. 
Geschwülste  174. 
Geschwür  44  125  126  156  167. 

Offene  G.  187. 

Ohr-G.  167. 

Zahn-G.  162. 
Gesicht  49  50  95   157  158  179. 
Gesundheits-Körner  174. 

-Salbe  138. 
Getreide  52  156. 
Gewächs  187  188. 

Eiter-G.  189. 

Fett-G.  188  189. 
Gingiva  161. 
Gottes -Koth  135. 

-Kraut  101. 
Granatapfelbaum  11  13 
Granit  92  115  120  158  160. 
Granulation  (im  Auge)  86  99  101. 
Grind  im  Kopf  156. 
Grünspan  4  7  8  11  12  50;54  82 
83  85  86  91  92  93  94  95 
97  98  99  100  111   118   133 
136  161  189. 

Kupfer-G.  89  90  135  160. 

Salbe  davon  132. 
Grünstein  96  166. 
Grütze  9  10  29  32  41  61  68  69 

142  151. 
Gummi  22  48  54  105  110. 

H. 

Haar  62  99  100  101  104  105 
106  107  108  181. 
H.-Tumor  192. 
H.-Wuchs  106  107. 


Halm  113. 

Hals  73  117  130  186  187  189. 
Hand   180  182  191. 
Greif   meine    Hand,    Fass 

meine  Hand-Kraut  35. 
H.-Mittel  56  58. 
H.-Oeffnung    des    Priesters 
182  184. 
Hauch  181   182  184. 
H.  des  Lebens  181   187. 
H.  des  Todes  181  187. 
Haus  179  180. 
Haut  187  190  193. 
H.-Farbe  157. 
H.. Flecken  27. 
H.-Tumor  190. 
Hefe  7   11    12  19  38  67  77  78 
109  147  151  160  170  188. 
H.    von    ausgegohrenem 

Bier  171   174. 
H.  von  Bier  7  32  77  124  153. 
H.  von  süssem  Bier  45  119 

125  131  132  139  145  15i: 
H.   von    Wein    34   129    144 
148. 
Heliopolis  (Stadt  in  Ünter-Aegyp- 

ten)  1  2. 
Helxine  151. 
Hemd  105  114. 
Hepatitis  superficialis  161. 
Hermes  (Thoth)  1  165. 
Herz  40  43  44  48  49  53  54  56 
57  70  180  181   182  183  184 
185  186  187. 
Heuschrecken  131. 
Himmel.    Wasser  vom  Regen 

dess.  133. 
Hinterbacken  187. 
Hinterkopf  167  180  181. 
Hintern  151  155  171. 
Hirsch -Blut  100. 
-Horn  64. 
-Kalb  105. 
Hitzblattem  27. 
Hitze  86  88  89  90  181  184  190 

191. 
Hoden  182. 

Holz(pulver),  fauliges  64  82  85 
87  89  91  94  96  97  98  99 
101  136. 


—  201   — 


Honig  3  4  5  6  7  8  9  10  11  12 
13  14  15  16  19  20  22  24 
25  26  27  28  29  30  31  32 
33  34  35  36  37  38  41  42 
44  45  47  48  51  52  53  54 
55  56  57  58  59  61  62  63 
eß  67  69  70  72  75  77  78 
81  82  83  84  85  86  87  88 
89  90  91  92  93  94  95  97 
98  99  100  101  102  105  107 
112  114  115  116  117  118 
119  120  121  122  123  127 
130  131  132  134  135  138 
139  140  141  142  143  144 
145  147  148  149  151  152 
153  154  155  156  157  158 
159  161  163  165  167  168 
169  170  172  176  177  180 
186  188  189. 

Horn  49  64  105. 

Uonis  1  2  93  113  179. 

Hüften  195. 

Hahneraugen  133. 

Hülse  4. 

Hunde-Blut  100. 
-Haut  (Fell)  136. 
-Koth  126  127. 
-Vulva  105. 
-Zehen  106. 

Hyoscyamus  108. 


J. 


Jahr  189. 

Jaspis  170  177. 

Jbex  nubiana.   Fett  davon   74 

106   111    112    116   117    138 

139   140  145  150. 
Jbis  171. 
Jgel  168. 
Jmpetigo  120. 
Jndigo  21  157. 
Jochbein  181. 
Jsis  1  2  61  174. 
Jucken  122  123  128  145  174. 
Junge  68. 
Jungfrau  173. 


Käfer.   Schale  dess.  173. 

Kahlkopf  106. 

Kalb  104. 

Kanal  132. 

Kapsel  4. 

Kasserolle  75  77  78. 

Katzen-Fett  106  179. 
-Haar  110. 
-Koth  (Excremente)  50  52 

111  113  126  127. 
-Oel  136  144. 
-Uterus  104. 

Kaulquappe  105. 

Kaumittel  161. 

Kehle  104  105  188  189. 

Kessel  50  76. 

Kieselstein  161. 

Kind  65  67  68  85  169  172  178. 

Klagelied  179. 

Kleider  180  183. 

Klümpchen  49. 

Klystirspritze  48. 

Knie  133  134  135  141. 

Knoblauch  33  42  43  65  72  80 
101  116  134  135  138  144 
145  146  150  172  175  176 
177  179  188. 

Knochen  138  165. 

Knöchel  (Malleolus)  130. 

Knoten  (Knötchen)  152  192. 

Kohle  123  144  171   179. 

Kolik  29. 

Kopf  49  61  62  63  64  65  73  74 
88  94  104  105  106  107  108 
156   165    168   177   180   181 
192  194. 
Hinter-K.  167  180  181  187. 
K.-Schmerzen  62  63. 
Schwäche  in  dems.  102. 
Schwindel  63. 
Vorder-K.  187. 

Korn  187. 

Koth  73  105. 

Krankheit  2  8  9  13  14  20  26 
38  39  40  4143  53  59  60  61 
65  75  130  131  132  154  155 
163  164  181  182  183  184 
186  187  188  189  190  191  192. 


—     202     — 


Kräuter  des  Feldes  3  4  5  6  7  8 
15   16  18   19  20  22  25  28 

29  31  32  35  52  53  75  77 
-80  81    103  121  126  146. 

Kräutersäckchen  171. 
Kreuzgegend  40. 
Krokodil  87. 
Kr.-Biss  102. 
Kr.-Erde   81  91   97  103  104 

105  120. 
Kr.- Fett  106. 
Kr.-Koth  84. 
Kr.-Oel  144. 
Kr.-Weihrauch  111. 
Kuchen  7  10  11  15  16  18  26  36 
51  53  56  57  64  68  69  108 
110   111    113   120   127   141 
157  158  162  192. 
Kümmel   2  4  6  16  17  18  20  23 

30  35  37  38  39  57  63  64 
70  74  75  78  79  81  103  112 
123  135   137   138    152   154 

161  166  168  178  188  189 
190. 

Kugel  4  6  30  31   33  35  44  70 

73    106    130    134    156    166 

172  173  179  190. 
Kügelchen  9  180. 
Kuh-Blut  100  105. 
-Fett  110  116   118   130  131 

133   135  138    140  141    142 

189 
-Fleisch  17  116  131  138  140 

141. 
-Galle  15  25  140  178. 
-Hirn  24  114  173. 
-Horn  30  34  104  175. 
-Leber  67  86. 
-Milch  4  5  27  76  77  115  154 

162  166  175  176  178. 
-Milz  131  145  147. 
-Talg  131. 

Kupfer-Grünspan    89    90    135 
160. 
-Instrument  191. 
-Kohle  190. 
-Schlacken  155. 
-Feilspähne  110  111  138  139 
189. 
Kyphi  1*80. 


Lactuca  9  13  14  17  76  106  118 
131  132  139  147  148  163. 

Lähmung  der  Augenmuskeln  99. 

Lapis  lazuli  91  94  95. 

Lapis  memphites  18  19  22  23 
102  103. 

Läuse  162  163. 

Lebenshauch  181  187. 

Leber  40  108  181  182. 
L.-Leiden  40. 

Leder  des  Schumachers  136. 

Lehm  149. 
Mauer-L.  45  64  114  125. 
Thor-L.  122  125. 

Leib  2  4  5  6  7  8  9  11  13  14 
16  17  18  19  20  21  22  28 
35  36  38  39  40  44  46  47 
48  49  54  55  56  58  62  65 
73  75  78  85  170  171  172 
173  174  177  181  184  190 
191. 

Lein-Pflanze  38  102  141  146  147 
160  168. 

Lein-Samen  23  59  70  106  114 
128  149  164. 

Leinwand  28  115  177. 
L.-Sack  76. 

Leiste  73. 

Lepra  (?)  119. 

Letopolis  185. 

Linderungsmittel  47  48  187. 

Linnen  123  167. 

Loch  179. 

Lotus  50  55  64  73  108. 

Löwe  106. 

Lucifer  170. 

Luft  182. 

Mädchen  68. 

Magen  44  48  49  180  184. 

Md  169. 

Mamma  41  117. 

Mann  105. 

Mastdarm  5  8  39  181  182  184. 

Mastix  180. 

Materie  (übelriechende)  166  167. 


—     203     — 


Mattigkeit  131  184. 
Mauer-Kohle  60  144. 
-Lehm  45  64  114  125. 
-Ziegel  60. 
Maulbeerbaum  145. 
Maulwurf  100  159  160. 
Maus  179. 
menter  (Ohr(?))  ders.  194. 
Oel  ders.  144. 
M.-Sch wan z- Pflanze  34. 
Mennige   15  17  20  25  52  82  85 
86  87  90  96  97  98  99  101 
102   103   104   110  113    114 
116   134   135   139   146    149 

158  159  166  168. 
Mensch  186. 

M.-Biss  101. 

M.-Excremente  119  171. 

M.-Hirn  94. 

M.-ter  (?)  140. 
Menstruation  173  176  177. 
Mentha  montana  23  64  103  104 

149  150  153  164. 

Messer  113  167  168  189  191  192 
193  194. 
M.-Stein  90  97  101  138  148 

160. 
M.-Trägerkrankheit  45. 
Metallmann  190  191   192  194. 
Migräne  62. 

Milch  (frische  M.)  2  3  5  9  13  16 
22  28  31  38  42  46  51  53 
60  67  76  77   85  91   92  93 

95  96  101  108  115  120  121 
122   123   124   125    126    135 

150  154   155   156    157    158 

159  171    176    178    186. 

Abgekochte  M.  33  76. 

Esels  M.  21  125  157  176. 

M.  einer  Frau,  die  einen  Kna- 
ben geboren  hat   23  89   92 

96  97  113  126  140  165  166. 
Menschen  M.    125    158    160 

171  178. 
M.-Saft  192. 
Saure  M.  17  52  757687  123 

128  130  151  157  163  173. 
Sycomoren  M.   113  114  125 

167. 
Verdorbene  M.  170. 


Milz  140  160  182. 

Mischtrank  76. 

Mörtel  von  grüner  Bleierde   189. 

Mohnpflanze  25  169. 

Monat  105  189. 

Mouches  volantes  83. 

Mund  26  40  41  43  44  45  70  79 

113  180  181  184. 
M.-Pillen  180. 
Myrrhen  30  31  33  35  45  50  64 

74  82  83  89  91  100  103 

112  118  120  124  138  141 

142  143  144  146  156  160 

171. 
Süsse  M.  20  23  24  28  112 

142  144  150. 
Trockne  M.  19  23  87  93  94 

98  129  132  133  152  180. 


Nabel  182  190. 

Nacken  73  74  88  117. 

Nacht  169. 

Nagethiere  179. 

Nase    42    43    98    165    166   181 
187 
N.-Loch  181  187. 

Nasturtium  18  26  39  70  71  108 
109  137  155. 

Natron  15  20  22  24  25  26  35 
36  60  61  84  85  96  98  119 
120  121  122  123  124  125 
128  129  132  134  135  138 
139  140  144  146  147  148 
151  153  157  159  179  186 
195. 

Nebel  96. 

Niere  182. 

Nil  44  48  113  124. 

Nilpferd -Fett  106  107  108. 
-Haut  103. 
-Klauen  118. 
-Oel  24  103  144  150  156. 

Nilschlamm  81  91  97  103  104 
105  120. 

Nordpflanze  83. 


—  204  — 


0. 

Ochsen-Fett  45  77  78. 
-Fleisch  42  43. 
-Galle  33. 
Oel  3  4  8  9  11  20  23  24  25  26 
30  31  34  36  38  41  42  44 
45  47  48  59  60  61  62  63 
65  67  75  76  79  80  82  84 
101  103  104  105  106  107 
108  109  110  111  112  113 
114  115  116  117  118  120 
121  123  124  125  126  128 
129  130  132  134  135  138 
141  144  148  149  152  153 
154  155  157  159  160  163 
166  167  168  170  172  173 
175  176  178  190  195. 
Klares  (reines)  Oel  22  23  83. 
Trockenes  Oel  177. 
Weisses  Oel  17  139  146  150 
175. 
Ohr  87  166  167  181  187. 
Opium  33  106  139. 
Osiris  2  93  128. 


P. 

Palm-Fasern  110  113. 
-Saft  188. 
-Wein  102  120. 

Papillen  195. 

Papyruspflanze  27  67  83  93  1 10 
111  147  163  168. 

Petroleum  15  168  170. 

Pfanne  105. 

Pfefferminz  14  16  21  38  41  43 
45  74  78  153  165  171  172 
173  176. 

Pflaster  9  14  25  27  28  37  38  45 
50  52  75  92  101  102  107 
109  110  111  112  113  114 
115  116  117  118  119  120 
121  122  123  124  125  126 
127  128  129  130  131  132 
133  134  135  136  138  139 
140  141  142  143  144  145 
146   147   148   149   150  189. 

Phallus  67  107  169. 

Pille  3  9  15  68  87  151  180. 


Pistacia   terebinthus    21    27    38 

55  157  169. 
Pistia  stratiotes  L.  73  165. 
Polyurie  68. 
Priester  98  180  184. 
Prognose  178  179. 
Pupille  85  181. 
Pustel  117  120  121  175  188  189 

193  194. 


Quellwasser  89  106  157  160. 
Quetschung  194  195. 


B. 


Ra  (Sonnengott)  1   2  59  60  61 

88  165. 
Reinigung  173. 

Ricinuspflanze  5  6  11  12  26  55 
62    63   70   84    91    102   130 
158  186. 
Rinder-Fett    100  110  113   142 
144   146   148   151   152    153 
154  188. 
-Fleisch  145. 
-Galle  157  187. 
-Leber  86. 
-Mark  95. 
Ringe  (Kramraen)  107. 
Ritze  159. 

Rohr  14  78  79  124  174. 
Weibliches  R.  172. 
Rothe  Körner    15    111    121    124 

134  146. 
Rücken  45  105  133  134. 
Rückgrat  45  133  134  141  178. 
Rumpf  38  39. 
Runzeln  157. 
Russ  20. 


S. 


Sack  192. 

Sahne  23  76  77  96  97  140  166. 
Sais  (alte  Hauptstadt  von  Unter- 
Aegypten)  1. 


205     — 


Salbe  22  23  24  25  26  45  63  98 

101    117   134  136   138   143 

144  152  156. 
Salz  29  31  47   55  99  114  116 

172. 
Samen  von  denGeschlechtstheilen 

45  124  129  142  159  182. 
Sand  160. 
Sauerteig  77. 
Scabies  120. 
Scarabäus  160. 
Schamlippe  175. 
Schaum  177. 
Scheide  174  175. 
Scheitel  65. 
Schenkel   49    123    128   130  131 

132  137  178  186  187. 
Scherbe  95  135  158  172. 
Schicksal  185. 
Schielen  86  92  96. 
Schienbein  27  133  134  141. 
Schiffsholz  171. 
Schildkröten- Hirn  85  86  88. 
-Schale  26  104  108  119  156 

160  166. 
-Schwanz  173. 
Schilf  164. 
Schimmel  (?)  171. 
Schläfe  88  181. 
Schlaf  181. 
Schlamm  167. 
Schlangen -Fett  106. 
Schleim  45  165  181. 
Schmerz  50  73  74  178  186. 
Schmutz  189. 
Schnitt  194. 
Schnupfen  165. 
Schorfe    122    123    124   125    126 

127  128. 
Schreibfarbe  70  74  78  84  85  87 

89   91    94   96   98    106   107 

112  122  139  147  168  189. 
Schreiberkoth  126. 
Schreien  169. 
Schrift  185. 
Schulter  142  183. 
Schwäche  79. 
Schwalbe  105. 
Sch.-Blut  160. 
Sch.-Leber  173. 


Schweine -Auge  87. 
-Blut  45  100. 
-Fett  118  142  144. 
-Galle  174. 
-Koth  146. 
-Zahn  77  126. 
Schwinde  158. 
Schwindel  63. 
Scorpion  180  189. 
Sebesten  2  4  8  10  16  17  18  20 
26  27   32  37  39  44  51  53 
56  57  68  69  71   74  75  78 
79.  108    109    126    129    186 
137   142   150  155   162    163 
169  173. 
Seesalz  3  6  8  11   14   15  19  20 
24  25  30  31   34  60  61   66 
80  88  110  117  118  119  120 
121   123   124   125   127    128 

130  131  132  135  137  139 
140  145  146  147  148  149 
151  152  153  155  157  159 
164  167  170  172  187  188 
189. 

Seezunge-Körner  30  103  111  120 

131  142  148  159  190. 
Semit  (aus  Bybios)  99. 
Sesamum  134  176. 

Set  1  2. 

Sommer  12  94  156. 

Splitter  159. 

Spreu  131. 

Stadt  179. 

Statue  91   115  153. 

Stein  14  79  111  112  131  170 
174  191. 

Stibium  87. 

Stiche  175. 

Stinknase  165. 

Stomachica  70. 

Straussen-Ei   90    103    119    156 
157. 
-Gel  104. 

Striemen  von  Schlägen  114. 

Styrax  114  180. 

Sycomore  13  14  23  26  33  39  51 
52  55  59  70  111  113  114 
125  127  135  142  146  149 
151  159  167  184  186. 


—     206     — 


L^ 


T. 

Taenia  mediocanellata  (cfr.  Ein- 
leitung) 13  14  15  16  17. 

Tamariske  20. 

Tarantel  179. 

Tauben-Blut  160. 
-Falken  179. 

Tebmut  (Stadt)  186. 

Teig  33  49  70  75  76  77  84  94 
98  116  119  in  137  138 
149  i:)G  157  159. 

Tbonknig  4  92  170. 

Tiegel  106  107. 

Tochter  49. 

Tod  8  38  39  41  43  56  88  93 
181  187. 

Topfhefe  45. 

Trauben  36  69  79  81  108  109 
124  136  137. 

Triefauge  83  91  93  97  174. 

Trockenheit  184. 

Trübnis  (des  Herzens)  184. 

Tuch  92  115  123  176. 

Tum  93. 

Tumor  190  191   192  193. 

U. 

üebelkeit  190. 

Ueberschwemmungsjahreszeit  94. 

Unbehagen  49. 

Ungeziefer  179. 

Unreinigkeiten  122. 

Unterleib  35  37  38  65  70  172. 

Ureter  191. 

Urin  6  65  66  67  68  69  70  100 

119  123  155  170  180  182. 
Usaphais  185. 
Uterus  104  170  171  174  176  177 

178. 


Y. 

Vasö  14 

Verband  110  115  117  119. 
Verblutung  174. 
Verhüllung  184. 
Verletzungen  194. 
Verschleierung  82  85  92. 


Verunreinigung  (des  met)  194. 

Verwirrung  181. 

Vogelteich    (Wasser  daraus)    67 

82. 
Vorderkopf  187. 
Vulva  107  170  172  173  174  175 

176  177  178. 

W. 

Waehholderbeere  5  6  7  8  9  10 
25  30  33  35  37  41  42  44 

47  53  54  57  61  66  67  68 
69  70  88  107  108  110  111 
113  128  129  133  141  142 
146  156  180  186. 

Wachs  9  18  23  24  32  59  63  82 
84  101  110  111  112  113 
115  116  117  119  120  133 
135  138  141  142  143  147 
149  150  152  154  157  159 

167  171  188  189  192. 
Wade  133  134  141. 
Warze  der  Brust  188. 
Wasser  4  9  10  11  12  13  14  19 

22  24  27  32  34  35  39  40 

48  49  52  53  54  55  56  57 
58  62  65  66  67  68  69  70 
72  75  76  77  78  81  82  83 
84  85  87  88  89  91  93  95 
96  98  108  109  112  113  119 
120  121  122  123  124  126 
130  131  132  133  134  137 
154  155  159  161  162  163 

168  169  170  174  175  176 

177  179  181  182  184  186 
190  192  195. 

Regen-W.  170. 

Wassermelone  30  50  52  53  54 
145  146  187  188. 

Weib  (cfr.  Frau)  107  108  170 
171  177  178. 

Weiche  42  43  73  174. 

Weidenbaum  72  127  145  166. 

Weihrauch  6  9  17  18  19  26  29 
30  31  32  35  37  39  51  52 
53  59  60  63  64  65  70  71 
72  74  75  79  80  82  83  85 
88  90  91  97  99  100  101 
104  108  109  111  112  114 


207 


115  116  118  122  124  125 

128  129  130  132  133  135 
137  138  139  140  141  142 
143  144  145  148  149  151 
152  154  155  156  157  159 
161  164  166  167  169  171 

172  175  176  178  180  189. 
•  Weia  3  7  9  16  21  32  33  38  42 

50  51  52  53  71  72  79  80 
81  108  121  130  136  137 
164  172  176. 

W.-Beeren  9  10  21  28  29 
31  32  39  51  52  57  71  72 
74  75  78  79  81  108  137 
163  165. 

Hefe  von  W.  34  129  144  148. 

W.-Trauben  10  18  54  55  56 

57  79  108. 

Weizen  7  21  27  28  '31  37  42 

43  48  49  53  56  57  60  65 

67  68  69  71    123   125   127 

129  131  140  147  172  195. 
Wels  27  62  139  144  159. 
Wespen  126  179. 

W.-Blut  187  188  189. 
W.-Excremente  (Koth)   101 

116  125   159  168  169    172 

173  195. 
Wickelkind  68. 
Widder-Fett  153. 

W.-Haar  113. 
Wind,  der  rauhe  181. 
Winde  (eine  Pflanze)  127. 
Wintermonat  93  94  95. 
Wirbelknochen  73. 
Wortkargheit  (des  Herzens)  182. 
Wunde  46  60  61   107   115  116 

117  119  124  130  166. 
W.-Eiter  188. 
Eiternde  W.  28  191. 
Fluss   von   der   W.   44   115 

116  117. 
W. -Kruste  195. 


Wund -Mittel  41  43. 

Offene  W.  191  192. 

W.-Verband  117. 
Wurm-Blut  159. 

-Gel  136  144. 


%• 


Zäpfchen  34  35. 

Zahn  121  160  161   162. 

Zauberei  13  35  56  160  165. 

Zauberer  180. 

Zauberformel  87. 

Zauberworte  193. 

Zeh  132  133. 

Zeug  105  167  170. 

Ziegen-Excremente  109. 
-Fett  138. 

Zittern  135. 

Zizyphus  Lotus  34  50  51  52  55 
56  67  108  109  119  127  133 
137  145  146  166. 

Zorn  181  184. 

Zottige  Hulle  192. 

Zuckerkuchen  77  115  179. 

Zunge  154. 

Zwerchfell  183. 

Zwiebeln  3  4  5  8  10  11  17  19 
20  23  25  26  27  31  32  33 
34  35  38  39  44  46  52  53 
55  59  60  61  65  67  75  76 
78  80  83  84  85  86  87  92 
93  95  96  97  99  103  109 
110  111  113  114  115  116 
117  118  119  120  122  123 
125  128  136  137  139  141 
143  145  147  148  149  155 
156  158  159  161  162  164 
168  169  190  194. 
Grüne  Zw.  9  75  78  95  104. 
Zw-Wasser  28  29  30  32  34 
95  105  170  176. 


s^üt-Kranlheit  177. 
as  (IJrmdrapg(?))  fi8  G9. 
aiit  (morbus  leprosus  (?)]   119. 
sqeh-Stein  112, 
akut  (.Scabies,  impetigo]  \'20. 
adet  (Vorletxuiig)  im  Auge  »S  SS 
adil  (Variante)  9G, 


(j.i. 

iau-Korn  83. 

iagut-Eörner  132. 

äat-Pflaoze  2Z  112  174. 

äat-krank  183. 

äbu-Pdaaze  '23  39  36  37  ö5  5ß 
58  59  63  69  103  112  134 
142  146  150  156  164. 

ibu-Saft  20. 

äbennu-Hetal  99. 

äber-Oel  (Variante  tob  äbra)  2G 
188. 

äbra-Salbe  (Oel):  ein  heiliges 
Salböl  62  63  74  86  104  105 
106  111  143  156. 

ibrä-Köraer  141. 

Abejä-Flüssigbeit  164. 

dbevet-Ftüssigbeit  117. 

abt-Kümer  (ein  mit  Kunst  ge- 
schnittener Stein}  158  174. 

äbftersu-Thier  144. 

äbdu-Fisth  (Ftässelhocht)  96  104. 


äpesnen-Kömer  122. 

ätet  (Mark)  84  95. 
äm-Baum   61    107    110   118    llf 
140  146  156  166. 


äneb-Pflanze    4    14    18    19    118 

146. 
annek- Pflanze    (ateht   mit  dem 

Mond  in  Verbindung)  5   14 

16  21  34  37  41  43  62  122 

166. 
anest-Kom  10  51   53  55  56  57 

58  67  109  111  112  122  136 

137  162. 
dut-Fisch  119. 

art-pet-Körner  (Ferrum)  168. 
dbemt-Uarz  33  142. 
asi-Kraakheit(damnum,Leiden(?)) 

49. 
ilsu-Pflanie  (lie bliebe  Pflanze)  12 

13  19  64  108  136. 
■Metal  qXmfot)  160. 


,s-Pflai 


ra 


dqru-Bauoi  136. 
aku-Thier  126. 

atehennet- Vogel  (Zugvogel)  150. 
ad  12. 

ädu-Vogel  79. 
aderu  194. 

adehet- Pflanze    (Papyruspflanie) 
147. 


.  —     209     — 


- D  =  A, 

äaa -Krankheit    (cfir.  Einleitung; 

Chlorosis  aegyptiaca)   13  21 

29  36  38  54  55  56  57  58 

59. 
äagit    (Krallen,     Granulationen, 

caro  luxurians)  119. 
äager-Baum  45. 
äaget-Oel  129. 
ääam-Pflanze  3  5  6  20. 
ääu  126. 

ääm-Pflanze  26  79  154. 
apnent-Wurm  (Maulwurf)  100  126 

159  160. 
äpert-nedäu-Saft  10. 
afes-Krankheit  (mouches  volantes) 

83. 
ämamu -Frucht   14  16   17  20  53 

78  80  189  195. 
amaa- Körner    60    122 

145  149   154    155 

188. 
amämu-Thier  166. 
amät-Saft  109. 
ämu-Körner  26. 
anärt-Wurm  107. 
anennu-Baum  118. 
any-Metal  160. 

ändit  sive  andu-Gefass   101  170. 
ävet  (Aufsteigen  von  Wasser)  91 

93. 
ätut  (Drusen)  187  188  189. 
ät'aulen-Korn  99. 
at'en,  at'enit  10. 


=  J. 

Inekuun -Kömer  180. 


128 
158 


129 
161 


^ 


=  ü. 


uab-Pflanze  124. 

uam-Samen  4  12   14  15  70  114 

140  169. 
uaneb-Pflanze  64. 
uabit-Pflanze  (Kohl  oder  Getreide) 
*  48. 

Joachim,  Aegyptische  Ueilkande. 


uah-nehebt-Stein  65. 

uaSebt-Kömer  138. 

ua§es  (bestimmtes  Blutgeschwör) 
160. 

uadu  (Pflanze  des  Feldes)  132. 

uat'-Krankheit  41  43. 

uat'- Stein    (grüne    Augen- 
schminke (?))  65. 

uäat  194. 

uäat- Vogel  100. 

uäuit-Wurm  (im  Koth)  105. 

uan-Baum  6   7   10   17  18  22  2G 

29  30  32  35  37  39  50  51 
59  63  64  66  69  70  71  74 
79  80  81  108  109  127  133 
136  142  143  148  149  150 
152    163   164   173   178. 

uäh-Korn  (Getreideart  (?))  5  9  11 
19  22  28  31  37  38  48  52 
55  56  57  65  66  71  72  77 
110  112  113  151  162  171 
175  178. 

uuti-Brod  72. 

unnefer  (Osiris)  128. 

unex  (Wunde  (?))  31. 

uremit- Krankheit  (Ascites,  Hy- 
drops abdominis)  5. 

uha- Krankheit  (cfr.  Einleitung) 
18  19  20  22  24  25  26  63 
85  (uhat). 

uyedu  (cfr.  Einleitung)  7  17  20 
21   22  24  25  26  27  28  29 

30  32  39  42  45  46  57  59 
61  63  66  73  81  82  84  93 
154  156  161  183  185  187 
188  192. 

usefau-Vogel  des  Sees  83. 
u§a  (essbares  Kraut)  116  146. 
usebt-Körner  117  139. 
ut  von  Grünstein  166. 
utit  (Samen)  26  39  113  124. 
ufalt-Frucht  6   25  35  38  55  79 
84  106  112  133   158. 


J-B. 


baq  (Behenöl)  23  102. 
bä  (Klagelaut)  178. 

14 


^     210     — 


bda-Flu.ssigkeit  124. 

bÄt-Hrod  4. 

biidi  (Eitorfluss)  89. 

bebot-Prtanze  179. 

bonnut  (niiulo  Blason  oderPusteln) 

117  121  162  174. 
bciiti  (Hnistc)  17X 
bc\iftii-Fi8oh  (Staohelfisch,  Krebss) 

i;i   105  1S9. 
bo\io\i-rrtan»o  (U>. 
bi^sbov- Kornor   ^^Foncbon    18  23 

21    122    in2    14t>    1G2    1G3 

172  177. 
Ihv|{U  ^^bofinohtotor  Thoil)  174. 
bo)i^\i  IUhmv   H». 

W\W\  SnU  ^»osoiuiors  reiue  Na- 
\w\m\)  120  Vu   158  166. 

W\'a  Uotrt^s  ^inUmer  Topf,  Scber- 
bi  n^  20  2:»  78. 

i  ^P. 

\m\h  Snft  9.  ^ 

purtlot-llolz  64. 

}v«^  Kraut  24. 

|>tt)(ostAt-Pflan7.e  177. 

imvcstot-Pflanze  40. 

imt-Saft  61  77  164. 

pRt-Broil  67. 

pcmv«»-Hrod  123. 

penes-   (Variante  penest)  Körner 

104  132. 
pond -Würmer     (cfr.   Einleitung; 

Taenia  mediocanellata)  13  14 

15  16  17. 
per-baibait- Vogel  159. 
per-her-setef    (Marienglas    oder 

Gyps)  92. 
pere.^-Kümer  59  138  139  143. 
pesen-Brod  121  123  124  131  132 

195. 
pesed-Komer  47  54. 
pega  (Brotscheibe)  77. 
pet-Saft  (cfr.  pat-Saft)  77. 
peddu  (Mist)  170. 

fiili-  (Variante  fuhu)  Körner  33  48. 
fut-ab-Korn  (aniini  solatium)  79. 


^  =  «- 


mafet-Baum  133. 

mas-  (Variante  mast)  Krankheit 

183. 
mamer-Kömer  169. 
maqet-Kom  45. 
mahui  (Variante  mähetet)  -  Wuu- 

derfrucht  33  U  66  76  143 

170  177. 
mäki-Kom  23. 
memä-Frucht  37. 
meui-Korn  (aromatisches  Harz) 

79. 
menuu- Weihrauch  91. 
mennuh-Pflanze  7. 
meneq-Holz  (Styrax)  114. 
menter  (Ohr  (?))  194. 
ment'a  (weiches  Wachs)  42. 
mehit-Fisch  170. 
mehes  (Atherom)  169. 
mehet  (irdener  Krug)  12  76. 
mesäntef  (Ureter)  191. 
mesu-Kraukheil  (Fluor  albus)  173. 
mesfen  (Kupfervitriol  (?))  103. 
mesta- Getränk  (Variante  mes8ä) 

19  38  67   125  126  130  132 
^  167  176. 
mesä-Vogel  16, 
met  (Ader,  Gefass,  Muskel,  Nerv, 

Sehne)  34  117  136  137  138 

140   141    142   143    144    145 

151    152   153   166    180    181 

182   183   186   187   189    191 

192   193   194. 


>A/VWV    =    N« 

näat'et  (Excremente  (?))  49. 

när-Fisch  (Wels)  27  62  139  144 
159. 

niluben-Baum  (Saft  davon  =  Sty- 
rax) 180. 

ni  (Klagegeschrei)  178. 

nua-Pflanze  16. 

nuan -Pflanze  122. 

nut  (Göttin  des  Himmels)  60. 

neb-äpt  (Beiname  der  Sonne)  168. 


—     211     — 


Debät-Pflanze  65  67. 

nennudu  -  sepsu  -  Gel    (sorbillum) 

129. 
nent  (Knie)  134  135. 
nehur-Vogel  181). 
nehed(et)  -  Samen   (Zahnkrautkor- 
'   ner)   74  81  03  116  137  151 

175. 
nesit  (Schmerz,  Krankheit,  Leiden) 

50  163. 
nesti- Pflanze   (Carthamus  tincto- 

rius)  23. 
nesai-Korn  15  134  142. 
nesa  (V'ariante  nesau)  ==  (rerste 

12  147  153  176. 
nesu  50. 

netr-hcr-Frucht  79. 
nelr-  tit-  (Gotteskoth)  Korner    64 

65  135. 
netertu- Pflanze  (Weihrauch   (?)) 

39. 
net'hät'ehät-Beeren  124. 


=  R. 

rä  59  60  61. 

ruit- Krankheit  (Hepatitis  super- 
ficialis) 164. 

ro-äb  (cfr.  Einleitung ;  Herzgrube, 
Magengegend)  22  39  40  41 
42  43  44  45  46  48  49  50 
51  52  53  73  182  184. 

rement  (Tragegefass ,  Kasserolle) 
75  77  78. 

res  (Schleim)  165. 

red-Körner  165. 


rü  =  H. 

he-Platz-Kömer  134. 

hennu-Gefäss  (0,456  Liter)  8  35 
39  67  68  76  78  89  95  100 
105  126  128  135  140  154 
163  172  194. 

hcnnuh-Thier  193. 

heta-Pflanze  111. 

hetu  (KjDOcephalus  (?))  10. 


|  =  H. 


hauit-Darz  166. 

hautet-Harz  120  157  158. 

hatet-Oel  168. 

hunnu-Gefäss    68  69  75   76   78 

130. 
hunnu-Pflanze  168. 
hunnut-Mctal  (Schwefel pul ver  (?;) 

90. 
hunta-Körner  138  175. 
hunta-Thier  106. 

* 

huru-Körner  125. 

heb-yer-Priester  (Golchites)  184. 

hefu-Wurm  (Schlange)  179. 

heft-Wurm  (cfr.  Einleitung:  Asca- 
ris  lumbricoides)  11  13  14 
105. 

hemamu-Pflanze  (Variante  hemem) 
35  165. 

hemit-Korner  7  105  115  163  188. 

hemu-Pflanze  125. 

hemut-Kom  79  80. 

henut-Vogel  88. 

her^etef  (Eingeweidewurm)  13. 

heltü  (Würmer)  13. 

hesebt-Wurm  22  73. 

heken-Brod  (liebliches,  süsses  Br.) 
72. 

hckennu- Kömer  (köstlich,  lieb- 
lich) 174. 

#  =  X. 

Xait  (Krankheit  in  ihren  verschie- 
denen Formen)  40  42  44  47 
62  181  182  184. 

Xare  (Beiname  der  Sonne)  168. 

Xasit  (Mohnpflanze)  5  9  25  26 
41  43  50  59  61  62  65  (vait 
statt  xasTt)  67  70  108  132 
141  144  151  152  153  163. 

Xui  (Sonnenpriester  von  Helio- 
polis)  98. 

Xebu-Pflanze  (|jl£X(Xu>toc)  164. 

Xebt  (Stadt)  174. 

Xeper-ur- Samen  30  34  152  175 
176. 


—     212     — 


•/enu  (Variante  xennu  =  Flasche) 

134  170. 
Xensu  193  194. 
XeneS- Pflanze  178. 
Xent-Korn   (grüne  Bleierde)    68 

139  189. 
Xent  (Geschwulst)  74  89. 
Xra  (Schwertfisch)  61  178. 
Xert  (Baumfibern)  125. 
Xesait  (cfr.  x^sit)  =  Mohnpflanze 

35  112  120  133  143  147. 
Xesau  (Mohnpflanze)  178. 
Xosit  (Mohnpflanze)  30  64. 
Xesu- Körner  155. 
Xet-Pflanze  (frutcx  hortensis)  23 

28  37  38  45  50  60  62  67 

76  107  126  127  131  141 

145  148  149  165  174  186 

189. 


S. 


sa-Samen  (Natron  oder  Salpeter) 
31  81  82  85  89  90  91  94 
95  98  109  134  144  187. 

sa-Wurni  (Filaria  medinensis) 
134. 

sa-Glied*  191. 

sait-Kraut  (Wegerich)  24  25. 

sau-Holz  59. 

sar-Saft  (Hefe)  78. 

sa-hemem  (Metallmann)  190  191 
'192  194. 

säatet  (Gebrochenes  (?))  42  43. 

sus  (Dyspnoe  (?))  53. 

suset- Wasser  126. 

seb  (Name  des  Erdgottes)  60. 

sebtetit-Pflanze  23  129. 

sep-Wurm  (Filaria  medinensis) 
134. 

sefet-Oel  (heiliges  Salböl)  15  18 
24  26  50  61  104  107  111 
112  116  119  120  134  142 
150  158  173. 

sefet  (Hinschmolzen)  194. 

senen-Harz  (Opalharz)  26  65  89 
90  91  94  95  97  99  101. 

senenutet- Pflanze  (Pistia  stra- 
tiotes)  17  73  165. 


ser  (Mal)  169. 

serit  (Brechreiz,  Ueberladung)  75 

76  78. 
sert-Saft    15    16   71  80  81    137 

149    150    (sert-Pflanze)    164 

172  173. 
sehetet-Kömer  30  54  92  103  141. 
sex  194. 

sexept-Körner  167. 
sexept-Saft  17  71  137. 
sexen  (Geschwür,  Abscess)  42  49 

188. 
sexet-Flüssigkeit  164. 
sexet-Pflanze  7  41  43  47  50  163 

164. 
sexet-Priester  180. 
sesqa-Körner    18  23  26  131  135 

136   139   140  142   145    147 

148  151. 
seSsalt-Kömer  150. 
seteft  (Drücken,  Aufstossen)  19 

20  24  25. 
seter-Trunk  (Opium)  33  106  139. 

an;  T^TJ  =  ä.  . 

sau  (Hitze)  86. 

samu-Oel  126, 

sames-Pflanze  8  12  13  36  37  54 
55  58  61  132  133  149  186 
188  189. 

sas  (Schnitte)  194. 

sasa-Stücke  (Kuchen  aus  zusam- 
mengepressten  Rosinen)  6  8 
27  33  34  36  37  38  41  42 
44  46  47  54  55  56  57  58 
59  66  92  107  127  129  132 
143  146  150  154  160  189. 

sätet-Kuchen  130. 

Su  (Gott  der  Luft)  60  167  174, 

sut-Pflanze  des  Südens  16  74  137 
147  161  164. 

sebeb  -  Flüssigkeit  (Misch trank : 
Variante  Sebbet,  gebet)  3  36 
75. 

sebeb-Pflanze  (Festuca)  125. 

sebet-Brod  151  177. 

Sebet-Harz  180. 

sebt-Weihrauch  130. 


—     213     — 


Sepen- Krankheit   (rothe  Flecken 

zeigen)  155. 
§epnen- Samen  (Mohn)  102  103. 
§eps-Pflanze  (Edelkraut)  118  121 

148  150. 
sept  (Unordnung)  151. 
Sefu-Oel  37. 
SefSeft-Fnicht  23  38  66  103  121 

142  152. 
senau-Pflanze  (Carthamus  lanatus) 

124. 
§eneft  (Opferkorn)  4  8  10  12  14 

15   17  21   23  27  50  60  71 

77    102    122    123    125    148 

150  163. 
sens-Brod  61  130. 
seset-Pflanze  131. 
se§  (Mutter  des  Königs  teta)  106. 


qaa-Kömer  125. 
qaat-Komer  124. 
qaqa-Pflanze  (Ricinuspflanze)  5. 
qaqaut  (Pusteln,  Pocken  (?))  120 

121. 
qat-Körner  131. 
qat-§ut-Kömer  (Endivia)  129. 
qadit-Thier  (Antilope)  83. 
qadet-Pflanze  60  69  73  141. 
qebu-Frucht  (cfr.  baq)  98  111  158 

162. 
qemu-Samen  (Schwarzbaum)  16. 
qereft  (Knoten)  152. 
qereqtu-Samen  176. 
qesi  (ApoUinopolis  parva,  Stadt 

in  Ober-Aegypten)  90. 
qesit-Kom  83. 
qesemut  (Glanzlosigkeit)  96. 


=  K. 

kesebt-Baum  (Ricinus  frutex  (?)) 

4  11  12  15  84  158. 
kesu-Kömer  114. 
ketket-Pflanze  127. 


S  =  G. 

gabgu- Vogel  104  105. 

gennu- Vogel    (coracias  garrula) 

179. 
gengent- Bohne  3  4  6  7   18  19 

74  78. 
gent- Krankheit  (cfr.  Einleitung) 

175. 
genti- Samen  (Cassia)  36  51   53 

55  72  112  172  174  175  178. 
gentet-Pflanze  15  59  60  123  165. 
gehu  (grosse  Schwäche)  79. 
gesfen-Kom  (Kupfervitriol  (?))  64 

82  83  87  92  103  112. 


o  =  T. 

ta-Saft  22. 

ta-Brod  15. 

täa  (Gerste;  Variante  tau)  21  80 
146  147. 

tIt-Kom  7  124. 

teun- Pflanze  (Variante  teunen) 
50  120  135  139  140  141 
148  187  188  189. 

teur-Schilf  (Weidenbaum)  81. 

tepau  (Früchte)  139  143  153. 

tepaut  50. 

tepu-Körner  148. 

teftiut  (Göttin,  welche  die  feuch- 
ten Niederschläge  spendet) 
174. 

temt-Fisch  119. 

tentem-Beere  64  82. 

tendä-Beere  84  86  94  143. 

terp-Gans  94. 

tehebu-Baum  6  53. 

tehua  (Variante  von  Oehui)  41 
43  47. 

tektek-Pflanze  33  59  143. 

tetä  106. 


=  e. 

däam-Pflanze  (Variante  däm)  4  5 
6  16  17  20  24  26  39  42  46 
47  70  71  77  78  122  162  164. 


8u»ekeii  99. 

»fmes  194. 

Bert  (Weidenbaum)  72. 

fteliui-PflaDEP  (VarisDtp  Sehua)  3 
36  38  58  6U  113  116  128 
131  13a  133  136  144  I4'l 
153  158  177  188  189. 


delier-  (Variante  deben)  Krank- 
heil  ^  iDorhus  ruiis,  put- 
redo  (?)  48  75  182  183. 

des-Krug  8  38  3!'. 

dei -Samen  44. 

deser- Samen  67. 

de<jm-(Variantedega)Baum  =  Ri- 
cinusbaum   6  62  10-2  130. 


cr  1»7. 
;0,6  Liter)  2  3  3  10  11  15 
7  18  19  -20  21  37  32 
39  Ö0  53  54  55  57 
S  66  71  72  75  78  81 
03  109  127  137  156  163 
69  170. 

(Variante  tod  Sehut)  99. 
Tbier  113  125. 


^  = 


l'aäs-PIlanie  16  59  127. 
t"aä-K.^nier  8  121. 
t'ahi  (Land  in  Agjen)  ISO. 
t'as-Pfianze  14  117  131  132  136 
143  144  153  159  163  169  186. 
t'ät-Oel  126  132  145  147  148. 
t'eft'eft  (Eiterfluss)  91. 
I'eha-Thier  110. 
I'edeb-Fiscb  (Zitteraal)  75. 


Berichtigungen. 


Seite 

13. 

Z.  18 

von 

unten  lies 

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15. 

Z.  14 

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16. 

Z.  10 

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43. 

Z.    2 

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77. 

Z.  17 

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90. 

Z.  13 

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unten    „ 

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103. 

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lies  LXV. 

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129. 

Z.  17 

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unten  lies 

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150. 

Z.    4 

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187. 

Z.  16 

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189. 

Z.    1 

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189. 

Z.  13 

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199. 

Z.    6 

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?»         >< 

Datteln   von   der   weiblichen 

Palme. 
ta-Brod. 

sut-Pflanze  des  Südens, 
uat^- Krankheit, 
u  at'- Krankheit 
Brugsch.Wört  Bd.  VII.  S.  1311. 

statt  Luring.  S.  60. 
0,456  Liter  statt  0,465  Liter, 
einen  statt  ein. 
hunnut-Metall. 
statt  XLV. 
aaget-ÖL 
se§  salt- Korner. 
Halse  statt  Hals, 
erweicht  slatt  erreicht, 
gedauert  statt  bedauert. 
Xra-Fisch. 


im  ^i^i. 


">-^H«^- 


i^kS 


tffttrtattott 


Sur 


(Erlangung  6er  Doctorujurbe 
f inr  |i|ni  jirifttfifni  likultit  Itr  |«il»iit»r|lfif  ;t  itt|ri 

»orgclegt 

Don 


fielen. 

1888. 


L«  •».. 


fiber  bte  ban^tfat^ttd^  benn^te  Stteratnr. 


1.  ^rnolb,  ^erfaffimgiSgefc^ic^te  ber  beutfd^en  grfiftobte,  (Boii^a  1854. 

2.  C^ inert,  Uebrr  bad  Utd^t  ber  ^^ameniSfu^rung  unb  9{amendänbenmg.  ;3[n  ben 
„(J^drterungcn  eingefner  SRaterien  btd  (Siotlre^tö".     !I)redben  unb  Setpjig  1840. 

3.  @lareiiS,  Srunbrig  ju  $or(efungen  über  bad  bcutfc^e  bürgerliche  9{e(^t,  biegen 
1877  §  40  unb  42. 

4.  ^QrciiJ,  2)Q«  juriflife^c  SBefen  ber  Sfntorre^tc,  fottjte  beS  girmen*  unb  a)^arfcn' 
ffl^it^e  in  Sufd^'iS^riJ^i))  für^^eorie  nnb^ftvap^  bed  $anbe(dre(^ted,  35.  ^anb, 
33crlin  1877. 

5.  Berber,  ©eutfd^ed  ^rioatrn^t,  9.  «ufloge. 

B.  @  5  finger,  9lealIe;ifon  ber  beutfd^en  9(tert^ümer. 

7.  ^anbbuti^  für  bic  f^nieigerifc^en  diDilftanbdbeamten.  herausgegeben  \>om  fc^mei^e« 
rifd^en  ®eportcment  beS  Innern,  ®ern  1881. 

8.  ^etn^e,  bte  beutfd^en  Familiennamen,  ^atte  1882. 

9.  ^ermann,  Ueber  bad  9{ed^t  ber  9hmendfü^rung  unb  ber  9^amendänberung,  in 
bem  «rc^it)  für  ciDilijlift^e  ^rajid,  45.  ©anb  1862. 

10.  3^  er  in  g,  9ied|tdf(ffu^  gegen  injuriöfe  Sted^tdoerletjungen,  in  ben  3[a^rbüd)evn 
für  bie  !3)ogmatif  bed  heutigen  römifc^en  unb  beutfc^en  ^rioatred^td,  ^anb  XXIII., 
3a^rgang  1885  <5eite  320  ff. 

11.  Saferer,  Ueber  bie  ^^erfonennamen  unb  beren  ^fenberungen  nac^  öflerreic^ifc^en 
(»efefeen,  Söien  1879. 

12.  ft- 0^1  er,  ^ad  9Ie(^t  bed  ä^ar!enfc^u|^ed,  Sürjburg  1884. 

13.  J^riegf,  2)eutf(^ed  ©ürgcrt^um  im  SWitteldter,  granffurt  a.  m.  1871. 

14.  Laurent  principes  de  droit  civil,  Paris. 

15.  9lot^,  ©i^rtem  bed  beutfc^en  ^rioatred^ted,  2:übingen  1881. 

16.  Salverte,  Easai  historique  et  philosophique  sur  les  noms  propres,  Paris. 

17.  0.  vSit^ercr,  dommentar  gum  SReic^dgefe^  über  bic  33curtunbung  bed' ^erfoncn* 
flonbed,  erlangen  1870. 

18.  Stmrod,  3)ie  ebba41eberfcfeung,  (Stuttgart  1876. 

19.  ©tanbedbeamte,  ber.  Organ  für  bie  Sntereffen  ber  ©tanbcdbeamten  im  bcutfd)en 
mtidie,  ©ertin  feit  1875. 

20.  @tobbe,  ganbbud^  bed  beutft^en  ^rioatrec^td,  erfle  unb  jnjeitc  Auflage. 

21.  Söeinfjolb,  «Itnorbifd)cd  Ceben,  «erlin  1856. 

22.  ^iarba,  Ueber  beutfdfe  Vornamen  unb  (^efd^ted^tdnamen,  Berlin  1800. 

23.  3ac^arioc ,  $anbbudf  t^e^  franjöfifd^cn  ßioilred^td ,  7.  Stuflage  (2)rei)er) 
^belberg  1886. 


3ttv  Oefd^id^te  bet  i^ors  unb  3ttttamen. 

6^  ift  cine  aUbefanntc  Zljat^a^t,  ba§  bic  ®ittc,  jwci  SWamen, 
einen  3Sornamcn,  and^  lanfnamen  genannt,  nnb  einen  ^wnamen 
I  Familiennamen)  jn  fiitiren,  in  X^cntfrf)Ianb  eine  öer^ältnigmä^ig  fel^r 
jnnge  ift. 

©nlgegen  ben  ®ebräu^en  ber  9tömer,  bie  feit  ber  9iepublif  neben 
i^rcnt,  unferem  Ijcntigen  äJornamen  entfprerf)enben  praenomen,  jur 
iBejeid^nung  be^  Oefd^Ied^t^  einen  nomen  gentilicium,  gnr  SBejcic^nung 
ber  Familie  einen  ^ön^ili^i^ttön^c"/  cognomen,  jnnjeilen  and;  noc^  einen 
iöeinamen,  agnomen,  trngen/)  begnügten  fid)  bie  ©ermanen  Söfjt^un- 
bertc  f|inburc^  mit  ber  ans^fdjlie^lid^en  t?üf)rnng  eineö  Dlamenö;^)  eö  ift 
bic^  ber  fogenannte  ^crfonenname.  !Die  Beilegung  biefeiS  9?amenö, 
bie  SWamengebung ,  oolljog  fid^  bei  ben  ©ermanen  ber  älteften  Qdt  in 
feiernder  SBeifei'O  2)aö  neugeborene  fiinb  ttjurbc  in  bcn  @c^oo§  beö 
23atcriS  gelegt.  'Diefer  naljm  eö  auf,  begoß  eö  mit  333affer  nnb  legte 
il)m  ali^bann  einen  3lamen  bei.  Die  fid^  and)  bei  ben  meiften  9?ölfcni 
finbcnbe  SBcfprengung  m^t  SBaffer  ^attc  ben  Qtocd,  baö  Sinb  ju  I)ci- 
ligen  unb  ju  njeitjcn^)  unb  c^  ift  leidet  erfid)tlid^,  baß  bie  ?le^nlic^feit 
mit  ben  bei  ber  djriftli^en  laufe  üblid)en  g^ormalitäten  üicl  bagu  bei^ 
trug,  ber  le^teren  leid^teren  ©ingang  in  ®ermanien  ju  t)erfd[)affen. 

S)ai8  5Red^t,  bem  neugeborenen  Sinbc  einen  Xiamen  ju  geben,  ftanb 
bem  SJater  fraft  feiner  ^an^üäterlid^en  ®ett)alt  ju,  juweilen  üerjid^tete 
er  mo^l  aud^  ju  fünften  eineö  naiven  33ertt)anbten  auf  fein  9led)t. 
tiefer  festere  f)attt  bann  eine  bem  d^riftli^en  ^at^en  gauj  entfpred[)enbc 
Stellung  unb  ftanb  ju  bem  Äiribe,  bem  er  ben  5Wamen  gab,  ba^  gauge 
ycl&itt  .^inbur^    in  einem    gemiffen   autoritativen   SSer^ältniffe.     3)er 


*)  »gl.  ^ier^u  namcntüt^  ©olücrtc  I  §  28 ff.  unb  Starba  ©.  117  ii.  118. 

*)  3"n)eilcn  finben  roir  bem  römif(^en  nomen  gentilicium  cntfpre(^cnbe  Söcjcid)'- 
nungen,  wie  äWcroroinger,  Slgilolfingcr  u.  f.  tu. 

»)  »gl.  ScinMtt^  ©•  262 ff. 

*)  «gf.  bic  ©tettc  ber  (Sbba  in  bem  rät^fl^often  SHiinenlicb  Cbm«  Stropfje  159  (21  >, 
Stmrorf'd  @bba  3.  57. 

9ebi.    SSornatnen  unb  gramificimatncn.  1 


—     2     — 

Siaincngebcnbc  pflegte  bent  Stinbc,  ebeufaü^  ber  fpätcren  djriftlic^cn  Sitte 
conform,  ein  ®ef dient  ju  reirf)cn.^) 

©ic  (Sermanen  uerbanben  mit  i^ren  9tomcn  eine  gettJiffc  Scbcutiing. 
^nbcm  man  bcnfelbcn  cine  Art  ttjeigjagcnbc  Sraft  jufd^rieb,  gab  man 
bcm  ^Tinbe  gerne  einen  Seamen  nad^  einer  Sigenfc^af t ,  bie  ba^Jelbc, 
grog  getüorben,  l^anptf äd^lic^,  bet^ätigen  fottte,  nnb  c«  tritt  hierbei  ein 
©runbjug  hc^  germanifrf)eu  SSoIf^d^aracteriS  infottjcit  tiar  gn  Xage,  ah 
ja^lreid^e  männlid^e  nnb  tütiblid)t  9iamen  i^re  SBejiel^nngen  jn  !ricge^ 
rifd^en  JBefd^äftignngen,  ju  ©äffen  unb  Stampf  flar  erfcnnen  laffen.-) 

SBenn  aud^  bie  Germanen  bej§  g^^Micnnamenö  entbehrten,  fo  tritt 
bo^,  tt)ic  bieig  öon  SBein^oIb  na^gemiefen  ift,  entfd^ieben  ba&  Sc^ 
ftrebcn  fjerüor,  bie  ^nfammcnge^ürigfeit  ber  einjelnen  göinilienmitglicbcr 
an^  fd[)on  in  ben  geführten  ^erfonenhamen  erfennen  jU  laffen  unb 
man  erreid^tc  bieö  t^cite  baburd^,  ba^  man  bem  Soljnc  ben  SWamen 
beiS  SJaterö  ober  aud^,  tibereinftimmenb  mit  einem  bei  ©rieben  unb 
;3fuben  gcljanbljabten  ®ebraud^e,  ben  SWamen  ht§  ©rogüateri^  gab, 
t^eil^  bur^  ©ebraud^  beö  ablaute,  ber  Stttiteration  unb  ber  SQSieber 
Ijolung  beöfelben  @nbmorti§  an  oerfc^iebenen  Stämmen  (j.  58.  Stfcridj 
unb  aiprid^).3) 

?([§  ba^  Sf)riftentf|um  fid^  in  2)eutfd^Ianb  93a^n  brad^,  äußerte  cs^ 
einen  ©nfluß  auf  ha^  SlameniSmefen  junäd^ft  babur^,  bag  bie  t)on  ben 
(gltcnr'glcid^  luid^  iljrer  ®eburt  benannten  ^iuber  bd  bem  urfprüng^ 
lid^  nur  auf  Dftern  ftattfinbenben  laufacte  auf  ben  gegebenen  SJamen 
ober  auf  einen  gleiten,  if)nen  ^ier  beigelegten,  aber  im  gcmöl^nli^cn 
Seben  gar  nid^t  gur  SJernjenbnng  fommenben  5Wamen  getauft  UJurbenM 
unb  (jicrauö  entnjicfclte  fid^  bann  bie  Sitte,  bie  9iamengebnng  mit  ber 
Taufe  ju  öerbinben. 


*)  3nteieffont  ifl  in  bicfcr  ©ejicbung  eine  ©tette  ber  Sbbo  im  Öicbe  oon  ^clgi, 
bcm  ^o^nc  ^iörnjorb«  (©imrocf  ^.  132  ff.).  2)en  ftummen  So^n  ^iömarbS 
trafen  cinft  neun  SSalfürcn.  S>ie  ^crrüc^fte  fang  „fpät  hjivfl  2)u,  $clgt,  bie  @(^übc 
be^ervft^cn,  2)u  rcid^ci*  ©t^tac^tbaum"  u.  f.  n).  3^r  antwortet  ^etgi  „xoa^  gibfl  3)it 
mir  nod^  ju  bcm  5Ramcn  ^efgi,  blü^cnbc  ©raut,  ben  3)u  mir  boteft,  crmäge  ben  gan- 
zen @vu6  mir  wo^l,  id)  ne^me  ben  Xiamen  nic^jt  o^ne  Xxtt)" 

^)  Söein^olb,  dtnorbifc^e«  Öcben,  @.  262  ff. 

''*)  Ucber  ben  ©ebrauc^,  ben  iJinbcSttamcn  aiiS  bem  Dramen  bed  ©aterS  nnb  ber 
i2)?uttcr  gu  bilben,  fo  bag  $.  S3,  ein  $atcr  @er^arb  unb  eine  iDhttter  Solf^ilbc 
i^rcn  <So()n  „QJerotf"  benennen,  ög(.  Stcub,  bie  obcrbcutft^en  fjamiliennamen, 
aWunc^en  1870,  ©.  30  ff. 

*)  SBiarbo  @.  170  ff. 


-     3    - 

Tlan  bcbicntc  fic^  jeboc^  nod^  ;3af)rt)unbertc  nad)  (ginfii^rung  bt^ 
ffi^riftcntl^umig  in  3)cut[d^lanb  nur  bcr  anf  gcrmanifd^cm  ©oben  cnt^ 
yproffcnen  ?ßcrfoncnuamcn.  @rft  mit  bcm  (Snbc  bcä  elften  unb  bcm 
Einfang  be«  jn?ölften  ^[a^rl^unbertg  trat  Ijicr  eine  Äcnberung  ein.  9Rit 
bem  aSad^fen  ber  pJla6)t  ber  ®eiftlic^en,  mit  bcm  fid^  immer  mc^r 
ftetgernbeu  Sultu^  ber  J^eiligen,  brangen  allmäljlig  and)  frembe,  grie= 
(f)if(^e  unb  Iateinifrf)e  Seamen  in  Deutfd^faub  ein  i)  unb  fie  f anbcn,  feit 
bem  breijejintcn  ^f^^r^unbert  and)  aU  SSprnamcn. neben  ben  ^amiücn-' 
namen  fte^enb,  bei  bcm  SJoIfe  um  fo  Bereitwilligere  ?Iufna^me,  al§  bic 
and)  ^eute  noc^  bcftel^enbe  SKcinung  cine  fcl^r  verbreitete  tvai  unb 
burc^  bk  ®eiftlid^feit  auf'ig  ©ifrigfte  genährt  würbe,  ba§  man  mit  ber 
Ännal^mcbcS  9lameni§  cincig  |)eiligen  fid^  aud^  bei^  befonbercn  ©c^ufeesf 
be^felben  öerfic^ert  l^alten  fonne.  Der  le^tere  Umftanb  crflart  t^  and) 
äur  ®enüge,  baft  einige  $)eiligennamen,  wie  ijjoljannei^  mit  feinen 
Äbfiir jungen  unb  UmftcUungen,  ?etru^  unb  ^anluig  fid^  am  ^äu=^ 
figften  finben.  31)enn  wenn  man  einmal  bur^  ©rfiefung  be^g  ÜWameuö 
fi^  in  ben  @d^ug  cincö  ^eiligen  begab,  fo  war  ni(^tig  natürli^er,  alö 
baß  man  fid)  aucfj  einen  bcr  mä^tigftcn  jum  Patrone  auöerwä^Ite. 

^^htn  biefen  ncuteftament[id)en  9?amen  fommen  befonberö  feit  bcr 
:Hefqrmation,  aber  and)  fd^ou  oor  biefer  Qtit  ^)  altteftamcntarifrf)e  SSor^ 
namen  auf,  bie  fid^  in  fe^r  rafd^er  äScife  verbreiten  unb  von  bencn 
'  einige,  wie  abam,  fogar  in  üWobe  fommen.'^) 

Ucbrigeni^  mag  ^icr  l^erüorge^oben  werben,  ba^  bic  SScrbreitung 
ber  diriftlid^en  SJornamen  früher  eine  local  völlig  vcrfrf)icbcne  war  unb 
wo^I  aud^  Ijcutc  no^  ift.  Söä^renb  firf)  3.  SB.  in  einigen  Dörfern  von 
Württemberg  um  baö  ^a\)x  1383  laut  erl^attcncr  Urfunbcn  nur  gcr== 
manifd^e  35ornamen  finben,*)  finb  ju  berfclben  $^di  bie  33ornamen  in 
Sedierten  vorjügli^  d^riftlid^e  ^)  unb  fold^er  SBcifpiclc  ließen  fid^  wo^I 
bei  ÜSergleic^ung  ber  Urfunbcn  vcrfd^iebcner  ®egenben  an^  einer  bc^ 
ftimmten  (Spod^e  Uid)i  mefirerc  beibringen. 

M  ög(.  ^ierau  ^eiit^e  @.  24 ff.  unb  Siarba  @.  73 ff. 

')  ^%{,  einen  8lrtifc(  oon  (g.  Söernide  in  ber  ©ciCaflc  gur  Stttgemeinen  gcitung 
oom  10.  gcbniar  1886,  ber  in  einem  «ergeic^nifFc  ber  ölteften  Äonfuln  oon  5Bre«lQU 
im  3a^re  1290  einen  ^oc^arioÄ,  im  Ofo^rc  1316  einen  Salomon,  im  3o^re  1412 
einen  ©abriet  u.  f.  mi  conjlatirt. 

^)  «gl.  Scrnidc  a.  0.  O. 

*)  S^jjL  ^iergu  einen  SIrtifel  üon  g.  X^ubic^um  in  bcr  öeiCagc  jur*  3(ögc 
meinen  3<^^wng^öom  10.  Januar  188G. 

-)  »a(.  feernitfc  a.  0.  O. 

1* 


®ir  f)a!bm  focbcu  ba§  @nbc  bcö  elften  unb  ben  Anfang  beig  jwölf« 
ten  3?a]^rl)unbertig  aliS  bie  Qdt  bejcid^nct,  in  bcr  jucrft  c^riftlid^e  SHamcn 
nöc^  35cutfd^lanb  gcbrnngcn  finb.  ^^m.  ?lnfang  beiS  jwölftcn  ^af)x* 
l}unbertd  nun  beginnt  ftd^  eine  noc^  urn  ))ieled  mid^tigere  Umtt^anblung 
imlßamcnöwefen  2)eutf(I^Ianb!g  ju  uoUjiel^cn,  cine  UnirtJanblung,  bie  crft 
in  unferem  :3al^rl|unbert  al§  ooBenbet  ju  betrad^ten  ift,  mir  meinen  ba^ 
^Xuffoinntcn  erblicher  Familiennamen.  2)a5fclbc  ift  fein  jufälligeö  nnb 
Q§  fefjlt  feinejgttjegö  an  einem  Sinbeg'Iiebe,  ba^  öon  bem  einfad^en  ^er^^ 
fonennamen  ju  bem  ®ebraud|e  jmeier  S'Jamen  iiberftil^rt. 

^n  älterer  3cit,  too  ^eber  an  feine  ©d^oIIe  gebannt  lebte,  ."panbcl 
unb  25er!c]^r  gering  unb  aud^  bie  SBeüölferungi^äC^l  nod^  nid^t  fo  grog 
mar,  ber  SJad^bar  ben  9larf)barn  genau  fannte,  fonnte  man  mit  einem 
Xiamen  ööUig  aui^fommen.  ®obalb  aber  in  einem  gemiffen  engeren 
Söejirf  bei  ftelgcnbem  S>erfeljr  mehrere  be^fclben  S'iamen^  neben  einanber 
lebten,  mugte  mit  92otl)menbigfeit  in  einer  Unterfd[)eibung  gefd&ritten 
merbeu  unb  cö  entftanben  fo  feit  bem  je^nten  unb  elften  ^a^rtjunbert 
unt)ererbtidt)c  93  ein  a  men  bcr  »erfd^icbenften  Strten,  hergenommen  j.  SB. 
oom  S?atcri^namcn,  üom  Stmte,  einer  Ijcröortretenbcn . Sigenfd^aft  einer 
^erfon  u.  f.  m.^) 

8tu^  bicfcn  oft  med^felnben  SBeinamcu  nun,  bereu  |)auptunterfd^ieb 
Don  ben  germanifd)en  i>erfonennamen  moI|l  barin  ^n  finben  ift,  bafe 
biefc  ben  ^crfonen  burrf)  bie  ^^nii^ie  beigelegt  merbeu,  jene  aber  gerabc 
i^ren  @d)i5pfer  in  entfernt  ftcl)cnben  ^erfonen  finben,  entmirfcln  fid^ 
feit  ber  angegebenen  ^eit  erblid^c  iJömiliennamcn.  SJei  bem  ftärfcren 
^eröortreteu  bcr  ^erföulid^feit  gegenüber  bem  früher  prätjalirenben  ®runb* 
befig,  ber  großen  Qai)l  üon  SRc^tögcfdjäften,  bie  üom  33atcr  abgefdljloffen, 
bem  ©oljnc  S5erpfHdjtungen  auferlegten,  mar  e§  nöt^ig,  SBejeic^nungcn 
jU  fiiibcn,  bie  bie  SJermanbtfd^aft  erfennen,  ben  ©laubiger  feinen 
®d|ulbner,  ben  ©d^ulbner  feinen  ©laubiger  rafdE)  finben  liegen,  unb 


')  SBgl.  hierüber  Sßiarbo  @.  105ff. 

@in  etgent^ümttc^ed  Slnalogon  gu  ber  SBeinamcniSgebung  iener  a(tcn  3^^^ 
finben  to\t  in  einer  $eff.  SSerorbnung.Oon  1850.  SJgl.  ^^eff.  9^e^ierungdblott . oon  1850 
©.  282  (§  10).  @3  ^ei^t  ^tcr":'2ßenn  in  einer  ©emcinbc  [ooieCe  ^crfonen  bcnfefben 
95or*  unb  3"non^fn  baben,  hai  bei  bloßer  Unterft^eibung  berfelben  nad}  S^Jummern  ein 
3rrt^um  leidet  toorfommen  !onnte,  fo  "n)erbcn  bie  ^Beamten  unb  $iUfi8beamtcn  ber  -frei* 
njittigen  ©crid^töborfeit,  indbefonbere  bei  Uebertragung  oon  ©runbeigent^um ,  einer 
folc^en  ^erfon  jur  befferen  Untcrfd^eibung  neben  ber  5Jiummer  not^  eine  Weitere  ©e- 
jeic^nung  geben,  meiere  oon  bem  Stanbe,  bem  ©emerbc^  oon  bem  92amen  ber  (Sftern 
ober  ä^nli^en  llmftanben  ^ergune^men  iß. 


—     o     — 


baö  bcftc  3RittcI  ^icräu  bot  eben  ba§  ©ntfte^en  erblichet  Familiennamen. 
@Ä  fann  unferc  Slufgabe  nid^t  fein,  bie  ücrfd^iebenen  Sitten  bcr  ffint* 
ftc^ung  ber  ^ßwiili^nnamen  ^ier  nä^cr  ju  berühren,  e^  möge  ber  ^in^ 
roei^  anf  einen  ?lbfci^nitt  in  „Ärnolb,  aSerfaffungögcf^id^te  ber 
beutfd^en  f?reiftäbte,  35b.  2  ®.  197  ff.,  bie  compilatorifd^e  «rbeit  üon 
Albert  ^ein|e,  „®ie  bentfd^cn  Familiennamen"  unb  ba^  \(i)0\x  er^ 
möi^nte  85nc^  tjon  ©  t  e  u  b  genügen,  roelcfier  in  ^öc^ft  intereffanter  aSeife 
eine  groge  SRei^e  t)on  Familiennamen,  bie  man  bi^l^er  \tct^  auf  ^erüor* 
fted^enbe  (gigenfd^aften,  ben  ©tanb  beö  urfprünglicfien  Siamenöträgerig 
u-  f.  tt).  jurücf fütirte ,  auö  uralten  beutfd^en  SRann^namen  erflärt. 
SBo^t  aber  finb  I)ier  nod^  einige  93emerfungen  über  ben  Ort  unb  bie 
3eit  ber  ©ntfte^ung  in  3)eutfd^lanb  am  ^lag. 

3)ie  Fii^^wng  bcr  F^iniKcn^önicn  entmidelt  fid^  in  ©eutfd^lanb 
än^erXtJjtngfam,  i^inb^n  ^e  fid^  im  12.  unb  13.  ;3o^^^wnbert  an 
einem  Ort,  fo  fann  bai^  immer  alig  S^^^^^  ^^^^^  freien  r.egeren  Sßer^ 
fel^rö  an  bemfelben  angcfeticn  mcrben.  Sie  tommen  juerft'  in  ®üb= 
bcutfd^lanb,  am  Sl^eine  auf  unb  jroar  nad^  rid^tiger  8lnfidE|t  bei  ber 
Älaffc  uon  Scmol^nern,  in  bereu  |)änben  bamate  auöfd^ließlidj 
^anbel_^  unb  33erfe^r  lag,  bei  ben  ©tabtbürgern  unb  aud^  l^icr 
ttjicber  juerft  iti  ben  ^atriciern,  fpäter  bei  ben  9iittern  unb  ^anb^^ 
Werfern.  Äud^'  ber  ^ol^e  ?lbel,  ber  fid^  nad^  fbinem  ©tammfi^e  nennt, 
ftc^t  hinter  ben  ©täbteu  jurticf. 

3?ön  Solu,  baö  fc^on  um  1106  F^ntiliennamen  aufjuweifen  tjat, 
von  3üti^,  SSafel,  aWaiuj  unb  SBormig  breitet  fid^  bie  (Sitte  im  13.  unb 
14.  ;3fa^rt)unbert  allmäfilid}  nad^  ben  ©täbten  bei§  SiorbeuiS  ^in  an§. 
23on  ben  ©täbten  bringt  bie  ©itte  tangfam  auf  ba^  flad^e  2anb  ju  ben 
äSauern  über,  bie  ber  Familiennamen  nod^  nic^t  fo  fel^r  bcbürfcn,  ba 
\)kx  bie  ^erfönlic^feit  öor  bem  ©runbbefigc  ganj  jurüdttritt,  unb  jum 
X^eil  nod^  im  15.  unb  16.  ^al^rl)unbert  ber  Fön^i^icnnamcn  entbel^ren. 
Den  ?[bfd|tu§  ber  ©uttoidEeluug  fönneu  wir  erft  in  baö  ®nbe  beö  t)ori= 
gen  unb  ben  Anfang  unfere§  :3^I|rf|unbert^  fefeen,  ba  in  biefer  ^eit 
erft  bie  :^uben  _burd^  üerf^iebene  SBerorbnungen  allgemein  5ur  Äu- 

naljmc  fefter  F^^iwilic^^^^^^^w  fameu. 

ÜDaS  franjöfif cf)e ,  aud^  für  9l^einl)effen  gültige  1)ecret  oom 
20.  2utiJ808  Jeftimmt  in 

Art.  1.  Ceux  des  Fran^ais  qui  suivent  le  culte  h6braique  et 
qui,  jusqu'ä  präsent  n'ont  pas  en  de  uom  de  famille  et  de  prenoms 


—     6     — 

fixes,  seront  tenus  d'en  adopter  dans  les  trois  mois  de  la  publi- 
cation de  notre  present  decret,  et  d'en  faire  la  declaration  parde- 
vant  I'officier  de  Tetat  civil  de  la  commune  oü  ils  sont  doraicilifes. 

Art.  7.  Les  Juifs,  qui  n'auraient  pas  rempli  les  formality 
prescrites  par  le  present  dfecret  et  dans  les  delais  y  portfes,  seront 
renvoyfes  de  France. 

ÜDurd)  patent  oom  23.^  ^nli  1787  njurbc  ben  ;3:ubcn  in  bcu  öftcr^ 
reid^ifc^enJSrblänbcrn  ücrorbnet,  fcjtimmte  ©efdjlcd^ts^namcn  unb  bcutfdjc 
33ornamcn  anjuncl^mcn. 

®ö  l^cigt  in  §  1  bc^  latentes  :i)  @S  ttjirb  ücrorbnct,  bie  :JJubcn* 
fc^aft  in  alien  ^roüinjcn  ju  öer^altcn,  baß  ein  jebcr  ^auSöater  für 
feine  JJamilic,  ber  SBormunb  für  feine  SBaifcn  nnb  eine  jebe  lebige, 
Weber  in  ber  üäterlid^en  ®mali,  nod^  unter  einer  SJormunbfd^aft  ober 
Kuratel  fteljenbc  3Kannöperfon  Dom  1.  Januar  1788  einen  bcftimmten 
@efcf)led^t^nanien  führen,  baiS  ttjeiblic^e  ©efd^led^t.  im  lebigen  Staube 
ben  ©cfd^led^ti^namen  iljre^  33ateri^,  üerl^eirat^et  jenen  i^reö  3Ranneö 
annel^men,  jebe  einzelne  ^crfon  aber  oline  3luignaf)me  einen  beutfd^eii 
25*ojnamen  fid^  beilegen  unb  fold^en  Qtit  iJebenjg  nid^t  abäubern  foil. 

2)Jan  üergleid^e  weiter:  ba^g  preußifd^e  ebift  tjom  12.  Wäx}  1812 
unb  für  baS  ©roß^erjo^tl^um  |)effen  (©tarfenburg  unb  Dberl^effen)  bie 
55erorbnungen  oom  15.  JJejember  1808  unb  11.  ;5Januar  1812. 

3Ba^  ba^  SSer^ältuiß  ber  SJornamen  }u  ben  ^unamen  im  15.,  16. 
unb  17.  ^al)rl^unbert  anlangt,  fo  würben  mertwürbiger  ®eife  bie  8Jor^ 
natuen  in  biefer  Qdi  aU  biejenigen  Sßomen  betrad^tet,  bie  bie  ^crfoneu 
am  fid^erften  bejeid()neten  unb  fie  am  beften  inbiüibualifirten. 

S^  ge^t  bk§  au!§  einer  ganjen  9iei^e  üou  2^^at)ac^en  ^erüor. 

2Bir  pnben  junäc^ft  biö  in  ba§  16.  :5JaIjr^nnbert  l^inein  bie  ©ittc, 
bafe  SBcamte,  bie  firf)  einei^  g^^yicnuameuiS  erfreuten,  fogar  in  amtlid^en 
©d^tiftftücfen  nur  mit  it)rem  SJornameu  augefüljrt  würben.  5Wod^  im 
16.  Qfa^r^unbert  finbet  fid^  in  ben  JJranf furter  9tatf|gprotocotten  ber  ©^n* 
bicu§  Dr.  a  b  0 1  f  Ä  n  0  b  l  a  u  d^  ftet^  nur  alö  Dr.  ?l  b  o  l  f  angeführt  unb 
ber  Jrantfurter  SRatl^  rebete  1458  in  brei  Schreiben,  welche  an  ben 
taiferlid^en  aKüujmeifter  ffirwin  t)on  Stege  ju  SBicn  erlaffen  wur^ 
ben,  benfelben  mit  „lieber  Srwin"  a\u^) 


i 


')  Saferer  @.  9. 

0  Ärifof,  3)cutfc^c«  «üvgert^iim  ©.  205. 


5Dic  ^%&\)aUni  bcr  83oruQmen  bemeift  ferner  bie  fel^r  beJanntc  Art 
ber  Äuj^fül^rung  ber  ^ünftlcrmonogranime  be«  a)?ittelaltcrö.  @ö  tritt 
^ier  bie  Zi)at^acS)t  fjtxiox]  bag  ber  SfnfangSbu^ftabc  bcö  SSoruamcni^ 
ben  ^aupttl^cil  beö  SOJonogrammö  bilbct  nnb  ber  SJuc^ftabe  beö  5«^iKcn* 
namenö  baneben  fc^r  jnrücf tritt,  i) 

@d^lie§Ii(^  mag  nod)  anf  bie  cigent^ilmlid^e  STrt  ber  ^iiljrung 
Dielcr  afp^abetifd^er  SRamen^ücrgeid^niffe  beö  SKittelalter^  ^ingcmiejen 
werben.  ®o  finb  j.  SB.  in  einem  anf  ber'IKainjer  ©tabtbibliot^et  be* 
finblid^en,  auö  bem  ^di)xj  1618  batircnben  SWamem^üeräcid^nig  aller  ber 
*JJcrfonen,  bie  t)om  ^df)xz  1565  bio  1618  acabemifd^e  SBSilrben  erlangt 
^aben,  bie  Seamen  ber  einjelncn,  nic^t  ettt^a  wie  I)eute  nad^  ben  An- 
fang^bud^ftaben  ber  JJamiliennamcn  georbnet,  fonbern  nad^  benen  ber 
Sornamen,  fo  bag  j.  93.  alle  ^ctrni§,  atfe  ^IjiTippnö  jufammenftetjen. 
(Sin  gleid^eiS  wirb  oon  g^anffiirtcr  Seebbiid^ern  ^) ,  ein  gleid^eö  non 
frfflefifd^en  Urlnnbenbüd[)ern  berid^tct.^) 

3Bir  fte^en  Ijier  fid[)cr  einem  allgemeinen  ßJebrand^  gegenüber. 

Üangc^eit,  bcüor  man  in  Dcutfd^Ianb  erblid^e  Familiennamen 
I)atte,  1t)aren  foldjc  fd^on  in  ^talkn  gebräud^lid^.  9Wan  finbet  fie  in 
«enebig  um  809,  in  mailawb  882,  in  3?erona  905  ^)  nnb  e^  liegt  bie 
9?crmut^ung  wo^l  mä)t  atl^nferne,  bag  bie  Setanutfdiaft  mit  biefer 
itolieniid^en  Sitte,  bie  ja  bnrc^  bie  üielfad^en  Sejie^ungcn,  bie  *Dentfd^* 
lanb  im  10.  nnb  11.  ^atjr^unbert  fowofjl  bnrd^  feinen  ^anbel,  aU 
anö)  bnxä)  bie  Ütömerjfige  ber  Dttonen  mit  Q^talien  f)atU,  eine  fe^r 
leidet  ju  ermerbenbe  war,  gnr  ©infü^rnng  ber  erblid()en  fjamiliennamen 
in  35entfd^lanb  öiel  beitrug. 


^miies  Kapitel 

Sie  ([heutigen  SSotnamtn. 

e^  ift  eine  fdjon  t)on  SJieten  bemcrfte  SC^atfadEie,  bag  in  ber  ffiatil 
bcr  SJornamen  einer  ©pod^e  bie  in  berfelbcn  ^errfc^enben  ©eifte^^ 
ftrömungcn  unb  ;$Jbeen  fid^  getreulief)  wiberfpicgeln.    Qnx  Qzit  ber  9Jc=^ 

*)  »g(.  §.  SB.  boS  3)?o!iogrQmin  2)ürcr8. 
»)  ftricof  ©.  204. 

'}  3B  er  in  de  q.  a.  O.    8ic^e  ©.  3  a.  2. 

*)  ©ö^iiiflfr'd  »Jfa«cpfon  bcr  beiitf(^fn  «Itcrt^ümci*  ©.  549.  »öC.  ouc^ 
aalöert«  I  @.  271  ff. 


—     8     - 

naiffancc,  bcö  SBicbcrbcäinnö  claffifd^cr  ©tiibicn  tvaxcw  anäf  antifcSSot' 
nömcn  an  bcr  Jagc^orbnung ;  fo  führten,  um  ein  Scifpicl  augufü^rcn, 
bie  beibcu  ©öl^nc  bcö  1506  tjcrftorbcncn  5^'anffuttcr  ?[rjtcö  ©tcntoart 
üon  ©ocft  bic  3JornQmen_©qIon  unb  ^aüa^.  3^^  3^^*  ^^^  ^uritanif- 
tnuä  in  Gnglanb  tarnen  frömmclnbc  SSornanten^)  auf  unb  bic  frieg^^ 
bcmcgten  erftcn  ^af)Xitf)ntc'  unferei^  iQfö^^'^w*^^^^^^  liegen  Slamen  n?ic 
fianbjturminc,  ©neifcnauctte  u.  f.  to.  erfte^en. 

Slud^  für  un)ere  Ijcutige  Qdt  läßt  fid^  baö  93c[trcbcn  nid^t  öerfenncn, 
früher  mcnigcr  gebräudjiid^e  9?amen,  fo  bje  bcr  beutfd^cn. Sagen  in  beu 
SSorbcrgrunb  treten  gu  laffen,^)  unb  eö  ift  ttjol^l  bcötjalb  bie  Aufwerfung 
unb  (Sntfd^cibung  bcr  S^rage  am  ^lafee,  ob  unb  in  wie  fern  ®efe^e 
ober  3Serorbnungcn  in  Deutfd^Ianb  bic  freie  2Ba^I  Don  3?ornamen  Bc^ 
fdiränfen. 

3?or^er  jcbod^  muffen  jujci  onbcrc  ??ragen  nä^er  bcleud^tet  »erben : 

.  Die  crfte  lautet: 

Auf  wcld^e  SBeifc  erfolgt  l^eutc  bic  SJeikguug  bcö  aSornamcni^? 

§  22  be§  3ieid)i3gefefeeö  über  bie  SBcurfnnbung  beä  ^erfonenftanbe^^ 
unb  bie  @f|efd^Iic§ung  oom  6.  Februar  1875  fagt,  bag  bie  (Eintragung 
beö  ©eburt^fatlcig  in  bie  ©eburti^regifter  neben  anberem  bic  SJornanten 
beiS  .^inbeö  entljaltcn  folic,  ©tauben  bic  SJornamen  bciS  Äinbc^  gur  3«it 
bcr  Slujcigc  nod)  nid^t  feft,  fo  finb  biefelben  nad^träglid^  unb  längftenö 
binnen  jtoei  ÜJionatcn  nad^  bcr  ®cburt  anjugeigen. 

®i§  ift  nun  nad^  bcr  Raffung  beö  ®efc^e^  barüber  moljl  fein 
3tocifel  ntöglid),  bag  bic  23ornamen  uid)t  burd^  bie  ©rflärung  wx  bcm 
©tanbe^bcamteu  gegeben  ttjcrbcn,  foubern  bag  bic  cigentlid^c  SWamen^* 
gebung  ein  Act  ift,  bcr  üon  btn  SJorgängcn  auf  bem  ©tanbeöamtc 
oöttig  getrennt  ift  unb  in  eine  bcr  Snjcigc  öorauögeI)enbc  ^cit  fällt. 
@ö  gc^t  bicö  ganj  flar  an§  beu  SäJortcn  be^  9Iei^§gefcöe^  ^crüor: 
©tauben  bie  SJornamen  jur  ^^i*  ^cr  Slnjcigc  noc^  nid;t  f eft,  founc 
an^  bem  SBortlaut  bcr  bunbeörät^Iidjen  Formulare:  tüdd)^^  Sinb  btn 
Seamen  2C.  erhalten  I)at. 


*)  ©ic  Xl^oma«  Gomu,  bcr  ©prec^cr  beS  ,§oukS  bei*  ÖJcmcincn  jiir  ^dt  Qfacob  I. 
imb  Äarl  I.  f)attc  eine  5^au,  melcf)c  3Ra6tgfcit  ^ic§.  ©eine  tJier  Xöd^ter  ^örtcn  auf 
bie  Ü^Qmcit  ,,öJcbu(b,  ©djiücigfamfeit,  9}M6i3teit  unb  Hlug^cit".  Br,  Ö  on  bau,  in  bcr 
3eit|(^rift    ,,Uebcr  Öonb  unb  Mm"  1883  ©.  335. 

*)  ^fll.  über  bcn  (Sinflug  fBagncr'«  ouf  untere  SSornamenöcbung  einen  ^ubfc^ 
gefd^riebenen  Slrtifel  im  Stalcnber  bei8  beutfd)en  Sdjultjercin«  1888 


—     9    — 

'Dem  ®efc§e,  ba^  für  alle  eonfcffioiicu  glcid^  gilt,  ift  c^  an  fid^ 
gleid^gültig,  mic  ber  jur  SJoritamengebung  S3cred^ttgte  bicö  fein  Slcdft 
ausübt,  ob  auf  fcicrUd^e  ober  unfeicrlid^c  SBcife.  ^n  SBürbigung  bcc^ 
Umpanbe^  jebodi,  ba§  t^  eine  weit  verbreitete  unb  tief  wurjelnbc  ©ittc 
ift,  bic  5Ramengcbung  mit  ber  Jaufe  ju  t)erbinben/)  l^at  eö  bie  üßög- 
lic^feit  eröffnet,  bit  SBeurfunbung  t)or  bem  ©tanbeöbeamten  erft  nad^ 
bicfcm  feierlid^en  Slfte  ber  5Rameni§gebnng  eintreten  ju  laffen,  inbem  e^ 
Die  eben  erwähnte  gnft  üon  jttjei  2)ionaten  jur  Angabe  geftattet.-)  •^) 

Q§  ift  weiter  flar  erfid^tli^,  bafe  bur^  bie  einmal  erfolgte  An- 
gabe ber  SSornamen  beim  ©tanbeöbeamten  beurfunbet  wirb,  baß  unb  in 
welcher  3Beife  berjenige,  ber  jur  Siamenögebung  befugt  ift,  fein  SRed^t 
auegeübt  l^at,*)  unb  ba^  ber  mit  SSorname  Sfngejeigte,  abgefe^en  natüv= 
lic^  oon  ber  fpäter  ju  be^anbelnben  Äenberung  ber  SJornameu,  öer- 
pflid^tet  ift,  biefe  unb  nur  biefe  angegebenen  SSornamen  im  Seben  ju 
führen.  ®rfoIgt  alfo  bie  5WamettiSangabe  bti  bem  ©tanbe^beamten  üor 
ber  laufe,  fo  fmb  bie  ^ier  gegebenen  SSornamen  öor  bem  ®efc^e  allein 
gültig,  einerlei,  weld^e  SSornamcn  fpäter  in  ber  laufe  beigelegt 
worben  finbv'O 

©in  3)iitarbeiter  ber  „©latter  für  abminiftratioe  ^raji^  unb  i8oligei= 
geric^t^pflege,  junäij^ft  für  89at)ern'',  ^at  in  bem  33.  S3anb  biefer  QtiU 
fc^rif t  ^)  bie  ^Jrage  aufgeworfen,  ob  für  ben  g^all  ber  'iDioergeuj  ber  bei 
bem  @tanbei8beamten  genannten  9Jameu  mit  ben  in  ber  Jaufe  gegebenen 
nic^t  ber  5'QÖ  ^i^^^  Serid^tigungi^ocrfatirenö  ber  §§  65  unb  66  be^ 
^Reic^^gefefee^  öorlicge  unb  Ijat  biefe  ^Jrage  unter  folgenber  Segrünbung 
bejaht : 

^)  aWotiOf  JU  bem  entwürfe  be§  pi-cuß.  ÖJcfc^cS  üom  9.  'Max^  1874  o.  18. 

")  SlnberS  oer^nlt  fi(^  bic  @ad^c  in  ber  ©^weig.  'Jladj  SCrt.  14  unb  IG  bcö 
*^unbe!^gefc^e5,  betr.  bie  JJeftftettung  unb  ^eurfunbung  be§  (EioiIj!anbeä  unb  ber  (S{)c 
ooin  24.  S^riftmonot  1874  mug  bie  !i)?amen^beilegung  gleichseitig  mit  ber  binnen  brei 
lagen  ju  bcroirfenben  OiJeburtSangcige  erfolgen. 

•*)  lögt.  $eff.  3(mtöblQtt  für  Stanbeöbeamte  öom  20.  Jcbrnar  1887:  X\c  3tonbe«« 
beamtcn  »erben  angcwiefen,  bei  ber  Sfnjeige  üon  ÖJeburten  SlUeö  ^n  unterlaffen,  roaö 
bic  Slnjcigcnben  gur  übereilten  ^Tngobc  notl^  nit^t  feftftc^cnber  3Jornomen  ocrleiten 
fönntc,  oieimcbr,  fobalb  fic  mo^rne^men,  bog  über  bie  ^a^t  ber  93ornamen  enbgiltigc 
^^mfc^üegungcn  nod)  nldjt  gefaßt  fmb,  bie  SCngeigenben  auf  bic  i^ncn  in  §  22  letter 
'äbf.  bf«  0lei(^ggcf.  o.  6.  5«^^"^^  1875  eingeräumte  Sefugnig  ber  nachträglichen  unb 
iängfiend  binnen  2  'JU^onaten  nad^  ber  (Geburt  ju  t>ottgie^cnben  ^n;;eige  ber  93ornamen 
aufmerffam  \n  machen. 

*)  ö.  ©id^crcr  (S.  239. 

^)  ®gt.  3nftruction  für  Cippc  uom  20.  'il'^ouember  1875  über  ba«  öJefe^  oom 
(\.  ^hxmx  1875,  Stanbeöbeamte  1876  ©.  26:  25ie  in  bad  Stanbcöregifter  einge* 
nragenen  Vornamen  ber  ^inber  ftnb  rec^tlic^  allein  maggebenb. 

«)  ©.  230  ff. 


—     10    — 

@iue  SBcrid^tigung  tft  gegenüber  einem  unrid^tigcn  Sintragc  möglich 
nnb  bie  Unric^tigfeit  biefeö  fann  gum  ®runbc  ^ahzn,  eine  nnrid^tige, 
b.  I),  öon  bet  ©irtlid^feit  abweid^enbe  Änjeige.  ^^t  nun  bei  ber  ®eburt^* 
anjeige  mit  ober  o^ne  ffirmal^nung  ber  laufe  gefagt  ttjorbcn,  ba§  Sfinb 
Ijabe  ben  nnb  ben  ?iamen  erhalten  nnb  ba§  Sinb  mirb  fpäter  auf  einen 
anbcrcn  SWamen  getauft,  fo  ift  bie  Slnjeige  unrid^tig.  Denn  mar  aii^ 
bie  angeblid^e  frül^ere  9?amen«gebung  cine  SSereinbarung  ber  ©Item 
ober  cine  förmlid^e,  bei  irgenb  einem  Änlaffe  erfolgte  ©rftärung,  fa 
f)abcn  bo^  bic  ^litxn  baburd^  bic  5Ramen§gcbung  ju  nid^te  gcmad^t, 
bafe  fie  bem  Sinbe  bei  ber  2:aufc  einen  anberen  Stamen  geben  liefen. 
I)ic  bei  ber  laufe  gefd^efjcnbc  9tamen^gebung  ift  jufofge  ber  ^errfd^enben 
©itte  ber  Äui^brucf  ber  befinitiüen  SBiCenöbeftimmung  unb  eö  ift  fomit 
bie  aSorauöfefeung  cineö  Seri^tigungöüerfa^renjg  gegeben. 

X'icfc  9Iufid^t  ift  offenbar  gänjiid)  falfc^.  Sine  JBerid^tigung  fann  nur 
uorgenommen  ttjcrben,  mcnn  ber  :3:nf)alt  ber  (äintragung  jur  S^xt  ii)xtx  S5or^ 
na^me  bem  tt)irflid)cn  ©ac^üer^alt  nic^t  entf priest. ^)  Qnx  bamaligen  3cit 
l)ai  aber  ber  jnr  5Wamengebung  89ered^tigte  bem  Äinbe  factifd^  einen  SWamcn 
fd^on  beigelegt  unb  bie^  beurfunben  laffen.  ®5  ift  alfo  nur  eine  xid)- 
tige  2:f)atfad^e  beur!unbet  toorben.  SEBenn  ;5cmanb,  bem  bie  SKöglic^feit 
offen  fte^t,  bie  ^anblung  ber  Xaufe  t)or  ber  Eintragung  in  ha§  ®eburtö^ 
regifter  öornetimen  ju  laffen,  biei^  unterläßt,  fo  muß  er  aud^  bic  folgen 
tragen,  bafe  ba§  ®efcfe  bie  erfolgte  9iamen§gebung,  bcjüglicli  bereu  er 
uor  bem  ©tanbci^bcamten  eine  ©rtlärung  abgibt,  aU  befinitioc  anfielt. 

33on  feiner  Scri^tigung,  jeboc^  üon  ein«r  ©rgäujung  ber  einmal 
eingetragenen  3?ornamen,  bie  fott)ot)l  innerhalb  ber  gmeimonatlid^en  fjrift, 
aU  auä)  fpöter  für  ben  ffatt  möglid^  fei,  bafe  in  ber  2:aufc  nod|  mc^r 
SSornamcn  gegeben  mürben,  aU  bei  bem  ©tanbeöbeamten  angcjcigt 
morben,  fprid^t  eine  Verfügung  bc^  I.  fleinen  Senaten  bcö  ÄgI.  Ober- 
gcri^tö  ^annotjcr  öom  9.  %pxil  1877.2) 

^Jnncr^alb  ber  jmeimonatlic^cn  ^^ft  red^tfertigc  fid^  bie  ©rgänjung 
am  §  22 »  be§  9i.  ®.,  inbem  bie  Ijier  geftattetc  nad^träglid^e  Eintragung 
ber  Vornamen,  fomol)!  ben  SBorten  mie  bem  ®cifte  bcö  ©efe^ci^  nad^, 
nid[)t  nur  auf  ben  i^ati  gu  begiel)en  fei,  mo  jur  ^cit  ber  Stujcige  übcr^ 
fjaupt  no^  feine  33ornamen  bc5  SKnbeö  feftftanben,  fonbern  atid^  auf 
ben  f^alf,  mo  nodf)  nidf)t  fämmtlid^c  83ornamen  feftftanben. 

M  .&cff.  3nfiruction  gu  §  (55  unb  66. 
-)  StanbcSbcamtc  1«77  S.  110. 


—    11    — 

3für  ben  ämcitcn  ^aH  —  bic  (Srgängung  nad^  2  SKonatcn  —  qr^ 
gumentirt  bie  Sntfd^etbung  folgenbermagen :  2Benn  aud)  me^r  tok 
2  3Konatc  ücrftrid^cn  jcicn,  jo  fönnc  bic  SSerfäumnife  bicfcr  %x\\i  nur 
Strafe  auö  §  68,  nid^t  aber  ben  SScrIuft  bei^  JRed^teS  auf  bcn  fpätcr 
angegebenen  SWanten  na^  fid)  gießen,  benn  bie  le^tere  fjolge  \)'iiiit  fonft 
im  ®efe|e  auöbrütflid^  angcbro^t  n>erbeu  muffen  unb  n?ürbe  confcqucnt 
3U  ber  t)om  (Sefe^geber  gemiß  nid^t  gewoCten  äbfurbität  fül^ren,  ba§ 
^nbimbuen  o^ne  alle  inbimbualifirenbc  SSornamen  efiftiren. 

®egen  biefe  Äuff  äff  ung  menbet  fidEi  mit  'ütiii  ein  Srlag  bc§  $reu§ifd^eu 
ü}Zinifteriumig  be^S  ;3""^^"'^)  *^^^  f^^  ^"f  ^^"^^  (£rla§  bcig  9leic^^juftijamt§ 
bcjie^t.  Qn  bem  (enteren  ift  au^gefprod^en,  bag  eine  Äenberung  ber  in  einer 
öJeburtöurfunbe  eingetragenen  SSornamen,  fei  t^  burd^  ?lbänberung  bcr= 
fclben,  fei  eiS  burdi  ^injufügung  weiterer  SSornamen  aud^  inncrl^alb 
ber  im  §  22  be§  SR.  ®.  t)om  6.  gebruar  1875  eingeräumten  grift  für 
ausfgefd^Ioffcn  ju  erad^ten  ift,  infofern  nid^t  ber  ^öH  einer  SBerid^tigung 
vorliegt;  bag  inöbefonbere  ber  in  ber  angegebenen  SSerfügung  be^  Dbcr= 
gcrid^ts  ^annoüer  nicbcrgelegte  ®a^,  t^  beftel^e  nad^  §  22  ein  SRed^t  auf 
bie  nad^träglid^c  Eintragung  ber  in  ber  laufe  gegebenen  Sornamen  mit 
ben  ®runbgebanfen  beö  ®efc§e^  öbttig  unvereinbar  erfd^eint.-) 

®iS  ift  jtt)eiteni8  ^ier  bie  5^age  ju  erörtern: 

©er  ift  giir  ^Beilegung  beö  SJornamenö  befugt? 

(£iS  ^errfd^tUebereinftimmung  barüber,  bag  bie  JBeftimmung  bei^ 
iUoniamenS  bei  e^elid^en  fiinbern  ben  .Gltern  jufommt.  Slönncn  biefe 
nc^  fiber  ben  SJiamen  nid^t  einigen,  fo  ift  ber  SBitte  bcö  Saterö  fraft 
beffen  l^anöl)errli^er  unb  tjäterlid^er  (Senjalt  entfd^eibenb^.)  Den  un* 
ct^eHc^en  Äinbern  legt  bie  SWutter  ben  SSornamen  bei.*)  '^\i  hz\  e^e* 
Hd^en  Geburten  SSater  unb  ÜKutter,  bei  unefielid^en  bie  SDiutter  oer* 
itorbcn,  fo  fällt  ba^  SRcd^t  ber  5Ramcngebung  an  ben  SSormunb. 
Sc^wierigfeiten  bereitet  l^ier  nur  ba^  ®cbiet  beö  franjöfifd^en  3{edl)tö. 
Sir  Mnnen  uni^  tjollftänbig  ber  allgemeinen  3Weinung  anfd()liegen,  bag 

>)  ©tanbcöbeamte  1877  @.  219. 

')  ©cjüglt(^  ber  ©orfc^rungcn,  tüclt^e  getroffen  fi«^,  um  eine  Ucbcreinftiinmung 
ber  Saufnamen  unb  angezeigten  ^{amen  befonberd  au(^  in  bem  $aUc  gu  erzielen,  ba^ 
bei  Doraudge^enber  j^aufe  anberc  M  bie  ^ier  beigelegten  Vornamen  gur  (Eintragung 
fommen  foUen,  ügf.  o.  (Sicherer  ^nm.  68  ju  §  22  ©eite  240. 

')  S5gl.  ^ermann  @.  158,  ö.  Sicherer  ©.  235. 

*)  Sd  ift  bied  f(^on  auiSgef)>ro(^en  m  einem  fdc^rtft^en  Stefcri^t  uom  16.  ^prit 
16()2.  $gl.  %xo%  über  bie  92amendfu^rung  ber  auger  ber  @()e  geborenen  lltnber. 
3eitf(!^nft  fOr  9{e(^tdpflege  unb  9^erma(tung,  gunac^ft  für  bad  ^i^nigreic^  ©ac^fen.  9?euc 
5olge,  IX.  S9b.  I.  .&eft,  @.  69  ff. 


—     12     - 

ben  SJomamcn  bcö  uncf|clt(^en  Sinbc^,  njel^eö  bcr  SSatcr  bei  bcr  ®eburt 
ober  binnen  rid^tiger  Qtit  nad^  ber  Geburt  ancrfannt  f|at  bicfer  be* 
ftimmt.  ©benfo  ftel^t  t§  tvoi)l  au6)  außer  ^vaqt,  baß  bic  SRutter, 
n?eld^c  i^r  Sinb  ancr!cnnt,  in  Smtangelung  ber  3(nerfennung  be« 
S3ater5,  baö  SRed^t  bcr  SSornamengcbung  t)at. 

^n  weld^en  Hcten  ift  jebod^  eine  ^Inerfennung  beg  Sinbcg  burd^ 
bie  SWutter  gu  finben? 

Die  ^Beantwortung  bicfer  aud^  für  bie  Seljrc  oon  ^amüicnnantcn 
überaus  njid^tigen  ^^ogc  foU  bent  näc^ften  Sapitel  überlaffen  bleiben. 
§ier  mag  nur  fo  oiel  bemerft  werben:  Siegt  eine  SIner!cnnung  bei^  ftin 
be^  burd^  bie  SWutter  ni^t  oor,  fo  muß  i^r  in  einem  fold^en  J^attc  bic 
33efugniß  ber  SSornamcngcbung  abgefprod^en  werben^)  unb  ba^  Siwh 
mirb  nad^  Analogie  ber  ^iwt^clfinber  ju  be^nbeln  fein.  SSJa^  bie  3Sor' 
namen^beilegung  biefcr  le^tgenannten  S!laffe  angeljt,  fo  ertt)eilt  berjcnigc, 
ber  ben  2?ornajnen  angibt,  aud^  ben  ^Vamiliennamen  unb  eS  bleibt  baljcr 
aud^  bie  (grörterung  biefcr  ^rage  bem  näd^ften  SJapitcI  Dorbef;aIten. 

®ir  fönnen  nun  ju  unferer  fd^on  berül^rten  Hauptfrage  übergeben, 
ob  unb  in  wie  fern  burd[)  ®efe^e  ober  3?erorbnungen  SBefc^ränfnngcn 
in  ber  Söal^l  ber  33ornamcn  in  ©eutfd^Ianb  red^tögültig  befteljcn. 

Sllö  erftc  Sc|d[)ränfung  muß  angefül^rt  werben,  baß  bcr  ©tanbcc>^ 
beamtc  befugt  ift,  Stamen,  bic  einen  unanftänbigen,  fittcnjofen  ober  ben 
<Btaat  unb  bie  3teIigion  bcleibigcnben  2)  6f|araftcr  I)aben,  surüdfäuwcifcn. 
®oId)e  SiJornamen  bürfcn  einem  S!inbc  nid^t  beigelegt  werben.  @g  ift 
bieö  ein  Verbot,  ba^  fid^  fd^on  aui^  bcr  9Jatur  ber  ©ad^e  ergibt. 
3nm  Ueberffuß  ift  eö  aud^  nod^  in  mand^en  (Staaten  burd^  befonbcrc 
SBcftimmungcn  jum  ?lu!gbrudE  gcbrad[)t  Worben.  So  ^eißt  e^  in  ber  Q\v 
ftruction  für  bic  ©tanbcöbeamtcn  oon  ©ad^fcn-äBcimar^Sifcnad^  uom 
22.  Ottober  1878  r"^)  „J)ic  Stanbcöbeamtcn  werben  angewiefen,  unan- 
ftänbige  ober  fonft  anftößige  35ornamcn  in  bic  ©tanbcöbüc^cr  nid&t  ein 
antragen,  foldjc  9?amcn  üiclmer^r  jurücfjuwcifen  unb  bic  ?lnmclbcnbcn 
jur  Eingabe  auberer  23ornamen  ju  ocranlaffcn."  Äc^nlic^  fprid^t  fic^  bic 
^nftruction  für  ©tanbe^bcamtc  oon  ©ad[jfen^9)?einingen  §  38  axi^,^) 
äljnlid)  eine  ©encralocrorbnung  bcö  Sgl.  9)iinifteriumi§  bc§  ;3i^^icrn  in 

')  53g(.  u.  Sicherer  §  22  ©.  235. 
«)  §^crmonn  a.  a.  O.  §  3  @.  159  $(.  3. 
«)  ©tanbeöbcamte  1878  @.  23«. 
*)  @tanbe«bcQmtc  187«  @.  236. 


—     13    — 

©ad^fcn  t)om  27.  Dcgcmbcr  1875/)  bcrjufolgc  ana)  bic  eingetragenen 
3?ornamen  Danton,  3Karat  beseitigt  »erben  mußten.  3SgI.  weiter 
eine  SSerfiigung  be^  ÄgI.  Dberpräfibium^  ber  "^roöinj  'iJreujsen  ooni 
11.  gcbruar  1875  2)  ujib  bie  SHeöifionöbemertungen  bes  Saiferl.  ©eneral^ 
procurator^  für  ffilfaB^fiot^ringen  öom  29.  (September  1877.3) 

SiS  ift  bieig  ^rittjip  natürlid^er  SBeife  aud>  in  anbcren  ®taattn 
tu  ©eltung.*) 

Äußer  biefer  einem  atigemeinen  JRed^t^grunbfa^  entfpringcnbeu  95e* 
fdjränfung  fiaben  einzelne  9te(j^tj^gebietc  jDcutfd)Ianbs^  anbere  fpejiette 
3Jor)d)riften  aufjunjeifen : 

I.  3)em  oft  fel)r  ffll^Ibaren  aJtiBftanbe,  baß  ^erfonen  an  bemfelben 
Orte^bci  gleidjen  Familiennamen  aud^  gleiche  2?ornamen  fiUjren,  tritt 
bie  ®ad^fen=3)?einingen'f(^e  ;3"P^wction  jum  9lcid^^gefc|e  oom  6.  Feb- 
ruar 1875  (§  37)  entgegen, 5)  meldte  ben  ©tanbei^beamten  anmeift, 
gegen  fold^c  Sornameneintragungen  ju  mirfen,  freiließ,  obne^  baß  in 
biefcf  §fnfid|t  irgenb  tin  Stoanq  ausgeübt  ttierben  fönntc. 

ßntfd^iebener  fprid^t  fid^  eine  ©ad^Ien-SBeimar^Sifenad^'f^e  äßini^^ 
fterialbefanntmadiung  oom  18.  Februar  1876^)  auö.  X)iefelbe  fagt: 
'Jlae^  befte^enben  SJorfd^riften  bürfen  für  neugeborene  Slinber  nidjt 
biefclben  SJornamen  gen)ät)It  werben,  meldte  ber  23ater  ober  ein  anbcren 
Crt^cintt)of|ner  öon  gleid[)cm  ^wnamen  bereite  fü^rt. 

n.  ÜDic  9leoifionöbemer!ungen  beö  Saijerl.  ®encraIprocurator^ 
üom  29.  (September  1877  7)  madden  eö  ben  (Stanbeöbeamten  öon 
(Slfaß^Sot^ringen  jur  ^flidtjt,  im  beutfdf^cn  (Sprad^gebiete  franjöfifd[)c 
Sornomen  jurüdjuweifen. 

m.  I)ie  ^effifd^e  Q^nftruction  jum  Meidö^gefe^e  oom  6.  JJebrnar 
1875  ^)  beftimmt,  baß  im  red^tör^einifd^en  ©ebiet  be^  ©roßl^ergogtliumi^ 
nur  fold^e  93ornamen  eingetragen  werben,  bie  al^  fold^e  and)  üblid[) 
finb  unb  erflürt 


*)  ©tanbcSbcamre  1883  @.  42. 
»}  ©tanbeSbcamte  1874/75  ©.  52. 
»)  @tttnbe0bcamre  1877  @.  233. 

*)  «gt.  für  bic  ©d^wcia  fionbbuc^  ©.  215  unb  für  Ccftcrrctt^  Äafarcr  <S.  4G. 
*)  ©tanbeöbeamtc  1876  @.  236. 
•)  @tanbf«beomtc  1876,  ©.  130. 
')  ©tanbfdbcomtc  1877,  @.  223. 

")  W-  M-  3fnPrnction  gu  §  22  bcS  9?ci(^«gc[e(jc«.  «Kr.  52  (@citc  619)  bc* 
^rffiff^m  Siegierungdblatted  oon  1875. 


-     14     - 

IV.  !©ie  SJcftimmung  bcig  franjöfifd^cn  @cfc^ci3  Dom  XI.  Gernii- 
nal  de  raiLXI  (1.  ?(pril.J803)  für  5Rf)cin^cfjen  auöbrüdtlid^  al^  in 
Äraft  bcfinblic^. 

"Die  bit&htiÜQÜä)t  Scftimmftng  be«  erwähnten  ®cfcgcö,  auf  bcffcn 
(gntftcfjung  nod^  juriidtgcfommcn  ttjcrbcn  foil,  lautet  ttjic  folgt: 
Art.  I.  A  compter  de  la  publication  de  la  präsente  loi,  les 
noms  en  usage  dans  les  differents  calendriers,  et  ceux  des  per- 
sonnages  connus  de  Thistoire  ancienne,  pourront  senls  6tre  re^us, 
comme  prenoms,  sur  les  registres  de  Tetat  civil  destines  ä  con- 
stater  la  naissance  des  enfants;  et  il  est  interdit  aux  officiers 
publics  d'  en  admettre  ancun  autre  dans  leurs  actes. 

®^  fragt  fid)  nun,  finb  alle  bie  crioä^nten  33orfc^riften  gegenüber 
bent  ateid^i^gefe^e  alö  ju  JRec^t  befte^eub  ju  erad^ten,  iu'Sbefonbcre  ifi 
nod^  bie  SBeftimmuug  beö  citirteu  fraujöfifd^en  ©cfefecig,  tvzld^c,  wie 
ber  erfte  Slicf  le^rt,  üöllig  oerattet  unb  unjeitgcmäg  ift^  für  bac* 
beutfc^e  ®ebict  be^  fraujöfifdieu  'Sitöji^  in  Sraft  unb  bie  ^cff.  ^n 
ftruction  mit  SRed^t  ergangen? 

«on  t).  ©irfierer,'  (@.  235),  §infc^iuö  (@.  85),  fitting  (@.  T.^i 
in  i^ren  Eommentaren  jum  ^erfonenftanbi^gefeg  ift  biefe  ^'^age  bejaljt 
ujorben.  ;$^ebod^  i)at  aud)  bie  entgegengefe|te  SWeinung  33ertretung  gc 
funben.  2ßir  öerweifen  auf  ein  Urt^eil  be^  !üuigl.  Sanbge.ridjt!? 
Jlöln.  1)  6^  Reifet  f)ier :  ©rwägenb  >  baß  ber  ©tanbeiSbeamte  fid^  mit 
Unrecht  auf  bie  SBcftimmung  be^  ®efe^eö  öom  11.  Germinal  XI  be 
3ic^t,  iubem  biefeö  ®efe^,  nad^bem  baö  9ieic^5gefc^  oom  6.  gebruar  1875 
bie  SBeurfunbung  bes  ^erfonenftanbeig  unb  bie  ©Ijefd^ticßung  für  baö 
I)eutfrf|e  SReid^  regulirt  ^at  unb  bemgemäjs  bie  Söeftimmuugen  bes< 
rl)einifd)eu  ßiüilgefefebud^ö  unb  beffen  ergänjeube  6Jefege  über  ben 
'ißerfonenftanb  i^re  ®ültigfeit  verloren  ^aben,  !eine  Änmenbung  mc^r 
finbet,  bafe  ber  §  22  be«  Oefefeeö  oom  6.  gebruar  1875  lebiglic^  bie 
SSorfdjrift  enthält,  ba§  bie  @eburtj3ur!unbe  bie  3Sornamen  bciS  Sinbe^* 
enthalten  fott,  ol^ne  fic^  barüber  nä^cr  aui^jufpred^eu ,  tucld^c  SJor* 
uameu  alö  juläffig  ju  betrad^ten  feien,  ba§  bemnad^  bie  SSJaljI  ber 
33ornameu  bem  jur  Slujeige  SScrpftic^teten  überlaffcn  bleiben  muß  unb 
nur  bie  ©intragung  unanftäubiger  ober  anftößiger  SJornamen  abgelehnt 
mcrben  tann,  baß  jubcm  ber  35orname  ^ot^jena  ein  nid^t  ungeioö^n* 
li6)tx  (?)  ift  unb  beffen  SBa^l  in  jebcr  Sejie^ung  gerechtfertigt  er- 

^ritanbedbcamtc  1884,  ©.  20. 


•     —     15    — 

fd^cint,  tt^irb  bcr  ©tanbcöbcamtc  jur  Äufnal^mc  biefcg  9Zamcn^  in  bic 
(SJcburtSurfunbc  angctüicfcn  ^). 

Aber  biefc^  Urt^eil  bc^  2anbgerid|t«  Sofn  ift  cntfd^icben  falfd^. 

(&§  ift  nid^t  crrw^tlid^,  mic  ein  ®cfe|,  ba^  t)on  ber  SBa^I  bcr 
SSornamen,  bcr  Äenberung  bicfcr  unb  bcr  ^öntilicnnamen  ^anbelt, 
bnrd^  ein  ©ej'c^,  baiS  na6)  litel  nnb  ^ni)alt  nur  bic  Senrfunbung 
bcig  ?ßerfoncnftanbeö  regelt,  au§er  Sraft  gcj'cfet  merben  foH.  ginc 
a}orf(ä^rift  unfercö  9leid^ägcfc^ei§  über  bic  S5Jaf)I  ber  93ornamcn  wäre 
feinem  ganjcn  ;3^^^^It  "od^  gar  nid|t  am  ^la^c  unb  eö  fanu  ba^er 
auö  bcm  ^el^Ien  einer  fold^en  SBeftimmung  nid^t  gcfd)(offen  merbcn, 
ba§  bai^  @cfe$  burdj  fein  ©d^wrigen  bic  335a^I  bcr  SSornamen  für 
frei  unb  alte  bie^bcjüglid^  ergangenen  (ober  noc^  ergc^cnben)  lanbci^^ 
gcfe^Iidien  SBcftimmnngcn  aU  ungültig  erflärcn  n)otIc.  ©^  mu§  öie^ 
me^r  bic  93eftimmnng  be^  franjöfifc^en  ©cfctjeö,  njic  atte  anbercn 
unter  I — III  criüftl^nten  SJorfd^riften  aU  uöllig  ju  9ted^t  beftel)enb 
erad^tct  n)crben. 

^n  ben  \>on  bcn  ernjä^nten  Seftimmungen  nid^t  getroffenen 
J^cilen  J)eutf(^Ianbig  ift  bagegen  ber  gur  5Wamengcbnng  3iere(^tigtc 
in  bcr  SBa^l  bcr  SBornamen  m_^t  befdjränft.  (Sr  barf  ungemö^nli^e, 
fclbftgebilbete  unb  felbft  gamiliennamcn  aU  SJornamen  geben  ^). 

Sig  barf  nic^t  öerfd^micgcn  werben,  ba^  ÜJJanc^er  bicfe  iljm  gcfe^* 
lid^  juftc^enbc  5^eil^cit  fdjon  im  aui^gicbigftcn  SWaa^c  aui^nu^tc.  SSenn 
ein  gabritant,  bcr  gerabe  gute  ®cfc^äftc  in  Scnjin  gcmad^t  ^at,  bicfcm 
fjabrifat  ju  Sljren  feinen  neugeborenen  ®o^n  „Senjion"  nennt  3),  ober 
eine  aKutter  it)rcg  gerabe  in  ?Imerifa  mcilcnbcn  ®atten  gebenfcnb,  bcr 
Xoc^tcr  bcn  5Wamcn  „@anf rauji^f a"  beilegt*),  fo  möd^te'man  ber 
üKeinung  bercr  merben,  bic  eine  reid)ögefc^Iid[)e  9legdung  bcr  3Sor* 
nameniäfrage  in  bcm  ©inne  öcrlangcn,  ba§  nur  SSornamen  gegeben 
njcrbctt  fotten,  bic  aU  fold^c  au(^  nhlid)  fmb. 

*)  Sluc^  bic  3füfc^rift  „2)er  ©tanbröbcamtc"  jmeifeü  in  feinen  legten  3fa()v* 
gangen  bie  9ie(^tdgültigteit  bed  frangöftfcfien  (^efe^ed  in  !2)eut[c^(anb  an. 

*)  3Jg(.  ^icvju  eine  SSerfügung  beS  Äg(.  C)ber^)räfibinm  ber  ^^roüinj  ^reugen 
üom  11.  gebruar  1875,  @tanbedbeamte  1874/75  ©.  52,  ben  (Srlap  beg  Ä'reiöauö* 
fc^uffeö  in  ^olberg  uom  10.  ^JJldx^  1885,  ©tanbedbeamtc  1885  S.  85  nnb  bic  be* 
vcc^tigte  ^ritit  bejüg(i(^  bedfe(ben ,  in  bei*  ^oc^cnfc^rif t  ,,  !S)ie  ©etbfiuerroaltnng " 
/  @tanbcigbeamte  a.  o.  O.) 

••)  @tanbe«beQmtc  1874/75  S.  129. 

*)  ©tanbeSbeamte  1877  <B.  102. 


-       16     -^ 

Sie  ^tnttgtn  ^amilietmamen. 

Wlit  bem  @intrttt  in  ba«  Seben  erwirbt  baö  ffiub  fofort  einen 
Familiennamen.  55icfer  ift  lei^t  feftjuftcHcn,  menn  SJater  unb  2Kuttcr 
ober  nur  bie  9)Jütter  beö  ffinbeö  befannt  ift  unb  ft>  fid)  and)  bic 
Frage  nad^  ®t;elid^feit  ober  Une^elic^feit  ber  betreffenben  ®e6nrt  Ieid)t 
crlebiflt.  Sud;  ba^  Rinb,  bad  üerlaffcn  unb  einfam  aufgefunben  wirb 
unb  bcffen  ?(ngeprigen  nid^t  ju  ermitteln  finb,  ber  ^i^^bling,  f)at  im 
?tngenblicl  ber  ®eburt  einen  Familiennamen  fi^  erworben.  Da  ber 
fclbe  aber  bei  Unbefanntfc^aft  mit  ben  @Itern  ööllig  unbefannt  bleibt 
unb  nadj  l^entigcm  9tedf)te  jeber  aWenfd^  einen  Familiennamen  führen 
mufev  fo  mn§  bemfelben  ein  neuer  Familiennamen  beigelegt  werben. 
Qm  ißerlanfc  eineö  3}Jcnfc^enalterö  nun  fann  ber  einmal  erworbene 
Familienname  Slcnberungen  erfahren  unb  jWar  tann  bicfe  ?(enberung 
lebiglid^  unb  allein  auf  ben  SBillen  bcß  5Wamenöträgerig  jurücfjufüljren 
fein  ober  fie  ootljietjt  fid^  unabtjängig  t)or  bem  SBillen  beö  Siamcnc^ 
träger^,  traft  ©efegeö  ober  öewoI)nt)eit  al^  F^tgc  beftimmtet  juriftifd) 
bebentfamer  ©rcigniffe. 

S(ni3  bem  ®cfagten  ergibt  fid^  bie  f;icr  folgenbe  Sintljeilung.  SEBir 
betrachten 

I.  hcn  (Srwerb  beö  Familiennamen^  burd)  ©eburt, 

II.  ben  Xiamen  ber  F^^i^Ii"9^^ 

III.  bie  in  Folge  mannigfaltiger  red^tlidj)  intercffanter  Jf)atfac^en 
fraft  ®efe^e^  ober  ®cwot;nl;eit  fid^  oolljictjenbe  Slcnberung  ber 
Familiennamen. 

(Dem  folgenbcn  Kapitel  bleibt  bie  freiwillige  Slcnberung  ber 
Familiennamen  oorbc^alten. 

I.  Der  Srwerb  be^  Familiennamen^^  burd^  ©eburt. 

A.  ^it  e^elit^en  .^inber* 

©iner  ber  wenigen,  feit  Sllterj^  f)er  unbeftrittcncn ,  fd;on  bei  ben 
aiömcrn  anerfanntcn  ©äge  be5  9lamen^re^t!§  ift  ber,  ba§  cl)elidjc 
Äinber  ben  Familiennamen  be^  3?aterö  erljalten.  (So  ift  biefer  ©a^s 
and;  in  äat)lreid)en  ®efe^en  jum  Äu^brucf  gefommeu.  S5gl.  j.  ®. 
^x,  2r.  II,  2  §  58.     Für  Cefterreidj  83.  ®.  §  146  u.  f.  w. 


—     17     — 

Die  ^articularrccä^te,  bic  bicfcn  ©afe  auöbriicflid)  aufgenommen 
unb  QU^gefproc^en  {)a6en,  !önnen  nur  aU  anerfennenbe  3^U9"iff^  ^i^^^ 
gemeinen  SRcc^t^  bettttd^tet  loerben^). 

Seine  Siegel  o^ne  SuSnal^me.  9ia6)  heutigem  9f{ed|te  gibt  t§  nod) 
cine  Slaffe  t>on  e^Iic^en  fiinbern,  bie  ben  Slamen  beiS  SSaterg  nidjt 
filmten.  e§  finb  bie^g  bie  Sinber,  n)el^e  einer  fogen.  (J^e  jur  linfen 
.^anb  entflammen.  ^)  !t)ie  @f iftenj  ber  (Slje  jur  linfen  §anb  unter  bem 
9lei^^feJ  jDom  6.  gebruar  1875  ipirb  jU^ar  t)on  5)ernburg^)  unter 
ber  Segriinbnng  geleugnet,  ba€  ernjä^ntc  ®efeö  fenne  nur  eine  r)olU 
gültige  &)t ,  ber  Stanbei^beamte  fei  nur  berechtigt ,  bie  SSerlobten  al& 
e^eleute  ju  üerbinben,  ofine  Sefd^räntungen  l^injufügen  ju  biirfen  unb 
bürfe  in  ba^  »^eiratlj^regifter  einen  3JermerI  über  ?{bjc^Ing  ber  6()e 
jurjfinfcn  ^anb  nidjt  eintragen,  unb  9Jot()^)  befd^räntt  i^re  ©iiltig* 
feit,  ben  §  72  bed  9Jeicl)ögefefeeä  für  fid^  anfuljrenb,  auf  bie  3)titgliebcr 
ber  lanbed^errlid^en  ^^milien.  Allein  eö  ift  too\)l  ber  Ijauptföd^Iid)  üon 
©tob be 5)  Dertretenen  SDieinung  ber^orjug  ju  geben,  bafe  ba^  :3"f*i^w* 
ber  morganatifdien  (Sf)^  für  ben  ganjen  ^ot)en  SIbcI  Ijeute  nodj  ju  9?cc^t 
bcftel^e  unb  jmar  begl^alb,  meil  bad  5Heid)dgefc|i  nur  bic  go^'^"  ^cr 
(f$efd)lie|ung  regele,  ed  jeboc^  nid)t  oerbiete,  neben  ber  ftanbedanit- 
lid^cn  Srflärung  einen  befonberen  SSertrag  ju  f(^lie§en.  2öad  für  bic 
Xiamen  ber  fiinber  an^  einer  ®t|c  jur  linfen  $anb  gilt,  mufe  n?ot)I 
aH3emein_.für  bic  an^  einer  SJü^^eiratt)  ftammcnben  äinber  angenommen 
loerben. 

SäJerben  fiinbcr  in  einem  Äugenblide  geboren,  mo  bie  bei  il;rer 
Beugung  oor^anbenc  ©(je  bereits  aid  nichtig  erflärt  mürbe,  fo  I;aben 
biefelben,  falld  eine  putatioe  (il)t  oorliegt,  bcn  oäterlid^en  göntilicnnamcn. 
(Sd  ift  bied  bie  fiefjre  bed  gemeinen,  bed  franiöfifd^cn  ^)  unb  bed  iiftcr^^ 
reid|ifd)en  ')  'Siti^t^ ,  mäljrenb  iljncn  bad  preufeif c^e  üanbred;t  in  ©e* 
mä§()eit  bed  §  53  S:l)eil  IL  litel  II.,  mie  allen  and  nid^tiger  e()e  ftam- 
menben  Äinbern,  ben  ^i^^niti^nnamen  ber  SWuttcr .  in  ber  Siegel  jumcift. 

338ad  bie  9^amen  ber  ^ier  nod^  ju  ermätjnenben  Ärautfinber  an^ 
langt,  fo   fmb  bie  ©efe^gebungen  ber  oerfd)icbenen  Jcrritoricn  burd)' 

*)  ^ermonn  ©.  821. 

')  t3gl.  ¥r.  ßanbrec^t  11.  %\)^\\  I.  %\u\  §§  873,  874. 
')  i^ei)rbud)  bfö  ?rc»6iic^cn  $riuotvcd)t§,  8.  ?(uf(.,  III  ^.  10. 
*)  II   §  91  %rm.  4. 
^  IV.  §  214. 
«)  code  civü  %xt  201. 
')  IL  ©0.  §  160.    «gl.  Saferer  @.  25. 
l'eoi.    S^oiiiamcn  unb  ^^milicnnomcn.  ^ 


—     18     — 

auö  ücrfd^icbcu.  3)ie  Seftimmung  bc«  ^cufeifd^cn  fianbrcd^t«  Z^txl  II. 
litel  IL  §  597:  „®tn  mit  einer  förmlich  öcrlobten  SBraut  etjeugtes 
Äinb  erlangt  bie' Siechte  ciiteö  et)elid^en  fd^on  burd^  bic  bloße  gerid^t 
Iid[)e  ®rflärung  hc^  ^üh,  ttjenn  gleich  bie  (£§e  mit  ber  SDtutter  nidtit 
wirflic^  üottjogen  morbcn",  ift  burd^  §  22  beiS  prengifd^en  ©efe^ee 
i3om  24.  april  1854 1)  aufgehoben,  fo  bafe  im  ©ebietc  beö  ))reu§ifc^cn 
iJanbred(>ti3  83raut!inber  jtej5  ben  5Wamen  ber  aWutter  filieren.  5>aöfelbe 
ift  nad^  franjöfifdiem  unb  öfterreid^ifdiem  ?Rcd)te  ber  ^aU.  Äuberö 
na6)  füd^fifd^^  Siechte,  ^ier  führen  SBrautfinber  in  ®cmä§^eit  bc^ 
§  1578  beö  fäd^fifdien  (Scfelbuc^eiS  ben  Slamen  beS  natürlid^en  SSatcr^. 
S35ai3  ba§  gemeine  Sfted^t  anlangt,  fo  fteüen  mt  ganje  iRcil)e 
ÜE^eoretüer,  oor  allen  JRotl^,-)  eine  gemeinrcd^tlid^c  ^rajie 
baftir  anfü^renb,  SBrauttinber,  b.  i).  f)kx  bic  nac^  öorauögcgangcnem 
gültigen  öffentlid^en  SSerlöbniffe,  auf  baö  ol^ne  <Sd^uIb  ber  SDiutter  eine 
&\)t  nid^t  folgte,  erzeugten  Sinbcr  ben  eljelic^en  oöUig  gleich,  werben 
i^nen  alfo  auc^  ben  Slamen  bcig  SJaterö  bemiöigcn  muffen.^) 

^n  ber^  ©d^ttjeij  gelten  SBrautfinber  at^  unel)etid&.  ffiinc  %n^< 
nai)mz  befte^t  ^ter  nur  für  ben  ffanton  Sßaabt.  ^ier  gelten  nämlich 
„bie  unter  ©l^cöerfpred^en  geborenen  ffinber  für  el^elid^,  erhalten  alfo 
ben  ^yiamcn  bc§  S3atcr^,  menn  baö  Gljeöerfpred^en  t)or  bem  eit)ilftanbig* 
bcamten  errid^tet,  bie  ®^e  anß  einem  oom  SBillen  ber  SScrlobten  un^ 
abl^ängigen  ^inberniffe  nid^t  üotljogen  mürbe  unb  bai^  SJorfjanben- 
fein  bicfer  33orauj§fc^ungcn  burd^  bie  juftänbige  Se^orbe  conftötirt  ift."*j 
B.  Sie  unel^eUt^en  Sinber. 

2)a§  5fiamen§wcfen  ber  5RBmer  ift  un§  in  mannigfad^en  JBe^ 
gieljungen  noc^  fe^r  bunfel  unb  njaö  in^befonbere  ben  SJamen  ber 
unclöclid^en  Sinber  anlangt,  fo  ift  nad^  ber  Unterfud^ung  ßinert'i^ 
eine  fräftige  93ctt)eiöftelle  für  bie  ©itte,  biefelben  nad^  ber  SÄutter  jn 
benennen,  nid^t  Dor(;anben.  ©inert  fd^liegt  jeboc^  an^  öorl^anbencn, 
auf  ben  üWamen  ber  Äboptitjfinber  bejüglic^en  ©teilen,  bag  römif^c 
©itle  unb  ©emo^n^eit  für  ben  Slamen  une^clid^er  Jtinber  eint  Siegel 
geftellt  \)abt,  bag .  fie  ben  Slamen  ber  üßutter  afö  einen  angeborenen 
ju  befolgen  l^ätten.  ^)    (S^  ift   mo^l  <  aujunel^men,   bafe   bei   bem  auf- 

M  ©tobbc  IV  @.  108. 

')  9{otf|  n,  §  153. 

»)  Uebcr  eine  obmeic^cnbe  Anfielt  ögl.  ^tobbc  IV.  §  261,  ^,  408  SC.  25. 

*)  öanbbud)  @.  230. 

*)  iSincrt  S.  109. 


—     19     — 

fommcn  bcr  Sfamilicnnamcn  in  ben  ocrfdjiebenen  (Scgcnben  1)cntf(]^Iaubö 
bic  unc|cH(i^ctt  Sinber,  benen  aud^  in  bicfcr  3^it  ^^^  altbcutfd^e 
JRcd^tiofigfcit  uiVb  änrüd^igfcit ^)  noc^  mcrfltd^  anhaftete,  bic  legten 
iDoren,  bet  benen  überhaupt  bte  93etlegung  eineiS  ^Familiennamens  in 
^rage  fam,  ba%  fie  gerabe  fid^  nod^  längere  3cit  nur  mit  einem  Seamen 
begnügen  mußten,  ba  ja  5Wicmanb  ein  Q'ntereffe  baran  Ijatte,  biefe 
^erfonen  al^  ju  feiner  5^"^^^^  gehörig  gu  bejeid^nen. 

^nr  "^SJcIenc^tuug  ber  J^rage ,  »eichen  Jöiniliennamcn  nnelielidje 
ftinber  im  17.,  18.  :5Ja^r^unbcrt  unb  im  ®ebiete  beS  gemeinen  SRed^tö 
in  ben  erften  ;3ia^rae^nten  unfereö  ^a^r^unbertö  fül^rten,  mag  ^icr  auf 
ein  Urtljeil  beS  Söniglic^  lä^fifc^en  Cber^apettationi^gerid^tö  üom 
7.  2Rai  1839i)  unb  auf  bic  «nftd^t  9Biarba'S  ^ingcwiefen  merben.'^) 
^aö  cxtoi\)ntt  Urt^eil  ftellt  ben  ®runbfa^  auf,  cS  fei  ben  beutfd^en 
@ett)oI|n]^eiten  angemeffcn,  bag  une^elid^e  Äinber  ben  5ßamen  ber  iWutler 
fiiljren^  lücnn  ber  ^ater  ungcn)iB ,  baß  fie  Ijingcgen,  menn  biefer  au^^ 
gemacht  ift,  beffen  Xiamen  annef)men.  ^Daneben  prociamirt  q^  jcbod; 
Va^  später  nod;  ju  betrad)tenbe  ?^rinjip  ber  freien  SWamenSücränberung 
in  bcm  Sage,  baJ3  eine  !ä)intter  if)rcm  Sinbe  an^  jebcn  beliebigen  ©e- 
fd^fed^t^nanicn  beilegen  fönnc,  berfelbe  alfo  an  ben  Siamen  ber  9)?uttcr 
nic^t  gebnnben  fei. 

J^ui r b a  Ijat  bagegen  bie  merfn)ürbige  ?(nfid^t  —  unb  biefelbe 
fann  bod)  nic^t  gerabeju  iii  ber  Suft  fte^en,  fonbern  grünbct  fidj  fidier 
auf  ju  feiner  S^it  geübte  ^rajiö  —  ein.  SSaftarb  fei  na^  gemeinem 
flted^t  burd^au^  nid^t  befugt,  btn  ©efd^tec^tSnamen  ber  SDJntter  njiber 
ben  SBTffeii  'btx  ?fgnaten  berfelben  aujune^men,  fönne  aber  mit  3ELMlfen 
be<5  25aterg  beffen  ®efd|led)tönamen  annehmen. 

"^ir  l;aben  alfo  ^ier  eine  ganje  SRei^e  öerfd^iebener  ®t)fteme  unb 
c^  ertjcllt  fd)on  am  biefen  SBeifpielen  ^nx  ®enüge  bie  SSermirrung,  bie 
ijur  angegebenen  ^eit  in  Scjug  auf  biefe  5^age  in  T)eutfc^Ianb  l^errfc^tc. 
Diefe  SJermirrung  ift  ani)  ^eute  noc^  nid^t  ganj  gefd^munbcn ;  bieö 
wirb  fid^  auiS  bem  nun  ju  f d^ilbernbcn ,  geltenbcn  {Red^töjuftanbe 
ergeben. 

aßir  fommen  1.  ju  ber  Jrage:  9SJcld)en  Familiennamen  führen 
bie  une^elidien  Sinber  einer  lebigen  grauenöperf on  ? 

*)  ©tobbe  §  201  I. 

*)  B%{.  ^ierau  bie  ^ritif  C^inert'd  unb  $ermann*$,  ^ermann  @.  323 ff. 

"")  S^iarbQ  @.  212,  245. 

2* 


—     20    — 

aiö  Qjfgemciuc  Stcgel  Iä§t  fid^  l|icr  bcr  ®a^  nufftettcn,  ba|  mu 
cf)clid^e  Äinbcr  bcii  Siamcn  i|^rcr  abutter  führen.  Qa\)lxcx(i)t  ^Jßattu 
cularrcd)tc  cntl^altcn  cntfpre^enbe  SBeftimmungcn.  T>a^  preußifd^c  Saubrcd^t 
^ac[t  in  Jticil  II.  XM  II.  §  640:  „Unc^cHd^c  Sünbcr  fütircn  bcn  ®c^ 
fd^Icd^tignamcn  i^rcr  3Wuttcr."  ^n  bemfclbeit  ©inuc  fprcdjcn  ft^  §  16f) 
bc!§  bürgcrlid)cn  ®efc&buc^ö  für  Dcfterreic^  unb  §  1001  bcö  fäc^fif^cn 
ßJefc^buc^ö  an^.  JJenicr  mag  ^icr  öietteid^t  auf  eine  83remenfif(^c  SBer* 
orbnung  üom  10.  JJejember  1875  bic  Äui^fü^rung  beö  ^erfonenftanb^ 
gefeßeg  belrcffenb,  Ijingctüiefcn  Jücrbeii.  (S^  Reifet  Ijicr:  „Uneticlid^  ge=^ 
boreue  Sinbcr,  roetd^e  n\ä)t  bxxxä)  iiadifolgenbe  ß^e  legitimirt  finb,  fül^icti, 
fo  lange  uidjt  üon  ber  juftänbigcn  aicgierungöbel|örbc  bie  Beilegung 
cine^  anbeten  9iamcnö  erfolgt  tft,  ben  9?amen  ber  üJhitter.  ^) 

Jtbcr  auc^  üon  biejer  t)ier  aufgeftettten  ollgemeinen  ^Hegel  ejiftiren 
eine  große  Ängal^I  änSnal^men  nnb  Abweichungen.  SBetJor  njtr  jur 
iBefprec^ung  berfelben  übergeben,  möge  l^icr  beö  3wf^"^^"^"^^^^9^  lücgen 
bic  SSJirfung  ber  ?(nerfcnnung  beö  3?aterjg  auf  bcn  ^Familiennamen  be§ 
unef|elid)en  Sinbeö  in'ö  Äuge  gefaxt  njcrbcn. 

3kd)  cjemeinem  ?li!id)tt  ermirbt  baö  uneljclid^e  Sinb  burd^  bic  Än- 
crfennnng  bcr  35aterfd)aft  feinen  ?lnfpruc^  auf  ^ü^rung  bcig  JJamilicu- 
namens  bc^  3?atcrö.  !Da§  SKei^ögerid^t  f)at  biefen  ®a^  in  einer  für 
bie  £e()re  t)om  55«miliennamen  übcrauig  mid^tigcn  ®ntfd)eibung  Dom 
22.  Cf tober  1881  (SBanb  V.  @.  172  ff.)  auöbrüdlidf)  an^gefprod&en. 
©benfo  füljrt  nad^  preu§ifd^cm  iJanbrcd^fe  nnb  na^  beut  fäd^fifd^en 
bnrgcrlid()en  ßJcfcgbuc^c  ba§  aujsercfjelid^e  Sinb,  aud^  menu  ber 
£d)mängerer  bie  ?(nerfcnnung  ber  SJaterfd^aft  erflärt  l^ot,  ben  gamilien* 
namen  ber  9JJntter.  X^ie  Sinber  jebod;,  bereu  natürlid^cr  abater  fd[)on 
Dor  bcm  1.  Wdxi  18G5  bic  ?lncrfennung  auögefprod)cn  I)at,  ^aben 
nadj  fäc^fifd)em  Siedet  ben  9?amcn  be§  SJateri^.^) 

^ad)  fran jöfifd^cm  Slcdjtc  enblid^  füljrt  ein  natürlid^eS  Sinb ,  je 
nadjbem  c^  oou  bcm  93ater  ober  bcr  aJhittcr  anerfannt  wirb,  bcn  9?amcn 
be^  33aterö  ober  bcn  bcr  aWuttcr.^)  J)icfcr  in  ber  ÜE^corie  ofjnc  3^cifcl 
baftct)cnbe  ©afe  ^at  in  ber  ^rafiö  gcfdjwanft.^) 

S33ie  ift  e^  ju  Ijaltcn,  menu  ein  üon  ber  aWutter  anerfannteö  Slinb 
fpätcr  gnd^  Dom  SSater  anerfannt  wirb?    §ier  erhält  cö  nac^  richtiger 

M  StanbeSbcomtc  187(5  ©.  131. 
*)  ^tonbcöbcamtcv  1878  @.  56. 
^)  35gl.  fjm^u  3nd^oriae  III.  §  572a. 

*)  S5g(.  tjiergu  fine  dorrefponbcitj  im  ©tnnbeöbcointcn  1882  <S.  61,  totld^  bein 
üom  3?atcr  ancrfonntcn  ßtnbc  nui*  beii  ^jiomcn  bei  aJhittcr  betwiüigen  Juiff. 


—     21     — 

^JKcinung  nic^t  ctma  nur  ben  2Jatcri§naincn,  fonbcrn  e^  f)at  ba^  Stcd^t, 
ben  SSatcriS*  unb  üKutternamcn  ju  fuhren,  ^[t  ha^  Sinb  üom  SJatcr 
unb^9Kuttcr  juglcid^  anertannt,  fo  erhält  cö  cbenfaUi^  ben  5amilien= 
nanicn  be§  3}atcr§  nnb  ben  bcr  aJiuttev.^) 

SBejiiglid^  ber  <B6)mxi  mag  Ijier  bemertt  werben,  bag  nur  tu 
einigen  ffantonen  bie  äncrfennung  benfjomiliennamcn  beiSSJaterö  gemä^rt.^) 

®ct)en  toix  nun  jur  SBetrae^tung  ber  «uona^mcn  oon  bent  an  bie 
@pi§e  unferer  ©rörterungen  gefteltten  ^rinjipe  über,  ba§  une^elid^c 
Sinber  ben  5Wamen  ber  abutter  erhalten,  fo  !önnen  mir  alö  erfte  ?(u^^ 
naiime  anführen,  bag  bie  une^elid^en  Sinber  abeliger  2)Klttcr  nad)  ein^ 
seinen  ^articularred)ten  nid)t  bereu  Slbcligpräbicat,  fonbern  ben  einfad^en 
iJamiliennqmen  erholten. 

§  641  I^eil  n  litel  II  beö  allgemeinen  preufetf^cn  Saubrediti^ 
öeftimmt:  ^\t  bie  9JIutter  t)on  abeliger  .f)erfunft  fo  fann  bennod^  baö 
nnet)elic^e  Sinb  besf  abeligcn  SlamcniS  unb  SBappenö  fid^  nid^t  anmaßen, 
ffiö  ift  biefer  ^aragrap^  merfmürbiger  ffieifc  üon  ^ermann^)  tjottftän- 
big  überfe^en  ttjorbcn.  Derfclbe  joitt  äbel  unb  abelige  Seamen  nadj 
preugifc^cm.  Sanbrcd^te  fc^arf  trennen  unb  miß  i^nen  ben  abeligen  &t 
f(^ted^ti8namen  ber  SWutter  jut^eilen,  toä^renb  er  i^nen  auf  ®runb  be^ 
?(n^angöparagrap^en  94  ju  §  592  ben  Abel  abfprid^t. 

«ud^  ber  §  165  S.®.  fpricl)t  ben  ©a^  an^:  Une^elid^c  Äinber 
^aben  auf  ben  Abel  ber  aKutter  feinen  «nfpruc^. 

®ä  beftimmte  ferner  3frt.  68  bed  gntmurfö  eincö  bürgerlid^en 
@efe^bud|ö  für  bad  ®ro§^eraogt^um  Reffen  üom  ^a^x  1842 :  „Une^eli^e 
Rinber  erhalten  ben  ®ef*^Ied^tönamen,  nid^t  aber  ben  abel  ber  a)?utter." 

35gl.  ferner  ©tob be  §  261b  unb  bie  bort  citirten  SSerorbnungen. 

^u  einzelnen  Territorien  ert;ält  —  ed  ift  bieö  bie  jmeite  ?(udna^mc 
uufcred  obigen  'JJrincipd  —  ba^  uue^elid^e  Äinb  nic^t  ben  5Wamen  ber 
2)iutter,  fonbern  mit  ^wftimmung  bes  SJaterö  beffen  g^J^ilicnnameu. 

3tot\)*)  citirt  in  biefer  $inft(^t  folgenbe  Seftimmungen : 

1.  für  »atiern,  aKinifterial-grlaß  t)om  25.  ;3uli  1825, 

2.  für  Söürttemberg,  ®efe|*t)om  15.  September  1839,  «rt.  28/) 


•)  «0(.  l^aurcnt  33b.  IV  @.  187. 

••')  «g(.  ^anbbud^  «Wr.  65,  65  a,  83. 

»)  ßermann  @.  326. 

*)  Sot^  II  §  172. 

*)  »öL  aiic^  ben  intereffanten  ?(rttfd  im  Stanbcdbeamtcn  1878  8.  21G  ff. 


—     'i2     ^ 

3.  für  aKchüngcn,  ®cfcjj  üom  9.  ©eptcmbcr  1844,  «rt.  10, 

4.  für  ©ot^'Scfcfe  üom  1.  ^uli  1869,  «rt,  13, 

5.  für  Soburg,  ©efeg  öom  28.  ^vX\  1858,  «rt.  36, 

6.  für  Mcufe  j.  S.,  ©cfcfe  oom  29.  ^uni  1864, 

7.  für  Sübcrf,  ©efefe  öorn  1.  ^uH  1865. i) 

Scfclcr^)  gwcif dt  bic  ©ultigfcit  aUer  bicfcr  Scftimmuugcu  an. 
ffir  bcfiauptct,  bic  «ncrfcnnung  bcfg  Stinbc«  —  eine  folc^e  töirb  auci^ 
fid^erlid[(  ber  (Srlaubniß  ber  SWameni^beilegMng  Dorou^ge^en  muffen  — 
gebe  no^  nic^t  ben  SKamen  beiS  SJater^  unb  t^  crfd)cine  fraglid),  ob 
bic  ^articularrcd^te ,  ttjcld^c  baS  unc^clid^c  Äinb  mit  3wftimmung  be^ 
aSatcr^  bcffen  Stamen  führen  laffcn,  bem  Meid^^gcfc^e  gegenüber  nod) 
in  ®cltung  finb. 

Slid^tig  ift,  bag  bic  ancrfennnng  \y\  ben  mciftcn  iJätten  nic^t  ben 
^Warnen  beö  SJatcrj^  i^crfd^afft,  ober  eiS  ift  unerfinblid^ ,  mic  auö  bcm 
§  25  bed  aieid^iggefcgeö  ober  auö  bem  ©d^ioeigcn  bcö  ®cfe|e^  über 
biefe  SBefugnife  be^S  SSatcrö  jur  5Wameni3beiIegung  —  fpred^cn  tt^äre  nad> 
bem  fd)on  öfter  crn?ä^nten  cinjigcn  3*üC(fe  best  ®efefeed  gar  nidjt  am 
■^la^c  —  bic  Ungültigtcit  ber  erwähnten  Seftimmungcn  gcfd^Ioffen 
werben  fann.  DaiS  citirte  SWeid^ögcrid^t^nrt^eil  oom  22.  Dftober  1881 
crmälint  bicfelben  in  einer  9Beife,  bie  feinen  ^xot\\!^  barüber  laffen 
fann,  bag  biefcig  Ijöc^fte  ©erid^t  fie  für  ööllig  in  Kraft  fte^enb  erachtet. 

@^  mag  bei  (Srmä^nung  ber  gleiten  Su^nal^me  unfered  ^ringips^ 
toeiter^in  barauf  aufmerffam  genmd^t  mcrbcn,  baß  in  I^eilcn  bc5  gc* 
meinen  SRed)t^,  in  einem  Jfieilc  ber  ^rouinj  ^annooer  unb  in  ®d)Iei8n)ig= 
.^olftcin  nid)t  burd)  ®cfe^,  fonbern  laut  ^erfommen  unel^elidie  Jtinbcr, 
aud^  Jücnn  ber  33ater  bie  3)iutter  nid^t  gec^clic^t,  bcjto.  ba^  Äinb  nid^t 
anerfannt  I;at,  baö  SRcd^t  ^abcn,  be§  35ateri8  ^^miliennamen  gu  führen, 
fobalb  im  S!ird)enbuc^e  ber  9lamen  bei^  SSater«  benannt  ift.  25gl.  ^ierju 
©tanbe^beamte  1878  ©.  255  unb  bie  Serid[)tigung  ber  ®rog^eräogI. 
3Re(fIenburgifd;cn  fianbei^regierung  ©.  270  1.  c. ,  ferner  bie  Diel  ioei== 
ter  gefjcnbe  Semerfung  im  ©tanbe^beamten  1885  ©.  116  unb  enblic^ 
eine  SJerfügung  ber  Äönigl.  SRegierung  in  ©c^Ie^mig,  betreffenb 
©ntragung  unehelicher  ®eborener,  Dom  12.  Dftober  1878.  (©tanbeiS* 
beamter  1878  ©.  1.):  „Sei  gintragnng  Don  (g^efd^Iiegungen  unb  ©terbe- 

*)  (£d  mag  noc^  bie  ^cflimmung  bed  (£nttvurfd  bf«  büvgerUi^en  ®efe^bu(^d  für 
.J)effcn  hinzugefügt  merben:  „^tugere^elic^c  Äinber  erhalten,  iwcnn  beten  ^atcr  fic  an- 
erfannt ^at,  mit  beffen  3"P"nni""Ö  f«"*^«  ^Jiamen." 

»)  Softem  bed  Deutfi^en  ^riDatvet^tS  §  57. 


—     23     — 

fatten  tft  bcm  bi^fjcr  in  Ijicfigcr  ^vomnj  ^ic  unb  jfa  beftanbcncn  ^cr^ 
fonunen,  toom^  unel^el^  @(eborene  auf  ben  91amen  bt§  angeblid^en 
^dfiodnQtxcx»  bcr  9(Wuttev  getauft  »urben,  Sled^nung  ju  tragen,  ©o 
ba^cr  urfunblicä^  nad^gemiefen  wirb,  bag  bieö  gefd^eficn,  ift  in  baö  JRe* 
giftcr  ber  SWamc,  auf  meieren  bie  ^crfon  getauft  roorben,  aufgune^nien." 

ffi«  ift  mo^I  anjune^men,  bag  biefeS  $)erfominen,  ba^  fid^  auf  93e^ 
ncnnnng  jum  Sird^enbu^e  grilnbet,  bti  Sinbern,  bie  unter  ^errfd^aft 
beö  Sleic^^gefegeö  geboren  finb,  nid^t  mel^r  in  SBeriicffi^tigung  fommt. 

SBaS  fd)Iiepd^  ba^^  ofterreic^ifd^e  SRed^t  anlangt,  fo  fmb  bie  9Wein* 
ungen  bejiiglic^  ber  grage,  ob  unelielid^c  JHnber,  wenn  ber  natiirlid^e 
iBater  bei  Eintragung  beg  Äinbeg  in  bad  lauf*  refp.  OeburtSregifter 
fcinc  3MftitnmuBg  gibt,  ben  JJamilicnnamen  be^felben  führen  fönnen, 
gct^eilt.  35gl.  Saferer  ©.  16  unb  ®tubenraud[)  ßommentar  jum 
Ö.®.  V.  Auflage  ©.  267,  ber  fid^  im  tjerneinenben  Sinne  anöfprid^t. 

fflir  ^abcn  conftatirt,  bag  ein  une^elic^eiS  Sinb  juwcilen  ben  5)?amett 
bci^  »aterg  fü^rt. 

^]t  nun  and)  —  unb  bieg  wäre  bann  bie  britte  Äuönat)me  unferer 
aUgcmeinen  3tegel  —  ber  gall  ntöglid^,  bag  ein  unel)elid)c5  Sinb  weber 
ben  9lamen  beö  SSater«,  noc^  ben  ber  abutter  erpit? 

Saferer  fii^rt  in  feinem  öftere  citirten  ffierfe^)  ein  ,^offanjIei- 
bcfret  t)om  21.  Oftober  1815  an.  ^n  biefem  ^eigt  e§:  „2)ic  beftefjeu:^ 
ben  ®efe|e  üerorbncn  mit  ©eii^^eit,  öerunglücften  *^erfonen,  bie  ÜWütter 
auger  ber  @t>e  geworben  finb,  bag  ®e^eimnig  i^reg  magren  9lameng  nid^t 
3U  entreigen.  ^n  biefer  ®emäg5^ert  ifT  ben  gül^rern  bcr  @ebnrtgbü(^er 
uac^träglid^  ju  ber  i^nen  mitget^cilten  ^^nftruction  mitjugeben,  bag  fie 
in  alien  fallen,  wo  ein  Sinb  alg  unel^elid^  geboren  augbrücüi^  angegeben 
wirb,  o^ne  bie  ©intragung  beg  5Wameng  bcg  augercl)elid)cn  SJaterg  ju 
forbern,  bie  ©rforfd^ung  beg  wahren  9?ameng  ber  Sinbegmutter  burd^  einen 
3eugenbeweig  ober  burd^  bie  Anzeige  an  bie  politifd^e  Crtgobrigfeit  gang 
ju  unterlaffen  unb  ben  angegebenen  5Ramen  ber  Sinbegmutter  mit  bem 
Seifa^e  „angeblid^"  in  bag  ©cburtgbuc^  o^ne  weitereg  eingutragen  ^aben." 
^nad^  bt4er  ^(norbnung  ift  eg  möglid^,  bag  ein  une^elic^eg  Sinb  nic^t 
ben  ©efc^Iec^tgnamen  ber  SWutter,  fonbern  einen  beliebigen  oon  ber 
ÜDiutter  angegebenen  erhält. 

Äud^  bag  geltenbe  franjöfifc^e  5Red)t  ift  t)ier  einer  einge^cnben 
Prüfung  ju  unterwerfen. 

')  @cite  18,  19  ff. 


—     22     - 

3.  für  STOciningcn,  ®cfcfe  tjom  9.  ©e|)tcmbcr  1844,  «rt.  10, 

4.  für  ©otI|a/®cfc^  wm  1.  ^uK  1869,  «rt.  13, 

5.  für  Soburg,  ®cfc^  üom  28.  i^uli  1858,  «rt.  36, 

6.  für  McuB  j.  2.,  ©cfcft  Dom  29.  :5um  1864, 

7.  für  Sübcct,  ®cfcg  Dom  1.  ^uli  1865.») 

SB cf der 2)  jwcifclt  bic  ^ültigfcit  alter  bicfer  Seftimmungeu  an. 
®r  bcliaitptct,  bie  Äncrfcnnung  bc3  Stinbc«  —  eine  fold^e  wirb  auci^ 
fid^erlid)  bcr  (£rlaubniß  ber  Slamcni^betleguttg  Doraui^gc^en  muffen  — 
gebe  nod^  nid^t  ben  9?amen  bcö  SJateriS  unb  c5  erfd^eine  fraglich,  ob 
bie  ^articularred[(te ,  njeld^e  baö  une^clid^e  Ätnb  mit  S^f^ntmung  beö 
äJaterö  beffcn  iWamen  führen  laffen,  bem  Meicä^^gcfe^e  gegenüber  no(^ 
in  (Geltung  finb. 

SRid^tig  ift,  ba§  bic  anerfennnng  in  ben  mciften  ^dütn  \xid)t  ben 
5Wamen  beö  SJaterig  Derfc^afft,  aber  ei^  ift  nnerfinblid^ ,  mie  auö  bem 
§  25  beö  SReid^ggefe^ciS  ober  auö  bem  ©d^meigen  beö  ©cfc^e^  über 
biefe  99efugni§  bci8  SSateri^  jnr  9lamem3beilegung  —  fpred^en  wäre  nad> 
bem  fd|on  öfter  erwähnten  einzigen  Qtoedt  be$  ®efegei^  gar  nid)t  am 
^la^e  —  bic  Ungültigfeit  ber  erwäf)nten  SBeftimmungen  gcfd^loffen 
werben  fann.  Da«  citirte  3lei(^ögerid[)tigurt^cil  oom  22.  Ottober  1881 
erwähnt  bicfelben  in  einer  9Beife,  bie  feinen  3>^cif^I  barüber  laffen 
fann,  ba§  biefeg  l^od^fte  ®erid^t  fie  für  Döllig  in  Sraft  fte^cnb  erachtet. 

@!8  mag  bd  ©rwäl^nnng  ber  jWciten  Änönaljme  nnfercS  ^rinjipsf 
weitcrljin  barauf  anfmerffam  gemad^t  werben,  ba§  in  J^eilen  be«  gc= 
meinen  SRei^tig,  in  einem  J^eilc  ber  ^roDinj  ,^annoDer  nnb  in  ©c^Ieöwig- 
.^olftein  nid^t  burd^  ®cfefe,  fonbern  laut  ^erfommen  nne^elidje  Stinber, 
and^  wenn  ber  3?ater  bie  3)?utter  nid^t  geeticlic^t,  begw.  ba«  ffinb  nic^t 
anerfannt  Ijat,  ha^  SRed^t  ^aben,  be§  SJater«  ^^milicnnamen  ju  führen, 
fobatb  im  Äirc^enbu^e  ber  9iamen  beiS  33ater«  benannt  ift.  SSgf.  ^ierju 
Stanbei^beamtc  1878  ©.  255  unb  bie  93eri^tigung  ber  ©ro^^erjogl. 
aWedEIenburgifc^cn  fianbci^regierung  ®.  270  1.  c. ,  ferner  bie  Diel  wei^ 
ter  gefjenbe  Scmcrfung  im  ©tanbei^beamtcn  1885  ®.  116  unb  enblic^ 
eine  SJerfügung  ber  Äönigl.  SRcgierung  in  Sd^Iei^wig,  betrcffenb 
(Eintragung  unehelicher  ®eborcner,  Dom  12.  Oftober  1878.  (©tanbeiS* 
beamter  1878  ©.  1.):  „Sei  Eintragung  Don  e^efd^Iicgungen  unb  Sterbe^ 

')  @d  mag  noc^  btc  ^eflimmung  bed  (Snttvurfd  bfd  bürgerlichen  ®efe^bu(^d  für 
Reffen  hinzugefügt  hjerben:  „^tußcre^elic^e  Äinbcr  ermatten,  iwenn  beren  Sater  fie  an* 
erfannt  ^at,  mit  beffen  3"f^ii"'"""9  feinen  ^J^amcn." 

')  @k)ftem  bed  :i)eutf^en  $rit)atre(^td  §  57. 


—     23     — 

fatten  ift  bcm  bfe^cr  in  tjicfiger  ^rotjinj  ^ic  unb  Ifa  bcftanbcncn  ^cr^ 
fommen,  toona^  unel^elid^  @(eborene  auf  ben  9lamen  be^^  angeblid^en 
Sd^toangcrctig  bcr  SKutter  getauft  würben,  Med^nung  gu  tragen.  SJo 
ba^er  urhmblici^  nac^gemiefen  wirb,  ba§  bie§  gefd^cljcn,  ift  in  bag  9ic« 
gifter  ber  SWame,  auf  weld^cn  bie  ^erfon  getouft  worben,  aufjune^men." 

e«  ift  mo^I  anjune^men,  ba§  biefeig  ^crfommen,  ba^  fi(^  auf  33e^ 
nennung  jum  Sird^enbud^e  gritnbet,  bei  Sinbern,  bie  unter  ^errfdiaft 
btä  JReid^jggcfegeiS  geboren  finb,  nid^t  me^r  in  Serilrffid^tigung  fommt. 

%&a^  fd|)liegltd^  bai^  öfterreid^ifd^e  9fled^t  anlangt,  fo  fmb  bie  992etn« 
uugen  begiiglic^  ber  S^age,  ob  unel^elid^e  ftinber,  wenn  ber  natürlid[(e 
5Jater  bei  Eintragung  beiS  ffinbed  in  ba&  lauf«  rcfp.  ®eburt§regifter 
feine  3wftimniuBg  gibt,  ben  JJamificnnamen  bc^felben  führen  fonnen, 
get^eilt.  35gl.  Saferer  ©.  16  unb  ©tubenraud)  Gommeutar  jum 
Ö.®-  V.  Auflage  ©.  267,  ber  fi^  im  toerneinenben  Sinne  au^fprid^t. 

fflir  ^abcn  conftatirt,  ba^  ein  une^clic^cig  Siub  juweilcn  ben  9?anien 
be^  SJatcre  fii^rt. 

3ft  nun  auc^  —  unb  bied  wäre  bann  bie  britte  ÄuiSnal^me  unferer 
allgemeinen  Siegel  —  ber  gaD  möglich,  ba§  ein  uneljelid^eö  .^inb  weber 
ben  Slamen  beö  SSater^,  nodf)  ben  ber  3Kutter  erhält? 

Saferer  fii^rt  in  feinem  öfteres  citirten  SBerfe^)  ein  .t)offanjfei* 
befret  üom  21.  Dftober  1815  an.  ^n  biefem  I)ci§t  c§:  „(Cie  befteljcn^^ 
ben  @efe|e  üerorbnen  mit  SSeiöIieit,  öeruuglürften  i^erfonen,  bie  SWütter 
auger  ber  (St)t  geworben  finb,  baS  @(e^eimni§  i^reiS  wahren  92amen^  mä)t 
iu  entreißen,  ^n  biefer  ®emä§5^Tt  i)1  ben  5"^^^^»  ^^^  ®eburt^bttd^er 
na^träglid^  ju  ber  i^nen  mitgct^eilten  :5nftructiou  mitjugebitn,  bag  fie 
in  allen  flauen,  wo  ein  Sinb  aid  une^elid^  geboren  ausbrücflid^  angegeben 
wirb,  o^nc  bie  Eintragung  bcö  Stamens  bcig  außereljelid^en  23atcri3  ju 
forbern,  bie  ©rforfc^ung  beig  walircn  5Wamenö  bcr  Sinbei^mutter  burd^  einen 
^eugenbeweid  ober  burd^  bie  Anzeige  an  bie  politifc^e  Crtöobrigfeit  gauj 
ju  unterfaffen  unb  ben  angegebenen  Flamen  ber  Äinbeömuttcr  mit  bem 
Seifa^e  ,,angeb(id^"  in  ba^  ^(eburtdbuc^  ot|ne  weitered  einjutragen  ^aben.'' 
3la^  buitx  ^(norbnung  ift  t§  möglid^,  bag  ein  une^elid^cd  Sinb  nid^t 
b€n  ®efd^Iec^tdnamcn  ber  äWutter,  fonbern  einen  beliebigen  üon  ber 
Setter  angegebenen  erhält. 

%ud^  bad  geltenbe  frangöfifd^e  9{ed[)t  ift  ^ter  einer  einge^enben 
^rfifung  §u  unterwerfen. 

')  Seite  18,  19  ff. 


L. 


-     24     ^ 

®d  ift  cm  fcftftct)enbcr  (3a^  bc§  franjofifc^en  äicd^t^,  bag  ein 
natiklT^eg_ginb  Steckte  gegen . feine  äWuttcr  crft  burd^  eine  3lncrfc«nung 
©eityt^  berfclften  erwirft,  bte  entnjeber  eine  freimidigeober  gcric^tltd) 
crjtonngenc  fein  fann.  SWur  bie  erfte  tt^irb  unö  in  tJofgcnbcm  intcreffircn. 
(S§  l^ängt  »Ott  bieder  änerlennung  nnfereig  ®rme[feni3  ah,  ob  ba§  Äinb 
ben  5Wamen  ber  5Kntter  füljren  barf  ober  nid^t.  ®ö  barf  iljn  nic^t 
führen,  wenn  feine  Änerfennung  fetten«  ber  abutter  vorliegt.  S5gl. 
^ierju  1.  Qaä)axxaz  §  572*  am  @nbe:  „®cr  Simiftanb  eine«  natür* 
lid^en  aner!annten  Sinbeö  mirb  beftimmt  burd^  ben  Siüitftanb  bes^ 
SSater«,  toenn  e«  t)on  bcm  35ater,  ober  burd^  ben  Sioilftanb  ber  a)intter, 
wenn  e§  öon  biefer  anerfannt  worben  ift.  5Wac^  ber  äJerfd^iebcn^cit 
ber  gälle  fil^rt  bo«  Sinb  entWeber  ben  Siamen  ht»  SSaterö  ober  ben 
ber  aWntter."  2.  aiot^  »anb  2  ®.  396:  „5Wid^t  anerfannte  une^e^ 
lid&e  Sinber  ftetjen  jn  i^ren  (Srjeugern  in  feinen  red^tlic^en  8ejict|ungen 
nnb  ixvat  a\i6)  nid^t  jnr  3)hitter.  ?l  n  e  r  f  a  n  n  t  e  nne^elid^e  Äinber  t^eiten 
ben  Siöilftanb  beö  erfennenben  ffilternt^eilö  unb  füljren  beffen  5Wamen." 

3.  25gl.  befonberg  jebo^  Saurent  Sanb  4  ®.  187: 

De  qui  Y  enfant  naturel  prend-il  le  nom?  Quand  il  n'  est 
reconnu  que  par  V  un  de  ses  pere  et  mere  il  n'  y  a  pas  de 
question,  il  prend  le  nom  de  celui  qui  V  a  reconnu,  s'  il  n'  est 
pas  reconnu  ni  par  acte  ni  par  jugement  il  n'  a  pas 
de  filiation,  partant  il  n'  a  pas  le  droit  de  porter  le 
nom  de  sa  mere,  quand  meme  il  aurait  ete  declar6  k  V  offlcier 
de  r  etat  civil  et  constats  dans  V  acte  de  naissance  etc. 

@g  fragt  fid)  nun,  in  welchen  Acten  ift  eine  Änertennung  ber 
üKutter  äu  finbcn?  SBefanntlid^  beftimmt  baö  franaöfifd^e  SRed^t,  ba^ 
baö  freiwillige  Änerfenntnig  nur  unter  ber  Sebingung  ju  9ied^t  beftc^en 
foK,  baß  eö  mittel«  einer  öffentlid^cn  Urfunbe  gefd^e^en  ift.  ©ie  ftellt 
fid)  nun  ^iergu  nnfer  9leid)ögefe|  öorn  6.  ^ebrnar  1875?  §  22  bc«= 
felbcn  f^reibt,  tük  größtenttjeil«  in  ber  J^eorie  angenommen  wirb,  tjor, 
bafe  ber  Flamen  ber  ÜButter  im  ganzen  beutfd^en  9leid^,  alfo  aud^  im 
®ebiete  be«  frangöfifd^en  SRed^t«  in  ba«  ®e6urt«regifter  aufjune^mcn 
ift.  »gl.  t).  Sicherer  ©.  220  unb  bie  ^effif^c  ^^nftruction  ju  §  22 J) 

fiiegt  nun  in  ber  Aufnahme  be«  SWamen«  ber  ÜÄuttcr  in  ba«  ®c^ 
burt«rcgifter  eine  ben  «nfprüd^en  be«  franjöfifd^en  Siecht«  gcnilgenbc 
Slnerfennung  ober  nid|t? 

*)  ?tbwei(f)enb  bie  58obt[(^c  2)ienftroei(mtg  §  54,  o.  <Sid)crcr  <S.  221. 


—    25    — 

Sei  ber  $)eantnu)rtung  btefer  ^xaqc  looden  tuir  eine  @onberunc) 
3toeier  ^Qe  Dortte^mett. 

1.  galt.  6;^  fanu  bie^uieigc  be§  natüvlidien  Äinbe^  hnxä)  bic 
,t)ebamme,  ben  ?lr jt,  jebc  anbete  bei  ber  ©eburt  jngegcn  gcwcfcnc  ^ßerj^on, 

2.  galt.    Sie  fann  burc^  bie  äßuttcr  erfolgen. 

(Sä  mag  nun  gleich  benterft  n^erben,  bag  bet  practifc^  bei  Jöeitem 
wichtigere,  faft  au§f(^Iie6Ii(^  üotfommenbe  ^^tt  ber  crfte  ift,  benn 
feiten  ift  bic  ÜKuttcr  in  ben  erften  ad)t  lagen  überhaupt  im  ©tanbc, 
eine  Änjeige  bei  bem  Stanbeöbeamten  ju  erftatten  unb  gubcm  liegt  ber 
^ebammc,  bem  Ärjt  unb  jeber  britten  jugegen  getoefcnen  ^crfon  bie 
^erpflid^tung  jur  Änjcigc  in  ©cmäp^eit  beö  §  18  beä  SReic^Sgcfe^c^ 
vox  ber  aDiutter  ob. 

Sann  nun  in  ber  ©eburtä^anjeige  burd)  bie  sub  1  genannten  ^er- 
fönen  eine  Änerfennung  beö  ftinbeö  burc^  bie  9)iutter  gef unben  werben  ? 
<Bxd)^x^\^  nic^t. 

ÜÄan  fönnte  (jier  an  eine  Steffoertretung  ber  2)Zutter  bei  bem  Acte 
ber  Änerfennung  benfen,  aber  bie  britte  ?erfon  erfüllt  bei  ber  Slnseigc 
eine  i^r  gefe^Iidj  obliegenbe  Serpflid^tung  unb  e*^  mügte  bei  einer  fo(cf|en 
<Stcßoertretung  unbebingt  eine  jd^riftlid^e,  anttjentifc^e  35oHmac^t  ber 
ÜWutter  —  bic  nie  üortjanben  ift  —  üorlicgcn.^} 

®ir  fommen  alfo  ju  bem  9iefultate,  baß  in  bem  etftgcnanntcn 
^atte  ba§  Sinb  fo  lange  nid^t  ben  9?amcn  ber  3Wutter  fütiren  barf, 
aU  nip^t  eine  üon  i^r  nachträglich  in  gefeglidjcr  Jyorm  gcfd^cliene  2fn^ 
erfennung  vorliegt. 

^infic^tlic^  beiS  jmeiten  3föttö  befte(;cn  in  ber  Theorie  SWeinungä^ 
t)erfc^ieben^eiten.    ©äljrenb  9t  o  t  ^  ^^  {^  feinem  'Deutf c^en  ^riüatredjt  i 

bie  Anficht  üertritt,  ba§    bie  änjcigc    ber  ®eburt    beö    uneljelid^en 

')  «gl.  tiicr^u  «anb  17  bfr  3fttf(^nft  für  franjöriWe«  Gioilretftt  3.  441  ff. 

(S^  ^eigt  in  bem  ^ier  refcrtrtcn  Urt^eit  bed  Obevtanbedgeric^td  3^<i^^ü(fcn  i 

tiom  6.  Januar  1886:  ,,9ud  allgemeinen  9{e(^t!Sprin3ipien ,  tuie  audj  noc^  and  and* 
brflcflii^er  9$orf<^rift  bed  9rt.  36  c.  c.  fo(^t,  bag  im  ^aüt  ber  3tettt>ertretnng  eine 
fpegteQc  unb  aut^enttfc^e  «oUmac^t  Xedjentgen  not^nienbtg  ift,  melc^er  ein  freiroidigcd  | 

^nerfenntnig  machen  w'iU.    9kc^  biefen  Haren  Slec^tdgrunbfä^en,  mie  fte  jmeifeUod  and  i 

bem  ^rt.  334  ^eroorge^en,  fdnnte  a(fo  eine  itnerfennung  burc^  bie  SP'^utter  in  einem  ' 

Hfte  unter  ^rii^atunterfc^rift  ebenfomenig  ai^  eine  freimiUige  ^nerfennung  erachtet 
tverben,  xü'k  eine  Slnerfennung ,  melt^c  oon  einem  Xritten  (unb  Xüäxt  ed  felbfl   ber  | 

natfirtid^e  Sater  bed  ^inbed)  für  bie  9J2utter  pemac^t  merben  ivoflte,  n^enn  berfetbe  fic^ 
nur  auf  eine  Sottmadit  unter  $rioatunterf(^rift  ober  einen  munblic^en  Auftrag  berufen 
fonn  ober  wenn  gar  nur  bad  ftittfc^meigenbe  (Sinoerftänbnig  Dorandgefe^t  ti3irb. 

*)  II  @.  397. 


-     26    — 

Slinbci^,  bnxä)  bic  SHuttcr  fclbft  erfolgt,  aßen  SJorau^fe^ungcn  cntfprä^c, 
meldte  baö  fvanjöfifd^c  9tcd^t  für  bic  9(ncrfcnnung  burd^  bic  SDiuttcr 
öorfd^reibe,  maä)t  ü.  ©id^crcr  in  feinem  Sommcntar  *)  folgcnben 
Untcrfd^ieb:  ffi^  liegt  eine  Stncrfennung  in  bcr  ®ebnrtdanjeigc ,  wenn 
bie  üKntter  in  frcitüitfigem  ßntf^hife,  obnjol;l  anbere  ^crfonen  gunS^ft 
üerpflid)tet  mären,  fii^  jnt  änjeige  ^erbeilögt.  fficnn  bagegcn  bie 
anfeerel^elid^e  SQZnttcr  bic  Slngcige  Icbiglic^  in  ber  ffirfüKung  ber  gefcj;* 
liefen  SSerpflid^tung  erftattet,  fo  ift  eine  Änerfennung  nur  bann  üor* 
^anben,  mcnn  mit  bcr  Änjeige  eine  Änerfcnnungöertlärnng  ücr^ 
bunben  mirb, 

SBaö  bie  3lnfic^t  9lotI)'si  anget)t,  fo  ift  biefc  falfd^.  ®g  ift  un- 
billig, an  einen  gefe^lid^  oorgefd^riebenen,  feine^mcgö  freiwilligen  Aft 
bcr  a)f utter  bie  J^olge  einer  freiwilligen  Änerfennung  p  fnüpfcn. 
J)er  oon  t).  ©  i  d)  c  r  c  r  auf geftcllc  @a^,  bag  eine  freiwillige  Änerfennung 
üorlicgt,  wenn  mit  ber  ?lnjeigc  eine  Snerlennungöerflörung  oerbunben 
wirb,  ift  in  ©cmäBljeit  beö  §  25  be§  jHcidjögefe^eig  nnbeftreitbar.  SBir 
Ijalten  jcbod^  auc^  bie  erwäf)ntc  wcitergcljcnbc  Slnfi^t  biefeö  SRcd^t^^ 
Ic^rerö  für  richtig, 

gür  ben  an  fii)  f^on  fel^r  feltenen  gweiten  gaU  Ijätten  wir  alfo 
baö  aiefultat,  bajs  ba§  Stinb*^)  burd^  bie  einfädle  Slnjcige  ber  ÜDiuttcr 
ben  5Wamen  berfelbcn  nid|t  erl^alten  fann. 

©I^ewibrigc  Stinber  fonneu  nid^t  anerfannt  werben,  füf)rcn  alfo 
niemals  ben  ^Warnen  ber  9Wuttcr. 

2Bie  ftellt  fid^  nun  ju  biefer  ganjen  S^agc  bie  ^rajiiS?  ric 
rl)cinl|efrifd)e,  fidler  and^  in  anberen  (Jiebieten  bcö  fraujofifd^en  9led^t^ 
geübte  ^raf iö  gcf)t  ba^in,  bag  baig  unc^elid^c  Sinb  otjue  wcitereiS  burdE> 
bie  ÖJeburtSaujcigc  ben  5Wamen  feiner  abutter  erhält  unb  auf  ben 
5Wamen  feiner  SKutter  in  bie  alpljabctifd^en  9lamcnöregifter  einge- 
tragen wirb. 

^§  liegt  ^ter  ein  ben  löeftimmungcn  beig  code  civil  nid^t  ent^ 
fprcd^enbcjg,  gefc^lid^  nid^t  jn  rcd)tfertigenbeg  SBorge^cn  uor.  Die 
^ißrasiö  nimmt  einfad^  bic  erfolgte  Slnerfcnnung  burd)  bic  iDhitter  alö  gc- 
fd^el|cn  an,  eine  @rfcl[|einung,  bie  aud^  bei  ber  üorbel^altlofen  Eintragung 
beö  SBornamen^  eine^  une^elid^cn  Sinbcö,  ben  büigfelbe  laut  «ngabe  bcr 
britten  anmelbenben  ^trfon  butd^  bic  SUJuttcr  erhalten  f)at,  gii  3:age  tritt. 

')  ö.  @i(^crcv  @.  208. 

-<  !Diit  bcr  einen  üon  o.  @i(^ercv  emäl)nteH  Slu^nQ^me. 


-     27     - 

a3on  einem  bic  SBcftimmungen  be^  code  ciril  außer  Sraft  fe^cn- 
ben  ®mt>i)nf)iit§xtä)t^  fanit  betanntlid^  nid^t  gefprodjen  merben. 

Unb  bod)  liegt  bent  gef d^ilberten ,  naä)  unferer  Slnfid^t  ungefe^* 
lid^en  ffiorgel^en  ein  rid)tiger  ®ebanfe  ju  ®runbe,  ber  nämlid),  ba§ 
ci3  ein  Unbing  ift,  ba§  ftlnb  in  ber  SBeife,  toie  t§  im  frangöfifd)cn 
fRedite  gef^iel^t,  t)on  ber  2)iutter  ju  trennen.  3)cr  SReid^^cobeE  wirb 
bic  SBeftimmungen  t)on  ber  SInerlennung  beiS  une^elidjen  Sinbed  burd^ 
bic  aKutter  fic^erlid^  nid^t  aufnehmen. 

SBir  bel^anbeln  nun  ic'iVi  ^/>«-*'-- 

2.   1?ie  SWamen  ber  une^elidfien  tinber  gefd|icbener  unb 

uerwittweter  grauen. 

Sefanntlid^  bcfte{)t  in  alien  JRcd^ten  Deutfd^lanbi^  bie  ffleftimmung^ 
bag  Sinber  öerwittmeter  re{j._  gefc^iebener  ^rouen,  weld^e  innerl^alb 
einer  befttmmfcn  _Srift-  nad)  Gintritt  beö  bie  @t)e  trcnnenbcn  @reig^ 
niffcig  —  lob  unb  Stu^fpru^  be^  trcnnenbcn  Srfcnntniffei^  —  gc* 
boren  »erben,  afö  e^cli^egu  Dcrmut^en  finb,  bag  fie  aber  afö  un* 
c^clic^c  gelten,  wenn  bie  ®eburt  crft  nad^  biefer  fjrift  eintritt.  Die 
gtijtJeXbjit  ift  in  ben  öcrfd^icbencn  SRcd^tiggebictcn  tjcrfd^ieben ,  balb 
bilbet  ber  breij^unbertfte,  balb  ber  brciljunbcrt  jwcite  Jag  ben 
©rcnggein. 

(gig  fann  nun  feinen  Qtozi^ü  unterliegen,  bag  bic  innerhalb  ber 
genannten  J^ift  geborenen  Siinbcr  aU  e^clid^e  ben  5Wamen  be^  SJateri^ 
crfjaltcn. 

SBcjüglic^  ber  fpater  geborenen  Sinber  i)cxx\ä)t  jeboi^,  mie  in  fo 
pielen  5Wameii5frägen  in  Dcutfd^Ianb^'SRed^ten  leinc  Uebereinftimmung. 

go  fönnen  naturgemäß  nur  jmei  5Wamcn  bei  biefer  tJragc  in 
S3ctrad^t  fommen,  ber  Familiennamen  beö  öormaligen  S^emanncö  unb 
ber  burdd  bic  ©inge^ung  ber  nun  getrennten  @^e  abgelegte  goinilien^ 
name  ber  fjrau,  bereu  Q^ungfer*  ober  9Käbd^enname. 

3u  ben  9?ed|ten,  bie  eö  ben  uncrjelid^en  Sinbern  geftatten,  erfteren 
Flamen  ju  führen,  gcl^ört  t)or  allen  baö  gemeine  SRed^t,  ba  ja,  wie 
^ermann  richtig  bemerft,^)  stuprum  ber  J^au  ben  burc^  ffiinge^ung 
ber  @|c  erworbenen  SZamen  nid^t  üeniid()tet,  bic  cinsigcn  SBerluftgrünbe 
beigfclbcn  Job  ober  anbcrweite  @^e  fmb,  cnblid^  ficfi  aud^  juriftifd^  ein 
pl'6^\\6)c^  Sieberaufleben  i^rcig  alten  angeborenen  gamiliennamcm^,  ber 

*j  J^  et  mann  S.  330. 


—    28     — 

^ttoa  tijrcn  unc^cli^cn  Äinbcm  jufatlcn  fonntc  ober  fottte,  fid^  md)t 
conftruircn  Idgt.  ^mtntQtQtnQt^ti^ttn  ©innc  fprid^t  ficfi  im  ®cbictc 
be«  gemeinen  Siedet«  i)~  "eine  Serfügung  bc5  SKinifteriumö  bciS  Qfnnern 
bed  ®roJ5l)erjogt^umö  ÜWecf fcnburg  *  ©d^werin  »om  26.  Dftober   1876 

SKeiter  ift  ^ier  nod^  bad  JRc^tdgcbict  »on  ©acfifen  SBeimar  axi'- 
jufil^ren.  ^n  einem  ©efd^eib  bed  @taatdmuu|lcfiiniiyT)bm 3.  Dttobcr  1877  ^) 
^eißt  ed,  nnd^bem  audgefiiljrt  ift,  ba|  uneJ^elic^e  Äinber  unter  bcm 
(Sef^Ied^tdnamen  ber  3)hitter  aufjuftt^ren  feien:  „ber  ©efd^led^tdname 
«iner  öer^ieiratl^eten  g^rau  ift  nad)  bem  ©prad^gebraud^  in  ber  ®efefe^ 
gebung  bed  @)rogf|erjogtI|umd  ibentifd)  mit  ben  Familiennamen  ober 
^unameu  bed  S^emanned  unb  bie  gran  behält  biefen  ©efd^led^tdnamen 
aud^  nad^  bem  Xobe  bed  @^emannd,  ja  fogar  l^erfömmlidj  nad^  9[uf^ 
^ebuitgTcr  @§c  hd." 

3(nberd  fte()t  ed  nun  in  bem  @iebiete  bed  allgemeinen  preug.  £anb^ 
rc^td. '3ruf  ®runb  bed  §  640  I^eil  II  Sitel  II,  toild)tx  beftimmt, 
ia^  une^elid^e  Sinber  ben  ®cfd^lcc^tdnamen  ber  SWutter  filliren,  bebucirt 
bic  attgemeiue  aßeinung,  ba|  biefelben  ben  iRäbd^ennamen  ber  SDJuttcr 
3u  fiitjren  fatten.  Der  ®efd^Ied^tdname  einer  iJrau  fei  nämlid^  ber^ 
jenige  bed  ©efd^Ied^td,  and  bem  fie  eutftammt  unb  bad  3*ed^t  bed 
SJatcrd  ®efdjlcd^tdnamen  ju  tragen,  fei  ein  audfd^Iiefelid^ed  SRe^t  ber 
c^eli^en  Siuber. 

^m  ®ebiete  bed  franjöfifd^en  9?cd()td  n>irb  mo^I  nad^  ber  l^crrfd^eu^ 
ben  ^ißrafid  bad  Sinb  jebeitfattd  ben  Ü)?äbc^cnnamen  ber  aWntter  führen.*) 

@in  red^t  merfwilrbiged  SBeifpiet  für  bie  9?ed^td3erriffen^eit  ber 
Sd^tt)eij  bilbet  bie  SJe^anblung  biefer  ^rage  TiT  ben  '  uerf^icbenen 
Santonatdred^ten.^) 

X:er  iJ^^ilicnname ,  ben  bad  augerel^elid^e  Sinb  einer  gcfi^iebencu 
ober  üerwittn^eten  ^rau  nad^  ben  üerfd^iebenen  3ledf|tcn  S)cutfd)Ianbd 
erhält,  njirb  jmar  nidjt,  mie  ed  bad  fi^njcijerifd^c  Sunbedgefe^  oom 

^)  ^%U  raettev  unten  and;  bic  ^effifc^c  ^^tniflerialbcfanntmac^nng  ^  bie  auc^  fui* 
©tavtenburg  unb  Obcvbcffen  gilt. 

^}  $lg(.  @tQnbc«bcamtc  1876  @.  325. 

^)  (Stanbedbeomte  1877  @.  227. 

*)  35gL  für  ba«  ÖJroß^er^ogt^um  §effcn  eine  33ctQnntinac^ung  be«  @r.  9Äini* 
ftevium«  be3  inneren  unb  ber  ^uftij,  betr.  bie  9lcoifton  ber  S^ebenregijlcr  für  1876 
worn  13.  3uli  1878  a«  @.  22.  (Stanbeöbemntc  1878  S.  197. 

^)  Da«  nttfjere  Dgt.  im  §anbbu(^  3   220  ff. 


-     29     - 

24.  ffi^riftmonat  1874  Art.  16,  unfcrer  Änftcfit  naä)  jttJCcfmäBig/  vor^ 
fd^rcibt,  in  bai3  ©cburt^rcgiftcr  eingetragen,  jebod^  öcrfügit  and)  in 
^cutfcfilanb  ber  ©tanbcöbeamte  über  ben  Familiennamen  bc0  ^nbes^ 
nnb  gn^ar  burd^  bie  (Eintragung  in  bai^  alpl^abetifd^e  StamenSDergeidinig. 
Der  l^iernadi  beftimmte  SWame  mirb  ttjol^l  junäd|ft  überall  für  bie 
©intragung  in  ^tixatf)^»  unb  ©terberegifter  mafegebenb  fein.  3JgI. 
^ierju  ben  ®c^tuj5  ber  then  angcfiilirten  ^effifd^en  JDhnifterialbefannt* 
mad^ung:  „^n  bem  alpl^abctif^en  Siamen^üerjeid^niffc  ift  ba§  Stinb 
einer  gefd^iebenen  iJran  ober  ffiittnje  mit  bem  iJamiliennamen  be^ 
SatcriJ  einjutragen,  mcnn  t^  al«  e^elid^  geboren  t)ermut^et  werben 
barf,  mit  bem  Familiennamen  ber  SWutter  aber,  wenn  biefe  SSer^^ 
mutljung  nid)t  ^ta§  greift.  ÜDcr  l^iernac^  in  ba^  alpljabetifd^e  JWamenö- 
oergei^nig  eingetragene  3^^"^"^^  ift  ^^^^  f"^  ^^^  Eintragungen  im 
.^eiratl|<s*  ober  Sterbcregifter  entfd^eibenb ,  in  fo  lange  nid^t  bie  J8e* 
red^tigung  gur  F^^^w^g  ^i«^^  anberejt  3w"ö"i^i^^  ^o"  ben  85etf|eiligten 
burdi  öffentlid^e  Urfunbe  nad()gemiefen  wirb." 

SJiel  fürjer  fönnen  mir  unö  nun 

IL  bei  ber -SBetrai^tu  ng  bt^  9?amcn^  ber  Fiwbclfinbcr 
faffen. 

§  24  nnfere^  ^crfoncnftanb^gefe^eö  üerpflid^tet  jcben,  ber 
ein  neugeborene^^  Sinb  finbct,  ju  einer,  fpätefteni^  am  näd^ftfolgcnben 
läge  gu  erftattenben  Ängeige  bei  ber  Drtöpoligeibe^örbe.  Diefe  mad^t 
bem'^  ©tanbcöbeamten  beig  SBcgirfe^  tjon  bem  Srgebniffe  ber  t)on  ilir 
angeffefftcn  (Ermittelungen  bel^ufö  Eintragung  in  ba^  ®eburti^rcgifter 
«ngeige,  unb  bie  auf  ®rnnb  biefcr  (Ermittelungen  erfolgenbe  Gin* 
tragung  foU  au^  bie  5Wamen  entl)alten,  tt>eld)e  bem  Sinbe  beigelegt 
werben. 

aßir  glauben,  ba|  nac^  ber  F^iffung  beö  angeführten  ^aragrapfjen 
fein  3^^ifcl  barüber  befte^cn  fann,  ba|  ber  Drt§^oIigeibe{)örbe  bie 
SBatfl  beö  Föniiliennamenö  unb  be^  SJornameuj^  be«  Fi"^I"ig^  gufällt  ^). 

SBei  ber  Stui^mal^I  ber  5Wamen  waltet  in  gang  Deutfd)Ianb  eine 
merfwürbige  ©itte,  bie  fid^  aud()  in  granfreid^  conftatiren  Iä|t.  35er 
Fomilienname  be5  ginbling^  wirb  nämlid^  nad^  bem  Ort  begw.  ber 
Strap^  beffimmty  "wo  berfelbe   aufgefunben  worben  ift. 

')  SJgl.  ^ef(if(^|c  3nftruction  gu  §  24  unb  begüglic^  b«  gmeinionatnc^cn  JJ^ift 
gur  %n%aht  be«  S?ornamen«  ö.  @i<^eret  ©.  246. 


-     30     ~ 

Sßenn  fpätcv  bte  Snerfennung  bed  ^inbelf inbei^ ,  fei  t^  bur^  bte 
unel^elid^e  SBiutUx,  fei  ed  burd^  bie  e^elid^e  äRutter  ober  ben  e^elici^cu 
93ateT  erfolgt,  fo  erhält  bad  $(inb  otjne  weitere^  im  erften  t^aKe  ben 
Stamen  ber  3Äutter ,  in  ben  bciben  legten  ^Jäffcn  ben  aSatcrdnamen. 
®d  ift  ber  iDZetnung  t).  (Sid^erer'd^)  DöKig  betjuftimmen ,  ba%  in 
analoger  Änwenbung  bed  §  26  bed  5Hci(^dgefc|ed  au(^  bie  «ner^ 
fennung  eined  e^elid^en  jtinbed  oor  bem  ©tanbedbeamten  erHärt  unb 
im  ©eburtdregifter  beurfnnbct  mcrben  fönne. 

93etrad)tcn  mir  nod^  einen  Ängenblicf  bie  Scftimmungen  anbercr 

^n  ber  Sd^meij  beftimmt  bie  St:antonaI*®efe^gebung ,  meld^er  SBc- 
Ijorbc  bad  iRti)t  ber  9lamcndgcbung  gnfte{)t. 

®ic  erfolgt  in  Sern  burd^  bie  JRegiernng,  in  SEBaKid  bnrd^  bad 
Departement  bed  ^nnern ,  in  9?euenburg  burd^  ben  5^iebend 
rid^ter^)  n.  f.  m. 

5ür  Oefterrcid^  conftatirt  Saferer  ben  SWangcl  einer  gcfe^Iidjcn 
aSorfd^rift  barüber,  meldten  ®efd|Ie^tdnamen  ein  audgefcgtcd  Sinb 
führen  foil.  Derjenige,  mcld^er  ein  folc^cd  Sinb  in  feine  Obforgc 
netjme,  ))flege  beffen  ®ef(^Ied^tdnamen  jn  beftimmen  nnb  fönne  and) 
feinen  eigenen  ®cfc^led^tdnamcn  crmäl)Ien. 

3»it  einem  SBortc  fei  l)ier  and^  nod^  ©paniend  crmäljnt. 

@d  ift  in  Dcutfd^Ianb  mclfad^  bie  Änfid^t  Derbreitet,  ba^  in 
Spanien  bie  5ini*tt«9«  9^fc^I5^  <Jt^  öbelig  bctrad^tct  mürben. 3)  Dicfc 
?fnftcl)t  ift  nnrid^tig.  ?(uf  eine  Anfrage  beim  Saifcrt.  ÜDcntfd^en  Eon 
fnlat  in  Sffiabrib  erl^ielten  mir  folgenbe  Äudfunft:  (Ed  ift  nocfi  fjcntc 
mie  frül)cr  ®ebraud^,  ^^inblingen  aid  3""«"ick  ^^^  5Wamen  bed 
^eiligen  jn  geben,  an  beffen  ütag  fic  gefunben  merben,  alfo  menn  am 
:3ot;annidtage  j.  SB.  Carlo  ober  Pedro  de  Juan.  Die  ^arlifel  »de** 
t)or  einem*  ^wnamen  hzbzntü  im  ©pqnifdien  überhaupt  feinen  «bei. 
fjinblingc  finb  in  Spanien  nie  abelig  gcmorben. 


*)  0.  ©teuerer  ®.  255. 

')  $anbbu(^  S.  256. 

")  JöflL  a-  «.  in  2«et)fr«  eonucrfQlionMe^iton  ben  ?(rt.  ^inbeHäufer:  „3n 
<SpQnien  tuerben  bieginbtingc  gefcljlic^  otd  öbelig  httvad^M,  bamit  feiner,  ber  mirtlid) 
Abelig  märe,  feiner  Prärogative  beraubt  loerbe.'' 


-     31     - 

in.   S)tc   fic^   aH   5^19^    xtä)tlxä)    tntetcf f antcr   Zf)({ 
fad^eu  ftaft  @efe|e!@  ober  ® etuo^n^ett,  unabhängig  üou 
bent  äBtllen  bed  Tiamen^trägetiSDoUgie^enbeSenberung 

bcr  5öw^i^ic"Wöwicn. 

^eS  ^ufammenl^angd  n^egen  n^aren  n)ir  genöt^tgt,  bie  9!amen^^ 
änberung  burd)  Stnerf ennung ,  bie  eigentlich  ^ier^er  gehörte/  Doraus^ju^ 
iiel^mcn.    ^ier  betrachten  mv  nun 

A.  2)ie  9lamcndanbcruug  buri^  bie  @^e. 

9?ad)  fämmtlict)en  3{ec^tcnJDcnti^tanbd  erhält  bie  (g^cfrau  burd) 
ben  "äbf^IuB  ber  ®I)e  ben  ^32amcu  bed  S^emanncö.  Sgl.  pnn^.  £anb^ 
rec^t  I^eil  II  litel  I  §  592.    "^ür  Öefterreic^  83.  ®.  ©.  92  u.  f.  m. 

Da  bie  ©jefi^Iiefjung  nad)  unfcrem  3*eid^ögefe|c  burd^  ben  %]i^\pxvi6) 
beig  ©tanbeöbeamten,  ba§  er  bie  3SerIobten  fraft  ®eje^ed  für  red^tSmäfjig 
»erbunbene  ®t)elcute  erflärt,  DoHgogen  ift,  \o  tritt  auc^  ber  (Srwcrb  be^ 
J^amiHennamend  bej§  3)?anneö  für  bie  ^rau  in  biefem  9)iomcnte  ein, 
unb  biefelbe  fjat  folglich  bie  .^eirat^igurfuube  mit  bem  J^amiliennamen 
bed  SWanned  ju  untergei^ncn.  älö  Äu^na^mc  üon  ber  9tegel,  baJ5 
bic  e^efrau  beu  9iamcn  bcö  iDZonncd  fül^rt,  ift  ^ier,  wie  bei  ben  e^e= 
litten  Siubern  gu  ermähnen,  bafe  bie  üßi§{jeirat{| ^)  unb  morganatifd)c 
(Sf)t  ben  abeligen- 9lamen  unb  Jitel  beö  2Rannei8  nid^t  öerleiljt. 

Die  SBittmc  behält  ben  iWamcn  beg  aÄanncS  ungeäubert  bei. 
35on  biefem  <Ba^ti)abtn  toix  nur  in  einem  Santoue  ber  ©d^n^eij  eine 
audna^me  finben  lönnen.  ^m  Sontone  ®enf  nel^men  aSittwen  i^ren 
3Ääbe^ennamen  wieber  an.^) 

B.  Sic  9{ameudanberung  burifi  Scriobnig  mtb  S^mängcrnng. 

.f)  e  r  m  a  n  n  ^)  fpri^t  Don  einigen  ^articularre^ten,  bie  einer  :3w"9' 
frau  ober  ffiittwe,  bie  nacfi  ffiingel^ung  eined  3JerIöbniffe§  ober  unter 
SSerfpred^ung  ber  S^e  gefd^mängert  würbe,  für  ben  3faö,  ba^  bie  @^c 
bnxö)  Zob,  abwefen^eit  ober  ©d^ulb  beö  ©d^mängererd  nid^t  ju  ©taube 
fam,  erlauben,  ben  Jömiliennamen  i^reö  ©c^wöngererd  ober  Sräutigamd 
au  führen,  ©r  erwähnt  §  1049  J^eil  II  litel  I  «bfc^nitt  IX,  §  1050 
unb  §  1057  unb  ben  ant)angöparagrap^en  ju  §  163  Üt^eil  II  5litel  I 
^bf<l)nitt  in  bed  preu§.  fianbrec^td. 


V 


\ 


N 

1 


M  «gl.  ««(^«flfrit^t  53b.  II  (S.  147  ff. 
')  ^anhhitdj  ©.  220. 
•;  @.  332. 


-     32    — 

3Dicfe  SBcftimmimgcn  finb  icbod^  fd[)ou  burd)  ha§  prcng.  ®cj^cfe 
Dom  24.  April  1854  hinfällig  geworben,  fobaß  bie  ®efd|tüängerte  bic 
Beilegung  bed  Stamens  bciS  ©(^toangererd  im  Gebiete  bed  preugifd)en 
Sanbred^td  nid^t  mz\)x  forbern  fann. 

Äud)  cine  entfpre^enbe  SBeftimmung  etned  fönigl.  fac^fifd^en  9le= 
fcriptd  Dom  7.  5Wot)cmber  1808  ift  burd)  5«id^tnufnal^me  bed  ^tn^oltd 
bedfelben  in  bad  fäd^fifc^e  ®cfc^bu(^  oon  1865  aufecr  Sraft  gefegt. 

C.  2)ic  92amendaHberunA  hnxif  bie  @^cf((cibung. 

^ier  ift  njieberum  cine  gro§c  9Scr)d)icbeu^cit  in  ben  cinjeluen 
üied^tdgebieten  ju  conftatiren. 

SBäfircnb  naä)  gemeinem  SRed^tc  eine  grau  bur^  bie  ©(Reibung 
bad  ?iitä)t,  bed  3Wanncd  ^Warnen  m  tragen,  nic^t  verliert, ^)  beftimmt 
bad  preng.  fianbred^t  folgenbed: 

§  741  Iljeil  II  Jitel  I:  ^n  bcr  5RegeI  Ijat  bic  grau  bie  ©a^I, 
üb  _  fic„  bcn  9?amcn  bed  gcjd^iebcncn  3Kannc§  Bcibc^aftcn ,  ober  ob  fie, 
befonberd  in  bem  gallc  bed  §  740,  i^ren  üorigeu  ®cfd|Icd^td'  ober 
SBittttJcnnamcn  wieber  anncljmen  tooKc. 

§  742 :  :3ft  fie  aber  andbrüdfli^  für  ben  f^ulbigen  3^il  erflärt, 
fo  barf  fie  bcn  9?amen  bed  2)?anned  miber  beffen  S38iKcn  ni^t  ferner 
fül^rcn. 

^m  ®cbietc  bed  franjiifif ^en  jRcd^td  gilt  na^  3  a  d^  a  r  i  ä  III  ©.  142 
bcr  ®runbfa^,  ba§  eine  gcfd)icbenc  ©tjcfrau  bcn  9iamcn  i^red  gemcfencn 
6I|cgattcn  nur  nod^  mit  bem  3wfa|c  „gcfdjicbenc"  führen  bürfe.  Sin^ 
berer  SUieinung  ift  Sauren t.  3)erfelbe  fagt,  bic  ©irfungcn  ber  (S^e^ 
fd^eibung  bcfpred^cnb :  2)  II  n'j^a  plus  d'epoux,  done  la  fenime  ii'a 
plus  le  droit  de  porter  le  nom  de  celui  qui  fut  son  mari. 

^n  Dcftcrreid^  ift  bic  Änfid^t,  baß  bie  Gtjcfd^eibung  bcr  ^Jrau  bcn 
5Wamen  bed  SD^anncd  nid^t  cntjietit,  burd^  bie  2}2e^rja^l  ber  Ül^coretücr 
nnb  einige  2)?inifterial  ^  ffintfd)cibungen  vertreten. ^)  ^n  ber  <Bd)toc\i 
l)äU  fid^  bic  Qdf)l  bcr  fiantonatdrcc^te ,  ttjcl^e  ,ber  grau  ben  SWamcn 
bed  3Wanncd  belaffcn,  bad  ®Ieid^gett)id|t  mit  bcn,  bie  meitere  gportfiilirung. 
bedfelbcn  ücrbietcnbcn. 


»)  m  <S.  329. 
•♦)  ftofcrer  @.  22. 


-     33    — 

D.  3)ic   ^lamcn^änbcrung  buxd)  Scgitimation. 

a.  !Dte  Scgitimation  bnxä)  ttad^folgenbe  (&t)z. 

Dicfc  crt^cilt  übcrQÜ  bent  Icgittmirten  Sinbc  bie  Siedete  einc^  cl^« 
lichen  unb  bamit  ben  Seamen  be§  SSater«.  »gl.  c.  c.  «rt.  333,  33.  ®. 
§  161,  preu§.  £anbre^t  I^eil  II  Xitel  II  §  596. 

ß.  bic  legitimation  burc^  Ianbe§^errlid^e§  SRefcript. 

Diefc  tin  ®cbiete  be^  franjöfifd^en  Med^te^  uttbefannte  Segitimationig* 
art  crt^cilt  nad^  gemeinem  SRed^te  unb  preu§ifc^em  iianbrec^te  bem  ffinbe 
ebenfalls  ben  ??amen  bci^  SSater^.    SJgl.  px.  Sanbred^t  II,  2  §  603. 

^a6)  batjerif^em  fianbrec^te  biirfen  fid)  bie  auf  fole^e  SBeife  legi- 
timirten  Sinbet  be^  9?ameni§  beig  SJaterig  nur  bcbienen,  »enn  t^nen  in 
bem  Segitimationärefcript  burd^  einen  jpe^itellen  adet^ö^ften  ©nabcnact 
bic  SBemitligung  baju  etrtl^eilt  n^irb.    SBatjer.  2.  31.  I.  Sap.  5  §  14. 

Qn  Ccfterrcid^  erhält  nad^  §  162  SB.  ®.  ba^  burd^  »egünftigung 
bciS  Sanbeigfürften  legitimirte  Sinb  üom  läge  ber  atterp^ften  (SnU 
fd^liefeung  an  ben  9iamen  beö  SSatcri^. 

a^  mag  Ijicr  nod)  angeffitjtrt  »erbeit,  bag  bie  ©e^weij  eine  Segiti- 
mation  burd^  obrigfeitlid^e  SJerfilgung  fennt.  55iefe  öerieifit  ben  Siamen 
be^  SJater^.i) 

E.  Die  5Ramenöänberung  burd^  ^boption. 

dlaä)  gemeinem  9tcd)te  erhält  ber  Äboptirte  ben  ^Warnen  beö 
Sboptanten. 

3Ba^  bag  preu|.  Sgnbrec^t  anlangt,  \o  gelten  l^ier  bie  folgenben 
Seftimmungen : 

Der  ?(boptirtc  ertjölt  ben  9?amen  beö  ?Iboptanten  unb  ermirbt  mit 
facfonbcrer  lanbess^eFrlic^er  ®ene^migung  befjcn  Stbel.  3)er  ?lbelige,  ber 
Don  cinem'^JBurgcrlid^en  aboptirt  tt)irb,  mu^  auger  bem  9?ameu  bcö 
^boptirenben  gugleid^  feinen  abeligen  Familiennamen  beibehalten,  wä^renb 
cö  liC  t5cn  Eitlen  bcö  bürgerlichen  äboptirten  geftellt  ift,  feinen  eigenen 
®cfcf|led^tiSnamcn  neben  bem  be§  ?tboptanten  fortjufüf)ren.  (Sin  uon 
einer  ^rdu  ?fboptirtcr  erljält  ben  ®ef d()Ie(^tönamen  ber  fjrau,  ben  Spanten 
bc§  getocfenen  ÜÄanne^  berfelben  nur  unter  Ianbe^^errlidf)er  ©cne^migung.^) 

9Zad^  franjörifd^em  9fled^te  gemalert  bic  «boption  bem  Stboptirten 
ben  Flamen  bed  Stboptanten,  ber  beffen  eigenem  5Wamen  beigefülirt  wirb.-^) 

»)  fianbbud)  S.  24(>. 

«)  »gl.  pr.  Canbrcc^t  X^cU  II  XM  II,  §  6«2,  084,  «585,  ♦)b8,  689,  713. 
')  «rt.  347  c.  c. 
Cevi.    Vornamen  unb  ^amUieitnamcn.  3 


—     34    — 


ein  glcid^cö  ift  nac§  §  182  bc«  ».  @.  bcr  ^aU. 

3[n  ber  ©d^mcij,  tüo  bic  Stboption  fctnc^cg«  in  qücu  Sontoncn 
juIäiftaJjt,  öeriei^t  btcfclbc  bcm  aboptirtcn  cBcnfattö  bcn  Flamen  bcö 
SboptQntcn  neben  feinem  eißcnen  Slamen.^) 


Viertes  ^apifcf. 

Sie  freitiiiai0e  SlenDerung  Der  f$familietis  uttD  Somameti. 

Sin  bie  Spi^e  biefcr  Grörtcrung  ift  eine  SBeftimmung  be^  römifd^en 
9ted^t§  gn  fefeen.  35ie  beril^mte  est.  un.  Cod  de  mutatione"Tiominis 
(IX,  25),  bie  öon  ©inert  meifterlid^  interpretirt  ift: 

Sicut  in  initio  nominis,  cognominis,  praenominis  recognoscendi 
singulos  impositio  libera  est  privatis,  ita  eorum  mutatio  inno- 
centibus  periculpsa  non  est.  Mutare  itaque  nomen  vel  praenomen 
sive  cognomen  sine  aliqua  fraude  licito  jure,  si  über  es,  secundum 
ea,  quae  saepe  statuta  sunt,  minime  prohiberis,  nuUo  ex  hoc  prae- 
judicio  futuro. 

@ig  njirb  nlfo  liier  bn^  $rinjip_ber  freien,  einer  ftaatlid^en  @e* 
neljniigung  nid^t  bebürfenben  Stenberung  ber  SJornamen  unb  J^milien-- 
namcn  Jjroclamirt. 

ÜDiefer  ©afe  tt)urbe  in  1)eutf(i^Ianb  recipirt,  ttjar  biö  in'«  18.  ^affx- 
l^unbcrt  mit  n^cnigen  Äu^naljmen -)  in  ©eltung  unb  bilbet  bie  Oncttc 
unb  bcn  ^In^gang^punft  ber  unfäglid^en  35crn?irrungen,  bie  b"a^  5Ramen^'^ 
roefen  in  T)cntfc^Ianb  be^errfc^ten. 

SH^  gtänjcnbcr  SBeleg  bofür,  hjie  fel^r  in  Deutfd^Ianb  bie  mutatio 
nominis  an  ber  Jageöorbnung  war,  möge  ^ier  nnr  auf  ha§  Satinifiren 
unb  ®räcifircn  ber  SSor«  unb  Familiennamen  ber  ©elel^rten  ^ingc^ 
micfen  njcrbcn. 

aJian  nimmt  gcnjöf)nlid^  an,  ba§  erft  ber  ^umaniömuä  bicfe  ©itte 
nad^  ÜDeutf d^Iaitb"  gc6rad)t  i)at  Steuere  Uuterfud^ungen,  geftü|t  auf  bic 
jüngft  erfd^ienenen  ^eibelberger  SUiatrifel  l^aben  jcbod^  ergeben,  bafj 
fd^on  in  bcn  Qfa^ren  1460—1470,  alfo  üor  ber  Qtit,  in  wcld^er  bcr 
^umaniömug  feine  SBirfung  in  ÜDentfd^Ianb  ausgeübt,  fid^  in  ben  Uni= 

»)  SJg(.  ^QiTblmd^  S.  246. 

')  ®öl.  füv  ©atjcrn  bic  atter^öc^fie  ©ntfdjüegimg  öom  12.  SKärj  1677. 


—     35     — 

t)erfitätömatrifcfn  fd^on  maffenl^aftc  fiatiniprunflcn  öorfinbcn.  3)« 
.^umaniftcn  l^abcn  alfo"  beim  fiatinifircu  unb  ©röcifircn  bcr  5Wamcn  an 
fc^on  oorl^ttnbcncn  3:rabirioncn  angcfniipft,  unb  bag  9?cuc  i^rer  Silffttig^ 
feit  bcfte^t  nur  barin,  baf  fic  aud^  fpröbc  SBortc,  bte  fd^einbar  jeber 
Uebcrfeftung  fpotten",  untjumobcln  öcrftanben.  ^)  ^j 

'Slo^^idthd  in  feiner  öfter«  ertt)äl;ntcn  ©d()rift»)  [teilt  für  bai^ 
gemeine  Stecht  ben  @a^  auf: 

ffis  !ann   jcbttjcber  feinen  35ornamen  unb  @efd^Iccf|tönamen   nad)    ' 
feinem  ÖJutfinben/  öorauf gefegt ,  ba|  feine   böfc  Äbfid^t  jum  ©runbc 
lieget,  unb  fo  wenig  ber  Staat  aU  ein  ^Dritter  baburd^  gefäljrbet  mirb, 
umfc^meljen,  abönbern  ober  mit  ganj  fremben  SZamen  üertaufd^en. 

aber  ju  SBeginn  be^  19.  ;3a^r§unberti8  unb  uor^er  ^aben  audj 
fd^ou  einjelne  ^articulargefe^gebungen  bie  SJermirrung,  bie  burd^  private 
Slamcnöuerünberung  ^erbeigefüf|rt  wirb,  rid^tig  erfennenb;  ba«  mitt* 
fürlicfie  äenbem  ber  Familiennamen  unterfagt. 

gia^bem  fc^on  ba«  pr.  Sanbred^t  5C^eil  II  Sitel  20  §  1440  b  mit 
feiner  ffleftimmung:  „SSBer  aud^  ol^ne  unerlaubte  Äbfid^t  eine«  fremben 
Familiennamen«  ober  2Baj)pen«  unbefugter  ffieife  fic^  bebicnt,  bem  foil 
bcrgleid^en  Anmaßung  bti  wiKfürlicfier,  bod^  au«brüdlid^er  ®elbftrafe 
unterfagt  unb  biefe  ©träfe  im  Uebertretung«faHe  gegen  i^n  wirflid^ 
»errängt  werben",  bie  «nmafung  eine«  wn  einem  ?tnb cm  geführten 
Familiennamen«  unterfagt  l^atte,  beftimmte  eine  preufeifd^e  SSerorbnung 
üom  30.  October  1816  allgemein:  „9?iemanb  foH  bei  einer  SSermcibung 
einer  ®elbftrafe  üon  fünf  bi«  fünfzig  S^alem  ober  eine«  uertjältniß^ 
magigen  Ärrefte«,  ftd^  tim^  \t)m  nid^t  jufommcnben  9?amen«  bebicnen", 
unb  in  bcr  atterf)öd^ften  Sabinet«orbre  oom  15.  April  1822  Reifet  e«: 
M^d^  beftimmc  ^ierbur^,  bag  bei  SJermeibung  einer  ®clbbu§e  oon 
fünf  jig  I^alern,  obet  üierwöd^entlid^cr  ®efängni§ftrafe,  ^iiemanbem  gc= 
^tatttt  fein  foil,  oline  unmittelbare  lanbe«^errlid&e  (SrTaubnig  feinen 
Familien*  ober  ®ef^rcd)t«namen  ju  änbern,  wenn  aud^  burd^au«  feine 
unlautere  Abfielt  babei  ju  ®runbe  liegt."*) 

*)  2Bg(.  ^icvju  ben  Citcraturbcrit^t  ber  ^tflorifAcn  3^^^W^if^  ^^^  ^  ein  rid) 
ü.  ©ijbcl  17.  «b.  @.  547. 

')  2)ie  oft  gan^  ungeheuerlichen  92Qmenbi(bungen  erflärcn  flc^  auiS  bein  Umflanbc, 
bag  bte  Ueberfe^er  bie  altbcutfdien  9lamtn  nid^t  me^r  oerßanben  unb  ftd)  nun  neue 
9{amen  fc^ufen,  inbem  fte  (Sitbe  für  @i(be  i^rer  alten  92amen,  bie  nur  irgenb  meiere 
Ueberfeljung  gulieg,  in*j^  Sateinifd^e  ober  ^riec^ifc^e  übertrugen. 

*)  Seite  200. 

*)  ^ermonn  @.  168. 

3* 


—     34     — 


ein  glcid^c«  ift  tiac§  §  182  bcö  ».  @.  bcr  ^aU, 

3[n  ber  ©d^mctg,   wo  bic  abot)tion  fctnc!^tt)C9d  in  allen  Santoncn 

j^uläffig  i^t.  ücrieitit  bicfelbc  bem  äboi^tirtcn  ebenfalls  ben  SWamcn  beö 

abOptanten  neben  feinem  eigenen  Slamen.O 


Viertes  S^apxtel 

Sie  freitiiiai0e  SlenDerung  Der  f$familiens  uttD  Somattieti. 

?ln  bie  Spi^c  biefcr  ffirörterung  ift  eine  SBeftimmnng  bt^  römifc^cn 
SRee^t!^  gu  fe^en.  35ie  berüt)mte  est.  un.  Cod  de  mutatione""noiniiiis 
(IX,  25),  bie  öon  ©inert  meiftcrlid^  interpretirt  ift: 

Sicut  in  initio  nominis,  cognominis,  praenominis  recognoscendi 
singulos  impositio  libera  est  privatis,  ita  eorum  mutatio  inno- 
centibus  periculpsa  non  est.  Mutare  itaque  nomen  vel  praenomeii 
sive  cognomen  sine  aliqua  fraude  licito  jure,  si  über  es,  secundum 
ea,  quae  saepe  statuta  sunt,  minime  prohiberis,  nuUo  ex  hoc  prae- 
judicio  futuro. 

ßg  njirb  alfo  l^ier  ba§  ^rinjip^ber  freien,  einer  ftaatlid^en  ®e^ 
nel^migung  nid^t  bebiirfenben  Senberung  ber  9?ornamcn  unb  ^ö^Hi^n-- 
nameu  proclamirt. 

ÜDiefer  ©a^  n^urbe  in  1)entfd)lanb  recipirt,  toax  b\§  xn-§  18.  ^af)X" 
l^unbcrt  mit  n?enigcn  Stu^natimeu  2)  in  ®cltung  unb  bitbet  bie  Ouelle 
unb  bcn  2(uögangigpunft  bcr  unfäglid)cn  SSernjirrungen,  bie  baö  Siamcn^^ 
ttjefen  in  Deutfdilanb  be^errfd^ten. 

Äl^  glänjenber  Seleg  bafür,  toie  fel;r  in  ÜDeutfd^Ianb  bie  mutatio 
nominis  an  ber  JagciSorbnung  tvax,  möge  ^icr  nur  auf  baö  Satinifiren 
unb  ®räcifircn  ber  3Jor*  unb  ^Jamiliennamen  ber  ®elcl^rten  ^ingc- 
n)icfcn  njerbcn. 

aJian  nimmt  gcrt^öfjulid^  an,  ba^  erft  ber  ^umanii^mu^  biefc  ©ittc 
nad^  Dcutfd)lanb  gebrad^t  l^at.  Steuere  Unterfud^ungen,  geftüfet  auf  bie 
jüngft  erfc^ienenen  ^eibelbcrger  SWatrifel  ^aben  jebod^  ergeben,  baft 
fd^on  in  ben  Q^a^ren  1460—1470,  alfo  öor  ber  Qtit,  in  totld)tx  bcr 
^umani^nniig  feine  3Birfung  in  Deutfd^Ianb  ausgeübt,  fid^  in  ben  Uni= 

»)  »gl.  ^dnbbiic^  ©.  246. 

«)  »gt.  fur  SBatjern  bie  otter^öc^fitc  Sntfdjlicßung  Dom  12.  SWärj  1677. 


—     35     — 

üerfität^matrifcln  fd^ou  maffcn^afte  fiatinifirungcn  öorfinbcn.  Die 
.^umaniftcn  l^aben  alfo  beim  gatfnifircu  unb  ©räcifiren  ber  5Wamcn  an 
fc^on  Dor^anbenen  2;rabitioncn  angcfni^^ft,  unb  ba§  5Wcuc  t^rcr  STIfätig^ 
!cit  befte^t  nur  barin,  baf  fic  aud^  fpriJbe  SBortc,  bic  fdieinbar  jcber 
Uebcrfelung  ftJotten,  umjumobeln  öcrftanbcn.  ^)  ^j 

^o^J^ijubsL  in  feiner  öfteres  crrt)ä^nten  ©^rift  3)  ftcHt  für  bai^ 
genteine  Siecht  ben  ®ag  auf: 

ffi§  !ann  jebtocber  feinen  35ornanten  unb  ®efd)lcci^tignanien  na^ 
feinem  ©utfinbcn,  Vorauf gefe|t ,  ba§  feine  böfe  Slbfid^t  jum  ®runbe 
lieget,  unb  fo  wenig  ber  ®taat  aU  ein  Dritter  baburd^  gefä^rbet  wirb, 
umfc^meljen,  abänbern  ober  mit  gang  fremben  5Wamen  ücrtaufd^en. 

Aber  ju  SBeginn  bc^  19.  ^JJal^r^unbertS  unb  tjor^er  i)aitn  and) 
fd^on  einjejtne  ^articu(argefc^gebungen  bie  SJerwirrung,  bie  burd^  private 
9lam'enöt)crünbernng  b^^'^cigcfül^rt  wirb,  rid^tig  erlennenb;  bü§  tvilh 
fürlid^e  Senbern  ber  Jömiliennamen  unterfagt. 

SWad^bem  fd^on  bai^  pr.  Sanbred^t  5C§ciI  II  Xitel  20  §  1440  b  mit 
feiner  Seftimmung:  „SSBer  aud^  o^ne  unerlaubte  Äbfid^t  eine^  fremben 
^amiliennameni^  ober  SBappeniS  unbefugter  2Bcife  fid^  bebient,  bem  foK 
bcrgleic^en  Anmaßung  bei  wiKfürlidder,  bod^  auäbrüdlid^cr  ©elbftrafc 
unterfagt  unb  bicfc  ©träfe  im  Uebertretung^falle  gegen  xf)n  wirflid^ 
»errängt  werben",  bie  Anmaßung  eineö  wxi  einem  ?t  n  b  e  r  n  geführten 
^amiliennameuig  unterfagt  l^atte,  beftimmte  eine  preußifd^c  SBerorbnung 
üom  30.  October  1816  allgemein:  „9?iemanb  foH  bei  einer  SSermeibung 
einer  ©elbftrafe  öon  fünf  bi§  fünf  jig  ST^alcm  ober  cine^  öer^ältniß^ 
mäßigen  ?(rrefte^,  fid^  cinc^  i^m  nid^t  jutommcnben  ^flamtn^  bebicnen", 
unb  in  ber  aUerl^bd^ften  SabinetSorbre  üom  15.  April  1822  Ijeißt  eö: 
„^df)  beftimme  ^ierbnrd^,  baß  bei  SScrmeibung  einer  ®elbbuße  oon 
fünfjig  X^alern,  obet  tjierwöd^entlid^er  ®efängnißftrafe,  5Wiemanbem  ge= 
ftattet  fein  foil,  o^ne  unmittelbare  lanbeiS^errtid&e  (SrTaubntß  feinen 
Familien*  ober  ®ef^re^tönamcn  ju  änbern,  wenn  auc^  burc^auö  feine 
unlautere  Äbfid^t  babei  ju  ®runbe  liegt."*) 

*)  3?9L  ^terju  ben  Cttcraturbcrtd|t  ber  ^tflorift^cn  3"*W^U"t  öon  ^  einrieb 
ü.  ©tjbel  17.  «b.  @.  547. 

')  !2)ie  oft  gan^  ungeheuerlichen  92amenbi(bungen  erflären  f\^  aud  betn  Umflanbr, 
bag  bie  Uebcrfe^er  bie  oltbeutfdien  ^^omen  nic^t  me^r  üerßanben  unb  \\d)  nun  neue 
Flamen  ft^ufen,  inbem  fte  Silbe  für  @ilbe  i^rer  alten  92amen,  bie  nur  irgenb  roetcf^e 
Ueberfe^ng  julieg,  xn'§  Satetnifc^e  ober  (Sfriec^ifc^e  übertrugen. 

■)  <Seite  200. 

*)  ^ermann  @.  168. 

3* 


--     36    — 

gür  Ocftcvrcid)  fei  ^icr  auf  ein  faifcrlidicS  patent  üom  3.  J^br.  1876 
uub  ein  ^ofbecrct  tjom  5.  :5uni  1826  üemtefcn.^) 

@£i  fann  für  baö  heutige  9lc(^t  fein  3^cif^I  barüber  bcftef|cn,  baß 
in  Deutfc^Ianb  baö  ^rinjip  ber  freien  ^amiliennamen^Äenbcrnng,  fei 
t^  burd^  ®cfefe  ^)  ober  SJcrorbnung,  fei  eä  burd)  ®cn)o^nl)citi^rcdöt  überall 
befcitigt  ift,  unb  ba|  bai8  ©egent^eil  alö  ®a^  bcö  öffentlid^cn  JRed^tö 
gilt.^)  (Sine,  n?enn  aud^  nur  fe^r  bef diränftc ,  reic^^gcfeglid^c  2[n* 
cr!ennung  ber  3Scrpflid^tung,  ben  bxixä)  ©cburt  überfommenen  ^öntilicn* 
namen  ftänbig  ju  führen,  finbeu  wir  in  bem  §  360  3iff-  8  unfcres 
aftcidi^ftrafgcfe^bud^cö,  inbem  ^ier  berjenige,  ber  fid^  cineö  i^m  nidjt 
jutommenbcn  9?amenö  einem  juftänbigcn  SSeamtcn  gegenüber  bcbicnt, 
mit  ©elbftrafe  ober  ^aft  bebro^t  wirb. 

^enn.fo  jebe  n)ifffürlid)e  private  SfiamenMnbcrung  afö  unerlaubt 
gelten  mu|,  fo  ift  bod^  auf  ber  anbercn  Seite  bie  Sfenberung  bee 
S'amilicnnameng  unter  ftaatlid^er  Autorität  unb  Genehmigung  nic^t  avi^- 
gefdE(Ioff en ,  unb  e§  möge  ^ier  nun  bic  Art  unb  Seife,  mic  pt^  eine 
fold^c  Slenberung  öoKäief)t,  betrad^tet  werben. 

Site  Siegel  wirb  ber  öffentli^  red^tlid;e  ©afe  gelten  muffen,  ia^ 
bem  ©taatg^au^Jtc  bie  Seredf|tigung  jufäUt,  bie  ©ene^migung  jur  9lamcn^* 
änberung  ju  ert^eilen.  ^n  äat)ern  j.  S.  ert^eilt  ber  ^önig  bie  ®r* 
Iaubni§  gur  S^amen^änberung. 

Unter  ?tufrcd)tcrt)altung  bcö  ®runbfa|c5  ift  aber  bic  S8cfngni§  jur 
Ausübung  biefeö  9led^tg  bcS  ©taat^obertiaupts  öielfad^  an  Se^örben 
übergegangen.  ®o  in  ^reupen:  SJgl.  SRönnc,  ©taatigred)t  ber  prcufe. 
aWonard^ic  IV.  «uftage  93anb  I  ©.  158 :  „«uc^  f)at  aUein  ber  Sönig 
ba^  9?ed|)t,  bie  ®rlaubni§  jur  STcnberung  beS  ^amilieujg*  ober  ®cfd^Icd[)tS' 
namcnö  ju  ertl^cilen.  'Die  Ausübung  biefeö  Sied^tö  ift  jebod^  mit  äui^^ 
nal^me  berjenigen  ^äße,  in  bcncn  cö  fic^  um  bie  äcnbcrung  einc^ 
abeligen  9?amenS  ober  um  bic  Slnna^me  abcliger  ^räbifate  ^anbclt,  in 


M  Saferer  <B,  9  unb  @.  27. 

»)  »gl.  j.  S3,  für  |)cffen  ba«  §eff.  ^oHgciflrofgcfctbud^  öon  1855  §  75:  „^ct 
ofjnc  ©cncl^Tnigung  ber  juftänbigen  ^e^örbc  fid^  Meibcnb  diien  anbercn  {^omiüen- 
(djcfc^terfftd»)  9iQmcn  betlegt,  aI5  benjenigen,  toetc^cn  er  noci^  feinem  ©eburtg«  bejtt?. 
Xonfoctc  5u  fuhren  berechtigt  ift,  mirb  mit  einer  ©elbfhafc  öon  1—15  (äJulben  beftraft." 

^)  !£ie  SSerpflic^tim^,  ben  üom  8ater  überfommenen  ^ötnUiennamcn  ju  führen, 
fc^ticgt  bie  njeitcrc  33erpfli^tung  in  ft(§,  aut^  in  S^e^ug  auf  bie  ©d^reibwetfe  bon  be« 
3Jater«  9^amen  nid)t  objutreit^en.  (53  iinrb  bie§  and}  in  unfcrer  3«t  noii^  ^Sufig  üerfonnt. 


^    :j7    — 

tue(d)en  ^äden  bte  @inl^oIung  ber  (Sntfc^eibung  be^  $öntg^  vorbehalten 
ift,  ben  Scjirti^rcgicrungcn  nnb  in  bem  ©cbiete  bc^  öormaligcn  Sönig- 
xti6)  |)annoücr  ben  Sanbbroftcicn  übertragen  worben.  3JgI.  ft\  D.  üom 
13.  «uguft  1822,  «tterljöc^fte  K.  D.  üom  12.  ^nli  1857/' 

3lu(^  in  Olbenburg  i)at  cine  3Serorbnung  Dorn  10.  ®e))tember  1878 
bic  93efugm§  jnr  @rtI)eUung  ber  Sriaubnig  jur  JiamcnMnberung  bem 
3)Ziniftcrium  übertragen.^) 

Den  StciiSregterungcn  faßt  bie  ®enef)mignng  jnr  Slcnberung  ber 
fjamiliennamen  in  SQSürttemberg  anl^eim,  wäl^rcnb  in  ©Ifag^gotl^ringen 
bur^  cine  SJerorbnnng  betr.  bic  Uebcrtragnng  lanbcs^crrlid^er  SBefng^ 
niffc  auf  ben  ©tabt^altcr  in  Slfafe  t)om  23.  ;3uli  1879,  bem  ©tabt-^ 
falter  bie  ®rmäd)tigung  jur  9iamcn§änbtrung  jugcftanben  tt)irb. 

:J^n  SBabcn  Ijat  cine  lanbeöl^errlicfic  SBerorbnung  Dom  16.  X>cccmber 
1875  'bie  bei  Sfafercr  nod^  aU  gcltenbes  Siedet  citirte  3Scrorbnung 
tjom  18.  :3anuar  183S  auger  traft  gefegt.-) 

3)ic  ^icr  intereffircnben  SBeftimmungcn  laffcn  luir  folgen. 

I.  SBer  feinen  biiS^crigcn  g^amilicnnamen  mit  einem  anbcren  uer= 
taufd^en,  ober  nod)  einen  ferneren  [Familiennamen  annel^men  mill,  bcbarf 
^icrju  einer  befonbcren  Srlanbnig,  weld^c  er  unter  ?[ngabe  ber  @rünbe 
hci  bem  ig^Jpijitti^Mt^^iw"^  nad^jufndjcn  t|at. 

IL  X>a§  ^n^tiimim'iimvim  prüft  ba^  ©efud^,  nad;  93erne^mung 
beö  ^tmtiSgerid^ti^,  beig  Stanbe^bcamtcn,  fottjie  ber  Ortigpolijcibe^orbcn 
unb  bcfd^licjst,  menu  ci^  i^m  nid^t  gleid)balb  oerwerflid^  fc^cint,  bic  cin^ 
malige  Scfauntmad^ung  bci^fclbcn  bnrci^  ben  Staat^anjciger  unb  bie 
ffarl^rul^ef  3citung. 

III.  ;3?nnert|alb  breicr  aSoc^cn,  uom  IagcJ)icfer  SBcfanntmac^ung 
an  gcredinet,  ^aben  bicjcnigen,  welche  gegen  bie  SBcmilligung  bcö  ®c^ 
fuc^c^  Sinfprac^c  ergeben  wollen,  fold)Cj§  mit  ben  ©rünbcn,  toorauf 
i^rc  (Sinfprac^c  bcrul^t,  jur  Senntnij}  besJ  Quftiämiuifterium^  ju  bringen. 

IV.  9lad^  3tblauf  ber  in  §  3  beftimmtcn  5^ift  wirb  über  ba6 
öefud^  entfd)ieben  unb  menu  ba^felbc  alö  juläffig  crflärt  wirb,  glci^^^ 
zeitig  bem  Stanbc^beamtcn  eine  ?tbf(^rift  ber  Sntfdjcibung  mit  ber 
SBeifung  angefertigt,  bic  ^iamcuigänberung  am  Staube  bc^  ©eburtig^ 
rcgiftcriS  äu  üermcrfen. 

»)  Stanbe«beamtc  1878  ©.  221. 
»j  Äolcrcr  @.  32. 


-     38     ^ 

(S^  bleibt  nun  nur  bod)  baö  franjöfif^c  ®cfc|  öom  11.  Germinal 
bcö  ^faljrc^  11  (1.  «pril  1803)  ju  cTOäljncn  übrig,  ^u  bcm  SJev* 
ftänbniß  bicfcö  ®cfc^c«  ift  aber  eine  furje  Ucberjid^t  über  bic  ®cf(^ici^tc 
bei8  franjöfifd^en  Siamenj^mefcnö  nöt(|ig,  bie  lüir,  gcftü^it  auf  ba§  Ex- 
pose des  motifs  ju  biefem  ®efe^e,  erstattet  t)on  5IW  i  o  t  ,^)  l)icr  geben  lüoflen. 

'^u  ^^anfreid^  cfiftirtcn  tjor  bcm  :3ö^K^  ^^^  toü>cx  crblid^c 
^amiliennanien  nod^  SJeimxmen.  JJic  (enteren  famen  in  biefer  3^^* 
auf.  ®rbHd)e  g^amiliennamcn  entftanben  erft  jur  ^dt  ^p^ilipp  Äuguft'i^ 
gegen  1200.  Die  S^ämeniSänbcruug  war  jcbod^  too\)l  im  14.  unb  lö.^a^r^ 
^unbert  pöHig  frei. 

@rft  ^einric^  II.  fa^  fid^  öcranlagt,  bcm  immer  mcftr  mad^feuben 
Unfug,  ber  burd^  Srbid;tung  unb  S5ern)cd)felung  bcr  SWamen  getrieben 
iDurbc,  burd)  eine  Drbonnanj  öom  21.  Wäv^  1555  ju  fteuern.  ÜDiefe 
uerbot  ben  ^riöilegirten  bie  SZamen^änberung  oljne  Srmirfung  eine^ 
lettre  de  commutation  bei  I;ol)er  ©elbftrafe,  Serluft  ber  Äbcl^prit)i== 
legicn  u.  f.  tv. 

SWad^bcm  eine  Drbonanj  tjom  ^afycc  1629  bie  Untcrjcid^nung  mit 
bcm  g^amilicnnamen  an  ©teile  bcr  SBcjcidinung  mit  bcm  SWamen  bc$ 
Icl^nöljcrrlid^cn  ®utcö  hei  allen  Sontractcn  bei  ©träfe  bcr  9iid)tigfcit 
anempfohlen  l)atte,  war  c^  bic  9f{cüoIution,  bie  t)ou  cinfc^ncibcnftcrTBc^ 
beutung  für  haß  Slamcnönjcfcn  mürbe. 

9?a^bem  am  4.  äuguft  1789  bic  5f»ba(rcd^tc  abgefd^afft  morbcn 
waren,  glaubte  man  aud^  bie  Slbcls^titcl  nid^t  länger  bcftcfjcn  laffcn  gu 
bürfcn. 

J)ie  ÜDccrctc  bcr  5RationabcrfammIung  oom  19.  ^m\\  1790  unb 
t)om  27.  September  1791  crflärtcn  bcn  «bei  für  aufgcfjoben,  bie  litcl 
^^^^Qf  Surft  u.  f.  rv.  follten  nid^t  meljr  gcfütirt  werben  unb  nur  bic 
wirflid^cn  g^amjlicnnamen  erlaubt  fein.'-) 

Daig  !Ccffct  üom  20.  September  1792  übertrug  bic  fjü^rung  ber 
®tanbc!3büd)cr  an  ©teile  bcr  ©ciftlid^fcit  bcn  Shinigipalitätcn,  eröffnete 
jcbodi  ^ierburd^  ber  SBfllfür  in  ber  SBa^I  ber  9?amcn,  bcfonberi^  ber 
SJornamen,  2:t)ür  unb  Z\)ox.  ^m  Verlaufe  bcr  ftürmifd^  bewegten 
^cit  trat  eine  enorme  SBcrwirrung  ein,  mau  gab  feinen  Jtinbern  2Jor* 
namen  nad^  feinem  SScIicbcn,  wcd^fcltc  bcn  Familiennamen  burd^  me 

')  Locr6,  la  legislation  de  la  France  etc.  ©ünb  III  (S.  320  ff. 

')  3n  5XuÄfü^rung  biefc«  Söeft^Iuffe«  nannte  fid^  Ca  ^ntjcttc  —  iDi^ttier, 
2)M r Qb cau  —  SRiq net ti  u.  f.  nj.  (5s  führte  bic«  cmc  3ett  lang  jjii  großen  (Jrr* 
t^ümcrn  unb  i^eriofdjfctungcn.    ^qU  33e(fcr'«  SKettflcfd^it^tc  ^b.  13  ^.  179. 


_    39    — 

*  ^ 

einfädle  ©rflärung  öor  ber  |)eimatt)^bcprbe ,  oft  anH)  nur  burd^  eine 
ertlarung  in  bcr  JBoIfi^Derfammlung ,  unb  bcr  ^lationalconüent  er^ob 
bicfciS  Ireiben  burd^  fein  Dcfrct  t)om  24.  brumaire  bc^  ^^al^rci^  II., 
wdd)^^  bcftimmt,  ba§  jcber  feinen  Familiennamen  bur^  eine  einfädle 
©tllärung  tjor  ber  SKunijipalität  änbern  tiJnne,  jum  ©efefee. 

i)ie  an§erorbentIid^en  3)?i§bräu^e  unb  bie  ®cfa^ren,  bie  in  biefer 
Stnorbnung  lagen,  mürben  jebod^  balb  crfannt  unb  ein  ®efe^  t)om 
16.  Fructidor  bg^felben  Qa^reö  \)erbot  eö,  anbere  Familiennamen  ju 
tragen,  aU  bie  in  ben  ®eburtöaften  niebergelegten  unb  befiehlt  ben- 
jenigen,  bie  fie  abgelegt  Ratten,  bie  SRildtfe^r  p  benfelben. 

(Sine  enbgültigc  {Regelung  n)urbe  crft  ^erbcigefül)rt  burd^  baö  &t' 
fe^  t)om  11.  Germinal  bci^  ^a\)xt&  XI. 

Da^  ®efe^  jerfäUt  in  jmci  litel,  Don  benen  nm  Ijicr  nur  ber  II. 
intereffirt,  ber  crfte  be^anbclt  3}ornamen§maI|l  unb  Äenberung. 

Titre  IL     Des  changemens  de  Noms. 

Art.  n^.  Tonte  personne  qui  aura  quelque  raison  de  changer 
de  nom,  en  adressera  la  demande  motiv^e  an  gouvernement. 

Art.  V.  Le  gouvernement  prononcera  dans  la  forme  pres- 
crite  pour  les  reglemens  d'administration  publique. 

Art.  VI.  S'il  admet  la  demande,  U  autorisera  le  change- 
ment  de  nom  par  un  arrete  rendu  dans  la  meme  forme,  mais  qui 
n'aura  son  execution,  qu'apr^s  la  revolution  d'une  ann^e,  ä  compter 
du  jour  de  son  insertion  an  Bulletin  de  lois. 

Art.  VII.  Pendant  le  cours  de  cette  ann^e,  tonte  personne  y 
ayant  droit  sera  admise  ä  präsenter  requete  au  gouvernement  pour 
obtenir  la  revocation  de  l'arret^  autorisant  le  changement  de 
nom;  et  cette  revocation  sera  prononcee  par  le  gouvernement, 
s'il  juge  Topposition  fondee. 

Art.  VIII.  S'il  n'y  a  pas  eu  d'oppositions ,  ou  si  celles  qui 
ont  ete  faites  n'ont  point  ete  admises,  Tarret^  autorisant  le  change- 
ment de  nom  aura  son  plein  et  entier  effet  ä  I'expiration  de 
rannte. 

Art.  IX.  II  n'est  rien  innove  par  la  präsente  loi,  aux  dispo: 
sitions  des  lois  existantes  relatives  aux  questions  d'etat  entrainant 
changement  de  noms,  qui  continneront  k  se  poursuivre  devant 
les  tribunaux  dans  les* formes  ordinaires. 


—     40    — 

®inb  nun  bicfe  fronjöfif d^  *  red^tlic^en  Seftimmungen  in  ?R^cin^ 
^cffcn  nod)  gültig?  5>ic  eben  ge^anbl)abtc  '^Jrajio  ift  bic,  baß  bo^- 
@efud^  urn  5Wamen«änberung  birect  bcm  ®ro§I)erjogc  eingerctdit 
wirb.  'X)a^  beauftragte  9)Hnifterium  forbcrt  ba^  fianbgeric^t  ber  ^ro= 
Dinj  jum  Scrici^te  auf,  ba^  fcincrfeit^  ba^  ?tmt^gcrid^t  mit  Med^erc^cn 
unb  95erid)t  beauftragt.  Denfelben  SBeg  ge^cn  bie  erhjadjfcnben  Sfftcu 
mieber  jurücf. 

3)ic  \)erf(i^iebencn  S8erid)te  merben  bent  ©rofe^erjog  unterbreitet, 
ber  l^ierauf  feine  ©ntfd)IieBung  trifft.  Diefelbe  gelangt  im  9tegierung^^ 
hlattt  gur  SJeröffentlid^ung. 

e^  lägt  )x6)  nun  biefe  ^rafi^  abfolut  nidjt  mit  ben  Scftimm^ 
uugen  be«  franjofifdien  ®efc|c«  in  Ginftang  bringen. 

Dbnjo^I  ein  abänbernbeö  ®efeg  für  Si^ein^effen  unfereö  aSJiffens^ 
nad;  nod)  nid^t  ergangen  ift,  fo  wirb  man  rvoifl  bejüglid^  biefeig  Il^eil« 
be§  ®efcgeö,  ba§  \a  t)on  ber  .^effifd^en  Siegicrung  in  Setreff  ber  SJor- 
namen  aU  in  Sraft  ftel^cnb  ancrfannt  wirb,')  bie  heutige  9ied)tögültig^ 
feit  im  ^inblid  auf  bie  üeräuberten  ftaat§rcd)tlid)en  SJcrl^ältniffc  lotx- 
neinen  fönneu. 

Ucbcralf  gcf)t  ot|uc  3^^if^f  ^^^  Grt^eilung  ber  Grlaubnig  jur 
Äenbcrung  be«  göuiiliennamenS  eine  causae  cognitio  öorau«.  fragen 
wir,  worauf  fidj  bicfe  gu  erftreden  fjabcn  wirb,  fo  muß  natürlid^  bic 
(Sigeuartigfeit  jebe«  ^alle«  für  bie  Unterfud^ung  maggcbenb  fein.  Q[m 
allgemeinen  ließe  fid;  boc^  woljl  aU  Siegel  aufftellen,  bag  jebenfall«  bic 
Jamilienmitglieber  be«  'ißctcutcu  um  i^re  3)ieiuung  gefragt,  unb  weitere 
Srfuubigungen  barüber  eingesogen  werben  muffen,  ob  bie  an  bem 
9Bol)nfige  be«  ©cfud^fteller«  befinblidjen  Irägcr  be«  neu  auäune^mcnbcu 
9lamen«  mit  ber  3?amen«äuberung  ciuDerftaubeu  finb,  eöentueH  weld^e 
Siuwenbungen  fie  ju  madden  f)abcn.  'Die  Unterfudjung  Ijat  fid^  jcbcu' 
fall«  auc^  mit  ber  5rage  gu  befdiäf tigeu ,  welche  'Hiotioe  ben  ^Petenten 
leiten,  in«bef ouberc ,  ob  nid)t  burc^  bie  9Zamen«änberung  ber  ©d^eiu 
erwedt  werben  foil,  ber  ^13etcut  geljiJre  ju  einer  ^-amilie,  ber  er  factifdj 
nid|t  angeljört.  (Smpfe^lcn«wert^  ift  woljl  —  unb  in  biefcr  Söejie^ung 
fiub  bie  babifc^en  öeftimmungeu  auggejcid^net  —  bie  grögtmöglic^fte 
^ublicität  ber  ganjen  Unterfui^ung,  bamit  e«  jebem  ^^ntcreff enten  mög- 
lich gemalt  wirb,   fein  ;3utereffe,    \>a^  er  au  ber  9iic^tänberung  be« 


I»     Sil 


)  %l.  3.  13. 


—     41     — 

iÄamcn^  t)at,  auf  bcm  SBegc  bc^S  ©infprud^ö  bei  ben  SBcbörbcn  gcitcnb 
ju'  madden. 

©ntpfcl^lcni^mert^  ift  auä)  bic  ©cgung  einer  bcftimmtc«  5^ift  jur 
©eltcnbmad^ung  bicfer  Änfprild^c.  3)iefe  barf  jcboc^  nid)t  311  lang 
au^gebel^nt  tverben. 

jDic  Äenbcrung  bc^  g^wilicnnantenö  bewirft  feine  JBcränberuug 
bcr  ©tanbei^red^te  einer  ^erfon,  ba  ba§  SRcd^t  auf  ben  ^Warnen  nid^t 
aU  ©tanbeöred^t  betrachtet  lüerben  fann.  Irogbem  wirb  öftere  nad^ 
lanbeögefeglid^er  SSorfd)rift  bie  erfolgte  ?fenberung  beig  gomilicnnamen^ 
at^  atanböermerf  im  (Seburt^Sregifter  aufgenommen.*) 

ßö  ift  fcftfteljenbe  Siegel,  ba§  nur  biejenigen  ?5erfonen  ?Infprudö 
auf  5Wamen^änbcrung  in  einem  beftimmtcn  £anbe  ^abcn,  bic  I|ier  and) 
ba^  ^nbigenat  befigcn. 

ÜDaig  SSerbot  ber  wittfürlidtien  privaten  9?amcn§änberung  ift  tool)l 
in  allen  europäifi^en  Itänbern  burd^gefü^rt.  ^m  9?ad^fte^enbcn  follcn 
bic  SBeftimmungen  einiger  'Staaitn  über  bic  unter  ftaatlid^cr  3(utorität 
burd)jufii^renbc  ?lenberung  mitgetfjeih  werben. 

:3;n  O  eft  erreich  beftimmt  \>a§  fd)Ou  citirtc  ^ofbefret  00m  o.  Quni 
1826:  „gine  3Seränberung  bei§  ®ef^Icd^t^namenö  barf  nur  beim  Uebcr* 
tritte  jur  d^riftlid^en  SReligion  ober  bei  ?[beI§ocrIei^ungcn  uub  im  Ic^tercn 
$a((e  aud^  nur  mit  au^brüdflid^cr  (jöd^fter  SBewiUigung  unb  unter  ben 
erforberlid^en  3Jorfid^ten  ftattfinben.  ©ottte  auger  bicfcn  beibcn  J^ätten 
eine  SJeränberung  beö  ®cfd^Ud^tsinamenö  nad^gefud)t  werben,  fo  bel)alteu 
fic^  ©e.  3Wajeftät  bie  Gntfd^cibung  fold^er  ®cfucf)c  in  befonbers^  riicf:^ 
fic^tsiwtirbigen  Ratten  ^öc^ftfclbft  beüor." 

Sine  ÄaifcrI.  SScrorbnung  00m  20.  Xicsember  1848  übertrug  bic 
35ewittiguug^bcfugni§  jur  Slamen^änberung  bcm  9)linifter  beö  Qnncrn  uub 
eine  (£ntfd)Iic6ung  00m  12.  üRärj  1866  fold^c  ben  politifd^cn  Sanbeöftettcn. 

äWerfwürbigerweife  wirb  eine  bewitUgtc  5Wamen!Sänbcrung  in  Ocfter 
reid^  nid^t  ücri^ffcntfid^t.  2) 

Sc^r  ücrfdjieben  fiub  wicberum  bic  fantoualen  SBcftimmnngen  bcr 
©d^wcij.  ©cmcinbcratf) ,  ?fmtiggcrid^t ,  Olegicruug^ratt)  u.  f.  w.  fiub 
Ijier  bie  für  S^amcnöänbcrung  juftänbigcn  93cl^örbcn.  ^j 


»)  »gl.  0.  ©teuerer  3.  2(>1,  2«2. 
')  Saferer  @.  27  ff. 
•'')  ^onbbu(^  ©.  2r>r). 


—     42     — 

^u  Spanien  tmrb  bie  92amen£iänberung  bei  bem  ^erid^te  nac^- 
gcfuc^t.  fie^tcrcö  öcröffcntli^t  baö  ®efu(i^  in  einigen  Leitungen.  35rci 
a)ionate  wad)  bicfcr  ©inrücfnng  erfolgt  cine  ©ntfd^eibnng  ber  SRegietung, 
bie,  wenn  cine  Dppafition  brittcr  ^erfonen  eingelaufen  ift,  uor^cr  ben 
Btaat^xatf)  ju  confultiren  ^at 

^n  SRufelanb  ift  cine  gainiliennamen^änbening  nur  burd^  eine 
Qmmebiateingabe  an  ben  Saifer  gu  erlangen. 

^m  ?(nfc^lu§  an  bie  Äenberung  bev  Familiennamen  JvoHert  wir 
Ijicr  anc^  nod|  bie  unter  ftaatlidier  Autorität  fid^  öottjie^enbc  Äenberung 
ber  SJornamcn  6etrad)ten. 

Die  @rfenntni§,  bag  aud^  bie  giiljrung  ber  einmal  erworbenen 
3?ornamen  cine  im  öffcntlid^cn  9icd^t  begrünbete  ^fli^t  unb  jebe  wiH* 
fiirlid^e  Äeubcrung  bcrfclbcn  unterfagt  fei,  Ijat  in  JJcutfd^Ianb  fc^r  fpät 
Eingang  gefunben. 

.'per mann  war  ber  crftc  Jl^corctifcr ,  ber  in  feinem,  1862  er* 
fd)icnenen  äuffa^c  eine  9lcd^tiSpfIid[)t,  bie  erl)altenen  SJornamen  baucrnb 
JU  fiilircn,  ftatuirt.  ©ir  fönncn  bie  JRid^tigfeit  bicfcr  anfid)t  nic^t  bcffer 
barttjun,  aU  wenn  wir  ben  I;ier  einfc^Iagenben  Zi)cH  einer  Verfügung  be^ 
Äönigl.  Saljer.  ©taatömiuiftcriumö  be«  ^^nnern  Dom  8,  2Bärj  1866 1) 
citircn : 

„T}k  g'ü^rung  bcftimmter  9?amen  bejwccft,  jebe  cingeinc  ^erfon 
üon  alien  anberen,  inöbefonbcre  aud^  in  SBcjiel^ung  auf  9tedl)te  unb 
^flid^teu  fid^er  unb  bauernb  ju  untcrjd^eiben  unb  ift  burd^  bie  ®r* 
wägung  geboten,  bag  ber  georbnete  ßuftanb  jcbeö  ©taateig  bie  beftänbige 
gleidimägigc  Uuterfcf)cibung  aller  il|m  angctjörigen  ^erfoneu  erforbert 
unb  bicfe  bei  Dcrfdfiicbcncn  ftaatlid)en  ®inri^tungen  öorau^gefc^t  wirb, 
^[encm  für  baö  3}cd^tö=  unb  Familienleben  fowic  bic  öffentlidfie  Drbnung 
l)öd)ft  wid^tigcm  Qtvtd  genügt  aber  ber  Familienname  nic^t  in  auö- 
reid)enbem  SÖ^aßftabe,  foubcrn  bie  untcrfd^cibenbe  Senntnig  eiuci^  ein* 
jclnen  SKitgliebe^  einer  Familie  unb  beffen  Untcrfc^eibung  oou  anbern 
ben  gleichen  Fönnli^unamen  fü^renben  ^crfonen  wirb  erft  burd^  bic 
i<crbinbung  bc$  a?ornamcn^  mit  bcm  Fö""Iicw'i^"^c^  erreid^t.  ®^  er* 
f^cint  baf;cr  bic  willfürlid^c  2?eränberung  bc§  SSornamenig,  cbcnfowenig 
wie  bie  be«  Familiennamens,  mit  bem  öffcntlidfjcn  5Red^t  unb  ber  öffent- 
lid^cn  Orbnung  öcrciubar." 

^)  StanbcSbcamtc  1879  <S.  1. 


-     43     — 

3>ic  crftc,  menu  aud^  bcfd^ränttc,  reid^^gefc^Iidjc  Stncrfcnuung  bicfcr 
im  öffcntlid^cn  SRcc^tc  begrünbeten  ^flid^t  ift  nnferer  Änfi^t  nad^  im 
ffteii^igftrafgefelbnc^  §  360  3iff.  8  enthalten,  inbem  bie  fid^  ^ier  finbenbc 
Strofbeftimmung  fetneömegig  auf  ben  Jöwiliennamcn  ju  bcfc^ränten  ift. 
3n  bicfcm  ©inne  fprtd^t  fid)  oud^  ber  93eri(]^t  ber  Eommiffion  bcr 
11.  Sammer  jum  preufeifd^en  Äbgeorbnetcnljaufe  an^.  Entgegen  fte^t 
freilid^  ein  ffirfenntni^  be^  prcugifd^en  Obertribunal^.^) 

SBir  l^aben  ferner  fc^on  in  nnferm  jUjeiten  Sapitel  gu  conftatiren 
©clcgen^eit  gehabt,  bafe  nad^  unferm  9teid^^gefege  eine  auf  Antrag 
tmt^  ^ritjQten  burd^  ben  ©tanbe^beamten  erfolgenbe  äbänberung  ber 
einmal  eingetragenen  SSornamen  ööttig  unftattl^aft  ift.  Äu^  I)ierin  liegt 
fidler  ein  ©erbot  ber  tt)iüfürlid)en  SJornamenöänberung. 

^Dagegen  finb  Äenberungen  ber  3Sornamen  mit  obrigfeitlid^er  ®r* 
Iaubni§  wo^l  benfbar,  unb  wir  moöen  im  ^olg^nben  bic  ©tatt^aftigfcit 
fold^cr  Slenberungen  unter  bem  9tcid^^gefe|e  unb  bie  in  ben  üerfdfjiebcnen 
Staaten  ge^anbfjabte  ^rajii^  betrad^ten. 

Qu  93at)ern  hjar  burc^  bie  f^on  citirtc  üßinifterialöerorbnung  üom 
8.  SKärj  1866  eine  Sornamenigänberung  mit  obrigfeitlid^er  (£rlaubni§ 
für  juläffig  crflärt  unb  al^  juftänbige  Seljörbe  bie  Diftrict^polijei-- 
bctjörben  unb  in  ^öl^erer  ^JJnftang  bie  fgt.  ^Regierung  beö  Qf^nern  er== 
flärt  njorben.  @nbe  be^  ;3a^re§  1877  hjollte  nun  ein  ©^egatte  unb 
9Jatcr  bie  gum  ®eburtöregifter  t)on  ifjm  angegebenen  SSornamen  feinet 
§:inbtß  n)enige  läge  nad^  ber  Eintragung  änbern.  ®r  würbe  im  ^in- 
btid  auf  bic  erwähnte  3)iinifterialentf^lie§ung  angemiefen,  fid)  mit  feiner 
(Singabc  au  baö  fgt.  ©taatöminiftcrium  bcjS  ;3fnnern  gu  wenben. 

Daöfelbc  erlief  aber  unterm  20.  35cjcmber  1877  ba^in  @ntfd^Iie§ung, 
baJ5  bicfcr  Sitte  um  ®cnct)migung  bcr  äbänbcrung  bc&  äJornamcnS 
fra9lid)en  ^nbc!^  eine  f^olqt  nid^t  gegeben  werben  fiJnne,  ba  eine 
?(enberung  bcr  in  ba§  ®cburt^rcgifter  eingetragenen  SJornamen,  fei  ci^ 
burc^  3tenberung  berfelben,  fei  eö  burdj  ^injufügung  weiterer  23or* 
namen,  o^nc  SBcri^tigungSöerfa^rcn  nic^t  guläffig  fei.  2) 

©auj  ä^nlid)  fprid^t  fid^  eine  9Serf ügung  bcsi  prcufeifd^cn  ÜÄinifterium^ 
bcö  :J^nncrn  üom  15.  Dcgcmber  1885  auö:^)   (Sine  au^  bem  geheimen 


M  2öb.  36  ©.  219.    5?gL  O|)pcn^of' «  (Jornmentov  jum  3lfid^«prafflffctjbw(^ 
6.  808. 

«)  iög(.  ^tergu  @tanbf«bcamtc  1878  ©.  267. 
"")  ©tanbf^bcomte  1886  @.  1. 


—     42     — 

3u  ©pauicu  toixb  bic  Slamcnsiänberuug  bei  bcm  ©cricfttc  nac^* 
gcfud^t.  fie^tcrcig  öcröffentlid^t  baö  ®z\nä)  in  einigen  ^citwngcn.  ®rei 
äßonate  wad)  biefer  Sinrildung  erfolgt  eine  (Sntfd^eibnng  ber  Stegierung, 
bie,  njenn  eine  Oppofition  britter  ^erfonen  eingelaufen  ift,  uor^er  ben 
^taat^xaif)  gu  confultiren  l)at 

^n  3iu|Ianb  ift  eine  gamiliennamen^änbcinng  nur  burd^  cine 
Qmmebiateingabe  an  ben  Äaifer  ju  erlangen. 

^m  8[nfdjlu§  an  bie  Äenbcrung  ber  ^^mitiennamen  moHeU  wir 
I)icr  auc^  nod^  bie  unter  ftaatlic^er  «utorität  fid^  uoHjiel^cnbe  Äenberung 
ber  SJornamen  bctradjtcn. 

Die  @rfenutni§,  ba^  anä)  bie  ^iifjrung  ber  einmal  erworbenen 
2?ornamen  cine  im  iJffentlirfien  9icd)t  begrünbete  ^flid^t  unb  jebe  lüill* 
fürlid^e  Äenbcrung  berfclbcu  unterfagt  fei,  l^at  in  JJeutfd^Ianb  fel)r  fpät 
Eingang  gefunben. 

.•per mann  war  ber  erftc  Jl^corctifcr ,  ber  in  feinem,  1862  er* 
fd)ienenen  äuffa^e  cxm  5Recl^töpfIid[)t,  bie  erljaltcnen  SJornamen  baucrnb 
ju  füljren,  ftatuirt.  93Jir  fönnen  bie  Stid^tigfcit  biefer  «nfid^t  nic^t  beffer 
bartfjun,  alö  wenn  wir  bcn  Ijier  einfrf)Iagenben  üfjcil  einer  SJerfilgung  be^ 
fiönigl.  Sat)er.  ©taatöminifteriumö  bt§  ^'"^lern  oom  8.  Tl&xi  1866  0 
citiren : 

„55ie  5"^i^wng  beftimmtcr  9?amen  bcgwecft,  jebc  cinjcine  ^erfon 
üon  aßen  anberen,  ins^bcfonberc  anil)  in  Sejicl^ung  auf  3ted^te  unb 
^flid^ten  fieser  unb  banernb  gu  untcrfc^eiben  unb  ift  burc^  bic  @r* 
wägung  geboten,  ba§  ber  georbnetc  ßuftanb  jcbeö  ©taateö  bie  beftänbigc 
gteidimägige  Unterfd)eibung  aller  il|m  angeljörigen  ^erfoncn  erforbert 
unb  biefc  bei  uerfdfiicbenen  ftaatlid^cn  ©inrid^tungen  uorau^gefe^t  wirb, 
^[enem  für  baö  iRed^t2J=  unb  göinilienlebcn  fowie  bie  öffentliche  Drbnung 
Ijöc^ft  wirf)tigcm  Qwtd  genügt  aber  ber  Familienname  nid^t  in  an^-- 
rcid^cnbem  3)ia§ftabe,  fouberu  bie  unterfd)cibenbe  Senntniß  einci^  ein* 
jelnen  SKitglicbeiS  einer  Familie  unb  beffen  Unterfd^eibung  öon  anbern 
bcn  gleid^en  göinili^^^^tamen  fü^renbcn  ^erfonen  wirb  erft  burd^  bic 
35erbinbung  bcö  25ornameng  mit  bem  Familiennamen  errei^t.  (S^  er^ 
fd^eint  ba^er  bie  wiHfürlic^c  Seränbcrung  beö  SJornamem^,  cbenfowenig 
wie  bie  be§  Familiennamen^,  mit  bem  öffentlidEien  SRcd^t  unb  ber  öffent» 
lid^en  Orbnung  öereiubar." 

M  StanbcjJbcamte  1879  @.  1. 


~     43     — 

Die  crftc,  wcnu  aud^  bcfd^ränttc,  reid^ggefe^Iidjc  Sfncrfcmtwiig  bicfcr 
im  offentlid^cu  SRcd^tc  begrünbeten  ^flid^t  ift  nnjcrer  Anficht  nad^  im 
aflei(i^^ftrafgefe|l)nd^  §  360  3iff .  8  enthalten,  inbcm  bie  fid|  l^ier  finbenbe 
Straf bcpimmung  feine^megö  anf  ben  JJamiliennamen  ju  befc^ränlen  ift. 
3n  biefem  ©inne  fprid^t  fid^  aud^  ber  99ertd^t  bcr  Eommiffion  bcr 
II.  .Slammer  gum  pren^ifd^en  Äbgeorbneten^aufe  auö.  Entgegen  fte^t 
freili^  ein  grfenntnife  beö  preu§ifd^en  Dbcrtribunalö.*) 

SBir  l^aben  ferner  fd^on  in  unferm  jhjeiten  Sapitel  ju  conftatircn 
Gelegenheit  gehabt,  bafe  nad^  unferm  9teid^ögefe|e  eine  auf  Antrag 
cinc^  ^riDaten  bur^  ben  ©tanbe^beamten  erfolgenbe  Äbänberung  ber 
einmal  eingetragenen  3Sornamen  ööttig  unftatt^aft  ift.  Änd^  l^ievin  liegt 
fidler  ein  ©erbot  ber  mittfürlid)en  SJornamen^änberung. 

^Dagegen  finb  äenbernngen  ber  33ornamen  mit  obrigfeitlidier  ®r=* 
Iaubni§  mo^I  benfbar,  unb  wir  moöen  im  JJoIgcnben  bie  ®tattl)aftigfeit 
fold^er  Henberungen  nnter  bem  9ieirf)^gefe|c  unb  bie  in  ben  \)erfd)iebcnen 
Staaten  ge^anbfjabte  ^rajii^  betrai^ten. 

Qn  58at)ern  mar  burd^  bie  fd^on  citirte  üßinifterialöerorbnung  t)om 
8.  aJlärj  1866  eine  3Sornameni3änbcrung  mit  obrigfeitlid^er  (Srlaubnife 
für  snläffig  erflärt  unb  aU  juftänbige  SBeljürbe  bie  Diftrict^polijei* 
beijörben  unb  in  t)öl^erer  ^^^nftang  bie  fgl.  ^Regierung  bei^  Qf""^^*^  ^^^ 
flärt  njorben.  @nbe  beg  ;3al^re^  1877  hjollte  nun  ein  ß^egatte  unb 
9Jater  bie  jum  ®cburtiSregifter  öon  i^m  angegebenen  SSornamen  feinei? 
Sinbciä  menige  Jage  nad^  ber  (Sintragung  änbern.  ®r  njurbe  im  ^iu:' 
blicf  auf  bie  ermäl^nte  9)}inifterialentfd^liegnng  angemiefen,  fid^  mit  feiner 
Eingabe  an  baä  fgl.  ©taat^minifterium  bt§  3?""^^^^  i^^  wenben. 

ÜDasffelbe  erlief  aber  unterm  20.  !Dejcmber  1877  bdf)\n  ©ntfd^Iiefeung, 
ba§  biefer  Sitte  um  Genehmigung  ber  äbänberung  be^  Sornamen^ 
fragli^en  Sinbeö  eine  ^olQt  nid^t  gegeben  merben  fönne,  ba  eine 
Sfenberuug  bcr  in  ha^  Geburti^regifter  eingetragenen  25ornamen,  fei  c^ 
burc^  «enbemng  berfclben,  fei  eö  burd)  .f)injufügung  weiterer  25or* 
namen,  o^ne  95erid)tigungiSüerfa]^ren  nid|t  juläffig  fei. 2) 

@anj  ä^nlid^  fprid)t  fid^  eine  SSerfügung  be«;  preu^ifd^en  aRinifterium^ 
beö  $^nnern  tjom  15.  Dejember  1885  an^:^)   (Sine  auö  bem  geheimen 


')  m.  36  @.  219.    iPgl.  O»)»)cn^of's  Kommentar  gum  SReic^«flrafgefe(jbu(^ 
@.  808. 

-)  l^f^l  ^icrgu  ©tonbeSbeamtc  1878  S.  267. 
*;  StanbeöbcQttitc  1886  €.  1. 


—     44     - 

(Cabinet  bcm  aßiniftcrium  jur  SBerftigung  jugcgangcuc  ^[mmcbiatoor* 
ftcUung  wirb  ba^tn  bcantmortet,  bag  bcm  Stntrag  bcr  Sittftcttcrin ,  bcu 
i^rcm  SJinbe  uon  feinem  SJatcr  beigelegten  SSornamen  £  u  3  i  f  c  r  tüieber 
^n  bcfeitigen,  ba  fein  Serid^tigungöüerfafiren  ju  ©runbc  rfegt7  ni^t 
ftattgegeben  merben  fann. 

~Stu(i^  bic  fod^fifdje  ^rafii^  ftimmt  hiermit  überein.  i) 

Qnbem  man  nun  in  biefen  Staaten  öon  bcm  @a|e  au^gc^t,  bafe 
cine  SBornameni^änbernng  oljne  glcid^jcitige  33eränberung  im  ©eburtö- 
regiftcr  unbenfbar  ift,  ^at  man  I)ier  bie  ^^^ffigfcit  ber  SSornamcn^^ 
änbcrung  über^an))t  verneint. 2) 

^n  anberen  Btaaicn  bagcgen  ift  bie  SSornamenöänbernng  mit 
obrigfeitIi(i)er  (SrlaubntB  für  juläffig  erad^tet  worben.  2)ie  OJeoifion^= 
bemcrfungen  beg  @roB^.  .^effifd^cn  9)?inifteriumö  bef  Suftij  öom 
18.  December  1876 »)  befagen  ^u  §  22:  ©inb  bie  23Drnamen  citte<^^ 
Sinbcfii  gleid^jcitig  mit  bcr  ®eburt  bcs^felben  angcjcigt  unb  ber  Sfnjeigc 
cntfjjreci^enb  eingetragen  n)orben,  fo  fönnen  anbcrc  ober  toeiterc  SSor- 
namen, aud^  wenn  fie  innerhalb  bcr  jur  3iamengebung  gcftattctcn  fjrift 
üon  jioci  SJiouatcn  jur  Sfnjcigc  gelangen,  üon  bcm  ©tanbe^bcamtcn 
nic^t  ol)nc  SBciterci3  eingetragen  werben.  Sine  äbänbernng  ober  SJcr- 
t)ollftänbigung  bereite  eingetragener  33ornamen  fann  oiclmet)r  nur  im 
Söcge  einer  oon  ®r.  Sgl.  |)of|cit  bem  ©rofeljcrjogc  3U  geftattenben 
5Wamen)8änbcrung  erfolgen,  ö^  wirb  alfo  l^icr  eine  3?ornamengänbcrung 
burd^  ben  ÖJrog^erjog  für  ftatt^aft  erad)tet  unb  in  ber  ^^raj:iö  Ijäufig 
geübt. 

5ür  S3aben  gilt  bfc  fd;on  erwähnte  lanbc^ljcrrlic^c  23crorbnung 
T)om  16.  December  1875: 

„3wr   äeubcrung   bcr   93ornamen    genügt,    baß  bie  bcabfid^tigtc 
^enbcrung  bcm  3tmtögerirf)te  angezeigt,  üon  bicfem,  wenn  fein  Änftanb 
obwaltet,    bie  SJornamcn^änbcrung  iin  Söejirf^uerfünbignng^blatt   uer 
öffentlidjt  unb  bem  ©tanbci^beamtcu  be^ufg  ber  i^ormerfung  am  9ianbc 
beö  ©eburtöregiftcrö  mitgctl)eilt  werbe." 

gür  93remen  beftimmt  eine  33crorbnnng  betr.  bic  9[u«^fü^rung  bcö 
©cfc^eö  Dom  6.  g^ebruar  1875  00m  10.  December  1875^):  „aenbcrung 

')*  3>gt.  ©tanbcSbcamtc  1877  3.  87. 
■-}  5>9l.  aud)  $VoI)(cr  ©.  7. 
'•^)  o'tanbfSbeamtc  1877  ^.  27. 
*)  StanbeSbcamtc  1H7(J  'B.  331. 


—    45     - 

bt^  rcd^tlid^  geführten  9lamcn^,  aud^  bc^  SJornamcu^,  bleibt  aii^fd)Iiep^ 
lic^  bem  ©cnatc  t)orbcf|altcn." 

3iad)  unfcrer  Änfid^t  ijl  bie  in  SBatjcm,  ^rcu&cn  unb  ©ad^feit 
gci^anbl^abtc  $raji§  bcm  fRcid^^gcfcge  nid^t  cntf^>rcd^cnb.  33Jir  galten 
ben  ©a$,  baJ3  ciuc  SJornamcnigänbcrung  nur  benfbar  ift  mit  gfcid)* 
jcitiger  SJeranbcrung  in  bem  ®cburti8regifter,  für  fe^r  bcftrcitbar.  1)er^ 
fclbc  finbet  unfcrer  Änfid^t  na6)  im  9ieic^iggefe|e  abfolut  feine  ©tü^c. 
Dicfcö  l)at  cbenfowenig  mt  bie  gamilicnnamenänbcrung ,  bie  3Jor^ 
namenänberung  mit  obrigfeitIid|cr  ©rlaubniß  regeln  wollen  —  e§  i)at 
bieg  ben  ßanbei^gefegcn  überlaffcn  —  unb  ebcnfowenig ,  wie  eine  er^ 
folgte  J^milicnnamcnänberung  na6)  unferm  9lei(^ögcfc^  im  ©eburtö* 
regifter  Äenbcrung  üeranlaßt,  ift  bieg  bei  ber  2lcnberung  ber  SSornamcn 
ber  ^att.  ^m  :5«tercffe  ber  Stec^töfid^cr^eit  wäre  freiließ,  wie  bieg 
nad^  lanbcggefe|lid^er  S3orfd)rift  anä)  hd  ganiiliennamenänberungen  gc* 
fc^ie^t,  eine  Semerfung  am  9ianbe  bcg  ©eburtgregiftcrg ,  ba§  eg  ber 
betr.  ^crjon  öon  bem  Könige  u.  f.  w.  gcftattct  werben  fei,  ben  SSor- 
namen  X  ju  fül^ren,  am  $Iagc.  @ine  burd^  3ianbuermerf  ju  wlU 
.^ie^enbe  ä  b  ä  n  b  e  r  u  n  g  bcg  ®eburtgregifterg  freilid),  wie  fic  bie  ange=^ 
füt)rten  .^effif(^cn  Sfteüifiongbemerfungen  üorfc^reiben,  ift,  ba  feine  99c^ 
ri(^tigung  öorliegt,  auggefdf|Ioffen ,  aber  öon  einer  Slbänberung  beg 
®eburtgregifterg  burd^  äftanböermerf ,  ift,  uufereg  Srad^teng,  eine  anf 
Örunb  Ianbeggefcglid)cr  SSorfc^rift  erfolgenbe,  feinegwcgg  eine  ?(bänbe= 
rung  beg  ®eburtgregifterg  in  fid^  fd^lic^enbc  S^emcrfung  am  Staube  über 
bie  obrigfeitlidf}  geftattete  3Sornamengänberung  wo^I  gu  unterfd^eibcn. 

9Bir  glauben,  ba%  bie  in  jcbcr  |)infid)t  auggcgcidinctc  babifdie  Ser- 
orbuung  aud^  ^ier  ba^  richtige  getroffen  t)at. 

Daß  ein  fe^r  gro§eg  ^^ntereffe  an  ber  SSoruamengänbernng  bcftc^eu 
fanu  unb  biefelbe  bafjer  in  ben  Sanbeggcfe^en  sujulaffen  fein  wirb, 
bebarf  feiner  weiteren  ©rörterung. 

933erfen  wir  nod^  einen  Slicf  auf  bie  öfterreirfjifd^e  ^rafig. 
Saferer  tl^eilt  2  SKinifterialcntfd^eibungeu  Dom  23.  aWai  1873  unb 
9.  ^imi  1877  mit,  weld^e  ®efud^c  um  Äbänbcrung  ber  9?ornamen  alg 
unjuläffig  verwerfen. 

Der  t)on  Saferer  felbft  vorgetragenen  ÜJicinung,  eg  miiffe  bie 
freiwillige,  otjne  ftaatlidje  ®euet)migung  erfolgenbe  Slenberung  ber  5Bor* 
namen  für  juläffig  erflärt  werben,  wenn  nur  bafür  geforgt  ift,  bafi 


—     44     - 

©abinet  bcm  aßiniftcrium  jur  SJerfügung  jugcgaiigcnc  Qramcbtotüor= 
ftcUung  tt)irb  baf)\n  bcantmortct,  ba^  bem  Antrag  bcr  SJittftcttcrin ,  bcu 
il^rcm  Äinbc  t)on  feinem  Sater  beigelegten  SSornamcn  Sujif er  tüicber 
^n  befettigen,  ba  fein  93crici^tignngdt)erfal;ren  ju  ©runbe  liegt 7  nid^t 
ftüttgegcben  tperben  fann. 

~3lu(i^  bic  fäc^fifd)e  ^rajiö  ftimmt  hiermit  überein,  ^) 

;3nbem  man  nun  in  biefcn  Staaten  uon  bem  ©afec  au^gc^t,  bafs 
eine  SSornameni^änbcrung  ol^ne  gleid^jeitige  SJeränbcrung  im  @cburt^= 
rcgifter  unbenibar  ift,  ^at  man  ^ier  bie  ^^läffigfcit  ber  SSornamens'- 
änberung  über^an))t  üerneint.*^) 

:^n  anberen  Btaatm  bagegen  ift  bic  SSornamenöänberung  mit 
obrigfcitli(i)er  ©rlaubni^  für  juläffig  erad^tet  worbeu.  Die  Otemfions 
bemerfungen  beiS  ©roßt},  ^effifd^en  SDZinifteriumS  bet  ^uftis  w\n 
18.  !I)ecember  1876»)  befagen  jju  §  22:  ®inb  bie  35ornamcn  eine« 
äinbcö  gleid;jcitig  mit  bcr  ÖJeburt  besifelben  angezeigt  unb  ber  Änjcigc 
entfpred^enb  eingetragen  Sorben,  fo  fönnen  anbcrc  ober  »eitere  SJor- 
iiamen,  aud)  mcnn  fic  innerhalb  bcr  jnr  9?amengcbung  gcftattctcn  ^rift 
t)on  äwei  SKonatcn  jur  Stngcige  gelangen,  Don  bcm  ©tanbcj^bcamtcn 
nic^t  oI)ne  SBciterc^  eingetragen  n?crben.  ©ine  'ättjänbernng  ober  3?cr- 
tJoKftänbigung  bereite  eingetragener  S?ornamen  fann  oiclmeljr  nur  im 
3ßege  einer  oon  ®r.  Sgl.  ^o^eit  bem  ®ro§I)ergogc  ju  geftattenbcu 
5Wamcn8äuberung  erfolgen.  &§  tvixb  alfo  ^icr  eine  9?ornamcn^änberung 
burc^  bcn  ©roßfjerjog  für  ftatt^aft  cradjtct  unb  in  ber  ^raji^  l^äufig 
geübt. 

^ür  3}aben  gilt  bte  fc^on  erwähnte  Ianbcs^t)crritd;c  SJcrorbnung 
T)om  16.  December  1875: 

„Qxix  Slcnbcrung  ber  SJornamen  genügt,  ba§  bie  bcabfid)tigtc 
^tenberung  bem  9(mt^gcrtd)tc  angejeigt,  üon  bicfem,  menu  f?in  ?lnftau^ 
obmaltct,  bic  SJornamenöänberung  im  Scjirf^aücrfünbigung^blatt  uer 
öffcnttidjt  unb  bem  Stanbc^bcamten  bel^uf§  bcr  SJormcrfnng  am  9tanbc 
beö  ®eburtöregifterö  mitgct^eilt  mcrbc." 

5ür  SBremen  bcftimmt  eine  S5crorbnnng  betr.  bic  Sfufi^fü^rung  bes 
©efe^eö  oom  6.  Februar  1875  oom  10.  December  1875^):  „?(enbcrung 

'r  3.^91.  StanbcSbcamte  1877  ^.  37. 
•)  il>Gi.  audi  ilor)(cv  @.  7. 
'•'}  Stonbe^beamtc  1877  (S.  27. 
*)  ©tanbeöbcamtc  187G  S.  :m. 


—    45     - 

bed  rcd|tlic^  geführten  Jiomend,  auci)  bt^  3Jornamcn^,  bleibt  aui5fd)IicB^ 
It(^  bein  ©enate  vorbehalten." 

Slad)  unfercr  Slnfid^t  ift  bie  in  Satjcrn,  '^reu&cn  unb  ©ad^fen 
ge^anbl^abte  ^rajid  bem  aieid^^gefcge  ni^t  entj^>red^enb.  SBir  galten 
ben  ©a$,  baß  eine  Sornamenigänberung  nur  bcnfbar  ift  mit  gleid)=^ 
jcitiger  3Seränberung  in  bem  ®eburtöregifter,  für  fe^r  beftreitbar.  1)cr^ 
felbe  finbet  unfcrer  Anficht  na6)  im  SReic^iSgefe^c  abfolut  feine  ©tü^c. 
I)iefeig  i)at  ebenfowenig  tvit  bie  gamiliennamenänbemng ,  bie  9?or^ 
nomenänberung  mit  obrigfeitlid|cr  ©rlaubniß  regeln  ttjoöen  —  e^  ^at 
bied  ben  Sanbei^gefegcn  überlaffen  —  unb  ebenf omenig ,  wie  eine  er^ 
folgte  5^miliennamenänberung  naä)  unferm  SReic^dgefe^  im  ©eburtiS- 
regifter  Äenberung  veranlaßt,  ift  bieö  bei  ber  Slenberung  ber  SSornamen 
bcr  ^all    ^m  :5ntereffe  ber  Sfleci^töfid^erfieit  märe   freiließ,  wie  bicö 

nad^  lanbe^gefeglid^er  SJorfd^rift  and)  bei  5öittilic"^rt"^^ttftwt>^^i*"9^Ji  9<^" 
fc^ie^t,  eine  Semcrfung  am  Slanbe  be§  ©eburtöregifter^ ,  bafe  e^  ber 
betr.  ^crjon  öon  bem  Sönige  u.  f.  w.  geftattet  worbcn  fei,  ben  SJor- 
namen  X  ju  führen,  am  $lage.  Sine  burd^  ätanbuermerf  ju  üott^ 
.^ie^enbc  ä  b  ä  n  b  e  r  n  n  g  beö  ®eburti§regifteri^  f reilidE),  mic  fie  bie  ange- 
füfjrten  |)cffi)^en  Slcüifionöbemerfungen  üorfc^reiben,  ift,  ba  feine  Sc- 
ri(^tigung  öorliegt,  ausigefci^loffen ,  aber  üon  einer  äbänberung  be§ 
©eburtiSregifteriS  bnrd^  Slanböermerf,  ift,  unfere^  @rad|ten^,  eine  auf 
(Srunb  lanbe^gefe^lid^er  33orf(^rift  erfotgenbc,  feineöweg^  eine  9lbänbe= 
rung  beö  ©eburtöregifterö  in  [i^  fdiließenbe  53emerfung  am  Staube  über 
bie  obrigfeitlid^  geftattete  SJornamen^änberung  n)ol)l  ju  unterfd^eiben. 

SBir  glauben,  ba§  bie  in  jeber  |)infidf|t  auggejcidinete  babifd^c  33er^ 
orbuung  aud^  ^ier  ba^  richtige  getroffen  \)at 

Dag  ein  fe^r  gro§eö  ^^ntereffc  an  ber  3?ornamcn!§änberung  beftcljen 
fann  unb  biefelbe  ba^er  in  ben  Sanbei^gefe^en  gu^ulaffeu  fein  wirb, 
bebarf  feiner  weiteren  ©rörterung. 

SBerfen  mir  nod^  einen  SBlidt  auf  bie  öftcrreid^ifrf)c  %H'afi£J. 
Saferer  tl^eilt  2  ÜKinifterialeutfd^eibungeu  Dom  23.  9l)?ai  187;}  unb 
9.  :JJuni  1877  mit,  meldte  ®cfud^e  um  äbänberung  ber  9?ornamen  ah 
uujuläffig  tjermerfen. 

S)cr  t)on  Saferer  felbft  vorgetragenen  !i)2einung,  eö  muffe  bie 
freiwillige,  otjne  ftaatlidje  Genehmigung  erfolgenbe  ?lenberung  ber  SBor* 
namen  für  juläffig   erftärt  werben,  wenn  nur  bafür  geforgt  ift,  baf; 


—    44     - 

Cabinet  bem  aJiittiftcrium  jur  äJcrfügung  jugcgangcnc  Qmmebiatüor* 
ftetlung  ttjirb  bafjin  beantwortet,  ba§  bem  äntrag  ber  SBittftcttcrin ,  ben 
i^reni  XJtnbe  t>on  feinem  SSater  beigelegten  83ornanicn  Sujifcr  njicber 
p  beseitigen,  ba  fein  SBcrid^tigung^ücrfafiren  ju  ©runbc  Itcgtr  ni^t 
ftottgegeben  merbcn  !ann. 

^%vi(i)  bie  föd^fifdie  ^rajiö  ftimmt  l^iermit  übetein.^) 

;3nbem  man  nnn  in  biejen  Staaten  ryon  bem  ©afec  aufgellt,  ba§ 
cine  SJornamen^änbcrnng  o^ne  gleid^jeitige  SSeränbcrung  im  ®eburt^. 
regiftet  unbenfbar  ift,  ^at  man  f)ier  bie  3wläifi9fcit  ber  SJornomcn^- 
änberung  über^anjjt  verneint.  2) 

3fn  anbeten  Staaten  bagegen  ift  bie  SJornamenöänbernng  mit 
obrigfeitIid)er  ©rlanbniß  für  jnläffig  erad^tet  worben.  I)ie  $Remfionö= 
bemerfungen  be^  ®roB^.  §cffifc^cn  SWinifterinmö  bei?  Qnftij  t)om 
18.  !I)ccember  1876»)  befagen  p  §  22:  ®inb  bie  SJornamcn  cines^ 
iSinbcö  gleidj3eitig  mit  ber  ®eburt  bes^felben  angezeigt  nnb  ber  Sfnjeige 
cntfprcd^enb  eingetragen  ttjorben,  fo  fönnen  anberc  ober  toeitere  2Jor^ 
namen,  a\iä)  tvcxin  fie  inncrijalb  ber  jnr  92amengebung  gcftattetcn  5^ift 
t)on  jmei  SKonatcn  jnr  Stnscige  gelangen,  öon  bem  Stanbe^beaniten 
nid)t  oljnc  SBeitere^  eingetragen  jocrben.  ©ine  Stbänbernng  ober  a?er- 
t)OÜftänbignng  bereite  eingetragener  3?ornamen  fann  öielmel^r  nur  im 
Sßegc  einer  oon  @r.  Sgl.  ^ofieit  bem  ©rogl^erjogc  ju  geftattenben 
Slamen^änberung  erfolgen,  öö  mirb  alfo  ^ier  eine  SBornamenipänberung 
bur^  bcn  ©roB^crjog  für  ftatt^aft  eradjtet  unb  in  ber  ^xaxM  l}öufi9 
geübt. 

gür  53aben  gilt  btc  fdjon  ermähnte  tanbe§l)crrlid;e  SBerorbnung 
00m  16.  December  1875: 

„Qnx  äenbernng  ber  SSornamen  genügt,  bag  bie  beabfid^tigtc 
Äeuberung  bem  3lmt^gerid)te  angegeigt,  uon  biefem,  menn  Ifin  ?lnftüub 
obmaltct,  bie  SJornamemöänberung  im  SBejirf^ücrfünbigungöblatt  r>a^ 
öffentlidjt  nnb  bem  Stanbc^beamten  be^uf^  ber  S3ormcrfnng  am  Stanbo 
bcö  ©eburtöregifter^  mitget^eilt  mcrbe." 

5ür  SBremen  beftimmt  eine  SSerorbnnng  betr.  bie  3[u^fü^rung  bee 
©efe^eö  Dom  6.  gebruar  1875  00m  10.  ^December  1875*):  ,,?(enberunrt 

•)-i<gt.  ©tanbcöbcomte  1877  S.  ^7. 
•')  i^gl.  aitc^  Jl'o^ler  @.  7. 
=')  Stanbcdbeamtc  1H77  ©.  27. 
*)  ©tanbcgbeamtc  187G  S.  831. 


—    45     - 

bt^  rcd)tlid)  geführten  5Wamcn«,  mid^  bc^  SJornamciiö,  bleibt  aui^fd)IicB^ 
lid)  bcm  Senate  vorbehalten." 

SWad)  unfcrcr  Änfi^t  ifl  bie  in  Satjern,  ^rcu^cn  unb  ©ad^fen 
gc^anb^abte  ^rajiö  bem  9lcid^i^gcfcgc  ni6)t  eutf^>red^enb.  SBir  galten 
ben  ©a^,  ba§  eine  Sornamenöänberung  nur  benfbar  ift  mit  QUid)- 
jcitiger  SSeränberung  in  bcm  ©cburtöregifter,  für  fe^r  beftrcitbar.  Dcr^^ 
felbe  finbet  unferer  3lnfid)t  nad^  im  SReic^iSgefcfee  abfolut  feine  ©tügc. 
IHcfeö  \)ai  ebenfotoenig  wie  bie  gamiliennamenänbemng ,  bie  SSor- 
namenänbcrnng  mit  obrigfeitlid|cr  ©rlaubniß  regeln  wollen  —  e^  i)at 
bieg  ben  öanbe^geje^en  überlaffen  —  unb  ebensowenig,  wie  eine  er^ 
folgte  Jamiliennamenänbcrung  nac^  unferm  SRei(^^gefeg  im  ®eburtö* 
regifter  Äenberung  üerantafet,  x^t  bieg  bei  ber  Slenberung  ber  SSornamen 
ber  ^att.  ^m  ;j5ntereffe  ber  9fle(^tgfid)erf|eit  wäre  freilid},  wie  bieg 
no(^  Ianbeggefe|Iid^er  3Jorfd)rift  aud^  bei  göinHi^nnamcnänberungen  ge= 
fc^ie^t,  eine  Scmerfung  am  älanbc  beg  ®eburtgregifterg ,  ba§  eg  ber 
betr.  ^erfon  öon  bem  Sönige  u.  f.  w.  geftattct  werben  fei,  ben  SSor- 
namen  X  ju  führen,  am  $Iage.  Sine  burd^  ätanbuermerf  ju  üott- 
^ieljenbe  Slbänberung  beg  ®eburtgregifterg  freiließ,  wie  fie  bie  ange* 
füfjrtcn  ^effifc^cn  3ieöifiongbemerfungen  tjorfd^reiben,  ift,  ba  feine  Sc^ 
ri(^tigung  t)orIiegt,  auggcfd)Ioffen ,  aber  üon  einer  Stbänberung  beg 
©eburtgregifterg  burdE)  SRanböermcrf ,  ift,  unfercg  ßra^teng,  eine  auf 
(Srunb  lanbcggefe^lid^er  33orfd^rift  erfolgcnbe,  feinegwegg  eine  3(bänbc= 
rung  beg  ®eburtgregifterg  in  fid[)  frf)lic§enbe  SBemerfung  am  9ianbe  über 
bie  obrigfeitlid^  geftattete  SJornamengänberung  wo^I  ju  unterfd;eiben. 

9Bir  glauben,  ba§  bie  in  jcber  |)infid^t  auggcgcidinete  babifd^e  Ser- 
orbnung  auc^  Ijier  bag  richtige  getroffen  ^at 

Da§  ein  fefir  grogeg  Qfwtcreffc  an  ber  SSornamengänberung  beftel^eu 
fann  unb  biefelbe  ba^er  in  ben  Sanbeggefetjen  ju^^ulaffen  fein  wirb, 
bebarf  feiner  weiteren  (Srörterung. 

SBerfen  wir  noc^  einen  SBIicf  auf  bie  öfterrcid|if^e  ^rajig. 
Saferer  tfieilt  2  2Rinifterialentfd^cibungen  Dom  23.  mai  1873  unb 
9.  ^mii  1877  mit,  weld^e  ®efudf|c  um  2fbänberung  ber  9?ornamcn  alg 
unjuläffig  verwerfen. 

Der  t)on  Saferer  fclbft  Dorgctrageneu  üÄeinuug,  eg  muffe  bie 
freiwillige,  o^ne  ftaatlidje  ®enel)miguug  erfolgenbe  ?(cnberuug  ber  SJor^^ 
namen  für  julöffig   crflärt  werben,  tvznn  nur  bafür  geforgt  ift,  baf^ 


—    46     -- 

bicfe  Äcnbcrung  ben  SBe^övbcn  gehörig  befannt  lucvbe,  i[t  unter  feinen 
Umftänben  bcijutretcn. 

35ai3  SScrbot  ber  pripaten  wittfürlic^en  Äcnberung  ber  gamilten^ 
namen  unb  ber  SSornamcn  ericibet  nun,  wenn  anö)  feine  Äu^na^me, 
fo  bod^  in  einem  ^aOe  eine  iDiobification. 

®ettjiffcn  ttaffen  t)on  ^erfoncn,  bereu  SBeruf  baß  ©te^en  in  ber 
Ocffentlid^feit  unb  ben  ftänbigen ,  mittelbaren  ober  unmittelbaren  3Ser* 
fe^r  mit  bcm  ^ublifum  crtjcifd^t,  ift  ei8  geftattet,  für  biefenSSerfe^r 
fid(|  angenommener  g^amilien»  unb  SJbrnamen  gu  Bcbienen. 

@!3  gehören  fjierfier  alle  Sünftler  (^Dialer,  S8ilbf;auer,  SJirtuofenu.  f.  tv.), 
alle  ^erfonen,  bie  bei  bem  Xl^cater  ober  t^eateräl)nlic^en  ^^nftituten 
a3efd)äftigung  aU  aui^übcnbe  9J?itglieber  finben  unb  bann  alle  ^^Jcrfonen, 
bie  fd^riftftetterifd^  t^ätig  finb.  Die  angenommenen  >Jiamen  (I^eater^ 
namen ,  ^feubont)mc)  bürfen  jebod^  tbtn  nur  in  bem  SJerfe^r  mit  bem 
^ublifum  jur  Änwenbung  gebrad^t  merben.  Den  93ef|örbcn  gegenüber 
bürfen  jrocifelöoljue  nur  bie  ttjal;ren  SZamen  t)on  ben  betreffenben  ^er- 
fönen  gebrandet  tt^erbcn,  I;öd^ften^  barf  ber  angenommene  üJJamen  mit 
bem  3wfafee  „genannt"  hinzugefügt  werben. 

üDa^  ^fcubontjm  ber  ©d^riftfteller  Ijat  reic^5gcfe^Iid;e  anerfcnnung 
gefunben  in  bem  §  11  beö  ^Jteid^^gefe^e^  über  baß  Ur^ebcrred^t. 

3;m  Uebrigen  gefjört  bicfeig  gange  ©ebiet  wol)l  nod^  me^r  ber  Sitte, 
alß  bcm  aicd^tc  an. 

S§  fann  feinem  3^c^fcl  unterliegen,  ba§  burd^  bie  f)äufige  3Jer 
taufd;ung  ber  angenommenen  Stamen  Ungelegeuljeiten  bereitet  unb 
namentlid^  Betrügereien  oerübt  merbcn  fönnen.  (£inc  Siegelung  ber 
I^eaternameui^üer^ältniffe  n^äre  waljrlicl)  am  ^lafee  unb  e^  fönnten  t|ier 
bie  J^eatermitglieber  felbft  mol^l  am  beften  einf^reiten. 

©rwä^nenöwertl)  ift  nod^  bie  3Scräuberung  beö  9lamenö  hei  Sin= 
tritt  in  baß  iSlofterj  anä)  Ijicr  mu§  ber  SBc^örbe  ber  in  ber  SBelt  gc* 
führte  5Wamc  ftet^  angegeben  merben. 

Das  oölferred^tlidje  ;3;nfognito  ift  ^icr  ebenfalls  aujufütjreu. 


47 


fünftes  S^apiiet. 


^a»  Steigt  am  9latnen. 

ffiir  gelangen  gur  legten  unb  jd^wierigftcn  S^age:  (Sibt  c^  ein 
^x\\)atxt6)t  an  bem  gömiliennamen ,  tüelc^en  Qfn^alt  f)ai  biefcö  SRed^t, 
faK§  c^  cjijlirt  unb  üon  weld^cr  9?atur  ift  eö? 

3)ic  ganjc  ^rage  ift  in  Üljcorie  unb  ^raji^  lebhaft  beftrittcn. 
(Jö  mag  barum  junäd^ft  t)erfud|t  werben,  einen  Uebetblid  über  bie  ücr- 
fd^iebenen  befte^cnben  Änfidjten  ju  geben. 

(Sine  SBemerf ung  über  bie  Änorbnung  be§  ©toffs  ift  ^icr  am  ^la^e. 

SBcnn  mir  öon  einem  ^riüatred^t  am  Familiennamen  rebcn,  fo 
Iä§t  ftd^  hd  ber  erften  SBetrad^tung  ate  ;3fnt)alt  biefe§  Sled^te^  folgenbe^ 
bcnfcn:  ^6)  ^abe  ein  ^riüatredfit  am  Slamen,  tüenn  id^  bered^tigt  bin, 
einen  mir  burd^  ®eburt  beftimmten  g^ntiliennamen  ftetig  ju  führen,  gc^ 
Tid()tli^  einen  mir  nad^  bem  ©efe^e  jufommenben,  aber  üon  mir  au^^ 
irgenbttjeld^en  ®rünben  nid^t  geführten  Siamen  ju  erftreiten,  ^f^ben,  ber 
mid^  an  ber  gö^^^ng  meinei^  gömiliennamenö  ^inbern  xoiU,  gerid^tlid)- 
jurüdfjuweifen* 

SSon  einer  Steige  derjenigen  nun,  tüelc^e  tin  ^ritatred^t  in  biefem 
@inne  annel^men  —  eine  3iei^e  Don  ©d^riftftellern  negirt  jebe^  ^rioat- 
red^t  —  wirb  bie  i^ragc  aufgeworfen :  :$5ft  baö  ^riuatred^t  am  9?amcn 
oud^  ein  SSerbinbungöred^t  !J)ritten  gegenüber,  ba§  f)n^t,  i)at  e^  ben 
weiteren  :3'^^öf*'  ^^6  ^^^  ^n^aber  cine^  beftimmten  Jö^^it^cnnuamcnsi 
auf  bem  3Bege  be^  Eioilprogeffeä  anberen  ^erfonen,  bie  biefen  Xiamen, 
o^ne  baju  Iraft  ®efe^e§  ober  burd^  legale  9?amen^änbcrnng  crmftd^* 
tigt  3U  fein,  alfo  unbefugt  führen,  bie  gü^^wng  biefeö  9iamcnö 
unterfagcn  fann?  ^iefc  JJragc  wirb  tl^eilweifc  bejaht,  t^eilwcife  uer«= 
ncint. 

SBeiter  mag  conftatirt  werben,  baß  fid|  mand^e  ÜÄeinung  auf  bie 
Sel^anblung  beö  juerft  über  ben  SSegriff  be^  ^rioatred^tö  ®efagten  gar 
uid^t  einlädt,  fonbern  btn  SBegriff  ^riuatred^t  am  9?amen  mit  bem  cioil- 
^jrojeffualifd^en  SSerbietung^red^t  Dritten  gegenüber  ibentificirt. 

®ir  betrad^ten  nad^  bem  ©efagten  nad)einanber  bie  ÜJicinungen, 
weld^e  ftatuiren: 


—    46     - 

bicfc  ?tcnberung  ben  SJc^övbcn  gcljörig  betannt  n?erbe,  ift  unter  feinen 
Umftänbcn  beijutretcn. 

Dag  SBerbot  bcr  pripatcn  willfürli^cn  Stenbcrunfl  ber  g^o^iK^n* 
namen  unb  ber  SJornamen  erleibet  nun,  n^enn  and)  feine  Sui^na^me, 
fo  bo^  in  einem  ^aUe  zinc  SD^obification. 

®cn)iffen  Jtlaffen  tjon  ^erfonen,  beten  Seruf  ba^  ©te^en  in  ber 
Ocffentlii^fett  nnb  ben  ftänbigen,  mittelbaren  ober  unmittelbaren  S5cr* 
fe^r  mit  bem  ^ublifum  erl^eifdfit,  ift  ei8  geftattet,  für  biefenSBcrfel^r 
fid)  angenommener  e^amilicn»  unb  asbrnamen  ju  bcbienen. 

(gö  getjörcn  Ijier^cr  alle  Sülnftler  (9)?aler,  SBilbfjauer,  35irtuofcn  u.  f.  w.), 
alle  ^erfonen,  bic  bei  bem  2:l)eatcr  ober  t^cateräl;nlic^en  :3fnftitutcu 
S3efd)äftigung  aU  au^übenbc  Witglieber  finben  unb  bann  alle  ^^crfonen, 
bie  fd^riftfteUerif^  t^ätig  finb.  35ie  angenommenen  9?amen  (I^eater^^ 
namen ,  ^feubontjmc)  bürfen  jebod^  eben  nur  in  bem  5Jerfef)r  mit  bem 
^ublifum  jur  «nmcnbung  gebrad^t  merben.  Den  93et)örben  gegenüber 
bürfen  jmeifet^olinc  nur  bic  n?al;ren  Flamen  wn  ben  betreffenben  "JJcr^ 
fönen  gcH'aud)t  werben,  Ijöd^ftenö  barf  ber  angenommene  Slamen  mit 
bem  3wfa§e  „genannt"  Ijingugcfügt  werben. 

Dag  ^feubomjm  ber  ®d|rift)teller  tjat  reid^ggcfei^lid^e  5lnerfennung 
gefnnbcn  in  bem  §  11  beg  aieid^ggcfcgcg  über  bag  Ur^eberredjt. 

^m  Ucbrigen  gehört  bicfcg  gange  Oebiet  mo^t  nod^  me^r  ber  Sitte, 
alg  bem  SRcd^te  an. 

®g  fann  feinem  3*^^^f^^  unterliegen,  bag  burc^  bie  häufige  3Jer 
taufd^ung  ber  angenommenen  9lamen  Ungelegentieiten  bereitet  unb 
namentlid^  ^Betrügereien  ücrübt  merben  fönnen.  Sine  {Regelung  bcr 
I^caternamcngüertiältniffc  ujäre  ttjaljrlid)  am  ^lafee  unb  cg  fönnten  ^icr 
bit  J^eatermitglieber  fclbft  moi^l  am  beften  einfi^rciten. 

®rtt)ä^nengtt)ert^  ift  nod^  bie  SSeräuberung  beg  ÜWamcng  bei  (Sin* 
tritt  in  bag  5i;iofter;  aud^  fjicr  mug  ber  Se^örbe  ber  in  bcr  äöelt  gc* 
füljrte  9?ame  ftctg  angegeben  werben. 

"^a^  t)ölferrcd;tlidje  ;3;"fW^*o  M'*  ^icr  ebcnfallg  angufüljrcu. 


47     — 


fünftes  S^apM. 


^a»  Steigt  am  9latnen. 

ffiir  gelangen  jur  legten  unb  fdfiwicrigften  i^xa^t:  &ibt  e^  ein 
^rioatred^t  an  bem  g^w^Wi^w^ön^cn ,  tüelc^en  ^n\)a\t  f)at  bicfcö  äted^t, 
faKö  e^  eftftirt  unb  üon  mcld^cr  9?atur  ift  es? 

3)ic  ganje  JJrage  ift  in  2:l;eorie  unb  ^xa^i^  lebhaft  beftritten. 
(£§  mag  barum  junädjft  t)erfud|t  merben,  einen  Uebcrblid  über  btc  üer^ 
fd^icbenen  beftc^cnben  Änfi^tcn  ju  geben. 

(£inc  33emer!ung  über  bie  Änorbnung  be§  ©toffs  ift  ^icr  am  pa^e. 

SBenn  mir  öon  einem  ^riuatred^t  am  JJamitiennamen  rcben,  fo 
Vd%i  fiä)  bei  ber  erften  SSetrad^tung  aU  ;3fn^alt  biefeö  '^t^6)t^^  folgcnbel^ 
benfcn:  ^ä)  f)abz  ein  ^riöatrcd^t  am  Slamen,  menn  id^  bercd^tigt  bin, 
einen  mir  burdfi  ®eburt  beftimmten  ^Familiennamen  ftet^g  jn  führen,  ge* 
rid^tli^  einen  mir  nad^  bem  ©efe^e  jufommcnben,  aber  üon  mir  awt^ 
irgenbmeld^en  ©rünbcn  nid^t  geführten  Siamen  ju  erftreiten,  ^f^ben,  ber 
mid^  an  ber  ^ü^rung  meinet  Familiennamen^  ^inbern  mü,  gerid(|tlid^ 
jurüdfjunjcifen* 

3Son  einer  SRei^e  !t)erjcnigen  nun,  n^eld^e  ein  $rit)atred^t  in  biefem 
Sinne  anncljmen  —  eine  3iei^e  Don  ©d^riftftellern  negirt  jcbeS  ^rioat^ 
red^t  —  n?irb  bie  i^rage  aufgemorfen :  ^ft  ba§  ^riöatred^t  am  9lamcn 
aud^  ein  SSerbinbungöred^t  Dritten  gegenüber,  baS  ^eigt,  Ijat  eö  bcn 
tüeiteren  :3^^§^f*'  ^^6  ^^^  ^n^aber  eines  beftimmten  JöwtiliennnamcnS 
auf  bem  ffiege  beS  EioilprojeffeS  anbercn  ^erfonen,  bie  biefen  Slamen, 
o^ne  baju  Iraft  ®efe^cs  ober  burd^  legale  üJiamenSänbcrung  crmäd^= 
tigt  ju  fein,  alfo  unbefugt  führen,  bie  gft^ning  biefcS  9JamenS 
untcrfagen  fann?  Diefc  JJragc  n?irb  t^eilmeife  bejaht,  t^eilmcife  t)er< 
netnt. 

®eiter  mag  conftatirt  ujerbcn,  baß  fid|  mand^e  ÜÄcinung  auf  bie 
Sc^anblung  beS  juerft  über  ben  SBegriff  beS  "iJrioatred^tö  ®efagten  gar 
tiid^t  einlaßt,  fonbern  ben  SJegriff  ^riöatrcd^t  am  Dramen  mit  bem  cioil^ 
^jrojcffualifd^en  3SerbietungSred|t  Dritten  gegenüber  ibentificirt. 

%3tr  betrad^ten  nad^  bem  ©efagten  nad)einanber  bie  3){einungen, 
n^elc^e  ftatuiren: 


—    48     - 

I.  ®ie  SWegation  jcbcö  5Wamcn$rcc^tei5, 

n.  ein  SWamcni^rcc^t  o^itc  SScrbictungiSrcci^t, 

III.  ein  SJcrbietung^ret^t  ÜDrittcn  gegenüber, 

L  35ie  ^legation  jebeig  ))rit)aten  5Wamcnigrcd)t«. 

Den  9tnfang  möge  ^ier  bic  I^corie  (Sincrt^^  madden. i) 

1)iefcr  conftatirt  tt)o^I  eine  ©itte,  ba§  n?ir  baö  el^elid^e  Sinb  nad) 
bem  SJater,  baö  une^eltd^e  .Sinb  nad)  bcr  3Kutter  nennen, 

„3)a^  eigentliche  3te^t  läßt  eS  jebod^  —  fal^rt  er  fort  —  bei  ber 
Sitte  bcmenbcn,  b.  fj.  es  [tort  fie  nid)t  unb  mißbilligt  fie  ni^t,  aber 
eö  beftätigt  fie  aixö)  nic^t  nnb  wanbeft  ben  ßuftanb,  ben  bie  ©itte  unb 
bie  ©enjo^nfieit  erjeugt  i)at,  m6)t  in  einen  9terf|t5juftanb.  3)aS  öJefe^ 
füljrt  feine  red^tlid^e  ^lot^menbigfeit  bc^  ©eburtönamenig  ein.  .I)as^ 
©efeg  erfennt  bei  ben  Siiomcrn  fo  wenig,  alä  mie  bti  unö  überhaupt 
ein  abfolnte^  unb  unbcbingtei^  S^amenöred^t  an.  @^  fci^üfet  nxä)t  barin, 
noä)  weniger  be^nt  cö  biefei^  JRcd^t  bi^  jum  Umfange  cineö  SJerbictungö:^ 
rcd)tö  au^." 

3ur  Söiberlegung  biefer  Änfid|t  möge  l^ler  nur  auf  bie  trefflid;en 
äu^f Urningen  ^crmann'ö^)  öerwiefen  werben,  ^ie  ©inert'fd^c 
Xlieoric  fte^t  unb  faßt  mit  bem  (Sa^c,  baß  ba^  ganje  9iamcnigwefeu 
nur  (Sadjt  ber  Sitte  fei  unb  bic  Unrid^tigfeit  biefer  ^nfid^t  liegt  bei 
einfacher  .^inweifung  auf  unfere  Dorauögc^enben  Äapitel  auf  ber  ^anb. 

Snf  einem  anbcren  ©tanbpunft  fteljt  91  ß  ß  I  e  r  in  feinem  Ücljrbud^c 
beö  beutfdjen  9SerwaItung^red|t^.3j  j)jcfer  beftreitet,  baß  baä  kt^t§^ 
inftitut  be§  9Jamen§  bem  @taat5==  ober  bem  ^riüatred^te  angefjöre ;  bai^- 
felbe  fei  lebiglid^  Sac^e  be§  fojialcn  SSertoaltung^red^teö,  ba  bic  5Wot^^ 
menbigteit  bcr  ^Wameuigfü^rung  an§  bem  gefcHfd^aftlic^en  ^ufammenlcbeu 
unmittelbar  cntfpringe,  unb  bie  ^Hegeln  berfelben  an§  bcr  gcfeUfc^aft^ 
liefen  )Ked^t^anfd^auung  pffen.  55er  2)Jeinung  9i  ö  ß  I  c  r '  ö  fd^licßt  fic^ 
and)  Jtafcrcr^)  an,  ber  übrigens  conftatirt,  baß  bic  i3fterreid^ifci^en 
Sd^riftfteller  ein  ^rioatred^t  am  Flamen  ancrlcnneii. 

3Bir  fönucn  mit  biefer  Stnfid^t  nic^t  übereinftimmen. 

&ani  rid^tig  ift  cö,  baß  bie  SWotfjmcnbigfcit  bcr  5rtamenigfü§rung 
an§  bem  gefcKfdjaftlidjen  ^^fammenlcben  cntfpringt  unb   bie  Siegeln 

')  ©inert  @.  109 ff. 

•)  @.  316  ff. 

•*)  m.  I  2)aö  focinfc  5?cnimttung*rct^t  S.  81  ff. 

*)  ft^afcrcr  (S.  14. 


-     49     - 

bcrfelbcn  auö  ber  gefcttfci^aftlid^en  5Rcc^ti8orbnung  flicken;  aber  ba^ 
Stcd^tiStiiftitut  bed  Sigent^umd  entfpringt  motjl  and)  aud  bent  gefeHfi^aft^ 
Itd^en  3wfatnntenIcBen^  rpie  bcffen  JRegcIn,  unb  wie  eine  priuatred^tlid^e 
Seite  beS  Sigent^untd  nid^t  geleugnet  werben  fann,  fo  faun  man  aud^ 
neben  ber  öerwaltungdreti^tHd^en  Seite  beig  5Wamen5inftitutö  eine  priöat^ 
xc6)ti\d}t  anerfennen. 

Äud^  ®  1 0  b  b  e  in  feinem  |)anbbud^e  be»  beutfd^en  ^ritjatred^td  ^)  bc* 
^anbe(t  ba^  9tec^t  am  92amen  unb  gwar  unter  ben  Steckten  an 
immaterieKen  Gütern,  inbem  er  ed,  fall»  üor^anben,  bem  Sutor^ 
re^tc,  bem  ^irmenred^te  u.  f.  m.  gleid^feftt. 

!X)ie  Sudfü^rungen  StobbeS  fd^eiuen  ba^iu  ju  gef)en^  bag  er  im 
allgemeinen  jcbe^S  ^riöatre^t  am  SJamen  leugnet,  bagegen  muß  er  gu* 
geben,  bag  in  einzelnen  ^articularred^ten  bie  Äuffaffung  jur  ®x=^ 
fc^einung  fommt,  bag  jeber  Ruberen  »erbieten  bürfe,  benfelben  5Wamen 
unbefugt  gu  fähren  unb  bag  ber  "^amt  @}egenftanb  be»  ^rogeffed 
werben  fönne. 

®ir  !ommen  nun  gur  Änfid^t  ^f^c^i^ifl'^/  niebergelegt  in  bem 
23.  SSanbc  feiner  i^^^^^w^cr,  in  bem  Äuffa^e  über  „Sled^tj^fd^u^  gegen 
injuriöfe  Sled^tdtjerlegungen".  Stuf  ©eitc  320  ff.  beljanbelt  Qf^  e  r  i  n  g  bie 
5rage,  ob  ber  ^riöatname  —  eine  fe^r  glücflid^e  SBejeiddnung  im 
©egenfage  jum  faufmännifd()en  9famen,  ber  girma  —  ®egenftanb  bei^ 
geiftigen  ©gentium«  fei  2)  bag  ^eigt,  ob  ber  Xrdger  be«  5Wamend  ein 
^Red^t  ^abe,  bie  Annahme  bcdfclben  einem  Änberen  im  SBege  bed  &mh 
projcffei^  }u  »erbieten. 

3; gering  untcrf treibet  brei  t^&Ut, 

1.  35ie  unbefugte  Annahme  eine«  SWameui^  nur  um  bed  9iamend 
widen, 

2.  bie  unbefugte  ?lnnal^me,  inbem  fid^  ber  unbefugte  3:räger  ^ier== 
burd^  für  ben  wirflid^  bcre^tigten  Präger  ausgibt, 

3.  bie  unbefugte  Annahme,  um  bie  3wgcl)örigfeit  ju  einer  bc^ 
ftimmten  JowiiKe  ju  bocumentiren. 

fjür  alle  brei  f^&Ut  unb  fomit  überfiaupt  leugnet  :j>^ering  ein 
priüatrerf)tlid^eö  3Serbietungdred^t  am  92amen  unter  fofgenber  aHotiöirnng : 

»)  «aitb  3  €.  52. 

*)  Söcring  üert^cibigt  in  bnn  gotanntcn  31uffa^c  ben  Sfgriff  be«  geiftigen 
C^igent^uiniS. 

Ccüi.    Soniamcn  unb  (totniltciinamcn.  ^ 


-.     50     — 

SJcjüglid)  be«  crften  ^aUt§  untcrfd^cibct  er  jwifd^cn  verbreiteten 
9lamen  unb,  mic  man  fic  tt>ol)I  nennen  fann,  9lameni8unifcn,  Den 
!Erägern  ber  erftgcnanntcn  Art  tjon  SWamen  tonne  ed  ööüig  qUiö)- 
gütig  fein,  ob  i^re  Qaf)l  noä)  nm  einen  vermehrt  mürbe,  nnb  für  bie 
SSßa^mng^beö  ig^^^'^^ff^^  ^^^  Zx'dQtx  ber  5Wamen«nnifen  an  ber  Slid^t- 
onna^me  bicfer  burd^  anbexe,  genilge  bie  ®eltenbmad^nng  bc«  ^f"*^'^^!!^^ 
burc^  ?[njeigc  h^i  ber  ^oligei. 

^m  jweiten  ^^aUt  Ijanbk  eö  fid^  gar  nid^t  nm  btn  9lamcn, 
fonbern  nm  bcn  9inf  beö  Xrägerig,  bie  SteUnng,  bie  i^m  ber  9iamen 
oerfd^afft ;  nid^t  ber  Slame,  fonbern  ber  9luf  beö  9lamenöträger«  merbc 
prit)atrec^tlid[)  gefd^ügt. 

Äud^  im  britten  ^^a&t  fame  ber  9lame  ni^t  aU  fold^er  in  Sc- 
trad^t,  fonbern  nnr  bie  Prätention  eine«  SJertoanbtfd^afti^t^er^äftniffci^, 
bie  ebenfogut  ol^ne  Snna^me  beS  92araenS  t)or  fid^  ge()en  fönnte. 

:3^cring  gefteljt  für  bie  jWet  legten  gäöe,  fall«  dolus  vorliegt, 
no^  gemeinem  9led)te  bie  actio  injuriarum  ju. 

Unferer  ?(nfid()t  nactj  liegt  ^ier  eine  33ermcd^fclung  üor.  3?^)^^^^^^ 
fe^t,  cntfpredienb  feiner  5CI&eorie  öom  ^riüatred^te ,  bad  materiell  ge^ 
fd^üfete  3:ntereffe  an  ©teile  bed  formell  gefc^üfeten  aie^t«.  ffid  ift  ja 
\)büxQ  rid^tig,  ba§,  greifen  toir  einmal  ben  g^U  in  l^eraud,  ber  Stn^ 
fjjrnd^  ber  ^amilicnangel^örigfcit  ®rnnblage  bed  ©treited  ift.  Aber 
biefer  Snfprnd^  ändert  fid^  bod^  formell  in  ber  annähme  bed  g^amilien* 
namend.  ^kx  ift  ber  "ißartei,  mag  materiell  bal^inter  Hegen  njad  h)ill, 
bie  ^anbljabe  jum  Eingreifen  gegeben  nnb  Q^^^^i^S  f^^M*  ^«6  bied 
anerf ennen ,  menn  er  am  Sd^lnffe  feiner  ?tndfn^mng  fagt :  •  „3)ie  Um» 
ftänbc  fönnen  in  bem  'Saüt  ber  unbefngtcn  Annahme  cincd  SWamend 
berartig  bcfd^affen  fein,  ba|  bie  ^ragc  tion  bem  Anredet  bed  SBettagtcn 
anf  ^ü^rung  bed  Slamend  mirfli^  jnjeifclljaft  ift.  Unter  biefer  JBor^ 
audfe^ung  würbe  bie  Slage  nad^  riJmifd^er  lerminologic  aid  ^rö- 
jnbigialttage,  nad^  Ijentiger  aid  3^eftftellnngdflagc  jn  bcjeid^nen  fein. 
SDJaterielt  gefprod)cn,  ber  Siid^tcr  l^ättc  nur  auf  Äbcrfennung 
bed  9ted|td,  nid^t  auf  ©träfe  ju  erf ennen. 

3tud^  ®  erb  er  toixb  ftänbig,  fo  aud^  öom  äJeid^dgcrid^t  in  ber 
JRei^c  ber  jenigen  genannt,  bie  ein  ^rioatred^t  am  5Jiamen  ni(^t  an* 
erfennen.   ®erber^)  verneint  jtoar  cnergifd^  bad  abfolute,  prit)atrcd{)t» 

*)  öJcrber,  S>ciitfc^c«  ^nüatrcdjt  9.  SCufloge  3.  80. 


—     51     — 

Uc^c  Scrbictungi^red^t  (mitteilt  Qmö)ili(i)tv  Slagc)  bagcgcn,  bag  ^^'"öwt^ 
einen  mit  unferm  Seamen  Ubereinftimmenben  Seamen  annimmt  nnb  con« 
ftatirt  ferner,  bag  nur  bic  SJermaltnngsJbe^örbc  berufen  ift,  bei  legalen 
3?amendänberungen  ha^  ^ntcreffc  bercr,  bie  im  SSefifte  ^iftorifc^er 
9iamen  finb  unb  biefc  an«fc^Iieglid|  beibehalten  rooUen,  ju  nja^ren,  ej3 
ift  jeboc^  fe^r  zweifelhaft,  ob  aui^  ben  ©orten  ©erbcri^:  „ffil^elid^e 
Ätnber  ffaben  ben  ^ömiliennamen  i^re^  SSatersJ,  une^eli^e  b^n  ü)xqx 
'JÄutter,  (S^efrauen  ben  il^re^  ffi^emanne^  unb  gn?ar  in  bem  ©inne, 
ba%  fte  nid^t  bloi^  ein  Stecht,  fonbern  aud^  bie  $f(id^t  jur  ^üf)rung 
bicfe^  iRamensJ  ^aben"  nid)t  gefc^Ioffcn  werben  fann,  bag  ®  erb  er 
ein  ^ritatrec^t  im  ©inne  unferer  Slaffe  II,  jU  ber  mx  je^t  übergel^en, 
ancriennt. 

IL   25ai8  ^ritjatred^t  am  Slamen  o^nc  35erbictnngör ed)t. 

|)ier  ift  nur  bie  Änfi^t  ^ermann^  anjufö^ren ^).  I)iefer  be- 
l^auptet  ein  prioateiS  ^lameni^re^t,  ba§  er  al^  ein  Sted^t,  .h)cldf)eö  au^ 
ber  ©fiftenj  unb  ©tellung  ber  '^Jerfon  entfpringt,  alö  ücrerblid^ej^ 
i3erfonenred^t  in  baö  ©tjftem  be^  bentfd^en  ^riöatred^tö  eingefügt 
miffen  mü,  infofern,  aU  jebe  ^erfon 

1.  ben  i^r  gufommcnben  5Wamen  führen  unb  gerid^tlid^  erftreiten, 

2.  t)on  jebem  5)ritten  bie  Änerfennung  beö  nac^  ben  ^Regeln  bdS 
^cä)t§  erworbenen  iWamene  oerlangen  unb  erftreiten, 

3.  ben  Familiennamen  auf  anbere  beftimmte  ^^Jerfonen  na^  ber 
Dom  pofitiüen  9ted()t  angegebenen  95Jeife  übertragen  nnb  ber  S?erlegung 
biefeiS  iRt6)i&  gerid^tlidj  entgegen  treten  fann.  'Dagegen  verneint  er 
ein  priuatred^tlid)cö  3Serbietungj^redf|t  mit  folgenber  9)iotit)imng : 

^n  jeber  wiUfürlid^cn  SJerftnberung  bei9  nac^  ben  SWegeln  beö 
iRtdfii^  erworbenen  Familiennamen^  liege  bie  SJerle^nng  eineig  Sa^eö 
be^  öffentlidien  3Jcd)t^,  beö  nämlid^,  bag  5Wiemanb  feinen  5Wamen  will^ 
!ürlid^  änbern  bürfe.  jDie  ÄbftcHung  biefer  25erle^ung  fei  ©ad|e  ber 
iSoIijei  ober  35ermaltungöbcf|örbe,  biefe  fönne  ex  officio  einf freiten. 
2Boöte  fie  ber  ©injelne,  beffen  5Wamen  willlürlic^  ein  Dritter  ange^^ 
nommen  l^at,  ju  biefem  Sinfc^reiten  üeranlaffen ,  fo  muffe  ber  9?ad^* 
rod^  genügen,  bag  jener  ben  iWamen  mit  5Rüdfid)t  auf  feine  ^erfon 
angenommen  t)abc.     Diefer  iWad^weii^  fei  feine  legitimatio  ad  causam. 

')  ^ermann  S.  334 ff. 


-     50    — 

SJcjüglid)  bc^  erften  ^aUt^  MUtcrfd^eibct  er  jroifd^cn  verbreiteten 
Slamen  unb,  wie  man  fic  todf)l  nennen  fann,  Slamendunifen.  Den 
Prägern  ber  erftgenannten  3lrt  t)on  Slamcn  !önnc  e^  Döllig  gleid^- 
giltig  fein,  ob  i^re  Qa\)l  nod^  nm  einen  tjcrmel^rt  mürbe,  nnb  für  bie 
SBa^rung^  bei^  Qfntereffe«  ber  Präger  ber  5Wamen«unifen  an  ber  ^i^t^ 
onna^me  btefer  burd^  anbete,  genüge  bie  ®cltenbmad^nng  be«  ^f'^tcreffe^ 
burd^  Sfnjeigc  bei  ber  ^oligei. 

^m  jweiten  i^aUt  Iianblc  t^  )i6)  gar  nid^t  um  ben  5Wamen, 
fonbern  um  ben  9iuf  be«  Xrägerig,  bie  ©tellnng,  bie  itjm  ber  Warnen 
üerfc^affl ;  nid^t  ber  Slame,  fonbern  ber  9tuf  beö  ^Wamenis^trägerö  merbe 
priDatred^ttid^  gefd^ü^t. 

Äuc^  im  britten  Jötte  fame  ber  5Jamc  ni^t  aU  fold^er  in  ©e^ 
trad^t,  fonbern  nur  bie  Prätention  eine«  SJerwanbtfd^aftööcr^ältniffc«, 
bie  ebenfogut  o^ne  IRnna^me  be«  92amen«  t)or  ftd^  ge^en  fönnte. 

:3^ering  gcfteljt  für  bie  jmei  legten  ^Mt,  fall«  dolus  vorliegt, 
nac^  gemeinem  9ted()tc  bie  actio  injuriarum  ju. 

Uuferer  Stnfi^t  nad^  liegt  §ier  eine  33ertücd^felung  üor.  Q^ljerilig 
fegt,  cntf))red()enb  feiner  Il&coric  vom  ^rivatre^te,  ba«  materiell  ge= 
fd^ügtc  3:ntereffe  an  (Stelle  bc«  formell  gcfd^ügten  fRec^t«.  @«  ift  ja 
völlig  rid^tig,  ba§,  greifen  wir  einmal  ben  ^aU  III  ^erau«,  ber  Än^ 
fprud^  ber  fjamilicnange^örigfeit  ®rnnblage  be«  (Streite«  ift.  Aber 
biefer  Änfprud^  äußert  fid^  bod^  formell  in  ber  ?tnna^me  be«5omilien* 
nameu«.  .^ier  ift  ber  'ißartei,  mag  materiell  ba^inter  liegen  tt)a«  will, 
bie  |)anbl)abe  jum  Singreifen  gegeben  unb  ;3!^^^i"8  f^'^'^f*  ^"6  ^^^^ 
anerfcnncn,  menu  er  am  Sd^luffe  feiner  ?lu«fü^rung  fagt:„3)ic  Um- 
ftänbe  fönnen  in  bcm  5<^lle  ber  unbefugten  Annahme  eine«  5Wamen*3 
berartig  befdiaffcn  fein,  ba§  bie  ^^^ge  Von  bem  Anredet  be«  Seflagtcn 
auf  gii^rung  be«  Slamen«  wirflid^  jtveifelljaft  ift.  Unter  biefer  SBor= 
au«fegung  tvürbe  bie  Slage  nad^  römifd^er  Terminologie  al«  ^rä* 
jubijialflagc,  na^  l^eutiger  al«  3^eftftenung«!lage  ju  be3eid[)neu  fein. 
SDJaterietl  gefprod)en,  ber  9lid^ter  f)atte  nur  auf  Äbcrfennnng 
be«  Sttc^t«,  niddt  auf  ©träfe  ju  erfennen. 

3tud^  ® erber  Jvirb  ftänbig,  fo  axidj  vom  9{cid(i«gerid^t  in  ber 
Slei^c  berjenigen  genannt,  bie  ein  ^rivatred^t  am  SJiamen  nid^t  an« 
crfenncn.    (Serber^)  verneint  gwar  energifd^  ba«  abfohlte,  privatrcdjt* 


*)  OJcrber,  2)cutfcl)c«  ^riuatvec^t  9.  ^Cuflaßc  ®.  80. 


—     öl      — 

li6)C  Serbictutiflörcd^t  (mitteilt  gerid^tlicl^ct  Slagc)  bagcgcu,  bag  ^^"^^"t^ 
einen  mit  unferm  9?amen  übcrcinftimmenbcn  9?amcn  annimmt  nnb  con* 
ftatirt  ferner,  ba§  nnr  bic  SJcrwaltnng^be^örbc  berufen  ift  bei  legalen 
3?amendänberungen  ba^  ^ntcreffe  berer,  bie  im  SBefi^e  ^iftorifd^er 
9iamen  finb  unb  biefe  an«fd^Iie§Iici()  bcibefialtcn  wollen,  ju  magren,  cö 
ift  jeboc^  fe^r  jnjeif el^aft ,  ob  an^  ben  333orten  ©erberi^:  „®l^elic^e 
Ätnber  ^abcn  ben  Familiennamen  i^reö  3Sater^,  nne^eli^e  ben  i^rer 
ÜÄutter,  S^efranen  ben  ii)vt^  (S^emanneö  unb  jn?ar  in  bem  ©inne, 
ba%  fie  nid^t  bloö  ein  Siedet,  fonbern  aud^  bie  '^flid^t  jur  Jö^^wfl 
bicfeg  9?amen^  i)ahz\V'  nid^t  gefd^loffen  werben  fann,  ba%  ®  erb  er 
ein  ^riüatred^t  im  ©inne  nnferer  ftlaffe  II,  ju  ber  wir  jegt  übergel^en, 
ancrfennt. 

IL   25aiS  ^riüatred^t  am  92amen   o^ne  35erbietnng^r ed)t. 

^ier  ift  nnr  bie  Änfid^t  §ermann^  anjufii^ren i).  JJiefcr  bc^ 
^anptet  ein  priüate^  9iameuöred^t ,  ba^  er  al^  ein  Med^t,  .weld^eö  an^ 
ber  ©jiftenj  unb  ©tellung  ber  iperfon  entfpringt,  alö  üererbli^eig^ 
^crfonenred^t  in  ba^  ©tjftem  beö  beutfd()cn  ^riüatred^tö  eingefügt 
wiffen  will,  infofern,  aU  jcbe  $erfon 

1.  ben  i^r  jufommenben  5rtamcn  führen  unb  gerid^tlid^  erftreiten, 

2.  üon  jebem  "I^ritten  bie  Änerfennung  be^  nac^  ben  ^Regeln  b^ 
9ied^t^  erworbenen  9?amenö  verlangen  unb  erftreiten, 

3.  ben  S^amiliennamen  auf  anbere  beftimmte  ^iJerfonen  nad^  ber 
üom  pofitiöen  SRed^t  angegebenen  SSJeife  übertragen  unb  ber  SJertcgnng 
bicfe^S  3fled^tö  gerichtlich  entgegen  treten  fann.  3)agegen  verneint  er 
ein  prioatred^tlicljeö  SJerbietungi^red^t  mit  folgenbcr  9)totit)irung : 

^n  jeber  willfürlid^cn  35cränberung  beö  nac^  ben  Siegeln  bei^ 
ifltifi^  erworbenen  gamiliennamenö  liege  bie  SJerle^ung  eined  ©ageiS 
be^  öffentlid^cn  Sled^ti^,  beö  nämlid^,  ba§  9?iemanb  feinen  5Wamen  will^^ 
!ürlid^  änbern  bürfe.  I)ie  Äbftellung  biefer  23erle^ung  fei  ©ac^c  ber 
•^JoHjei  ober  35erwaltung^bel|örbe ,  biefe  lönne  ex  ofücio  einf freiten. 
©oöte  fie  ber  ©injelne,  beffen  9?amen  willlürtid)  ein  Dritter  ange* 
nommen  l^at,  gu  biefem  Sinfc^reiten  Deranlaffen ,  fo  muffe  ber  "Sflai)^ 
weiö  genügen,  ba§  jener  ben  iWamen  mit  SRücffid^t  auf  feine  ^erfon 
angenommen  f)abQ.    Diefer  $Wad()Weiö  fei  feine  legitimatio  ad  causam. 

')  Hermann  ©.  334 ff. 

4* 


—    52     — 

X)urd^  Äufred^tcr^altung  ober  §crftettung  bcr  Scftintimiugen  bcsJ 
öffcutltd^cn  iticd)t^,  werbe  fein  ^nterejfc,  bafj  fein  SWamc  niti^t  mittfürlic^ 
tjon  einem  Dritten  angenommen  werbe,  {)inrcic^enb  gewalirt. 

5Bir  gelangen  nnn 

ni.  3"^  ®  c*^ö^t^"9  ber  änfid^ten,  weld^e   ein  prioat- 
red^tlid^eg  SJerbietnng^rec^t  ancrfennen. 

2Bir  wollen  mit  SB  i  a  r  b  a  beginnen.  I)ief er  bel^auptct,  bcr  9'iame 
fei  bag  priüatiöe  ©igentljum  einej^  ®efd^Ied^tö  nnb  folgert  ^ieranig,  bafe 
9?iemanb  in  3iücffic^t  anf  bicfc  5'^niilie  \iö)  beren  Seamen  eigenmäd^tiger 
aöeife  anmaßen  bilrfe.^) 

2:1^ on  in  feinem  SBud^e  über  Stei^t^norm  nnb  fnbjectiüe^  9led)t-) 
ftatnirt  einen  priüatrec^tlid^en  Sfnjprud^  auf  Unterlaffnng  ber  ^ü^rung 
eineö  3^mitiennameng  unb  rechnet  i^n  ju  ben  ^riuatanfprüc^cn,  wcld^c 
unmittelbar  ben  ©d^u^  eine^  perfönli^en  ®uteg  ju  realifircn  bc- 
ftimmt  finb. 

Söefelcr  in  feinem  Softem  beö  Deutfc^en  ^riüatrcd^t^  (§  57) 
ftellt  folgenbe  <Sä|e  auf: 

a.  Der  ^flid^t  bcr  Slamen^fii^rung  entfprid^t  baö  Siedet  auf  bie= 
fclbc.  (£3  liegt  f|ier  ein  ^rit)atred)tgüer^ältniß  üor,  fraft  beffen  $Jeber 
bic  S5efugni§  ^at,  9?amen  unb  Sd6)tn  ju  füfiren,  wcld^c  bie  äußeren 
Äenn.^cidjcn  ber  5<^n^ifi<^«önge^örigfeit  fmb,  bem  Dritten  aber  bie  An- 
maßung berfclbcn  im  Eiöilrcd^t^wege  ju  verbieten. 

b.  ®egcn  bie  unbefugte  5"^^wng  beg  9iamcng  ift  im  Allgemeinen 
jebem  5<*milicnmitgltcbc ,  wcld^cg  ein  Q^ntcrcffe  unb  jwar  nid^t  auö^ 
fd()Iießlid)  ein  Dcrmögengred^tlid^cg  Qntcreffe  bartljun  fann,  bag  @in* 
fpruc^gred^t  ju  gcwötiren. 

?(ud^  bic  ?(ugfü^rungen  t)on  ©arc ig,  in  beffen  @runbri§  ju  SSor- 
lef ungen  über  bag  beutfd^e  bürgerlid^c  SRed^t  ^)  unb  in  58  u  f  d^ '  g  Ärd^ip 
für  ,^anbclg*  unb  3öcd)fclrcd)t  SBanb  35  .^eft  3,  crfcnncn  ein  ^ri\)at* 
red)t  am  5Wamen  an. 


\)  ^tavba  @.  259  ff.  ermähnt  and)  ein  merhuürbtgeö  ^nalogon  gnm  prtuot^ 
rec^tüd)«!  SBcvbotc  bcr  Jü^vung  bc«  ^^'"^^^'^""o^"^"^  ci"^^  Sfnbcren.  |[uf  Slntroji 
beS  Sd^tpängcrcrd  ^aben  uämHc^  einzelne  ^eric^tc  ^UH'fiigungcn  bafytn  er(<iffen  ,  bdg 
ein  nnf{)c(id)rd  Slinb  mit  beS  <S(!)n)änqcverd  ober  beffen  näc^fter  ^^ermonbte»  Vorname 
nidjt  bei  bcr  2^nufe  belegt  merben  fönne. 

-)  S.  153. 

•')  öJrunbriB  §  40,  §  42. 


—    53    — 

®areiö  reluct  baö  9icd)t  am  Flamen  ju  bcn  ;3[nbioibuaIrcd^ten,  ^) 
dnct  Klaffe  tjon  Sftcd^tcn,  in  bic  aud^  ba^  SKarfcnred^t ,  Ur^ebcrrcd^t 
u,  f.  ttj.  gehört,  unb  twelve  er  im  Änfd^Iuß  an  bic  Se^te  von  ber  ^er== 
fon  bc^anbelt.  ©egcnftanb  biefer  9?ed)tc  ift  baö  ignbioibimm,  bic  Sc- 
i^ätigung  bci^  Q^nbioibuumig  aU  i^nbimbuum  unb  baö  Siamen^rcc^t  ift 
an^  bcm  ®runbe  Qnbioibualredit,  ba  c^  auf  bem  Iricbe  besJ  ÜRenfd^en 
bafirt,  fid^  aU  :JJnbit)ibuum  ancrfannt  ju  fcljcn,  toeld^cm  Jvicbe  eben 
bic  SRc^töorbnung  burd^  rcdjtlic^e  Slncrfcnnung  unb  ^^ni^  cinci^  be= 
ftimmtcn,  baig  ;3[nbioibuum  tenntlidf)  mad^cnben  9?amcnö  nad^fomme. 
O^nc  3^^^^f^^  cr!ennt  ®arei^  ein  ^riöatrcd^t  am  S^iamen  im  ®inue 
unfcrer  Klaffe  II.  an.  93ei  aSerneinung  ber  üöttigen  (Sjclufiöität  lägt 
er  aber  auc^  einen  ijjutereffenfd^u^  bur^  prit)atrcd)tlid^e  Klage  in  gwci 
f^älten  gu 

1.  tpcnn  burd^  bic  unbefugte  annähme  bci^  9iamen^  ein  Setrug^* 
tl^atbeftanb  gegeben  ift, 

2.  wenn  burd^  bic  unbefugte  Ännafime  bic  SSerlegung  eineö  Slutor^ 
xtä)t§  gegeben  erfd)eint. 

ßng  an  bic  ®arciig'fc^en  ?Iu^fül)rungen  f daliegt  fid^  bic  3(nfid)t 
Sofilcr'^,  ju  bereu  S^aracterifirung  xoix  jegt  übergeben  motten.-)-^) 

(Die  Äört^cr^  unb  ©eiftcöfräftc ,  fo  bebucirt  Koller,  finb  ved^t* 
lid^  gefd)ü|te  Filter.  9iid()tig  ift  ber  (Sinwanb,  baß  bic  ÖJcfammt^eit 
ber  Körper:'  unb  ®eifteöfräfte  bic  ^erfönti^feit  au^mac^e,  ba§  bicfelbe 
uic^  jugleidj  9{ed^t)g^@ubject  unb  Object  feine  fönne,  ba  ein  ©anjc^ 
uid^t^  Änbere^  fein  fönne,  aU  bic  ©umme  feiner  Itjcilc.  Der  ©ffcct 
ber  3ufammcnn?irfung  aller  Steile  bilbct  jebod^  eine  neue  ©röfee, 
weldje  bcn  I^eilcn  felbftänbig  gegenüber  fteljt.  S)a§  )JlcdE)t  an  ber 
©efammt^eit  unfcrer  Körper*  unb  ®ciftc^fräftc ,  unfcrer  pcrfönlid^en 
®iiter,  weld^eö  Stecht  bie  integre  SJenu^ung  biefer  ©ütcr  unb  ben  in- 
legren  ®enuB  berfelben  garantirt,  ^ei§t  nun  paffeub  ^nbiüibualrcdjt. 
^icfciS  3^nbi\)ibualrec^t,   an  fid^  nur  eincig,   jcrfplittert  fic^  nac^  iier* 

M  ^^l  andf  no(^:  ÖJareiS  in  Hartman n'd  3^^^?^^^^  f"^  (äcfc^qcbung  iinö 
^rajrid  auf  bem  öJebietc  beö  beutfc^cn  öff entließen  Siecht«,  3.  ^al^rgong,  iPevlin  1877 
^.  137  ff. 

*^  ^gL  ^o^lcr,  1.  in  bcn  Jo^rbüc^ern  für  bie  3)ogmotif  bcS  heutigen  römifd)en 
unb  bcutfcften  ^rioatre(^t^  ©anb  18,  S^a^rgong  1880,  2.  bcffen  SRet^t  be^  2)krfen^ 
^u^f«  SBürjburg  1884,  ©cite  6  ff. 

^  9(u(^  ü.  IMgt  in  feinem  Ji^e^rbnc^  beö  beutfc^en  Strafredjte^ ,  2.  5(uf(ogc, 
©erlin  1884  @.  31)9  ff.  erfennt  ben  5?egvtff  nnb  bic  2)cfinition  bei*  3nbioibuaIrec^tc 
an  unb  rechnet  gu  biefen  ba«  ^Jiamen»,  girmcn*  «nb  9Worfenrecfjt. 


—     52     — 

"Durc^  Jlufrcc^tcrijaltung  ober  §crftcttung  bcr  Scftintmungen  bcs« 
öffcutlid^cn  Mcd)i^,  loerbc  fein  ^ntereffc,  baf3  fein  SWame  niti^t  mitttilriic^ 
tjon  einem  Dritten  angenommen  werbe,  Ijinreic^enb  Qma\)xt 

5Bir  gelangen  mm 

III.  3wr  Betrachtung  ber  Änfid^ten,  welche   ein  prioat- 
rcd^tlic^c^  SJerbietnngi^rec^t  ancrfennen. 

SBir  n?oHen  mit  SB  i  a  r  b  a  beginnen.  CDiefcr  bcl^aut^tct,  ber  yiamt 
fei  ba^  priijatioe  ©gentium  einc^  ®ef^Iec^t§  unb  folgert  ^ierauiS,  bafe 
5Wiemanb  in  {Riidfic^t  auf  biefe  Familie  fic^  bereu  Flamen  cigenmäd^tiger 
SBeife  anmaßen  bürfe.i) 

21) on  in  feinem  SBud^e  über  Stei^tignorm  unb  fubjectioei?  SHcdit*) 
ftatuirt  einen  pritjatrec^tlid^cn  Sfnjprucl^  auf  Unterlaffung  ber  gü^rung 
einei^  ^ömiliennamen^  unb  rechnet  i^u  ju  ben  ^rioatanfprüd^cn^  toeldie 
unmittelbar  ben  ©d^ufe  einest  perfönli^en  &nk§  ju  realifircn  be^ 
ftimmt  finb. 

SBefelcr  in  feinem  @t)ftcm  bed  Dcutfd^cu  ^ßriüatred^td  (§  57) 
ftellt  folgenbc  Säge  auf: 

a.  !J)er  ^flid^t  bcr  5rtamendfiit)rung  entfprid^t  ba^  Siedet  auf  bic^ 
fclbc.  (So  liegt  ^ier  ein  *i|}riDatred|töt)er^äItnig  oor,  fraft  beffen  Qf^ber 
bic  S5efugni§  ^at,  iWamen  unb  3^^^"  i^  führen,  njeldfic  bie  äußeren 
Äennijcidjen  ber  ^^"^ilicnangctjörigfeit  ftnb,  bcm  3)ritten  aber  bie  An- 
maßung bcrfelbcu  im  Siüilred^tdwegc  ju  verbieten. 

b.  ®egeu  bie  unbefugte  ^ii^li^ung  bed  9lameud  ift  im  Ättgcmeincn 
jcbem  fjamilienmitglicbc ,  wcld^ed  ein  :3fiit^^cffc  unb  jmar  nid^t  and^ 
fd)Iic^(id)  ein  uermögeudrec^tlic^cd  ^ntercffe  bartfjun  fann,  bad  ®in* 
fprud^dred[)t  ju  gemät)ren. 

"Und)  bie  ?(udfü^rungen  üon  ®  areid,  in  beffen  Öirunbrife  ju  SSor^ 
lefungen  über  bad  bcutfdie  bürgerlid^e  9ledt)t  •^)  unb  in  Sufd^^d  Ärd^iii 
für  ,^anbcld*  unb  3Bed[)feIred()t  SBanb  ^55  ^cft  3,  erfennen  dn  ^rinat* 
red^t  am  92ameu  an. 


M  Siavba  @.  259  ff.  erttiä^nt  andj  ein  mer!n)ürbtged  9(na(ogon  ^um  pvivat- 
re(f)tüc^cii  S3erbotc  bcr  5"^vunfl  bcö  Jamiüennamcn«  eincS  Stnbcren.  Auf  Antrag 
bed  Sdiipäitgcver;^  l^aben  immtid)  einzelne  (^eric^te  ^Verfügungen  ba^n  erlaffen  ,  bog 
ein  une^cfit^r^  $linb  mit  beS  (Sd)mdngercrd  ober  beffen  nac^fter  $ern)anbteu  l^ornauic 
nid)t  bei  ber  Xaufe  belegt  werben  tonne. 

-)  S.  153. 

•')  (iJrunbriö  §  40,  §  42. 


—    53    — 

®  a  r  c  i  ö  rechnet  baö  9icd|t  am  Flamen  jw  i^cu  ;JJnbiöibuaIreci^tcn,  *) 
einer  Slaffe  tjoti  9icd|tcn,  in  bic  audd  baö  SKarfcnrcd^t ,  Ur^cbctrc^t 
u.  f.  tv.  Qtf)6xt,  unb  mcl^c  cr  im  Änfd^Iufe  an  bic  Seigre  tion  ber  ^cr^^ 
fon  bc^anbclt.  ©cgcnftanb  biefcr  SRed;tc  ift  baö  ij^nbioibunm,  bic  93e= 
t^ätigung  be^  :^nbtt)ibuum<S  al^  Qnbimbuum  unb  ba^^  S^amcm^red^t  ift 
an^  bcm  ®runbc  Qnbioibualredjt,  ba  c^  ouf  bcm  Jricbc  bcsJ  9Jicnfc^en 
Bafirt,  fid^  al^  ^nbioibuum  ancrfannt  ju  fc^cn,  mcld^cm  Iriebc  eben 
bic  SRe^j^orbnung  burd^  red^tli^c  Äncrfcnnung  unb  'Bä)ni^  cinc^  be- 
ftimmtcu,  ba§  ;3nbioibuum  fenntlidi  mad^enben  9Jamen§  nad^fomme. 
£)^nc  S^^if^f  erfcnnt  ®arcii§  ein  ^riöatred^t  am  S^iamen  im  ©inue 
unfcrer  iSIaffe  IL  an.  93ei  93erncinung  ber  üöttigcn  ©fchifiüität  Iä§t 
cr  aber  and)  einen  ijjntcreffenfd^n^  bnrc^  priüatred^tlid^e  tiage  in  gn^ei 
t^äUen  3U 

1.  tpcnn  burd^  bic  unbefugte  Sfnna^me  beS  9iamen§  ein  Setrug§=^ 
t^atbcftanb  gegeben  ift, 

2.  menu  burd^  bic  unbefugte  Annahme  bic  SJerle^ung  eincö  Äutor^ 
xed^tiS  gegeben  erfd^cint. 

(Sng  an  bie  ®areiig'f^en  8lui^füt)rungen  f daließt  fid^  bic  Slnfid&t 
Sto^Ier'^,  gu  beren  S^aracteriftrung  tt)ir  jegt  iibergcficn  molten.-)^) 

Die  Äbrpcr-  unb  ©eifteöfräfte ,  fobebucirt  Stolzier,  finb  red^t* 
üä)  gefd)ü^te  ®üter.  5ßid()tig  ift  ber  ©inmanb,  b'a§  bic  ©efammt^cit 
ber  Äörper*  unb  ©eiftc^fräftc  bie  ^^erfönli^feit  auömad^c,  ba§  biefelbc 
nic^  Sugleidj  9teddtiS=@ubject  unb  Object  feine  fönne,  ba  ein  ©aujce^ 
nic^t^  Änbereö  fein  fönne,  aU  bic  Summe  feiner  2t)cilc.  Der  ©ffcct 
ber  ßufammenmirfung  aller  J^eile  bilbet  jebod^  eine  mnt  ©röfec, 
tueldje  ben  I^cilcn  felbftänbig  gegenüber  fteljt.  Da^  3lcdE)t  an  ber 
®cfammt^eit  unferer  Sbrper«^  unb  ®eiftcöfräf tc ,  unfercr  perf Unlieben 
Öüter,  welc^eö  Oicc^t  bic  integre  öenu^ung  biefer  ©iitcr  unb  ben  in^ 
legren  ®enu§  berfclben  garantirt,  Ijei^t  nun  paffeub  ^J^^i^ibualred^t. 
Diefcig  iQfnbimbualrcd^t ,  an  fid^  nur  cineö,   jerfplittcrt  fic^  uad^  öcr- 

*)  ^cjl.  audj  noc^:  ÖJorciS  in  |)nrtmonn'ö  3fitW^if^  f"^  QJcfc^flebnng  iinb 
^royi«  oiif  bcm  ©ebietc  bc§  beutfc^cn  öffentlichen  ^«dft^,  3.  3o^^9öng,  JPevlin  1877 
^  137  ff. 

*)  35g(.  ^o^ter,  1.  in  ben  Jfa^rbüc^etn  für  bic  3)ogmati!  bci§  heutigen  römifd)en 
unb  beutf^cn  ^riüatrcf^t«  ©anb  18,  ^a^rgang  1880,  2.  bcffen  9icc^t  bcä  SD^orfcn- 
ff^u^«  SBürgburg  1884,  Seite  6  ff. 

')  9lu(^  ü.  V?i6t  in  feinem  il^c^rbuc^  be«  beutft^en  (5trafred)tc« ,  2.  SCuflage, 
©crltn  1884  @.  309  ff.  erfcnnt  ben  5^egriff  nnb  bie  2)cfinition  ber  Snbiuibuolrcc^tc 
an  unb  rechnet  jn  biefen  bog  !Jiamen»,  5*^^'"^"*  "nb  SWarfenrcrfjt. 


—     54    — 

fd^iebcncn  SWtd^tungcn,  ha  bie  pcrfbulid^cn  ®üter  ücrfd^iebcnc  ?{tt9riff^- 
punftc  mit  t)crfd|icbencn  Sd^u^mittcln  ^abcn  unb  neben  bicfcn  Oiitctn 
genoffcnfdiaftlid^e  ginrid^tungcn  beftcfjen,  tt>cld^c  jnr  Sfu^fc^cibnng  unb 
J^nbiuibualifirung  bcr  jeweiligen  ^unctionäre  gegeben  finb.  ®&  tft  ba- 
lder aud^  vid^tig,  Don  einer  ÜRe^r^eit  üon  ^nbioibualred^ten  jn  fpred^en. 
Qu  bicfcn  Siechten  gehört  nun  anä)  ba§  SSe^t  ju  öcrlangen,  bafe  ba^ 
.:j$nbimbuum  alig  fold^Cig  in  feiner  Sefonbcrl)cit  unb  QjiWmbualitilt  an* 
erfannt  unb  jcbe  SJcrmifd^ung  mit  anbcrcn  Qnbioibuen  ferngehalten  tt?irb. 

3u  bicfem  ®ef)ufe  tjat  ber  S?crfc(jt  ein  @rfennung§jcid^cn  ge* 
bitbet,  bcn  iWamcn.  ®ö  ift  fomit  ein  priüated  S'Zamcnj^rec^t  ju  con* 
ftatiren.  ®ö  ift  bie§  ba^  SRed^t  auf  ?(u§fd)eibung  bc«  ^f"^^^^^""^^ 
burd^  ba^s  2Webium  bcö  9iamcng,  baö  Mec^t  beg  ^nbimbuumö  auf  bie* 
jcnige  ©nrid^tung,  welche  nöt^ig  ift,  um  bie  eine  ^^nbimbualität  üon 
bcn  übrigen  gu  fd^eiben.  üDicfeö  aied^t  crjcugt  mit  SRcd^tönotf^mcnbigtcit 
einen  ?lnfpruc^  gegen  jebcn  Störcr,  alfo  gegen  i^^^^cn,  ber  bcn  9?amcn 
in  conf unbirenber ,  9Jertt)Cc^felung  errcgenbcr  JBcife  ufurpirt,  unb  mit 
bem  ?tnfprud^  ift  bk  actio,  baö  9iecf)t  ber  gcrid^tlic^en  SScrfoIgung, 
gegeben.  S)ie  Slage  get)t  auf  Unterlaffung  weiterer  Störung  unb  ba§ 
Urt^eil  wirb  bementfpred)enb  ooHjogen. 

kluger  feiner  inbioibueKen  Sebcutung  fann  bcr  SWamc  aud^  nod^ 
einen  familtenredfitlid^en  Gl^arafter  Ijabcn,  fofcrn  burc^  i^n  nt^t  nur 
baö  Qfnbitjibuum  bcjcic^nct,  fonbcrn  aud^  feine  änge^örigfeit  ju  einer 
bcftimmtcn  ^Jamifie  erfennbar  gemad^t  wirb.  @i^  ertjcbt  fic^  fo  gCgen 
eine  Ufurpation  ciue^  ^lamcuiS  bad  ®cfammtintercffc  ber  f^amilie, 
ber  2räger  bed  g^amilicnnamcnd  tjat  nid^t  aid  fold^cr  fonbcrn  aid 
gamiliengeuoffc  bad  JRec^t  bed  ©infprud^d  unb  ber  Klage,  unb  cd  mu§ 
cutweber  einem  jebcn  ^amilienmitglicbc  folibarifd)  bad  Slagcrcd^t  ein^ 
geräumt  werben,  ober  eine  SRcpräfcntation  bcr  f^amilic  burdi  einen 
j^amilicnältcften  ober  ein  anbered  5JamiIient)aupt  ftatuirt  werben.  Die 
fiegreid^c  ©ntfd^cibung  fommt  attcn  ^amilicngenoffen  ju  ®nt 

I)ie  fo  gcfdfiilbertc  Slnfid^^t  SofjIcrd,  bcr  übcrbied  auf  Seite  15 
rid^tig  l^croor^cbt,  bafe  bad  prioate  Sfclufiöitätdrcd^t  nur  eine  ©cite 
bed  3«l>iöibualred^td  bed  9?amend  fei,  ift  wo^I  bie  wcitgeljcnbfte. 

@^e  wir  nun  gur  ^racifiruug  unferer  eigenen  ifnfid^t  übergcl;en, 
muffen  wir  bie  5^agc  beantworten:  3Bte  ftellt  fid)  ©cfe^gcbung  unb 
"^Jrafid  ju  bcr  gragc  bed  priüaten  a}crbielungdred)td  ? 


—    i>ij    — 

^icr  muffen  ^toix  junäd^ft  conftatiren,  ba§  \>a^  .^onbcI^gcfc|buci^ 
unjJDcifcI^aft  ein  pritjatc«  35crBietung§rcd^t  ancrfennt.  Art.  27  be« 
^.®.a.  fagt  fjolgcnbce: 

3Ber  burc^  ben  unbefugten  ©cbraud^  einer  ^irma  in  feinen  Kcd^ten 
tjerle^t  ift,  faun  ben  Unberechtigten  auf  Unterlaffung  ber  weiteren 
5ul)rung  ber  ^ixma  unb  auf  ©dfiabcn^erfa^  belangen. 

^n.  ber  I^eorie  ^errfd^t  bariiber  fein  3^cifel,  ba§  ein  vermögen«* 
red^tlid^eS  ^f^tereffe  gar  nidit  oor^anbcn  ju  fein  braud^t,  fonbem  fd^on 
ein  ptx[onl\6)t^  genügt  unb  bag  aud^  ein  92id^tfaufmann  flagen  fann, 
wenn  ein  Slnbcrer  feinen  5Wamen  ate  girma  bcnugt.  SJgl,  l^ierju 
V.  ^al^n'S  Sommcntar  ju  Slrt.  27,  Äo^Ier  ®.  14. i) 

Una)  bie  ^rajis  I|at  fid^  in  biefem  ®inne  auSgefprod^en.  55a« 
Belannte  SRci^^geri^t^-Urt^eil  in  Sachen  Farina  ca.  Farina  öom 
10.  Februar  1882  2)  crfcnnt  an,  bag  ba«  SJcrbietungörec^t  nic^t 
baburc^  bebingt  ift,  baft  ber  Sitägcr  unter  feinem  9lamen  ^anbtW 
flcfd^ofte  betreibt,  ba§  setter  ba«  fragliche  Unterfagungörec^t  ft^ 
an  ben  JJamiliennamen  fniipft  unb  cine  Uebereinftimmung  be«  öoUen 
iWamen«,   alfo  2?or*  unb  Qnnamtn^,   burc^au«  nid^t   erforbcrlic^   ift. 

Steben  biefem,  allgemein  in  2)eutfd^Ianb  gültigen  SJerbietung^rec^tc 
lommt  t)on  ^articulargefe^en  nod^  ba«  preugifd^e  Sanbrcc^t  mit  feinen 
iöeftimmungcn  über  ben  5Wamen  gefd^icbener  JJrauen  in  SJctrac^t. 

§  742  Jtieit  II  litel  II  beftimmt: 
.  3ft  bie  ^xau  au«brücf(ic^  für  ben  fc^ulbigcn  I^eil  erllart,  fo  barf 
fie  ben  9?amen  be«  ÜÄanne«  miberbcffeu  SSSiUcn  nid)t  länger  führen. 

@«  unterliegt  in  Sljeorie  unb  ^raji«  nid^t  bem  geringften  3^<^if<^l/ 
ia^  ber  üKann  biefe«  2Jerbictung«rec^t  burc^  gcrid^tlidje  Stage  uer* 
folgen  fann.  ^^) 

©a«  bie  beutfc^e  ^raj i«  anlangt,  fo  möge  ^ier  junäc^ft  auf  einige 
ffintfd^eibungcn  in  ©euffert'«  Slrc^it)  ^ingemicfen  werben :  ®.  Ä .  VI 
2«r,  6,  XIX  5Wr,  114. 

3SieI  n?eiter  al«  biefe  entfd^eibungen  ge^t  bie  uon  3()cring  oom 
<Stanbpunfte  be«  heutigen  3?ec^t«juftanbe«  an§,  mit  ^ed^t  ^art  an= 
gegriffene  entfd)eibung  t).  üßündjen  S.  «.  »b.  17  5«r.  3.  Sic  ftettt  aß- 

*)  3Jif(Ceid)t  aii(^  no(^  91.  tOhlllcr  Xic  Öe^rc  öoit  ber  (5Jef(f)äftöfirma  itadj 
fc^meigcrifc^cra  Dbligationenret^t  ©.  41  ff. 

'')  entfc^cibungm  beS  SWct(^«gcnd)t«  ©b.  1,  @.  279  ff. 

^)  i^cjl.  öieflcid^t  audi  "0(^  hcn  (gntmurf  eine«  öj^crrcid^ifdjen  SiDiJ»(£^c=öefc^e!* 
%  78,  bor  ein  ä^nlic^e«  SöibcrfprudjSredjt  conflativt.    Saferer  ©.  23. 


—     54    — 

f^iebenctt  9Kd^tungcn,  ba  btc  pcrfonlid^cn  (Sttter  üerfd^icbcnc  angriffe* 
punftc  mit  ücrfd^iebcnen  ©d^u^mtttcln  f)abtn  unb  neben  bicfcn  Otttcrn 
genoffenfd^aftltd^e  (ginrid^tungcn  beftcljen,  wcld^c  gnr  3fui^f^eibnng  unb 
Qfnbimbualifirung  ber  jcttjeiligen  gunctionärc  gegeben  fmb.  ®j^  ift  ba^ 
I)er  auc^  vtd^tig,  x>on  einer  aWc^r^eit  Don  ^fnbtmbualred^teu  ju  fpreci^cn. 
Qu  biefcn  9ied|ten  gehört  nun  auci^  ba^  9ied|t  ju  »erlangen,  bag  ba^ 
.Jjjnbiüibuum  alig  folc^eö  in  feiner  Seyonbert)eit  unb  ^fnbimbualität  an* 
erfannt  unb  jebc  SJcrmifci()ung  mit  anbercn  ^[nbimbuen  ferngehalten  ttJirb. 

3u  bicfem  Sctjufe  f|at  ber  35erfef)t  ein  ffirfennung^jeid^cn  ge* 
bilbet,  ben  Seamen.  @ö  ift  fomit  dn  priüate^  iRamcnsJred^t  ju  con* 
ftatircu.  (£§  ift  bie5  ba^  SHed^t  auf  «u^fc^eibung  bci^  Qnbiüibuum« 
burd^  baö  SKebium  bc8  Xiamen«,  ha§  3ted^t  beg  ;3;nbimbuum^  auf  bie* 
jenige  @inrid|tung,  n)cld^e  uöt^ig  ift,  urn  bie  cine  ^[nbiüibualität  wm 
ben  übrigen  gu  fdjeibcn.  Diefe^  Siedet  erjeugt  mit  SRcd^tönot^menbigfeit 
einen  8lnfpru(j^  gegen  jcbcn  ©törer,  alfo  gegen  i^eben,  ber  ben  ^Warnen 
in  conf unbirenber ,  33ertt)cd)f clung  errcgenber  SBeifc  ufurpirt,  unb  mit 
bem  anfprud^  ift  bie  actio,  baö  9ied)t  ber  gerid)tlid|en  SScrfoIgung, 
gegeben.  Die  Slage  ge^t  auf  Unterfaffung  weiterer  Störung  unb  bag 
Urtf)cil  wirb  bcmcntfpredjenb  üoHjogen. 

?lu§er  feiner  inbiöibuetlen  SJebcutung  faun  ber  SWamc  aud^  nod^ 
einen  familienred^tlid)en  Sljarafter  I)aben,  fofern  burc^  iljn  nid^t  nur 
bag  ;3"^^^i^w""i  bejeic^net,  foubcrn  aud^  feine  Mngeprigfeit  ju  einer 
beftimmten  ^amilie  er!eunbar  gcmadjt  wirb.  @g  ergebt  ftc^  fo  g^gen 
cine  Ufurpation  eincg  9lamcng  bag  ®cfammtintereffc  ber  J^amilie, 
ber  Präger  beg  gamilicnnameng  I)at  nid^t  alg  foId)cr  foubcrn  alg 
gtimiliengenoffe  bag  SRec^t  beg  ©infprud^g  nub  ber  Klage,  unb  eg  mu§ 
eutmcber  einem  jcbcn  Jamilicumitglicbc  fofibarifd)  bag  Slagercd^t  ein* 
geräumt  werben,  ober  eine  9te^)räfentation  ber  ^amilic  burd^  einen 
J^amilienältcften  ober  ein  anbereg  3'«niilienl)aupt  ftatuirt  werben.  35ie 
fiegreid^c  Sntfd^eibung  fommt  aücn  3^amiliengenoffen  ju  ®nU 

T)ie  fo  gefddilbcrtc  Stnfid^t  Kol)Icrg,  ber  überbieg  auf  Seite  ir> 
rid^tig  Ijcrtjorfjcbt ,  bag  bag  prioate  (Sfclufiüitätgrcdtjt  nur  eine  ©cite 
beg  i^ni^i^ibualrcd^tg  beg  Slameng  fei,  ift  wo^I  bic  weitgcl^cnbftc. 

&)C  wir  nun  gur  'ißräcifirung  unferer  eigenen  Änfid^t  übergcljen, 
muffen  wir  bie  ^rage  beantworten:  9Bie  ftettt  fid^  ®cfeggcbung  unb 
^ißrajig  jU  ber  Jvagc  bcg  privaten  aJerbictunggrcd^tg  ? 


f 


;)ij     — 


$ier  ntttffen  'toix  sunäd^ft  conftatiren,  ba%  t>a^  ^anbeli^gefelbuc^ 
unjtoetfcl^aft  ein  prtoatc^  SScrbictunggreci^t  ancrfcnnt.  Strt.  27  be^ 
ip.@.85.  fagt  fjolgcitbe«: 

3Bcr  burc^  ben  unbefugten  ©cbraud^  einer  ^ixma '  in  feinen  SRcd^ten 
tjcrlc^t  ift,  faun  ben  Unbcred^tigten  auf  Unterlaffung  ber  weiteren 
fyiltirung  ber  gitma  unb  auf  ©d^aben^erfa^  befangen. 

^n.  ber  I^eorie  ^errfd^t  bariibcr  fein  3^^^^/  ^^^6  ein  öermögen^* 
reditlid^cö  ^fw^^^^ff^  9^^  "i^^  öor^anbcn  ju  fein  brandet,  fonbern  fc^on 
ein  perfönlic^ei^  genügt  unb  \>a%  aud^  ein  92id^tfaufmann  flogen  !anu, 
tvenn  ein  Änbever  feinen  5Wamen  alö  ^ixma  btnni^t  SSgl,  l^ierju 
ü.  ^af)n'§  Sommentar  ju  31rt.  21,  Ä  o  ^  I  e  r  @.  14.  i) 

9ud^  bie  $ra;i^  l^at  fid^  in  biefem  (Sinne  auiSgefprod^eu.  ÜDa^ 
befannte  iKei^iggerid^tig^Urt^cil  in  ©ad^en  Farina  ca.  Farina  üom 
10.  Februar  1882  2)  crtcnnt  an,  bag  bad  SJerbietung^red^t  nid^t 
baburc^  bebiugt  ift,  ba§  ber  ftläger  unter  feinem  Flamen  ^anbeU-- 
flefrf)äfte  betreibt,  ia^  meiter  basi  fragliche  Unterfagungiäred^t  fic^ 
an  ben  goniiliennamen  fnüpft  unb  eine  Uebereinftimmung  be^  üoUeu 
SWamend,  alfo  SPor*  unb  3"women8,   burc^au«  uid^t   erforberlid^   ift. 

ifltbtn  biefem,  aUgemcin  in  !iDeutfd^(anb  gültigen  ^erbietungs^red^te 
fommt  Don  ^articutargefegen  nod^  baö  preußif^e  Sanbrcc^t  mit  feinen 
iBeftimmungen  über  ben  SWamen  gefdfjiebener  JJrauen  in  SBelra^t. 

§  742  J^eit  II  litel  II  beftimmt: 

:3ft  bie  ^xau  aus^brüdlid^  für  ben  fd)ulbigen  Xljeil  erflärt,  fo  barf 
fie  ben  9iamen  bei^  SWanneö  njiberbeffen  ©iUen  nid^t  länger  führen. 

ffiö  unterliegt  in  Iljeorie  unb  ^rajiö  nid^t  bcm  geringften  ^^^^if^l' 
iafe  ber  aOlann  biefcö  35erbietung^red|t  burc^  gcric^tlid)e  Stage  ver- 
folgen !ann.  ^) 

SBaö  bie  beutfd)e  ^rajiö  anlangt,  fo  möge  ^ier  junäd^ft  auf  einige 
ffintfd^cibungen  in  S  e  u  f  f  e  r  t '  ö  airc^tti  l)ingen)icjen  werben :  ©.  S(.  VI 
m.  6,  XIX  9ir,  114. 

SSiel  »eiter  aU  biefe  ßntfd^cibungen  getjt  bie  Don  3M^^^^9  ^^^^ 
©tanbpunfte  bc^  I;eutigen  9led^töguftanbci3  aii§,  mit  ^Jled[)t  I)art  an= 
gegriffene  emfd^eibung  ü.  ü«ünd|cn  ®.  «.  93b.  17  Sir.  3.  Sie  fteKt  all- 

*)  3JiftI«rfjt  nii(^  nod^  %.  ißlüUtx  Xic  Ce^re  öon  ber  (^cfrf)äftöfirma  nadj 
f(^tt>eijerif(^cm  Cbligationenrcc^t  ©.  41  ff. 

'^)  Sntft^cibungen  be«  »ecid)«gcnd)tg  53b.  7,  (S.  279  ff. 

*)  SBgl.  öifflfid^t  oud)  no(^  ben  entwarf  eine«  öflerreid^ifc^en  (IiDil*i£^e-öefc^e« 
§  78,  ber  ein  ä^nJidje«  Siberfprud^grec^t  conftiUirt.    fioferer  ©.  23. 


—    56    — 

gemein  ben  ©a^  auf:  „Der  Familienname,  mit  ipeld^cm  alle  ©Heber 
einer  Familie  Ocjeic^net  werben,  ift  ©egenftanb  unantaftbaren  9ied)tö 
biefer  g^amilie.  5)ic  ®fieber  einer  anberen  gamilie,  meldte  aud^  einen 
anberen  Spornen  führen,  bürfen  fid^  feinen  ©ingriff  in  jeneiS  3iedt|t 
bttrd^  Anmaßung  be^  glcid^en,  iljneu  nid^t  gebü^renbcn  Siomenö  er^- 
tauben.  ®efd&äl)e  z§  bennod^  unb  njottte  fid^  Q^manb  einen  9?ameu 
beilegen,  ber  t)on  bcm  feinigen  öerfd)icben  unb  einer  anberen  {^amilic 
eigen  ift,  fo  müßte  ber  letzteren  auf  be^fallfigci^  anrufen  ber  gebü^rcnbe 
®d^u^  gegen  fold^e  Anmaßung  ju  If^eil  ttjerbcn. 

®e^r  mid^tig  ift  für  m\^  bie  $rafi^  beö  Sieic^i^geric^tg,  inöbefonberc 
eine  ^wf^w^^^^^^ltiiws  jttjcier  9leid)ägcrid^tö»Urtl)eile,  ba«  eine  üom 
7.  SlÄai  1880,  im  ©b.  II  ber  ©ntfc^eibungen  (®.  145  ff.),  ba«  anberc 
Dom  22.  Dftober  1881,  im  Söb.  V  ®.  172  ff.  enthalten. 

Qn  bem  le^tcrwäl^nten  Urt^eile  ift  feineömegö  Don  einem  ciöilred^t^ 
lid^en  SJerbictungjgreddte  bie  Stcbc.  ffiö  ift  ^ier  ancriannt,  baß  bie 
S3efugni§,  einen  beftimmtfen  ^ömiliennamen  jU  fül)ren,  ein  im  3ted^t^ipeg 
üerfolgbareö  ^riDatrcd^t  fei.  Der  ^flid^t  gur  3^üt)rung  be^  f^milicn^ 
namcnö,  ^eißt  eö  in  biefcm  Urt^eile,  entfprid^t  jugleid)  ba^  iWec^t,  beu 
JJamiliennamcn-au  führen,  tt}cld^e<8  alö  eine  aujg  bem  e^cimilienöerbanbe 
entf^jringenbc  33ererf)tigung  bem  ^riuatredjt  angehört,  n?ie  bie  JJamÜicn* 
redete  überhaupt.  SBeitcr  mirb  {)ier  feftgeftellt,  baß,  mie  eine  Slage  auf 
J^eftfteHung  ber  S^id^tefifteng  ber  cl)elicl)en  SSaterfd^aft  na<^  gemeinem 
SRed^te  ftattfinbet,  fo  and)  bemjcnigen,  meld^er  al^  außerehelicher  SSater 
in  SnfprudEi  genommen  tüirb,  eine  Klage  auf  e^cftftellung  be^S  5Wid^t^ 
üorljanbenfeiuj^  ber  außerctjelid^en  93aterfd()aft  ober  bcä  barauö  abge^ 
leiteten  9led[;tö  auf  gü^rung  feineig  JJamiliennameni^  nid)t  ju  öerfagen  fei. 

@^  ^anbelt  fid^  alfo  I)ier  lebiglid^  um  Jeftftettung.  änber«  f priest 
fid^  bagegen  baö  Urt^eil  üom  7.  ü)iai  1880  an^. 

DiefeiS  ftetlt  folgenben  ©a^  auf: 

3Son  ber  Frage,  ob  Organe  ber  ©trafgctralt  bercd^tigt  finb,  gegen 
bie  unbefugte  Fö^^^^^Ö  ^on  ?lbclöpräbicatcn ,  liteln  unb  SRamcn  einc^ 
bcftimmten  abeligen  ®efd|lcd^t^  einjufd^reiten,  ift  mcfeutlidf)  tjerfd^ieben 
bie  F^age,  ob  bie  üDiitgliebcr  ber  Faiwilie,  bereu  Üitel  unb  ©appen 
unbefugt  wn  einem  Dritten  gebrandet  mcrben,  biefe^  im  äBege  ber 
Siuilflage  t)er^inbern  fönnen.  Diefe  F^age  muß  bejaht  werben, 
weil  baö  5?ed^t,  um  beffen  33erlegung  eö  fic^  Ijanbelt,  ein  bem 
^riüatreddt  ange^örigeig  ift. 


—     o7     — 

atljo,  bcr  unbefugte  ®tbxanä)  beö  ZittU  uub  S33at)t)en^  eineiS  6c^ 
ftimmteu  abeligen  ®efd^Icc^tg  fann  gerid^tlid^  öcr^inbcrt  tocrben, 
mcil  ^ier  cm  bem  ^riüattcc^t  angc^örenbcö  9te^t  tjorfiegt.  J)ent 
^rioatrec^te  gehört  naä)  ber  erften  (£ntfd)etbung  aud)  baS  9teci^t  am 
nid^tabcltgen  Xiamen  an.  2)iefe  beiben  ^riDatredjte  finb  iljrer  Statur 
urtd^  üöttig  gfeic^  unb  merben  ana)  in  bem  Urtljcile  Dom  22.  Dhobcr  1881, 
mie  folgt,  einanber  gleid^  geftcMt:  „3lu^  ba^  JRcid^^gerid^t  \)at  bereite 
l)infid^tltd^  einer  ^amilic  be§  ^o^cn  Slbcfig  aui^gefproc^en,  ba§  baö  9led^t 
sur  eJü^tung  beö  liteU  unb  2Bappen§  eincig  beftimmten  abeltgen  ®C' 
fc^led^ts  bem  ^riüatred^te  angehört  unb  ©egenftanb  eincö  bilrgerlid^cn 
Med^töftreitcö  fein  fann.  Söenn  bie§  bei  bem  (jo^en  Sbcl  anpne^men 
ift,  obgleidEi  bie  bemfelben  angel^örigen  gomilicn  SJorrec^te  genießen, 
meldte  bem  öffentfid)en  9ted)te  angel)ören,  fo  mu§  ba^felbc  urn  fo  meljr 
bti  nid^tabcfigen  ober  bem  nicberen  Slbcl  ange^brigen  JJamilien  ange= 
nommen  werben,  benen  feinerlei  bent  öffentlichen  SHed|te  angel)örige 
2Jorred|te  gufte^cn." 

SBJir  fommen  alfo  nott^menbigermeife  jn  bem  ©c^Iuffe,  ba§  nad^ 
?lnfid>t  bc^  SReid^^gerid^tö  auc^  ben  äßitglicbern  einer  nid^t  abcligen 
tJamilie,  bereu  5Wamen  unbefugt  uon  einem  Dritten  angenommen  mirb,  nid^t 
nur  eine  Slage  a  u  f  JJ  e  ft  ft  e  1 1  u  n  g  ber  ÜWid^tbered^tigung  biefe^  Dritten 
jur  5)lamen§fü^rung,  fonb^rn  aud)  eine  ^lage  jufte^t,  bie  barauf  gerid^tet 
ift,  bem  Settagten  j  u  u  n  t  e  r  f  a  g  e  n ,  ben  9Jamen  ber  J^^wtilic  ju  führen. 

®g  mag  ^ier  nod|  bemerft  fein,  bafe  baö  9{cid)j^gerid^t  nur  bie 
Jätte  im  ?{uge  i)at,  tt)o  :3emanb  burdf)  5wf)^u«9  ^i"c§  ?iamcn§  bie  Sn^ 
gel^örigleit  ju  einer  beftimmten  Familie  bcf)auptet.M 

fragen  mir  fc^tießlid^,  meldte  üon  aütn  angeführten  ü)ieinungen 
motjl  ben  SJorjug  tjerbient,  ob  unb  in  mie  mcit  .ein  ^^riuatredjt  am 
9iamen  ju  ftatuiren  fei,  fo  fdieint  mx^  junäd^ft  burc^  bie  ?(ufna^me  öon 
Söeftimmungen  über  ben  S^J^ilicnnamcn  in  ®ef egbüd^crn ,  bie  nur  ba^^ 
^riüatreddt  jum  ©egcnftanb  ^aben,  eine  ©fiftenj  bc^  priöaten  9lamen^* 
rc^t!§  im  ©innc  uuferer  klaffe  II,  alfo  in  bem  ©inne,  ba§  ic^  bai^ 
9?cd^t  ^ahc,  einen  mir  nad)  bem  ©efe^e  jufommenbcn  9?amcn  ftet§  ju 
führen,  ba§  id^  biefen  gerid^tlid^  erftrciten  unb  :3:cbcn,  bcr  mid^  an  ber 

*)  5^ejüg(i(^  bcr  frangöftft^cn  ^rayid  möge  l)tcr  nur  au§cr  bcr  oon  bem  ^Retc^ä- 
gcrtc^tg-Urtj^eUe  uom  22.  Cf tober  1H81  citirtcn  jRcc^töfprctl^ung  auf  bie  oon  Ä'o^Jcr 
Seite  7  citirte  Stelle  au^:  Renouard,  droit  industriel  ^ingciuiefen  ttjerben.  (5«  tüirb 
^ier  etil  priDatrec^tüc^eS  ^erbietung^ret^t  ^ugetaffcn. 


—    58    — 

^ü^rung  ^nbcrn  Witt,  gcrid^tlid^  jurücfttjeifcn  tami,  im  ®cltungögcbietc 
bicfcr  ©cfc^büd^cr  au§cr  3^^if^^- 

9S$tr  mähten  fomit  ein  ^rioatred^t  in  bief^m  ®inne  fd^ou  naä) 
jäd^fifd^cm,  öfterreic^ifd^cm,  franjöfifd^em  inib  prcugifd^cm  aflcd^tc  ftatuircn. 
^ber  wir  bürfcn  fid^erfid)  ein  ^riüatrcd^t  am  5Wamcn  in  btcfcm  ©innc 
and)  na6)  gemeinem  Siedete  annehmen,  unb  t§  ift  infon)eit  ben  ^u§^ 
fül^rungen  bci^  SReid^ggerid^tönrt^cilS  mm  22.  Oftober  1881  unb  ber 
Änfid^t  |)ermann'i8  DöHig  beijnpf(id)tcn. 

De  lege  ferenda  glauben  n)ir  aud^  ein  t)noatre^tlid^eg  S5cr= 
btetungSrec^t  befilrtoorten  ju  fönncn. 

9Q3ad  btn  Umfang  biefeiS  äkrbietung^red^tiS  anlangt,  fo  mö(^ten 
ttjir  ein  fold^e^,  über  bie  bii^ljerige  SRe^tfpreddung  bei8  9lcid)i8gcrid^t!? 
l^tnau^gel^enb,  jebod^  au^  leintet  Sohlet  juriidEbleibenb,  in  folgenben 
IJätten  ftatuireu: 

I.  ©enn  ;$Jemanb  burd^  bie  unbefugte  Annahme  eineö  Slamen^^ 
fid^  tüiffentlid^  ober  unttjiffentlid^  mit  einer  beftimmten  brittcn  ^crfon 
ibentificirt.  !Bai5  Älagered^t  fte^t  biefer  britten  ^erfon  gu.  ^ier  toixi 
and)  ha^  ^feubon^m  unb  ber  li^eaternamen  feinen  ©d^uß  finben. 

n.  ©enn  fid^  Q^emanb  burc^  unbefugte  ?lnna^me  eines  9lamenS 
wiffentlid^  aU  ju  einer  beftimmten  5^"^^^^^  gehörig  fjinftettt.  S)ae 
Slagcre^t  f^at  jebeS  3DiitgIieb  ber  fjamilie.   • 

III.  SSJenn  Q^emanb  jmar  ni^t  boloiS  Ijanbelt,  aber  boc^  burd^  bie 
unbefugte  Ännafime  eines  5ßamenS  ben  Schein  eriüedEt,  er  getföre  ju 
einer  beftimmten  ^ömilic.  ^n  bicfem  ^alte  l^at  baS  ri^terlid^e  Gr- 
meffen  ben  ttjeiteften  ©J)iefraum  unb  eS  n)irb  auc§  bie  Seltenheit  beö 
9lamenS  in  SBetrac^t  gejogen  ttjerben  muffen.  ÄIS  attgcmeine  9tegcl, 
bie  freilid^  mcle  StuSnalimen  jutägt,  mag  ber  ®a|  aufgeftettt  werben, 
ba%  nur  ben  am  Crte  ber  unbefugten  Annahme  wo^nenbcn  gamilien^ 
mitgliebern  baS  Siedet  ber  Silage  gegen  ben,  ben  Xiamen  biefer  tJötnilic 
fü^renben  Dritten  ju  gewähren  ift. 

3Beiter  barf  mo^l  uid^t  gegangen  werben.  0 

6in  SBerbietungSred^t  in  bem  angegebenen  Umfange  -)  empfiel^It  fid) 
fd|on  an§  rein  ^)rüctifd^cn  ©rünben.  Der  auf  nid^t  cioilrcd^tlic^cm  ©cgc 

*)  Son  ber  @eItenbmQ(^ung  eine«  prioatcn  Serbietungdred)«  gegenüber  einer 
bcabfirf^tigten  ^fJamenganbcrung  !ann  lelbflöcrftänbltc^  md)t  bie  »lebe  fein. 

*)  2öir  fonnten  §icr  ha^  ja  gefc^tic^  fijirtc  SerbtctungSret^t  gegenöber  beni 
unbefugten  (SJebrouc^  eine«  ^J^amenS  in  ber  JJirma  auger  5{d^t  (offen. 


—    59    — 

ju  crfangcttbc  ©d^g  bcr  ^icr  oor^anbcncu  Qsntercffen  rctd^t  nämlid) 
fic^erlid^  nid^t  au§.    @m  ^etfpiel  möge  bied  flarfegen: 

993tr  nehmen  an,  ein  )?on  ber  9)tutter  anerfannted  une^elid^es  Sinb 
fii^re  in  SRatnj  fortmä^renb  ben  jiemK^  feltenen  ißamen  etneiS  9)!anne^, 
bcr  im  SJcrbac^t  ftc^t,  SJatcr  bc^  StinbciJ  gu  fein,  ed  in  ©irflid^feit 
abet  nid^t  ift.  SBeld^e  @c6u|mittel  l)at  biffer  3Rann,  menn  ba^  $inb 
gubcm  bei  bcr  SBc^örbc,  wie  bieiS  ja  ein  Icic^tcig  ift,  feinen  ridjtigen 
3lamen  fü^rt? 

5Wad^  bcm  obtn^)  fd^on  ermähnten  2(rt.  75  be^  ^olijciftrafgcfe^-' 
bud^^  mirb  nad^  erfolgter  Stnjeige  bei  bcr  ^oligei  cine  ©clbftrafc  an^ge^ 
f^rod^en  mcrbcn,  bei  nod^maliger  Anzeige  eine  jttjcitc,  bann  cine  britte  n.  f.  to., 
über  15  fl.  barf  jeboc^  feine  gelten. 

S)ad  ift  t)oDftänbig  nngenügenb.  @an j  anberi^  n^irft  bagegen  bie  QtvauQ^^ 
oonftrerfung,  tt^eld^e  nad^  erfolgter  3"fP^^c^ung  ber  auf  Unterlaffnng  ber 
^ii^rung  be$  fremben  9tamen^  gerid)teten  Silage  eintritt. 

tBenn  bad  ©erid^t  in  ©emäß^eit  be^  §  775  ber  SR.e.^.D.  bei  ber 
anjeigc  ber  erften  ßumiber^anblung  gegen  baö  ergangene  Urt^eil  auf 
«ntrag  beö  Slägen^  eine  ©elbftrafe  big  gu  1500  jl  ober  ^aftftrafc 
h\§  gu  6  STOonaten  auöfpred^en  unb  bieiS  bei  jeber  neuen  3utoiber^anb=^ 
lung  toieberliolcn  f ann,  »enn  baö  ®eridE|t  f enier  bem  33erurtl^eilten  bic 
SSefteltung  einer  ©id^cr^eit  in  beliebiger  ^ö^e  für  ben  burdfi  fernere 
3uttjiber^anblung  entftc^enben  ©d^abcn  auferlegen  fann  —  ein  ©d^aben 
ift  in  unferm  f^aUz  fel)r  leicht  benfbar  —  fo  mirb  baö  une^elid^e  ilinb 
bod^  n)o^l  ))on  ber  ^ü^rung  bed  i^m  nidjt  gufommenben  97amend  balb 
abfielen. 

SBSaö  bic9?atur  unfereö  privaten  S^amen^red^teiS  anlangt,  fo  Ijalten 
n)ir  bic  t)on  ®  a  r  e  i  ^  eingeführte  unb  Don  Ä  o  ^  l  e  r  aboptirte  Cualifi= 
cation  bcdfelbcn  alö  3^nbit)ibualrcd)t  -)  für  üoltftänbig  rid^tig  unb  burd)* 
fd^lagcnb  unb  t^  möge  balder  auf  bic  obigen  äuöfü^rungen  bcr  genannt 
Un  Autoren  ocrttjicfcn  merben. 

O^nc  Zweifel  gebührt  bem  Stamcn^rcdljtc  eine  ©teHc  im  ®t)ftcm 
bed  beutfc^en  ^riüatrcd^ti^. 

SBir  ^aben  focben  baö  Dlamengred^t  al^  ^nbioibualrcc^t  im  Sinuc 
bcr  ®areiö'fd)cn  I^corie  bejeid^uet.  folgen  wir  bcr  3:t)coric  biefcsJ 
©d^riftftcUcrd  nod^  einen  2Äomcnt. 

']  ©.  102  «.  1. 

»)  3>gL  and)  o.  Cigt  a.  o.  D. 


—    58    — 

^ü^rung  ^inbern  mU,  gcrid^tlid)  jurürfttjcifcn  tonn,  im  ÖJeltung^gcbictc 
biefcr  ®cfe|6üci^cr  QU§ct  3^^*?^^- 

SBir  müßten  fomit  ein  ^rioatrcc^t  in  bief^m  ©innc  fd^a»  nad^ 
jä(j^fifd^cm,  öfterrci^ifd^cm,  franjöfifd^cm  unb  prcngifd^cm  {Rechte  ftatuitcn. 
?lber  wir  bürfcn  fid^crlid)  ein  ^riöatred^t  am  5Wamctt  in  bicfcm  ©inne 
aud^  nad^  gemeinem  Siedete  annehmen,  unb  eö  ift  inj on^eit  ben  iXu^- 
fül^rungcn  beg  $Reid^i^gerid^t§nrt^cUg  öom  22.  Dftober  1881  unb  ber 
?tnfid^t  |)ermann'ig  DöIIig  beijnpflid^ten. 

De  lege  ferenda  glauben  n)ir  aud^  ein  priöatre^tlid^e^  S5er^ 
WetungSrec^t  befürworten  ju  fönnen. 

üBo^  ben  Umfang  biefe^  SSerbietungöre^t^  anlangt,  fo  möd^ten 
wir  ein  fold^e^,  über  bie  bii^ljerige  5Red^tf^red^ung  beö  JReidj^gerid^t^ 
^tnau^gel^enb,  jebod^  auc^  t)inter  Äo^ler  jurüdfblcibenb,  in  folgenben 
UäKen  ftatuiren: 

I.  SBenn  ;$Jcmanb  burd^  bie  unbefugte  Annahme  eineig  Slameue 
fid^  tüiffentlid^  ober  unwiffcntlid^  mit  einer  beftimmten  britten  ^erfon 
ibentificirt.  !Bag  Ätagercd^t  fteljt  biefer  britten  ^erfon  ju.  ^ier  wirb 
aud^  baö  ^feubon^m  unb  ber  I!l)eaternamen  feinen  Sd^ug  finben. 

II.  ©enn  fid^  Q^emanb  burc^  unbefugte  Annahme  eines  5Wamenö 
miffentlid^  aU  ju  einer  beftimmten  Familie  gehörig  l^infteöt.  ^aö 
Älagere^t  ^at  jebcö  SDiitglieb  ber  gamilie.    ' 

III.  SBenn  ;5cmanb  gwar  ni^t  boloS  Ijanbelt,  aber  bod^  bnrd^  bie 
unbefugte  Slnna^me  eines  5ßamenS  ben  Schein  erwedEt,  er  gelföre  ju 
einer  beftimmten  gömilie.  ^u  biefem  g-alle  ^at  ba§  rid[)terlid^e  (Sr- 
meffen  ben  weiteften  Spielraum  unb  eS  wirb  auc§  bie  Seltenheit  be^ 
SlamenS  in  fflctrad^t  gebogen  werben  muffen.  Als  aKgemeine  Wegel, 
bie  freilid^  üicle  Ausnahmen  juläßt,  mag  ber  Sag  aufgeftetlt  werben, 
ba§  nur  ben  am  Orte  ber  unbefugten  Annahme  wo^nenben  Familien  ^ 
mitgliebern  baS  iRed^t  ber  Stage  gegen  ben,  ben  ?iamen  biefcr  ifamilic 
fül^renben  Dritten  ju  gewähren  ift. 

aBciter  barf  wo^l  ui^t  gegangen  werben.^) 
Gin  SSerbietungSre^t  in  bem  angegebeneu  Umfange  ^)  empfiel)lt  fxd) 
fd|on  aii^  rein  practifdjen  ©rünben.  Der  auf  nid^t  cioilrcd^tlic^cm  SBcgc 

*)  $on  ber  QJeltcnbmac^ung  cim^  priuatcn  93erbictuug§re(^t8  gegcnfibct  einer 
beabfti^tiotcn  92amcn8änbcrung  fann  telbflocrftänbUc^  itic^t  bie  fRebcfcin. 

*)  5öir  tonnten  ^icr  bad  ja  ö^f^fe^i«^  Pji^^c  S^erbietungäret^t  gegenüber  bera 
unbefugten  Q^thvaud)  eine«  *J?amen«  in  ber  girma  anger  $((^t  Jaffen. 


—    59    — 

ju  criangcubc  <Scl^u|  bcr  ^ier  oor^anbeucu  QSntercffen  reid^t  nämlid) 
fid^erlid^  nid^t  au^.    (Sin  ^etfpiel  möge  btea  flarfegen: 

S35ir  nel^mcn  an,  ein  »on  ber  3Äuttcr  anerfannteiS  unc^cli^c^g  Sinb 
fä^re  in  SRoinj  fortmö^renb  ben  giemli^  feltenen  ißamen  eineiS  SJlannei^, 
ber  im  3Serbac^t  fte^t,  SSater  be^  StinbeiJ  ju  fein,  c^  in  ©irfUd^feit 
abtt  nid^t  ift.  äBeld^e  ®c6u|mittel  \)at  biefer  3Rann,  n^enn  ba§  j^nb 
gubcm  bei  ber  SBc^rbe,  njie  bieö  ja  ein  leid^tei^  ift,  feinen  rid^tigcn 
Xiamen  fiiljrt? 

^ai)  bem  ohtn^)  fc^on  ertoä^nten  3lrt.  75  beö  ^olijeiftrafgefe^* 
bud^S  wirb  na^  erfolgter  Ängeigc  bei  ber  ^olijei  eine  ©elbftrafe  an^gc* 
fprod^en  merben,  bei  nod^maliger  3(njeige  tint  itvdtt,  bann  eine  britte  n.  f.  to., 
über  15  fl.  barf  jcbod^  feine  gelten. 

S)Qd  ift  t)oQftänbig  ungenilgenb.  ®an}  anberi^  tvivtt  bagegen  bie  QtvanQ^'^ 
oollftredtnng,  ttjeld^e  nac^  erfolgter  ^ufprec^nng  ber  auf  Unterlaffung  ber 
^ii^rung  bed  fremben  Siamend  gerichteten  fflage  eintritt. 

JBenn  bad  Öierid^t  in  ©emäß^cit  bei^  §  775  ber  M.d.^.D.  bei  ber 
Slnjeigc  ber  erften  ^utoiber^anblung  gegen  ba«  ergangene  Urtt)cit  auf 
«ntrag  bed  «lägeri^  eine  ©elbftrafe  big  ju  1500  JL  ober  ^aftftrafe 
bii^  gu  6  STOonaten  auöf^red^cn  unb  bieiS  bei  jeber  neuen  3utt)iberl|anb= 
lung  ttjieberl^olen  fann,  menu  ia^  &m6)t  ferner  bem  35erurtl^eilten  bic 
JBeftellung  einer  ©id^cr^eit  in  beliebiger  ^ö^e  für  ben  burd^  fernere 
^utt)ibcrl)anblung  entfte^enben  Schaben  auferlegen  fann  —  dn  ©d^aben 
ift  in  unferm  ^Jalle  fel^r  leidet  benfbar  —  fo  mirb  bad  une^elid^e  Sinb 
bod^  nio^t  wn  ber  ^äl)rung  bed  il)m  nid^t  gufommenben  92amend  balb 
abfielen. 

©ad  bic9latur  unfered  pritjateu  5Wamendred^tcd  anlangt,  fo  lialten 
mir  bie  wn  ®  a  r  e  i  d  eingeführte  unb  t)on  fi  o  1^  I  e  r  aboptirte  Cualifi- 
cation  bedfelben  aid  3:nbiöibualred[)t  -)  für  öoUftänbig  rid^tig  unb  burd)* 
fd^lagenb  unb  cd  möge  balder  auf  bie  obigen  Sludfü^rungeu  ber  genann= 
Un  Autoren  üerwiefen  ujerbcn. 

Dl^ne  Zweifel  gebührt  bem  91amendred^te  eine  ©telle  im  ®t)ftcm 
bed  beutfc^en  ^rioatred^td. 

ffiir  ^aben  foeben  bad  Slamendrec^t  aid  :3nbii)ibualrec^t  im  ©innc 
bcr  ®arcid'f(^cn  Itjcorie  bcjeid)net.  folgen  mir  ber  3:l)eoric  biefed 
©d^riftfteUerd  no(^  einen  SWomcut. 

')  @.  102  «.  1. 

';  «gl.  Qua)  Ü.  Ci^t  a.  o.  O. 


—    60    - 

®arctö  ftatuirt  eine Änertcnnuiig  ber ;3«bit)ibualred^tc  burc^  ba§ 
pofitiüe  Siedet  in  brci  ^Hid^tnngcn. 

I.  2)urcl^  iSla^nai)nm\,  bic  jnr  ^JcftftcUung  beö  SRcd^tö  bienen. 

n.  Dnrc^  ben  ®d|u$  bieder  9ite(i^tc  im  oerle^tcn  ober  bcbrot)ten 
ßuftanbc,  burd^  ©tatnirnng  t)on  Strafen,  SBufecn  n.  f.  n>. 

III.  2)urd^  bic  ancrfcnnung  üon  Äcd^tögcfd^äftcn  über  bicfc  ^nbi^ 
utbnalred)te  (5)?egotiabitität,  Uebertragbarfcit,  3SererbIid^fcit,  ©infd^ränf^ 
barteit  bcrfelbcn). 

ffiic  weit  trifft  bieö  nnn  nad^  all'  ben  bi^  jegt  conftatirten  Se* 
ftimmnngen  bt^  pofitiuen  Slcd^tö  in  ÜDeutfd[)lanb  anf  baö  Qnbiüibualrcd^t 
beä  3Iameni§  ju? 

acl.l.  äfö  ßonftatirnngi^maßrcgcl  beig  Sie^tö  auf  ben  Flamen 
bient  baiS  EiöilftanbiSregifter.  gttr  nnel^clid^e  Sinber  ift,  tt)ic  wir  oben  nad):' 
gemiefen,  ba0  alpl^abetifd^e  5Wainen8i)erjcic^niJ3  uon  bef onberer  öcbcutnng. 

ad  2.    5ür  ben  ©c^u^  biefcö  :3^ibimbualred^ti^  finb 
a.  ©trafen  ftatnirt  in  ben  ^oligciftrafgefc^büd^ern  1)cntfd^lanb§ 
(4^effen  «rt.  75)  unb  bnrdE)  §  360  Q.  8  be«  Sleic^gftrafgef eßbuc^g, 

,  b.  entfdjäbigungen  bnr^  ?trt.  27  ^.®.g5. 

ad  3.  93on  einer  35ercrblid^feit  beig  9iamengreci^tö  fann  nid^t  gnt 
gc)proTf)en  werben,  ba  ein  Sinb  im  a)?oment  ber  ©eburt  traft  eigenen 
9ted^t*3  ben  JJamifiennamen  erl)ält.  ßbenfo  nid^t  t»on  einer  Ucbcrtrag- 
barfeit  bc^  5Wamcn^red^ti§.  ?(nd^  ber  «boptirtc  erl)ält  j.  SB.  ben  9Zamen 
9lbDptanten  fraft  originären  Srwerbö. 

Änö  biefcr  ÜDarftelInng  ergibt  ]i(i)  anä)  bie  im  fjcutigen  SRcd^t  öor- 
l)anbenc  33cr^d)iebenf)eit  jwifd^cn  bem  91amen^red6te  nnb  bem  überaus 

nalj  Dernninbten  ^irmenred^te. 

•  _ 

@§  fei.nn^  geftatlet,  mit  einem  35ßnnfdjc  gu  fd^Iiegen: 
SOiöge  ber  l^offentlic^  in  93älbe  erftc^enbe  9{eid)^cobef  in  bic  bnrd^- 
an§  i^erworrene  lUfaterie  bes^  9lamcn^red^t§  Orbnnng  bringen. 0 

')  85?äl)vc!ib  beS  25vu(fc8  biefcr  Arbeit  cvffbicn  nun  „bei*  (^ntiourf  etncÄ  bürgevlicbcn  <S^cfc$ 
luicf)cö  für  baö  bcutfdic  dttXd)". 

?\\iv  boö  ^JomeuiSvedJt  \)on  bcfonbeicr  iftcbcutunq  ift  ^  1561): 

„Xaü  uncbcltdic  fkinb  txf)äU  ben  gainiltennaiiicn  ber  flutter  unb/  wtnn  biefe  burd? 
2d)Iiefiun(t  einer  (il)e  ben  or<^miltennamen  bc8  (i^bcmannS  ert)a(tcn  i}(it,  ben  grontiUcunameTiy. 
u'cldicn  bic  3)hitter  »or  Sdjlicftunfl  ber  (^bc  geführt  Ijat." 

^'cr  JKcgclunfl  biefcr  übciand  beftrittcncn  f>ragc  im  Sinne  beS  CSntivurfS  ift  imbcbingt-^U' 
,VM"timincn.  .  •*- 

Xic  3^cftimmunfl  bc8  S  1455:  „3)!c  9cfd)icbenc  6"I)cfrau  bel)ttlt  ben  ^'>amiUennaQ||n  bcS  ($^c-    "^ 
mannS"  loirb  woftl  ftart  anflcfod)tcn  werben. 

§  16:!2  entbiilt  ?*orfd)riftcn  fiber  ben  Flomen  bet  an  flinbcSftatt  angenommenen. 

Ter  ISntiuurf  liifjt  Icibcr  eine  JRci^e  anbeicr,  widitiger  f">ragen  tjollftänbiß  unberu(fft(^ttgt. 


SDu 


^tftUfthuft  mn  ^mfUnttn. 


©in   39eitvag 

311t  3iinfts  mtb  8ttten0efi|ii|te 

Der  Sfaöt  ScQafj^aufen. 


SBon 

^-  Bardrr. 


1 


Son  jioSlfen  tcr  atinge  am  a(tcn  Qkf^meib' 
SRoft  biencn  }ut  '^r&fung  ber  f^\nt, 
Sit  ^ften  ten  OJalftab  an  %xtut'  ml  an  Veto 
Unb  trennen  bic  iSa^r^U  vom  @il^ne. 


9i|tff|titfen. 

Sttii^brudeTei  ber  ^robtmann'fd^en  ^ud^^anblung. 


1MI9. 

y 


t 


©itier 


ll90l)labrltd)en  Clrfellfdiaft 


jun  <^auffeuten 


in  ^od^ad^tung 


geioibmet. 


3u  einer  ^^di,  in  toeldier  Bei  bem  rafd^cu 
2Berfe()r  auf  ben  ©d^icncnftrafecn  unb  bei  bem 
%luQ  bcr  Söorte  über  ben  Ojean  bie  entfern^ 
tefteu  3?bl!er  mit  einanbcr  in  23crill^mng  ges 
bra(ä^t  werben,  in  njetd^er  ba§  5)enfen  unb 
(5rfinben,  baS  „Erringen  unb  ©rraffeu"  me^r 
<ifö  je  in  ben  SSorbergrunb  tritt  unb  mit  ftaus 
nenerregenber  ©enjanbtl^eit  gteid^fam  eine  neue 
SSelt  l^ertjorgaubert,  liegt  bie  S3efür^tung  nal^e, 
bafe  ob  bem  raftlofen  5j;reiben  ber  9fieu§eit  bie 
SScrgangenl>eit  ©efal^r  taufe,  tjergeffen  ju  njers 
ben,  ober  bafe  ber  ©egentoart  toenigftenS  ein 
rid^tigeö  ^^erftänbnife  beS  früher  ©agetoefcnen 
abl>anben  fomme. 

Um  bieje  S9efür(ä^tungen  ju  lieben,  ^at  bie 
$iebe  gur  ^eimat^  imb  bie  St^tung  für  baS 
3lltcrt^um  überall  ^aferegeln  ^um  @(^u|e  ber 


VI 


SScvgancjen^eit  unb  i^rer  3)cnfntäter  fervor? 
gerufen,  ein  iBeftrebcn,  ttjeli^c^  aud)  in  imfever 
SBaterftabt  3(u!lang  imb  9'iad)al^mung  gefmu 
ben  ^at. 

^n  bie[er  Stbfic^t  finb  auc^  biefe  Jötätter 
entftanbcn.  3(te  @efettfd)aftögenof[e  l^at  [id^  ber 
Unterjeid^ncte  bie  Stuf  gäbe  gefteUt,  bie  jer* 
ftreuten  Stftenftüde  über  bie  ^aufleutftube  gu 
fammetn  unb  jufammenjufteUen,  unb  übcrgiebt 
nun  feine  Strbeit  mit  ber  Sitte  um  njol^lnjoU 
lenbe  2lufnal>me  unb  SÖeurt^eilung  berfetbcn. 
5)a^  biefeS  SBerKein  n)iU!ommene  Sluffc^lüffe 
unb  Erinnerungen  getoäliren  imb  ba^u  bei^ 
tragen  möge,  bie  erfreulid^en  33anbe  ber  6ins 
trad^t  unb  ber  ©efeßigfeit  unter  ben  3}litglies 
bern  ju  erl^alten  unb  f ortgu^flanjen ,  njünfd^t 
aufrid^tig 

J5d)aflf!jattfen,  19,  ©egember  1866. 

2>cr  !ßerfo|ftr. 


(StnltitunQ. 


!D{e  e^ilberitng  bed  SSefenS  unb  SBirtenS  bet  ©efetl:: 
fc^aft  gun  £auf(euten,  rod^t  (einal^e  ein  §aI6e$  ^^^rtaufenb 
umfogt,  ift  fo  innig  mit  ber  ®eftaUung  ber  ftbrigeu  ©efeO- 
fd^ofteu  unb  2\\n\it  unb  mit  ber  ®ef(j^i(j^te  ber  93aterflabt 
t)erlnflpft,  ba^  eine  furje  Ueberfid^t  ber  SBer^dttuifje ,  unter 
beuen  bie  ©efettld^aft  entflanb,  namentli^  ober  gur  Sudübung 
poUtifd^er  Siedete  gelangte,  erforberlid^  {d^eint.  i) 

SDer  gledfen  ©d^aff^aufen  ftanb  gur  3^1*  ber  Stiftung 
beS  ^lofterS  9lDer^ei(tgeu  unter  ber  ©erid^tSbarfeit  bed  ®rQfen 
(Sberbarb  III.  t>ou  TleOenburg  unb  gieng  3(nno  1052  aid 
@tiftungdgut  mit  aQen  9ted^ten  on  bad  ^loftcr  fiber.  S)ie 
Siebte  toon  Sltterl^eillgen  mürben  in  jmeifad^er  ©egiel^ung  §erren 
bed  Ortd.  @in  ©d^ultl^etg  fiil^rte  9tameno  bed  ^tofieid  ben 
©erid^tdftab,  fomie  benn  bie  9lat§e  urfprunglid^  ebenfaQd  i^re 
^Berufung  ben  geiftßc^en  Ferren  gu  Derbanfen  l^aben  mod^ten. 
3m  SBerlaufe  ber  ^txt  Bemühte  fid^  ber  3lbel,  bad  SRegtment 
an  ftd^  gu  giel^en,  na^  bemfelben  grogtent^eild  gelang.  Jtaum 
aber  l^atteu  bie  Slbelid^en  bad  @tener  ergriffen,  aid  aud^  bürget- 
lid^e  ©efd^Ied^ter  bie  ^anbe  nad^  bemfelben  audfiredften  unb 
in  golgc  iljred  Slnfel^end  bei  bem  93otfe  unb  i^rer  Sntetligeng, 
menigftend  t^eilmeife,  gum  SRegimente  gelangten. 

3m  ^a^xt  1264  murbe  ©d^affljoufen  unter  bie  9ield&d= 
pgbte  ge^S^It.  3Kit  ber  Derme^rten  ®et)olferung  mudjd  aud& 
bie  @eltung  bei  ben  übrigen  9teid^d{!fibten^  med^alb  mel^rere 
berfelbenUtit  ©djaff^aufen  in  enge  SBerbinbung  traten. 

*)  liefer  Ueberftcbt  liegen  im  SlUgemeinen  bie  toorbanbenen  Qfyco- 
ntten  unb  bie  Jtirc^^ofer'fd^en  S^euja^rdgefcbenle  ^u  @runbe. 

1 


3)etn  offentlid^en  SBefen  ftanb  ein  9ieid^8t)Ogt  t)or  unb 
bem  aud  12  aJtitgliebern  (efie^enben  .^atl^  ein  Sd^ultl^eig. 
^KdJJJWt^c  würben  t)on  bcm  Slbet  beftefit  unb  ble  SEBal^l  ber 
übrigen  t)ier  SJlitglieber  ben  SSurflern  anl^elmöepelli ,  wctd^e 
t^re  ^lpr5]entanten  t^ellroeife  auS  ben  ongefel^enften  ©efd^ted^s 
tern  ober  ebenfalls  ouS  ben  Hbelid^en  mal^tten.  ^n  ben  n)i(l^* 
tiflefeTlTngelegenl^citcn  amteten  „ber  dlat^  unb  blelfffirger 
gemeinlid^/'  SDiefed  n)aren  bie  9%ed^te  unb  Uebungen  gur  ^^it 
ber  SRei(i^8frei§eit 

IDurd^  mannigfad^e  Sebr&ngniffe  fanb  fid^  ^5ntg  Subn^ig 
9(nno  1330  genStl^iget,  an  bie  ^ergoge  Don  Oef^erreid^  mehrere 
9leidpfiSbte  gu  Derpf&nben,  n)eI^eS  ®d^i(f  fal  aud^  ©d^aff Raufen 
trajTlDurSp  Tiefe 'SJerfügung  ntilberte  [xäf  ber  ©d^merj  fiber 
bie  Derlorne  9%eid^dfrei^eit,  urn  fo  el^er,  al8  ^erjog  Otto  ben 
93urgem  @d^aff$aufen3  perfSntid^  bie  SSerftd^erung  gab,  ba| 
bie  ^errfd^aft  t)on  Oefterrei^  il^re  biSl^erigen  S^ei^eiten  ntd^t 
t)ertär}en,  fonbern  e^er  beffern  roerbe.  ©leid^fam  aU  $fanb 
blefer  SBer^eifeung  rourbe  ein  Sfirger  ber  ©tabt,  9litter  §eins 
ri^  Don  SRanbed,  al8  bßerreid^ifd^er  SBogt  ernannt.  S)ie  neuen 
SSerl^&Itniffe  gefialteten  ftd^  befriebigenb,  inbem  bie  gegebenen 
3ufid^erungen  bejfigtid^  Slufred^t^attung  ber  bisherigen  Siedete 
uid^t  nur  eingehalten,  fonbern  bur^  ^iuguffigung  neuer  n)irtUd^ 
Dermel^rt  würben.  Ueberbied  fanb  man  ftd^  je^t  nid^t  me§r  fo 
Dereinfamt  al8  tormald,  inbem  bie  nad^fte  Umgebung,  ebenfaQS 
unter  Oefterreid^  fiel^enb,  ©^aff^aufen  guDertdfiigeren  @d^u^ 
barbot,  aid  ^aifer  unb  Sfieid^  nebft  ben  Derbfinbeten  9ieid^S« 
fidbten  ber  ©tabt  berliel^en  fatten. 

9{ad^  Sinken  waren  bie  3^erl^ditniffe  geregelt,  aDein  im 
3nnern  l^crtfdjte  Unfriebe.  ®ie  Slbellc^en^  jroei  ©efettfd^aften 
bilbenb,  maren  fd^on  feit  2i<i^^cn  mit  einanber  gertragen. 
SBegen  ber  Sefe^ung  be8  States  unb  too^l  aud^  megen  Ueber« 
tretung  ber  9iat^8orbnung  geriet^eu  biefetben  im  ^a^xt  1335 
fo  l^art  an  einanber,  bag  ber  Sludbrud^  eine8  SurgerlriegS  gu 
beffird^ten  fianb.   S)er  9latl^,  minbeftend  auS  groei  ^ritt^eilen 


3 

VOM  9lbetic^cu  befefet,  roar  unmdc^ltg  bic  <£tr€Uiflfciteu  ju 
fi^üc^tcu  unb  über  Die  üorgcfaüciic  ^Winbraud^ung  oon  »3)lcf[cr 
unb  Sdjroert"  ju  rid^ten,  roFl^alb  frcmbc  $)agn)ifd^cufunft 
aiiflcrufeu  lüurbc.  Oeftemi^ijd^e  9idf5c  unter  SSorfife  bcS 
oftcrreid^if(j^en  SSogtö  gu  Ägburg^  Slubolf  t)on  Slarburp,  unter:: 
fud^tiSTbiF^tieitpunlte  unb  fdüten  einen  auf  jTDei  3^1^^^ 
binbeubeli  Spruc^i  ^m  ^a^v  1337  rourbe  auf  ©e^eife  be8 
JperjogoJUbrei^t  ein  formtid^er  griebenSöertrag  abgefd^toffen, 
öon  Men  befd^woren  unb  \>on  ©d^utt^ei^,  5Rof5  unb  SBurgeru 
beträftigt. 

Ol^ne  frembeg  3wtl^un  errid^teten  Slnno  1350  bte  ©djutt^ 
^ci^en,  bie  3idt^e  unb  bie  SBürger  ein  ©üubniß  auf  öler  3aljre, 
ebenfaQS'üm  bed  ^^riebend  unb  ber  aUgemeiueu  SSol^tfa^rt 
roilleu,  in  roetc^em  bie  potitijt^en  Steckte  unb  äSerpfUd^tungen 
gegenfeitig  enthalten  maren  unb  erläutert  n>urben.  Sßfil^renb 
bie  bid^erige  Sefe^ung  bed  9lat^d  beibehalten  mürbe,  volxi  gum 
erften  3)?a[  eined  ©ro^en  Stating  gebadet,  an  melden  toid^tige 
^ngeTegenl^eiten ,  namenttid^  bie  i^rage  toegen  33eibel^a(tung 
ober  Slbdnberung  biefer  @a^ungen  gebrad^t  roerben  foQen. 
3lu$  bie  ©emeinbe,  bereu  SReprdfentant  ber  ©ro|e  SÄatl^  war, 
e^riftirte  nod^,  roeS^alb  benn  aud^  bei  @r(ag  bon  neuen  ®efe^en 
neben  ben  @d^ult^ei|en  unb  ben  Sidtl^en  aud^  bie  ^^SBürger 
gemeiniglid^/^  errod^nt  werben.  5)urd^  bic  Uneinigfeit  beS 
Äbelä  gelang  ed  ben  ©ürgern,  größeren  @inf[u|  auf  bie 
öffenttid^en  Slngetegenl^eiten  audguüben.  3m  ^a^v  1367  fam 
ed  gmifd^en  ben  beiben  ^artl^eien  begügli^  ber  SBetl^eiligung 
am  ^Regiment  gu  ernften  ©rörterungen. 

^  \3"lStf  Sfterrei^tfd^e  SRdt^e,  Sifd^of  S^^^nn  t)on  Sri^en 
an  beren  Spii^e,  mürben  mit  bem  9luf trage  betraut,  in  @d^aff? 
Raufen  grieben  gu  ftiften.  5Jer  bieSfaüpfl^  2lnla|brief,  meldjer, 
nad^bem  er  bie  3^fttutmung  erl^alten  l^atte,  t)on  fdmmtlid^en 
bürgern  befd^rooren  mürbe,  bejiimmt,  ba§  ber  ©rofee  SÄatl^ 
au8  60  Üßitgliebern  beftel^en  fotle,  Don  benen  30  au8  ber 
^a^l  ber  ^Ibelid^en  auf  SebenSgeit  unb  bie  anbere  $d(fte  auS 


ber  B^wgcn  ©ürgcrfd^aft,  jebod^  nur  auf  jioci  Sa^re,  burd^  bic 
betben  abetid^en  ©efeUfc^aften  ertod^lt  roerbeu  foOe.  ^a^{e(6e 
SBdirfblTcgium  ^at  ben  Älcincn  9lat^  mit  8  Slbetid&eu  unb 
4  Surgcrn  ju  bcfcfecn,  bercn  Slmt^bauer  nur  auf  6  SÄonatc 
fld^^rftrecf t.  S)em  ©rofecn  9iat^  roirb  bie  SBcfugnig  eingeräumt, 
über  Äriefl  unb  ^fiebcU;  ©ünbniffe,  3^11  unb  Umgelb,  SRünj 
unb  (Semtd^t  ju  Derl^anbetn  unb  gu  eiitfd^eiben  unb  in  tolc^^ 
tigenJßrlDatangetegenl^citen  al8  offene^  ©erld^t  unter  ber 
SauSe  gu  amten,  onftatt  ber  früheren  ©emeinbc. 

'Jeoc^loar  fein  SDegennium,  üerfloffen,  a(3  fi(^  bie  Surger 
t)on  ben  Slbellc^cn  überliftet  ful^tten,  inbem  ber  Älelnc  dtatft 
gang  nur  ^on  blefen  befe^t  mar.  S)a  aud^  megen  @r^ebung 
ber  ©teuer  Ungufriebenl^elt  l^errfd^te,  fo  rourbe  ?lnuo  1375 
eine  längere  Slnroefcn^elt  bc8  §ergogS  geop.olbjn  ©d^affl^aufen 
toon  ber  ®ürgerfd^aft  benufet,  urn  i§re  ÄlageiLbemfelben  toors 
gutragen  unb  tl^n  um  eine  gufagenbe,  i^re  Siedete  beffer  beru(f< 
fid^tlgenbe  a3er|a[funa  gu  bitten, 

®le  Söürger  tijoten  feine  gel^tbitte.  9lad^  ber  neuen  SSer. 
foffung  ronxit  ber  ©ro^e  dtatf)  auf  36  SRttglteber  rebugirt 
unb  ber  kleine  9lat^  auf  16  3RitgIieber  er^5^t,  metd^e  in 
belben  Kollegien  auS  Slbelid^en  utib  93ürgertic^en  gu  gleichen 
Stielten  ermS^U  roerbin  follen,  eine  3wfammenje^ung,  bic  aud^ 
für  ble  Silbung  bed  and  gmolf  3RltgÜebern  befte^enben  ©e- 
rld^td,  bag  and  ber  Witte  bed  ©rogen  3tatf)^  errodblt  rourbe, 
i^re  Slnroenbung  finben  fottte.  ^\xt  SSerl^ütung  o^nlid^er  3Ser:= 
ftoge  gegen  bad  9leprafentatlondred§t  murbe  ein  SBal^lfoQegium 
gebilbet,  bei  metd^em  unter  ^uffid^t  ^ergogKd^er  ^Beamter  beibe 
Parteien  gfeid^  vertreten  waren- 

yjlxt  biefer  neuen  Orbnung  begnügte  man  fid^  bid  ein 
^a^x  nad^  ber  aud^  für  Sd^aff^aufeu  ung(üd((ld^  ausgefallenen 
©d^Iad^t  bei  gempad^.  8118  2lnnq_1387  §ergog  ?ltbred^t  wegen 
^Regelung  einiger  Angelegenheiten  feineä  ^aufeä  in  ©chaffs 
l^aufen  rotiUt,  mürbe  berfelbe  t)on  ^^Sbeln  unb  ©emeinen^ 
erfud^t,  bcn  2copolb*fd^ett  Orbnungäbrlef  gu  erneuem  unb 


tl^ren  aBflttfcftcn  unb  Sebürfniffen  anjupaffen.  SDiefer,  ben 
i^miber  ber  j^rotetTod&t  erfennenb,  |ol6_juf5rbcrft  bie  belbcn 
politischen  Sorporationen  al8  fold^e  auf  unb  t)eroi'bnete,  bag  ber 
steine  diat^  qu8  20  SRitflliebern  befielen  unb  au8  ber  g»iltc 
bed  ®ro|en  Statics  l^eroorgel^en  foQe,  rotlifytx  loieber  auf  60 
9RitgIieber  geflellt  xonxit,  unter  jftl^rttd^er  Smeuerung  eined 
SJritt^eiÖ  berjetben.  5)ie  SBal^t  ber  IWitglieber  be«  ©rofeen 
9lat|^  au3  bcnen  ou^  bie  Slid^ter  unb  93eamten  gu  ernennen 
Toaxtn,  rourbe  gftnglic^  freigegeben,  t)orau8gefe^t^  ba|  bie  el^r- 
barften  unb  roeifeften  SRdnncr  ern)&^(t  rourben.  Obfd^on  bie 
gefamntte  Surgerfd^aft  nad^  %6(auf  Don  t)ier  3<^]^^^^  urn  bie 
Seftitigung  biefer  Serorbnung  eintam  (1391),  fo  tag  fte 
berfelben  balb  nid^t  mel^r  gang  eben,  Inbeffen  fd^ien  eS  ratios 
{am,  bamit  fid^  gu  bereifen  unb  gu  begnügen  biS  gu  gele^ 
generer  ^txt. 

9118  nad^  ber  9tieber(age  be8  5{ierretd^ifd^en  £)eer8  an 
ber  SBoIfSIJalbe  (1405)  ^ergog  griebrid^  wieber  nad^  Sdjaff«» 
Raufen  gurütfgefe^rt  n)ar^  \>o\x  too  au8  berfelbe  bie  ©efel^bung 
ber  ^[ppengeller  eingeleitet  l^atte,  fd^ien  ber  ^ugenbUcf  ge- 
fommen,  benfelben  urn  Kb&nberung  ber  oon  feinem  ißater 
ertaffenen  Stabtoerfaffung  gu  bitten,  well  biefelbe  »l^infflr 
nid^t  nu^tic^  nod^  füglid^,  fonber  unleiblid^  unb  n)iber  ber 
©tabtgemeinbe  9lu^  roäre,  Don  m&nigerlet  @ad^  negen/ 

3n  Serfldffici^tigunfl  ber  erji  neulidj  mieber  gu  lage 
gelegten  treuen  Srgebenl^eit  unb  ber  einbringlid^en  93itte,  mit 
ber  bie  93erfaffung8anberung  na^gefud^t  murbe,  beauftragte 
ber  $ergog  bie  il^n  umgebenben  dt&t^t,  eine  ben  SBunfd^en  ber 
®e{ud^{tetler  entfpred^enbe  SSerorbnung  au8guarbeiten,  meldte, 
mit  bem  l^ergoglid^en  @ieget  befrdftigt,  S^eitag8  bor  Sart^o^ 
lomdi  1405  ber .  ©tabt  übergeben  rourbe. «) 

S)iefe  SBerfaffung  entfprad^  ben  gehegten  (Snoartungen  nid^t 
oon  Serne,  ba  biefelbe  nur  gang  unmefentlid^e  ^bdnberungen 


*)  Urlunbe  im  Ifantotii^arc^iD. 


bejügtt^  ber  üßitglieberga^I  ler  beiben  dtit^t  zc.  entl^teU, 
iD&l^renb  baS  SBa^Ired^t  rerlümmert  erfd^ien,  inbem  bie  SBa^Ieu 
unter  bei*  Seitung  bed  ofterreid^ifij^eu  2anbt)0gt8  in  Sd^roabcn 
unb  jn)eier  öfterreid^ifc^er  dtät^t,  beren  iBeeinfluffung  man  avß 
@vfal^rung  fannte,  t)orgenommen  loerben  mußten.  Uebevl^oupt 
lüoUtc  !einc  SSerfaffung  bcn  SBürgern  mel^r  sufagcn,  bie~nl(l^t 
ble  ®Ici(j^terc^jlgung  aller  Surgcr  i^rer  3^5'  ^^^  gcrodl^rs 
leiftele,  nad^  aJiaggabe  ber  aSevfaffungen  anbcrcr  ©tfibte^ 
wofelbft  bie  ati^ergcbrac^ten  ©efelljd^aften  unb  Innungen  mit 
poliü|d^en  Sitäjtiix  bebac^t  unb  aid  t)oUfommeu  gleid^bered^tigte 
Il^eile  gu  einem  (Songen  oeveinigt  mürben.  *) 

^nx  ©neid^ung  biefeä  ^ki^  mürben  feine  SÄü^en  gefpart 
unb  nac(|bem  man  \\i)  onberrodrtö  um  bie  ^unftoecfaffungen 
umgefe^en  unb  beren  Slnrocnbung  für  bie  ©tabt  ©d^aff^aufen 
genugjam  befprod^en  ^atte,  mürbe  eine  Slborbnung  gu  i£)ergog 
Jriebrid^,  roeld^er  auf  bem  ©tein  gu  Saben  §of  ^ielt,  entfenbet, 
um  il^n  gu  vermögen,  bie  bisherige  ^erorbnung  gurücfgugiel^en 
unb  ber  ©tabt  eine  ^w^f^^^^föffw^fl  "öd^  bem  vorgelegten 
'^ojeft  gu  geraderen.  ®em  §ergog  lag  an  ber  ©tabtöerfaffung 
fe^r  roenig,  bagegcn  l^ielt  fic^  berfelbe  öerpflid^tet,  ber  Sürger= 
fd^aft  oon  ©(^aff^aufen  in  il^ren  SBünfd^en  gu  entfpred^en, 
meil  fie  gu  ber  ^errfd^aft  öon  Oefterreic^  oft  unb  t)iet  ,,8eib 
unb  Out  gefet^'fic^  roel^  get^an  unb  für  biefetbe  i^r  SBlut  in 
©tfeifen  ijergoffen^  ^abe.  Jpulbooo  ert^ellte  ber  §ergog  für 
fid^  "unb  feine  ÜJlitregenten  ber  ©tabt  ©d^aff Raufen  bie  SSoü- 
^^4^/  r/3ünfte  ober  anbere  Orbnungen  gu  machen,  aid  fte 
meineil;  ba^  bad  gut  fep/'  inbeffen  mit  bem  Sorbe^alt,  bag 
ber  » SSürgermeifter,  bie  3wnftmeifter,  9idtl^  unb  bie  Sürger 
gemeinlid^,  fie  fepen  ©bei,  Öieid^  unb  Slrm"  attjd^rli^  in 
®egenmart  bed  Sanboogtd  ben  ^ergogen  oon  Oefterreid^  ben 


»)  3.  S3,  in  3üri*  Slnno  1336.  3n  »afe[  cyiftirtcn  f*on  im 
13.  3abrbun^ert  3ünftc,  in  Stein,  Sonftanj,  gTciburg  im  ®rci«aau, 
Ulm  u.  f.  to.  im  14.  ^a^r^unbcrt,  inbe^  o^ne,  ober  mit  befcbrÄnitcn 
pDUtif(i^en  9le(!^ten, 


gib  ber  Streue  unb  bem  Sürgermelper  unb  dtat^  ®e$orfam 
angeloben  joQen.  Um  bie  ertl^eilte  ©nobe  ju  t)erooIIftdnbigen, 
fleroS^rte  ber  JperjOfl  bcn  Slbgeorbneten  au^  ble  fernere  ®itte, 
bie  SBofltet  eiuISfen  gu  burfcn,  in  ber  SBeife,  ba§  ber  SBoqt 
fortan  „über  fcinertei  ®od^  me^r  rid^ten  foil,  beun  über  bag 
SBlut  unb  greDcI,  bie.  Seib  unb  ®ut  antreffen/' ») 

9Kit  biefem  (Sriaffe  fa^en  bie  ^Bürger  il^re  Wngft  gehegten 
SBünfd^e  im  DoQften  Wla^t  erfüQt.  UnDergügUc^  mürbe  bad  t)on 
bem  Jc^erjog  gutgel^etgene  ^rojett  gur  ^uäfü^rung  gebrad^t. 
®ie  aSarfügermöniJ^e  räumten  ber  Sürgcrfd^oft  l^re  Äird^e  ein 
jur  SBorna^me  ber  Jöal^len.  3n  SRitter  ®5fe  öon  §üneberg 
erhielt  bie  @tabt  ben  erften  93ürgermeifl^.  ^lad^bem  aud^  bie 
3unf tmeifter ,  {Rat^e  unb  9iid^ter  geipd^lt  roaren  unb  bie 
^ulbigungen  ftattgefunben  l^atten,  bilbetc  bie  KuffteOung  ber 
3uuftbriefe  ble  erfie  2lrbeit  be8  neuen  SRegimentö.  68  ent= 
galten  biefelben  gtet(j^  (Singangd  bie  @tabtt)erfaffung  unb 
fobann  eine  ©pegiafoerorbnung  berjenigen  3wnfte,  für  meldte 
bad  SDotument  beftimmt  rourbe.  %\\  ®t.  üRid^aeldtag  bedfelben 
3o^re8  würben  blefe  Sriefe  an  ble  ^ün^t  au8get§eilt« 

SRad^  biefer  erflen  3unftt>erfaffung,  meldte  bl8  gum  ©d^lufe 
beS'  18.  3oi^^unbcrt8  nur  unbebeutenbe  SSerfinberungen  erlitt, 
l^atte  fi(§ler*®ro6e  Stat^  attjä^rtld^  auf  ©t.  Sol^ann  »aptift« 
S:ag  gu  t)erfammeln,  um  einen  ißorfd^Iag  gur  Sßal^t  eined 
SBürgermelfiera  gu  bUben,  weld^er  ber  üerfammelten  ®emelnbe 
torgelegt  rourbe.  IRad^bem  baS  ©tanbeSoberl^aupt  geiDdl^It 
war,  traten  ble  12  Korporationen  (ble  ®efcnfd^aft  gun  Ferren 
unb  ble  11  3fi"ft0  gufammen,  um  guerfl  einen  3wnftmelfter 
unb  fobann  ble  ,,®£4to''  gu  wd^Ien,  t)on  benen  ber  6r|l^ 
gerodelte  ebenfaUS  ^Itglleb  be8  JTIeinen  diat^i  unb  ble  übrigen 
bed  ®ro6en  9tat§d  fein  foOen.  9)em  Alelnen  9lat^  ftanb  ble 
®efugnl|  gu,  ble  ®erl(ljt8fletten  gu  befefeen  unter  SBerüdtfld^s 
tlgung  ber  SBertretung  iegUd^er  3^"!^-    ^^^  99eenblgung 


')  anitttvoci^d  t)or  St.  Ulric^dtag  1411.   Urt.  im  ^antoni^arc^it). 


6e3üglid^  ber  ÜRitgliebergal^I  ter  Beiben  dtii^t  zc.  entJ^ielt, 
mdl^renb  baS  SBa^tred^t  revlümmert  erf^ten,  inbem  bie  SSüa^Ieu 
unter  bev  Leitung  bed  ofterreid^ifd^en  £anbt)ogtö  in  Sd^rcobcn 
unb  groeier  öftcrrcid^ifc^er  dt&t^z,  bercn  Seeinpuffung  man  auS 
@rfal^rung  fannte,  Dorgenouimeii  totxhtn  mußten.  Ueber^aupt 
lüoUte  leine  Sexfaffunj  bcn  Sürgcrn  mel^r  gufagen,  bir  nid^t 
bie  ©leid^Bcnd^lttflung  aüer  ©iirgcr  x^xtx  3^5^  ^^4  ftfroSl^rs 
lelftele,  nod^  aJiaBgobe  ber  aSerfaffungen  anbcrer  ©täbtc^ 
roofelbft  blc  althergebrachten  ©cfellfd^aften  unb  Innungen  mit 
politifd^en  9ted^teri  bebac^t  unb  a(d  t)oUfommen  gletd^bered^tigte 
Il^cile  ju  einem  (Sangen  oereinigt  mürben. ») 

^nx  ©rreid^ung  biefeg  ^iti^  rouvben  feine  SKü^en  gefpart 
unb  nad)itm  man  (ic^  anbermdrtd  um  bie  3u^ftoerfaffungen 
umgefe^en  unb  bereu  9lnmenbung  fur  bie  @tabt  ®d^affl^au[en 
genugjam  bcfprod^en  l^atte,  mürbe  eine  2tborbnung  gu  ^ergog 
^riebrid^,  roeld^er  auf  bcm  ©tein  gu  Saben  §of  ^ielt,  entfenbet, 
um  i^n  gu  t)erm5gen,  bie  bisherige  SSerorbnung  gurücfgugiel^eu 
unb  ber  6tabt  eine  ^unftoerfaffung  nad^  bem  t)0rgelegteu 
'^o\ett  gu  gerod^ren.  £)em  §ergog  lag  an  ber  ©tabtöerfaffung 
fe^r  roenig,  bagegcn  l^ielt  fic^  berfelbe  öerpflid^tet,  ber  Sürger« 
jd^aft  oon  ©(^aff^aufen  in  i^ren  aSünfd^en  gu  entfpred^en, 
meit  fie  gu  ber  §errfd§aft  öon  Oefterreid^  oft  unb  t)iel  ;,8eib 
unb  ®ut  gefetr/fic5  roel^  get^an  unb  für  biefelbe  i^r  Slut  in 
Streifen  öergoffen"  ^obe.  Jßulbooö  ert^eiltc  ber  §ergog  fur 
fid^  "unb  feine  ÜJlitregenten  ber  ©tabt  ©d^aff Raufen  bie  SBott^ 
^tt^ä&t/  //3ö^ft^  ^^^^  anbere  Orbnungen  gu  machen,  olä  fie 
meinen,  ba^  ba«  gut  fep/'  inbeffen  mit  bem  Sorbe^olt,  baß 
ber  „SBürgermeifter,  bie  3unftmeifter,  »idt^  unb  bie  Sürgcr 
gemeintid^,  fie  fepen  ebct,  SReid^  unb  Slrm"  aflid^rlidj  in 
Oegenroart  beö  Sanboogtg  ben  ^ergogen  üon  Oeftcrreid^  ben 


')  3.  95.  in  3urict  Slnno  1336.  3n  fflafel  eyiftirten  f*on  im 
13.  3abr^unbert  3ünftc,  in  Stein,  (Sonftana,  grcibutö  im  SBrei^gau, 
Ulm  u.  f.  to.  im  14.  ^a^r^unbert,  inbe^  o^nc,  ober  mit  befcbrdnften 
poUtifc^en  Siedeten, 


gib  ber  Streue  unb  bcm  ©flrgermeiper  unb  SRotlJ  ®elJorfam 
angeloben  {oQen.  Um  bie  ertJ^eilte  ®nabe  gu  t)erooaftdnbigen, 
fleroö^rte  ber  ^er^og  ben  Slbgeorbneten  au(^  bie  fernere  Sitte, 
bie  SBogtei  einl5fen  gu  burfen,  in  ber  SBeife,  ba§  ber  SBogt 
fortan  ^,üBer  feinerlci  ®ad^  me^r  rid^ten  |oÜ,  benn  über  bag 
SBIut  unb  greoel,  bie  Seib  unb  ®ut  antreffen/' ») 

2)iit  biefem  (Sriaffe  fa^en  bie  ^Bürger  il^re  Idngft  gehegten 
9Bfinf(j^e  im  ooQften  9ßa^e  erfuDt.  Unt)er2ÜgIi(^  mürbe  bad  t)on 
bem  Jc^ergog  gutgeheißene  ^rojett  gur  9uäffi§rung  gebrad^t. 
®ie  ©arfügermönd^e  räumten  ber  SSürgerfd^aft  l^re  Äird^e  ein 
gur  SJoma^me  ber  Jöal^len.  3"  ^Ritter  ®5^  i)on  §üne6erg 
erhielt  bie  ©tabt  ben  erfien  iBärgermeiftn:.  9lad^bem  au^  bie 
3unftmeifter ,  {Rdt^e  unb  9iid^ter  gemd^lt  maren  unb  bie 
^ulbigungen  ftattgefunben  Ratten,  bilbete  bie  9[uffte0ung  ber 
3uuftbriefe  bie  erfie  Slrbeit  beä  neuen  8legiment8.  (S8  ent= 
galten  biefelben  gleid^  SingangS  bie  @tabtt)erfaffung  unb 
fobann  eine  @pegtatt)erorbnung  berjenigen  fünfte,  für  meldte 
baS  S)o!ument  beftimmt  rourbe.  9(u  ®t.  ^Rid^aefötag  bedfelben 
3a^re8  mürben  biefe  Sriefe  an  bie  ^m^tt  auSget^eilt« 

SladJ  biefcr  erfien  ^^^fttJerfaffung,  meldte  bi8  gum  ©d^Iu§ 
beS'  18.  3ö|r^unb_ert8  nur  unbcbeutenbe  SSerdnberungen  erlitt, 
^atte  fi(§  beriSrofee  Stat^  aajd^rtid^  auf  ©t.  Sodann  »aptijl« 
S:ag  gu  t)erfammetn,  um  einen  ißorfd^Iag  gur  Sßa^t  eineS 
SürgermeifierS  gu  bilben,  metd^er  ber  oerfammelten  ®emelnbe 
torgelegt  mürbe.  Dtad^bem  bad  ©tanbeSoberl^aupt  gemdl^U 
mar,  traten  bie  12  Korporationen  (bie  ®efenfd^aft  gun  Ferren 
unb  bie  11  3fi"ft0  gufammen,  um  guerft  einen  3wnftmelfier 
unb  fobann  bie  ^©;^fer'^  gu  md^Ien,  öon  benen  ber  ©rffc 
gemd^Ite  ebenfaKd  SRitgUeb  be8  Jtletnen  dtat^i  unb  bie  übrigen 
be8  ©roßen  9tat^8  fein  foHen.  SDem  Aleinen  Statin  fianb  bie 
S3efugni|  gu,  bie  ®eri(ljt8ftetten  gu  befefeen  unter  SSerflcffld^s 
tigung  ber  iBertretung  ieglid^er  ä^n^.    9lad^  Seenbtgung 


>)  Tiitlmoä)^  oor  et.  Utrid^dtag  1411.   Urt.  im  Itanton^arc^io. 


8 

biefer  ^al^Ien  l^atte  ber  83ürgermeifter  t)or  beiben  9tdt(en  unb 
bcr  ©emctubc  ju  fd^roören:  ;,Unfcr  gndbigen  §crrfd^aft  Don 
Oefteireid^  Streun)  unb  9Ba^rl^eit,  begglid^  gemeiner  ©tabt 
dln^  unb  frommen  ju  förbern  nnb  ©d^aben  gu  menben  nnb 
bie  Slvmen  in  aQen  jimtid^en  unb  biQid^en  ©ad^en  gu  galten 
aü  bie  dipd^en  na(j^  feinem  SSermogen  on  aQ  ®efd^rbe.^ 
ipierauf  murbe  fomo^l  Don  ben  9idt^en  atö  ber  SSilrgerfd^aft 
bcm  SSurgermeifter  ber  @ib  beS  ©el^orfamd  geleiftet. 

5Kit  bem  eib,  ben  bie  3ünftlgen  il^rem  ^unftmeiftcr 
unb  ben  ied^S  übrigen  SSorgefe^ten  ju  [($n)5ren  l^atten,  toaxtn 
bie  SSol^Igefd^dfte  ber  Sürger  beenbigt.  !&ie  ^betid^en  waxtn 
nun  ben  8flrgerlid^en  begüglid^  ber  SSertretuug  in  ben  beiben 
mtfytn  nottftdnbig  gleid^  gcflettt.  Srft  im  3a§r  1461,  9»itt. 
mod^S  Dor  ®t.  ^plarien-SEog,  murbe  benfefben  bie  SBegün« 
ftigung  eingerdumt,  bofe  fie  „l^infuro  jdrlid^en  uffer  irer 
®efellfd^aft  Dier  Srbor  ^anu  ...  in  ben  steinen  9iQt^  tiefen, 
fe^en  unb  n)d(en  fonb  unb  ju  ben  Dieren  brei  in  ben  ®rofien 
KatlJ/'  0  5WadJ  Ablauf  bcS  erften  Sa^rS  würbe  ein  neuer 
Sürgermelfter  gerodl^ftTTüÄffcnb  ber  Slbtretenbe,  ot8  alt 
8ürgermeifter,  ber  gtoeite  äßürbentrdger  ber  ®tabt  blieb,  eine 
SBerfügung,  meldte  in  ber  golge  jur  fte^enben  Orbnung  rourbe, 
inbem  bad  Surg^ermeifteramt  in  ber  Siegel  gmifd^en  ben  einmal 
©cmd^lten  Sal^r  um  ^afyx  wed^ feite. 

•)  Urhmbe  in  ber  BpU\V)6)tn  d^ronil. 


€ntftti)nn0  Iter  (lltftU|'it)a/t. 


Scr  Zmb  jur  ©cfcttigfcit  ift  fo  alt,  als  bic  ÜKcnfd^l^eit 
fel6|%  au§  TDeld^em  fobanu  bevjenige,  augerl^alb  be§  engern  $au§:: 
^alt§,  mit  altera-,  Scnifäs  ober  ©tanbeägenoffen  fid^  ^u  erl^olen, 
l^eroorgicng. 

Utifcrc  2lltDorbern  festen  auf  bie  abcubUd^en  3"fömmen= 
fünfte,  noTncnTTic^  auj  bcn  ^^rinf^  ober  3Reiftcr= Stuben,  großen 
SSBert^,  roeS^olb  bcr  9lu§fd^Iu§  au§  benfelben  al^  eine  ber  empfinb= 
lid^fien  ©trafen  angefe^en  uub  baS  5^erbot,  bie  S:rinfftuben  ju 
Bcfud^en,  nur  in  ben  fci^roerften  gäHen  aud^  auf  bie  Sonntage 
auSgebe^nt  rourbe.  •)  3cbc  ©d^id^te  ber  Seoölferung  unb  gleid^jam 
jeber  ©taub  I|atte  feine  ?:rinfftube.  ©o  bie  ©eiftlid^feit,  bie  9titter 
unb  Sbeln,  bie  Äaufleute,  bie  ^anbrocrfer,  gifd^er  unb  Stebleute 
u.  f.  ro.  S^er  ftarf  certrctene  §anbn)erferflanb  gruppirte  fid^  nad^ 
ben  ^auptgeroerben,  benen  ftd^  in  ber  9{egel  bie  Derroanbten  ®e- 
roerbc  anfd^loffcn. 

9lu6cr  bem  ^rotd,  bcn  3lbcnbtrunf  in  ©cfcllfd^aft  einju? 
nel^men  unb  bei  Scfpred^ung  ber  S^ageSereigniffe  u.  f.  n). ,  ober 
bei  Äur^rocil,  roeld^c  bic  ©piele  brad^tcn,  fid^  ju  erholen,  l^attcn 
biefe  ©efellfd^oftcn  unb  Innungen  (^Bereinigungen?)  nod^  ben  be^ 
fonberen  3">^^/  bie  @cnoffenfd^aft§s3ntercffen  ju  befpred^en  unb 
ju  roäl^ren,  rooburd^  bie  93anbe  ber  ^Bereinigung  je  länger  je 
juücrläffiger  gefnüpft  rourben,  inSbefonbcre  rotnn  nod^  politifd^e 
©ejhebungen  l^injutraten ,  roaS  bei  ben  abclid^cn  ©efeUfd^aften 
inSbc[onbere  ber  gad  loar.  3lud^  ber  Irieb,  öffentlid^  als  Kor- 
poration aufzutreten,  max  oorl^anben  unb  fanb  ^unöd^fl  bei  fird^lid^en 

')  Slnno  1533  purbe  bciüglicb  Slleyanber  SibcrS  üor  SRatb  ertannt: 
„ba6  er  binfüfTTTTcifi  Ue'rt^cn  nod^  ccfelaftrun!  mebr  tl^un  foUe^  benn 
oüoin  am  SunbTog'  uff  finer  £tu6cn"  u.  f.  tu. 

1* 


10 

gefllid^feiten  feine  93efrtebtguitg,  wo^w  bann  nod^  bie  ^emeinfd^aft^ 
lid^e  5eier_beäcvfovncn  ®cnof{cnfd^aft§patronS  unb  bie  Scärabnifei 
fciev  Beim  ^infd^eibe  Don  3nnung§genoffcn  n.  f.  xo.  fanien.  Urn  aU' 
biefe  ocrf^cbciiortigen  Äunbgebungcn  be3  gefcnfd^aftlid^cn  9?evbanb3 
jum  35Bo^t  ber  SSereinigung  unb  bev  einzelnen  ÜKitglieber  ^n  regeln, 
ronrben  ©tubenorbnungen  aufgcfleKt,  benen  fid^  bie  ©enoffen  ju 
unterhielten  fatten. 

5ßon  Seite  ber  Vhtxn  waren  biefe  flatntarifd^en  ©croegnngen 
ber  ©tubengen offen  nid^t  gerne  gcfc^en  unb  oftmals,  wenn  bicfelben 
ben  bfös'  gefcttfd^aftlid^en  ^xotä  überfd^ritten,  oerboten,  weit  man 
befürd^tete,  bag  l^ieburd^  bie  @intrad^t  ber  ©emeinbe  unb  bamit 
bie  SQSol^lfal^rt  ber  ©tabt  gcfa^rbet  merbe.  Sd^on  ?lnno  1291 
fagten  9iat^  unb  ©urger  ben  fcicrlid^cn  ©ntfd^luft,  unter  oHen 
Umflanben  nid^t  bulben  ju  rooHcn,  bag  ^cmanb  cine  3w^^f*/  ®^' 
fellfd^aft  ober  SRciflerfd^aft  ober  eiblid^e  ^r^crbinbung  grünbe  ober 
aud^  nur  in  9lnregung  bringe,  unter  gcjlfcfjung,  bag  bemjenigen, 
ber  roiber  biefen  Sefd^fug  ^anble,  fein  befteS  §au8  nicbcrgeriffcn 
ober  in  (Srmanglung  eineS  eigenen  §anfeS  eine  S3uße  oon  jel^en 
SKarf  (Silber)  auferlegt  werben  foUe,  bi«  ju  beren  ©ntrid^tung 
ber  fflcfh-afte  bie  ©tabt  ju  meiben  ^abe.  *)  !J>ie  äbclid^en  bilbeten 
jwei  ©cfcUfd^aften,  bie  i^re  "iPerfammlungSorte  auf  ber  §errenflube 
unb  auf  0er  fpatcrn  Äaufleutftube  fatten,  weld^e  nad^  i(|rer  Sage 
bie  obere  unb  nicbcre  5:vinfflube  genannt  würben.  Cbfd^on  beibe 
©efeUfd^aften  biefelben  3"^^^^  ocrfolgten  unb  au§  glcid^e  9?cd^te 
befagen,  fo  entflanben  bod^  jwifc^en  benfclben  öftere  S)fcibungen 
unb  nid^t  fetten  bebenflid^e  3wfaninicnftö6e  wegen  ©onbcrintereffen, 
ju  beren  Verfolgung  fie  fid^  eiblid^  üerbanben  unb  im  Sd^ooge 
ber  Sürgerfd^aft  nad^  ^»elferSl^elfern  warben. 

§ergog  älbixd^t  pon  Oefterreid^  l^ob  bie  poUtifd^en  Siedete 
ber  beiben  ©cfeHfd^aften  auf,  in  golge  beffen  biefelben  im  3^^^*^ 
1394,  nur  nod^  40  SWitglieber  jal^lenb,  ju  einer  einzigen  ©efetis 
fd^aft  fid^  oerbanben  unb   auf  bie  obere   ober  ©crrenflube  jogen. 


')  SRIcbtebrief  S.  34. 


11 

einige  JPlitgtieber,  bic  fid^  bcn  ®a(jungcn  bcä  eivic^tctcii  „®e= 
icQeubviefd''  nid^t  unterbieten  ober  überhaupt  fid^  nid^t  Deieinigen 
ioottten,"tIicBcn  auf  ber  nicbeven  ©tube  ^uvücf  unb  rouvben^  roenn 
nic^tjbic  Övüubev,  fo  bo^  üJlitglieber  ber  Öefettft^aft  jim  Jlauf= 
(euten,  roeld^e  von  ba  an  i^ren  So^nfi^  auf  berfetben  auffc^lug. 
^ie  näheren  Serl^attnijle  biefer  Slnfieblung  fönnen  nid^t  me^r 
angegeben  werben,  eS  liegt  aber  bie  Sefd^reibung  eineö  i^orfaUö 
Dox,  xoti^tx  im  iti^itn  2)e§cnnium  beS  XIV.  ^ol^r^unbertä  fic^ 
zugetragen,  auä  xoti^tm  beutlid^  l^erDOrgel^t ,  bag  bie  Jtaufleute 
bereits  im  Sep^  be§  ©ebäubeS  rooren.  Ta  biefe  Sc[c^reibung 
überbiei  einen  33lid^  in  bie  bamalige  ro^e  3^it  gemalert,  fo  folgt 
fie  ^ier  roörtlic^. 

„$anä  ©olbfd^mit  bi  ber  nieberen  Irinfjluben,  ber  fpilt 
„Siad^tS  umb  ÜKitternad^t  unb  barnad^  mit  ©ain^lin  ber  5toflüt 
„itnec^t,  uf  ber  ^oflütftuben,  in  ben  ^i^enad^ten  unb  geroan  il^m 
„  fünf  ^funb  an.  Unb  ba  ber  jtned^t  nit  baav  ^fenig  l^att  unb 
„\f)n  nit  je  ©tunbe  beja^len  woUt,  bo  fc^idCt  ber  ®olb[d^mit  nad^ 
„finem  ®un  unb  finen  Äncd^ten,  bie  brad^tenb  oier  ©d^rocrt  unb 
,,fiu^nbenb  für  bie  Stubent^ür  unb  rooQten  i^n  nienbert  l^in  lan 
„gan,  er  beja!)le . .  benn.  Ueber  ba^  berfclb  §ain^li  i^n  flc^iflid^ 
„bat  bo6  er  i^n  lieffe  gan,  er  roöttt  i^m  bringen  ben  @ieP)  alb 
„(ober)  ben  Äron  ober  raellen  er  unter  finen  $erren  roöllte,  ber 
„für  i^n  (gut)  fpräd^  umb  ba§  (Selb;  baS  l^alf  atteä  nit,  unb 
„mußt  er  in  ber  ©tuben  beliben  .  .  .  Unb  bo  pe  allfo  lang  oer^ 
„^arrten  bo  ging  $ain^li  bar  unb  fprad^,  roenb  iE|r  mid^  nit 
„^inug  in  min  SRuroe  lan  gan,  fo  roiH  id^  l^ie  inne  ligen  fd^lafen 
„unb  leit  fid^  uff  ainen  Sanf  fd^lafen  unb  leit  fm  ©ürtclgemanb 
„unter  baS  $opt.  Unb  bo  er  alfo  fid^  nibergelait,  bo  namenb  p 
„il^m  pn  Xäfd^en  ba  l^at  er  wo^l  10  ©ulbin  roert^  innen  unb 
„pn  ©ürtclgewanb  gönjlid^  unb  trugenb  eS  mit  i^nen  |aim.  Unb 
Ji)at  baS  jffe3  fröoenlid^  mit  ©ewalt  unb  o^ne  SJet^t  mit  redeten 
„Uffa^en.  I:a3  llagenb  alle  bie  @ef eilen  uf  berfclben  ©tuben  unb 

')  9}itolaud,  ber  ^(^»iegen^ater  be^  $>einri(!^  Ilron  jur  Jlrone. 
m^tx. 


12 

„funbcr  Don  il^m  bcm  ®u^n  unb  Don  jincn  Äncd^ten,  ba§  fie  ain 
„§ainifud^  in  il^rem  §u§  get^dn  i)dbtn,  roann  jlc  nid§t§  boriimc  jc 
„fd^affcn  \)ant,  ©i  bc^übenb  i!)n  od^  jroo  ©tunbcn  unb  mc,  oHfo 
« gefangen  in  bev  Stuben  bis  i^nen  fin  Za\^  roavb,  bo  giengenb 
,J\  enroeg,"  (civca  1396). 

2)ie  evfte  ©tubenorbnung  bev  Äaufteute^Öefetlfd^aft  ijl  nid^t 
tne^v  oorl^anben^  allein  au3  ben  befannten  unb  nod^  lange  in 
Uebung  gebliebenen  ß^invic^tungen  ju  fd^liefeen,  war  fie  bevjenigen 
ber  oovl^evge^enben  ©efellfd^aft  ä^nlid§ ,  roonad^  baS  ©tubenved^t 
oom  3?ater  auf  bie  ©ö^ne  pd^  forterbte.  3Sater  unb  ©ol^ne  ober 
©ruber,  bie  mit  einanber  einen  unget^eiltcn  §au§^alt  führten, 
l^atten  an  bie  Saften  ber  ©efellfc^aft  nur  ben  Iribut  eiueS  einjigen 
©enoff^n  beizutragen.  Triefe  Saften  beftanbcn  in  ben  9luälagen  für 
bie  Unter^(tung?ifoften  beS  ©efeUfc^aftä^aufeS  unb  bie  innere 
©inrid^tung  unb  9luäftattung  beöfelben,  in  ber  5lnfd^affung  unb 
Unterhaltung  bcä  ©ejcltä  unb  ber  Äriegögerat^fd^aften ,  in  ©es 
flreitung  beä  Äned^tenlol^uä ,  beä  Sic^tpfenningä ,  beä  ^oljgelbeS 
u.  f.  ro.  unb  würben  burd^  reglementarifd^e  (Sinja^lungen  quarta= 
liter  geleiftct  unb  bei  augerorbentlic^cn  ©ebüvfuiffen  aber  mittelft 
bcfoubcrer  9luflagen,  weld^e  ju  gleid^en  i^eilen  auf  bie  ©enoffen 
gelegt  würben. 

3u  2lnfang  beS  15.  Sal^rl^unbcrtg;  unb  fd^on  juoor  war  bie 
„  ©efeUf d^af t  uff  ber  Äouflütftubcn"  öfonomifd^  fc^on  fo  gut  be- 
ftcttt,  baö  pe  iäl;rlid^c  3i"fc  faufeu,  b.  \).  (Kapitalien  auölei^en 
fonnte,  worüber  mehrere  ^iJ^^briefe  3c"ä"ife  geben.  S)urc^  allerlei 
!fsefbicufte  um  bie  Saterftabt,  fei  e§  burd^  33ürgfd^aftöleiftungen 
für  biefelbe,  ober  bnrc^  23ergabungen  an  milbe  ©tiftungen,  burd^ 
aufmunternben  Wiwti)  bei  Söaffentl^aten  ober  burd^  weifen  i)iat^ 
in  ben  inneren  9lngelegenl^eiten  beä  ©tabt^auä^alteS ,  erwarben 
mand^e  ©efellfd^aftSgenoffen  gerechte  ^(nerfennung ,  bie  nac^  unb 
nac^  auf  bie  ganje  ©efellfd^aft  übergieng,  um  fo  me^r,  alö  biefe 
treu  gu  ben  ißürgerlid^en  f|ielt  unb-  in  ißefämpfung  ber  unleiblid^ 
geworbenen  ?fitä)tt  beg  9lbelä  l^öd^fl  wal^rfc^einlid^  ben  9lu§fc^lag 
jum  ©icg  gab,  ber  mit  ber  3wnftoerfaffung  erreid^t  würbe. 


13 


iBas  ^unftmefeiu 

®ic  ©cfcttfd^aft  jun  Äauficutcn  rourbc  bcä  ©cioerbeä  roegcn, 
bag  i^r  ben  SRamen  licl^,  ben  3wnftcn  BeigefeHt.  SScjuglid^  ber 
SJerhetung  im  ^atf)  ctütt  fie  jroar  eine  etroetd^e  @inbu§c,  roeil 
na(fy  ber  neuen  Orbnung  ber  3^)iugc  bie  9teprafentation  in  ben 
beiben  9Jat^en  ber  3^1^^  naci^  biefelBc  war,  roä^renb  fie  ijuoor  eine 
TDeit  größere  93ertretnng  aufjuroeifen  l^atte.  ^nbeffen  niod^ten  fid^ 
bie  @enof|cn  jumeift  mit  ber  @rfa^rung§fad^e  troflen,  bag  bie 
geifligere  unb  ofonomifd^  beffcr  geficlltc  5?ertretung  bominiren  roerbe. 
©0  roar  e8  aud^.  9?on  22  33ürgcrmeiflern,  meldte  bis  jur  SRefors 
motion  an^  Stegiment  gelangten,  roaren  ei(f  Snitglieberoon  ber 
Äaufleute^unft.  @d^on  nad^  3lblauf  beS  erften  3^^^^^  rourbe  ber 
©efeBfd^aft  bie  @^re  ju  ?:^eil,  in  i^rem  Su'if^^n^^f^^r ,  §an3 
8inggi,  ben  groeiten  Sürgermeif^er  ber  ©tabt  ju  begiTigen. 

Son  1530  an  roenbete  fid^  bie  @unfl  t)on  ber  ©cfcttfd^oft 
ab,  fo  bag  Don  46  nad^folgenben  ©tanbeS^auptern  biS  ^um  ^a^r 
1831  nur  nod^  6  93ürgermeifier  ab  ber  ^aufleutftube  gerodelt 
würben,  äWand^e  unferer  ©tanbeSl^aupter  unb  Statine  rourben  mit 
roid^tigen  ©enbungen  betraut  ober  famen  fonft  in  ben  gall,  bie 
3ntereffen  ber  SJaterflabt  oft  unter  fd^roierigen  95er]^ä(tniffen  ju 
wahren  unb  ju  oerfed^ten;  fo  §einrid^  Sarter  imb  ^eter 
Slünangfter,  roeld^e  im  3al^r  1454  nad^  SKünd^cn  gefonbt 
rourben,  urn  mit  ben  93oten  ber  oerbfinbeten  9{eid^3ftäbte  bie  fd^roie- 
rige  Sage  ber  ©tabt  gegenüber  §crjog  9l(bred^t  oon  Cef^erreid^ 
ju  beratl^en.  3lnno  1491  Surgermeiflcr  §anS  oon  SBalbfird^ 
„als  er  gon  SRegcnäburg  jum  Äaifcr  ritt.">)  J^er  Sürgermcifter 
^an^  ^it^itx  roar  einer  ber  eibgenoffifd^cn  ©efanbten,  roeld^e  auf 
ben  Sßunfd^  bed  ^opfleS  Slnno  1512  nad^  Ütom  entfenbet  rourben 
^ur  Seratl^ung  einer  l^od^roid^tigen  9lnge(egenl^eit,  bie  inbeffen  fe(|r 
flein  enbete.  ^m  ^a\)x  1521  roar  er  2tbgeorbneter  an  ben  frans 
jöfifd^en  §of   bel^ufS  Slbfd^liefeung  beä   nad^gefud^ten  ®ünbniffeS 


')  IRed^nung^robel. 


14 

mit  ben  ßibgenoffen.  3m  glcid^cn  ^iai^xt  509  cv  an  bcr  2pi(3C  ooii 
300  3Raitu  nad^  $attau,  um  bicfc  cyciuciiibc  511  oermögen,  unter 
ben  ©d^ivm  uub  bic  SotmaBigfeit  bcr  3tabt  5c^aff^aufcu  fid^ 
gu  begeben. 

Ter  ^Mtgcr  S^an^  Stocfar,  roie  c^  fc^eint  loeniger  geeignet, 
fd^roievigc  politifd^e  9(uf träge  ju  übernehmen,  f^at  burd^  grofec 
Xreue  unb  Slufmeiffamfeit^  bie  er  in  öfonomifc^cn  9tngelegenE|ciicn 
ber  ^[^aterftabt  ermieS,  bereu  Tant  unb  9(nerfeunuug  oielfältig 
oerbient.  (^Ueic^fam  alS  93c(o^nuug  muvben  i^m  einige  angenehme 
®efanbtfc^aften  übertragen,  unter  benen  bic  bebeutenbfte  biejenige 
nod^  33ern,  greiburg  unb  SoCot^iirn  im  ^^a\)xt  \  526  fein  mochte, 
jnm  ^xütd  ber  Slbna^me  bcä  ©ibeä  auf  bie  iöunbeäbriefe. ») 

3al^lreid^e  unb  wichtige  Sotfd^aften  rourben  bem  S3ürgermeifter 
§aug  3lafob  3i^9l^v  übertiagen,  roeö^alb  berfelbc  3(nno  1650, 
als  bic  oou  i^m  nad^gefud^tc  fäuflid^e  3(6tretung  bcä  9}ebeul^au[ed 
jur  lanne  beanftanbet  rourbe,  in  Erinnerung  brad^te,  roie  er  „nun 
mef)r  als  in  20  ^a^xtw  me^r  alä  100  Steifen  unb  Sotfd^aften 
aUcmal  mit  äRü^c  unb  etliche  mat  mit  ©efal^ren  unterlegt,  getrau 
unb  perric^tet"  ^abe.  C^r  roar  unflreitig  einer  bcr  intefligenteften 
gü^rcr  beS  ^ieftgen  ©taatö^auä^altä  im  17.  ^a^r^unbert. 

Ttni  Cb^errn  GJ^rijlop^  oon  3Batbfird§  rourbe  am 
20.  3annar  1563  bie  befonbere  ©^re  ju  i^eit,  in  Scgteitung 
beS  Cberoogts  Dr.  ÜJJartin  ^$e9er  bem  Äaifer  S^rbinanb  I.  in 
SBatbg^ut  bie  ^ufroartung  5U  madden,  um  benfctben  ju  bitten,  ber 
©tabt  ©d^aff^aufen  bie  ®nabe  eineä  Sefud^S  unb  feinem  Begleiter 
biejenige  bcr  Se^erbcrbung  feiner  faiferlid^en  SKaiefiät  ju  erroeifen, 
roeld^em  ©efud^  bann  aud^  am  nad&ftfolgenbcn  läge  entfprod^en 
rourbe.  3lud^  bem  Cb^errn  S^aixi  ßonrab  ^eger  rourben  oiete 
©efanbtjd^aften  übertragen,  über  bercn  3?crrid§tung  nod^  ganje 
9lftenftö6e,  oon  eigener  $anb  gef daneben,  2luffd^lu6  geben;  eine 
ber  roid^tigften  üJlifriouen  roar  biejenige   au  Äönig  Subroig  Xlll. 


*)  iWan  oerglcicbc  beffen  Sagcbu(b  t)on  1520  bi»  1529,  t}nam^ 
gegeben  oon  3Raurer«^onftant,  1839. 


15 

na(l^  ^-Parte  wegen  beä  9Seltlin§,  weld^c  im  ^al^v  1622  jur  SluS^ 
fu^rung  fam.  *) 

Tie  rocitere  Slufja^fiutg  bcr  e^vcnpoBcn  9luftrage,  bic  jc  ju 
3citen  ben  9?egimcntSobcrn  ab  ber  Äaufleutflube,  uamenttid^  in 
ben  testen  jroei  ^a^r^unberten,  übertragen  warben,  müfjcn  einer 
fpateren  geber  üBerlaffen  werben. 

f/^cr  3"»iftmeifler  nnb  bie  ®ed^8"  bilbeten  bie  SSorflel^erfd^aft, 
roeld^er  bie  Sefngnig  eingeräumt  roar,  über  bie  2lufna]^mSgefud^e  ber 
©eroerber  um  bie  ©efeOfd^aft  ju  entfd^eiben,  bie  3Kilitarbienjipflid^5 
tigen  einjutl^eilen  unb  bie  SKnlagegelber  für  S^bjugSs,  Sau-  ober 
anbere  augerorbentlid^e  Sofien  }u  beflimmen.  Sll^nen  lag  bie 
ijanbl^abung  ber  obrigfeitlici^en  ©efe^e  unb  SBerorbnungen  ob  mit 
einer  Strafbefugnis  bis  auf  10  ß  $tr. , »)  bie  «ufpc^t  über  baS 
©eroerberoefen  unb  bie  Cberaufjld^t  über  bie  Defonomie  bcr  ®es 
fellfd^aft,  roeld^e  jroei  Pflegern  auä  ber  SJlitte  ber  ©efellfd^aft 
anüertraut  rourbe. 

3)em  3i"Ut»^«if*ci'  flttni>  ^i^  Sefugnig  ju,  bie  Sw^ftflcnoflen 
ju  333a^(en  unb  Seratl^ungen  jufammenjuberufen ,  wie  er  benn 
aud^  baS  Crgan  roar,  bie  993ünfd^e  unb  93efd^roerben  berfelben  bem 
Äleinen  9tat^  üorjutragen  ober  umgefel^rt  bie  Sefd^lüffe  unb  Rei- 
fungen beSfelben  entgegenjunel^men  nnb  ber  ^wnft  miijutl^eiten. 

3u  ben  3"fttmmenfünften  ober  in§  ©ebot  rourbe  ben  ©e? 
fellfd^aftägenoffen  burd^  ben  ©tubenbiener,  in  ber  Siegel  bei  einer 
Su§e,  geboten.  I^ie  9luSbleibcnben  rourben  urfprünglicl^  mit  einem 
©drilling  ©ufee  belegt;  oon  1489  an  betrug  biefelbe  2 /?  geller. 
(5incn_@d^lQing  foB  be  jaulen  roer  ^nac^  ber  erflcn  llmbfrag" 
eintrifft,  ©p  man  aber  „bi  ber  trüro  gebütet,  baS  fott  gefd^el^en, 

*)  IBon  ibm  befi|t  man  aucb  eine  im  2)ru<f  erfcbtenene  StaafcS« 
Derfaffung  unter  (SromroeQ. 

^)  ,,^0(!b  ift  mit  Seamen  barin  ufioßfe&t  fcbla^ben,  9illef[er  äugten, 
tounben  unb  toa^  ^emaffnete  ^anb  ift  unb  ob  oucb  atner  bem  anbern 
m  fprdcb,  bajs  er  atn  3)ieb  mere  ober  ein  9Jl5rber,  ober  fuft  ungeroonlicb 
Siebe,  bie  ainem  ftn  2xh,  6re  ober  ®ut  anrüebrte  unb  ou(!b  ungemonlicb 
6(bmür,  ba^  foQ  bem  IRatt  bebalten  Rn  ^e  ftraffenb  unb  gu  richten" 
u.  f.  to.   3nbalt  fdmmtlic^er  3unftbriefe  oon  1411  unb  1449. 


16 

fo  bag  SJott  Don  bcr  (Stabt  rocgcn  \\t,  fo  ocrfaOt  ber,  fo  ganj 
uSbelibt,  ein  93u6  nad^  (grfanntnug  ber  3"nft<\efellcn.^  Urn  ba8 
fpatc  gintvcffcn  ju  ocr^üten  unb  bie  bicäfoHfigc  ßontrole  ju 
praclfircn,  lourbc  9lnno  1565  Bcfd^loffcn,  ba^  bie  Pfleger  eine 
®anbu(;v,  eine  ^albe  ©tunbe  laiifenb,  anfertigen  laffen  foffen, 
roelci^e  „aUrot^  uff  bie  Stunb  fo  gebotten  ufgeßcttt  unb  roann  fte 
uffgeloffcn,  ber  baruad^  fommt  foil  1  ß,  unb  ber  gar  nit  fommt 
2 /T  Bc;^a^lcn. "  Slnno  1685  faßte  bie  ©cfeafd^oft  ben  »efd^rufi, 
ba§  bie  (Sntfd^ulbigungen  wegen  beS  SotS  nur  bei  bem  CBl^erren 
eingelegt  unb  Slbfenjen  ol^ne  genügenbe  ©ntfd^ulbigung  mit  4  fr. 
SBuße  belegt  werben  f ollen.  !Diefer  Sefd^lug  blieb  bis  Slnno  1784 
in  Äraft,  in  weld^em  ^Qi)x  bie  Sufee  für  baS  9lu8bleiben  auf 
12  fr.  feflgefe^t  würbe. 

Sei  ben  3""ftüer^anblungen  galten  bie  bei  ben  Söe^örben  üb^ 
lid^en  9}egeln,  welci^e  ftd^  aud^  auf  bie  SluSflanbSorbnung  erjlre^ten. 
33ei  ben  SBal^lcn  entfd^ieb  3al^r^uuberte  ^inburd^  ba§  relatioe  3Re^r. 
Si§  jum  ^a^v  1673  würben  bie  Stimmen  bem  Cb^errn  unb 
jwei  SBa^lbeputirten  auä  ber  ÜRitte  ber  ©efellfd^aft  in  einem 
bcfonberen  3i"i»ner  münblid^  abgegeben,  jlanben  biefe  ein,  fo  ^tte 
ber  33orfi^enbe  baS  (Sntfd^eibungSred^t.  !Da  aber  bei  ber  ^^munb? 
lid^en  Öffnung  unb  (Sinnel^mung  ber  9Bal^len  fid^  vielerlei  Se- 
fd^werlid^feiten  befunben,  inbeme  nit  allein  ben  SBöl^lenben  bie 
t^reil^eit  umb  etwaS  benommen  unb  bie  SEBal^len  gleid^fam  gel^emmet, 
fonbern  aud^  bie  in  bergleid^en  ©efd^öften  l^öd^ft  notl^wenbige  $^er: 
fd^wiegen^eit  weniger  ju  l^offengewcfen/'  würbe  9lnno  1673  in 
bem  Seflrebcn,  ,,bie  fo  wol^l  anftänbige  SSertraulic^feit,  Siebe  unb 
grieben  unter  ben  ©efeUfd^aftgenoffen  weiterS  ju  erl^alten  unb  fort? 
jufe^en,  oon  einer  ,,Söblid^en  abelid^cn  ©efellfd^aft"  bie  ©infül^rung 
oon  aBal^lröbeln  befd^loffen,  auf  weld^cn  ,,  aller  ©efeDfd^aftSgcnoffeu 
SRamen  mit  i^rem  Unterfd^eib  entl^alten  fc^n  fotten."  2luf  biefen 
3ebbeln  würbe  außerhalb  beä  SJerfammlungSjimmcrS  ber  9lame 
beS  ju  SBa^lenben  ,,mit  JÜötl^eP  unterjogen,  fpater  buvd^gefhrid^en 
unb  fobann  bie  gefallenen  Stimmen  mit  einer  ängfllid^en  Sorftd^t 
in  einem  92eben)immer   boppelt  oerjeic^uet  unb  nad^  SRittl^eilung 


17 

be$  ^al^lergebniffeS  unb  SSeenbtgung  fammtlid^er  9Bal^len  bte 
@timm3ebbe(  oerbvannt;  roeld^e  nad^^er  oon  benjemgen  ,,fo  bat- 
buTd^  gu  einer  @§ren{lell  beforbert  woxhtn/*  be^al^lt  loerben  mußten. 
S)tefe  9Ba^Iart,  loenn  auc^  in  oeteinfad^ter  i^ovm  rourbe  erfl  im 
2ia^r  1837  abgef^afft  unb  bie  (Stimmabgabe  mittelfl  gefd^riebener 
3ebbel  eingeführt. 

3«!,  17.  unb  18.  3a^r^unbert  ^errfd^tc  in  ©d^aff^aufcn 
eine  groge  Segierbe  nac^  S^renfleUen  unb  Remtern,  meldte  fel^r 
oft  ju  unerlaubten  unb  uerroerflid^en  äßitteln  oerleitete.  ^al^er 
erlieg  ber  9tat^  9lnno  1618.„pan  tragenben  oberfeitlic^cn  5lmtS 
roegen,  auc^  umb  beS  gemeinen  9lut^  unb  SBol^lflanbS  roitlen"  eine 
Crbnung^  i^mie  ed  ^infüro  bei  99efa^ung  bed  9tegimentS  u.  f.  m. 
gehalten  werben  ft)Qe/'  ber  ^ufolge  bie  ©ema^Iten  por  9lat^  eiblid^ 
bezeugen  foKen,  bag  fie  ,,o^ne  aUeS  prafti^iren  unb  troleuj,  e^rlid^ 
unfi"'reb£id§er  SBeiS"  ju  il^ren  Stctten  gelangt  feien.  35er  Unfug, 
mittelfl  ©efd^enfen  unb  ^erfpred^ungen  ©teilen  ^u  erl^afd^en,  mar 
bereits  fo  tief  eingewurzelt ,  bag  biefe  3Ragregel  nid^t  nur  roenig 
©rfolg  ^atte,  fonbern  nod^  ^ufige^  ÜWeineibe  ^erporrief.  ?luf 
$ftngften  Slnno  1714  mürbe  oon  ben  ßanjeln  ^erab  gemaltig"^ 
gegen  ,,  biefe  burd^ge^enbe  Serberbnug  unb  ben  leibigen  SReineib,  fo\ 
bei  PorfaOenben  SBal^len  burd^  Uebertretung  beä  ^lafti^ireibs  j 
begangen  merbe"  geeifert  unb  fobann  im  ©d^ooge  beS  ©rogen/' 
Status  burd^  einen  ©efeUfd^aftSgenoffen,  ^o^anned^eper,  $rof 
feffor,  *)  in  ber  ßigenfd^aft  als  ©rogratl^ösSfüger  ein  ßommentar 
}u  biefen  ßanjelergftfien  gegeben,  ber  in  12  fünften  fummarifd^ 
bie  Serfünbigungen  nad^mteS,  beren  fid^  bie  9}iitglieber  beiber  9idt]^e 
}u  ©d^ulben  fommen  liegen.  S^iefe  SuSeinanberfe^ung  blieb  ntd^t 
o^ne  etmeld^en  ßrfolg^  inbeffen  mürbe  baS  ^raftijiren  nod^  lange 
fortgetrieben,  tro^  ber  angebrol^ten  l^arten  ©trafen,  megl^alb  bie 
Obrigfeit  2lnno  1672,  in  2lnbetrad^t,  bag  ^ber  G^rgeig  unb  bie 
99egierbe  unter  un3  niemalen  aufl^orcn  merbe,"  ju  bem  Sntfd^luffe 
!am,   ^infort  oon  ben  ©erod^lten  nur  nod^  ein  ^anbgelübbe  gu 

^)  @in  Sotin  beS  Obbenen  3ob*  (Sonrab  $eQer  unb  ein  trüber 
bed  Med.  Dr.  ^onrab  ^eper. 


18 

«ilangeit,  baß .  Pt  ouf  rebuke  üßdfe  ju  i^wn  ^Sltllen  gekommen 
fden,  — 

ade^rert  ©tnoffen  jun  ÄQufteuten,  bit  fi^  befonbtrS  befflEiigt 
unb  berufen  ~fll^eit ,  t^Sfigen  ^nt^eil  am  dtegitnent  jh  ne^uien, 
inbeffen  in  ^oiqt  afljii  jalilrfid^tt  Semetber  mtnig  Hoffnung  ^egen 
tonnten,  genä^It  jn  raerben,  quiltirten  bie  ©eleQfii^aFt  unb  enoaiben 
Sunftreii^te ,  buTC^  ml^t  STIa^rcgeln  fie  i^te  ^bfiil^ten  in  turner 
3eit  erteilten,  fo  Salomon  !peger  jum  ^feil,  Med.  Dr.  S^rijlap^ 
$QTbeT  unb  Slnbtre. 

Bei  Sefe^ung  einträgtit^er  ©teilen  unb  9Iemter,  bit  ber 
A[Eine_^at£^  nergebtn  ^atte,  ^errfi^te  ein  ft^önblic^er  SlepotiS^ 
mvä,  btm  ft(^  noi^  aHe  mBgliii^en  Unlauterfeiten  btigefeQten.  Oft 
unb  oiel  murbe  biefer  aUigbrouc^  btä  amtlit^en  3"trflitenä  f^arf 
gerflgt,  o^ne  jeboc^  eine  befriebigenbe  Mb^ülfe  ju  erjielen.'Gnbtid^ 
im  ^af)x  1688  nuibe  baS  tDtittel  gefunben,  biefem  Uniotfen  tin 
filt  aQemol  ben  Miegcl  ju  jti^ieben,  inbtf^en  o^ne  bit  weitere 
@ttD9t|T,  fSi  bie  )u  oergebenben  ©teilen  jeneiCä  bie  tauglichen 
^krfönlic^feiten  gu  finbcn.  @e  war  bits  baS  fogenonnte  blinbt 
800B,  loel^efi  auf  btn  Stntrag  tineS  ©eftUfc^aftSgennfftn  jun 
Äaufleuttn,  beS  bif^6f[i^  conftanjif^en  Imtmannä  $anS  Submig 
$tqer,  eingeführt  murbe,  meiner  alien  %nlag  ^attt  mit  ber  ^its 
figen  iSufHjpflege  unjufrtebtn  jn  (dn  unb  btJTen  3Rigt)anblung  auii^ 
Q)eian(affung  bot,  bie  trbörnilic^tR  öfftntli^tn  Bi'f^^tbt,  ^u|its 
rdt^Itc^  im  SStnualtungäroeftn ,  j"  nnltvfiii^crt  iinb  mittelft  einer 
„iReformatian*  umjugeftalten.  3)ie  älnnetibung  btä  Soofta  mui'bt 
Don  ber  @eft^gebuitg  folgenberraeife  ftftgtfltClt :  „@S  [oUe  bae 
„Itbig  gtnorbene  9lmt  ober  ^ienfi  auf  aden  @tfellf(^afttn  unb 
„BOnft"!  publijirt,  ollborttn  oon  btntn  bie  ^ienim  ju  bitten  Sufi 
„l^abtn  auf  einen  getoofel,  ^trnat^  oon  ben  ^wi^tn,  ober  non 
„mit  nieltn  ®eftllf(^often  unb  Sflnften  einzelne  bo^in  tommtn, 
„oor  gefeffenem  9tat^  miätnim  geloofet,  jebo<J^  jusot,  in  loaS 
«Orbnung  fie  in  btn  JEBttjlfatT  langen  foQen,  tbtnemtafTtn  baS 
„S008  gtraorfen,  fobonn  ber,  nieder  oor  anbern  bie  SSalgl  erlangt, 
(b.  ^.  ou8  btn  eingtttgttn  ©c^Sc^teld^tn,  btrtn  jtbea  dntn  ©pitU 


19 

PfOminflJ^^S^  badjenige,  loeld^ed  einen  perfUBerten  ^[{feninft  enthielt, 
l^erauSjog)  einem  933.  9B.  Äleinen  Statine  IfingjienS  innert  brei 
i^SRonaten  nad^  erl^altenem  SooS  l^ierum  nantl^afte  SSilrgen  oor« 
i^gufleQen,  gel^alten  fe^n  foQe/'  Di^ne  StMnberung  blieb  bad  Soo8, 
fo  Tonge  bte  ^ün^tt  politif d^e  9ie($te  ausübten ,  rourbe  jebod^, 
nad^bem  baSfelbe  nod^  9[nno  1847  ben  SSerl^altniffen  einer  ges 
fammten  Silrgergemeinbe  angepaßt  roorben,  laut  Sefd^lug  berfelben 
ben  f2.  3Rai  1861  PoUftanbig.  bjfdttget. 

^erporgerufen  burd^  bie  obeno&l^nte  9teformation  oom  ^al^r 
1678—1688  flanb  ben  ©efcttfd^aften  unb  Sünften  ba8  JRed^t  ju, 
aQjaJ^rlid^  einmal  i^lfnterfud^ung  anjufteQen,  ob  in  bem  Sauf  be9 
^al^rd  ntd^td  fe^e  pon  ber  Obrigfeit  unternommen  ober  gctl^an 
n}orben,  n)eid^eä  ben  gfrei^eiten  ober  bem  9Bol^l  bed  gemeinen 
SBeflen,  §um  ©d^aben  unb  Slad^tl^eil  gereid^t  l^abe/ >)  ebenfo  bie 
biedfallftgen  3Bünfd^e  l^ieran  )u  fnüpfen,  roeld^e  „^xtif)tiV*  nid^t 
feiten  }u  unerquidClid^en  !!>ebatten  fül^rte  unb  fiberbieS  nic^t  piel 
auflld^  l^atte,  ba  bie  unter  bem  SRamcn  3wttf t « I)cflberien  bem 
jtleinen  ^atf)  unb  fpSter  bem  @rogen  ©tabtratl^  ein}ureid^enben 
^unbgebungen  fe^r  oft  perein^elt  baftanben,  mitunter  aud^  ben 
Sludfe^ungen  unb  'SSünfd^en  anberer  Korporationen  fd^nurfhradPS 
entgegenflanben  unb  fo  ben  99e^3rben  ©elegenl^eit  barboten,  un^ 
beliebige  ^unbgebungen  ad  acta  }u  legen  ober  mittelft  biploma- 
tifd^er  ^unftgriffe  ju  umgel^en  unb  erfolglos  }u  madden.  Urn 
inbcffen  jebem  Sürger  ©elegenl^cit  ju  perfd^affen,  feine  Slnfld^ten 
}u  8u§em,  aud^  menu  berfelbe  nid^t  befol^igt  ober  SBillend  fein 
fonte^  biefe  perfönlid^  porjutragen,  mürben  auf  aOen  ©efeQfd^af ten 
unb  B^nften  9iüger  aufgefteQt,  meldte  bie  il^nen  geworbenen  Sluf:: 
tr&ge  unter  Stamendperfd^meigung  porjutragen  l^atten,  eine  (Sin- 
rid^tung,  »eld^e  bei  ber  ©efeUfd^aft  pxn  ^aufleuten  fd^on  ^nno 
1679  i^ren  Anfang  genommen  l^atte. 

«)  3lu«  ber  JRebe  bed  Urt(>eilfpre*erd  3.  a&r.  |»arber  bei  lieber* 
nabme  ber  9lÜgerfteUe  Slnno  1791. 


20 

Stnfpred^enber,  xotxl  realen  ©eioinn  (rtngenb,  TDorett  bte  Ser^ 
^anblungen  über  9(nntelbungen  ^nr  ^ufnal^me  in  bte  ©efeOfd^aft, 
roeld^e  jroar  laut  ben  3wnftorbnungen  in  bie  §dnbe  ber  SSorfte^er 
gelegt  würben^  bagegcn  bet  ben  Aaufteuten  nid^t  ol^ne  BufUmmung 
ber  ©efeOfd^oftSgenoffen  jlattfanben.  Urn  ben  3ünften  eine  gins 
nal^mSquelle  )u  oerf d^aff en  ^  n>urbe,  wit  eS  fd^eint,  Don  einer 
Sürgerred^tdeinfaufSgebü^r  Umgang  genomnten,  bie  bidder  in  ber 
Abgabe  etnei  ober  mel^rerer'jpamifd^e  ober  aud^  nur  in  SSeflanb- 
tl^eilen  oon  9tüflungen  beflanb.  £ie  9lufnal^m8gebü^r  rourbe  für 
alle  3fi"f7«  8^^i^"iä6ig  feftgeflellt  itnb  betrug  jroei  $funb  $ijtler 
unb  eine  ^rmBrujl  im  SBert^  von  3  $funb  feller.  ®obann  ^atte 
ber  Slufgitnel^menbe  bem  3unfttneiftcr  unb  ben  ©ed^fen  ein  SJiertel 
beS  bellen  8anbn>ein8,  bem  3""^««»!^^^  inäbefonbere  2  ß.  geller 
unb  bem  ©tubenfned^t  1  ß.  §eller  ju  entrid^ten.  35a  bie  ©efett- 
fd^o(t  jun  Äaufleuten^  als  bie  3önfte  eingeführt  würben,  bereits 
ein  anfel^nlid^eS  SorporationSgut  befa§,  fo  l^ielt  man  ftd^  bered^- 
tigt,  ju  ber  fpdter  auf  6  ©ulben  tarirten  ©infaufSgebü^r  nodj 
weitere  8  ® ulben  als  „9lnja]^l  an  ^iu^en  unb  SRenten*  ju  forbem, 
meld^eS  9}erlangen  mel^reremat  auf  %[nfed^titngen  jlie§  unb  fetbfl 
obrigfeitlid^e  9tügen  unb  SBeifungen  gur  gfolge  l^atte.  SBei  ber 
3lufna^me  ^eter  ©rlad^er'S  änno  1461,  roeld^er  fld^  auf  bie 
obrigfeitlid^  feflgefe^te  ßrinfaufsfumme  berief,  würbe  bemfelben 
oerbeutct,  bag  er  allerbingS  um  6  ®ulbcn  3wnf^=  wwb  ©tuben^ 
redjft  erwerben  f önne,  baß  er  inbeffen  für  baS  ,,  ®tubciuöifi=  unb 
Suf®elb"  attjä^rlid^  2  ©ulben  ju  entrid^ten  l^abe,  worauf  ber« 
fette  jur  B^^^ung  ber  oollcn  16  ©ulben  fld^  l^crbeilie^.  Sluf 
^flngPen  1476  würbe  im  Äleinen  »tat^  befd^loffen  ,,bie  Äoflüt 
im  ©rogen  SZatl^  angufpred^en  umb  ba§  fie  il^r  3unft  einem  nit 
woQen  geben  als  anber  3ünft  t^unb  unb  ainem  SZatl^  barin 
ungel^orf am  flnb, "  eS  blieb  jebod^  bei  ber  bisherigen  Uebung.  3)ie 
Srfd^werung  ber  SinfaufSgebül^r,  oerbitnben  mit  ben  beträd^tlid^en 
Anlage-  unb  Unterl^altungSgelbern,  ^aitt  unoerfennbar  ben  ^totd, 
ber  nunmel^rigen  3unftgefellfd^aft  i^ren  ISngjl^ergebrad^ten  ©el^alt, 
burd^  ^Ibl^altung  frember  Elemente,  }u  bewahren,  ein  93eflreben, 


21 

rotl^t^  je  lauget  je  mel^r  cingel^alten  lourbe,  inbeffcn  crfl  nad^ 
erfolgter  Serjid^tleifhing  auf  bie  gcrocrblid^cu  Sorred^te  jur  poHeu 
Suhoiddung  Yarn. 

SOtit  SSeginn  bed  16.  3<i^^^unbert8  tourbe  bie  @infaufSgebü^r 
auf  9  ?fuub  §eller  ermaöigl,  loal^rfd^eiulid^  weil  Dom  3o^r  1500 
an  neu  aufgenommene  SSürger  an  bie  @tabt  eine  @inf au  fSgebül^r  pon 
fl.  4  ju  entrid^ten  l^atten.  ß^rifiopl^  Stimm  er,  beutfd^er  ©d^ul^ 
meifier  pou  Surf^aufen,  ber  Stammpater  ber  l^iefigen  ©timmer, 
mar  tnbeffen  ber  te^te,  bem  um  biefen  betrag,  SontagS  na^ 
Seon^arbi  Slnno  1535,  baS  ©efeUfd^aftSrec^t  pertiel^en  mutbe. 

93ei  (Erneuerung  ber  3"nf Briefe  im  Sal^r  1535  würbe  bie 
BunftenperbungSgebül^r  unter  SSeibel^attung  ber  üBeinfpenbung  unb 
ber  @infd^reibgebül^ren  auf  8  ©ulben  gefegt.  a)lid^ae(  Sggen« 
florfer,  ber  le^te  9lbt  Pon  9ltter^eißgen ,  mar  ber  crpe  ©efells 
fd^aftSgenoffe,  ber  um  biefe  ©ebül^r  aufgenommen  rourbe  (1537). 

SKnno  1536  rourbc  bie  Sürgereinfaufögebül^r  berjenigen  für 
bad  Bunftred^t  gleid^  gefegt,  b.  1^.  auf  ben  boppelten  SSetrag  erl^S^t. 
9Bie  ed  fd^eint,  mar  bem  frül^eren  S3ebürfni§,  burd^  Sürgerauf- 
nal^men  fid^  }u  ftSrVen,  POÜVommen  @enflge  getl^an,  medl^alB  benn 
aud^  pon  ba  an  fomol^l  bad  Sürgerred^t  aid  bad  3unftred^t  l^ö^er 
tarirt  mürben.  3)ie  ©efeUfd^aft  gun  ^aufleuten,  nad^bem  biefelbe 
bie  93erpflid^tung,  aud^  bie  ^^Srber  unb  Sleid^er  aid  ©enoffen  }u 
betrad^ten,  einfad^  au9  bem  Bunftbrief  geffarid^en,  fam  feiten  mel^r 
in  ben  gfaK,  il^r  Stubenred^t  }u  perlei^en.  Sejüglid^  ber  S^nn^s 
perleil^ung  rourbe  9lnno  1557  befd^loffen  ,,fo  einer  bie  3w«f^  wnb 
©efcOfd^aft  wolle  foufen,  foITe  er  erfttid^  10  ©ulbin  gen  unb  fo 
pil  ©elb,  aid  ein  Sedier  uff  unfer  ©efcOfd^aft  roert^  ifl.'' 

3Jon  biefer  3«t  an  rourbc  bie  (ginfaufdgebü^r  immer  gePeigert. 
$lld  $lnno  1612  @r^arb  ®to!ar  um  bie  Slufnai^me  einfam, 
rourbc  erfannt,  bafe  er  ber  ©efcHfd^aft  ,,  geben  foHe  fl.  36. 
6  lif d^tüd^er  unb  brei  g)0/^et  3:ifd&^roe]^elin ;  ^  pon  bem  ©efud^, 
mit  i^m  aud§  beffen  ^inber  aufjunel^men,  rourbe  ^aud  beroeglid^ 
Urfad^en^  Umgang  genommen  unb  biefe  Slngelegenl^eit  )u  pertagen 
bef(^loffen  ,ybid  fle  ju  i^ren  ^af^xtn  fommen.* 


22 

@metn  Sunfer  ^tinxi^  Subioig  Xfd^erntn  aud  99ol^men 
rourbc,  uncrad^tet  bet  ^jlarfcn  gürbttf  feines  taufpatl^cn  SedteU 
meifter  ^an«  3a!ob  ^it%Ux,  bie  Äufnal^me  in  bie  ©efettfd^aft 
SKnno  1644  nici^t  anber«  bewittiget)  alS  bag  er  ^tefür  ,,100 
©ulben  baareä  ®clb,  12  ptbeme  Xx\^it^tx,  1  lif^lod^en/  12 
tifd^jroel^eli  unb  1  ^^u^enb  ginnc  tetter''  einliefere.  Ueberbie« 
murbe  im  $rotofoQ  bemerft,  ba§  man  ;,ind!ünftig  gegen  anbere 
nit  babei  bleiben,  fonbem  ein  SKel^rereä  forbem  rterbe.''  „^tx^ 
fommen,  fci^Bne  SKittel  unb  oortrefftid^e  ©tubien^  galten^oTs 
befonberc  ©mpfel^lung  bei  gefiellten  Slufnal^mSgefud^en.  Diefe 
@igenfd^aften  „nebfi  oielen  anberen  Dorjüglid^en  perfonal'duali- 
täten"  würben  bem  9lnno  1729  aufgenommenen  3o^anneö 
©runner  beS  States,  poh  !Die§en]^ofen,  jugefd^rieben,  weld^er  für 
baS  ©tabtbürgerre^t  fl.  4000  gu  bejal^len  l^atte  unb  für  bie 
2lufna]^me  in  bie  ©efeUfd^aft  einen  filbcr^pergolbeten  ©ed^er,  2 
3)u^enb  pibemc  Soffcl,  SWeffer  unb  ©obeln  nebfl  4  ftlbemen 
®al^büd^3lein  überreid^te,  ein  ©emid^t  oon  248  Sotl^  reprafentirenb, 
weld^e  ©aben  auf  fl.  351  geroert^ct  rourben. 

^ad  ©efheben,  ber  ©aterflabt  nü^lid^e  Gräfte  ju  gerainnen 
unb  )u  erl^alten,  beftimmte  bie  ©efeOf d^af t,  ben  au3  ©af el  wegen 
ber  ?5ejl  l^iel^er  berufenen  Med.  Dr.  Sol^anneS  ©creta  oon 
3aDor)i3,  au3. ©oilmen,  Slnno  1637  mit  Srt^eilung  beS  ©e- 
fellf^aftired^td  ju  el^ren,  nad^bem  er  bereits  mit  bem  @^renbürgers 
red^t  ber  ©tabt  begabt  werben. 

®o  coulant  bie  ©efeUfd^aft  bei  (Srtl^eilung  beS  ©efeUfd^aftS^ 
re<l^ts  mitunter  aud^  war,  ebenfo  ^a^e  l^ielt  fie  an  il^ren  9?ed^ten, 
wenn  fie  biefelben  beeinträd^tiget  glaubte.  ®o  ).  ©.  als  i^r  oon 
bem  Äleinen  :iRatl^  jugemut^et  würbe,  mit  ben  3^"ftttt  ju  toofen, 
weld^e  oon  ben  eilf  Korporationen  bie  oier  l^interlaffenen  ©öl^ne 
beS  ©eibenfabrifanten  2lol^ann  3a!ob  Seber,  gebürtig  oon 
^irfd^lanben,  oufjunel^men  l^abe,  ba  beren  ©ater  bei  ber  (Srwer- 
bung  beS  ©ürgerred^tS  biejenige  eineS  Bunftred^tS  unterlaffen  ^atte 
unb  nunmehr  feine  B^nft  ftd^  geneigt  }eigte,  biefelben  aufzunehmen. 
3n  ber  beSwegen  eingereid^ten  ^roteftation  würbe  bem  9tat]^  inS 


23 

93ebenVen  gegeben,  toie  bie  ©efeSfd^aft  gun  jtaufleuten  feit  mel^r 
als  einl^unbert  ^fal^ren  iJ^red  3""f^9^^^^^^  P^  begeben  unb  baburd^ 
bie  $rarogatipe  einer  abeiici^en  ®efeUfd^aft  erlangt  ^abe.  9iad^bem 
bie  ©efcllfd^aft  pon  Seite  bcr  ^m\tt  aUertei  miöbeliebige  58or= 
^alte  entgegen  nehmen  ntugte  unb  ju  ber  ©eroigl^eit  gelangte,  bag 
fle  in  biefer  Slngelegen^eit  ben  jtürgeren  {teilen  werbe,  fo  refoloirte 
man^  fic^  im  Sid^tme§bot  3lnno  1759,  einen  ber  ©ebrüber,  (&ffxU 
flop^  9Beber,  Kaufmann,  bamaliS  in  Senebig  flc^  auf^altenb, 
o^ne  Söo§  awfjunel^men,  inbeffen  unter  ber  Sebingung,  baft  man 
bie  ©cfellfcljaft  fortan  bei  i^rer  „93erfaffung  rul^ig  ©erbteiben*  laffc. 
®o  oiel  über  bie  (Snoerbung  bed  B^nft«  unb  (Stubenred^tiS, 
meld^eS  man  inbeffen  aud^  verlieren  tonnte,  n>enn  nSmlid^  ©öl^ne 
Don  ©efeQfd^ftdgenoffen,  bie  ba§  Snred^t  l^atten,  xotnn  fle  felbfl^: 
fldnbig  gemorben,  als  ©enoffen  aufgenommen  )u  merben,  ein  ©eioerbe 
erlernten,  roeld^ed  bie  (Sinoerleibung  in  eine  ber  beflel^enben  ^anb« 
»erfer-Bflnfte  erl^eifd^te,  ober  aber,  ebenfalls  nad^  ben  ©a^ungen 
bed  BunftbriefS,  menn  ein  aRitglieb  „2|a^r  unb  %a%  o^nt  reblid^ 
®ad^  oon  ber  Stabt  ifi  unb  oudb  in  bemfelben  3abr  ber  Bw^f* 
unbienftbar  ift,  ber  l^at  bie  Bunft  oerloren  unb  ob  er  bomt  nieber 
barin  fommen  wollt  fo  foH  er  bie  B^^ft  foufen  att  einer,  ber  fl 
erjl  fouft.''  SKbfenjen  innerl^alb  eines  Sal^rö  unter  obigen  Um« 
flonben  i^attm  eine  Bwwftemeuerungdgebttl^r  jur  gotge,  für  weld^e 
in  biefem  gaU  8  ©drilling  fetter  bejal^lt  werben  mußten,  gflr 
bie  Bwnftemeuerung  l^atten  ©ö^ne  oon  ©efefffd^aftögenoffen  hü 
i^rer  Slufna^me'  laut  Bunftbrief  oon  1535  nur  bie  Abgaben  an 
bie  aSorflel^er  unb  ben  ©tubenfned^t,  wie  pe  bei  Aufnahme  neuer 
SRitglieber  oorgef daneben  waren,  gu  entrid^ten,  wobei  ber  SBein 
bie  i£)auptrolIe  fpielte.  Sei  ber  in  neuerer  ^dt  eingefd^lagencn 
9tid^tung  würbe  aud^  biefed  ,,$rSftanbum''  in  ©elb  umgewonbelt. 


24 


demerbemeren* 

6in  ^mupt|)unft  bcr  äu^iftgcrcd^tfamc  bilbctc  bic  SHIcinbercd^s 
tigunj  jur  SluSübung  bcr  Äaufmaunfd^af t ,  innerl^alb  bcr  nid^t 
bcm  offenen  ÜRarft  eingeräumten  ^6t,  5)ic  Äaufmannfd^aft  war 
eS,  bie  bcr  ©cfettfd^aft  il^re  Gntflc^ung  unb  ben  9iamen  gab. 
©d^on  in  ben  frü^eflen  3^^*^"  g«no§'  bie  Innung  bcr  Äauffeute 
gleid^  ben  übrigen  ©ewerben  bcr  §anbroer!cr  obrigfcitlid^cn  ©d^ut?, 
inbem  bie  attl^ergcbrad^tcn  9?cd^te  bei  Slufflcllung  ber  3i^nf^6riefe 
als  befonberer  Xl^cil  in  biefelben  aufgenommen  mürben.  5>ie  Äaufs 
mannfd^aft  bcf^rSnfte  ftd^  bamalS  auf  ben  95erfauf  gefärbter, 
namentlid^  roottener  Z^^tx,  ©cibcnpoffc  u.  bgl. ,  bie  nur  bie 
eigentn^^cif^auftcute  auSmeffen  unb  oerfaufcn  burften,  ober  wer 
oon  benfelben  bit  ©cred^tigung  l^ieju  crmarb.  3)ie  3wwftbriefe 
brödfen  fld^  folgenbcrweife  au8:  „Q%  mag  oud^  ein  jeglid^er  bcr 
in  ber  3wnft  ift  aHeS  gefärbt  ©ewanb  fd^niben,  baffclb  ifi  aber 
Ärämem,  ©d^nibem  unb  jebermann  oerbotten,  e§  märe  bann,  ba§ 
einer  ben  ©croerb  foufte,  fo  mag  er  oud^  rool^l  aOeS  gefärbt 
©ewanb  fd^niben,  be§g(eid^en  ©ammat,  Tamafl,  ©d^amlot,  9lttla§, 
5:affent,  Slrrafe  unb  barju  aller  ©attung  ^arifers  ÜRailänbifd^unb 
^rrafe-^üt.  **  ^  I)iefelben  ^t(l^tt  mürben  aud^  ben  fremben  Äauf« 
leuten  an  ben  ffiod^ens  unb  3al^rmärftcn  eingeräumt.  SBer  ben 
©ewerb  fauft,  foQ  ,,;u  ben  ^eiligen  fc^wbren  ben  ©ew^u 
triben  ju  offnem  ©aben  unb  nit  in  ben  SBBinfeln  unb  §üfem. 
3lber  einer  ber  bie  3unft  ^at,  ber  mag  i^n  triben  offentlid^  ober 
l^eimlid^. " 

(Eingriffe  in  bie  SRed^te  unb  SBefugniffe  ber  3wnft  fonnten 
bie  Äaufteute  mit  10  ©d^iffing  §eller  bügen.  SBlit  berfelben  ©uge 
foH  belegt  werben  „weld^er  einem  'Jud^  einen  aubem  Flamen  bann 
ba^er  e§  ift,  giebt."  9luf  bie^Oeffnung  ,,be8  ©abcnS  burd^  faufenS 
uiib  ocrTaufcnö  willen*  an  ben  ©onn=  unb  geiertagen  war  eine 
©träfe  oon  1  ©drilling  §eller  gefegt. 


»)  3ufa6  oom  3abt  1535. 


25 

5ür  bie  ßrrocrbung  beä  äuwftgctoerb«  mußte  bcn  Jtauftcutcn 
2  ?funb  §cffer  bcjal^lt  werben,  fobann  bem  3wnftmeiftcr  2  ß 
unb  bem  ®tubenbiener  1  ß.  Ueberbie§  waren  bie  Sorfle^er  mit 
einem  Siertcl  fianbmein  ju  regaliren. 

^a^  jä^rlid^e  Unterl^altungdgelb  betrug  16  Pfenning  unb 
würbe  ade  ^^ronfaflen  bei  ben  @ewerbegenof[en  eingebogen,  bie 
begl^alb  gronfaflner  genannt  würben.  3m  3ö^r  1428  waren  11 
^erfonen  ber  Äaufteutejunft  affiliirt,  weld^e  ^af)i  mitunter  biö  auf 
baä  doppelte  ftieg.  Siä  jum  3a^re  1637  madjte  bie  ©efettfd^aft 
}un  ^aufleuten  pon  bem  il^r  ^uftänbigen  ©ewerb^red^te  ©ebraud^. 
am  26.  SRoDember  gebadeten  3a^reS  würben  biefe  JRed^te  fallen 
gclaffen  unb  befd^Coffen:  »^fürl^in  bie  ^^onfaftcns  unb  ©ewerbgelber 
nit  mel^r  einiujiejen^  weil  eS  fö  ein  fd^led^t  X^un  barumb"  unb 
bamit  bem  Streben,  in  ben  9tang  einer  abclid^n  ©efettjd^aft 
oerfe^t  ^u  werben,  bie  erfle  offentüd^e  $ulbigung  bargebrad^t. 


Wtffv-  mh  /ronbtenßpfltil)t. 

2?on  ben  Siedeten  ber  ©efeHfd^aft  ju  ben  ^ftid^ten  berfelben 
überge^enb,  begegnet  man  gunad^fl  ber  3)li(itarbienftpflid^t ,  als 
einer  ber  erjien  Cbtiegeul^eiten  beS  S9ürgefä',"  wcld^c  oön  allen 
ffie^rfäl^igen  perfönlid^  geleiflet  werben  mußte  unter  Tarfe^ung 
von  Seib  unb  Seben.  3Ba^renb  cor  ©infii^rung  ber  äwnftoerfaffung 
bie  benöt^igte  ^riegdmannfd^aft  ol^ne  33erild(ftd^tigung  ber  ©ewerbe 
aus  ber  ©efammtbfirgerfd^aft  auSgel^oben  würbe,  weld^e  ^u  biefem 
93e^uf  in  4  Sludjüge  getl^eilt  war,  würbe  bie  @int]^eilang  unb 
SluS^ebung  ber  SBlannfd^aft  je^t  ben  fünften  übertragen.  I^ie 
3unftbriefe  befagen  über  bie  SKilitärbienflpflid^t  folgenbe«:  „®8 
foil  .ou(^  jeglid^er  3wwftmeifler  unb  fin  ©ed^S  fin  3unft  tl^eilen, 
fo  man  reifen  wiQ,  baß  f^  bann  getl^eilt  ftnb  unb  il^ren  ^amifd^ 
l^aben.  äBare  aber,  baß  einer  nit  fal^ren.  (auSjiel^en)  mod^t  oon 
Äranfl^eit  wegen  flnS  SibS,  ber  foU  bann  (fpater)  reifen"  nad^ 
(Srfanntniß  ber  SBorftel^er.  ^2BaS  bie  ©erjel^renb,  benen  uffgebotten 


26 

xüixh,  e8  f^e  bag  fte  uSfa^renb  mit  $arnifd^  ober  fufi,  bad  fonb 
bie,  bte  bal^eim  blibcn  flnb,  l^clfen  gelten.*  3)ic  SBe^rpftici^tigen 
iDurben  bei  einer  Süße  von  10  $funb  geller  jum  lluSjug  aufgeboten 
unb  felbp  bieTBJittfrduen  fonnten  jur  ©tettung  Don  iSötbnern 
oerpPiajtet  werben,  pon  welcher  SSefngnife  auf  ber  Äaufleutfhibe 
fel^r  oft  ©ebraud^  gemad^t  rourbe.  9(ud^  in  99etreff  ber  Sßei^rpftid^t 
^aben  bi^  ©efettfd^aftägenoffcn  ber  SSaterflabt  erfprießlid^e  3!)ienfle 
geleiflet  unb  bic  @]^re  unb  SBo^lfal^rt  berfelben  ju  förbem  ge^ 
trad^tet. 

S3ei  ber  dlteflen  üBaffentl^at,  beren  Xl^eilnel^mer  bie  ©efd^id^te 
und  aufben}a]^rt  l^at,  nömlid^  ber  B^^f^orung  bed  9?aubfd^loned 
©wottingen  auf  bem  ©d^roarjroalb  SKnno  1370,  finben  fid^  inel^rerc 
ber  it'aufleutftube  einuerteibte  @efd^(ed^ter ,  9lögeU,  ^od^  unb 
^ron,  Dertreten.  Son  ber  ®d^lad^t  bei  @entpad^  ftnb  bie  Flamen 
ber  @rfd^lagenen  inbeffen  jiemlid^  unjuoerlaffig  aufge^eid^net,  unter 
benen  feine  Angehörigen  ber  ©efeUfd^aft  erfd^einen;  bagegen  perlor- 
biefelbe  au  SRafeld  «nno  1308  Ulric^  ©olbfd^mib  unb  an  ber 
aBolfä^albe  «nno  1405  ©einrid^  ©olbfd^mib,  bie  öorfa^ren 
ber  pon  äBalbfird^. 

9lld  bie  §erjoge  oon  Cefterreid^  9[nno  1454  indbefonberd 
barauf  todgiengen,  bie  ©tabt  ©d^affl^aufen  nwt  ©enialt  roieber 
unter  i^re  SBotmägigfeit  ju  bringen,  würbe  9lffem  aufgeboten,  um 
ber  ©tabt  i^re  ©elbflftanbigfeit  ju  crl^alten.  3)ie  gefammte  SBürger? 
fd^aft  bewaffnete  fid^  unb  für  bie  Dienftunfal^igen  unb  Sittwen 
würben  ©ölbner  bepettt  üiad^'bemlBorbilbe  ber  Södte  in  3ürid^ 
bilbete  fi^  unter  Slnfü^rung  eined  Äauf teutflüblerd ,  Hauptmann 
$eter  Slünojtgfter,  bem  14  feiner  ©enoffen  jur  ©eite  jlanben, 
ein  ß^orpd  oon  gfreimilligen,  97  SJlann  flarf,  mit  geuerbüd^fen  unb 
^aHebarten  bewaffnet,  bie  jtd^  bie  9lufgabe  jieHten,  aid  SSorfampfer 
bei  ber  Sßert^eibigung  ber  SSaterflabt  i^ren  üRitbürgem  mit  gutem 
93eifpiele  ooranjugel^en.  Slid  ©^mbol  il^rer  Sereinigung  führten 
fie  ein  „Södflein*  im  fanner.  $and  g'^ii^^olb,  ßonrab 
©dowager  unb  ^einrid^  SBarter,  Se^terer  oon  ber  Äaufs 
leutjhibe,  würben  aid  »yOberfls^auptleute  über  gemeine  ©tabt* 


27 

ernannt,  mit  mSgttd^fl  auSgebel^nten  Sodmad^ten.  ^urd^  ben 
9lbfc$(u6  cincä  Sünbniffc«  mit  bcn  Gibgcnoffcn  am  1.  3uli  1454 
würbe  ber  Belagerung  fd^neQ  ein  @nbe  gemad^t  unb  bie  brol^enbe 
©efal^r  ol^ne  SlutDergtegen  pon  ber  ®tabt  abgeroenbet. 

Sßenige  SRonale  fpSter  (§reitag^  Dor  ^at^rina)  mar  ben 
©rafcn  Don  ®u(j  ein  bewaffneter  93efiid^  jugebad^t.  3!)ad  Kufgebot 
mar  nur  Kein,  roeSl^alb  bie  ®eno|len  ber  Äauf(eutflube  mit  ber 
3unft  jun  ©d^neibem  einen  gemeinfdjaftlid^en  9teiferoagen  auS^ 
rüfhten.  SereitS  mar  berfelbe,  mit  ^roüiant  u.  f.  w.  bepadft,  ben 
9(uSgejogenen  gefolgt,  als  ©efel^l  jur  Umfe^r  eintraf,  worauf  bie 
Angelegenheit  burd^  ©olbner  abgemad^t  mürbe. 

Ueber  bie  Surgunberfriege  ftnbet  fid^  nid^t«  oon  befonberer 
SBebeutung  bejüglid^  ber  ÜRitglieber  ber  ©efettfd^aft  oerjeid^net. 
^er  Slufbrud^  nad^  ©ranfon  ^uff  ÜRanung  bero  oon  Sem" 
gefd^al^  greitagö  oor  ©t.  SWatl^iag  Sag  1476.  Ueber  bie  SBal^l 
bedSBill^elm  oongfulad^  }um  jpauptmann  bed  AuSjugS  mürben 
befeibtgenbe  Sieben  ausgeflogen,  meldte  weitere  ^nfuborbinationen 
oeranlaiten.  Unter  ben  vielen  $lnge(lagten  befanb  fid^  aud^  ein 
©ol^n  beS  Slewi  oon  @id^  unb  ber  junge  ^fluger,  benen 
jebod^  gletd^  bem  j£^omaS  Oflertag  „xffx  ^^reoel  nad^gelaffen 
würben,  Urfad^,  baß  fie  mit  ber  fanner  im  %tli  gewefen  finb. " 
äJlit  ben  äOSel^rpflid^tigen  ab  ber  Itaufleutfhtbe  jogen  aud^  4  ©ötbner, 
bie  oon  ben  3wrüdtbleibenben  auSgerüjlet  würben.  9ln  biefe  9lu8= 
rufhingen  gaben  ^eter  ^it^ltx,  ein  „ jlurf ettli, ^  jwei  Strmjüg 
unb  )wei  ^anbfd^u^e,  $anS®ämpein  „i^obt^arnafd^,^  Sonrab 
Sorter  ein  ©oller  urtb  1  ÄrebS,  §artmann  Äeller  ein  fragen, 
$anS  93a4  gwei  Strmjüge  unb  $eter  ©d^upp  ein  „^opt^ 
l^arnafd^,^  ein  ÄrebS,  ein  ©oller,  jwei  Strmjügc,  jwei  Sttngs 
l^anbfd^u^e,  eine  ^aUebarte  unb  ein  ©treitbeil ;  baS  t^el^lenbe  würbe 
aus  ber  Siüflfammer  ber  ©efettfd^aft  unb  auS  bem  ^tncjf^au^  tnU 
le^nt.  ©ie  Stnlage  für  bie  gelbjugSf often  nad^  ©ranfon  unb  SJlurten 
betrug  bis  13  $funb  ^ller  unb  mu§te  t)on  ben  S^al^eimgeblie^ 
benen  entrid^tet  werben.  Die  SBittwe  Soor,  nur  mit  einem  ^funb 
belegt,  blieb  10  2|al^re  l^tnburd^  ©d^ulbnerin  ber  ©efetlfd^aft. 


28 

Wlit  ber  Slufna^me  ©d^aff^aufend  a(8  jmolfter  Crt  in  ben 
93unb  bcr  ©bgenoffcn  (1501)  erfreute  pd^  bie  ©tabt  eineä  fraf= 
tigen  ©d^u^eS,  ed  enoud^fen  berfelben  aber  aud^  neue  Sorgen, 
^aum  l^atte  fie  fld^  in  i^re  neuen  93er]^S(tniffe  eingerool^nt,  al§ 
i^r  fd^on  ©elegenl^eit  geboten  würbe,  bie  bunbeSbrüberlid^e  Zreue 
gegenüber  bem  @tanb  Uri  an  ben  ^ag  ju  legen,  roeld^er  niegen 
ber  Don  Äönig  Subroig  XIL  t)on  gronfrcid^  geforberten  3urüdfgabe 
Don  39eUen)  bie  @ibgenoffen  urn  ben)affnete  $ü(fe  angieng.  äRan 
}og  aud^  roirVIid^  auS,  aUein  e^e  bie  ,^rieg§6en)egungen  jum  doK- 
ftanbigcn  SluSbrud^  gelangten,  tDurbe  ^^riebe  gefd^lofjen  unb  bie 
©raffd^aft  Seilen j  ben  Urfantonen  abgetreten  (1503). 

Tiefer  Sclbjug  foflete  bie  ©cfetlfd^oft  gleid^  bei  Scginn  44 
©ulben  1  $fuub  8  ß,  3  §etlcr,  oon  rocld^er  ©ummc  bem  ^aupts 
mann  Sernl^arbin^e^cr  ft.  20  beim  32ßegjie^en  jur  33erfügung 
gepellt  würben,  baS  übrige  ®elb  l^attc  bie  2lu8rüpung  erforbert. 
@ä  mürben  2  ^ferbe  gefauft,  oon  benen  baS  eine  auf  8Va  ©ulbcn 
unb  baä  anbere  auf  5Va  ©ulben  ju  pe^en  fam.  3)ann  mußten 
Saumf Otter  liebP  ^\xii^'6x\>t,  namentlid^  2  oerfd^liegbare  ^Segenlen"^ 
angefd^afft  werben,  in  benen  allerlei  ^rooiant  u.  f.  w.  mitgefü^rt 
würbe,  nämlid^:  2  ÜRutt  Äernen,  IVa  äßutt  $aber,  für  13  /? 
„©d^malj  umb  SrpieL  ju  röpcn/'  für  12  ©drilling  minuS  2 
^fening  ©alj,  für  12  /3  faring  unb  für  4  ß  „Sollend  ©obann 
£er}en  unb  ©d^wefel,  etwas  $uffd^miebwerf)eug  u.  f.  w.  ^Item 
$er(ommen  gemag  würbe  ben  SluSjiel^enben  ein  $(bfd^ieb§trunf 
gereid^t,  fowie  bei  ber  3uvüdffe^r  ben  ©illfomm,  wcld^er  bei  glüdts 
lid^em  Grfotg  nid^t  feiten  in  ein  förmlid^eS  gepma^l  übergieng.  *) 

3lo^  ip  ber  burd^  ben  oor^errfd^enben  Uebermut^  unb  bie 
oernad^läfpgte  2Ba(^famfcit  erlittenen  5Ricberlagc  auf  bem  ©übel 
ben  24.  Cf tober  1531   ju  erwdl^nen,   wol^in  ©d^aff^aufen  ben 


•)  1490.  w3tem  aber  uffgebcn  12  ß.  aU  bie  fölbner  oer^arttenb 
aU  fp  ain  loeg  looQtenb,  ju  bem  morgen  brott,  aber  bab  icb  uffgeben 
12  ß  alö  man  3n  fdjanft  bo  fp  wiber  fommen  oon  St.  ©aüen." 

„3tem  mir  fonb  (Slaufen  unferem  €tuben!nc(bt  2Vi  S  unb  16  $flr 
bp  bemuRaal  bo  mir  oon  SBalb  famen;  1 S*  3  ß  aL$  mir  oon  ffiilcbingen 
fomen  bo  ber  ($rib  anging."  1449. 


29 

3ürid^ern  mit  350  SKanu  unb  4  ©türf  ©efd^ü^en  ju  $ü(fe  jog. 
9Son  ber  Äauftcutflube  wohnten  biefem  ?:reffen  bei:  Seat  SBagen^ 
i£)auptmanu  über  bie  ©efd^ü^e ,  granjisfuä  S^h^Ux,  Sieu= 
tenant,  §anä  Süti  unb  ^einrid^  ^e^er  nebfl  5  ©ölbnern. 
granjiäfuS  3i^9^«i^  trof  mit  14  ÜRitbürgem  ba3  8oo8  ber 
©efangenfd^aft  unb  mu§te  mit  p.  J3  gelöst  werben. 

9?on  ba  an  trat  eine  ^t\i  ber  9?ul^e  ein,  bie  nur  bann  unb 
roann  burd^  $ü(ferufe  geflort  mürbe  unb  Seranlaffung  gab,  bie 
SSaffen  gu  ergreifen,  §.  S.  3lnno  1587  megen  auSgebrod^enen 
SürgerfriegS  ju  ÜJlül^d^aufen,  ju  beffen  Unterbrürfung  oon  ©draffs 
Raufen  300  9Rann  unter  Hauptmann  99artl^o(omauS  Cf  d^malb 
abgiengen,  fobann  Slnno  1633,  jur  ^tit  beS  SOjo^rigen  ÄriegS, 
unb  Slnno  1718  megen  beä  9luf{ionb8  ber 'SSBitd^inger.  Unter 
biefen  SSerl^oltniffen  gieng  boä  3ntereffe  für  boS  5Be^rmefen  oöHig 
unter  unb  eS  artete  baSfclbe  jur  btofeen  Spielerei  auS,  bie  fld^  in 
Srrid^tung  eines  fogenannten  ^reugen^  ober  grei-6orp8  unb  in 
9lb]^aTtüng''entfpred^enber  ÜRufienmgen  gefiel.  Söegen  ber  Dielen 
Sorgen,  meldte  bie  nad^  aller  Ferren  Sänber  geformten  Corps 
gu  befe^en  barboten,  erfreuten  fid^  biefelben  einer  großen  Z^txU 
na^me,  um  fo  el^er,  als  bie  einmal  erhaltenen  Xitel  auf  SebenS^ 
bauer  blieben. 

3n  fremben  ÄriegSbienften  mürben  mand^e  ©enoffen  ber 
©efeÖfd^aft  gu  l^ol^en  ß^argen  beförbert  unb  mit  Serbienflorben 
gefd^mürft,  fo  namentlid^  Sol^anneSStietmann,  roeld^er  gleid^fam 
oon  ber  $ique  auf  btente  unb,  nad^bem  er  guerfl  in  foniglid^ 
nieberlanbifd^en  I)ienften  gefianben,  Slnno  1737  in  ^iemont  baS 
SreDet  eines  ©eneralS  empfleng. 


Sine  l^armlofere  SSerpflidJtung,  meldte  gu  erfüllen  allen  ©ürgern 
oblag,  mar  biejenige  beS  ^SurenS^  ober  gronenS,  meldte  groar 
oon  Seite  ber  Äaufleutfhibe,  wenn  eS  immer  angieng,  auf  frembe 
©d^ultern,  felbfloerflonblid^  gegen  ©ega^lung,  gelegt  rourbe. 


30 

9(U  e8  ^^  Slnno  1449  barum  l^anbelte,  meistere  j^iufer 
am  Romberg  ab^ubre<i^en,  bamit  möglid^er  SEBetfe  ber  ^einb  nid^t 
0011  benfelCehlBeft^  nel^nten  unb  bte  ®tabt  oon  ha  aud  fd^abigen 
fonne,  ooQgogm  laglo^ncr  bic  ^^onarbeiten,  cbenfo  Snno  1454 
bei  Erbauung  cincS  Söc^rt^urmS  am  8tl^in,  ober  3lnno  1472, 
al8  bie  Sürgerfd^aft  bei  ©rbauung  ber  ®t.  3o^anne8  ^rd^e  ju 
Sronbicnflen  angehalten  würbe.  Sei  bloS  oorüberge^enben  gron^ 
leifhingen  in  gfolge  flattgefunbener  (SinSfd^erung  oon  ©ebSulid^feiten, 
mit  benen  si(S^^i<$  bie  Sewad^ung  ber  ^euerflatten  oerbunben  roar, 
unterzogen  fid^  nur  wenige  @enoffen  biefer  balb  ermilbenben  ^flid^t 
unb  fanbten  ©teHoertreter,  j.  8.  Slnno  1480  „al8  boS  ©djroarj; 
t^or  oerbrunnen  roar/  ^nno  1489  bei  ber  Einafd^erung  bed 
$aufeS  bed  $eter  @d^upp  unb  bedjenigen  bed  99ifd^ofd  in  ber 
i^orflabt,  roeldje  im  gleid^en  ^a1)x  ein  9iaub  ber  gffttntmcn  rourben. 
3ur  Segleitimg  bed  Sürgermeifterd  an  ber  ^®ruberfUroi/  ju 
roeld^er  jebe  (Corporation  einen  ober  mel^rere  @el^arnifd^te.)u  fleOen 
^atte,  gaben  fid^  bie  iSaufleutflübler  nie  ^er,  fonbern  liegen  ftd^ 
jeroeild  burd^  ^ngefieUte  oertreten. 

Sei  Unternehmungen,  bie  geeignet  roaren,  bad  3ntereffe  ber 
Sürger  gu  feffeln,  festen  bie  ©enoffen  gun  Äaufleuten  eine  6^re 
barauf,  bie  fronen,  roenn  ed  immer  angieng,  perfdnlid^  gu  oer- 
rid^ten.  3)iefed  roar  ber  ^aVi,  aid  Im  Sal^re  1524  ber  ©raben 
am  Smmerdberg  erfleQt  rourbe,  an  roeld^em  ber  £our  nad^  aQe 
3ünfte  arbeiten  miifeten,  ^9teid^  unb  Slrm  . . .  Pfaffen  unb  Sapen, 
.  .  .  unb  roenn  ain  >9{id^er  ntt  roerfen  roott,  fo  mod^t  er  ain 
^ned^t  l^an  unb  mufft  fetber  od^  barbi  ftn  unb  mufft  gulugen, 
ba§'  ed  red^t  gugieng^  2c.  $and  ®tofar,  and  beffen  Zagebud^ 
biefe  üRitt^eilung  entnommen  ifl,.bemerft  oon  fid^  fetbfl:  „unb 
roerfet  id^  an  bem  SursäBerf ,  bafe  id^  fie  (bie  Slnfhengung)  an 
brei  S38ud^en  empfanb." 

^adfelbe  Serfal^ren  rourbe  eingeölten,  aid  bie  Saute  ber 
fleinemen  Stl^einbrüdCe  Snno  1585  roieber  in  Angriff  genommen 
rourbe,  um  bie  nod^  fe^lenben  groei  S)rittl^eile  gu  ooQenben,  eine 
Arbeit,  roeld^e  26  IJa^re  ^üt   erforberte,   inbem  biefelbe   erfi 


31 

%nno  1611  6eenbet  tourbe.  ©omo^l  §ur  93elo^nung  bed  t$lei§e8 
a(8  jum  fieten  Slnbenfen  an  bic  langröicHöie  Slrbeit,  fa§tc  ber 
SRatJ^  ben  6ntf<iJ(uB,  jebem  Sfirger,  aud^  jeber  SSBittroe  fortan  auf 
^ftngpen  1  5Ka6  333ein  uub  I  ^funb  ©rob  gu  oerabreid^en.  Ttx 
©efeUfd^aft  gun  Äanfteutcn  würben  auä  bem  "iParabieferamt  aU- 
ja^rtiii^  alS  betreff ni§  biefer  ^fingftgaben  1  ®aum  3V,  6imer  .  . 
rotten  unb  3  gimer  2  33ierte(  weisen  ©ein  üerabfotgt  ^tnn  baS  \ 
^orabicferamt  burd^  einen  (SefeHfd^aftägenoffen  oerroaltet  würbe, 
fo  gait  aid  Siegel,  bag  bie  ©efeUfd^aft  wSl^renb  bef[en  ^mtsbauer 
i^anio^rlid^  1  6imer  rotten  3Bein  ine^r  ju  forbem  l^obe."  I^ie 
©efellfii^aftdmitglieber  fd^einen  auf  biefe  ©aben  infoweit  oergid^tet 
gu  l^aben,  aid  ber  rot^e  9Bein  ber  Xour  nad^  oon  einem  ^oxi 
gefegten  begogen  würbe,  weld^er  ^tefur  60  jtanten  9Bein  gu  fpenben 
^atte,  ber  wei§e  9Bein,  gu  gwei  jtreuger  bie  äRag  tarirt,  gel^orte 
bem  Pfleger,  weld^er  ^iefür  28  Tanten  gewö^nlid^en  äBein  ober 
aber  fl.  3.  44  fr.  gu  vergüten  l^atte.  %td  bem  fernen  mugte 
ber  Satfer  340  ^funb  ©rob  an  ben  tifd^  ber  ©efeöfd^aft  liefern. 
Cbfd^on  bie  fleinerne  99rücte  fd^on  $[nno  1754  in  t^olge  Dor- 
genommener  ©d^u^magregeln  (gu  @unflen  bed  ®tanbed  B^^i^) 
eingürgte^  würbe  ber  ^ftnßjlwein  nod^  im  ^a^xt  1786  ol^ne 
weiterd  oerabfolgt !  0 


3u  benjenigen  Einlagen,  weld^e  bie  ©efedfd^aft  gun  ^auf« 
leuten  mit  ben  übrigen  @enof[en  in  Serbinbung  brad^ten,  gS^len 
indbefonbere  aud^  bie  ürd^Iid^en  geierlid^feiten  bid  gur  Sieformation. 
S)iefed  war  namentlid^  bei  ben  ißrogeffionen  ber  gall,  berjenigen 
am  ($ronIeid^namdfe{l  unb  auf  (Sxaubi,  an  weld^em  Za%  bie  ftapede 
in  Sruber  Ulrid^d  i^öfli  mit  jtreug  unb  §a^nen  befud^t  würbe. 


')  ^rotoloQ'StudjüQe  bed  la  ^abrbunbertd  im  9ert6  bed  ^unfer 
Obberm  3.  6.  ißeper,  alt  Sürgermeifter. 


30 

9(ld  eS  JH^  9(nno  1449  barum  l^anbelte,  mel^rere  i^Sufer 
am  Romberg  aiiixtxtdftn,  bamit  möglid^er  SEBeife  ber  ^etnb  nid^t 
Don  benfelEen  ^efi^  nel^men  unb  bie  ®tabt  Don  ba  aud  fd^&bigen 
fönner^öttjogm  laglö^ncT  bie  Fronarbeiten,  ebenfo  3lnno  1454 
bei  Srbauung  eines  äBe^rt^urmS  am  SRl^ein,  ober  Snno  1472, 
als  bie  Sürgerfd^aft  bei  Srbammg  ber  @t.  ^Jol^anneS  ^r<i^e  ju 
gfronbienflen  angehalten  mürbe.  Set  blo8  oorübergel^enben  ^ron^ 
(etftungen  in  golge  flattgefunbener  @inif(j^erung  oon  ©ebSuIid^feiten, 
mit  benen  jngleid^  bie  Semad^ung  ber  ^euerfldtten  oerbunben  mar, 
unterzogen  fid^  nur  menige  @enoffen  biefer  balb  ermübenben  $flid^t 
unb  fanbten  ©teHoertreter,  j.  S.  9lnno  1480  „al^  baö  ©d^roarjs 
tl^or  oerbrunnen  mar,*  Slnno  1489  bei  ber  (Sinäfd^erung  bed 
$aufed  bed  $eter  @d^upp  unb  beSjenigen  beS  Sifd^ofd  in  ber 
^^orflabt,  meldte  im  gleid^en  Sal^r  ein  9taub  ber  flammen  mürben. 
3ur  Segleitung  beS  SürgermeifterS  an  ber  y,93ruberfilmi,^  ju 
meld^er  jcbe  Korporation  einen  ober  mel^rere  ©e^arnifd^te.ju  flellen 
^atte,  gaben  fid^  bie  ^aufleutflübler  nie  l^er,  fonbern  liegen  ftd^ 
jemeild  burd^  ^ngeßeUte  »ertreten. 

Sei  Untemel^mungen,  bie  geeignet  maren,  baS  3ntereffe  ber 
Sürger  }u  feffeln,  festen  bie  ©enoffen  gun  JSaufleuten  eine  6^re 
barauf,  bie  fronen,  menn  eS  immer  angieng,  perfdnltd^  gu  oer^ 
ridjten.  3)iefe8  mar  ber  gaH,  al8  im  Saläre  1524  ber  ®raben 
am  SmmerSberg  erflellt  mttrbe,  an  meldbem  ber  7our  nadb  aQe 
3ünfte  arbeiten  mußten,  »9teid^  unb  9lrm  . . .  Pfaffen  unb  Sapen, 
.  .  .  unb  menn  ain  'Stid^er  ntt  merfen  mott,  fo  mod^t  er  ain 
^ed^t  l^an  unb  mufft  felber  od^  barbi  ftn  unb  mufft  gulugen, 
baf'eg  red^t  gugieng"  2C.  $an8  ®t of ar,  aud  beffen  7agebud^ 
biefe  ÜRittl^eilung  entnommen  ifl,.bemerft  oon  p'dj  felbfl:  „unb 
merfet  id^  an  bem  SursäBerf ,  ba&  id^  fle  (bie  Stnfirengung)  an 
brei  S38ud^en  empfanb.* 

^aSfelbe  Serfal^ren  mürbe  eingel^alten,  al8  bie  Saute  ber 
fleinemen  9t^einbrü(te  Stnno  1585  mieber  in  Eingriff  genommen 
mürbe,  um  bie  nod^  fel^lenben  gmet  S)ritt]^eile  )u  ooQenben,  eine 
Slrbeit,  meldte  26  ^oi^xt  ^tit   erforberte,   inbem  biefelbe   erft 


31 

%nno  1611  beenbet  tourbe.  ©oido^I  )ur  93e(o^nung  beS  ^^leigeS 
aU  jum  fielen  _9lnbcnf en  an  bic  fangrölenge Arbeit,  fa§te  ber 
9iat§^ben  6^ntf(i^(iiB,  jcbem  Bürger,  aud^  jcber  SBittroe  fortan  auf 
^fingpen  1  3Ma6  333cm  uub  1  ^funb  ©rob  ju  Derabreid^cn.  Ttx 
©efeUfd^aft  i\m  jtaufleuten  rourben  au§  bent  '^arabieferamt  aQs 
jo^rliiij  ols  S9etreffni§  biefcr  ^fingftgaben  1  ©aunt  3Va  ©inter 
rotten  imb  3  ©irner  2  Siertel  weifecn  ©ein  ticrabfolgt.  SSBenn  bag 
^arabieferamt  burd^  einen  ©efeUfd^aft^genoffen  Derwaltet  tourbe, 
fo  gait  a(g  9{ege(,  bag  bie  ©efeQfd^aft  wal^renb  beffen  ^mtdbauer 
,,allid^rltcl^  1  (Sinter  rotten  SBein  tnel^r  )u  f orbern  l^abe.''  ^ie 
©efeOfcl^aftSntttgUeber  fd^einen  auf  biefe  ©aben  infon>eit  Derjid^tet 
in  ffaitti,  aid  ber  rotl^e  9Bein  ber  £our  nad^  Don  einem  ^on 
gefegten  bejogen  ronrbe,  »eld^er  ^iefür  60  Xanten  äBetn  ju  fpenben 
^atte,  ber  raeige  9Betn,  ju  itotx  Xreujer  bie  SDtag  tarirt,  gehörte 
bem  Pfleger,  weld^er  ^iefür  28  Äanten  gctoö^nlid^en  3Bein  ober 
aber  fl.  3.  44  fr.  }U  Dergüten  ^atte.  %td  bem  fernen  mugte 
ber  ©ätfer  340  ^funb  ©rob  an  ben  tifd^  ber  ©efeOfd^aft  liefern. 
Dbfd^on  bie  fhinerne  Srücfe  fd^on  Slnno  1754  in  JJolge  oor^ 
genommener  @d^u^ma§regeln  (ju  ©unflen  beS  ®tanbed  Bürid^) 
eingürjte^  lourbe  ber  ^nfljhoein  nodj  im  Saläre  1786  ol^ne 
tt>eiter3  ocrabf olgt !  0 


3u  benjentgen  Einlagen,  wü^t  bie  ©efeUfd^aft  jttn  Jtauf:: 
leuten  mit  ben  übrigen  ©enoffen  in  Serbinbung  brad^ten,  jaulen 
indbefonbere  aud^  bie  ftrd^lid^en  geierlid^feiten  bid  jur  Sieformatton. 
S)iefeS  toar  namentlid^  bei  ben  ^rojeffionen  ber  ^aU,  berjenigen 
am  gfronleid^namdfefl  unb  auf  gxaubi,  an  »eld^em  Za%  bie  ftapeQe 
in  ©ruber  UIrtdJ«  $öfli  mit  Äreuj  unb  gal^nen  befud^t  würbe. 


')  $Totoloa'S(udaüQe  bed  18.  ^abrbunbertd  im  9ert6  bed  ^unfer 
Obbemt  3.  (S.  ^eper,  alt  Sfirgetmeifter. 


3g 

Sn  bitff  gei{rIi(^Wf  reifte  fi^  tin  attgemtintä  ^tmbenftft  an, 
loobet  namentlt^  bie  ^iigenb  ocrtrelen  mar,  nie(<i^t  SVa^mittagS, 
bie  @labtmuftfnnttn  on  b»  ®pi^c,  inä  ^TuberEiüflt  auf  bcn 
Slttftniilab  jog. 

3unft  um  B"nft,  gtfeun^eic^ntt  but^  bit  ^orpoiatbnafalintn, 
btt^tiligtt  r»^  bie  fflfirgtifi^oft  Ui  bitfen  5[5to)e(fionfii,  na^  finer, 
9lnno  1468  obrigfeitli^  beftimmten,  Stei^enfolge ,  dfo  lautenb: 
„3Senn  man  ^infür  mit  ber  ^rojeffion  unb  bem  ®afranient  gat, 
■  foHen  ad  Äerjen  nor  aller  ^riefterfii^aft  fingen  unb  von  ber 
£i(d^en  Dier  ßerjen  gcorbnct  nerben,  bie  aUernäi^ll  vox  unb  naÜf 
bem  @afroment  gangen,  ^tem  bie  Sd^mib  feilen  aQernäi^f)  vor 
ben  ©d^ülem  ^ingon,  barnoi^  bie . . ,  anber  3ü"ft-  äRit  bem 
@aframent  fBDen  gan  bnib  93ürgermeiflev,  unb  bte  JpimmelSflü^n 
tragen  Ulri^  ^rüllerai,  m\f)t\m  Siümri,  Surf^arb  -^e^er  unb 
31.  SR." 

^ie  häufle  Ute  liefen  j^re  jroei  Jtevjen  jeneilS  buri^  {mei 
.Knaben  oortragen,  meiere  ^iefßr  angemeffen  ^onorirt  unb  mit 
„effen  unb  tiinfen"  bebaut  mürben. 

3Iu^  bei  ^egräbniffen  oon  @efeIIf(^aftägenoffen  ober  beren 
nS^flen  S[ngef|5rigen  traten  bte  ^aufieutfHiMer  ali  @enof|cn(<i^aFt 
auf.  3)i«  ältefien  Meinungen  geben  ^iefür  ^tngnifi,  inbem  eä 
Sitte  mar,  na^  beenbigtem  Seic^enbegängnig  einen  gemeinft^aft: 
lii^cn  Ibrd^iebätninF  ober  SDta^I  ju  galten.  %n  „Jpermann  JtronS 
SSegrabb"  Mmio  1419  würben  33  ß  auS  ber  ©efeUff^aftaCafle 
)u  bem  Wafji  beigetragen.  „€lf  ©filling  bo  bent  ©abel^nfer  {tn 
@un  unb  ^.  von  ^itffen^ofen  begraben  mürben,  6  /}  bo  ber 
alt  ^itg^Uv  flarb,  brei  ©chilling,  aid  man  Uli  ^aqerS  tPtutt» 
oergntb"  u,  f.  ro. 

!£iefeS  Sufammen^alten  ber  ©tfeQfc^aftSgenolfen  bet  S9e= 
giäbniffen  muibe  aud^  na^  ber  Steformation  me^r  ober  meniger 
beibe^olten  nnb  eitftirt,  menn  au^  in  [i^mai^en  Umriffen,  Eieute  noi^. 


33 


SDad  gefeOfd^aftlid^e  2Atn  tx^itli  burd^  bte  polittfd^en  Sted^te, 
iDeld^e  ber  urfprünglid^en  ^rtoatgefellfd^af t  ^u9eiDiefen  iDurben,  neuen 
%uff(l^n)un9  unb  rourbe  überbted  bitrd^  bte  niand^erlei  @ntolumeute, 
bte  t^r  l^ieburd^  jufloffen  unb  bte  ber  ©d^arfftnn  itnferer  Slltvorbent 
überl^aupt  no^  l^erbeijitleiten  Derflonb,  gel^oben.  ^ebe  ©elegen^eit 
roitrbe  benfi^t,  urn  neue  ^9{n(öffe^  ju  fd^affen  unb  unter  gutem 
Sonoanb  bie  Sudgaben  bafflr  irgenb  einem  SSeglüdCten  jujufd^ieben. 
(Sinen  $aupt]^ebe(  )ut  gefellfd^aftlid^en  Unterl^altung  btlbete  fd^on 
in  ben  frü^eflen  ^tiitn  ber  9Bein,  barum  aud^  würbe  biefem 
©etranfe   unter  Qtten  3:iteln  fo  gro§e  3lufmerffamfeit  gefd^enft 
unb  getrad^tet,  fQr  jebed  gemetnfd^aftltd^e  SRa^I  biefeS   Sabfal 
gratis  in  befommen.  @o  entftanben  ber  ^Sufna^md^,  ginfaufd^ 
©rneuerungSs,  9Ba]^l=,  ©emal^U,  ©tubenlofungS-,  9lamcn§tag8^ 
$ftngf}2  unb  grb^SlBein*   unb  rote  bie  9{bgabenn)eine  alle  l^eigen 
mod^ten.  Tie  (Sinrid^tung  würbe  fo  getroffen,  ba§  bei  jeber  ja^l^ 
reid^eren  3wföni«tenfunft  ober  bei  jebem  3ln(a§  ein  ^®rati8sS9rünnes 
lein^  flog,  beffen  ^erbeifettung  ®ad^e  ber  ißfleger  war,  weld^e  bed^alb 
eine  firenge  ^ontrole  fiber  bie  ^ributpflid^tigen  )u  ffil^ren  Ratten, 
^ad  9(mt  ber  ^f^eger  war  nid^t  3ci>^i^ann8  @ad^e,   abgefel^en 
von  ber  ©efeUfd^af tSred^nerei ,  weil  bamit  aud^  ba§  $rofuriren, 
b.  ^.  bie  ^norbmtngen  ber  9Ra^ljeiten,  namentlid^  aud^  bad  ^Uerten 
madden''  ober  bie  Sejlimmung  be§  burd^fd^nittlid^en  SetragS  ber 
3ed^e  bei  ben  gemeinfd^aftlid^en  Slbenbtrfinfen,  @d^enfungen  ober 
SDlal^tjeiten  oerfnfipft  war.   TeS^alb  aud^  würbe  in  ber  Siegel  neu 
aufgenommenen  ©enoffen  biefe  S^renfieQe  aufgeburbet  ober  biefelbe 
befonberS  geeigneten  aRitgtiebern  fibertragen,  weld^e  ffir  i^re  Se- 
mfl^ungen  burd^  ben  ©enug  Don  Sportteilen  entfd^äbtgt  würben. 
Unter  ben  ©d^enfungen  oerfianb  man  ©elage,  weld^e  )u 
S^ren  eined   ©afted  ober  eines  ©efellfd^aftdgenoffen  abgehalten 
würben.    3n  le^terem  %aüt  gieng  benfelben  meifl  eine  üRa^ljeit 
ober  ein  Stbenbtrun!  ooran,  als  bereu  banfbare  (Srwiberung  ber 
©eber  anberen  XagS  oon  feinen  ©&fien  bewirtl^et  würbe.  3n  ber 

3 


u 

Siegel  tourbe  bet  biefen  9(nlajfen  bte  ^t^t  etwaS  }u  (urg  gegriffen 
unb  bad  äRangelnbe  auS  bem  99eutel  ber  ©efeüfd^aft  beigetragen. 

9(8  ©äfle,  benen  )u  (S^ren  auf  dted^nung  ber  ©efeOfii^aft«^ 
mitglieber  ©d^nfungen  abgehalten  toiirben,  n>erben  junad^ft  ®e: 
fanbte  oerbAnbeter  ®t&bte  ober  ber  etbgendf  jtfd^en  @tSnbe  aufgeführt. 
%u4  lybem  0ran)o8"  mürbe  eine.  Sd^enfung  )u  XJ^eil,  namlid^ 
bem  franjdfifd^en  99otf drafter  ^Dangerant,  »eld^er  %nno  1523  als 
|$efhingSbau(unbiger  wegen  ber  @^rbauung  beS  Unotd  aud  Supern 
^te^erberufen  wurbe^  um  beffen  9[nfid^ten  )u  oeme^men.  @tattlid^e 
©d^enfungen  n)urben  oeranfialtet  ^nno  1517  }u  (S^ren  eined 
$erm  von  i^elmfiSbt,  bed  9lbt9  x>on  9tütt  u.  f.  w.  33on  ben 
^al^lretd^n  ©d^enfungen^  bie  wegen  ©efeQfd^aftdgenoffen  abgehalten 
würben^  oerbienen  folgenbe  befonberer  Srwa^nung:  «^XlS  ber 
Slinger  fin  erfl  3Reg  fang"  %nno  1437  mürbe  bte  ©d^enfung 
fo  jal^lreid^  befud^t,  ba§  33  ß  Ueberfd^ug  ber  ^affe  ju  gut  (atnen, 
y/  mSl^renb  biefelbe  fonjl  immer  einen  diüdfd^lag  ju  becfen  l^atte^  fo 
j.  8.  1461  1  ^funb  2ß  „ü  §an8  3rmafee8  ©d^enfi  unb 
1/3  4  ^Ix.  bi  ^an^  83arterd  ©d^enfi,  als  t^m  ein  junges 
maS  morben.^ 

Seranlaffung  )u  ©d^enfungen  gaben  {unad^jl  bte  SBal^len  ber 
Bunftmeifier  unb  ber  Ob^erren  unb  ber  übrigen  Sorflel^er,  fobonn 
bie  Slufnal^me  neuer  äRitglieber  mtb  bie  SSermS^tungen.  S)er  le^- 
teren  wegen  mürbe  Snno  1472  befd^loffen:  i^äBetd^er  ©efell,  Toon 
finer  Stod^ter  megen,  ^od^^it  ober  ©d^enÜ  uff  unfer  Xrinffhiben 
l^at,  ba§  ber  ben  ®ef eilen  ben  ©emad^elmin  geben  foQ.  Unb 
mev  ber  ifi,  ber  ein  ©d^enfi  uff  unfer  ©tuben  l^aben  miQ,  bag 
ba  niemanb  bi  ^nnel^mung  ber  ©d^enft  foQ  {in,  bann  oon  unfer 
®ef eQf d^af t. '^  Sine  augergemö^nlid^e  ©afierei  Deranftaltete  Sene- 
bift  ©tofar,  ber  jüngere,  auf  bie  t^aftnad^t  %nno  1570,  megen 
ber  ©efeDfd^aftdemeuerung  unb  feiner  93erm&^lung  mit  9lal^el 
SZütl^linger  uon  ©t.  ©allen,  meld^er  i^fetbiger  ^ad^t  maS  uff 
unfer  ®ef eUf d^af t  jünf tig,  mi^i  unb  SRann  ju  ©afi  ge^ept.  **  3n 
ben  meifien  ^iUtn  mürbe  jebod^  nur  bie  gemö^nlid^e  Zaxt  für  ben 
©emal^lmein  be^a^lt,  10  iBajen  ober  ein  $funb  geller  betragenb. 


35 

ba  fiberbteS  nod^  anbere  XuSgaim  brum  unb  bran  ^tengm.  ^er 
treul^ersige  ^an%  (Stodor  bemerft  beSl^alB  in  feinem  Siagebud^: 
^Uff  bie  gfd^ttrmittmud^en  (1527)  ^an  i<i^  minen  ^erren  unb 
BunftgefeQen  ein  $funb  ju  ©ema^lmin  gen.  9(n  biefem  Xag  ifl 
ed  mit  milb  gangen  unb  mugt  bem  @tubenfned^t  gen  1  @ulbtn 
für  1  happen  unb  ber  ^omen  unb  Snngfromen  2  $aar  @ö^ul^ 
unb  Pantoffeln.  ^  Sine  gefeQfd^afttiö^e  Serorbnung  t>on  1557 
befUmmt,  ba§  bem  ©tubenroirt^  ein  SBarett,  ber  @tubenfrau  ein 
$aar  Stiefel  unb  ber  iDlagb  ein  $aar  @ö^u^e  gegeben  werben 
foOen.  ^ai  @elb  für  ben  ©emal^lmein  erforberte  feine  umfiSnb- 
ttö^e  Suö^ung,  inbem  badfelbe  feinem  ^mtdt  gemSg  fofort  Der- 
oenbet  unb  folgenbermeife  in  ber  9te<i^nung  aufgeführt  murbe: 
^am  @unntag  nad^  bem  nügen  ^ox  1501  l^at  ic^anS  Sarter  unb 
$an8  ic^uber  il^ren  iDlagelmein  geben,  ifl  oerjel^rt.^  irStem  uff 
bie  (Sfö^ermittmuö^en  (1568)  l^at  i^and  Ulrid^  ic^arber  ben  ®u 
ma^lmin  gen,  tl^ut  1  $fb.  ^tUtx  unb  ifl  uff  benfelben  ^ag 
Derje^rt** 

%QiS^rtid^  fanben  menigfienS  ein  l^albeS  S)u^enb  obligate 
aRal^ljeiten  fiatt,  n&mlid^  am  9leujal^r8s  ober  Serd^tolbiStag,  am 
Xage  ber  1^.  brei  Jtönige,  an  ber  Xf d^ermittmod^ ,  am  ^ftngfl^ 
montag,  bet  Xbna^me  ber  Sted^nung  im  äRonat  3uni  ober  3uli 
unb  auf  bie  jtird^mei^e.  3^^  Ausfüllung  ber  Sude  ma^renb  ber 
SBintermonate  bot  bie  ©enerofitSt  ber  Obrigfdt  nid^t  feiten  Snlag, 
inbem  biefelbe  ,,i^ren  lieben  unb  getreuen  93erburgerten  auf  ben 
©efeOfd^aften  unb  3ünften''  in  Salären  bed  Ueberfluffed  an  Sad^fen 
unb  SBilbpret  eine  99efd^erung  }uge^en  lieg.  3n  Serbinbung  mit 
bem  ©efeQfd^aftSmirt^  beforgten  bie  beiben  $fleger  bie  SinfSufe 
an  SebenSmitteln ,  an  Sf^eifd^,  f$ifd^n,  99rob,  St&\t  u.  f.  m.  auf 
9ted^nung  ber  ©efeQfd^aft  ^^Unb  fo  man  ic^ü^ner  ober  93ögel  ^aben 
möQt  —  befagt  eine  QSerorbnung  oom  3^^^  i474  —  mögen  bie 
pfleget  bem  ftned^t  ober  finer  Sungfromen  befehlen,  baruf  )u 
waxttn  unb  bamad^  ju  fieQen  unb  maS  alfo  profurirt  mirbet,  foU 
ben  Pflegern  gejeigt  unb  in  ©efd^rift  gegeben  werben/  ebenfo  «^mad 
man  von  @emür),  ®d^mal}  unb  anberem  in  bie  Jtüd^  bni^t.^ 

3* 


ä6 

i>a%  Aod^gefd^irr  nebfl  bem  jpotj  tourben  ebenfalls  oon  ber  ®e= 
feQfd^aft  geliefert  unb  bem  ©efeQfd^aftSbiener  ein  Solvit  für  bie 
Buberettung  ber  Speifen  au9gen)orfen ,  ebenfo  bie  Seteud^tungS^ 
fofien  Dergütet. 

^ie  abgetragenen  ©peifen  unb  ®elranfe  mußten  ebenfalls  ben 
Pflegern  oorgeroiefen  unb  je  nad^  Umjlänben  ^ur  Verfügung  gefteHt 
werben.  (58  galt  al8  ©runbfa^,  ba§  ,,ongef<iJnittene  ©rob,  ein= 
gefd^enfter  SBin  unb  mad  oon  $(eifd^  ober  t^ifd^en  ob  2:ifd^  ge- 
brod^en  würbe,  ^  bem  SBirt^  unb  beff en  Sngeftedten  jufaQen  f oDe, 
;,aber  Pflegern  unb  Seja^lern  foQ  man  jum  9tad^mat  frifd^  ^ing 
geben/  SRit  ^udnal^me  ber  Sieujal^rd  ^  aRal^l}etten  l^atten  bie 
©efedfd^aftdgenoffen  minbeflend  bie  ^{benbmai^Ijeit  ober  baS  Dtad^- 
mal^l  aus  eigener  ^afd^e  gu  bejal^Un. 

Unter  biefen  oHiS^rlid^  roieberfel^renben  Snloffen  unferer  VIU 
oorberen  würbe  berjenige  am  !3)reifönig8tage  am  buntefien  begangen, 
ba  ein  Umjug  bamit  oerbunben  mar,  ber  feinen  Urfprung  in  trgenb 
einer  oerbienfKid^en  äBaffent^at  }um  SSSo^le  ber  Saterflabt  l^aben 
mod^te  unb  bedmegen  aud^  in  ooQer  JtriegSrüflung  auSgefül^rt 
;  mürbe.  3)iefer  Umjug  fanb  nad^  ber  SRittagSmal^Ijeit  Don  ber 
Aaufleutfhibe  au8  ftatt  unter  großem  SolfSjulauf.  „Tie  Slmt- 
leute^  ober  bie  §auptperfonen  beä  3uge8  mürben  alle  ^af)xt  neu 
befhat  unb  bei  ber  SBa^l  berfelben  mSglid^fle  9iüd(f!d^t  auf  bie 
äBünfd^e  ber  }u  äBd^lenben  genommen,  meld^eS  namentlid^  bei  ben 
brei  legten  ©teilen,  bie  p  ©ergeben  maren,  ber  gaU  fein  mod^te, 
ju  beren  Ueberna^me  pdj  befonberS  bie  jungen  ©enoffen  melbeten, 
um  ftd^  bemerflid^  )u  madden.  3)ie  ^u  befe^enben  9lemter  maren 
ein  Hauptmann,  Sieutejtont,  gd^nbridj,  Sorf Sl^nbridJ ,  gourier, 
©d^reiber,  SBad^tmeifler,  iprofo«  nebfl  Trabanten,  Jrommelfd^lager, 
Pfeifer,  Doftor,  genfer  unb  §enfer8fned^te  unb  groei  Starren, 
le^tere  mit  möglid^ft  auSgebe^nten  ^rei^eiten  begabt.  Son  ben 
flbrigen  ©efeUfd^aftdgenoffen  f^onben  bie  Sufitragenben  als  ©emeine 
ein.  9Rit  ©raottat  bemegte  fid^  ber  Bug  burd^  bie  ^auptflragen 
ber  ©tabt  unb  feierte  alSbann  }u  einem  frugalen  Slbenbeffen  auf 
bie  ftaufleuf^ube  gurücf. 


37 

3n  5Ro<i^a^mun(j  bcr  Hebung  bei  ernjlen  ©elegenl^eiten  ntod^te 
ed  <Bxttt  fein,  bag  bie  oberflen  93eamten  oon  ben  übrigen  nad^ 
^aufe  begleitet  würben,  bie  bann  für  biefe  (S^renbe^eugung  nod^ 
mit  einem  ©d^Iaftrunf  beioirt^et  mürben.  !3m  SSerfauf  ber  ^tit 
fd^lojfen  fid^  immer  mehrere  ber  Segleitung  an,  fo  baß  bie  91ns 
nal^me  biefer  Dorübergel^enben  @^renamter  nad^gerabe  bebeutenbe 
Soften  }ur  fjolge  f)attt,  abgefel^en  oon  bem  Sdrm,  ber  l^ieburd^ 
auf  ber  ©traße  unb  in  ben  ^oufcni  oerurfad^t  mürbe.  „Uff  guter 
So^Imeinung"  mürbe  am  brei  JSonigStage  1595  biefer  aßi^braud^ 
T)on  ben  ©efellfd^aftSgenoffen  abgefleHt  unb  befd^lojfen,  ba§  anfiott 
beS  ©d^laftrunfS  ein  .Hauptmann  ^infort  einen  ßimer  S38ein  unb 
ber  Lieutenant  einen  l^alben  (Simer  9Bein,  fobann  beibe  jufammen 
„uff  ieben  tifc^  eine  Statte  mit  ®ulj  unb  1  Statte  mit  jtüdjli" 
geben  fotten.  35iefer  Sefd^tufe  mürbe  nid^t  lange  aufredet  erl^alten 
unb  artete  in  bem  Orabe  auä,  ba§  ber  flipulirte  3Bein-alIerbing8 
entgegengenommen,  bagegen  bie  ^auptleute  nad^  mie  vox  mit  @ang 
unb  JSlang  nad^  i^aufe  begleitet  mürben. 

©an}  befonberS  bunt  mürbe  ber  3)reiI3ntg9tag  im  Sal^r 
1600  gefeiert,  fo  baß  ber  SRatl^  [x^  oeranlafet  fal^,  ber  ©efett^ 
fd^aft  )u  verbieten,  benfelben  fortan  in  ftattgefunbener  SBeife  }u 
begeben  unb  „SRad^tS  unb  etmann  bis  gegen  5:ag  uff  ber  ©äffe 
mit  bem  gonblin,  5:rommen,  ^feiffen,  3aud^jen  unb  ©d^re^en, 
allerlei  Unful^r  unb  Unma§  ju  üben  unb  ju  treiben."  Son 
an  mürben  bie  Umgüge  mieber  in  aller  Orbnung  abgehalten  unb 
bie  Segleitung  ber  Slnfül^rer  unterlaffen,  bagegen  ober  bie  SBein: 
fpenben  erl^o^t  unb  felbft  auf  bie  gfSl^nbrid^e  audgebel^nt,  meldte 
jebod^  il^re  Serbinbltd^feiten  erfl  am  Slfd^ermittmod^  }u  leifien 
l^atten.  iDlit  bem  ^dffx  1607  mürben  nur  nod^  bie  ja^lungS- 
pflid^tigen  Seamten  gemault  unb  Snno  1618  ber  [Umjug  )um 
le^tenmal  gehalten. 

!Cie  ÜRa^ljeiten,  meldte  bei  Slnlofe  ber  (grmal^lung  eine«  neuen 
Obl^errn  auf  9ted^nung  be$felben  abgel^atten  unb  baS  „Obl^erren 
Äüd^li"  genannt  mürben,  fd^einen  im  18.  ^al^rl^unbert  fel^r  fplenbib 
gemefen  ju  fein,  inbem  »nno  1722  in  ber  «bfldjt,  bie  biedfaUfigen 


38 

Unfofien  )u  oerminbent  unb  ju  regeln^  befd^loffen  lourbe,  „ha^ 
An  ieioeilig  neuerio&^lter  Oi^etr  dot  bie  aRa^ljeit  (S.  93.  9. 
©efeOfd^aft  geben  foUe  f(.  350.,  baoon  foOeti  fl.  200.  ju  bent  Qk- 
feQfd^aftSgut  get^an  unb  mit  (ben)  übrigen  fl.  löO.  foQen  bie  ©e- 
feafd^aftdpfleger  mit  Sonoülfen  unb  9{at^  ber  Sunfem  unb  ig^eiTen 
Sorgefe^ten  profuriren''  u.  f.  to.  3n  bemfelien  9Ra§{lab  mürben 
aud^  bie  übrigen  neugem&^tten  9tatl^8l^erren  unb  9tid^ter  belafiet. 
!Diefe  überfd^menglid^en  iDlaJ^Ijeitereien  unb  bie  ia^tn,  mit  benen 
bie  )u  (Sl^renfieQen  gelangten  @enof[en  belegt  mürben,  finben  i^ren 
©runb  in  ber  ^afd^erei  nad^  ©teilen,  bie,  mie  oben  erm&^nt,  )u 
ienen  S^t^n  in  Sd^aff^aufen  florirte  unb  aud^  bei  ber  ©efeUfd^aft 
)ttn  ^aufleuten  (Singang  gefunben  ^otte«  3m  vorigen  3<^tl^uttbert 
mürben  bid  )um  3a^r  1770  {eben  äRonot  gemdl^nlid^e  ,,©efeOs 
fd^aftS^aRittagd-.iDla^ljeiten^  abge^lten,  bie  aber  «,mei(  bie  9ln)al^l 
ber  ©äßen  niema^len  gar  {tart  unb  meil  bie  guten  äBein  in  einem 
excess!?  I^ol^en  $rei8  ju  flehen  fommen,^  auf  alle  )mei  SDlonate 
audgebel^nt  mürben,  unter  bem  meiteren  SSefd^lug,  ba§,  nm  bie 
Bal^l  ber  Xl^eilne^mer  )u  oermel^ren,  ^bie  Uert^en  nid^t  ^öl^er  al8 
24  !r.  auf  ben  ftopf  )u  flel^en  f ommen  foUe. ""  0 

S)er  (Smfl  ber  ^tit  am  @d^(uffe  bed  18.  unb  )u  Anfang 
bed  19.  3a^r^unbert$ ,  bem  fo  oiele  alt^ergebrad^ten  unb  lieb- 
gen)onnen  Uebuugen  unb  ©ebrSud^e  meid^en  unb  ftd^  anpaffen 
mußten,  übte  feinen  (Sinflug  aud^  auf  bie  gefedfd^aftlid^en  Ser^ält^ 
niffe  aud  unb  mad^te  fid^  junad^ft  in  Serminberung  ber  SRa^ljeiten 
geltenb,  meldte  in  nid^t  gar  (anger  ^tit  bii  auf  brei  rebujirt 
mürben,  biejenige  am  ^fd^ermittmod^,  am  $ftngflmontag  unb  bei 
^bna^me  ber  ^al^redred^nung  im  3)ejember.  (Sine  neue  $eriobe 
mar  mit  bem  neuen  ^a^rl^unbert  eingetreten.  3Rod^ten  aud^  SRand^ 
mit  ben  politifd^en  Umgeflaltungen  unb  fonfKgen  !Reuerungen  fid^ 


*)  Ueber  bie  Qualität  ber  ^auptmab^eiten  unb  bie  Serrec^nungd« 
loeife  berfelben  giebt  ber  im  Slnbang  abgebrudte  „Zrattir'SRobel"  tvobl 
bie  ^uoerlafftgfte  Sludtunft.  3e  nad^  ben  ^^brei^^iten  loecbfelten  bie 
®eri(bte  ettoa^  ah,  aUein  im  ©anjen  blieb  fnjp  bie  IBetotrtbung  glei(b 
unb  ^loar  nodb  bur(^  mehrere  Qabr^e^nte  bed  gegenio&rtigen  ;3abf(^un« 
bertd  binbur(^. 


39 

nid^t  ettiDerftanben  erflären,  fo  burd^jog  bafür  ein  an^eite^meS 
©efü^l  bie  ^ei^en  bet  ©enoffen  bei  bent  93en)ugtfein,  injroifd^en 
auf  bent  9Q3ege  ber  Sit)i(ifation  einen  bebeutenben  ©d^ritt  oottoSrtd 
get^an  ju  ^aben.  3n  Skrfolgung  biefev  eingefd^Iogenen  9lid^tung 
gaben  fid^  ba(b  roieber  neue  93en)eife  funb  für  bie  rtd^tige  %tfs 
faffung  bet  i^txt,  a(d  faum  ber  oberroa^nte  g^riebe  gefd^Ioffen  unb 
bie  fd^ioeijerifd^e  @ib9geno|fenfd^aft  mit  ben  22  Kantonen  neu 
geflaltet  nmr. 

&  rourbe  bie  Seranflaltung  eineS  2!ugenbfefled  angeregt^  in 
ber  9lbf!d^t  ,^bie  ©o^ne  oon  ©efeUfd^aftSgenoffen  fd^on  in  früher 
Sttgenb  mit  einanber  befannt  ju  madden  unb  bie  freunbfd^aftlid^en 
Sanbe  anjufnüpfen,  bie  nad^  unferen  bürgerlid^en  ißerl^Sttniffen  in 
fpoterem  Sllter  groifd^en  f elbigen  befleißen  muffen. "  Sn  SBürbigung 
biefeiS  fd^önen  3n)ectS  unb  gen)i§  aud^  geleitet  oon  bem  93efire6en, 
,,an  ber  greube  ber  3ugenb  bie  eigene  greube  ju  erl^ö^en/  murbe 
ben  7.  S)ejember  1815  befdjloffen:  alle  2  ^oifxt  ein  Sugenbfefl 
abgu^alten,  an  meld^em  bie  JSnaben  oom  6.  ^affxt  an  bid  ju 
i^rer  Confirmation  ^Intl^eil  nel^men  foUen.  3)er  Xfd^ermittmod^ 
roor  ^iefür  befHmmt.  93or  ben  oerfammelten  33Stem  fleHten  Pd^ 
bie  JtnabeU;  mie  je^t  nod^,  in  9iei^  unb  ©lieb^  ber  SItefle  ber- 
felben  ^ielt  eine  9{ebe,  fflr  meldte  er  mit  einer  S)u(ate  ^onortrt 
mürbe,  yia^  bem  iDüttageffen  fanb  fomo^I  gur  Unterl^altung  als 
gum  Vergnügen  eine  S^erloofung  oon  ^tlbfd^en  ©egenfiinben  fiatt, 
bie  nad^  brei  9[ttergpufen  georbnet  loaren  unb^  um  ben  ©efell- 
fd^aftsfonb  gu  fd^onen^  minbeflend  gu  Vs  oon  ben  aRitgliebem 
burd^  freiroinige  Seitrage,  eine  Sieil^e  oon  Salären  ^inburd^,  gebetft 
mürben.  3«^^  33ereinfadjung  mürbe  fd^on  beim  gmeiten  gejl  eine 
©elMotterie  eingeführt.  Som  3a^re  1822  an  befd^fte  mon  bie 
Jtnaben  überbied  mit  ben  Sleujol^rdgefd^enfen  oon  Dr.  SDleld^tor 
Äird^^ofer  unb  nad^bem  biefe  gu  erfd^einen  aufgel^ört  l^atten  unb 
aud^  bie  ©elblotterie  befeitigt  war,  mürben  anbere  roert^ooHe  ©d^rif» 
ten  aU  ®ef diente  audgetl^eitt,  mit  benen  bie  monnlid^e  2lugenb 
je^t  nodj  erfreut  mtrb.  »iffiger  SBSeife  nmrbe  im  Saläre  1824  ba« 
:3ugenbfefi  aud^  auf  bie  meiblid^e  Sugenb  audgebel^nt,  unter  ber 


40 

Verfügung,  bag  badfelbe  je^t  nur  nod^  aOe  brei  ^cifxt  abgehalten 
merben  foQe.  Um  bie  greube  DoOfoinmen  ju  mad^en^  rourben  oom 
;3al^re  1830  an  aud^  bie  enoad^fenen  Xod^ter  uub  bie  ©attinnen 
eingelaben  unb  ein  formlid^ed  gfamUienfejt  angeorbnet,  an  meld^em 
fid^  fpater  aud^  bie  ©efeQfd^aft  )un  Ferren  bet^eiligte. 

%I9  geiflige  ÜBürje  bei  biefen  %nla|fen  rourben  in  bem  reb« 
feügen,  titutaturreid^en  17.  ^Jal^r^unbert  bie  £rin!fprüd^e  eingeführt, 
)u  beren  Slbl^altung  jeber  ©efeQfd^aftSgenoffe  bei  feinem  erften 
Eintreten  oevpflid^tet  würbe,  ebenfo  jeber  neue  @^rengafl  bei  Ueber» 
reid^ung  bed  SBiUfommbed^erd.  ÜRod^ten  aud^  SDiand^e  l^ierin  eine 
gute  ©ele^en^eit  evblidCen,  il^r  9tebnerta(ent  leud^ten  ju  laffen,  fo 
n)urben  bagegen  Slnbere  ^ieburd^  in  groge  93erlegen^eit  gefegt,  roeil 
fd^on  bie  Titulatur  eine  etmeld^e  3ungenfertig!eit  erforberte,  um 
biefelbe  rid^tig  uorjutragen.  Som  ^a^re  1664  liegt  nod^  ein 
Srud^fiüct  einer  fold^en  9lnrebe  vox,  ber  jebod^  bie  Titulatur  bed 
Cb^errn  abgebt,  weldje  einfad^  in  „§crr  Setter  Cb^err*  abgefürjt 
erfd^eint,  bann  aber  alfo  lautet:  ,,^od^gead^te,  äBol^leble,  ©eflrenge, 
(g^r-  unb  SRot^Defte,  §od^gelel^rte,  gürpd^tige  unb  SBeife,  §od^5 
günfhge,  ^od^geel^rte  2lunfern  unb  Ferren  dou  ber  loblid^en  unb 
abelid^eu  ©efeQfd^aft/  3n  bem  gegenwärtigen  Sfal^r^unbert  ^at 
bie  "ititulatur  mie  fo  oieleS  anbere  eine  leid^tere  §orm  erhalten, 
beffenungead^tet  aber  fanb  man  eä  ber  3^^^  angemeffen,  bie  (S^reu^ 
gäfte  fortan  nid^t  me^r  mit  ^Ib^altung  oon  Xoaflen  ^u  behelligen, 
bagegen  ift  für  bie  neuen  SERitglieber  bie  Sitte  beibel^alten  morben, 
um,  mie  eS  fd^eint,  ben  frühem  ÜRitgliebern  geredet  )u  werben. 


Son  ben  ^reuben  ber  £afel  }u  ben  übrigen  Sergnügungdarten 
überge^enb,  nimmt  bad  ®piel  aid  bad  gewol^nlid^fle  Unterl^altungd- 
mittel  ben  erfien  $la^  ein.  Ueber  bie  $ö^e  ber  ©pielf&^e  beftanben 
fdjon  in  frü^efier  ^tit  SSerorbnungen ;  eine  fold^e  oom  ^af^xt  1530 
befagt,  ba§  „niemanb  n>eber  ^aimifd^  nod^  frombb,  meber  mit  ber 
harten,  bem  3Bürfel,  nod^  in  anbermeg  tl^ürer  bann  umb  ain 
jailer  ober  Pfenning  fpielen  fott."    ^n  ^tittn  mar  bad  (Spielen 


41 

^mit  bcr  Äarten^  gang  »erboten,  aber  „Sogej^unb  ffia^len  unb 
Srettfpiel  ober  ©d^ad^jabet  unb  ©d^ieffen  mit  ber  9lrmbriift"  auSs 
na^mSroeife  geflattet  (1389). 

9lu§er  ben  genannten  Spielen  floiirten  nomentUd^  aud^  ba« 
Äcgelfpiel,  für  roeld^eS  l^Supge  änfd^affungen  an  Äegeln  unb 
Äugeln  ben  9ted^nungen  einoerleibt  fmb,  ebenfo  für  bie  93rettfpie(e 
unb  fpoter  aud^  für  ein  SBurffpiel,  roeld^eä  eherne  Steine  erfor^ 
berte.  3?ie  ©efedfd^aftSfluBe  würbe  oon  ben  ©enoffen  als  ein 
gefreiter  Ort  betrad^tet  unb  balder  bie  jufagenben  Spiele  ol^ne 
anberS,  inbeffen  möglid^fl  innerhalb  ber  Sd^ranfen  ber  9Ra§igung 
getrieben.  3n  bem  oerorbnungSreid^en  18.  S^^rl^unbert  rourbe  (im 
Sid^tme§bot  9lnno  1758)  erfannt:  „bafe  bei  geroö^nlid^en  Slnläffen 
!ein  ffiürfel  bei  Straf  oon  2  Äanten  SQBein,  foHen  gebrandet 
werben.*  Später,  al«  biefeS  SSerbot  aud^  auf  baS  Äartenfpiel 
auSgebel^nt  würbe,  war  $rau  9ln na,  bie  Stubenfrau,  fo  gefäUtg, 
ben  Siebl^abem  bed  Spiels  il^re  9Bo^nung  ^ie3U  etnjuröumen,  für 
weld^e  ®efällig!cit  berfelben  „oor  oerfammeltem  ©ott"  9lnno  1761 
baS  emfle  ÜRifefaKen  bejeugt  würbe.  Ueber  baS  Slrmbruflfd^iefeen 
im  Umfange  beS  ber  ©efeQfd^aft  jufl&nbigen  9taumeS  finbet  ftd^ 
nid^tS  oergeid^net,  eS  liegt  inbeffen  bie  Sermutl^ung  nal^e,  bag 
biefeS  mannlid^e  Spiel  in  ben  früheren  Sa^'^^unbcrten  bei  ber 
©efettfd^aft  jun  «tlaufleuten  aud^  in  Uebung  war,  inbem  bie  äRit- 
glieber  berfelben  fiets  greunbe  oom  3Wf<^i«6tti  waren.  I)em  gu 
golge  finben  wir  biefelben  bei  beiben  Sd^ü^engefeQfd^aften  i^al^lreid^ 
oertreten  unb  oiele  oon  il^nen  burd^  fd^Sne  ©ewinnfle  fowol^l  in 
Sd^ff^aufen  als  auf  auswärtigen  Sd^iegen  als  gute  Sd^ü^en 
belol^nt.  9ln  bem  im  ^al^re  1577  ju  Strasburg  abgel^altenen 
greifd^iegen,  wetd^eS  wegen  beS  warmen  §irSbrei  ber  3^^^^«^  ^i"« 
etweld^e  Serül^mt^eit  erlangte,  war  bie  ©efeUfd^af t  burd^  fünf  aftioe 
SKitglieber  oertreten.  S3ei  ben  7  5Bogeufd^ü^en  auS  ber  Stabt  waren 
^anS  ^e9er,  SRid^ter,  ßonrab  $»uber,  Spenbmeifler ,  unb 
3a!ob§uber,  ^ol^err,  unb  bei  ben  10  Sfid^fenfd^ü^en,  bie  nur 
jur  §alfte  ouS  Stabtbürgern  beflanben,  §anS  oon  ©albürd^ 
jum  9?itter  unb  Hauptmann  ^anS  ^einrid^  oon  SöalbfirdJ. 


42 

Ter  @tnn  für  gefd^idte  ^onbl^aiimg  ber  SBaffen,  loeld^er 
bie  %lh)orbem  )u  @unften  ber  SJaterlanbdoert^eibtgung  belebte, 
er^ieU  ftd^  jletd  rege  unb  felbfi  burd^  biejetfigen  Briten  l^tnburd^, 
in  benen  otö  gfolge  langen  gfriebend  bad  äRUitönoefen  bis  i^um 
$uppenfpiel  l^erabgefunfen  roar.  9nno  1716  oeranflaltete  bie  @t: 
feUfd^aft  unter  fid^  ein  Bi^lfd^ic^cn  auf  bem  ©d^ü^enpla^,  roeld^S 
Don  ba  an  ade  12  ^affxt  abgel^alten  würbe,  )um  legten  9Ra( 
jebod^  %[nno  1786  roegen  ber  politifd^en  @^onjuncturen.  Tie  @a6en 
rourben  jen)ei(d  burd^  freiroidige  beitrage  ber  SRitgüeber  jufammen; 
gefieuert  unb  flbcrbied  von  benfelben  ein  Toppel  gelöst.  Tad  ^tlt 
ber  ©efetlfd^aft  mürbe  auf gerid^tet ,  um  unter  bemfelben  Dor  ben 
©trollen  ber  ®onne  ober  ber  Ungunf)  ber  SBitteruug  ®d^u^  }u 
fiuben  unb  nebenbei  ftd^  gfltlid^  )u  t^un.  (Sine  @d^u^enma^l)eit 
burfte  nid^t  fehlen,  an  ber  aud^  bie  Sebienfteten  X^eil  nol^men. 
3n  bunte  Rapiere  unb  Sanbcr  gemitfelt,  fd^aufelten  bie  fd^muden 
©aben,  in  @ilbergerat^fd^aften  unb  nü^lid^en  ©egenftanben  be^ 
fle^enb,  om  ©obcnflfinber.  ©in  paragrop^enreidJeS  Programm 
orbnete  jemeild  ben  S^erlauf  beS  ©d^tegenS, '  bem  um  f o  e^er  nad^^ 
gelebt  mürbe,  aid  bie  fo  beliebte  @traffompeten)  felbfi  im  freien 
ausgeübt  mürbe.  ®o  j.  9.  ,,mann  einer  fd^ieffet  unb  fein  Seitens 
geme^r  anl^at,  fo  foUe  berfelbe  ber  ©efeUfd^aft  1  Tanten  9Bein 
)u  geben  DerfaSen  fe^n,  beSgleid^en,  mer  beim  ©abenauSt^eilen 
gufiel^t/  jmei  Tanten  9Bein  ^atte  Dermirft,  mer  beim  ©d^iegen 
in  bie  Irüllfdjeibe  me^r  als  eines  „  @to^n/*  fldj  bebiente  ober 
i^mo  man  mit  bem  ©emel^r  umbge^et"  Xabaf  raud^te.  ^a^ 
Seenbigung  beS  ©d^iegenS  jogen  bie  2:i^etlne]^mer  unter  pfeifen 
unb  Irommeln,  umgaufelt  oon  einem  ^ritfdjenmann,  bem  greuben? 
bereiter  ber  ^ugenb,  nad^  ber  ©tabt,  um  allba  nod^  ein  %benbeffen 
einjunel^men.  9lnno  1774  mürbe  „baS  comifdje  unb  burlesque, 
namlid^  ber  3ug  oon  bem  Sd^iegl^auS  unb  ber  fogenanpte  Srüttdk' 
monn,^  abgefdjafft.  3«  Wefem  ©djieften  fleuerten  73  ÜRitglieber 
fl.  460.  19  fr.  6S  mürben  aud^  60  Toppel  &  fl.  1  gelöst 
unb  auf  bie  5  ©djeiben  Dert^eilt.  3m  ©tidj  betrug  bie  bejie 
®abe  fl.  50,  45  fr.,  in  einem  ^aar  fllbemer  Seudjter  reprSfentirt. 


43 

I)ie  ©d^cibcn  ,,  Slitter  unb  Sungfrau"  waren  nur  bürftig  bebadjt, 
bagegen  loiefen  bie  betben  SlruUfd^etben  aH  erfien  @etoinn  fl.  15 
imb  fl.  14  ben  beften  (Sd^ü^n  an.  @ine  ÜRarfe  in  bie  XruQ? 
fd^eibe  foflete  4  !r.;  auS  ben  biefifaDflgen  (Sinnal^men  raurbe  bie 
ÜRittagd^aRal^Iieit  beflritten,  meldte  ^mit  bem  gribU/  bem  ©d^ü^en- 
mix%  &  21  93a^n  pr.  ©ebecf  oerafforbirt  mar. 

Sir  Wbüppin\i^iVbt  nitb  bie  ZrinfgeWrre. 

9luf  bie  Sufifiattung  ber  ©efeQfd^aftdlofale  oermenbeten  unfere 
SiltDorbern  »enig.  %bgefe^en  oon  ben  gemalten  ©d^eiben,  bie 
namentlid^  in  ber  erften  ^ilfte  bed  16.  ^a^rl^unbertd  t>on  guten 
aRdfhm  angefertigt  würben  unb  mit  9ted^t  aU  iitt\>t  galten  unb 
jebed  ©efeOfd^aftS^auS  fd^mütften,  l^atte  bie  Xrinfftube  ber  ^auf ^ 
leute  nid^td  93or}üglid^ed  auf jumeifen.  Sluger  einigen  ^irfd^gemeil^en 
unb  einem  meffingenen  ^^tanjleud^ter,^  ber  in  ber  untern  großen 
@tube  oon  ber  ^tele  l^erabl^ieng,  fd^etnen  bie  3Bappentafeln  lange 
3eit  bie  oorjüglid^fle  ^uSftattung  gemefen  }u  fein.  ®(eid^  bei 
Gntfiel^ung  ber  B^nfte  murbe  bie  erfte  ^afel  angefertiget,  worauf 
bie  SBappenfd^itbe  ber  @enoffen  nad^  ber  SnciennetSt,  ber  Ser^ 
tretung  ber  @efd^led^ter  unb  nad^  ber  9tei^enfolge  ber  Slufnal^me 
gemalt  mürben.  9lnno  1422  murbe  eine  9Bappentafel  angelegt, 
auf  ber  „  ml  ftattltd^e  SBappen  etlid^er  @raf en,  3:r9en  unb  (Sbeln " 
entl^alten  waren,  nSmlid^  „oon  ^^rol,  ^absburg,  SRoutfort, 
SBerbenberg,  SleUenburg,  ^^^f^^^^S/  Bol^^i^f  SBinfperg,  ^(ingen, 
9tofenegf,  SBpffenburg,  jtlingenberg,  ©egler,  gfribingen,  @toffe(n, 
9tanbenburg,  gfalfenftein  unb  oon  8obmann.  3^ie  Seranlaffung  ^ur 
Srfledung  biefer  ^afel,  auf  weld^er  erft  9nno  1605  nod^  bie 
beibcn  legten  ä&appenfd^ilbe  l^injugefügt  würben,  fd^eint  einen 
l^iflorifd^en  @runb  gel^abt  ju  ^aben.  Siedeid^t  foQten  biefe  SBappen^ 
fd^ilbe  )ur  (Srinnenmg  bienen  an  bie  ©d^lad^ten,  bei  weld^en  bie 
fanner  oon  @d^aff^aufen  neben  benen  ber  gebadeten  @rafen  unb 
$enen  welkten;  oielleid^t,  bag  bei  anberen  aud^  nur  bie  freunb- 
fd^ftlid^en  Sejiel^ungen  angebeutet  würben.   Seibe  Zafeln  l^atten 


44 

in  bent  untern  ®aa(;  in  roefd^em  bic  gefteffen  abgehalten  n)uvben, 
i^re  ©telle. 

Sie  SBappeutafel  bev  @enoffcn  biente  ^ugleid^  al3  autl^en^ 
tifd^eS  SRitglieberDer^cid^nig ,  nad^  roetd^em  bie  SBe^nnanuer  ein^ 
get^ettt,  bie  Slula^en  erhoben  unb  bei  ^tn  äRal^lgeiten  bie  $(ä^e 
bev  lafelnbcn  benimmt  roiirben,  in  roeld^*  le^tevm  3?erfa§ren  fe^t 
raa^rfd^einlid^  ber  Sd^merpunft  bejilglid^  beS  ilBert^ed  unb  beS 
9?ortl^ei(S  ber  Sffei^enfolge  lag.  93on  S^it  ju  3^'^  je  nad^  ÜIRaggabe 
ber  ^ufna^me  oon  neuen  äßitgliebern ,  mußten  neue  XafeCn  an^: 
gelegt  loerben.  Sei  Slnlag  ber  9lnfertigung  ber  SBappentafeC  t)om 
3al^rc  1592  würbe  befd^toffen:  „bag  nun  l^infüro  gu  eroigen  ^tittn 
alle  unb  jebe  ®d^i(b  unb  SBappen  ber  alten  ©efd^led^ter  ju  oberft 
in  angemelbter  gemeiner  @efeUfd^aft  Safel''  Derbleiben  foQen, 
infofern  nämlid^  nod^  jemanb  au8  benfelbigen  am  Seben  fei.  ^m 
San  ein  ®d^ilb  „uff  9lbfterben  ober  Slbfd^eiben  unb  ^inmegjie^ung 
einer  $erf on, "  bie  feine  männlid^en  SeibeSerben  hinterläßt,  crlebigct 
roirb;  fo  fott  berfelbe  „bem  Sleltiflen  fo  in  follind^em  ©efd^led^t . . . 
Dor^anben  fe^n  würbet,  orbentlid^er  SOB^S  unb  ol^ne  einiges  Siber^ 
fpred^en  erblid^en  jufaQen  unb  alfo  folgenbS  etgentl^ümlid^en  uff 
benfelben  unb  finen  monnlid^cn  SeibeSerben  rürocgf lid^  oerbl^ben.  * 
®eim  Xobe  eineä  aRitgliebS,  roeld^eä  ©ö^ne  ^interlogt,  fott  beflen 
öltefter  ©ol^n  nad^  bisheriger  Hebung  feines  9?aterS  ©d^ilb  erben 
unb  einnehmen,  ©tirbt  biefer,  ol^ne  mannlid^e  Slad^fommen  ^u 
^interlaflen  ober  gu  ben  eingangs  erwäl^nten  „©efd^led^tern  ber 
oorberjlen  ©d^ilben"  ju  gel^oren,  fo  ifl  ber  lebig  geworbene  ©djilb 
als  auSgefiorben  gu  betrad^ten.  Um  biefem  93efd^luffe  bie  ^öd^fl 
möglid^fle  Sebeutung  gu  geben  unb  eine  t^ortbauer  auf  ewige  ^tittn 
gu  oerlei^en,  würbe  berfelbe  bofumentarifd^  auf  Pergament  gebrad^t 
unb  mit  brei  ©iegeln  ber  erften  33orflel^er  befraftigt,  gu  ben  „@t' 
wal^rfaminen''  gelegt.  !X)er  ©d^ilbe  wegen  gab  eS  bisweilen  l^i^ige 
erorterungen,  fo  g.  S.  9lnno  1567,  als  Sern^arbin  ^e^er, 
ber  nad^  oergeblid^er  ^roteflation  gegen  bie  Set^etligung  feiner 
minberjäl^rigen  abwefenben  99rüber  $anS  Seopolb  unb  %nton 
^eper  bei  einer  Einlage  bie  SQBappenfd^ilbe  berfelben  bennod^  auf 


45 

bie  ^ofel  inalen  lieg.  @d  fd^uf  biefed  Unterfangen  iöfed  $Iut, 
allein  ;^unf er  93ern^arbin  fümmerte  ftc^  roenig  borum  unb  bot 
ber  ©efeUfd^aft  9ied^t  an  oor  SSurgermeifler  unb  9?atl^,  vox  meieren 
benn  aud^  wirfüd^  biefe  ©treitfac^e  erörtert  unb  ba^in  entfd^ieben 
rourbe:  ;y^'ien)9l  beibe  iße^er  ©ebruber  il^r  gebul^renb  Slnlaggelb 
begal^lt,  foUen  unb  mogenb  {le  aud^  il^r  @d^ilb  in  ber  Xafel  ^aben^ 
ober  aber  mogenb  gemeine  3i"tft  fte  i^red  ^nlaggelbd  erlaffen,  alsbann 
foUen  fie  bie  ^a^er  @e6rüber  il^re  ©d^ilb  mit  in  ber  7afel  l^aben. '' 

9lad^bem  9lnno  1609  bie  93erorbnung  r>on  1592  ber  ©d^ilbe 
roegen  nod^malS  beflatigt  n)urbe,  fd^eint  be§]^alb  nid^t$  tne^r 
2Befentlid^e§  verfügt  roorben  ju  fein,  ^n  neuerer  ^t\t  ^at  fid^  ber 
beffere  ©efd^madt  aud^  bei  Anlegung  ber  SBappentafeln  betl^atigt 
unb  urn  ber  SRu^e  überhoben  ju  fein  auf  ber  Saube  bie  rid^tige 
dtei^enfolge  ber  SRitglieber  ^u  erfunbigen,  rourbe  9(nno  1848  ein 
bemeglid^eS  aRitglieberoerjeid^nig  angefertigt,  umgeben  oon  ben 
SBappen  ber  bamald  nod^  auf  ber  @cfeQfd^aft  reprdfentirten  12 
©efd^led^ter  nad^  ber  Speisenfolge  i^red  @intritt$  in  bie  ©efeUfd^aft, 
mit  bem  Il^urm  obenan,  bem  ©l^renjeid^en  ber  ©efettfdjaft.  *) 

(Sinen  n)ertSooaeren  @d^mutf  bilbeten  feit  ber  SRitte  bed 
16.  S^^^tl^unbertS  bie  filberoergolbeten  unb  filbemen  l^ol^en  ZxxnU 
gefd^irre,  @d^aten  unb  Sedier,  Don  benen  jeweild  eine  ^nga^l  )um 
gewd^nlid^en  ©ebraud^  bem  ®tubenn)irt]^  eingel^Snbigt  würben  unb 
in  ber  @efellfd^aftdftube,  ^inter  ©ladtl^üren  Denoa^rt,  aufgefleUt 
fein  mod^ten.  SDlit  9(u$nal^me  eined  ,,2BilIfomm:99ed^erd^  befa§ 
bie  ©efeUfd^aft  bid  ju  biefem  B^itpunft  feine  berartigen  ^runf- 
gefd^irre,  fonbern  bebiente  ftd^  ^oljerner  8ed^er  unb  ber  Srinfglafer, 
n)eld^e  fd^on  in  ben  erflen  9ted^nungen  aufgeführt  ftnb.  ^a  aber 
unfere  9ltDorbern  bei  il^ren  Srinfgelagen  fel^r  lebl^afte  !£idcurfe 
führten  unb  ben  ©lafern  aid  fold^e  feine  groge  Sufmertfamteit 
roibmeteu;  fo  bilbete  bie  3(nfd^affung  biefer  aUerbingd  reinlid^eren 
©efaffe  nad^gerabe  einen  fie^enben  unb  foftbiQigen  Sudgabepofien, 
n)edl^alb   bie  @iafer  Snfangd  nur  ben  ©afteu  aid  S^Ä^ta  ber 


*)  ^uxdt  i>.  SB.  $. 


46 

Äufmcrffamfdt  Dorflefc^t  »erben  mod^ten.  3m  ^dfyct  1557  befo§ 
bie  @ef etif d^af t  bereite  eine  Xnjal^l  ftlberner  Sedier ;  um  bie  ^dfl 
berfelben  ^u  oermel^ren,  murbe  ben  neu  aufjune^menbeu  ©enoffen 
bie  @d^enfung  eined  9e(!^er3  ^ur  Sebingung  gemad^t.  S)a  aber 
nod^  biefem  aRobu9  ber  SBunfd^,  aQe  ©efeafd^aftSsenoffen  mit 
filbemen  Sed^em  ju  verfemen,  in  aQjuweite  greme  gerütft  murbe, 
fo  fagte  bie  ©efeOfd^aft  jraei  Sal^re  fpSter  ben  Sefd^Iug:  M% 
l^infüro,  fo  einer  oon  ber  ©efeOfd^aft  in  ben  ftleinen  9tat^  enofil^tt 
merbe,  fo  oormolen  nie  barin  gegangen  föQe  einen  fifbemen  Sedier 
geben,  g(id^f3rmig  unb  an  ©emid^t  ben  anbern,  unb  fo  einer  in 
ben  ©ro§en  Katff  ermSl^U  roirb,  foQ  er  ^mei  ©ulbtn  an  einen 
Sedier  geben  unb  baffelbig  ©elb  anberfi  nienen  l^in  Dermenbet 
werben. "  3)ie  ®penbung  t)on  ©ulben  }u  biefem  Bmect  mürbe  bei 
9leuma^len  aud^  auf  bie  Steid^SoogtdfleQe  ^  ober  bergleid^en  Remter, 
fo  etmad  Snfommen  ^aben/  auSgebe^nt.  91m  Serd^tolbfitag  1772 
fam  man  mieber  auf  biefed  2:raftanbum  jurütf  unb  fleQte  genauere 
SefUmmungen  auf,  benen  }u  Solge  „mtt  ein  Stmt  befommt, 
meld^ed  unter  10  ©ulbtn  j&l^rlid^  ertr8gt  fi.  2.  —  bei  einem  %mt 
mit  10  ©ulben  fflcfolbung  ober  barflber  fl.  4*  —  gum  3medf 
ber  Xnfd^affung  t)on  99ed^em  bejal^ten  foQe.  Sei  einer  S9efolbung 
oon  jfi^rlid^  20  ©ulben  ober  ber  SrmS^lung  }um  Bunftmeifier 
mürbe  bie  Abgabe  eined  gangen  99ed^er8  geforbert  unb  ^fo  einer 
^inffir  Surgermeifler  mirb  ober  ^4[$ogt  gu  9lünfild^  ober  SBogt  Aber 
bad  ©ebirg,  ber  feil  einen  ^albmSffigen  Sedier  fammt  einem  Sib 
(Dedfel)  barüber  gen.*  ffliS  gum  So^r  1575  befag  bie  ©efea« 
fd^aft  fd^on  40  filbeme  Xtfd^bed^er  unb  einen  grogen  l^albm&gigen 
$ofal,  ben  ©eorg  dtietl^mann  bei  feiner  in  gebadetem  3a^re 
erfolgten  Sufnal^me  in  bie  ©efeUfd^aft  oere^rt  ^atte.  ^mo  1602 
maren  aQe  aftioen  ©enoffen  mit  gemdl^nlid^en  S3ed^em  Derfel^en, 
nad^bem  in  biefem  ^al^r  auf  9led^nung  ber  ©efeüfd^oft  nod^  4 
mangelnbe  Sedier  angefd^afft  morben.  Suger  bem  Stiet^mann^fd^en 
$o!at  befa§  bie  ©efeQfd^aft  nod^  3  meitere  ^o^e  ^rinfgefd^trre, 
bie  berfelben  Snno  1597  t)on  grangtSfud  äi^S^^^  ^^  \^^^ 
(Srmft^lung  gum  Oberoogt  fiber  9teun(ird^,  %nno  1602   burd^ 


47 

äRatt^auS  ^e^er  für  bie  ©edetmeifterfleOe  unb  von  $an§ 
Sonrab  Stimmer  bei  feiner  Srtod^lung  aid  Unter ? @d^retber 
übergeben  n)iirben.  S)er  jet^t  nod^  Dorl^anbene  ©efeQfd^aftds^ofal, 
in  f^orm  eines  runben  Se^rt^urmd,  beffen  S)ad^  nebfi  4  baron 
beftnbnd^en  X^flrmd^en  ben  2)e(Iel  bilbet  unb  abgehoben  »irb, 
flammt  au3  bem  Sa^re  1698.  €d  ^a(t  berfelbe  eine  alte  l^albe 
9Rag  unb  wiegt  44  iotff.  SDiefed,  bamalS  bad  132.  fUbeme 
^rinfgefd^irr^  n)urbe  auf  äted^nung  ber  ©efeUfd^aft  in  SlugSburg 
angefertiget,  um  aid  „^iSttomm"  gebraud^t  }u  werben.  !£rei 
I, altf örmif d^e  ^ol^e  ©dualen,  fo  an  @en>i(i^t  gehalten  58  Sotl^'' 
nebft  fl.  6.  32  fr.  in  baar  mußten  baffir  gegeben  werben. 

Obfd^on  %nno  1730  ,,30  ^ol^e  ©efd^irr  unb  9  alte  Sedier" 
im  ©emid^t  von  550  2otl^  für  alteS  (Silber  Derfauft  mürben, 
befa^  bie  ©efeUfd^aft  im  3a^re  1747  bennod^  3842  Sotl^  biefed 
SRetaQfi.  ©egen  93ed^er  k.  mürben  je^t  aud^  fUbeme  Seflecte, 
Seud^ter  u.  f.  m.  angefd^afft  unb  bid  )um  So^re  1782  ber  @ilber- 
beflonb  auf  1465  Sotl^  rebujirt,  nad^bem  bereits  Snno  1779  bie 
abgaben  für  empfangene  (Sl^renfleQen  unb  Slemter  in  ©elb  um- 
gemanbelt  mürben. 


Per  (ifffUfitiaflafoitli- 

X)ad  ^apitaloermSgen  betrug  bei  (Sinfül^rung  ber  ^M^tt 
circa  fl.  140,  meldte,  in  5  Sofien  angelegt,  jü^rlid^  7  ©ulben 
Bind  abwarfen.  S)iefe  3ntfe,  in  93erbinbung  mit  ben  SeitrSgen 
ber  SRitglieber  unb  ben  Seiffatngen  ber  ©ewerbegenoffen,  bilbeten 
bie;  gewB^nlid^en  (Sinna^mdqueUen  ber  BunftgefeSfd^aft. 

S^'ie  Dielen  unb  betrSd^tlid^en  gintrittdgebül^ren  neuer  SRitr 
glieber  unb  Sinfaufdgelber  ber  ©ewerbegenoffen,  bie  Bunftemeue- 
rungdgebü^ren  unb  felbft  bie  S9u§en  unb  Slbfengengelber  trugen 
wcfentlid^  )ur  %eufnung  bed  gonbd  bei.  3m  Saläre  1454  betrug 
berfelbe  fc^on  340  ©ulben.  ^ad  grögte  Kapital  oon  fl.  100 
flanb  bei  ber  (Stabt,  laut  Srief  «om  Saläre  1398,  weld^er  oon 


48 

dtitter  ®d^  oon  i^ftnenberg  ertoorben  tourbe.  @d  xoax  btefeS 
ein  9(n(ei^en,  loelc^eS  ber  ©efeUfd^aft  fe^r  ipo^t  }u  Statten  (am, 
xotii  ber  Bind  nad^  Sebarf  belogen  rotxhtn  fonnte.  ^lad^  ein- 
l^unbertifil^riöem  Seflel^en  ber  ^m^t  jun  Äaufleuten  betrugen  bte 
Äapitatien  nur  nodf  fl.  320,  im  3a^re  1611  p,  654,  «nno  1711 
p.  2540  unb  anno  1811  ober  Dier^unbert  ^a^xt  feit  ber  ©nt- 
pe^ung  ber  Sünfte  p.  8135,  wobei  inbeRcn  ber  fflert^  be«  ®elbe8 
in  ben  oerfd^tebenen  !3a^r^unberten  in  8etrad^t  gegogen  merben  mug. 

3u  ben  ftapitaljinfen  famen  im  Serlauf  ber  B^it  aud^  äRietl^^ 
jinfe  fflr  audgeKel^ene  Sof alttaten  u.  bgl.  ^er  9taum  bed  Xl^urmd 
}u  ebener  @rbe  rourbe  fdjon  in  ber  erPen  ipälfte  bed  15.  Sal^rs 
l^unbertfi  einem  93arbier  audgeliel^en,  ber  in  bemfelben  eine  fomm- 
(id^e  ©elegenl^eit  jur  Stablirung  eined  ^Sd^errgobend''  etblitfte. 
^k  gute  Sage  biefer  Sofatitat  trug  bagu  bei,  bag  biefelbe  nie 
leer  Panb,  fonbern  oielmel^r  in  ^^olge  Parfer  iRad^frage  x>on  7 
bid  auf  10  $funb  ^eUer  ^a^^^dmiet^e  gePeigert  murbe.  (^reilid^ 
(am  bie  ©efeOfd^aft  bidmeilen  in  ben  t^all,  aufgelaufene  ^in^t 
tl^eilmeife  nad^gulaPen  ober  ben  SRietl^dmann  bafür  ju  pfanben, 
medl^alb  i^r  gule^t  bie  gauge  innere  Sludrupung  bid  auf  ben 
„  ©djcrrjhil^l  *  l^erab  angel^örte.  Som  3a^re  1551  an  iitf)  bie 
@efellfd^aft  einen  !J>ad^boben  aid  ^omfd^iltte  aud,  ber  eine  Steige 
von  Salären  Dom  @t.  ägncfcn ? ämt  mit  ib  %  $etter  perjindt 
mürbe.  ^Id  ®aalmiet^e  bei  ^od^geitauIäPen  Ratten  iRid^tmitglieber 
1  <K  10  /3  i^eller  gu  begal^ten,  eine  (Sinna^me,  meldte  gu  ^tittn 
nid^t  unbetrad^tlid^  mar.  S)ad  SePrebeu,  ben  ©efeUfd^aftdfonb  gu 
äuffnen,  verleitete  fogar  gur  iSerleil^img  bed  $ta^ed  oor  bem 
©efeUfd^aftdl^aud  an  ben  3[al^rmfir(ten,  an  meld^em  gmei  ^am^ 
buben  aufgefd^lagen  mürben,  für  beren  jebe  ein  ^la^gelb  Don  6.  ß 
^eQer  erlegt  merben  mugte. 

9lid^t  unbebeutenb  maren  bie  (Sinnal^men  an  „Srbmein.''  (Sd 
mürben  bie  ©efeQfd^aftdgenoPen  einig,  nad^  bem  9$organg  einer 
9B9[.  oberen  ©efeüfd^aft  aud^  auf  ben  93egug  dou  (Srbfd^aften 
eine  Abgabe  gu  ®unpen  bed  ©efeOfd^aftdfonbd  ju  legen,  mel^ 
nad^  einem  93efd^lug  oom  Sa^re  1783  für  ein  bejogened  (Srbe 


49 


von  p.  20  bis  p.  1000  auf  ff.  4  unb  oon  einer  erbfd^aft  von 
fl.  2000  big  p.  4000  auf  p.  8  angefefet  würbe. 

^'\t  bebeutenbpe  (Sinna^me  enoud^S  jebod^  ber  ©efeüfd^aft 
aus  ber  nun  ebenfolls  unter  bem  litel  „(Sxbxotin**  erfdjeinenben 
9(6gabe  für  eintrdglid^e  öffentKd^e  ©teilen,  burd^  ben  Sertauf  ber 
oomtalS  aufi  berfelben  ^ergePo^enen  plbernen  fötale  unb  Sedier, 
wobei  aQerbingd  eine  bebeutenbe  @umme,  wetd^e  bie  Ofa^on  gefoPet, 
Derloren  gieng,  ba  man  ju  jener  ^tit  aufter  ber  $robe  unb  bem 
©eroidjt  feine  anbcren  gaftoren  für  bie  äSert^ung  fannte!  — 

!Diefeg  bie  (Sinfünfte  ber  ©efedfd^aft,  and  benen  bie  9lud= 
gaben  bePritten  werben  mußten;  reid^ten  pe  nid^t  aud,  fo  würbe 
in  ben  früheren  ^lal^rl^unberten  an  bie  ÜRitglieber  appeQirt  unb 
mittelp  Einlagen  bie  not^igen  @ummen  erl^oben. 

^ie  bebeutenbpen  Sludgaben  erforberte  bie  ^[nPanb^altung 
bed  ©efeQfd^aftS^aufed.  (Sd  ip  wirt(id^  a>iffa(Ienb,  an  ber  $anb 
ber  9?ed^nungen  ^u  erfel^en,  wie  Diel  unb  oft  an  bemfelben  reparirt 
würbe,  namentlid^  beburften  bie  ^u  unter^altenben  2)Sd^er  jum 
ofterPen  ganje  SBagenlabungen  ^xt^d  unb  oiele  ^aufenbe  9lagel, 
weld^e  bie  ©efeQfd^aft  ^u  liefern  l^atte ;  aud^  bie  Cefen  erforberten 
unerfCarlid^  oiel  Sieparaturen,  weld^e  jum  ofterPen  „in  oerPrid^en, 
ju  oerMe^en  unb  ju  malen  ^  waren.  3Benig  fopeten  bie  genPer,  bie 
nod^  im  15.  l^^^^^^^nbert  tl^eilweife  nur  mit  Rapier  überjogen  waren, 
weld^eS  @efd^äft  oon  weiblid^en  $änben  oerrid^tet  würbe,  ^  Um 
biefe  ^tit  mußten  für  baS  ^Seim  fod^en*  jwei  SKa§  ©ein  ab= 
gegeben  werben,  über  bePen  ^erwenbung  inbePen  nid^td  9lSl^ered 
mitget^eilt  iP. 

^m  ^a^xt  1551  würbe  bad  ©efeUfd^aftd^auS  burd^aud 
renootrt,  namentlid^  aud^  mit  einem  neuen  iDad^fhtl^l  verfel^en, 
)u  weld^em  93e^uf  mel^rere  l^unbert  ©ulbeu  aufgenommen  würben. 
!^ie  enblid^e  3:ilgung  ber  ^(nleü^en  würbe  Slnno  1567  burd^  eine 


^olä)t  von  @lad,  bie  in  einem  Zrog  oerwabrt  unb,  wie  ed  f^eint,  nur 
wdbrenb  bed  äBinterd  angebAngt  würben. 

4 


66 

Anlage  beioerffteaigt,  bei  loeld^er  jebe$  äRitgtieb  mit  fi,  2  fi(!^  ^u 
betl^eUigen  l^otte. 

3u  ben  geto&l^nlid^en  ^udgaben  jS^Ue  oud^  bie  ^nfd^ffung 
unb  Unterl^oltung  ber  Singe,  bed  ^ouSratl^d  unb  bed  ^üd^en^ 
gefd^irr«.  S)te  jur  SSBirt^fd^aft  erforberlid^en  ©egcnflönbe,  bie  ?:ifd^e, 
®tü^(e  u.  f.  10.  famen  befonberd  balb  in  Abgang,  ber  ^öljemen 
^eder,  Sedier  unb  ber  @Iafer  )u  gefd^roeigen.  %ud^  bie  ©peifung 
bed  Sffigd  unb  bie  Unterl^oltung  unb  ^nfd^affung  ber  ©piel- 
geratl^fd^aften,  Äegel  unb  Äugeln,  Spielbretter  u.  bgl.  erforberten 
nid^t  unbetrSd^tlid^e  Sudgoben. 

(Sinen  ^auptaudgabepoflen  bilbete  bog  benSt^igte  ^olg  )um 
^ei^en  unb  Äod^en.  ^nfSnglid^  n)urbe  ber  SSebarf  farrenmeife 
gefauft,  bann  aber  (1447)  ber  ipoljbebarf  einem  ^ipoljmann* 
afforbirt,  n)etd^er  ,,ber  Äauflüt  Srinffluben  unb  bie  Äüd^e  mner? 
^alb  eined  ^al^red  bel^otjen  foQ  nad^  i^r  9lot^burft  ungefol^rlid^, 
barumb  foQ  man  il^m  15  $funb  ^eQer  geben  unb  ob  er  bie 
©efeQfd^aft  an  $ol)  fumpte,  fo  mögen  bie  ©efeQen  uff  ftnen 
©d^aben  ^olj  faufen  unb  man  mag  ^ei^en  nad^  bem  SRa^tag 
ober  oor  SRid^aeti  ob  fü^l  ^ag  fommen  unb  bie  ©efeQen  bed 
begehrten/  bod^  immerl^in  mit  SDlag  unb  3^^^* 

3Kit  ben  ©tubenfnedjten  (©efeUfd^aftdbienem)  mürben  il^rer 
fieiflungen  unb  bed  Sartgelbed  megen  ebenfaQd  SertrSge  ab- 
gefd^loffen.  $and@egenffer,  meld^er  auf  ^ol^ann  99aptift  1447 
feinen  3)ienfl  antrat,  erl^iclt  10  $funb  geller  ^al^rlo^n  unb  2 
SSiertet  ©atj.'  Conrab  Äi^inger,  ber  ?[nno  1455  beffen  SRadJ- 
folger  mürbe,  begnügte  fid^  mit  ber  ^Slfte  bed  Sartgelbed,  mo}u 
inbeffen  nod^  freie  SSo^nung  unb  allerlei  Siort^eile  famen.  ^m 
3al^re  1589  betrug  bad  ffiartgelb  bereitd  27  ^funb  i&cOer  unb 
ebenfo  9nno  1606. 

3m  ^oifxt  1474  fal^  fld^  bie  ©efettfdjaft  oeranlagt,  in  bie 
^orbnung  ffir  ben  ©tubenfned^t  bie  SefHmmung  auf^unel^men, 
i,ba§  fomo^l  er  aid  bie  finen  ®org  unb  t^lig  ^aben  foQen,  mad 
oon  Ferren  unb  ©efeQen  gerebt  ober  gel^anbelt  merb,  bad  ^u 
oerfd^miegen  unb  nit  mpter  }u  bringen,  baoon  il^nen  ®d^aben  ober 


51 

ScT^inberung  eriDad^feit  m9g.  **  ^tx  ©tubenbiener  ^atte  nid^t  nur 
für  bie  8nDirt§ung  ju  forgen,  fonbem  aOe  ©efd^Sfte  eineS  SBet^ 
6e($  unb  (Sin^ügerS  gu  oerrid^ten,  aud^  loar  berfe(be  gleid^  ben 
übrigen  ©tubenmirt^en  oerpfltd^tet,  auf  bie  ttxoa  oorfommenben 
Sfreoel  ju  od^ten  unb  biefe  ju  oerjeigen,  eine  S^erpflid^tung ,  bie 
mit  obiger  33erorbnung  verfKeg  unb  balder  i^re  %nn)enbung  in  ben 
meinen  f^affen  n)o^t  nur  gegen  9lid^tmitglieber  gefunben  ^aben 
mod^te. 

3u  ben  unDemteibUd^en  Sudgaben  gehörten  in  fernerem  bie 
§ur  ^edtung  ber  9}üd(fd^lage  bei  ben  SRa^lgeiten  unb  ®d^en(ungen 
erforber(id^en  SeitrSge,  bie  jmar  nur  audna^mtoeife  geflattet 
maxvx,  inbeffen  nur  aQjuoft  Dorfamen,  meil  bie  Oberen  im  SBonne^ 
gefü^l  bed  9lugenb(itfd  bie  biedfafffigen  Serorbnungen  überfa^en 
ober  nid^t  fonfequent  burd^fü^ren  mod^ten.  ^reilid^  nahmen  bann 
in  ben  9Ied^nungen  biefe  SuSgabepofien  einen  etmad  befd^ulbigenben 
6^arafter  on,  menu  eS  j.  ©.  ^ie§:  „i  ^funb  fetter  fdjhig  bie 
3unft  ^inber  uff  bie  «affnad^t  (1489)^  ober  ^uff  3.  ÜJla^  5lnno 
1599  l^at  man  $aulud  ^agenbad^d  Xod^termann  oon  Safel 
gefd^enft  unb  bamit  bad  "taf (en^äRal  gehalten ;  ifl  mit  93en)i(Iigung 
Ferren  ^flegerd  ^atob  i^uberg  ^inber  gemad^t  morben  2  ^ 
18  ß"  u.  f.  w,  3w  biefer  S>^it  fommen  bie  SRücffd^läge  ^aufig 
oor  unb  belaufen  ftd^  nid^t  feUen  in  einem  3a^r  auf  10  unb  me^r 
$funb,  ba  eben  jebe  Gelegenheit  unb  jebed  ©efd^oft  jur  Sb^altung 
einer  ?:afe(ung  benü^t  würbe,  fo  ^a(d  man  bie  @iitjo§r  an  bie 
taflen  uffgefdjrieben"  (1572),  roeld^r  anlog  attjä^rlid^  fam  unb 
nur  ben  Sorfte^ern  gegolten  ^oben  mirb. 

Somit  lenft  bie  @efd^id^te  bed  f^onbd  auf  bod  ©ebiet  ber 
©efd^enfe  unb  (S^rengoben  ein,  meldte  )u  aUtn  ^txttn  bei  ber 
©efeOfd^oft  jun  Jtouf leuten  in  Uebung  waren  unb  wieberum  geeignet 
finb,  ben  Oeift  ber  ^At  on  benfelben  ya  bemeffen.  35ic  Sfleuja^rd- 
gefd^enfe  galten  ^unod^fi  bem  ©tubenmirt^,  beffen  S^el^olfte  unb 
ber  3)togb  ober  ;3ungfrau  unb  fd^einen  nid^t  unbebeutenb  gemefen 
in  fein,  weil  bei  SefleOung  eined  (Stubenmirt^d  borouf  ^ingemiefen 
würbe,  bann  würben  oud^  $.  93.  9[nno  1419  „bie  {ungen  2R&nd^e, 

4* 


62 

We  fa^renbcn  growcn,  bic  93(inbcn,  Sutcnfd^ta^cr  imb  bie  ?f9ffer'' 
befd^enft.  @8  famcn  aud^  „©obenfd^enf innen"  on  bie  ©irt^Sleute 
vox,  ebenfo  ^atl^engefc^cnfc.  3luä  bem  3a^re  1471  ©irb  erjo^lt, 
bag  bet  einer  ^benbmal^l^eit,  im  SOtonot  SRoi,  bem  Urt^eilfpred^er 
3o^.  ffonrab  ^e^er  jum  1:^iirmlein  bie  erfreuttd^e  3la^xi^t 
gugieng,  ^ba§  feine  grau  Siebfle  mit  einer  ?:od^ter  barniber  ge? 
fommen,  worauf  gebadeter  3unfer  Urtl^eilfpred^er  eine  gonje  SB51. 
©efeUfd^aft  beel^rt  unb  biefelBe  e^rerbietigfl  ju  ©eootter  gebeten, 
ba  bann  3fr.  Cb^err  ^e^er  jum  gotbenen  Cd^fcn  fid^  im  Stammen 
e.  30391.  ©efettfd^aft  vox  bie  bejeugte  Affection  bebanft. "  Urtl^eir= 
fpred^er  unb  ^rbfeffor  3J^9^«i^  würbe  mit  bem  Sluftrog  betrout, 
„biefeä  d^rifltid^e  ©erf  nomine  aller  ©efettfd^aftSgenoffen"  ju 
oerrid^ten.  @8  murbe  erfannt  ,,jum  ©teiffpfening"  1  I^ufaten, 
jur  ^  Ginfhidf eten"  ebenfooiet,  ju  einem  ^^Äinbbettpraesend"  aber 
einen  fUbernen  ^räfentirteCer  im  aßertl^  non  fl.  53  unb  fcd^ö 
3ndferflödfe  nebfl  einer  ^^ÜJlanbel^turten*  ju  geben,  ©pater  nol^men 
biefe  (^^renauSgaben  auS  ber  ©efeüfd^aftdfaffe  ebenfaOd  einen 
ernfleren  unb  jeitgemageren  S^arafter  an  unb  mürben  mo^U^&tigen 
!3n{lituten  unb  gemeinnü^igen  Unternehmungen  gugemenbet,  eine 
SSermenbungdmeife,  me(d^e  je  länger  jemel^r  il^re  Slnerfennung 
finbet. 

!Die  Umgefialtung  ber  gefeQfd^aftlid^n  ^Jerl^altniffe  überl^aupt, 
burd^  Sefeitigung  be§  ro^en  ®elbflgenuffe§  unb  @infü^rung  an- 
flanbigerer  Sitten,  ifl  neben  bem  @rnfi  ber  3«^*«"  l^anptfod^lid^  ben 
befferen  ©d^ulen  ju  oerbanfen,  fobann  inSbefonbere  bem  erleid^terten 
SefudJ  ber  ^ö^eren  Sel^ranftatten  unb  bem  auS  ben  miffenfd^afts 
lid^en  @rrungenfd^aften  l^emorgegangenen  Streben  nad^  ebleren 
©enüffen.  9Rit  g^^wben  erfüllt  e8  unä  511  erfe^en,  bog  in  üKitte 
einer  jiemlid^  trojHofen  ^t\t  von  äRitgliebern  ber  ©efellfd^oft  oud^ 
in  biefer  Sejiel^ung  ein  guter  ©oome  oudgefheut  mürbe  ^  beffen 
{bfllid^e  ^rüd^te  nod^  ber  fpSteren  Slad^fommenfd^aft  jum  9lu^en 
unb  frommen  gereid^en  werben. 

S)er  äBol^ltl^atigfettgfinn  ber  SlltDorberen  im  ^rioatleben 
begegnet  unS   fofl  auf  jcbem  ®latt  ber  ©efd^id^te.     9lnfäuglid^ 


53 

roanbte  jid^  bcvfelbe  ben  firc^Kc^cn  3nflituten  gu  unb  l^attc  mc^r 
einen  egoiflifd^en  G^arafter,  urn  mittelfl  guter  3Bcrfe  baS  Qtii  ber 
@eele  )u  erwerben ;  bann  aber  roiirbe  berfelbe  gemeinnü^iger  unb 
na^m  bte  @efialt  beg  3)anfe3  an  gegen  &ott  für  ergeigte  So^l^ 
tl^aten  unb  oerliel^enen  @egen.  @§  rouvben  Vergabungen  gemod^t 
gu  ©unflen  ber  3trmen  unb  Äronfcn,  unbemittelter  Durd^reifenber 
unb  fogenonnter  ^auSarmen,  9Sergobungcu  auS  Xant  unb  2ln= 
•erfennung  ben  ©eifHid^en  für  gefpenbeteu  trofl,  fobann  für  ben 
Unterrid^t  ber  3w9«n^/  ö^ä  einer  „  ^flanjflötte  erfpriegüd^er  Äennts 
niffe  unb  gef egneter  ^ix^t  unb  ß^rborf eit.  '^  ^n  93erf otgung  biefe? 
^^rinjipä  würben  aud^  ©tipenbien  gegiftet  für  ©tubirenbe,  Don 
benen  jmei;  bie  fpotere  (Stiftung  au3fd^lie§(id^,  ben  ©efeUfd^aftd- 
genoffen  gun  ^ouf(euten  gemibmet  würben. 


ßit  |f0atf. 

1)aS  i\tq^itv'\^t  Segat  oefcanft  feine  Stiftung  bem  Ob^erm 
3o^.  ^atol  ^it^Ux  gur  $offnung3burg,  weld^er  9lnno  1722, 
„in  Setrad^tung  ber  oon  bem  lieben  @ott  genoffenen,  gcif^tid^  unb 
(eiblid^en  SBol^Ul^aten  unb  befd^eerten  reid^en  @egen,  gur  @^re 
®otte3  unb  gur  Scförberung  ber  Äird^en  unb  ©d^ulen"  4000 
@ulben  botirte,  um  barouS  gwci  ©tipenbien  oon  je  fl.  400  abs 
gugeben  unb  gwar  für  einen  Stubenten  ber  X^eologie  unb  einen 
©tubiofuä  SuriS,  mit  ber  ©rmäd^tigung  jebod^,  in  grmonglung 
eines  S^^if^^it  aud^  ba§  gweite  Stipenbenbium  einem  Xl^eologen 
gu  oerabfolgen.  9llS  Segugäbered^tigte  l^aben  bie  ©efd^tcd^täoers 
wanbten  beS  Stifters  ben  crften  9tang  eingunel^men ;  wenn  feine 
Bewerber  fid^  oorpnben,  fo  ge^t  bie  Sercd^tigung  auf  bie  übrigen 
©efellfd^aftSgenoffen  über  unb  wenn'  aud^  unter  biefen  feine  8e= 
Werber  für  bie  ^u  oergebenben  Stipenbien  wären,  fo  fann  baS 
©tipenbium  für  bie  Ideologie  einem  Angehörigen  einer  anberen  ©e^ 
fettfd^aft  ober  3""ft  ert^eitt  werben^  inbeffen  unter  ber  auSbrücflid^en 


64 

Scbingung,  ba§  auf  ba«  obrigtcitlid^c  ©ttpcnbtum  ^Scrjid^t  gclciftct 
merbe,  toeld^ed  bann  oud^  ^ur  ^^otge  ^atU,  bag  feine  ^ngei^orioen 
anbetet  Sotpotationen  urn  baS  Bi^d^^t'fd^e  @tipenbtum,  a(8  bad 
fleinete,  (IdJ  bewatben. 

®o  gtoge  ^netfennung  aud^  biefet  n)o^lt^atigen  Stiftung 
gejoQt  n)utben,  fo  fonnten  bie  SBünfd^e  bet  ©tubitenben  anbetet 
^äd^et,  nameutUd^  bet  äRebi}tn,  nid^t  untetbtüdK  n)etben,  bag  bie 
@ttpenbien  aud^  auf  fte  auSgebel^nt  wütben,  n)ei(  biefed  ®tubium 
,,ebenfo  fofibat  unb  bem  $u6(tfum  fel^t  nü^üd^  unb  bienlid^  \t\)t,*' 
21  Kein  bet  ©ottlaut  bet  Stiftung  cetroe^tte  bie  Setüdfld^tigung 
biefet,  menu  aud^  geteerten  SBilnfd^e.  Urn  biefen  ^nftd^ten  Sted^nung 
)u  ttagen,  fügten  btei  ©ompetenten:  Sontab  ^e^et  jum  gol^ 
benen  Cd^fcn,  Subroig  oon  Si^g'tc^  h^^  tot^en  t^utm  unb 
®eotg  Ofd^roaCb  oom  Sd^roanen  im  ^Q!^xt  1742  ben  tfi^m^ 
lid^en  (Sntfd^(ug,  auf  bad  i^nen  jugeftd^ette  3^^t%itx'\^t  Stipenbium 
itn  ©efammtbettag  oon  fl.  1200  ju  oet^id^ten,  in  bet  ©troattung, 
bag  biefe  Summe  ,,fo  roetbe  emplo^itt  unb  aud^  fo  batübet  n)etbe 
biSponitt  wetben,  bag  biefe  9iefolution  fammttid^en  3unfetn  unb 
fetten  ©cfeCfd^aftSgenoffen  unb  in  Specie  benen  in  filnftigen 
3eiten  competitenben  SubjeftiS  )u  ^iemlid^em  'J3ott^ei(,  befonbetS 
abet  }u  93eibe^aUung  gutet  ^atmonia  bienen  metbe/'  Salb  nad^ 
biefen  Setgid^tleifhingen  fd^Iog  ftd^  ein  oiettet  9{enun}iant,  ebenfalls 
ein  3"tifl,  Subwig  oon  S'^S^^r  gum  ©eigen  X^utui,  benfelben 
an  unO  routbe  ^iebutd^  bet  SRitftiftet  bed  fogenannten  dtenun- 
gianten-tJonbg,  meldtet  füt  aQe  ©enoffeu  gun  ^aufleuten  gefliftet 
routbe  unb  nad^  bem  SBitten  bet  Stiftet  fd^on  feit  3<^^i^«w  alien 
Stubitenben,  meldte  an  itgenb  einet  n)iffenfd^aftltd^en  Slnftalt, 
Unioetfltdt,  Slfabemie  obet  pol^ted^nifd^en  ^nflitut  Stubien  betteiben 
unb  pd^  über  gleig  unb  gottfd^titte  mit  ^«wflniffen  auäweifen,  ju 
gut  fömmt.  3^aS  3ieg(et'fdje  Segat  bettdgt  jefet  ^t.  850,  ba«-- 
jenige  au8  bem  9?enunjiantenfonb  abet,  füt  Ideologic,  3wnSP^w*>^«^ 
unb  aRebijin  gt.  3000  unb  füt  bie  übrigen  gadget,  al« :  ^ö^ete 
gl^irutgie,  ^^ilofop^ie,  ©efd^id^te,  SRatunoiffenfd^aften,  SMatl^ematif, 
?J^ilologie,  led^nologie,  E^emie,  '^ift^Txt,  Sametolia,  gotflmiffens 


55 

f(^aft,  9tationa(ofonomte,  Jtriegfiioiffenfc^ften,  ^^ormaceutit  Xl^ter- 
ar^neifunbe,  bilbenbe  Jrünfie,  Srd^ttef tur ,  9RaUret,  Silb^aueret 
unb  SRufif  gr.  2000.  S5ic  ictDciCigen  Sorfld^cr  bcr  ©cfcOfd^aft 
unter  3u$ug  bet  gamUten  s  ^elteflen  bilbcn  bie  Huffid^td?  unb 
Scnualhrngdbe^örbe  über  biefe  beiben  gonbd,  n)c((^e  ftetS  mit  ber 
größten  ©eraiffen^aftigfeit  Derwaltet  mürben  unb  nad^  Anleitung 
ber  befie^ben  ^orfd^riften  fo  fd^one  SiefuUate  ^eroorgebrad^t  ^oben. 


iPtf  bftbfit  (ifffUfd)afl9l)attffr. 

T^\t  heutige  ft'aufleutflube  ertfiirt  erfi  82  ^oifxt  unb  würbe 
auf  bent  ^(a^,  Den  ber  urdte  fogenannte  jtaufteutfiubentl^urm  unb 
bod  erfle  ©efeSfd^aftd^aud  eingenommen,  oufgefül^rt.  @m>a^nter 
X^urm  mar  ba§  ottefte  ©ebiube  in  <5d^aff^aufen  unb  trug  bie 
3a^re8ja^l  DCCCLXXVI.  (876).  i^od^fl  ma^rfd^inlidj  würbe 
berfelbe  mit  feinen  Slebengebäuben  oon  einem  grafßd^  Üflellenburs 
gifd^en  Beamten  bemol^nt;  ebenfo  mal^rfd^einlid^  ifl  biefer  "^^urm 
biejenige  ®e^re  in  ber  9la^e  be3  jtlofterd  SQer^eiKgen,  meldte 
®raf  abalbert  oon  Ä^burg  ju  ÜWörSburg  ju  ©nbe  beS  11.  ^affx- 
^unbertd  befefiigen  lieg,  um  bie  3R&nd^e  Don  Slller^eißgen  im 
@d^od^  }u  l^atten  unb  $u  bemflt^igen.  @raf  ^balbert  oon  SRörd^ 
bürg  mar  ein  (Sntti  be$  trafen  Sber^arb  III.  oon  SleQenburg, 
bem  ®d^aff^aufen  bie  (Stiftung  be3  ^'(oflerd  unb  eine  beffere 
Srifieu)  gu  oerbanfen  ^at.  Unge^aCten  auf  bie  äRönd^e,  benen  t& 
gelungen,  feinen  frommen  Cnfel  ®raf  ©urfl^arb  oon  Slettenburg 
5lnno  1080  ju  oermögen,  auf  bie  bei  ber  Stiftung  btS  Älofler« 
oorbe^altene  Sboofotie  )u  oerjid^ten,  gieng  ber  9leffe  bamit  um, 
biefen  %(t  ungültig  ^u  erflaren  unb  brang  fid^,  als  ber  Sugen^ 
blidC  }ur  ^udfü^rung  gefommen,  mit  @emalt  ben  äRSnd^en  als 
@d^irmoogt  auf.  9tad^  ber  ^^ronif  eineS  S^i^S^noff^f  ^^  äRönd^d 
8ert^olb  ju  Sonftan^,  unternahmen  bie  Sonoentualen  §u  Stiers 
^eiligen  im  ^ai^xt  1098  einen  93ittgang  nad^  bem  SBo^nfi^e  i^red 


66 

öcfkengen  ©d^itmoogt« ,  oon  wo  auä  bicfclben,  uncrod^tct  bcr 
^odjücrc^rtctt  Sicliquicn,  bic  fic  mit  jtd^  führten,  eine  2lrmbnift= 
®a(üe  erhielten,  bcrjufotge  fie  fid^  eiHgfl,  unter  äwrücflaffung 
einiger  lobten  unb  3?enounbeten ,  noc§  bem  Äloficr  flüd^teten. 
3m  Saläre  IUI  erl^ielt  ba§  Ätofter  oou  Äaifer  §einrid^  V.  bie 
SemiOigung,  einen  ©d^irmoogt  nad^  freier  Sa^l  onjune^men,  oon 
xoti^tv  bie  Ferren  oon  ^derzeitigen  ju  ©unften  bed  gefixrd^teten 
@rafen  %ba(6ert,  um  benfelben  ^u  geroinnen,  ©ebraud^  mad^ten, 
inbeffen  erft  in  ^olge  eines  neuen  faiferlid^en  ^rioilegiumS  oom 
^a^re  1120,  ben  nad^gcfud^ten  beffern  ®d^u^  gegen  beffen  39e- 
brütfungen  auSroirften. 

!Die  erften  fid^r  befannten  8efi(jer  bcS  J^urmS  bei  ben 
f^ifd^bonfen  ober  bed  ^aufteutflubent^urmd  roaren  bie  $än  oon 
SBeringeU;  oon  benen  berfelbe  an  ^ermann  oon  SBinfelä^eim  übers 
gieng,  roeld^cr  Slnno  1318  barin  wohnte,  ^m  S^^ve  1331  rourbe 
biefer  S^urm  nebft  ^Ingebäube  oon  iEBit^etm  im  X^uru  bewohnt, 
ber  bamald  mit  feinem  ©ruber  9?ügcr  im  I^urn  jroei  ßaplaneis 
pfrünben  ju  ®t.  Sol^anneä  fliftetc.  3Son  ber  gomitie  im  I^urn 
gieng  biefer  äBo^nfi^  an  eine  ber  beiben  abelid^en  @efeQfd^aften 
über,  bie  in  bemfelben  i^re  S^rinfflube  etabtirte,  unter  ber  Se- 
jeid^nung  „SRiebere  trinffhibe"  im  ©egenfa^  jur  ,, Oberen"  am 
©algmorft. 

93ei  ber  im  ^df)n  1394  erfolgten  3?erfd^meljung  beiber 
obelid^en  ©efellfd^aften  unb  Sereinigung  berfelben  ouf  ber  oberen 
Stube,  ber  fpoteren  §erreuflube,  giengen  Xl^urm  unb  §ou8  an 
bie  ©efeUfd^aft  jun  Äaufteuten  über,  bie  boä  ©efeUfd^oftö^auS 
bequem  unb  nad^  äRaggabe  i^rer  gefeDfd^aftlid^en  @rforberniffe 
einrid^ten  liegen.  (Sine  93equem(id|!eit  jcbod^,  im  weiteren  ©inne 
beS  33BorteS,  fonnte  erft  im  Saläre  1409  in  %ol%^  gefälligen 
@ntgegenfommen§  ber  93arfü§er  erjielt  werben,  meldte  in  ©etrad^- 
tung  „ber  großen  §ilf  unb  gfürberung,  fo  bie  erfamen  unb  frommen 
ber  ©efettfd^aft  uff  ber  Äouflüt^Jrinffhiben,  bem  ©o^^ud  mit 
9llmofen  geben,  mit  SKeffen  ju  fHften  unb  mit  anbem  troftlid^en 
©ad^en  bid^ar  oft  unb  hid  erjaigt,''  unentgelblid^  einen  ^la^  ^ieju 


57 

am  $aufe  ^um  Unterl^of  einräumten,  mit  SemiDt^nng  i^red  $ro' 
oinjiald  aud^  i^reS  Seibgebing^mannS  „C^ori  oon  ^iet^eim/  bet 
^ur  ^txt  biefeS  ^auS  bemo^nte. 

S)a8  alte  ^efeQfd^aftd^aud  mar  jmeiflocftg,  im  erflen  @to(! 
Manb  {td^  bag  @efea|(i^aft3(ofa(,  im  ^meiten  auger  einem  3ii>inier 
)u  gefedfci^aftlid^en  3n>(<^cn  bie  SBo^uung  bed  ©efedfd^afrdbienerS ; 
jebed  (Btodrotrf  mar  mit  einer  ßüc^e  oerfe^en.  Ter  9{aum  ebener 
(Sxht  mod^te  oormald  jur  Slufbema^rung  oon  ^o()  u.  bgl.  aud^  be$ 
97üftmagend  gebient  ^aben,  murbe  aber  im  17.  ^a^r^unbert  )u 
einem  fog.  Seid^enfaal  umgemanbelt,  in  metc^em  namlic^  bei  fieic^en^ 
beganguifTen  oon  ©efeOfc^aftdgenoffen  bad  Seib  ^ttia%i  murbe.  9uf 
bem  Tad^boben  befanb  jtd^  eine  J^oi*nfd^ütte,  meldte,  nad^bem  biefe 
£ofalitat  grünblid^  renooirt  mar,  oermiet^et  murbe.  Tie  brei  @to(f- 
merfe  bed  T^urmd  mürben  aid  ^ufbemal^rungdort  für  allerlei 
jtriegdgerät^fd^af ten ,  aid :  SBaffen ,  Slüflungen,  dteifejelt  u.  f.  m. 
benü^t,  ma^renb  ber  9?aum  }u  ebener  (Srbe  aid  99arbierflube  oer? 
tiefen  mar. 

Tie  ©efeUfd^aftdfhibe  mar  nieber  unb  finflcr,  tro^  ber  auf 
ber  i^auptf route  angebrad^ten  12  l^enfteroffnungen  in  4  Vbt^ei- 
(ungen  )u  3  0enflern,  oon  benen  je  bad  mittlere  um  einen  gflügel 
über  bte  beiben  anberen  l^eroorragte.  (Sd  maren  biefelben  in  diu 
mölbebogen  eingefe^t,  bie  auf  boppelten  ®aulen  ruhten  unb  eine 
breite  Unterlage  Ratten ;  überbied  murbe  ber  9?aum  bed  äinitti«^^ 
oon  SBanbbanfen,  maffioen  nmben,  aud^  einigen  langen  "tifd^en 
unb  Saufen  fe^r  beeintrad^tigt.  Tie  Tiele  mar  gemolbt  unb  oon 
$ol)  fonfhruirt,  eine  fogenannte  @d^oodbü^ne,  unb  bie  X^üre 
entfpred^enb  fc^merfällig  unb  mit  breiten  ^udtabungen  oerfel^en, 
moju  bann  nod^  ein  gemeiner,  umf angreid^er ,  unglaftrter  unb 
angefhid^ener  j^ad^elofen  fam,  um  ooQenbd  ben  9{aum  )u  oerengen. 

Unter  biefen  Ser^altni^en  ifl  ed  begreiflich,  bag  bie  ©efeO-- 
fd^aftdgenoffen  für  i^re  abenblid^en  3uf<^nimcnf^>^f^^  ma^renb  ber 
feigen  3<i^T^S}ci^  i^n  ^freien  eine  Buflud^t  fud^ten,  bie  ber  ©arten 
hinter  btm  $aufe  gemalerte,  meld^er  oon  jmei  Sinben  überfd^attet 
murbe,  um  meldte  runbe  Xifd^e  angebrad^t  maren.    Tiefe  Sinben 


58 

mußten  von  ^txt  ju  3^'^  gefiüdPt  loerben,  um  bad  3)a(^  ettttiS 
nachbarlichen  ^aufeS  oor  Sd^aben  ^u  jtc^ern,  fo  ^nno  1495,  al8 
ftc^  bie  ^orfle^erfd^aft  genötl^igt  fa^,  ben  ©olbfd^mieb  f^riebrid^ 
J^raft  roegen  einer  SBafferbole  unb  unjlatt^after  93enü^ung  feiner 
iüd^töffnungen  in  ben  ©arten  ber  ©efeüfd^aft,  oor  üRarc^engeric^t 
^u  oerflagen.  Cbfc^on  bie  J^Hagerin  im  ^ed^t  beflanb,  mugte  bies 
fclbe  bie  SQBeifung  entgegennehmen,  bie  beiben  Sinben  ,>biö^  ufi_bie 
alten  S)tum)ien  ftümmlen  unb  ab^oroen  )u  laffen.^  ^m  ©an^en 
genommen,  fam  bie  ©efeQfc^aft  feiten  in  ben  gaU,  i^re  i^auSred^te 
gegen  Singriffe  ber  Sflad^barn  magren,  noc^  meniger  fic^  biefed 
gre^Ierd  megen  oerantmorten  )u  muffen.  3lU  Slnno  1543  Sonrab 
Salbenl^ofer  5um  ^vAtr  fic^  beigeben  lieg,  an  ben  äRarfttagen  bie 
^eroorfle^enbe  ^^urmecfe  unb  biefen  felbfl  jur  Slud^öngung  oon 
„  lapeten,  (Sorgen  (Sorbürcn)  unb  bcrgleic^en  auc^  f onft  Äromer? 
©ottierung"  ^u  benü^en,  fc^te  fie  bemfelben  feinen  Uebergriff 
auSeinanber,  begnügte  fic^  inbeffen  mit  einem  9ieoer$  unb  ber 
Bufic^erung  eined  jö^rlid^en  ^la^jinfed  oon  2  Se^emfc^  ober  6 
Äreujern. 

©nem  fpdteren  Seft^ei*  beS  §aufeä  §um  B^ber,  bem  ©efell- 
fd^aftSgenoffen  ©ecfelmeifier  4»an8  ßafpar  Stocfar,  mürbe 
Slnno  1571  bie  (Srbauung  eines  ©rferd,  unter  Senü^ung  ber 
X^urmmauer  auf  bie  gluckt  berfelben,  gegen  einen  SteoerS  bemiU 
liget.  3w  ber  befien  urfunblic^en  govm  ausgefertigt  blieb  bie 
^ergament^Urfunbe  unbefiegelt  bis  jum  Sa^re  1647,  ju  welcher 
3eit  Conrab  §uber  Sefl^er  beS  §aufeS  jum  äw^«'^  n>"^i>«  w«^ 
burd^  eine  9lad^fd^rift  unb  bie  ^n^dngung  feines  Siegels  ben 
»eoerS  beftdtigte. 

3m  3tt^te  1551  unb  1654  mürben  §auS  unb  Xl^urm 
bebeutenb  renooirt,  allein  man  überzeugte  fid^  na^  ber  legten 
9tenooation  nur  aU^ubalb,  ba§  ^ieburc^  nur  eine  jeitmeilige  Ser- 
befferung  erhielt  morben  fei  unb  mad^te  ftd^  fo  nad^  unb  nad^  mit 
bem  ©ebanlen  oertraut,  fomol^l  £^urm  als  J^auS  abbrechen  unb 
ein  neues  ©efeÜfc^aftS^auS  erfletlen  ju  muffen,  um  ben  immermdl^s 
renben  9?eparatur(often  überhoben  ^u  merben  unb  ben  ^nforberungen 


59 

ber  Bett  unb  ben  gefellfci^afttid^en  (Srforberntnen  @enflge  )u  letfien. 
3n.9Ritte  bed  18.  ^a^r^unberts  mar  ber  B^i^P""^^  gefommen, 
urn  mit  oonem  9tt^t  bie  Stn^anbna^me  einer  9leubaute  gu  befür- 
worten, ba  bie  @efellf(^aft$flube  (aum  me^r  ben  not^igen  9taum 
barbot,  urn  bie  jal^lreic^en  3Ritglteber  aufzunehmen.  Ueberbied 
mißfiel  ben  jungen  ®enoffen  baS  ganje  ,,aUfran(if(l^e  @ebäu»/ 
meld^eS  aQe  gfeliler  unb  aRigbeUebigfeiten  in  ftd^  oereinige.  ®e(bf} 
altere  SRitglieber  marfen,  burd^  bad  ftete  Serfd^ieben  ungehalten, 
enbtid^  bie  f$rage  auf,  ,,ob  ed  nid^t  aUerbtngS  bie  (S^r  unb  9{epus 
tation  er^eifd^e,  ba^  eine  bereite  im  ^[a^r  1762  bewirf te  Srfanntnig 
je  elinber  je  lieber  ooUjogen  unb  o^ne  9lnflanb  unb  3<itoerfaum= 
nig  Praeparatoria  jur  Erbauung  eineS  neuen  ®efellfd^aft3^ufe8 
gemad^t''  mürben.  Son  ben  @egnern  einer  folc^en  Unternei^mung 
mürben  jmar  bie  oorl^anbenen  2)tange(  anerfannt,  aud^  bie  3Bünfd^c 
barfeit  eined  neuen  ©efeÜfd^aftSl^aufeS  jugeftanben,  bagegen  bie 
äludfül^rung  biefed  ^^Stojeftd,  menn  badfelbe  ^ur  ®prad^e  gebracht 
murbe,  auf  geeignetere  ^tit,  b.  ^.  bis  ber  ©efettfd^aftsfonb  bie 
erforberlid^e  Qb^t  erreid^t  l^aben  merbe,  urn  fold^  groge  Unfof^en 
unbefd^mert  ber  übrigen  Seifhtngen  prafHren  p  fonnen,  jemeilS 
mit  (Srfolg  )u  oerfd^ieben  beantragt.  Bn)an3ig  2|a^re  maren  bereits 
oerfloflen,  feit  ber  erfle  9(ntrag  megen  (Srbauung  eineS  neuen 
@efeIIfd^aftS^aufeS  gefteQt  murbe,  eS  amtete  bereits  eine  9au= 
fommiffion  unb  bennoc^  gelang  eS  ben  angfllic^en  @egnern  am 
9.  SDtai  1779  einen  nochmaligen  SSerfc^iebungSbefd^tug  ju  bemirfen, 
bis  ber  ©efellfd^aftsfonb  bie  ®umme  oon  ft.  40,000  erreid^t  ^aben 
merbe,  moran,  im  SSorbeigel^en  gefagt,  nur  nod^  fl.  500  mangelten. 
Salb  nac^l^er  murbe  Med.  Dr.  ^o^^nn  2|afob  oon  Bi^d^^t 
3um  Obl^errn  gemo^lt  unb  ^ieburc^  eine  ju  6^ren  beSfelben  ab- 
ju^oltenbe  ana]^l}eit  ben  9Ritgliebern  in  SuSftd^t  gejieUt. 

Unerad^tet  beS  Sauoerfd^iebungSbefd^luffeS  murbe  bei  9nlag 
beS  Sled^nungSbotS  am  6.  ^ejember  gebadeten  ^al^rS  burd^  (Kapitän 
$e9er  ^um  3;rauben  in  (Srinnerung  gebrad^t,  mie  ^bei  ipaupt^ 
unb  anberen  solennen  %n(affen  man  genöt^iget  fe^e,  auS  SRangel 
an  $la^  in  ber  ©efeQfd^aftSfhibe  nod^  einigen  (S^ren^^Sliebern  in 


60 


bem  Seib:®aa(  $(a^  anjuroeifeti,  xotl^t^  abei  in  ber  7l^at  unter 
aQen  Zittin  fe^r  unbequem  unb  %ax  nic^t  fd^icfltc^  fe^e.^  Urn 
nun  biefem  Uebel^anbe  abAu^elfen,  finbe  er  ftc^  oevanlafet,  ben 
?(ntra9  ju  ftetten,  e§  möchte  bie  5?onia§me  einer  ^auptreparatur 
gencl^migt  »erben,  welche  circa  f(.  1500  betragen  roürbe  unb 
geeignet  roäre,  ben  ^Jebürfniffen  bcr  Ö^efetlld^aft  auf  ^a^rjel^nbe 
^inauö  ,^u  genügen,  barin  befle^enb,  baß  eine  neue  t^intermauer 
aufgeführt,  bic  Sc^ooSbü^ne  entfernt,  bie  5^nf^«^*bänfe  ncbfl  Säulen 
roeggebrod^en  unb  neue  Jcufler  angefc^afft  mürben,  rooburc^  ba« 
Ö)efettf(|aft0(o?al  an  ^Haum  unb  Sic^t  gewinnen  unb  ju  einem 
„  frol^müt^igeren  Bin^n^er"  umgcroanbett  werben  fönnte.  I^iefeS 
3?cparation§projeft  (cuc^tete  ein,  inbef^cn  fanb  man  für  notl^roenbig, 
bie  9(u§fü^rbar(eit  be§fe(beu  ^auptfac^Iic^  be^üglic^  ber  ((rage,  ob 
^iebur(|  nid^t  bad  ganje  @ebaube  gefa^rbet  merben  fönnte,  ber 
Saubireftton  unter  Seijug  oon  ®er!meiflern  gur  Prüfung  unb 
Seantroovtung  ju  unterfletten.  'Der  Sefunb  berfelben  lautete  ba^in, 
ba§  nac^bem  aud^  bie  ©rftcHung  eines  neuen  I)ac^jhi]^(8  unum= 
gäng(i(^  not^rocnbig  fei,  eä  roünfd^bar  märe,  aud^  bie  ©orbere 
grontmauer  ab^ubred^en  unb  neu  ^u  erftetten,  rooju  benn  auc^  bie 
©anbireftion  ermächtigt  rourbe,  unter  bem  Slnfinnen  „nad^  i^rer 
guten  Sinfic^t  ba^in  ju  trad^ten,  ba§  biefe«  Sauroefen  je  el^nber 
je  lieber  beförbert  werbe.''  — 

©irflid^  würbe  bie  93aute  rafc^  an  Rauben  genommen,  bie 
beiben  fronten  abgebrochen  unb  bie  Wintere  SKauer  aufgefül^rt, 
oud^,  um  bem  „uralten  J^urm  ein  etwefd^eS  9tnfe§en  ju  machen 
unb  mit  bem  übrigen  ®auwefcn  ju  egaliflrcn,"  eine  Sic^t'Ceffnung 
in  bemfclbcn  erweitert,  um  einen  Ärcujporf  einjufetjen,  ä^nlic^ 
benjcnigen  an  ber  $auptfronte.  9118  am  19.  ^uü  (1780)  SlbenbS 
bie  Erweiterung  bereits  fertig  war,  er^ob  fic^  ein  gewaltiges  Ärad^en, 
ber  2:i^urm  erhielt  mel^rere  ?Riffe,  fo  fe^r,  ba§  bie  9lrbeiter  fc^redfen- 
erfüllt  booon  liefen  unb  bie  ganje  9lac^barfd^aft  in  9lngH  unb 
Sefümmemife  geriet^.  3"^^  Beruhigung  berfelben  würbe  ber  tl^urm 
mit  93alfwer(  unterfW^t  unb  beffen  9lbtragung,  foweit  biefelbe 
erforberlidj  fein  werbe,  f  of  ort  in  Eingriff  genommen.  9lm  26.  3uli 


61 

lourbe  btefeS  (Sreigniffed  tpegen  ein  augerorbentüd^ed  ©eBot  ah 
gehalten  unb  nad^  einlagtic^er  ^ludeinanberfe^ung  ber  baulid^en 
3Jerpltniffc  bcfd^loffen:  ,,nac^bcm  biefcr  urattc,  fiber  bic  900  3^1^^ 
^geflanbene  ,(tauf leutflubent^urm ,  ooii  oiclen  itittn  \)tx  roegen 
„bo  unb  borten  fid^  barin  gejeigten  Riffen  eine  gan^e  SB.  ^. 
,,@efeIIfd^Qft  unb  erfl  jüngfl  wieber  bie  gan^e  9iac^6arf(|aft  in 
,,ben  8u§erften  ©c^rcrfen  unb  Unru^  gebracht,  fobann  auc^  —  roie 
,,oerlauten  will  —  bad  ^unbament  beffelben  fe^r  fd^Ud^t,  folglich 
,,fe§r  bebenttid^  roar,  aud^  nur  bie  §a(fte  be«  Il^urm«  flehen  ^u 
„laffen;  alS  foOe  biefer  alte  "i^urm  mit  bent  l^eutigen  tag  feine 
,,6nbf(^aft  erreicht  ^aben,  bergeflalten ,  ba§  burc^  bie  befteQte 
^  ©erf lent  mit  bem  3lbbred^en  roeiterS  fürgefa^ren  unb  (berfelbe) 
,,bi8  auf  ben  ®mnb  abrafiert  werben  folle^C!).  3n  golge  biefe« 
Sefc^luffeS  legten  bie  biSl^erigen  99aubire(toren  i^re  ©teilen  nieber, 
worauf  eine  neue  Saufommiffion  befieUt  würbe  imter  bem  Sorjl^ 
be8  JRat^^errn  unb  @§reugefanbten  ^o^^nn  3ö^ot  Bi^gl«^- 
^tx  ipian  §u  bem  ntxxtn  ©cfeUfd^aftS^auä,  unter  93enfi^ung  ber 
^offlatte  be§  X^urmS,  würbe  burc^  ben  ©tabtbaumeifler  Speng- 
ler entworfen  unb  ju  befferer  Seranfd^aulic^ung  beffelben  burc^ 
3o^.  Sonrab  33ogler,  Silb^auer  unb  ©(^reiner,  ein  ^oljmobel 
angefertigt,  wonad^  fobann  bie  Saute  burd^  ben  9Jtaurermeifler 
3.  3afob  3t^  glüdflic^  ausgeführt  würbe. 

3m  Slpril  1784  war  bag  neue  ©efeafd^aftS^au«  erfleHt, 
welches  beiläufig  auf  32,000  ©ulben  ju  fte^en  fam.  ^ie  (Sins 
weilfung  beSfelben  fanb  erfi  am  23.  ©eptember  1784  fiatt,  bi« 
in  weld^em  Xage  bie  fc^on  5  ^a^xt  juoor  projeftirte  ^b^altung 
einer  Cb^errensüJla^ljcit  oerfd^oben  würbe.  Die  Pfleger  erhielten 
ben  Sluftrag,  mit  bem  ©efeUfd^aftäbiener  „eine  nieblid^e,  bieferem 
6^renanla§  anftSnbige  aRai^l^eit''  ju  oerafforbiren. 


62 


^tf  llitglifitfr. 

3uT  Seroodftftnbigung  bet  DarfleQung  ber  gefetlfd^aftlid^en 
'Ser^altntfTe  überl^aupt,  indbefonbere  aber  ber  biSbal^in  nur  oer- 
einjelt  erio&^nten  ©efeOfc^aftggenoffen  folgt  ^ier  junad^il  bad  ftltejle 
SRitglieberoer^eic^m^,  loelc^ed  ber  9te(^nung  oon  1418  beigefilgt 
ift;  fobann  bte  Sluf^al^lung  ber  ©efetlfd^aftgoerleil^ungen  an  bie 
f pater  eingetretenen  ®ef (^le<|ter ,  xoit  fold^e  auf  ber  SBoppentafel 
oom  ^aifxt  1848  entl^alten  ftnb. 

1.  $r.  nicoL  Crnfl.  19. 19.  Cngrlmann.  36. 5i^«99. 


2.  ^iam. 

3.  ^tmenfr 

4.  jttlinr. 

5.  ^aUoiorr. 

6.  Jkt^, 

7.  »firdj. 

8.  junftmriflrr. 

9.  Vli  pai^rr. 
10.  Hans  lltaltr« 
ll.i|an0  pflugrr. 

12.  S.  «olifmit. 

13.  ISrri^matfter. 

14.  dabrl^ufer. 

15.  %  »,  SiefTenlj. 

16.  jSalmasmiUr. 
17. «.  jfib. 

18.  JSfiinaer. 


20.  e.  JJarter 

21.  f  ttjr. 

22.  Ittarti  |Kfin^ 
maiftrr. 

23.  jStipprr. 

24.  %  jSlattrr. 

25.  |o.  jSlatter. 

26.  ^erbft. 

27.  IBfintnger. 


37.  ISerIi  0011  S^^. 
38. 1|an0  ]9etrr. 

39.  jSUttr^^ribtr. 

40.  IKat^ias. 
41.^nt^oii9. 

42.  (Stiver. 

43.  jSmt^er. 

44.  Clingrr. 

45.  ^an0  Rattler. 


28.  |0.  oon  Skx^tn.  46.  Hiet^er. 

29.  QLl.  oon  1|agnoni.  47.  i$.  Ilegttli. 


30. «.  Jlifglfr. 
31.  H.  ]9arter« 
32. 1|.  ^ron. 

33.  Vrenboli. 

34.  CI.  WifT. 


48.  «u^. 

49.  (6txfitx. 

50.  U.  «olt. 
51.1|aninan  jtfgUr. 
52.  likli  5aiUr. 


35.  jSi^errrr. 

^iefed  äUefie  aRitgUeberoerjetd^ni^  btente  aU  (Sinjugd^SIobel 
unb  tragt  bie  Ueberfd^rift  ^l^iigenommen  oon  3cili<$^tn  vig  ß  al8 
^tenad^  gefd^rieben  flatt.''  S)ur(^  Sergleid^ung  mit  ben  fpfitem  $ers 
^eid^niffen,  me^r  aber  mit  ben  9ted^nungen  unb  anbem  glaubmür^ 
btgen  9Uttn,  i{l  eS  gelungen,  bie  £fi(fen  big  an  n)enige  aufzufüllen, 
ebenfo  über  bie  aufgeführten  $erfönlid^(eiten,  burd^  Seifügung  bio« 
grapl^ifd^er  unb  allgemeiner  9lott§en;  etweld^e  Sluffd^lüffe  3U  geben. 


63 

1.  9{icolau3  (Srnfl,  (Kaplan  an  @t  SRid^aete  ^lltar  )u 
@t.  gol^ann,  oon  1399—1417. 

2.  9lbatn  ^ron,  beS  kleinen  Stalled.  Slnno  1425  mirbe 
er  oon  9Cüger  im  ^^urn  ^ur  $afe({laube,  €onrab  ©d^roager  unb 
einem  oon  gulac^  überfallen  unb  (eben^gefd^rltd^  oenounbet.  S)ie 
^^ftter  mürben  für  biefen  f^reoel  mit  ber  l^ol^en  Suge  oon  80  % 
feller  belegt  unb  für  1  Sal^r  oon  ber  Stabt  oermiefen.  Anno 
1438  murbe  31.  Stxon  ^um  99ürgermei{ler  erma^lt,  meld^eS  Smt 
berfelbe  jebod^  nur  furje  ^dt  befleibete.  0 

3.  ^einrtd^  S^niafe,  einer  ber jjentgen  Slbeltd^en,  bte  Slnno 
1394  auf  ber  9tiebem  @tube  blieben  unb  ber  ©efeOfc^aft  )un 
J(aufleuten  fid^  etnoerleibten. 

4.  Sonrob  3w6er  in  ber  Unterpabt.  S)iefe8  ©efc^led^t 
eriftirte  nod^  9(nno  1532  in  @d^aff^aufen,  fd^eint  aber  mit  Srl^arb 
Buber  erlofd^en  }u  fein. 

5.  JpanS  ©allauer,  1423  Sunftmeifler  unb  1431  ©ürger- 
meifler.  @r  roo^nte  in  ber  SJepfergaffe,  f  1441.  Ueber  bie  ^attauer 
ober  bie  oon  $allau,  meiere  fd^on  im  13.  Slal^r^unbert  urfunblid^ 
auftreten,  bemerft  Sauger,  ed  „mill  mid^  bebunfen,  bie  guten  e^r^ 
lid^en  Seut^  ^obenb  bie  @eiftlid^en  Reifen  reid^  madden,  mobei  fie 
in  3lrmut]^  fommen." 

6.  SBil^elm  Xt^,  an  ber  Slepfergaffe,  f  oor  1434. 

7.  ^ermann  A'üfd^  (auc^  J^ünfd^),  Sefi^er  be$  ^aufeS 
jum  ÄönigSfhi^l  bi«  jum  3a^re  1440. »)  2lnno  1408  murbe  er 
oon  Sreil^erm  2!o^<inned  oon  Mengen,  $errn  ju  Sglifau,  mit  ber 
9Rü^(e  )u  ^ad^fen  belehnt.  >)  9la(^  bem  Serfauf  feineS  SBo^n^aufeS 
in  ©c^aff^aufen  bejog  er  baä  ©d^log  5re9enPein  am  3rd|et.  Die 
©efangennel^mung  eineS  SRanned  auS  jener  ©egenb,  „umb  fd^led^ter 
Urf ad^  miOen,  "^  oeranlagte  eine  grofie  Erbitterung  gegen  ben  @(^lo§:: 
l^errn,  medl^alb  ben  28.  9looember  1443  unter  9(nfü^rung  bed 
^einrid^  ©d^menb  oon  B^rid^,  93ogt  ber  ©raffd^aft  A^burg,  bie 
älngel^örigen  ber  ©raffd^aft,  unterfiü^t  oon  Bujugern  ber  ®tSbte 


>)  «uget  u.  U.    >)  Urt  bet  t>.  3B.  ^.   •)  3.  3.  6pleii  (E^roniji 


64 

SBintert^ur  unb  !Z)ie§en^ofen^  oor  bad  @dflofi  ^ogen  unb  badfelbe 
mittclfl  gcucrpfcilen  *)  in  ©raub  Pcdtcn ,  n)obut(|  bic  ©efa^ung 
$UT  Uebergabe  genot^tgt  murbe.  Ob  ber  @ier  nad^  8eute  oergagen 
bie  @teger  ben  (befangenen,  ju  bef^en  ^efreiuung  fte  oor  bad 
®(^lo§  gebogen,  bid  berfelbe  unrettbar  oerloren  war  unb  erjlidte. 
©ad  ®(^lo§  auf  ben  @runb  gerflort,  blieb  fortan  Siuine. ')  $er- 
mann  jlüfd^  ^interlieB  einen  gleid^namigen  @o^n,  wetd^er  noc^  9(nno 
1481  in  ben  äRitgüeberoerjeid^niffen  ber  ©efedfc^aft  erfd^eint. 

8.  $and  Singgi,  )um  fd^marjen  SBegeifen,  je^t  )um  Sin- 
^orn.  Erntete  9nno  1405  aid  Statthalter  bed  Sogtd  $einrid^ 
©on  9tanbegg.  •)  @r  mar  ber  erfle  äwnftmeijler  ber  ©efellfc^aft  jun 
J(aufleuten  unb  murbe  Snno  1412  jum  ^mtdburgermeifter  erro&^lt, 
meldte  ©telle  berfelbe  alle  anber  ^af)xt  bid  1418  befleibete. 

9.  Ulrid^  ^e^er  oon  £^engen  }um  ßaftg,  ein  Sruber  bed 
9lbtd  2|o]^anned  ^eper  ^u  Slllerl^eiligen.  @r  mar  Urt^eilfpred^er 
unb  aJlitgtieb  bed  ©rogen  Siatl^d  %nno  1413.  SBa^renb  fein 
Sruber  ,,eine  ^al^m^  aid  SBappenbilb  fül^rte,  {tegelte  er  fd^on 
9(nno  1403  mit  einem  9{ab,  melc^ed  9Bappen  feine  9lad^(ommen, 
bie  ^eper  im  $of,  ^ur  @tunbe  uod^  gebraud^en. 

10.  $and  SDlaler,  feined  Serufd  ein  ^lad^maler.  ^©tuben^^ 
fnec^t  jun  ^aufleuten  oon  1431—1443. 

11.  $and  $fluger. 

12.  Sonrab  SBalbtirc^,  genannt  ©olbfd^mieb,  ein  ®o^n 
oon  $einrid^  SSalbtird^,  metc^er  in  ber  ©c^lac^t  an  ber  ÜBolfd- 
l^albe  fiel  unb  SSater  bed  Sürgermeifterd  ^an^  aSBalbfird^.  (gr 
faufte  1429  oon  Slifabet^a  oon  Xflfen  bad  $aud  ^um  ®tord^$ 
lein,  ie^t  funnel  genannt,  f    1448. 

13.  ^einrid^  9Ber(mei{ler.  ^tx  ©efc^led^tdname  ifl 
unbefannt.  3n  ber  @igenfd^aft  aid  SBerfmeifler  übertrug  i^m  bie 
@efellf(^aft  ^nno  1431  bie  Sr^eHung  einer  93arbierfhibe  im 
jtaufleutfiubentl^unn. 


')  „man  f(^of[e  ^euer  ind  6(^10^.''     ')  @plei6'f(^e  Gbronit, 
Stumpfe  G^ronit  2c.    ■)  Urfunbe  in  ber  ©p(ei^*f(ben  G^ronit 


65 

14.  Sonrab  ®a6ell^ufer,  S3eft^er  beS  ^aufeS  )um  iteffel. 
3m  3a^re  1401  pachtete  er  ©on  bcr  ©tabt  bic  ©cfätte  bc8 
3Bem)oQeS;  $an8  Sxon  unb  Utrid^  $e9er  leifleten  Sürgfd^aft 
für  i^tt.  0 

15.  ^einric^  oon  SJiefecnl^ofcn  f  1418.  I^cfjcn  ffiittme 
„bte  Srfam  f^roio  Slara^  oerHel^  %nno  1431  txnln  Stingarten 
im  Urtocrf  für  ben  britten  Z^Al  beS  (SrtragS  jum  QrrMei^en.  *) 

~16.  $einrt(^  oon  ®almangm9ler,  Pfleger  unb  Ser^ 
n)efer  beS  ^lofierd  ^arabied,  in  weld^er  (Sigenfd^aft  berfelbe  Stnno 
1416  mit  Sütfrieb  bem  iDtuntbrat  oon  €onflan}  einen  jfauf 
abfd^lol. ') 

17.  Sonrab  89b,  gur  Sinbe  (^tr^tx^o^),  1413.  SSon 
$einri(|  ^rmafe  (3)  (aufte  er  Slnno  1429  bad  ®d^I5^(ein  Sön)en^ 
burg  im  Urmerf,  ben  untern  Sdwenflein.  *) 

18.  $and  Söffinger,  jum  Stebftod  in  ber  aRünflergafle. 
mt  feinen  93rübern  Siubolp^  Söf finger,  ^riejler,  unb  ^einrid^ 
Sofftnger  entlel^nte  er  9(nno  1418  bei  ber  SapIanei-^Jenoaltung 
@t.  So^anned  )u  9ltler^eißgen  ein  Capital.  >) 

19.  ^o^anneS  Sngelmann,  ©olbfd^mieb  oon  ^a^ngen. 
3l^m  war  bid  jum  3a^re  1412  bad  von  SBemer  jum  I^or  l^ers 
rül^renbe  Selben  bed  .ftornma^ed  oerfe^t,  meld^ed  in  biefem  Sa^re 
oon  ber  ®tabt  um  340  rl^n.  @utben  audgelodt  murbe.  <) 

20.  ©onrab  S arter.  (5r  mol^nte  jum  rotten  Sd^Ub, 
n^eld^ed  $aud  er  "anno  1405  für  427  r^n.  @u(ben  oon  ®ö^ 
©c^ultl^ei^  oon  9tanbenburg  ermarb.  ^)  ^xoü  ^al^re  juoor  erlauf te 
er  oon  3tal  36^ler  für  260  ©olbgulben  einen  SBeingarten  nebf! 
Irotte  in  ®ruben  •)  unb  3lnno  1418  oon  Sertl^olb  ©d^dnburger, 
@d^neiber,  einen  ©arten  oor  bem  (Sngelbred^tdt^or  *)  2C. 

21.  Sucad  anüngmeifler.  3)en  ®efd^(ed^tdnamen  (ennt 
man  nid^t,  bagegen  ifi  fein  f^amißenwappen  auf  und  gelommen. 


»)  etabtbu(^.  >)  Urf.  bed  bift.  onttq.  SSereind.  •)  Url.  bei  ^. 
SB.  i>.  •)  Urf.  bed  bift  ontiq.  33ereind.  »)  Urt  bei  i>.  3Ö,  ^.  •)  (Sbenba. 
"*)  ^audbrief  bei  ^erm  3.  @.  Saffon.  *)  Urt.  bei  ber  bH  fd^mei}. 
Boubireftion.    *)  Urt.  bed  bift.  antiq.  Sereind. 


66 

er  würbe  in  ber  9tegcl  SKripcr  SufaS  betitelt.  3m  ^o^re  1417 
letflete  bie  ©tabt  für  i^n  Sürgfc^aft  um  bie  @umme  loon  360 
©ulben  gegenüber  Slara  @^tnger,  geb.  @rünberg  oon  Sonflanj. 
3ur  ©id^erflettung  oerfd^rieb  er  ber  ©tabt  fein  §au8  am  ÜRarft 
mit  aller  ^dSfxffait. ») 

22.  aWdrtin  aHünjmeijier,  ©olbfc^mieb. 

23.  §einrid^  ©teigbar,  ein  ©ruber  be8  ö^onrab  ©teigbar. 
3^r  beiber  6rbe  SRubolp^  ©teigbar,  ß^orl^crr  ju  SWünfier  unb 
Kaplan  ballier,  ftiftete  9lnno  1475  bie  ©t.  ÜRaria  gapelle  ouf 
bem  $errenacfer,  jur  ©teile  be«  je^igen  §aufe8  jum  SudJ«.  *) 

24.  ^einrid^  oon  ©d^latt,  aud^  ©(glatter  genannt,  9{i<i^ter. 
er  amtete  «nno  1426  als  ©tettoertrcter  ber  ÜRargarct^a  2bw, 
Äloflerfrau  ju  ©t.  ?lgne§,  bei  einer  3in^»«tf(^Teibung  ju  ©unpen 
bcrfelben.  •)  3^"^  gel^Srte  bie  fogenannte  gnaelmannSfdSeunc  auf 
bem  ©djü^engraben,  aud^  befafe  er  ®üter  auf  ^iljinger?,  Sbringer? 
imb  9tietl^eimer5®emarfung  ic,  •) 

25.  ^anS  oon  ©d^latt  ober  ©d^latter,  Kmmann  bed 
ÄloflerS  ©t.  ?lgne8.  ^m  ^a\)xt  1395  er^ob  3o^önntt  oon  ©riegs 
^eim,  SBittme  be«  $and  ^eggenji,  ^lage  gegen  il^n  megen  unbefugter 
SerSugerung  eine«  i^r  ^uflanbigen  oon  9{ofenegg'fd^en  Se^engutS 
JU  9tiet^eim.  Der  l^iefige  9?at^  crf Idrte  bie  Älagc  als  unbegrünbet. ») 

26 ^crbjt.    er  erfd^eint  al8  Äapitalfd^ulbner  ber 

©efellfd^aft,  wirb  inbeffen  immer  o^ne  taufname  aufgeführt. 

27.  §an8  Süninger  beS  Statins  unb  ©ecfelmeifler,  meldte 
©teile  berfelbe  fdjon  ainno  1422  bcfleibete.  er  faufte  «nno 
1426  oon  aOtargaret^a  tempter  fernen jinfe  ab  einer  jpuobe  }U 
9laj]^eim.  •) 

28.  3o^anne«  oou  eid^,  Sater  bed  99ürgermeiflerd  ^lU 
(olaud  oon  eid^. 

29.  9licolaud  oon  ^agenon). 

30.  ©onrab  &\t^Ux,  ^eterS,  be«  ©tammoater«  ber  gfa« 
milie  ^it^ltv  in  ©d^aff^aufen,  ©o^n.    Der  Sater,  ein  Kaufmann 

*)  Urhmbe  im  Itantondard^io.  >)  Stiftung^urt.  bei  ß.  ^.  ip. 
•)  Urt.  ebenbo.  •)  Urt.  im  Stabtarcbio.  *)  Urf.  bei  Jp.  ®.  $.  •)  ^benbo. 


67 

unb  9Rit()lteb  ber  @e|e[l)d^aft  jun  ilaufUuten,  txtoaxi  für  Sonrab 
3iegler  ;,uff  bte  39^  aid  fid^  bte  Blufft  angehebt  ^anb  unb  gemad^t 
loorben  ftttb,  ^  bad  3unf tred^t  bet  ben  Jtauf(euten.  93et  bem  aud:: 
gebreiteten  .^anbel  roar  ed  faum  3U  oermetbeu,  bag  ntd^t  mitunter 
9Baaren  ^um  Serfd^lug  tarnen,  votldfc  fheng  genommen  in  bad 
&tvotxbt  ber  jtramerjunft  gehörten.  9(nno  1433  reftamirten  beg- 
»egen  bte  Äramer,  bag  ,yber  @rfam  ffunrat  3'^9^^^/  i^^^^  Bwnft 
jugel^oren  unb  bienjibar  jtn  f odt.  ^  S)iefe  3(ngelegen]^ett  murbe  )ur 
(Sntfd^eibung  ben  beiben  Statinen  vorgelegt,  votU^t  in  ^erüdfld^- 
tigung  bed  Sad^oerl^altd  oor  ^ftngfien  gebac^ten  Sal^red  eriannten, 
bag  er  ferner d  „bi  benfelben  Jtouflüten  unb  in  il^r  Bunft  fin  unb 
beliben  foQ,  bod^  oon  bed  ®emerbd  wegen  ber  ^romere^  ...  mit 
ber  Bunft,  ob  fie  bed  nit  entberen  motten ,  überfommen  mag^ 
i^nen  barumb  ^u  tunb  atd  benn  ber  B^nft  ®ttt  unb  ©omonl^ait 
ifl  2C."  *)  Ob  bem  ©eroerbe  ©ergag  6.  ^itg^itx  feinedmegd  feine 
bftrgerlid^n  Obliegenheiten,  ©d^on  9nno  1421  leifiete  er  für  bie 
93aterfiabt  93ürgfcl^aft  gegenüber  ber  Snna  ©enbler  geborne  2om 
unb  übernahm  Slnno  1440  bie  fd^mere  Sfirbe  eined  ©edelmeifierd. 

31.  ^einrid^  »arter,  bed  »at^d  «nno  1437.  SRit  €on= 
rab  ^xt%itx,  feinem  ®d^mager,  faufte  er  Slnno  1434  oon  jpand 
Ulrid^  oon  Xettingen  ben  9Bei^er  im  Urmerf.  >) 

32.  ^ermann  ^ron,  genannt  ber  Slieber,  leifiete  mit 
feinem  ©o^n  «nno  1382  «ürgfc^aft  für  bie  ©tabt.  f  1418 ») 

33.  $and  Urenbolb  oon  SBalbd^ut.  «uger  i^m  fennt 
man  nur  9>erena  Urenbolb,  meldte  9(nno  1389  aid  bie  ©attin 
eined  äSBurjerd  oon  Sd^aff^aufen  auftritt. «) 

34.  9licolaud  SBiff.  «nno  1429  faufte  er  ®elb}infe  ab 
ffoti  ^dufem,  in  ber  Sor^abt  unb  im  ©d^utgagli  gelegen.  *) 

35.  Sber^arb  ©d^errer  von  »onnborf. 

36.  Ulrid^  ©(^agg,  ®olbf<^mieb.  (Sd  befag  berfelbe  4V> 
3ud^art  ditbtn  tm  ©d^upfer,  bie  er  um  ben  oierten  X^eil  bed 


«)  etabtbu*.    ')  Urtunbe  im  Äantonearcbio.    •)  3.  3b.  SRüger'd 
Sefc^reibung.    «)  Urt.  im  6tabtarc^io.    *)  Urt.  im  Itanton^arcbio. 


68 

jal^rlid^en  ^rtragd  oerlie^.  SRtt  feiner  ©attin  itnb  feinem  ©o^ne 
lUrid^  ®^<iii,  ^Ttefler,  übergab  er  %nno  1451  befagte  Sieben 
nebfl  einer  jpuobe  )u  ipaufen  unter  «Kraben  bent  @pita(  gegen 
eine  Seibrente  für  fld^  unb  bie  ©einen.  0 

37.  SBerner  oon  %f).  9leben  il^m  lebten  jur  ^eit  nod^ 
U(ri(^  iinb  $eini  Don  %f),  33ater  unb  ©ol^n. 

38.  ^an^  Hermann,  genannt  ^anS  $eter,  1439  ^id^ter, 
bann  be«  9tat^8.  @r  oerfaufte  mit  feinem  Sruber  ^eter  ^ermann 
«nno  1429  ^mei  ©elbjinfe  an  SRifolauä  SBiff  (34).  »)  «nno 
1430  mar  er  ©efeHfd^af tapfleger. 

39.  ^tinxi^  ©pieg,  ©tabtfd^reiber.  9lnno  1412  mol^nte 
er  im  Auftrag  bed  9?at^d  einer  jtauffertigung  vox  @d^ult^ei§  unb 
Stati^  )u  ^iegenl^ofen  bet.  *)  ^rei  ^al^re  fpater  mar  er  nid^t 
me^r  im  2lmt.    f  1*18. 

40.  äßat^euS  ©iffac^,  genannt  Cramer. 

41.  %nton ^er  ©efd^led^tdname  fe^lt  auf  alien  SSer- 

}ei(^niffen.  9lnno  1432  erfc^eint  biefer  9lame  }um  le^tenmal. 

42.  ^anS  @el)er.  ^  ^erbinbung  mit  feinen  ®(|meftem 
®ret^  unb  3lgat^e  verlauft  er  Slnno  1444  ein  i^nen  gemein- 
fd^aftlid^  jugefaUened  ^an^  an  ber  9ieu{labt. «) 

43 ©d^m^jer.    ^er  j£aufname  mangelt  in  aQen 

93er}eid^niffen^  badjenige  oom  ^a^xt  1431  gebenft  feiner  nid^tmel^r. 
Sermutl^lid^  mar  biefer  ©d^m^jer  ber  ©tifter  jeneS  S9ilbl^äu8; 
d^enS,  l^ermartS  ber  beiben  iJelfen  am  Singang  bed  SOterid^aufer:: 
j  unb  bed  ^^reubentl^ald  gelegen,  oon  meld^em  bie  ©egenb  bie 
Sejeid^nung  „beim  ©d^m9)erd::SBilb"  erhielt. 

44.  §anä  Slinger,  Urt^eitfpred^er.  3m  3a^re  1437  lad 
beffen  ©o^n  bie  erfle  SOleffe. 

45.  §and  ©attler,  Urt^eilfpred^er,  1423  bed  StatJ^d.  3n 
biefer  (Sigenfd^aft  oerbeiflanbete  er  bie  3Ratrone  SSriba  Xüd^elin 
bei  Snla^  einer  33ergabung  an  bad  ^lofler  ^arabied.  *) 


/ 


«)  Urf.  im  etabtar^io.   »)  Urt.  im  ^anton«^ar*it).    •)  Urf.  ©benba. 
*)  Uriunbe  im  6tabtar(^io.     *)  Urf.  im  ^antondarc^it?. 


69 

46.  9tubo(p^  Stiet^er  (efag  %nno  1414  einen  9Betns 
gotten  am  ©oiäberg,  welcher  bet  ©efettfd^af t  ju^  Äaufteuten  für 
eine  jtopitalfc^ulb  oerpfänbet  mar. 

47.  ^einjli  SRegeUi,  §einti(^S  ©ol^n,  mo^n^aft  on  ber 
Sod^brürfe.  Diefe  ©rond^e  trug  ben  39einamen  ßtterjoim.  *) 

48 3t  u^   ober  tRud^,   ber  ?:oufnome  iji  unbefannt. 

t  cor  1421. 

49 ©erfier.  er  bürfte  ber  93atcr  be8  $on8  ®erfter 

gewefen  fein,  roeld^er  9lnno  1488  ol«  Sep^er  eine«  $oufe§  in 
ber  Cberflabt  oufgefül^rt  mtrb. 

50.  99ert^o(b  @o(bfd^mieb,  feined  ©emerbeS  ein  @o(b^ 
fd^mieb,  wohnte  %nno  1414  neben  bem  niebern  9?ot^]^au8,  meld^eS 
in  biefem  Solare  on  bie  3wnft  ber  ©d^neiber  fouftid^  abgetreten 
mürbe. ') 

51.  i&onmonn  3*^9^«^/  SW^  ä»  ^ofjletten,  ein  93ors 
fol^r  ber  „bürgerltd^en  ^itglitx.'' 

52.  Sofob  ©eiler. 


Son  biefen  @efd^(ed^tern  flnb  nur  nod^  bie  oonSSolbfird^ 
unb  bie  ^it%ltx  nebf}  ben  ouS  biefen  ^eroorgegongenen  oon 
Siegler  unter  ben  jetzigen  ©enoffen  oertreten. 

^er  oben  oufgefit^rte  Ulric^  ^e^er  oon  X^engen(9)  mar, 
mie  ermahnt,  ein  SSorfol^r  ber  ^e^er  im  j^of,  metd^e  Familie 
megen  il^rer  beiben  äBol^nfl^e  an  ber  Srubergaffe  bie  $ei)er  im 
$of  genannt  mürben.  9lad^bem  in  i^olge  ber  9ieformation  einige 
SRitglieber  biefer  t^omilie  $e9er  in  Sujern  unb  Soben  ftc^  nieber- 
geloffen,  Sernl^arbin  ^e9er  im  §of,  ber  Urgro§enfcl  beS 
genannten  Ulrid^  ^e^er,  im  3a^re  1575  mit  4  feiner  ©o^ne 
boS  ©efettfd^aftSred^t  auf  ber  ^errenjlube  erroorben,  ftorben  bie 
^e^er  im  §of  auf  ber  Äouffeutfiube  im  3.  S^ejennium  beä  17. 
Sal^r^unbertS  ouS.    ^\t  Ofamilie  ^e^er,   meldte  brei  SBecfen  im 


>)  Urt.  im  @tabtar(^io.    ')  i^aufbrief  ber  Scbneiberjunft. 


70 

^}Üt  fül^rt,  ifi  erft  fett  betn  So^re  1528  ber  ®tfeaf<^aft  etn^ 
oerlribt.  ^x6  ®ö^ne  b€§  SürgermctflerS  $and  ^e^er  Der}t<|teten 
auf  bad  ©tubenred^t  bei  ben  @cl^mieben  unb  fauften  ftd^  bei  ben 
Jtauf(euten  ein,  nämKd^  ipeinrid^^ei^er  (,)um  Suft/  äteic^^oogt 
1534,  $an9  $e9er  ^um  n»i(ben  äRann  unb  SRartin  ^e^er 
^jur  J^interngelö/  1563  Cbenjogt  gu  SReunfird^.  35er  jmeitoltefle 
Sruber  Süeranber  ^e^er,  roeld^cr  Stnno  1547  jum  Surgenneijler 
ern^a^tt  rouxht,  behielt  bad  Bunftrec^t  bei  ben  Sd^mieben  bei. 

$and  ^uber,  gebürtig  oon  Cel^ningen,  Urtl^eUfpred^er, 
enoarb  1491  bad  ©efeQfc^aftdred^t.  3n  ^olge  audioärtiger  Slieber:: 
laffung  ^at  biefe  ^^amUie  bad  ©efeafd^aftSred^t  eingebügt. 

3m  3tt^re  1518  erfaufte  ber  ©tomniDater  ber  gamilie 
Of(^n)a(b,  SBartl^olomaud  Cfd^n^alb  oon  ßngen,  bad  ©e- 
feüfd^aftdred^t.  (Sr  mar  bed  @rafen  @igmunb  oon  £upfen  ^atf) 
unb  S^g^nneifier  unb  befCeibete  im  fogenannten  ©d^mabenlrieg 
Snno  1499  unter  gebadetem  feinem  $errn  bie  ^auptmannfieDe. 

T'it  §  arber  flnb  feit  bem  Saläre  1539  ©enoffen  ber  Äauf- 
leute.  3afob  jparber,  ein  ®o^n  bed  Sieutenant  3af ob  §arber, 
ßnfel  bed  3"nftmeifterd  ^eter  §arber  unb  ein  SReffe  bed  Snno 
1525  in  ber  ®d^tad^t  bei  $aoia  gefallenen  Hauptmann  Ulrid^ 
^arber,  quittirte  bad  3unf^^^^  ^^^  ben  Sd^neibern  unb  faufte 
am  $a(mtag  gebadeten  ^af)xt^  bad  ©efeüfc^aftdred^t. 

Sencbift  Surgauer,  Med.  Dr.  unb  ©tabtarjt,  ©o^n 
bed  ^farrerd  Senebift  Surgauer,  gebürtig  oon  ®t.  ©allen,  mürbe 
anno  1559  ©efeöfd^aftdgenoffe. 

!£)er  (Sinoerleibung  ber  ^^amilie  ©creta  oon3<iDO^S^S^u^ 
Sd^men,  im  Sal^r  1637,  ifl  fd^on  oben  (©eite  22)  ermo^nung 
gefd^e^en. 

^a^  ©efd^led^t  ber  @gloff  mar  nur  23  ^afjxt  bei  ber 
©efeüfd^aft  oertreten.  3o^<tnn  Sonrab  @gloff,  Sanquier  oon 
©ottrieben,  f  1850,  ermarb  badfelbe  5lnno  1827. 

3m  3a^r  1833  mürbe  bergürfi  SKarimilian  oon  t^urn 
unb  jCarid  aid  (S^renmitglieb  in  bie  ©efeUfd^aft  aufgenommen. 


71 

rotidft  S^tenbejeugung  oon  @r.  ^Durd^taud^t  am  4.  ;3<Knuar  1834 
fd^riftltd^  oerbanft  lourbe. 

I)ic  3lufna^me  ber  gömilic  x>an  SSloten  auS  Utred^t,  im 
3a^rc  1836,  bercn  ^icfiget  StammDatev  nod^  unter  una  lebt, 
bilbet  ben  @d^(ug  ber  ©efeQfc^aftdoerlet^ungen. 


Sünft^alb  3<t^^^itnberte  liegen  jmifd^en  bem  erfien  WtiU 
glieberoerjeid^nife  unb  bem  je^igen.  S)ie  ©efeHfd^aft  barf  fid^  im 
Sttgemeinen  il^rer  ©enoffen  freuen,  meldte  oon  ?lnfang  an  biS 
)ur  @egenmart  ein  Streben  nad^  (S^re  unb  Sraud^barfeit  ju  Sage 
gelegt  l^aben  unb  bei  aQen  mid^tigen  Unternehmungen  il^ren  SRit- 
bürgern  mit  gutem  Seifptel  oorangegangen  ftnb.  @ben  biefe  Sraud^^ 
barfett,  gepaart  mit  (S^renfefHgfeit,  bot  iBeranlaffung,  bag  fo  viele 
SDtitglieber  mit  ben  wid^tigflen  @teQen  im  9tegiment  beehrt  unb 
mit  fo  t)ielen  emflen  9(uftragen  unb  Sotfd^aften  betraut  mürben. 

@d  märbe  gu  meit  fül^ren,  xooUtt  man  aQe  oor^üglic^eren 
SRitglieber  mit  i^ren  Seifhingen  aufj&^len ;  um  inbeffen  ben  ^ranj 
ber  bereits  enoäl^nten  (Selebritäten  )u  oerDoUflanbigen  unb  aud^ 
ben  9}ertretern  ber  S^eologie,  ber  SDtebi^in  it.  f.  m.  9}ed^nung  }u 
tragen,  mögen  l^ier  nod^  einige  oerbiente  unb  berühmte  äRänner 
ber  frül^eren  B^t  ßrmal^nung  ftnben  unb  bamit  ber  @runb  gelegt 
merben  }u  einer  (S^rentafel  ber  ©efellfd^aftdgenoffen  )un  itauf- 
teuten. 

SoSmaS  $ol}ad^,  Med.  Dr.  oon  S3afel.  %l^  ©tabtarjt 
9(nno  1559  l^ie^er  berufen,  mirfte  er  fegenSreid^  bid  an  fein 
Sebendenbe  1595.  SBai^renb  faft  40  l^a^ren  betleibete  er  bie  ©teOe 
eines  ilRitgliebS  bed  ©d^ulratl^d  mit  unermflblid^em  (Sifer. 

2:obiad  Stimmer,  jtunflmaler,  geb.  7.  Stpril  1539, 
t  1582. 

«bei  Stimmer,  ©laSmater,  geb.  7.  3um  1542. 

g^riflopl^  Stimm  er,  gormf c^neiber ,  geb.  17.  SWärj 
1549. 


/ 


72 

Sofia«,  Stimm  er,  Äunflmalcv,  geboren  24.  gfebruar 

1555.0 

^ie  Seifhingen  biefer  ©ebrüber  fmb  ju  befannt,  al8  bafe  eine 
2lufja^lung  berfelben  nid^t  füglid^  l^ier  wegbleiben  bürfte.  3m 
Saläre  1569  unb  1570  malte  $:obia8  Stimmer  ba8  ^anS 
pm  diitter  fflr  $an8  oon  SBalbfird^.  9}on  il^m  beft^t  man  aud^ 
eine  felbfl  „geflellte",  mit  geberjeid^nungen  gefd^müdte  ,,6omebia*, 
betitelt  ,^ein  nüro  ©d^impffpiel  oon  jroeien  jnngen  ©eleuten*  ic. 
oom  ^a\)Xt  1580. 

3o]^ann  SBill^elm  3iegtcr,  ©tattl^alter ,  geb.  1574, 
f  1653.  6r  mar  ein  umfid^tiger  unb  fleißiger  ©ammler  Don 
äRaterialien  gur  ©efd^id^te  ber  @tabt  @d^aff^au|en.  9}on  i^m  ifi 
eine  Sebendbefd^reibung  beS  ^auner^errn  Qaw^  ^m  £^urn,  nebfl 
Serid^t  über  ben  Urfprung  ber  gömilie  3m  I^um,  Slnno  1611 
im  S)ru(t  erfd^ienen.  ^ür  bad  ^rd^io  bearbeitete  er  eine  ^aud? 
ffl^rlid^e  93efd^reibung  bed  Soruberjugd  ber  mSd^tigen  Jta^ferlid^- 
®panifd^<  imb  Sa^erifd^en  ^rmeeen  an  ben  ©renjen  ber  @tabt 
unb  Sanbfd^aft  ©d^aff^aufen/   1633. 

$einrid^  ^e^er,  Hauptmann  unb  Sau^err,  geb.  1621, 
t  1690.  Grbauer  beä  Oberl^aufed  für  feine  eigene  9fed^nung.  ©r 
ifl  ber  55erfertiger  ber  großen,  mit  ben  SBappen  ber  SKitglieber 
bed  kleinen  9iat]^d  umgebenen  ^arte  bed  jtantond  ©d^aff^aufen, 
loeld^e  bad  l^iefige  antiquarifd^e  ©abinet  ^iert.  ^nno  1 685  mürbe 
biefe  mertl^ooHe ,  für  bie  bamatige  3«^  f^^^^  genaue  Äarte,  in 
etmad  tleinerem  SRagflabe,  oon  f^elir  Wlti^tv  oon  SBintert^ur 
rabirt. 

Sol^ann  ©onrab  ^e^er,  Med.  Dr.,  ©ol^n  bed  Ob^erm 
gteid^en  SRamend,  geb.  1653,  f  1712.  @r  mar  einer  ber  bebeu= 
tenbflen  Slerjte  ballier,  roeld^er  burd^  bie  ©ntbedfung  ber  S^rüfen 
im  B^Btffing^barm  (Glandulae  Duodeni)  in  ber  mebiginifd^en 
©elt  Sluffel^en  erregte.  SReben  feinem  ©ruber  Sol^anned  ^e9er 
mar  er  ^rofeffor  am  ^ieftgen  Collegium  humanitatis,  beffen  Sel^r^: 


*)  3)ie  ©eburtdtage  fmb  ben  bi^f^g^n  2^aufregiftem  entnommen. 


X       73 

fad^er  aUt,  mit  ^luSna^me  ber  t^eologifd^en,  burd^  biefe  @ebrüber 
bocirt  lourbcu. 

3oel  §einri(§  '^tr)zx,  V.  D.  M.,  gcb.  1674,  f  1748. 
3öav  beiitfc^cr  "^JfaiTev  in  @cnf  imb  franjofifd^er  ^farter  bonier. 
Xnxd)  feine  Stiftungen  ju  ®unflen  ber  ©tubitenben  ber  I]^eo= 
logte,  bed  fran^ofifc^en  Jilrc^enfonbd  u.  f.  n).  ^at  er  ftd^  ein 
bantbareö  2lnbenfen  erworben. 

3o^ann  6^onrab  äi^S^cr,  (Sanbibat  ber  i^eologie, 
geb.  1692,  f  i731.  (?in  aRann  oon  foliber  löiffenfd^aft  unb 
tiefer  ^eligiofitat ,  rourbe  nic^t^beftoroeniger  mit  fünf  anberen 
©eiftlic^en  9nno  1717  n)egen  bed  Separatismus  remooirt  unb 
jroar  beoor  i^m  ein  C^rameu  abgenommen  roar.  6r  ifl  ber  ^Jer^ 
faffer  beS  oon  befagten  Öeifllic^en  2(nno  1721  bur(§  ben  Tnxd 
DeroffentUd^teu  „^eugnift  ber  SBa^r^eit"  unb  mehrerer  fd^önen 
Äirc^enlieber  unfercö  (:>Jefangbu(§ed. 

Sauren^  oon  3Batbfir(§,  V.  D.  M.,  ^^Jfarrer  am  ÜRünfler 
unb  iriumoir,  geb.  1699,  f  1759.  SSerfaffer  einer  roert^ooHen 
S^ronif  in  ^roei  Sänben,  betitelt:  äRerfroürbige  Segebenl^eiten  ber 
Stabt  Sd^aff Raufen. 

6onrab  ^l>e9er,  geb.  1707,  f  1768.  3»  aßarburg 
fiubirte  er  bie  ^{ed^tdroiffenfc^aft  unb  biente  ber  ^aterftabt  als 
Urt^eilfpred^er  unb  alS  3Rttglieb  beS  ©rogen  ^at^S.  3u  äßieS^ 
^ol^  bei  >Kamfen  befag  er  ein  Sanbgut,  in  beffen  Idnbtic^er  StiQe 
er  gerne  roeilte.  Dafelbfl  fc^rieb  er  ,,beutfd^®ebid^e,''  meldte 
Snno  1748  im  3)rucf  erfd^ienen  unb  i^m  mannigfaches  Sob  unb 
SLnerfennung  einbrachten.  3)ur(^  bie  Slufmerffamteit,  roeld^e  er  ber 
Sluffinbung  eines  SernfteinS  ^u  SBieS^ot)  fd^enfte,  gab  er  "Ser- 
anlaffung  )u  einer  roertl^ooQen  Slb^anblung  beS  Med.  Dr.  !3o^. 
©eorg  ©tofar  Aber  biefen  @egenflanb. 


74 


8cU«gc  a. 

itB  tft  ätt  f^tßltn  gttfrat  der 
Sanfen  maler  (lO)  und  fmer  (^roiven  ift  in  geantururt 

vj  feria  post  margrethe  a®-    1431. 


$t  iij  groR  kffel. 

jit.  iij  |tlig  kfffel.  ') 

It.  j  kUin  keffel.  >) 

It.  iij  erin  l^ifen. 

3t.  j  grofir  pfanncn. 

Jit.  iij  ftlio  pfannen. 

It.  ij  Iff n  fplf.  >) 

It.  ij  rö|l. 

It.  ij  triffifT. 

It.  j  ifin  r^ttfel. 

It.  j  f^trtvam.  M 

It.  iij  t)<lboi(rtrttig  kanttn.  >) 

It.  ij  kopfcUig  kanten.«) 

It.  ij  ^iptn  (9(efte). 

It.  j  gie(rr«R 
It.  j  bfkkt. 

It.  ij  »alien. ') 

It  j  kä^f :  «T 

It.  iij  grolT.  nipf. 

It  vij  groir  teUer. 

It  ij  grolf  rot  f^ttlfelen. 

It  j  gemaUti  r^filFel. 

It.  xzviy  flayer  fd^uffUn. ') 

It  Lxxxv  teller  un6  furtellen.  <») 

It  xwij  «off  Wöfflen. ") 

It  »ij  fenf  r^ufflen. 

It  j  fall  r^uffel  mit  vj  r^fiffltnen. 

It  iij  ipn  loffet 


It.  ij  fixLit^in  loffet 

It  V  imelyellen. 

It  ij  lang  ffir^melyeUen. 

It  ij  tlfd^lacken. 

It  ij  Mil^tn  tu4.  **) 

It  ij  tifd)  ?ur<iiR(n  gelatt 

It  ij  reiben. 

It  ij  taffellcn  lang. 

It.  ij  lang  aid^tn  fifit 

It  ij  falben  flül. 

It  j  gejettt 

It  j  raiff  trog. 

It  j  raiff  ftupk. ") 

»t  viiij  trifpil^. 

It  ij  ifin  nieggcn.  ^*) 

It  V  köpf. 

It  xlj  bed^er. 

It.  xxviiij  glefer. 

It  ij  Tpil  brett 

It  Ü  niif}Mvttt  >') 

It  j  ^albrett 

It  j  poarie  taffel. 

It  j  naffergelt 

It  j  gelt  ba  mail  niaffer  in  tut  »ere 

min  fer  kfilen. 
It  j  l^akbank. 
It  j  etrog. 
|t.  vj  ;^rmbrttfl. 


^)  ji^idf  getv&^nlic^er,  b.  ^.  mittleter  (^röge.  ^)  Slnno  1450  aid 
„3if*fcffcli"  bcaei*nct  »)  ©ratfpiefe,  1575.  •)  ipcrbra^mc.  *)  4  STOoJ 
^altenb.  •)  2  mai  ^altenb.  ')  ^Alen  1486,  ^elen  1524,  ^50  1573,  eine 
Ölutfifte,  über  welche  IBrotpfannen  gelegt  tourbcn.  »)  Äupfemcr  aBaffer* 
f Rapfen.  »)  a^iefierf^üff lan  1460.  ")  SurtcUen,  Surfeln,  ®abeln.  ")f leine 
e(^ümau,1460.  »«Ji^^ecttu*  für  einen  runbenJifct  ober  ©*eibe.  ")„®e- 
fteü  fo  uff  oinen  SRaiff  wagen  gehört"  1486.  ")  eifeme  Äeile.  ")  @<6af- 
aabel,  Scbad^fpiel. 


75 


8cU«ge  b. 

S^ractir-llodel 

U^onncrftagd  iiiib  greitag«  ben  5.  imb  6*  December  1689  finb  nad^ 
fle^altencr  9tc(§nung  oolgenbe  ©peilen  Dcrbraud^t  roorbcn  unb  Sofien 


100  ft  33i^ot^  ^  12  SRpn. 

•     .         « 

. 

P.    8.  -. 

16  ©aßen      .      *  . 

• 

„  13.  14. 

100  It  ÄelberiS  ä  14  $f 

ng.     . 

. 

,     7.  43. 

2  gammer^  SSierling 

. 

,     1.  20. 

39  %  2äd^8  ä  12  rr. 

. 

»     7.  48. 

71  Sratroürfl  ä  5  fr. 

• 

ff       0,    00. 

pr  ®pe(f 

« 

ff      z»        . 

4  %  Äer^en 

• 

.  -.  48. 

Äö^l 

• 

f,  — .  28. 

ärocgflen  . 

t                i 

> 

.   -.  16. 

3  %  JRinbpeifd^    . 

'                1 

.   -.  14. 

@alat^     . 

• 

„     1.  -. 

28  "S^oi^tt  ©öfteren  (©acfroerf) 

• 

„     1.  39. 

92(inen     ,         ,        .         .         . 

« 

„   -.  26. 

©empf     .... 

»                 < 

» 

„   -.  14. 

®en)ürt  unb  Zitronen 

• 

• 

.     2.  -. 

Den  auf  äüartern 

•                 < 

» 

„     1.  12. 

T'tx  @(l^ü)fe[n)af(^ern 

• 

» 

„  -.  40. 

pr.  ben  Xifd^  $(unber  ju  wa^^tn 

. 

„     1.  -. 

Äoc^erlo^n         .... 

. 

,     4.  -. 

.  Summe 

i  p.  59.  57. 

2)ie  werben  bcjal^lt  wie  l^ernad^  folget.  — 

IBon  3u»i^«Y  (F^riflop^  unb  9l(eranbei-  %it%ltx  jum 

Äeffel 

^xotx)  ^od^jeitmä^Ier   .... 

P.  12.  — . 

5Son  §err  §anS  ^ö^ob  ©(^ald^en  in  ber  Surg 

ein  ©tubcnlogung       .... 

„     7.  12. 

«u6  Sobl.  ©efettfd^aft  ©efe( 

„     5.  36. 

©obonn  beg  ©rflen  XagS  oon  ')8  ^erfo^nen  ä  19  fr. 

fi  lo.  zz^ 

3)e§  anbem  lag«  oon  53  1 

Jerfonen 

. 

• 

„   16.  47. 

©umma  ff.  59.  57. 


3nl)alt. 


Einleitung 1 

Entfte^ung  ber  (^efeUfc^aft 9 

3)ag  3unfttt}cfcn la 

©cnoerbeiDcfcn d4 

SBe^t*  unb  5ronbicnftpfli*t 25 

Äir*H*c  gcftli*!citcn 31 

®efeaf(^aft(i(^eiS Sa 

Xie  S)appen1(^ilbe  unb  bie  Stintgefc^ine      ...  43 

2)cr  ®cfcflf*aftdfonb 47 

3)ic  fiegate 53 

^ie  betben  (defeQfc^aftö^Aufer 55^ 

3)ie  aJUtglicbcr 62 

Seilagen: 

a)  Snüentarium  be^  ^au^rat^d  t)on  1431     ...  74 

b)  Sroctir-SRobel  »om  3a^r  1689 75 


Aus  der 


volksmässigen  Ueberliefenmg 


det*  Heinuti» 


Von 


P.  Anmnd  Baumgartcn. 


I. 

Zur  volksthümlichen  Naturkunde. 


r 

D 


^ 

V 


Ein  Landesmuseum  setzt  sich  die  Aufgabe,  Kunde  von 
Land  und  Leuten  zu  geben,  in  die  Eigenlhümlichkeit  beider  mit 
einem  Blicke,  welchen  die  Betrachtung  des  heimischen  Wesens 
schärft,  liebend  einzudringen.  Zu  dem  Ende  werden  Archive  durch- 
forscht, Klima  und  Witterung  beobachtet,  Thier,  Pflanze  und  Stein 
wissenschaftlich  beschrieben  oder  in  Sammlungen  zum  Augenschein 
vorgestellt  Waffen,  Münzen  und  Geräthe,  selbst  einer  grauen 
Vorzeit,  in  welcher  längst  dahin  geschwundene  Völker  den  hei- 
mischen Boden  bewohnten  ,  werden  aus  dem  Staube  der  Verges- 
senheit hervorgezogen  oder  dem  neidischen  Schooss  der  Erde  ent- 
rissen. Auch  Geist  und  Gemüth  des  Volkes,  wie  sie  im  Laufe 
der  Zeit  gewaltet  und  geschaffen  haben ,  das  edelste  Erbe  der  ver- 
gangenen Geschlechter,  wird  der  Gegenwart  erhoben  und  der  Zu- 
kunft gerettet.  Geist  und  Gemüth  des  Volkes  aber  spricht  auch, 
und  zwar  nicht  selten  in  den  innigsten  Lauten,  aus  seinen  Mythen 
und  Sagen,  offenbart  sich  am  vertraulichsten  in  Brauch  und  Sitte, 
Glauben  und  Meinung.  Auch  die  Natur  des  Landes ,  Nationalität, 
Religion  und  Kirche,  die  eigenen  Thaten  und  Schicksale  der  Be- 
wohner und  die,  an  welchen  sie,  im  Verband  und  Verkehre  mit 
Stammesgenossen  und  Fremden ,  theU  genommen  haben ,  alles 
diess  findet  darin  helleren  oder  dunkleren  AusdrucL  Daher  ist 
auch  seit  Jahren  fast  in  allen  deutschen  Gauen  das  Bedürfnis  er- 
wacht, die  Quelle  volksmässiger  Üeberlieferung ,  welche  die  Un- 
gunst mehrer  Jahrhunderte  hatte  versanden  und  von  fremdem  Ge- 
strüpp feindlich  umwuchem  lassen,  wieder  zu  reinigen  und,  wenn 
auch  nur  mehr  aus  still  und  spärlich  rieselnder  Fluth ,  daraus  Er- 
kenntniss  des  eigenen  innersten  Lebens  des  Volkes  zu  schöpfen, 
den  poetischen  Sinn  desselben  in  seinem  geheimen  Wehn  zu  be« 

1* 


lauschen,  in  seine  Kultur-  und  Sitlcngeschicble  sich  lebendiger 
zu  vertiefen ,  sein  Lachen  und  Jauchzen ,  sein  Fürchten  und  Ban- 
gen ,  seine  Liebe  und  seinen  Zorn  zu  verstehen ,  seine  Vorzüge 
und  Tugenden  zu  achten  und  zu  ehren ,  seine  Irrlhümer  und 
Fehler  aufzudecken  und  zu  verurthcilcn.  Diesen  Zweck  suchen 
auch ,  obschon  im  bescheidenen  Mass ,  die  gegenwärtigen  ,  und 
80  Gott  will,  die  künftigen  Beilräge  zu  verfolgen.  Ich  nehme  mit 
ihnen  nur  den  Namen  eines  Sammlers  in  Anspruch.  Es  braucht 
wol  nicht  erst  der  Entschuldigung,  wenn  ein  Sammler  seine  Zusam- 
menstellungen in  zwangslos  nalürhcher  Folge  verknüpft  und  nur 
relative  Vollständigkeit  erreicht ;  sowie  es  sich  leicht  begreift ,  dass, 
wer  sich  einschlägigen  Arbeiten  in  der  gewählten  Form  *)  unter- 
zieht, die  Grenze  nicht  immer  haarscharf  logisch  zu  stecken  ver- 
mag, mitunter  an  Wiederholungen  slreill,^)  oder  doch  bald  vor- 
wärts ,  bald  zurück  zu  weisen  genölhigct  wird.  Wenn  hin  und 
wieder  Erklärungen  dem  wissbegicrigen  Leser  es  andeuten ,  worin 
der  Werth  des  volksmässig  Ueberlieferlen  für  die  deutsche  Mytho- 
logie besteht,  ist  es  auch  nur  auf  Andeutungen  abgesehen.  Den 
Vorwurf,  was  ich  hier  miltheile  oder  später  mittheilen  könne, 
stimme  und  werde  mit  dem  im  übrigen  Deutschland  bereits  Auf- 
gefundenen im  wesentlichen  grosstheils  übereinstimmen,  fürchte 
ich  nicht  ernstlich.  Einiges  könnte  doch  unbekannt  sein,  dem  schon 
bekannten  wird  nicht  unwillkommene  ßcslätigung  zu  theil  und  je- 
denfalls dürfte  meinen  engeren  Landsicuten  damit  ein  Dienst  ge- 
than  werden.  Zum  Schluss  danke  ich  allen  Förderern  der  Sache, 
besonders  meinem  hochwürdigen  Freund  und  Mitbruder  P.  Meinrad 
Haas,  aus  ganzem  Herzen  und  ersuche  sie  und  jeden,  der  es  im 
Stande  ist,  um  Gefälligkeit  in  neuen  Mittheilungen! 


*)  Zu  dieser  Wahl  trieb  das  Mass  der  Arbeitszeit. 

*)  Solche  koooten  besonders  in  I.  aus  dem  Aufsats:  »Das  Jahr  und  seine 
Tage,  &.  A.«,  Programm  des  Kremsmünster  Gymnasiums,  1860,  nicht 
vermieden'  werden,  da  dieser  absichÜich  mitunter  ausserhalb  der  selbst 
gezogenen  Grenzen  sich  ergieng.  — 


I. 

Zur  volksthümlichen  Naturkunde. 


^ 


.  Himmel  und  Erde.  'i% 


^.  Xirde,  als  Wellkörper.  In  einer  beinahe  schon 
gänzlich  verschojjc|ifiD  Redensart  heisst  die  Erde  als  Wohnplatz 
der  Lebenden  »Heh^berj(^  %  d.  h.  Höherberg.  Aus  dem  Norden 
Deutschlands  ist  für  das  Todtenreich  die  Benennung  iNieden- 
berg,  Unterberg«   nachgewiesen. 

2.  Den  Himmel  (Steinerkirchen  ^)  steHt  man  sich  als  eine 
ungeheuere  Hohlkugel  vor  und  die  Sterne  als^  Lichllein,  welche 
Abends  von  den  Seligen  angezündet  werden..  —  ^) 

iMit  alt  mythischen  Zijgen  sogenannter  Lügenproben  berührt 
sich  ,  was  einst  ein  alter  Bauer  beim  »Kindswerä«  ^)  den  Enkeln 
erzählte.  Er  gieng  einmal  aus  und  kam  an  ein  Wasser;  dann 
schwammen  Enten.     Nachdem  er  sich  eine  Zeit  besonnen,  fing  und 


I)  aä«  vertritt  in  mundarllicben  Ausdrücken  hier  immer  das  helle  »a« ;  •"« 
deutet  ein  aus-  oder  abgefallenes  »li«,  »*«  andere  aus-  oder  abgefal- 
lene Laute  an;   «ea«   ist  das  durch  die  Nase  g<«sprochene  •!«  oder  »ie«. 

*)  Ohne  weiteren  Beisatz,  ein-  für  allemal  Steinerkircben  im  Traunviertl. 

')  Nach  der  Edda  waren  alle  Gestirne  Feuerfunkeo ,  die  in  dem  Lufträume 
herumflogen,  bis  ihnen  die  Götter  Sitz  und  Gang  anwiesen.  Grimm, 
deuUch.  Mythol.  U.  683. 

*)  Kinder  wahren,  ihrer  wtiien. 


6 

rupfte  er  sie.  Aus  den  Schwungfedern  machte  er  sich  Leiter- 
bäume,  aus  den  Pflaumen  S£rossen^  und  stieg  so  bis  zur  Himmels- 
thür  hinauf.  Da  sie  gerade  offen  stand,  that  er  schnell  einen 
Blick  in  den  Himmel  hinein.  Alles  war  voll  Leute  und  unbeschreib- 
lich schön.  Jedoch,  als  er  hineingehen  wollte,  stiess  der  Wind 
die  Thüre  zu  und  warf  seine  Leiter  um-ttnd  zur  Erde  hinab.  Zum 
Glück  für  ihn  stand  eine  Fuhr  »Maltirt  vor  der  Himmeisthür  und 
darauf  lag  ein  iSäckl  Kleubnt .  ')  Er  knüpfte  sich  nun  die  tKleubm 
zusammen  und  erhielt  so  ein  Seil,  woran  er  sich  wieder  zur  Erde 
hinab  zu  lassen  vermochte.  — 

•S*  HimmUfthoa^c.  Manche  behaupten,  es  thue  sich  bis- 
weilen der  Himmel  auf,  d.  h.  er  thue  sich  so  auseinander,  dass 
man  in  den  »leibhaftigen •  Himmel  hineinsehe.  So  hat  sich  der 
Himmel  einmal  einem  alten ,  frommen  Bauern  aufgethan ,  als  er  an 
einem  schönen  Sommerabend  nac^h  Gewohnheit  sein  Abendgebet, 
im  »Roa^gartenf  herumgehend,  verrichtete.  Er  sah  nemlich  eine 
unbeschreibliche  Klarheit  und  Helle,  die  Sonne  kam  damit  gar  nicht 
in  Vergleich,  es  blendete  ihm  fast  die  Augen.  Doch  dauerte  der 
Anblick  nur  kurze  Zeit;  der  Himmel  that  sich  wieder  zu,  und  es 
war  sternhelle  Nacht,  wie  zuvor. 

^.  Sonnenfinsternis.  ^  Wenn  sich  die  Sonne  verfinstert 
(Altmünster),  ist  der  Teufel  mit  ihr  im  Kampfe  und  sucht  sie  zu 
überwinden.  Anderswo  biess  oder  heisst  es,  der  Teufel  will  der 
Erde  das  Sonnenlicht  nehmen  und  sucht  zu  dem  Ende  die  Sonne 
zu  verdecken;  doch  bringt  er  es  nic^ yölljg  zu  Stande. 


')  Altmythische  Züge  sind  die  Enten,  die  Fuh^  Malter  und  die  Kleien.    Die 
Enten  sind  Wolken ;  der  Wolkenhimmel  ist  eine^  Mühle.     Ein  Kinderreim 
lautet:    Ringer,    ringer,    reiher.  Sin  mir  unser  dreier,  d*    Fischerl    sind 
im   Weiher,    d^Anterl    sjinj   i^m    Obersee,   hupfn   alle   hoch  in  d*  Höh. 
Siehe  später:   »Feuere  und  »Fisch.*   — 

■)  Die  Verfinsterungen  der  Sonne  und  des  Mondes  gaben  tu  dem  Mythus 
Anlass,  dass  sie  von  2  Wölfen  verfolgt  würden,  welche  sie  zu  ver- 
schlingen drohten.     Simrock,  deuUche  Mythologie,  S.  2i. 


Nimmt  man  ein  BScbifflf  M^asser  und  stellt  es  so,  dass  die 
Sonne,  währen^  sie  verfinstert  wird,  sich  darin  abspiegeln  kann, 
siebt  man  diess  genau.  Bei  einer  Sonnenfinsternis  (Steinerkircben) 
will  der  Böse  die  Sonne  wälilling«  *);  schaut  man  in  eine  iLakm, 
so  sieht  man  es,  wie  er  damit  »abhausti.  ^)  Damit  er  nicht 
■überhand  nehme«,  müssen  alle  Geistliche,  alle  Mönche  und  Non- 
nen ,  während  der  ganzen  Dauer  der  Sonnenfinsternis ,  fleissig 
betea»  ^  Anderswo  sagt  man ,  dass  der  Teufel  die  Sonne  prügele, 
oder  auch ,  dass  Sonne  und  Mond  miteinander  raufen.  Häufig 
warnt  man  auch ,  während  einer  solchen  Finsterniss  Wasser  zu 
holen  und  davon  zu  trinken.  Durch  eine  Sonnenfinsternis  (Stei- 
nerkirchen) wird  Weid'  und  Wasser  vergiftet;  man  soll  daher  kein 
Wasser ,  weder  für  Vieh ,  noch  für  Leute ,  ins  Haus  holen  und 
das  Vieh  nicht  auf  die  Weide  treiben,  oder  wenn  es  draussen 
wäre,  unter  Dach  führen  und  so  lange  drinnen  lassen,  als  die 
Finsternis  dauert.  — 

JA^cnn  es  zuglejch^rognet  und  die  Sonnig. scheint,  so  prügelt 
der  Teufel  sein  Weib.     (Sehr  häufig.) 

\Venn  man  (Unteraeh)  am  Ostersonntage  vor  Sonnenaufgang 
in  ((er  «Frei«  auf  dem  lU  oll  erborge«  ^)  oben  ist,  sieht  man 
3  Sonnen  .jaufgehen. 

A.  Mond,  »Ma",  Ma'scher,  Aelrna"'«.  Der  letztere  Name 
schemt  ehedem  allgemeiner  gewesen  zu  sein ;  er  kommt  jetzt  fast 
nur  mehr  im  Munde  sehr  alter  Leute  vor.  Von  dem  roth  auf- 
gehenden  Monde    sagt  man:   Er  ist  »wiar  ä  föoräsjad « ,  oder  ä 


*)  Vertilgen. 

«)  Zanken,  Streiten,  Schelten. 

')  Pillwein  bringt  in  seinem  bekannten  Werke  die  Notiz  bei ,  dass  im  J. 
1706  bei  Gelegenheit  einer  Sonnenfinsterniss  im  Innviertl  noch  öffent- 
liche Gebete  angestellt  wurden. 

*)  Die  Namen  selbst  scheinen  bedeutsam.  Von  dem  HoUerberg  glaubt 
man  auch,  dass  er  einst  das  Dorf  Unteraeh,  das  weder  durch  Feuer, 
noch  durch  Wasser  zerstört  werden  kann,  in  den  See   •hineinUuche«. 


8 

föoi^irö  KugU.  — ^er  Hof  des  Mondes  sowol,  als  auch  der 
Sonne  nennt  man  iRad  oder  Ringf .  ^usser  den  »N^usonntagent 
spricht  das  Volk  auch  von  neuen  MitUyochen  und  Freitagen.  — 

JTon  dem  Monde  erzählte  man  einst  im  MühlviertI  den 
Kindern,  dass  man  in  ihm  einen  Holzhacker  sehe,  den  er,  der 
»^nlmant,  einst  verschluckt  habe. 

ylm  Monde  ist  ein  »Widhacken,  der  an  einem  neuen  Sonn- 
tag »Wid  gehacktf  hat.  Er  wurde  zur  Strafe  hieHir  mit  Hacke, 
Stock,  iBurt  Wid<  und  Reisig  dahin  entrückt;  bei  Vollmond  kann 
man  dieses  alles  deutlich  sehen.  Er  muss  dort  ewig  verbleiben 
und  »Wid  hacken«  bis  zum  jüngsten  Tag.  ^m  Kloster  Lambach 
soll  sich  einst  ein  uraltes  Bild  befunden  haben ,  welches  ein  Weib 
mit  umgedrehtgoiKopf  oder  Hals,  bei  Mondschein  am  Rocken 
sitzend ,  darstellte.  Ein  Zusatz  ')  erklärte ,  es  sei  dicss  geschehen, 
weil  sie  Donnerstag  Nachts  gesponnen  habe.  Jt)cn  scheinenden 
Mond  (Steinerkirchen)  soll  man  nicht  zu  lange  anschauen,  noch 
weniger  bei  seinem  Lichte  arbeiten;  sonst  wird  man  in 
den  Mond  »verzuckt«.  ^)  JMan  hüthet  sich  auch,  aus  einer  Schüs- 
sei  zuessen ,  in  welche  der  Mpnd  scheint ;  dem  Unvorsichtigen 
schwillt  der  Bauch  auf,  oder  er  bekommt,  hat  den  »Mondschein«.  ^) 


')  Dieser  Zusatz  scheint  so  gut  als  die  Einschiebung  des  neuen  Sonntags 
(oben)  aus  einer  Zeit  zu  stammen,  wo  man  gcnöthigt  war,  bereits  un- 
verstündlich  Gewordenes  sich  neu  zu  erklären.  Doch  weist  selbst  der 
neue  Sonntag  auf  Verbindung  mit  dem  Monde  hin.   — 

^  Hiemit  ist  die  unmittelbar  vorausgegangene  Erklärung  gerechtfertigt  und 
die  Ansicht  Simrock's,  d.  Myth.,  S.  Si,  begründet,  die  Sage  von  dem 
Manne  im  Monde  hänge  mit  der  alten  Heiligkeit  des  Mondscheines  zu- 
sammen.  Wol  darum  haben  auch  die  Messer ,  in  deren  Klingen  3  oder 
9  Mondscheine  eingegraben  sind,  besonderen  Werth.  Dass  neben  den 
Monden  eben  so  viele  (christliche)  Kreuze  eingezeichnet  sind,  spricht 
eben  für  die  heidnische  Anschauung  von  der  Heiligkeit  des  Mond- 
scheines. 

•)  Diese  Anschwellung,  »der  Mondschein»  steigert  und  mindert  sich  mit 
zu  -  oder  abnehmendem  Monde. 


JiTon  Speis  und  Trank ,  welche  der  Mond  bescbeint ,  (Steinerkircbcn) 
soil  man  nicht  geniessen;  man  wird  sonst  »mondscheinigt.  — 

Auch  in  der  Viechtau  wusste  man  vor  Zeiten  von  einem 
Mann  im  Monde ,  der  Reisig  mache^  um  damit^  Abends,  die  glernc 
anzuzünden.  Eine  vielleicht  nur  den  Viechtauern  eigene  Vorstel- 
lung war  es,  dass  sie  von  dem  Monde,  war  er  unh}r.J[a^s  sicht- 
bar, sagten,  er  komme  aus  dem  Bado  und  Iroikene  sich,  und 
wenn  er  sich  verfinstere,  so  schliefe  er  aus  dem  Wams  und^lege 
ein  neues  an. 

j(Steinerkirchen  und  Umgebung)  Der  Neumond  heisst  der 
»jungö  Man«,  der  abnehmende  aber  der  »altü  Man«.  Der  junge 
und  alte  Man  Ireten  bei  vielen  Verrichtungen  und  Arbeiten  be- 
stimmend auf.  Ackern ,  Säen ,  Dreschen ,  werden^  nur  im  alten , 
andere,  z.  B.  Mähen,  nur  im  jungeiLÜan  vorgenommen.  — 

.5.  Sterne.  Das  Sternbild  des  grossen  ßär^n  heisst  der 
»Hin^Ugng«,  die  3  abstehenden  Sterne  die  »Deichsel«  und  der 
kleine  Stern  über  dem  mittelsten  in  der  Deichsel  das  iReiterU. 

^uch  die  Milchstrasse  hört  man  den   »Hörweg«  ')  nennen. 

^Sie  heisst  auch  die  »Himmels^u  und  in  Steinerkirchen 
die  »Romstrasse«, ^)  und  man  erklärt  diesen  Namen  damit, 
dass ,  wer  ihr  nachgeht ,  geraden  Wegs  nach  Rom  kommt.  —  Eine 
mit  den  Schwänken,  deren  Gegenstand  der  heil.  Petrus  geworden 
ist,  verknüpfte  Erzählung  lautet,  dass  der  Herr  einst,  als  er  mit 
Petrus  auf  Erden  wallte ,  nach  einer  Milchsuppe  verlangt  habe. 
Voller  Hast  lief  Petrus  darnach ;  aber ,  imiem  er  sich  nicht  vorsali, 


*)  Heerwagen  und  lleerwog. 

•)  Nachdem  (Wolfg  Wenzel  in  der  Germania,  VI.,  2)  die  uralte,  aus  Asien 
stammende  Vorstelluug,  dass  die  Seelen  aus  dem  Himmel  auf  dem  Wege 
der  Milcbstrasse  zur  Erde  herabkommen ,  auch  für  die  d.  Myth,  nachge- 
wiesen ist,  drangt  sich  unwillkürlich  die  Frage  auf,  ob  mit  der  Benen- 
nung «Romstrasse*  nicht  auch  die  Redensart  im  Zusammenhang  sei,  das^ 
die  Wöchnerinnen  nach  Rom  reisen? 


10 

geschah  es,    dass  er   auf  dem   Rückweg   stolperte  und  von  der 
Milch  ausgoss.     So  entstand  die  Milchstrasse.  ') 

Zu  den  Gestirnen,  welche  bei  uns  volksthiimliche  Namen 
haben,  gehören  auch  3  Sterne  im  Orion,  der  »Petei^stabi  oder 
■PetexsslaffeU   ^)  genannt.  — 

In  sternhellen  Nächten  soll  man  nicht  zu  lange^  MXjfn  Himmel 
aufschauen;  denn  würde  man  zufällig  sein^^.xigi^u^ Sternes  ansich- 
tig, man  stünUe^tjult  zu  Boden  nieder.    (Kremsmünster).   — 

Wenn  du  Nachts  gehest,  verlautete  es  einst  in  Altmünster, 
und  das  Firmament  anschauest ,  sollst  du  ja  niclU  die^Sterne  zäh- 
len ;  denn  jeder  Mensch  hat  seinen  Stern ,  und  wenn  du  zufällig 
den  Deinen  njitzählst,  so  bist  du  todt.  —  (Steinerkirchen).  Wer 
seinen  Stern  zählt ,  auf  den  fällt  er  nieder  und  veiitfennt  ihn.  — 

Mit  dem  astrologischen  Glauben,  der  nicht  nur  in  Palästen, 
sondern  auch  in  Hütten  Eingang  gefunden  hatte,  hiengcn  die 
»Planetenbüchlein«  zusammen,  welche  eines  hohen  Ansehens 
unter  dem  Volke  genossen,  und  auf  die  noch  manche  verbreitete 
Meinung,  z.  B.  dass  die  im  Zeichen  des  Widders  gebornen  Kinder 
nicht  reich  werden,  zurückzuführen  ist.  Sie  geben  die  Art  und 
das  Wesen  der  Planeten  an ,  ob  sie  hitziger  oder  kälter ,  trocke- 
ner oder  feuchter  Natur  seien,  welchen  Göttern  der  Alten  sie 
heilig  waren ,  welche  Thiere ,  Pflanzen  und  Steine ,  Organe  und 
Glieder  des  menschlichen  Körpers ,  Farben  und  Zahlen ,  Anlagen 
und  Triebe  ihnen  gleichsam  zugehören ,  und  daraus  wird  Charakter 
und  Geschick  dessen  prophezeit,  der  unter  diesem  oder  jenem 
Planelen  geboren  ist.  Von  den  Planeten  gehen  diese  Büchlein 
über  zu  den  Monaten  und  oflTenbaren,  mit  Hinsicht  auf  die  Zeichen 
des   Thierkreises    u.    dgl. ,    was    für   Speisen    und    Getränke    nach 


')  Here,  die  Gemahlin  des  Zeus,  zornig  über  den  ihrer  Brust  untergelegten 
Hermes  oder  Herakles,  bildete  durch. ihre  am  Himmel  verspritzte  Milch 
einen  weiss  glänzenden  Kreis. 

*)  In  Skandinavien,  einst  Spindel  der  Frigga;  mitliin  Uebertragung  der  heid- 
nischen Spindel  auf  den  heil.  Apostel.    Grimm  d.  Mylh.  H.,  690. 


11 

Monat  und  Tag  die  gesündesten  seien,  welche  Arbeiten  und  Er- 
götzungen nach  Monat  und  Tag  dem  Menschen  am  meisten  ent- 
sprächen. Den  Schluss  machen  gewöhnlich  einige  iPraxikac, 
Mittel,  zu  erfahren,  wer  von  zwei  Eheleuten  zuerst  stirbt,  wie  viele 
Kinder  ein  Ehepaar  bekommt  und  dgh  Selten  fehlt  die  Mahnung, 
auf  die  wahren  Sprüche,  welche  darin  enthalten  seien,  wol  zu 
achten  und  sich  in  seinem  Tbun  und  Lassen  genau  darnach  zu 
richten. 

J^,  Komaty  »Kumöt,  Kumötste'n«.  Sie  wurden  und  werden 
noch  als  Vorboten  drohender  Landplagen  angesehen.  Den  Schweif 
nennt  das  Volk  einen  »brennenden  Besen  oder  Schaubc,  eine  »Ruetn«, 
ein  I feuriges  Schwert •;  es  sieht  in  ihm  eine  »Zuchtruthe«,  welche 
Gott  den  Menschen  vorläufig  zeigt ,  um  sie  zur  Bekehrung  aufzufor- 
dern. Besonders  deutet  ein  Komet  Krieg  an ,  der  ohnediess ,  wenn 
er  länger  währt,  die  übrigen  Landplagen,  »grosses  Sterben •,  Miss« 
wachs,  Theuerung  und  Hunger  mit  sich  führt.  Mitunter  werden 
diese  Plagen  nicht  nebenbei,  sondern  ausdrücklich  und  auch  un- 
abhängig vom  Kriege ,  aus  der  Erscheinung  des  Kometen  vorge- 
deutet.  Auch  ist  die  Richtung  des  Schweifes  bedeutsam.  Von 
ein  Paar  Kometen,  welche  in  den  Kriegsjahren  am  Ende  des  vo- 
rigen und  zu  Anfang  dieses  Jahrhunderts  erschienen,  erzählten 
alte  Bauern,  dass  der  erste  sein  Schwert  übers  Reich  und  über 
Oesterreicb  gerichtet  habe  und  es  daher  im  Krieg  immer  schlechter 
gegangen  sei.  der  letzte  aber  (wol  der  vom  Jahre  1811)  habe 
seine  » Ruetn f  übers  Frankreich  hingehalten;  von  da  an  seien 
»die  Unsern  all  weil  vorgeruckt  i. 

Die  Jahre  1858  und  1859  führten  diesem  Glauben  neue 
Bestätigung  zu.  ^icht  selten  trifft  man  den  Vergleich  mit  einem 
»Wiesbaume«.  Der  Stern,  dem  die  heiligen  3  Könige  »nachzo- 
gen«, ist  nach  alten  Weihnachtslicdern  ein  Komet  gewesen.  Ein 
Hirt  sagt  davon: 

Wierä  Wishäm  is  ä  gwösn, 

Abä  zodät  umädum , 

Han  oft  vo"  Komötn  glösn, 

Dös  war  halt  ä  woldäs  Drum.  — 


12 

.7.  Hordlieht,  •&  Liechln  oder  i  Rein«  am  Himmel.  In 
ihr  sieht  das  Volk  ebenfalls  ein  »Himmelzoachä«,  das  ihm  einen 
sehr  blutigen  Krieg,  ein  entsetzliches  Blutbad  verkündigt,  das  Gott 
in  naher  Zukunft  unter  den  sündigen  Menschen  anrichten  werde. 
Die  Röthe  ist  das  in  Strömen  fliessende  Blut ,  die  einzeln  oder 
mehrfach  aufschiessenden  Strahlen  oder  Strahlenbündel  sind  das 
göttliche  Rachcschwert.  Dabei  sind  Bewegung  und  Forlschritt  be- 
deutsam. Das  in  der  Charwoche  dos  Jahres  1859  beobachtete 
Nordlicht  schritt  in  seinem  Ausgange  von  Nordwest  gegen  Nord- 
ost vor,  und  bald  darauf  brach  von  Westen  her  der  Krieg  mit 
Frankreich  aus.  Eine  verwittwetc  Söldnerin ,  Multm:.  mehrerer  roi- 
litärrdhiger  Söhne,  kam  damals  weinend  zur  Nachbarin  und  klagte  : 
■  Das  wird  halt  mc  A  ßluatbad  a^zoagn;  v^leicht  is  insä  Bluat  ä 
da  Scilla"  diib.lt  ! 

y6.  Sternschnappen I  »Sje*nreispan«.  Sie  sind  die  noch 
glühenden  BReispn«  *)  von  den  Sterniichtcrn.  In  der  Viechtau 
galten  sie  als  die  abgebrannten  Dochte,  welche  der  Mond  auf 
dem  Wege  durchs  Firmament  zur  Erde  herabwirft.  —  Was  man 
sich,  während  man  eine  Sternschnuppe  fallen  sieht,  wünscht, 
das  geht  in  Errüllung.  In  Steinerkirchen  heisst  es:  kann  man 
während  des  Falles  einer  Sternschnuppe  3mal  sagen :  ich  wünsche 
mir  den  Himmel,  so  kommt  man  gewiss  hinein.  Demjenigen, 
welcher  auf  der  »Los  stehti,  verkündet  eine  Sternschnuppe  den 
Tod  eines  gekrönten  Hauptes.  — 

9,  Begenbogen.     Wo  seine  beulen  Enden  auf  der  Erde  auf- 
stehen ,  dort  findet  man  einen  Schatz.     Oder :  wo  ein  Regenbogen 
»niedergeht«,  (Buchkirchen),  liegt  ein   iHeort«.')  — 


*)  Unter  ' Reispn »  verstellt  das  Volle  eine  üüiine,  in  versctiiedenen  Win- 
dungen sich  zusammendrehende  Kohle,  welche  beim  Brennen  von  Kinn- 
spSnen  sich  bildet.  Auch  sie  ist  nach  ihrer  Form  mehrfach  vorbedeut- 
sam, in  Befug  auf  Leben  und  Tod,  Heirat,  Besuch  u.  dgl. 

')  Hort.  Das  lange  »o«  lautet  diphthongisch  und  zwar  wie  ^o,  der  Um- 
laut von  6  —  ^o  ist  tßi.  — 


13 

JSagt  ^^>A9nd»  dort  seli*  iolu-itm^  Regenbogen,  so  ärgert 
sich  über  das_  der  Teufel  und  suckt  i»-  nachzumachen ;  es  gelingt 
ihm  jedoch  nie  völlig,  dalter  erschcioi^ofLßio  zweiter  (Neben- 
Regenbogen) ,  der  aber  stets  blasser  und  wässeriger  aussieht.  — 
Spricht  man  aber,  da  ist  ein^Jliuimelsring ,  so  ist  des_  Teufels 
Kunst  aus ,  und  es  kommt  kein  zweiler  |kgcnbogen  zu  Slande 
Der  Regenbogen  hcisst  daher  überhaupt  recht  oft  »Himmels- 
rin  g«.  ') 

j(ßuclikirchen,  Hausruckviertl.)  Der  Regenbogen  ist  die  Strasse, 
auf  welcher  die  in  der  Schlacht  gefaljcnen  Soldaten  in  den  Him- 
mel einziehen.  ^) 

R  edensarten    und  R ä t h s e I.     1  —  8  betreflFend.     Oan 

s*   blauö >:an  Himel    ghoassn;   abä  ^rni*§t£igng   kau    ä   sih    sölbi. 

Der  Himmel  ^is  void  Geigng,c  d.  h.  es  herrscht  die  höchste  Freude, 
Lustigkeit.  —  Rän  eäm  is  gleih  ön  Himel  da  ßo*m  aus,  d.  h. 
ihn  bringt  alles,  jede  Kleinigkeit  gleich  aus  aller  Fassung.  ^)  —  Bei 
Sonne  und  Mond  speisen  oder  isich  d^  Sun  ön  Magng  schein 
lassni,  heisst  fasten   müssen^,  hungern.  —  Es  »schei't  mä  Sun  ä 


')  Schon  in  dem  Namen  bricht  die  Vorstellung  cinefl  im  Gewitter  geschmie- 
deten Kleinodes  durch.  — 

*)  Von  den  Soldaten,  welche  in  der  Sclilachl  fallen,  sagt  das  Volk  audi, 
ilass  sie  >Tom  Mund  auf«  in  den  Hunrocl  kommen.  Odbin  nimmt  alle 
vom  Beginne  der  \Vclt  auf  der  Walstatle  gefallenen  Helden  zu  Kindern 
an;  sie  gehen  in  Valhöll  ein,  in  den  Aufenthalt  und  die  Wonne  der 
Götter.  Der  Regenbogen  nimmt  aber  die  Edda  für  eine  himmlische 
Brücke,  »Bifröst,«  die  )»ebende  Strecke  und  lässt  über  sie  die  Götter 
wandeln.     Grimm,  d.  Myth.  IL,  S.  694  und  778. 

*)  Die  erste  der  zuletzt  angeführten  zwei  Redensarten  gebraucht  in  einem 
oberösterreichischen  WeihnachtslJcd  ein  Hirt  von  dem  Sang  und  Klang 
der  himmlischen  Scharen  bei  der  Geburt  des  Herrn.  In  einem  andern 
Lied  erklärt  sich  einer  der  Hirten  damit,  dass  «am  Himmel  gen  gwis 
6i  Bo'm  durih-  gfaln«  ist.  Das  Herumfliegen  der  Engel  in  den  Lüflen 
u.  s.  w.  — 


14 

nu'  ä  mal.  —  Koan  Ste'n  nöd  ham.  —  An  Slen  treibn.  •)  — 
Es  geht  was  durchs  Heu  und  rauscht  nicht.  Die  Sonne.  —  Es 
geht  was  durch  den  Bach  und  wird  nicht  nass.  Die  Sonne.  — 
Was  ist  das  ?  S'  ist  schon ,  seit  die  Welt  steht ,  und  ist  doch 
noch  kein  Jar  alt.  Der  Mond ,  weil  er  immer  neu  wird.  —  Heoh 
erhabo ,  noö  gebarn ,  und  wird  koa*  Jar  nöd  alt  Der  Mond.  — 
Heoch  erhabn ,  krump  gebarn ,  wunderlich  erschaffn.  Der  Regen- 
bogen. — 


B.   Die  4  Elemente. 

Die  Seelen  der  Verstorbenen,  hiess  es  vor  alten  Zeiten  in 
der  Viechtau,  kehren  in  Feuer,  Wasser,  Luft  und  Erde  zurück; 
ist  nun  die  Zahl  der  in  die  Elemente  zurückgekehrten  bösen  Seelen 
grösser  als  die  der  guten,  so  entstehen  wildes  Feuer  (Blitz),  Ueber- 

schwemmungen.  Stürme,  Hisswachs  und  Krankheiten.  ^) 

»■■--- 

aj  Feuer. 

1.  Fütterndes  Feuers.  ')  Wenn  die  Hausmutter  kochte, 
gab  sie  auchdem  Feuer  seine  Speise;  oft  sagte  sie  dabei:  iFeu- 
erl ,  Feuerl,  da  hast  A  dein  Sach ,  An  anders  mal  i  widä  dein 
Sach  recht  macb.f  Beim  Kraj>fenbacken  ^)  (Kremsmünster)  warf 
die  Bäuerin  einen  kleinen,  eigens  hiezu  geformten  Krapfen,  ge- 
wöhnlich den  ersten  oder  letzten,  ins-Feuer^  damit  es  nicht  »aufs 


')  Vielleicht  Ton  den  »SterDsingem«  herrührend.  — 

*)  Gewöhnlich  wurde  die  Seele  nur  als  Lufthauch  oder  Blitzfunke  gedacht. 

')  Das  erste  Feuer  auf  Erden  ist  Blitzfeuer.  Der  Donner-  und  Blitzgott 
auch  Feuer-  und  HeerdgoU.  Auch  das  erste  Schadenfeuer  bt  Blitzfeuer. 
Diese  auf  uraltem  Glauben  ruhenden  Anschauungen  sind  als  massgebende 
festzuhalten.  — 

^)  Ein  aus  Germleig  in  Schmalz  gebackener ,  flachrunder  Kuchen ,  mit  einer 
braunen  Rinde,  die  in  der  Mitte  des  Randes  mit  einem  blasseren  Reif- 
chen oder  Ringe  geziert  sein  soll 


15 

Dach_  laufe«  und  Haus  und^  Hof  verzehre.  Es  geschah  ofk  mit 
dem  Spruche:  •Feuerl,  Fcuerl,  da  hast  dein  Lon,  ^n  andersmal 
bach  ä  md&  schon*.  ')  Ein  alter  Mann  (Kremsmünster ,  auch  Ke- 
maten)  erzählte  vor  Jahren  /  er  habe  einst  Nachts  2  Heerdfeuer  mit 
einaqder  reden  gehurt,  und  das  eine  habe„ bitter  geklagt,  dass 
die  Hausfrau  gar  so  »klueg«  sei  und  ihm  gar  nichts  mehr  ver- 
gönne;  wenn  sie  es  aber  noch  eine  Zeit  so  fortmache,  werde  es 
»wild^werdßft  und  au fs_Dacli laufen«.  Auch^ehj  und  Gries  warf 
man  ins  Feuer,  damit  es  nicht ^ ausfahre <•  So  oft  aus  Schmalz 
gebacken  wird,  wirft  man  das  ersle^ferlj^e.. Stück  ins  Feuer,  aber 
wie  man  sagt,  zu  dem  Ende ,  jlasj^  die  armen  Seelen  ^)  im  Fege- 
feuer etwas  zu  zehren  hätten.  Die  Bäuerin,  welche  Krapfen  bäckt, 
( Wartberg ,  TraunviertI )  wirft  den  ersten  ins  Feuer ,  in  der  guten 
Meinung ,   Gott  ein  Opfer  für  die^  ajmen  Seelen  darzubringen. 

Hie  und  da  ward  das  Feuer  dreimal  im  Jahre  insbesondere 
»gerüttert«,  zu  Weihnachten,  Ostern  und  Pfingsten.  Wenn  nem- 
lich  die  •Störic  gebacken  wurde  (Klaus),  so  buk  man,  zugleich 
mit  ihr,  auch  einen  kleinen  Laib ,  den  man  in  3  Theile  brach ; 
mit  einem  fütterte_man  das  Feuer  am  heil.  Abend ,  mit  den  übri- 
gen an  den  Abenden  vor  deni  Oster  -  und  Pfingstsonntage ,  indem 
man  dabei  jedesmal  das  Wort  Amen  ausprach.  Dieses  Brot  hiess 
dann  auch  das  »Feuerbrot«.  Am  Schluss  sei  noch  bemerkt, 
dass  selbst  Hausmütter,  welche  das  Feuer  sonst  nicht  zu  Tüttem 
pflegten ,  es  dennoch  niemals  unterliessen ,  wenn  sie  die  Störi  oder 
die  Faschingkrapfen  ^  buken. 


*)  Schön. 

*)  Die  armen  Seelen  traten  hier  wol  zunächst  oder  unmiUelbar  nur  an  die 
Stelle  eibischer  Wesen ,  Hausgeister ,  welche  dem  Menschen  hold  waren, 
allerlei  Dienste  Ihatcn  und  dafür  mit  Ueberresten  von  Speise  und  Trank 
bedacht  wurden.  —  Rührend  ist  übrigens  im  Gegensatze  zu  dem  Ver- 
halten so  vieler  Gebildeten  die  Pietät  des  Volkes  gegen  die  Abgestorbenen. 

*)  Beide  erweisen  sich  auch  hiedurch  als  alte  »Festgebäcke«.  Das 
Backen  auf  dem  Heerd  oder  im  Backofen ,  besonders  das  *  Krapfenbacken, « 


Iß 

2.  Das  Feuer  »singLt  llecrd  und  arme  Seelen. 
Wenn  das  Feuer  »singt«,  ^)  entsteht  bald  ein  Brand;  eine  andere 
Deutung  lässt  es  mit  einem  Verdruss  abgehen.  Man  ^irft  zur 
Abwendung^^alz_  hinein.  Andere  erklären  dieses  Singen  als  Weh- 
klage der  armen  Seelen  und  meinen,  das  Salz  "erleichtere  ihre 
Qual.  (Mühlviertl.)  Eine  Magd  hatte  Nachts  etwas  im  Hofe  zu 
thun  und  musste  auf  dem  Wege  dahin  durch  die  Küche.  Da  lag 
auf  dem  llccrd  ein  Haufen  glühender  Kolilcn  und  darauf  sass 
eine  arme  Seele.  Hätte  die  Magd  Brosamen  in  die  Glulh  ge- 
worfen, wäre  die  arme  Seele  erlöst  gewesen  (Steinerkirchen).  — 
Wenn  der  »Dreifuss«,^)  nachdem  schon  abgekocht  ist ,  über  dem 
Feuer   stehen  bleibt ,  müssen  die  armen  Seelen  (darauf  sitzen  und 


wurde  als  oin  Abbild  des  himniljgcheii _  Backens  aiigeselieü.    Der  Gewitter- 
heerd  buk  Segen  und  Fruchtbarkeit. 

Um  unldr  einem  gleich  vom  Mahlen  zu  reden ,  der  Wolkenhiromel 
ward  als  Mühle,  die  Erzeugung  des  Wetters,  besonders  dos  Gewitters, 
als  Mahlen  vorgeslcUt.  So  kamen  Mahlen  und  Backen  auch  m  Bezie* 
hung  zu  Leben  und  Erzeugung  des  Menschen.  Das  Volk  spricht  noch 
scherzend  von  einer  Pelzmühle,  wo  man  die  alten  Weiber  jung  mahlt 
Kinderreim:  •  Müllner,  Müllncr,  Säckärl,  Is  der  Müllner  nit  z*  Haus, 
s*  Riegcrl  vor,  s*  Schloss  vor,  Werfm^  Säckiirl  unters  Thor.>  Dabei 
legen  die  2,  die  gesprochen  und  das  Kind  an  Kopf  und  Füssen  hin- 
und  hergeschwenkt  haben,  es  nieder.  Zu  solchen  und  ShnKchen  Auffas- 
sungen, welche  manches  erklären,  regen  besonders  die  Werk«  Bdie 
Göttenvelt  der  deutschen  und  nordischen  Völker  von  Mannhardt  und  der 
Ursprung  der  Mythologie  von  Schwartz  i    an. 

*)  So  heisst  ein  cigenthümliches  Tonen  aus  der  wehenden  Flamme.  Schon 
die  Griechen  sagten  beim  Knistern  der  Flamme ,  Hefaistos  oder  Hestia 
lache.  Die  Kobolde,  die  himmlischen  Feuergeisler  der  deutschen  Mythe, 
lachen  ebenfalls.  Hier  weinen  sie,  weil  sie  in  der  Vorstellung  sich  zu 
armen  Seelen  wandelten.  — 

* 

')  Der  Dreifuss  ist  ein  alt  beUi|{es  Geräthe,  welches  ebenfalls  mit  Gewitter 
und  Blitz  in  Verbindung  steht  Ueberdiess  tritt  der  Blitz  selbst,  nach 
uralter  Auffassung,  sehr  oft  mit  der  Zahl  5  in  Verbindung.  — 


17 

Qual  leiden.    (Häufig.)  —    Einst  nannte  man  an  der  armen  Seelen 
statt  auch  •  unsere  liebe  Frau«.  0 

S.^Heil.  Florian  Feuerspatron.  Als  »sonderbarer«  ^ 
Patron  vor  Feuersgefahr  ¥rird  allgemein  ein  Landesheiliger,  der 
hejL  Florian,  verehrt.  Man  findet  ihn  häufig  abgebildet,  wie  er 
aus  einem  vollen  iSchäfRc  Wasser  auf  ein  brennendes  Haus  giesst, 
in  der  andern  Hand  hält  er  eine  Ritterlanze ,  von  deren  Spitze 
ein  rothes  Fähnlein  in  die  Lüfte  weht ;  mitunter  zeigt  dieses  auch 
ein  weisses  Kreuz  oder  einen  weissen  Streifen  im  rothen  Felde» 
so   dass   es  an  die  österreiehischen  Landesfarben  gemahnt.  — • 

Damit  hängt  es  wol  auch  zusammen ,  dass  man  wünscht , 
am  Florianitag  ^)  möge  es  wenigstens  etwas  regnen,  damit  es 
das  Jahr  durch  weni|[  »Brünsten«  gebe.  —  Es  ward  auch  an  diesem 


*)  Diess  weist  noch  stürker  auf  die  alte  Heiligkeit  ^es  Heerdes  zurück. 
Wenn  jemand  aus  einem  Nachbarbause  Feuer  holt,  so  wird  ihm,  wenn 
er  fort  ist,  uiweilj^o.  Wasser  nachgeschüttet,  weil  es  nicht  gut  ist,  tom 
HftftrH  K'^ufp  ny^ggiigAhAn    —  Siehe  auch  Wasser,  1.  — 

*)  Besonderer ,  besonders  mächtiger. 

*)  Er  fallt  auf  den_  4^  MaL  An  Frühling  und  Blühen  gemahnt  schon  der 
Name  des  Heiligen.  Diess  und  das  obeBbeschriebene  Fähnlein  an  der 
Lanze,  so  wie  dass  er  in  die  Fluthen  der  Ens  gestürzt  wurde  und  meh- 
rere Züge  aus  seiner  Legende  (siehe  später  »Ochs«),  alles  zusammen 
bewirkte,  dass  er  zum  Feuerpatron,  zunSchst  wol  zun)  Patron  gegen 
das  Blitzfeuer,  wurde.  Das  Feuer  nennt  man  noch  das  rothe  F^hnl, 
noch  sagt  man,  es  giesst,  als  wenn  man's  aus  »Sch4fl*eln«  schüttete. 
In  einem  zwar  komischen  aber  echt  tolksmUssigen  Uede  heisst  Er  der 
»feurige  Mann«,  der  ■  Häuser  anzünden  und  verschonen  kann«.  Seine 
Abbildungen,  natursymbolisch  gedeutet,  bezeichnen  also  den  dem  Blitze 
nachrauschenden  Gewitterregen,  ^amit  ist  die  Existenz  und  Geschichte 
des  heil.  Märtyrers  nicht  im  mindesten  angetastet,  eben  so  wenig  das 
fromme  Vertrauen  auf  die  Fürbitte  der  Heiligen.  Nicht  einer  Vergötte- 
rung der  Heiligen,  nur  der  Anlehnung  der  alten  Götter  an  die  ältesten 
Heüigen,  besonders  Landesheilige,  gibt  dieses  rm6  anderes  Zeugniss. 
Treffend  spricht  hierüber  J.  W.  Wolf  (Joannei  Laicut)  in  der  Vorrede 
zu  den  Beiträgen  zur  d.  Mythol.  S.  XH.  &.  — 

2 


'Ol 


18 

Tage  (Steinhaus)  einst  im  ganzen  Hause  Jcein  Feuer  gemacht, 
oder  man  »feuerte«  doch  erst  um  9  Uhr  »ant ,  damit  daselbst  das 
Jahr  über  »kein  Feuer  auskomme«.  In  einigen,  andere  sagen, 
in  3  Bauernhöfen  in  der  Umgebung  von  St.  Florian  wird  an  dem 
Feste  des  Heiligen  J^einl^'cuer  gemacht,  ja  nicht  einmal  ein  Licht 
angezündet,  bis  jemand  aus  den  3  Häusern  dem  Heiligen  in  St. 
Florian  das^» Opfer  gebracht  hat.«  — 

4.  Anzeichen  eines  Brandes.  Wenn  die  Kirchenuhr 
unmittelbar  nacheinander  länger  fortscblägl,  gilt  es  im  Mühlviertl 
als  eiiPÄnzeichen ,  und  man  besorgt  eine  Feuersbrunst.  — 

Schon  zweimal  glaubten  die  Bewohner  einer  Ortschaft  (Inn- 
viertl),  das  Nachbardorf  siehe  in  »hellichten«  Flammen  und  liefen 
fort,  um  löschen  zu  helfen ;  bald  darauf  aber  brannte  wirklich 
daselbst  ein  Haus  ab ,  und  das  ganze  Dorf  stand  in  der  äussersten 
Gefahr.     Dem  ersten  Hause  folgte  io  kurzer  Frist  ein  zweites.   — 

Im  Traunviertl  besorgt  man  einen  Brand  ,  wenn  sich  in  dem 
Hause  »Zwiebrände«,  d.  h.  Späne,  welche  an  beiden  Enden  an- 
gebrannt sind,  befinden.  —    *) 

Wenn  die  Hennen  krähen,  so  krähen  sie  um  Feuer.  (Buch- 
kirchen.) — 

5.  U  n  g  1  ü ck  mit  Feuer. 

Wer  kein  Sonnenwendefeuer  brennt,  der  hat  Unstern  mit 
dem  Feuer.  Auch  der  hat  damit  Unglück,  welcher  am  Himmel- 
fahrts-,  Pfingslsonn-  und  Frohnleichnamstago  bleicht  — 

Wenn  man  einen  Krebs*'  in  das  Haus  bringt,  so  brennt 
dieses  ab.  —  Wenn  eine  Ente  (Allmünsler)  auf  den  Eiern  sitzt 
und  es  Tällt  nur  e  i  n  Junges  aus ,  soll  man  dieses  beileibe  nicht 
am  Leben  lassen.  Denn  geht  eine  solche  Ente_9mal  ums  Haus, 
brennt  dieses  ab. 


')  Das  erste  deute  ich  als  ein  Vorbild  des  himmlischen  Donners,  das  an- 
dere als  das  des  lodernden  Blitzes.  Auch  der  Zwiebrand  ist  mir  ein 
irdisches  Abbild  des  himmlischen,  des  Blitzes.  — 


1» 

Dasselbe  geschieht  auch ,  wenn  Thiere ,  welche  mehrere 
Jungen  auf  einmal  gebären ,  z.  B.  Katzen  und  Schweine ,  nur  eines 
werfen.  Ein  solches  muss  man  alsogleich  ersäufen ;  denn  bliebe 
es  am  Leben,  so  müsste  das  Haus  abbrennen,  sobald  es  9mal 
um  dasselbe  gelaufen.   —    ^) 

Verbrennt  bei  einer  Peuersbrunsl _ ein  Hund,  ^  so  brennt 
das  Haus  in  sieben  Jahren  zum  zweiten  Male  ab.  —  (Steinerkirchen.) 
Wenn  bei  einer  Brunst  Hund  oder  Katze  verbrennen,  darf  und 
soll  das  Haus  und  zwar,  ohne  dass  die  »Herrschaft«  etwas  »drein- 
zureden«  hat,  auf  einem  andern  Platze  neu  aufj^eHihrt  werden.  ^) 

Unglück  mit  dem  Peuer  kann  auch  der  haben ,  über  dessen 
Haus  ein  »feuriger  Drache«  fliegt;  solches  hat  gewis  einmal, 
früher  oder  später  der,  dessen  Haus  einen  »Feuerbaum«  hat 
Der  feurige  Drache  ist  wie  ein  Vogel  gestaltet,  aber  der  Leib  ist 
eitel  Feuer;  der  Schweif  ist  so  lange,  als  ein  Wiesbaum,  und 
ebenfalls  von  Flauer ;  das  Thier  speit  auch  Feuer  aus,  und  wenn  diess 
»Gespei«  ajjf  Häuser  fällt,  so  brennen  sie  ab.  Man  pflegt  daher, 
sieht  man  einen  fliegen ,  zu  beten  und  das  heil.  Kreuz  zu  machen« 
Ein  solcher  Drache  aber  lässt  sich  nur  ganz  kurze  Zeit  sehen; 
sein  Flug  ist  auch  oft  von  Saus  und  Braus  begleitet.  (Traun- 
und  Hausruckviertel.)  — 


')  Ente,  Katze  und  Schwein  stehen  (siehe  spSter  »Thiere«)  mit  Gewitter 
lind  Blitz  in  Verbindung.  Der  Krebs ,  der  gesotten  roth  wird ,  ist  der 
vorher  dunkle,  aber  im  Blitzfeuer  geröthete  Himmel.  Aus  dem  »ein« 
erklärte  man  sich  spSter  das,  wofür  man  keinen  Grund  mehr  einsah. 
Was  die  Zahl  9  betrifft,  siehe   »Gewitter.  1.« 

*)  Nebenbei  sei  aufmerksam  gemacht,  wie  derlei  Meinungen  hin  und  wieder 
ohne  darin  etwa  ihren  Ausgangspunkt  zu  haben,  Mitleid,  auch  gegen 
das  Thier,  beförderten.  Der  arme  Kettenhund,  obwol  an  ihm  kein  be- 
sonderer Werth  liegt,  soll  auch  gerettet  werden ;  Schaden  hat,  wer  seiner 
vergisst. 

•)  Wie  der  Donnerkeil  (siehe  später)  nach  7  Jahren  an  eben  derselben 
Stelle  wieder  zum  Vorschein  kommt,  eben  so  Hunde  und  Katzen,  welche 
Bilder  von  Sturm  und  Blitz  sind ;  aber  als  Feuer,  ursprünglich  Blitzfeuer, 
selbst.  — 

2» 


20 

Gegen  Sonnenuntergang  (Innviertl)  fliegt  oft  ein  Drache  über 
die  Dörfer,  mit  einem  Hundskopfe,  breiten  Flügeln  und  einem 
feurigen  Schweife.  Streift  er^  damit  an  einem  Dachfirst  an,  so 
fallen  Funken  ab,  und  das  Haus  fängt  an  zu  brennen.   ^) 

Feuerbaum.  ^)  (Häufig).  Wenn  der  Blitz  in^  einen  Baum 
schfdgt,  verschenkt  man  das  ganze  Holz.  Verwendet  der  Eigen- 
thümer  auch  nur  etwas  davon  für  sein  Haus,  um  z.  B.  Dach  oder 
Thür  damit  auszuflicken ,  schlMgt  der  Blitz  in  eben  dieses  Stück 
ein ,  und  das  Haus  brennt  ab.  In  einem  fremden  Hause  aber 
bringt  es,  wie  immer  verwendet,  keinen  Schaden.  — 

Als  einst  (Kremsmünster)  ein  Bauernhof  abbrannte,  und  der. 
Besitzer  der  Ursache  des  Brandes  durchaus  nicht  auf  die  Spur 
zu  kommen  vermochte ,  auch  Brandlegung  war  nicht  anzunehmen, 
gelangte  er  endlich  zu  dcm^rgebniss  ,  dem  »Feuerbaum  saine 
Zeit  sei  aus. gewesen.!  In  Windischgarsten  heisst  es  in 
gleichem  Sinne :  »d  a  s  H o  I  z  JlslIjlu  s j;«  d i  e  n  1. 1  — 

Ein  Feuerbaum  (Steinerkirchen)  wird  nach  32  *)  Jaren  von 
selbst    brennend  ;    2    dürfen   die   Zimmerleute  bei  einem  Hausbau 


')  Der  feurige  Drache  ist  ursprünglich  der  Gewitterdrache,  ein  Nalurbild 
des  Gewitters.  Er,  dessen  Nahrung  nur  Erz  war,  das  in  seiner  Gluth 
zu  reinem  Golde  schmolz,  der  Getreidesegen  und  Fruchtbarkeit  brachte, 
ist  uns  hier  nur  mehr  als  feuergcrährlich  bewahrt.  Doch  weisen  auf 
seine  ursprüngliche  Art  der  feurige  Schweif  hin ,  die  breiten  Flügel  und 
der  Hundskopf.  Der  Sturm,  Hund,  Ut  mit  dem  Gewitter  verbunden,  er 
geht  ihm  unmittelbar  voran.  Das  Gespei  war  Gold;  feurig  heisst  es 
noch.  Wie  der  Gewitierdrache  am  Himmal  Gold  spie,  speit  die  Kröte 
(siehe  später)  der  Hexe  im  Schmalzkübel  Schmalz.   — 

*)  Der  Feuerbaum  scheint  mir  ein  Abbild  des  himmlischen  Wetterbaums, 
der  baumähnlichen  Gewitterwolke,  welche  den  Blitz,  das  Feuer,  in  sich 
birgt.  Siehe  spater  (Pflanzen)  die  verschiedenen  Donnerkräuter  oder 
Sträuche  4.   — 

•j  Darf  man  an  die  Zahl  50,  mit  der  sich  hin  und  wieder  noch  die  zwei 
verbindet,  denken,  und  zwar  als  an  die  Zahl,  welche  den  Ablauf  der 
Verjährung  bestimmte?  Unfug  und  Unmasse,  biess  es  im  Mittelalter, 
dauern  keine,  also  höchstens  30  Jare.  — 


21 

zur  Seile  schieben,  den  dritten  aber  ipüsscD  sie. einlegen.  Ers^ 
wenn  er_ einige  ^eit  liegt,  darf  man  daran  denken,  ihn  wieder 
auszunehmen.  — 

Ziromerleule  (Kremsmünster)  erkennen  einen  Feuerbaum 
daran,  dass  beim  Behauen  Funken  >•  herausspritzen ;•  sie  können 
solch^Stämme  ausscheiden,  aber  nicht  mehr  als  drei.  *)  Ist  unter 
dem  Bauholz  ein  vierter ,  schlägt  auch  die  Axt  keinejfunken  mehr 
heraus ,  und  es  ist  dem  Haus  einmal  beschaffen ,  einen  Feuerbaum 
zu  haben.  Nicht  jedes  Jiaus  hat  einen  Feuerbaum  ;  das  aber  einen 
solchen  hat ,  muss  einmal ,  zu  seiner  Zejj«.  abbrennen.  — 

Für  einen  Feuerbaum  hält  man  in  der  Grünau  einen 
Baum,  den  der  Blitz  gctrplfcn  hat,  ohne  ihn  bedeutend  zu  beschä- 
digen, abzubrechen  oder  gar  zu  zersplittern.  Um  Kremsmünster 
meint  man,  dass  manche  Bäume  überhaupt  Feuer  in  sich  bergen, 
das  nach  einer  bestimmten  Anzahl  von  Jahren ,  welche  aber  niemand 
weij[Sj_. ausbricht.  — 

Mit  dem  über  den  Feuerbaum  Gesagten  hängt  wol  auch  der 
Glaube  zusammen  (Uttcndorf),  dass,  wenn  auf  einer  Brandstatt 
wieder  gebaut  wird  und  der  erste  hölzerne  Nagel  ^)  beim  Ein- 
schlagen Feuer  gibt,  das  Haus  oder  Gebäude  in  kurzer  Zeit  von 
neuem  abbrenne. 

6.  Abwendung  und  Abwehr. 

Wenn  ein  hölzernes  lUuä  gebaut  wird,  schlägt  man  ,  um 
von  ihm  Feuersgefahr  abzuwenden,  in  den  ersten  Bai- 
ken  ^  eiserne .  Nägel  und  macht  dabei  das  Zeichen  des  heiligen 
Kreuzes. 

Um  einen  Brand  zu  löschen  oder  Gebäude ,  welche  in 
nächster  Gefahr  stehen  ,  von  dem  Feuer  mit  ergriffen  zu  werden, 
hievor    zu    schützen ,  kennt   der   Volksglaube    verschiedene  Mittel. 


*)  Siehe  obco  Anmerkung  zu  Dreifuss.  — 

*)  Kuhn  bat  nachgewiesen,  dass  die  Bereitung  des  sogenannten  Nothfeuers 
in  der  Nabe  eines  Rades  nur  die  Nachbildung  eines  bimmliscben  Pro* 
zesses  ist ,  den  man  in  der  Entzündung  des  Feuers  beim  Gewitter  wahr^ 
zunahmen  glaubte.  — 


-  .^ 


22 

Als  einst  irgendwo  im  Mühlviertel  ein  starker  Brand  ausbrach  und 
alle  Menschenwehr  und  Menschenarbeit  sich  zu  schwach  erwies , 
da  sprach  ein  Bauer  auf  allgemeines  Verlangen  und  sogar  mii 
Einwilligung  des  Pfarrers  den  iFeuersegeuf.  ')  Das  Mittel 
hatte  auf  der  Stelle  Erfolg? nMäiisälT  es,  wie  das  Feuer  dem 
Segner  ordentlich  nachfuhr,  bis  er  es  auf  eine  Stelle  leitete,  wo 
es  aus  Mangel  an  Nahrung  nicht  mehr  um  sich  greifen  konnte , 
sondern  leicht  gelöscht  wurde.  Die  Anwendung  des  Feuersegens 
heisst  auch  das  lAnsprechen  des  Feuers.«  ' 

r  /'.  iZigeuner  und  Wurzngrabä«  ^)  besassen  nach  einer 
'^^  *  •  einst  allgemein  verbreiteten  Meinung  Macht  über  das  Feuer.  In 
Hegau  brannte  einst  die  Kirche  ab ,  und  der  brennende  Thurm 
stürzte  in  den  Hofraum  des  nahe  gelegenen  Bauernhauses,  ohne 
dass  diesem  nur  die  geringste  Gefahr  entstand.  In  dem  iStadU 
nemlich  hatten  die  Zigeuner ,  wenn  sie  in  die  Gegend  kamen ,  ihr 
Quartier  gehabt,  und  aus  Dankbarkeit  das  ganze  Haus  feuerfest 
gemacht.  Ein  Kaufmannshaus  in  Windiscligarsten  (handschriHliche 
Mittheilung)  ist  bei  dem  Brande  im  Jahre  1728  nicht  abgebrannt, 
weil  isie  hier  ehevor  die  Zigeuner  behalten  haben,  und  ist  ihnen 
zur  Belohnung  versprochen  worden,  dass  ihr  Haus  niemals  ab-> 
brennen  werde.« 

Die  Zigeuner  können  (MühlviertI)  mit  dem  Feuer  besonders 
•gut  umspringen.«  Einem  Bauern,  bei  dem  sie  gern  über  Nacht 
blieben,  versprachen  sie,  dass  sein  Haus  nie  abbrennen  werde. 
Sie  machten  ,  ohne  je  Schaden  anzurichten ,  auf  der  JEeiloe.  Jl^ucr 


^}  In  der  Beilage  folgen  5  Segen  dieser  Art.  Den  ersten  triflPt  man  noch 
hin  und  wieder  in  den  Häusern  des  Landvolkes ;  der  andere  ist  einem 
Roman enbüchlein  entnommen;  der  letzte  fand  sich  handschrifUtch  im 
KremsmUnster- Archiv  aufbewahrt.  Es  fällt  auf  den  ersten  Blick  auf,  in 
welch'  hohem  Grade,  besonders  der  erste  und  der  dritte,  so  zu  sagen, 
christlich  vermummt  und  verbrämt  sind. 

*)  Sie  graben  in  Bergen  und  Wildern  heilkräftige  Wurzeln ,  Kräuter  u.  dgl. 
und  gellen  darum  für  wissend.  «Rodn  wieri  Wurznman«  heisst  so 
viel,  als  ungewöhnlich,  besonders  beredt  sein. 


23 

an,  soUeo  und  brieten  in  hölr^rnen  Gefässen,  ohne  dass  diese  das 
Feuer  ergriff.  Einmal  verbrannten  sie  gar  ejnen  Ha|m  Stroh  mitten 
aus  dem  Schaub  und  zwar  von  einem  Ende  bis  zum  andern,  ohne 
dass  der  Schaub  zu  brennen  oder  auch  nur  zu  „glosn**  anfmg.  — 
Als  es  einst  in  Mondsee  brannte,  blieben  die  Hütten  der 
Würzen  mann  er,  welche -voa  Holz  waren,,  uawjrsebrt,  obwohl 
mehrere  gemauerte  Häuser  nicht  konnten    vor  dem  Feuer  gerettet 

m 

werden.  Das  Wunderbarste  war  es,  dass  sie  auch  gar  nichts  an- 
deres thaten,  als  sich  mit  kleinen  iScchtcrln^  aufs  Dacli_ petzten 
und  daselbst  ruhig  sitzenblieben.  —   *) 

Auch  W  i  I  d  e  r  e  r  verstehen  nicht  selten  neben  anderen  auch 
diese  Kunst.  In  der  Grünau  lebte  vor  mehr  als  lOO  Jahren  ein 
Mann,  der  mehr  konnte,  als  »Birnen  braten.«  Unter  andern  besass 
er  völlige  Macht  über  das  Feuer.  Als  er  einst  nicht  zu  Hause  war, 
er  war  ein'  Wildschütz,  versuchte  man  es,  seine  Hütte,  welche  tief 
in  den  Bergen  lag  und  nur  aus  Tannenreisig  roh  zusammenge- 
üochten  war,  in  Brand  zu  stecken.  Doch  umsonst!  Nur  das  Holz, 
welches  man  rund  um  sie  hergelegt  hatte,  verbrannte.  Ein  an- 
deresmal  war  auf  dem  »Salm«  ein  Waldbrand  ausgebrochen;  alle 
Abwehr  war  vergeblich,  es  brannte  bereits  durch  4  Wochen,  und 
das  Feuer  schien  noch  grössere  Ausdehnung  nehmen  zu  wollen. 
In  dieser  Rath-  und  Hilflosigkeit  wandte  man  sich  an  den  »wilden 
Jodl.«  ^)  Er  versprach  auch  Hilfe  zu  schaffen,  wenn  man  von  jedem 
weiteren  Rettungsversuch  abstünde  und  ihn  ganz  allein ,  auf  dem 
Berg  oben,  seine  Kunst  anbraucben  liesse.  In  der  Noth  gieng  man 
hierauf  ein.  In  kurzer  Zeit  war  das  Feuer  bemeistert,  andere  sagen 
sogar,  es  brannte  keinen  Finger  breit  weiter.  — 

Das  Umsichgreifen  einer   Feuersbrunst  verhindert  man  auch, 
wenn  man  eine    Scheibe    aus  was    immer  für  einem  Materiale 


')  Erinnert  nicht  wenig  an  die  bereits  enväbnte  bildliche  Auflassung  des 
dem  Gewilterfeuer  nachrauschenden  Regens.  Die  Wurzeninanner  sind  die 
letzte  Wandlung  Thdrs.  Die  YermiUlung  bildete  die  Kenniniss  der 
tWuraen«. 

')  Georg.     Selbst  der  Name  ist  nicht  unbedeutsam.  — 


24 

m  die  Flamme   wirft,   worauf  die  folgenden  Charaktere  und  zwar 
genau  in  derselben  Folge  verzeichnet  sind:   ^) 

SATO  R 
A  R  E  P  0 
TENET 
OPERA 
R  0  T  A  S. 
Statt  einer  Scheibe  kann  auch  ein  Tel  I  er  genommen 
werden.  — 

Ein  Haus,  welches  in  Gefahr  ist,  von  einer  Brunst  ergriffen 
zu  werden,  bewahrt  man  auch,  indem  man  (im  Hause  selbst)  einen 
Laib  Brot  ^)  yerkebrt  auf  den  Tisch  legt,  oder  ein  Päckchen  Pa- 
pier, worin  man  am  Gründonnerstag  einen  Stein  gewickelt 
hat»  ins  Feuer  wirft ;  dabei  müssen  die  Worte  gesprochen  werden  : 
■Es  ist  vollbracht«,  oder  doch  auf  dem  Papier  geschrieben  stehen. 
Auch  ein  E i ,  welches  am  Gründonnerstag  gelegt 
und  am  Ostersonntag  ist  geweiht  worden,  löscht,  in  ein  Schaden- 
feuer geworfen,  dieses  aus.  ^ 

Besonders    die    iRomanus-    oder    Romanenbüch- 
leim   ^)  geben  Mittel  an,  Feuersnoth  zu  »wenden.« 

7*   Redensarten.    Ein    gebranntes    Kind    fürchtet   das 
Feuer.  —  Einen,    wies  Feuer    fürchten.  —  Oan   *an   »rcots  Fant 
'afstökn.«  —  Einem  den  >reo(n  H^"  afs  Dah  sözn.«  — 


')  Ee  bilden  sich  aus  ihnen,  man  mag  sie  von  links  nach  rechts  oder  von 
rechts  nach  links,  von  oben  nach  unten  oder  umgekehrt,  von  unten 
nach  oben  und  rechts  nach  links  tugleich  lesen,  immer  dieselben  Wörter. 

*}  Abraham  a  Si.  Qar.  ISsst  einen  dummen  Buben  unter  anderm  auch 
beichten,  dass  er  den  Laib  Brot  od  auf  die  verkehrte  Seite  gelegt  habe.  — 
Ein  Weib  that  einst  die  Aeusserung;  »Liebi  lass  ich  s'  Kind  steribn, 
als  *n  Brotlaib  i(  di  väkertn  Seit  lign«. 

^  Siehe  spMter:  Gewitter,  8.  — 

^)  Diese  Büchlein  enthalten  die  verschiedensten^  meistens  abergUobische 
Mittel,  durch  deren  Gebrauch  t Menschen  und  Vieh  vor  Unglttck  und 
Krankheit,  Feuer-  und  Wassergefahr ,  Diebstahl,  Verwundung  durch 
Waffen    aller  Art,  so  wie  vor  aller  Zauberei  in  und  ausser  dem  Hause« 


8.  K  a  r  8  a  m  8 1  a  g.  An  dem  geweihten  Feuer  ujDdet  man 
(Ma^dalenaberg)  HolzschwSmme  an  und  aucbt  sie,  wp  möglieb,  noeb 
brennend  oder  glimmend  heimzubringen.  Häufiger  nimmt  man  biezu 
ein  Bündd^heitlein ,  meist  von  Haselbolz,  und  trägt  das  •  Weiche 
holze,  nachdem  man  es  angebrannt  bat,  zu  verschiedenem  Gebrauche 
ins  Haus  beim ;  auch  die  vom  Weihfeuer  übrig  gebliebenen  Kohlen 
tnigt  man  zur  Benutzung  nach  Hause.   — 

9.  0  s  t  e j;  f  e  u  e  r.  In  der  Osternaeht  werden  (Kirchham, 
Traunvierll)  um  1,  2,  3  Uhr  früh  aufjreiem  Felde  F^uet^ange- 
zündjct,  und  die  Bäuerin  gibt  rohes  Fleisch  mit,  welches  an  diesem 
Feuer  gesotten  und  alsogleich  verzehrt  wird.  Fällt  Thau  auf  die 
Erde ,_  so  wie  auf  das  frischgesottene  Fleisch ,  so  zeigt  es  eine 
reiche  Ernte»  überhaupt  ein  fruchtbares  Jahr  an.  — 

10.  J  0  h  a  n  n  i  s  -  oder  Sonnenwendefeuer.  Als 
Herodes  {unteres  Müblviertel)  Jobannes  den  Täufer  wollte  gefangen 
setzen  lassen,  trug  er  den  Schergen  auf,  an  der  Stelle,  wo  ihnen 
der  Heilige  in  die  Hände  fiele ,  zur  Stund*  ..ein.  Teuer  anzuzünden, 
damit  er  so  schnell  als  möghch  von  dem  Gelingen  Kunde  erhalte. 
Sie  thaten  es;  aber  sieh,  zu  gleicher  Zcjt  loderten  rings  auf  allen 
Höben  Feuer  empor,  so  dass  der  König  nicht  wusste,  wie  er  daran 
war.  Zum  Andenken  an  dieses  Wunder  brennt  man  noch  heute 
die  Johann isf euer.  —  (Innv.)  Als  Johannes  sollte  eingezogen  wer- 
den, steckten  die  ausgeschickten  Kundschafter  an  die  Fenster  des 
Hauses,  worin  der  heilige  Mann  eben  war,  iJobanniskraut,!  ^) 
damit  die  Schergen  alsogleich  das  rechte  Haus  erkennen  sollten. 
Doch  um  St.  Johann  zu  retten  und  seine  Verfolger  irre  zu  führen, 
fand   sich    durch    ein  Wunder    an    sämmthchen  Häusern    dasselbe 


bewahrt  werden.  Büchlein  dieser  Art  fOhren  auch  den  Titel:  RunstbUcb- 
lein,  z.  B.  »Ein  schön,  neu  erfundenes  K uns tbQcblein,  darinnen  (wie 
oben)  &.  &.  Herausgegeben  von  Dr.  Pleinhorati,  königl.  Leibroediko  in 
Egypten  als  einem  gebomen  Zigeuner.  Die  Druckorte  wechseln,  und 
es  figuriren  nur  fremde,  meist  enÜegene. 
*)  Siehe  später  Pflanzen.  Es  ist  ein  Kraut  mil  gelber  Blüthe,  ein  Donner- 
oder BUtzkraut  — 


n 

Kraut  ausgesteckt.  *)  —  Mit  einbrechender  Nacht  (Attersee)  flackern 
von  den  Bergen  und  auf  dem  See  Feuer  empor.  Mit  den  „Suna*- 
wendfeuern'*  ist  das  Feuerspringen  und  Besen  werfen 
verbunden ;  man  spaK  hiezu  das  ganze  Jahr  hindurch  die  alten, 
unbrauchbar  gewordenen  Besen  auf.  Im  Innviertel  heisst  es  jedoch, 
man  soll  über  das  Sonnenwendefeuer  nicht  Öfter  als  3mal  sprin- 
gen, weil  au£h  der  hl  Johannes  nicht  öfter  tfarüber  gesprungen 
ist.  —  Um  Grein  zündet  man  P  ech  fasse h  e  n  an  und  wirft  ^ 
sie  brennend  in  die  Donau.  Um  Sleyreck  schleudert  man  solche 
Fasschen  brennend  in  die  Lüfte.  Im  Mühlviertel  bewahrt  man  die 
geleerten  Wagenschmierfässchen  für  diesen  Tag  auf;  mit  dürrem 
Reisig  angefüllt  und  an  einer  langen  Stange  befestigt,  werden  sie 
angezündet  und  geschwungen. 

0^-^^*  '     Am  Sonnwendelag  gicng  (Wolfseck   und  Umgebung)  ein  Bube 
\'  ^    von  etwa  12  Jahren,  ganz  in  >Tangrass*at<    eingekleidet,  in  zahl- 
reich lärmender  Begleitung   von    Haus   zu  Haus  und  sammelte 


')  Diese  legendenariigen  Erzählungen  haben  ohne  Zweifel  myUiischen  Hin- 
tergrund. Der  beilige  Mann  soll  gefangen,  eingekerkert  werden;  es  ge- 
lingt aber  nicht.  Johannesfeuer,  Johannoskraut  sind  Bilder  des  Gewitter- 
feuers, Blitzes.  Mannhardt  trägt  die  altvedische  Anschauung,  dass  um  die 
Zeit  der  Hundstage  das  Feuer  der  verderblich  werdenden  Sonne  von  dem 
Gewittergotte  verlöscht  und  diese  dann  wieder  mit  dem  Blitzstrahl  ent- 
zündet werde,  auf  die  deutsche  Sommersonnenwondc  über.  *-  Jedenfalls 
wirken  hier  zwei  GewittennSchte  einander  entgegen.  Die  wohltltätige  er- 
hält den  Sieg  über  die  verderbliche.  Weil  aber  von  dieser  Zeit  an  die 
Gewitter  überhaupt  abnehmen ,  nimmt  auch  sie  ab ,  stirbt.  Siehe  später 
das  Verbrennen  der  beiden  Strohpuppen. 

')  Diese  Fässchen  sind  als  Bilder  der  Sonne,  wenn  nicht  vielmehr  des 
Blitzes,  aufzufassen.  Die  Besen,  welche  man  brennend  in  die  Lüfte  wirft, 
sind  wol  sidierUch  mit  dem  Blitz  in  Verbindung  zu  bringen,  Bilder  des 
Blitzbesens.  Siehe  auch  Pflanze,  Georgiwiseh,  und  das  in  der  Vorrede 
angezogene  Programm  vom  Jahre  1860,  Georgitag.  Noch  sagt  man 
wenn  nach  einem  Gewitter  gleich  wieder  reiner  Himmel  wird,  dieser  sei 
„wie  ausgekehrt",  und  meint,  wenn  es  im  Sommer  lange  regnerisch  ist, 
erst  ein  Gewitter  werde  schönes  Wetter  bnng^en,  den  Himmel  reinigen.  — 


27 

Holz  zu  dem  Feuer,  indem    er  den  Spruch  hersagte:  »Der  hei- 
lige St.  Veit    dat^iuln    um    *a  Scheit;    wans  ins    koan  Scheit  net 
göbts,  So  machä  mä  koan  Sunwendfoir  not.«     Oder  auch  :   »Wald- 
horn,   Waldhorn    wüli,  Trink  a  saurö  Mülich,  Bier   und  Wei',  Bier 
und    Wei",    kan    da    WaWma'  scha"    brav    lusti'  sei".  —  Das  Holz 
zum  Johannisfeuer  (Äspach,  InnviertI)    wird  mit  folgendem  Spruch 
gesammelt:    »Der  heilijge  St.  Veit  dät  biln  um    ä  Scheit,  der  hei- 
lige St.  Ulrich  ddt  biln  um    ä  Bur*  Wid,  der  heilige  .  St.  ,Nigl  dät 
bitn  ura*Tn  Brigl,  der  heüjge  St.   Florian,    Um    7Jühr  kendmä   s' 
Feuranii  <)  Dem,  welcher  Holz  hergibt,  dankt  man  mit  den  Wor- 
ten:  »Nim  an  Schimel,  Reit  qql  Himel!«   Im  Gegenfalle  schilt  man: 
»Nim^änJRa^,  Reit  ön  d'Hel  !**  S(att  des  vorausgegangenen  Spru- 
ches heisst  es  auch:  Der  hl.  St.  Veit  dät  bitn    um    a    Scheit,  dit 
bitn  um  ä  Sieur    zum  Sunäwendfeur.«    —    An  diesem  Tage  (Ma- 
rienkirchen ,    InnviertI)    geht    das    Bubenvolk  im  Dorfe  herum  und 
bettelt  um  altes  Gewand  für   ein  Manns-  und  ein  Weibsbild.    Die 
geschenkten  Kleider   werden  zwei  Strohpuppen  angezogen ; 
hierauf  befestigt  man   »Hansl  und  Gredl«   an  dem   Ende  einer 
langen,  bis  zum  Gi*und  mit  Stroh  umflochtenen  Stange,  die  Gredl 
zuhöchst,    etwas   darunter   den^ansl.    (In  Steinerkirchen    geschah 
einst  dasselbe ;  doch  erzählt  man  nur  von  einem  Strohmanne.   Zu 
Buchkirchen  (HausruckviertI)  wurde  der  »StuelbAm«^)  errichtet  und 
an  dem  oberen  Ende  ein  Strohmann  und  ein  »Pechfassl«  befestigt.)  — 


*)  Die  Namen  scheinen  nicht  völlig  unbedentsam ;  dass  auf  St.  Nikolaus 
manches  heidnisch  Götyiche  sich  übertrug,  unterliegt  keinem  Zweifel.  Wolf 
erwähnt  eines  Bildes  des  hl.  Ulrich,  Landespatrons  von  Bayern,  das  auf 
einem  Eichenstumpfe  stand,  und  bemerkt  dazu,  dass  dis  Eiche  auf  Donar 
hinweise.  Ebenderselbe  Gelehrte  sagt  auch,  dass  St.  Vitus  eine  der  heid- 
nischen Hauptgottheiten  vertreten  habe,  nur  sei  es  dunkel ,  welche.  In 
Oberösterreich  hat  man  einst  junge  Hähne  auf  dem  Altar  des  Heiligen 
geopfert  und  ohngeacbtet  aller  Abmahnung,  mit  den  ,J(rebo"  derselben 
Kreuze  auf  den  Altar  gemacht  Dies  aber  weist  auf  den  Donner-  und 
Blilzgott  bin.  — 

*)  Stud,  Studel  (Scbmellcr,  III.  616)  Pfosten,  Säple.  Unsere  Wortform  lässt 
auf  ursprüngliches  uo  schliessen.  — 


28 

Sind  Sirobmann  oder  Strohpuppen  an  ihrem  Platze,  fährt  man 
um  Hole  in  den  Wald  und  bringt  dessen  so  viel  als  möglich  zu- 
sammen. Den  Waje  n  ziehen  sie  nicht  selten  selbst. 
Sodann  wird  ein  Uolzhaufcn  errichtet,  die  Stange  oder  der  Baum 
hineingesteckt  und  angezündet.  Das  Feuer  Uhift  an  der  Strohhütte 
rasch  hinauf,  und  Hansl  und  Gredl  *)  verbrennen  unter  dem  Ge- 
jauchze der  Untenstehenden.  Erst  wenn  Strohpuppen  und  Stange 
verbrannt  sind,  fangen  Buben  .und  Mädchen  paarweise  übers  Feuer 
zu  springen  an.  — 

Neunmal ,  heisst  es  hie  und  da ,  muss  man  über  das  Son- 
nenwcndeieuer  springen,  um  vor  Fuss-  und  Kreuzweh  verschont 
zu  bleiben;  neun^soMie  Feuer  selicn,  sonst  stirbt  man  noch  in 
diesem  Jahre. —  Wer  9  Sonnenwendefeuer  sieht,  heiratet  das  Jahr.  — 

M  e  t  h,  an  diesem  Tage  getrunken,  ist  gut  gegen  Kreuzweh. 
Wer  an  diesem  Tage  gebackenen  >H  oller«  isst,  wird  das  Jahr 
hindurch  nicht  krank.  Auch  Krapfen  werden  nach  altem  Brauche 
für  den  Aben4tij^ck  gebacken.  ^)  — 

Der  Acker,  worauf  ein  solches  Feuer  angezündet  wird, 
freut  sich  (Rremsmünster)  9  Jahre  darauf.  Einst  kniete  man  auch 
am  Feuer  und  betete.  Bevor  die  Leute  übers  Feuer  sprangen, 
sagt  man  im  Mühlviertl,  giengen  sie,  betend  und  einen  Spruch 
hersagend,  einigemale  um  dasselbe  herum.  — 

Jedoch  soll  man  das  Springen  nicht  über  Mitternacht  fort- 
setzen, man  könnte  sonst  leicht  Schaden  nehmen;  denn  nach  12 
Uhr  £ang.en  die  Hexen  zy  springen  an.  — 


')  Die  wohlthatige  Gewittcrmacht,  obwol  sieghaft  über  die  verderbliche,  hiess 
es  früher ,  nimmt  ab ,  stirbt.  Dürfle  man  in  Hansl  und  Gredl  vielleicht 
Thorr  und  Sif  erblicken  ?  Gredl  ist  Margaretha.  Die  Sipbacbzeller  Kirche 
ist  zu  Ehren  der  hl.  Margaretha  geweiht  Auf  der  Wand  vor  der  Kir- 
chenthlir  ist  das  Bild  des  hl.  Christoforus  gemalt,  wie  er  durchs  Wasser 
watet  —  Hiezu  bemerke  ich  noch,  dass  verbürgten  Mitlheilungen  zu 
Folge  Wallfahrer  vor  Zeiten,  das  Volk,  wenn  es  jetzt  davon  erzShlt^  deutet 
es  als  roulhwilligen  Frevel,  für  Heilige  beteten,  namentlich  für  den,  »der 
das  Söchterl  ausschult*!«   (Siehe  Feuer).  — 

^  Alles  dies,  zusammen  genommen,  weist  auf  ein  heidnisches  Festmahl  hin.  — 


29 

Ausserdem  warf  und  wirft  man  hie  und  da  noch  ge- 
wisse Kräuter  in  die  Flamme.  Besonders  verwendet  man 
hiezu  die  »Pro  h  nj^ichna  m  sk  ranz  e.i  Man  dorrt  sie  an  der 
Sonne,  zerreibt  sie  am  Sonnenwende-Abend  und  wjrfl  sie  ins  Feuer, 
oder  räuchert  damit  Haus  und  Hof.  Auch  die  Striiuche  und 
Reiser,  welche  am  Frohnleichnams^  oder  »P  r  a  n  g  e  r  t  a  g  e«  die 
Wände  der  Häuser,  Fenster  und  Thiiren,  die  4  Segenstätten  u.  s.  w. 
zierten,  spart  man  an  vielen  Orten  fiirs  Sonnenwendefeuer  auf.  — 

<1.  Petersfcu  e  r.  Auch  Petersfeuer  werden  angeziindet, 
und  zwar  desto  zahlreicher ,  je  mehr  es  die  Johannesfeuer  ver- 
regnet hat.  — 

i2.  Todtenfeuer.  Es  genüge  hier,  dass  man  darunter 
ein  im  Freien  angezündetes  Feuer  versteht,  in  welches  man  das 
Bettstroh  eines  Verstorbenen  zum_Verbrenncn  wirft, 

b)  Wasser. 

1.  Nebel,  Thau,  Regen,  Reif,  Schnee.Jm  Inn- 
viertel  heisst  über  Nacht  eingefallener  Nebel  die  »Nachtgrii- 
fjji.«  Jn  Wartberg  (Traunviertl)  war  einst  das  »N  eb  elläu  t e n<  .  .^^^ 
üblich.  Es  wurde  nämlich  von  Georgi  an  bis  Bartholomäus  vor  dem  ' 
morgendlichen  Gebelzeichen,  mit allenfiloeken  geläutet  J)er  Name  er- 
klärt sich  daraus,  dass  Nebel  in  der  wärmeren  Jahreszeit  sehr  ge- 
fürchtet sind.  —  Am^eorgitag  gicng  man  vor  etwa  50  Jahren 
noch  t  h  a  u  f  a  n  g  e  n  oder  t h  a  u  f  i  s  c  h  en.  »Dasi  Thau ,  in  das 
'  Futter  gegeben,  schützte  das  Vieh  vor  Verhexung.  Aber  auch  die 
Hexen  giengen  thatifangca ,  weil  sie  des  Georgithaues  zur 
Hexensalbe  bedurften.  Das  »Weibsbild«,  das  thaufischen  wollte, 
erzählte  man  im  unteren  Mühlvierll,  gieng  vor  Sonnenaufgang 
nackt  I  mit  einem  Kru^  in  der  Hand ,  auf  Wiese  oder  Feld  und 
streifte  den  Thau  ins  Gefäss.  Zu  Hause  fuhr  sie  den  Kühen  mit 
der  äusseren  Fläche  der  thaubenetzten  Hand  über. den  Rücken, 
sie  gaben  dann  erstaunlich  viel  Milch.  — ^tx  sieh  mit  Mai- 
thau  wäscht,  bekommt  eine  »schöne  Haut.^  — ^asselbo  heisst 
es  von  dem  »Märzen  wasser« ,  d.  h.  dem  Regenwasser, 
das  im  März  fällt.  —  Am  6  u  n  d  1 1  a  g,  3.  März,  soll  es  regnen; 


30 

das  Wasserjst^  gut  gegen  das  HinfalUd.  Auch  spart  man  Mär- 
xenwasser  auf,  um  damit  am  Georgitag  vor  Sonnenaufgang  Tbür- 
und  Thorschwclle,  Krippen  und  Barren  ab-  und  auszuwaschen.  — 
^enn  der  erste  Reif  föilt,  sagt  man  gerne  zu  den  Kindern: 
»8*  Rlifwäbärl«  JJ  is  draussn  und  sitzt  äfn  Dah.  — J)en  Mär- 
zenschnee    soll   man    dörren ;  er  ist  gut   gegen  die  Flöhe.  — 


-  -  -,  .^- 


JA^enn  es  grosse  Schneeflocken  wirft  und  sie  lustig  durch  einander 
wirbeln,  heisst  es:  »Die  Backen  und  MüUner  raufen«,  oder  auch: 
»n*  Bökn  Hats  zrissn  samt  n  Wökn.«  Die  alten  Jungfern  müssen 
nach  dem  Tode  •Schnee  reutern«  und  die  Junggesellen  »Wolken 
schiebn«,  oder  »Nöbl  slrittn«.  —  ^ 

2.  Wasser  überhaupt.  Das  Wasser,  Fluss ,  Bach  und 
Quell,  spielt  in  der  Legende  und  frommen  Sage  eine  nicht 
unbedeutende  Rolle,  worüber  hier  nur  einiges,  mehr  im  allge- 
meinen, bemerkt  wird.  Flüsse  und  Bäche  tragen  Gnadenbilder  auf 
ihren  Flulhen  daher.  —  Diese  schwimmen  mitunter  selbst  strom- 
aufwärts —  und  tragen  sie  fromm  beflissen  ans  Ufer;  an  der 
Stelle  erheben  sich  bald  Kapellen  und  Kirchen.  In  der  Nähe  von 
Kapellen^  und  Kirchen  quillen  häufig  Brunnen,  die  sogenannten  h  I. 
B  jr  ü  n  d  1 ,  ^)  deren  Wasser  gegen  allerlei  Krankheiten,  besonders 
der  Augen ,  heilsam  ist  Unweit  Hartberg  (Buchkirchen)  soll  einst 
ein  Raubschloss  gestanden  sein.  Hieher  wurde  jährlich  am 
Stefanitage  geritten  und  den  Pferden  aus  einem  Brünlein, 
das  noch  fliesst,  die^Augen  gewaschen,  um  sie  vor  Erblindung 
zu  sichern.    Der  Brunnen  heisst  der  »Tänibrunnen.«   — 

Das   Wasser  scheucht   auch   böse   Mächte    und   Zauber 
fem,  dient  zur  Erforschung  der  Z u k u n ft.  —  Wer  sich  durch 


<)  VfihM,  d.  h.  Barbara.  — 

')  Von  der  Auflassung  des  WolkenhimmeU  als  MUble,  Heerd  etc.  war  be* 
reits  die  Rede.  In  den  Kreis  dieser  AufTassnng  gehören  auch  die  eben 
angeführten  Redensarien,  die  iwei  leisten  ausgenommen;  doch  mögen 
auch  diese  auf  verwandten  Vorstellungen  beruhen,  sich  vieUeicht  auf  das 
Heilen  des  Backofens  beziehen.  — 

*)  Solche  finden  sich  vorzUglich  bei  Marien-,  Georgen-,  Leonhard-  und  Ni- 
kolaikirchen, überhaupt  bei  denen  der  Sltest  und  höchst  verehrten  Heüigen. 


81 

9  Tage_nicl)t  wischt,  seUt  sich  hiedurch  in  den  Stand,  Teufels- 
werk zu  treiben.  Wer  Morgens  ungewaschen  betet,  dessen  Gebet 
ist  Gott  nicht  angenehm.  Wer  ungewaschen  ausgeht,  dem  kann 
die  HexeaiK^^er  an  einem  Sommerraorgen,  besonders  wenn  er 
als  der  erste  aus  dem  Hause  geht,  »u'zwahnü«  sich  ins  Freie  be- 
gibt, der  verursacht  ein  Schauerwetter.  Zauberrath  wird  in  flies- 
sendes  Wasser  geworfen.  Junge  Hunde  und  Katzen  verträgt  man 
über  fliessendes  Wasser,  damit  sie  nicht  mehr  zurück  können. 
Diebe,  welche  über  fliessendes  Wasser  entkommen  sind ,  erwischt 
man  nicht  leicht  mehr.  Jemand  verstand  die  Kunst,  verlaufene 
Thiere  »zurückzubringen.«  Er  bediente  sich  dazu  eines  Messers 
mit  9  Kreuzen  und  9  Monden.  Als  ihm  einmal  seine  Kunst  an 
einem  Schweine  misslang,  erklärte  er  es  damit,  das  Thier  sei  durch 
ei4i  rinnendes  Wasser  gelaufen.  Auch  Krankheiten  »vertragti  man  in 
fliessendes  Wasser.  —  Einst  soll  ein  Bauer  (Waldzeil),  um  seine 
»Zukünftige«  zu  sehen,  nachdem  er  sich  9  Tage  nicht  gewaschen 
hatte,  das  Gesicht  sich  im  sogenannten  »Katzenbäclil«  gereinigt 
haben ,  worauf  sie  erschien  und  ihm  das  Handtuch  reichte.  Im 
unteren  l^IühJviertl  hört  man  hie  und  da  von  den  »K  elcjib  rü  ndl- 
wassern.«  Es  sollen  hiemit  gewisse  »Brunn  flüsse«  gemeint 
sein ,  und  wer  darein  blickt ,  ersieht  das  Bild  des  ihm  bestimmten 
Bräutigams  oder  Braut 

3)  Wasserpatrone  und  Füttern  des  Wassers. 
Als^  Wasserpatron  wh'd  besonders  der  heil.  Johannes  Nepo- 
muck  verehrt.  Als  älterer  Wasserpatron  ist  aber  der  heil.  Ni- 
kolaus *)  anzusehen ,  der  vornehmlich  auch  Patron  der  Schiffer 
und  Müller  war.  Am  Nikolaustag  durften  daher  die  Wasserarbeiter, 
Müller,  Sägemeister  u.  s.  w.  nicht  arbeiten.  Auch  wurde  an  die- 
sem   Tage    von   den   Müllern    das    Wasser   gern  mit  einem  Stück 


')  An  den  Ufern  der  grösseren  Flüsse  der  Heimatli  finden  sich  mehrere 
St.  Nikolauskirchen.  An  der  Donau  das  einstige  Kloster  St.  Nikola  in 
PassaiTj'WaTdkirchen  ,  Inaell ,  Mautbbausen,  St.  Nikola  unweit  Grein.  Am 
Inn-Ufer  bei  Obemberg,  Hagenau  bei  Braunau.  An  der  Traun,  Iscbl,  die 
Traunfallkapelle,  Paura  bei  Lambach.   — 


t2 

•Schober,«  mit  Brod  oder  Koch  gefiitteii.  Das  Rad  der  heiligen 
Katharina  mag  vielleicht  neben  anderm  diese  Heilige  ebenfalls  mit 
den  Mühlen  in  Verbindung  gebracht  haben.  Denn  einst  wurden 
an  diesem  Tage  die  Räder  der  Mtühlen  gesperrt.  —  Auch  am 
Weihnachtsfasltag  buk  man  zugleich  mit  der  Störi  ein  länglich- 
tes Brot  in  Daunienrorm ,  und  warf  es  in  die  Hauslache» 
um  damit  das  Wasser  zu  •füttern.«  Am  Palmsonntag 
gibt  man  hie  und  da  noch  drei  geweihte  .Palmen  in  Lache 
und  Brunnen,  damit  Niemand  darin  ertrinke.  —  Nebenbei  werde 
hier  zugleich  bemerkt»  dass  man  nach  Sonnenunterg^ang  nicht  gerne 
mehr^Wasser  ins  Haus  schafft,  um  davon  zu  trinken.  — 

4)  In  besonderer  Beziehung  zum  Wasser  scheint  in  un- 
serem Ländchen  der  Georgitag  gestanden  zu  sein.  Wo  St. 
Georgskirchen  sind,  tauchte  man  Brod  in  die  nahen  Brunnen  und 
gab  esT  so  dem  Vieh  zu  essen.  In  der  Grünau  warf  man  ein  Bün- 
del Heu  in  den  Almfluss.  In  Steinhaus  brachte  man  den  ganzen 
Tag  über  kein  Wasser  ins  Haus,  um  nicht  die  Hexe  mit  herein 
zu  bekommen.  Im  Innvierll  wurden  die  Brunnen  ausgeschöpft  und 
Weibwasser  in  sie  gesprengt. 

5)Ueberschwemmungs-8agen«  Ina  Georgiberg bei 
Michldorf  ist  ein  See;  wenn  man  sich  hinter  den  Altar  legt  und 
hinabhorcht  ^  hört  man  deutlich  das' Wasser  rauseben.  ')  —  Im 
Grünauerberg  hört  man  es,  besonders  im  Hornung  und  Man,  oft 
schreckhaft  ^sausen  und  brausen.  Man  glaubt^  dass  in  den  Tiefen 
des  Berges  ein  See  sich  befinde.  Einst  wurde  sogar  schon,  zu 
nicht  geringer  Angst  der  Thalbewohner,  der  Tag  genannt,  an  dem 
der  See  ausbrechen  und  die  ganze  Grünau  überschwemmen  werde. 
—  In  der_Tiefe  eines  Berges  ( Pergkirchen  iih  Mühlviertl )  wogt 
ein  grosses  Wasser,  der  Ausgang  ist  ihm  durch  einen  Felsen  ver- 
schlossen.     Dieser   weicht    einst   und    überschwemmt    das    ganze 


')  Bei  den  Wurzeln  Yggdraiilt,  der  Weltesohe,  liegen  S  Brunnen.  Unter 
der  dritten  Wurzel,  welche  über  Niflheim,  der  Unterwelt  steht,  ist  der 
Brunnen  Hwergelmir,  d.  b.  der  rauschende  KesseL  — 


33 

Macbland.  <)  Der  Traunstein  bei  Gmunden  stürzt  einst  Id  den 
See,  der  seinen  Fuss  bespült,  und  das  TraunviertI,  so  weit  es 
reicht,  wird  überflutheL  —  In  dem  Steinbrunnen  vor  dem  Aicber-* 
tbor  zu  Krenosmünster  wird,  noch  geht  die  Sage,  jährlich  ein  Mess- 
gewand getaucht ,  damit  das  Wasser  nicht  einmal  ausbreche  und 
alles  in  der  Umgebung  mit  sich  fortreisse.  —  Der  Berg  zwischen 
Kremsmünster  und  Sipbacbzell,  lautet  eine  andere  Erzählung,  ist 
hohl  und  voH  Wasser,  das  einst  hervorbricht  und  alles  über- 
schwemm f.  Vor  etwa  40  Jahren  war  es  schon  hart  daran,  so  ge- 
waltig war  das  Sausen  und  Brausen ;  man  hielt  schon  Bittprozes- 
sionen u.  dgl.  —  Das  ganze  Kloster  Kremsmünster  ist  auf  Bür- 
sten gebaut.  ^)  —  Auch  die  Krems  ist  ein  so  wildes  Wasser,  dass 
man  alljährlich  zur  Beschwichtigung  ein  neues ,  schönes  Messge- 
wand hineinwerfen  muss.  Dennoch  geht  das  Kloster  einmal  durch 
Wasser  zu  Grunde.  Auch  hat  man  es  mit  dem  Messgewand  schon 
einige  Male  übersehen^  und  da  ist  die  Krems  wie  wüthend  gewor- 
den. —  Dem  Grafen  Herberstorf,  der  die  Kirche  von  Altmünster 
gebaut  hat,  wurde  prophezeit,  dass  sie  einst  durch  Wasser  zu 
Grunde  gehe ;  er  Hess  daher  unter  dem  Hochaltar  einen  grossen 
Klumpen  Gold  einmauern,  damit  man  gleich  das  nöthige  Geld  zum 
Wiederaufbau  zur  Hand  habe.  —  Das  Dorf  Goisem  war  einst  eine 
grosse  Stadt,  die  sich  über  eine  Stunde  in  die  Länge  erstreckte. 
Sie  wurde  von  einem  Ungeheuern  Lindwurm  zerstört,  der  vom 
»Wurmstein«  hervorbrach.  *) 


')  Die  Midgardschlange ,  das  die  Erde  amschliessende  Meer,  verseUiogi  am 
jüngsten  Tage  die  Erde ;  das  Meer  durchbricht  seine  DSinine  und  über- 
fluthet  die  ganze  Welt    Simrock,  d.  Myth.  S.  118  u.  s.  f.  — 

*)  Auch  ist  es  erwUhnenswerth ,  dass  die  Stelle,  wo  der  Tradition  nach 
Herzog  Thassilo's  vorgeblicher  Sohn,  Günther,  von  dem  angsterAillten 
Vater  todt  aufgefunden  wurde,  eben  in  der  Nähe  des  sogenannten  „Ur- 
sprungs" liegt,  und  ein  Eber  als  das  Thier  genannt  wird ,  das,  tödtlich 
verwundet,  ihm  die  Todeswunde  schlug. 

»)  „Wumstein"  heisst  eine  Ortschaft,  seitwärts  von  Goisem,  auf  einer  Berg- 
höhe gelegen ;  etwas  unterhalb  entspringt  ein  BSchlein,  „der  Wurmbach" ; 

3 


34 

Das  ganze  Donaulhai  (Alkofen)  ist  vor  Zeiten  ein  grosser 
See  gewesen.  Damals  lebte  in  dem  Schloss  0  1 1  e  n  sheim  ein 
mildthäthiges  Fräulein,  welches  die  Wohlth'äterin  der 
ganzen  Gegend  wurde,  indem  sie  einen  Berg  abgraben  liess,  und 
SO  dem  See  einen  Abfluss  verschafTte.  —  Auch  in  Aschach,  etwas 
weiter  aufwärts,  lieisst  es,  dass  die  Donau  einst  ein  w;eit  grösseres 
Bett  gehabt  habe  und  von  dem  Schlosse  Stauf  hergelaufen  sei.  — 
Einst  floss  die  Donau  hart  an  Arbing  (unteres  Mühtviertl)  vorbei 
Es  ist  noch  nicht  lange  her,  dass  man  an  den  Häusern  die  eiser- 
nen  Binge^sah ,  woran  die  »Zilnt  angehängt  wurden.  Jetzt  liegt 
Arbing  gut  eine  Stunde  vom  Ufer  entfernt.  — 

6)  Wirbel-  und  S  tru  d  el  s  a  ge  n.  Der  Wirbel  bei 
Grein  und  der  Plattensee  in  Ungarn  sollen  mit  einander  unterir- 
disch in  Verbindung  stehen.  Ein  ßindergesellc  wollte  einst  es 
herausbringen,  wo  denn  das  Loch  wieder  münde,  und  warf  seinen 
Schlägel  hinein;  dieser  ward  im  Plattensee,  nach  anderer,  allgemei- 
nerer Fassung,  weit  stromabwärts  erst  wieder  aufgefangen.  — 

Die  Entstehung  des  Strudels  und  Wirbels  erklärte  sich  das 
Volk  einst  so.  Der  Teufd  wollte  quer  durch  die  Donau  unter 
dem  Wasser  eine, Steinmauer  aufführen,  damit  recht  viele  Schiffe 
und  Menschen  zu  Grunde  gingen.  Schon  war  er  mit  seinem 
Werke  fast  zu  Ende  ;  es  fehlte  nur  mehr  der  Verschluss-Stein.  Da 
krähte  der  Hahn,  und  voll  Wuth  und  Ingrimm  warf  er  den  hiezu 
bestimmten  Stein ,  welchen  er  eben  dahertrug ,  hinter  sich  in 
den    Fluss,    so,   dass   das    Bett  ein  Loch  bekam.     So  entstanden 


es  fliesst  durch  das  fast  eine  Viertelstunde  lange  Dorf.  Der  Lindwurm  oder 
Wurm  ist  hier  Naturbild  des  angeschwollenen  Bergwassers,  das  in  wilden 
Windungen  von  der  Höhe  herabstUrzt  und  Leben  und  Habe  im  Thale 
vernichtet.  Der  Bach  selbst  heisst  hier  „Wurmbach."  Hieraus  ergibt  sich 
auch  Bezug  auf  St.  Georg.  Auf  St.  Georg,  den  Sieger  über  den  Drachen 
oder  Lindwurm,  wurde  neben  anderm,  was  einst  von  einer  Frühlingsgott- 
heit galt,  auch  deren  Verhältnis  zum  Wasser  tibertragen.  — 


35 

Strudel    und   Wirbel,  *)   »Strum  und  Werfl;«    der  Wirbel  mündet 
erst  tief  in  Unleröstf^rireicb. 

Bald,  nachdem  der  Teufel  dies  gethan  hatte,  schwamm  eine 
»Zum  Wallfahrer  den  Fluss  daher  und  ging^mit  ihnen  unter.  Doch 
der  Bö8eJ)ekam  nur  ^ine  Seele;  die  übrigen  sagte  er,  bat  alle- 
sammt  »*s  Marijil  in  ihr  FürU^^  ,jssamgfangn.t 

7)  N  i  X  c  n.  ^  Der^ltersee  wurde  ,  wie  die  alten  Leute 
noch  häufig  erzählen,  früher  sehr  oft,  ohne  dass  der  geringste 
Wind  ging,  unruhig,  schäumte  wild  auf  und  warf  gewaltige  Wel- 
len.    Man  schrieb  dtess  dem  Teufel^)  zu. 

Einst  wollte  Jemand  die  Tiefe  dfia  »Krotnseest  ergründen. 
Da  tauchte  jedoch  ein  Männlein  aus  den  Fluthen  empor,  welches 
rief:  »Ergründst  du  mich,  verschlick  ich  dich!  t  Voll  Furcht  nahm 
er  reissaus.  Seitdem  heist  es,  dieser  See  sei  unergründlich.  Als 
unergründlich  gilt  auch  der  Traun-  oder  Gmundnersee. 

Der  »Wassermann.«  In  allen  Wassern,  in  Lachen  und 
Teichen,  in  Bächen  und  Flüssen  ist  der  »Was^sä-  oder  La  kam  a"*,« 
Mit  einern__ljjigßQ.  Haken  *)  reisst  er  die  Kinder  zu  sich  hinein, 
welche  dem  Wasser  zu  nahe  kommen.  Daher  schreckt  man  kleine 
Kinder,  welche  es  beständig  zur  Hauslache  Jiinzieht,  —  die  Er- 
wachsenen selbst  glauben  nicht  mehr  daran,  —  indem  man  zu 
ihnen  sagt:  »Geh  nöd  aud  zun  Wassä;  da  Wassäma"  kam  auä 
und  reissät  dih  einö!« 


*)  Erinnert  an  den  eddiscben  Mythus  von  Swadilfari,  Simrock  d.  Myth. 
S.  56  u.  8.  f.  Nachklänge  desselben  kommen  in  vielen  Sagen  von 
Brücken-  und  Kirchenbauten  vor.  —  Auch  der  Markt  Struden,  ganz  in 
der  Nühe  des  Strudels,  heisst  mundartlich :   » Strum.  <  — 

')  Aus  Manens  Mantel ,  dem  Mantel  der  Liebe,  ward  hier  Fürtuch  oder 
Schürze.  — 

*)  Von  ihnen  und  anderen  ethischen  Wesen  hier  und  sonst  nur  in  so  weit, 
als  es  sich  mehr  um  das  Element  selbst  handelt  — 

*)  Ist  hier  nur   stellvertretend.  — 

')  In  Norddeutachland  heisst  der  Nix  davon  sogar  »Uakelmann.«  — 

3* 


38 

8)  H u n g^cr^ XV !^ n e n.  Es  gibt  deren  in  der  Heimat  wol 
viele.  Ein  solcher  befindet  sich  an  der  Strasse  von  Ried  nach 
Pattigham;  ein  anderer  in  der  Pfarre  Waldzell  bei  dem  Weissen- 
brunnergute.  Beim  Aubauern  Gaster  *)  unweit  der  Alm  (Vorch* 
dorf)  rieselt  aus  der  tLeitni  eine  Quelle,  welche  zuweilen  länger 
oder  kijrzer  ausbleibt.  Das  Ausbleiben  bedeutet  Krieg  und 
andere  Landplagen.  —  In  Fischlham  brach  vor  nicht  gar  langer 
Zeit  aus  ein  em  Br  u  nn  cn,  der  sej)  0. Jahren  keinen  Tropfen 
Wa8S«r  mehr  gegeben  hatte,  ein  armdicker  Strahl  hervor« 
und  dies,  obwohl  rings  in  der  Gegend  ai:ger  Wassermangel  herrschte. 
Auch  dieses  deuteten  alte»  erfahrene  Leute  auf  Krieg,  Krankheiten 
und  Theuerung.  In  Kematen  ( Traunviertl )  ist  der  »Dietlbrunn« 
vorbedeutsara.  Gibt  er  mehr  Wasser  als  gewöhnlich,  deutet  es 
nabende  Theuerung  an.  Man  erzählt  es  für  gewis,  dass  erst  vor 
ein  paar  Jahren  ein  Wiener  Qetf^ideJiändler  sich  um  den  Zustand 
des  Dietlbrunnens  bekümmert  habe. 

9)  Wasserstillen.  Aber  auch  Menschen  machen  es , 
dass  Brunnen  zu  fliessen  aufhören,  mit  oder  ohne  Willen. 

Wenn     eine^ Sechswöchnerin^ Wasser    aus    einem    Brunnen 

pumpt^  so  »dorrt  er  aus.«  Es  gibt  auch  Leute,  welche  die  Kunst 
verstehen,  rinnendes  Wasser,  Quell  und  BrunDen  zu  »stillen.«  Sie 
bedienen  sich  dieser  Kunst  nftftra  g^gfin  .ffnin^y^^'^g''^^'*'*,  denen  sie 
eben  feind  sind,  und  es  bleibt  dem,  welcher  den  Brunnen  graben 
lässt,  nichts  anders  übrig,  als  sich  an  Jemanden  zu  wenden,  der 
ebenfalls  dieser  Kunst  mächtig  ist,  damit  er  dem  andern  entgegen- 
wirke. 

10)  »Wasseransprechen.«  Manche  können  das  Was- 
ser »anspreoben,«  so.  dass  es  eine  besondere  Kraft  eriiält  und 
ungemein  heilend  wirkt,  wenn  man  darin  badet,  Wunden  damit 
wäscht    etc.    — 

Hier  auch  etwas  von  Quellenauffinden.  Der 
Ort  Peuerbach  hatte  vor  Zeiten  grossen  Mangel  an  Wasser, 
namentlich    an  gutem  Trinkwasser.     Da  sollte  ein  Verbrecher  bin- 


*)  Hohlweg,  der  auf  eine  Anhöbe,  besonders  ein   hohes  Flnssnfor  fübri  — 


87 

gerichtet  werden.  Auf  dem  Wege  lum  Galgen  versprach  er,  wenn 
man  ihm  das  Leben  schenken  würde,  eine  Quelle  auszufinden, 
welche  den  ganzen  Ürt  reichlich  mit  Wasser  versähe.  Man  ging 
darauf  ein.  Er  verlangte  nun  einen  Korb,  füllte  ihn  mit  Wasser, 
nahm  ihn  auf  den  Kopf  und  ging  so  dahin.  Wo  der  erste  Tropfen 
aus  dem  Korbe  zur  Erde  fiele  da,  sprach  er»,  .werde  die  verheissene 
Quelle  sein.  Der  Tropfen  fiel,  man  grub  nach,  und  eine  reiche 
Quelle  sprudelte  hervor.  Dem  Verbrecher  ward  das  Leben  ge- 
schenkt, die  Quelle  aber  heist  noch  die  »Urtel.«   — 

11)  Wasser  als  Todtenstrasse.  Schiffer  und  andere, 
welche  am  Ufer  der  Traun  wohnen,  sehen  manchmal  um  Mitter- 
nacht ein  schwarzes  Schiff*  die  Wellen  hinabgleiten ;  leise,  fast  un- 
hörbar, zTefrr  es  seine  Bahn.  Man  erblickt  weder  Ruder  noch 
Schiffknechte ;  es  wird  von  Geistern  gelenkt.  So  oft  das  Goister- 
schiff  gesehen  wird,  findet  baM  oder  unmittelbar  darauf  Jemand 
aus  der  Nahe  seinen  Tod  in  der  Traun.  Ruft  man  das  Schiff  an, 
ist  es  auf  der  Stelle  verschwunden. 

Manchmal  hört  man  zur  Mitternacht  über  dem  Wasser  ( der 
Traun  )  leis  wehmüthige  Stimmen ,  als  ob  mehrere  zusammen  un- 
terdrückt klagten  und  weinten.  Es  sind  die  Seelen  derer,  welche 
in  der  Traun  ertrunken  sind  und  sich  nach  Erlösung  sehnen. 

12)  Redensarten  und  R  ä  t  h  s  e  I  n.  Das  ist  Wasser 
auf  meine  Mühle.  —  Wassi  in  Bah  tragng.  —  Dö  hoamlingi 
Wässäl  schwoabn  dö  grestn  Stök  aus.  —  Dreinschaun,  wie  9  Tag 
RögnwödX  —  Und  wann's  Spiss  und  alte  Weibä  rögnäl!  •)  — 
Jetzt  thuat  ins4  Hergot  seinö  Stockfisch  wissärn.^  —  Geht  um4- 
dum  ^unis  Haus ,  Und  sa^  alleweil  Schnappaus.  Die  Traufe.  — 
Es  flog  ein  Vogel  federlos .  flog  auf  den  Baum  blätterlos ,  darauf 
kam  die  Frau  vom  untern  Schloss ,    und  frass  den  Vogel  federlos. 


')  Scherzhafte  Betbeueruiig,  sich  durch  nichts,  selbst  nicht  durch  das  ärgste 

Unwetter,  vom  Ausgehen  abschrecken  zu  lassen. 
')  Scherzhafte  Umschreibung  des  Regens. 


c 


38 

Schnee  und  Wärme.  *)  —  Was  hat  den  kleinsten  Kopf?  Das  Was- 
ser ,  weil  es.  üherall  ^lurchschliefen  kann.  —  Es  liegt  in  seinem 
Bett  und  lauft  alleweil?  Der  Fluss.  —  Wie  tief  ist  das  Meer? 
Einen  Sleinwurf  lief.  —  »Grumbi,  Lang^,  wo  gehst  bin?«  >Gscber(^, 
was  gehts  dich  an.«  Wiese  und  Bach  necken  einander.^) 

^)  Luß. 

A)  »Wind  f  u  1 1  e  r.«  In  der  Fastnacht  wurden ^gerne  drei 
ungebackene,  aber  geformte  Brodlajbchen  für  den  Wind  3)  auf  Zaun- 
pfähle gesteckt;  oft  auch  nur  ein  Laib,  und  zwar  am  Abend  vor 
^^X  heil.  Dreiköoig.  Auch  in  Daumen  form /"und  an  Bäume  wurde  das 
Brod  ^Is^  Windfutler  gesteckt.  Dabei  sagte  man  den  Spruch : 
»Söh,  Wind,  da  hast  du  das  dein,  läss  md  du  ä  das  mein!«  — 
Man  fütlerte  jedoch  den  Wind  öfter,  so  oft  er  nämlich  arg  stürmte, 
indem  man  etwas  Mehl  auf  die  Gatternsäulen  ^)  legte.  Auch  Salz 
und  Asche  wui-de  hlezu  verwendet,  das  Windfulter  auf  einen 
»Bahstil«  oder  freien  Platz  gelegt,  oder  auch  in  die  Luft  gestreut. 
Im  Windischgarstner  Thale  nahm  man,  wenn  der  Sturm  wild  durch 
die  Berge  brauste,  einen  Teller,  gab  darauf  eine  Hand  voll  »Kim,« 
Sah  und  Asche  und  streute  dasj^indfutter  hinter  sich  in  die 
Luft,  indem  man  sprach:  »Wind,  da  hast  Salz,  Ascbo,  Kim,  Nims 
hoam  zu  dein  Weib  und  Kind.« 

2)  W  i  n  d  i  n.     Auch  in  Weyer  verlautete  es  einst  von  einer 
Windin,    und  dass   sie  ärger  sei,  als  der  Wind  selbst.     Zu  Luim 


')  Siehe  März,  Maria  Verkündigung.  Der  Ausdruck  »Frau  vom  untern  Schloss« 

erinnert  an  die  nordische  Gerda,  die  in  die  Unterwelt  gebannt  ist.    Sim- 

rock  d.  Myth.  S.  68  u.  s.  f. 
*)  Diese  dramatisirten  Neck  -  oder  Trulzreden  finden  sich  nur  mehr  höchst 

selten,  und  scheinen  mir  lief  in  die  Vergangenheit  zurück  zp  reichen. 
*)  Der    Wind    wird    in    der    nordischen  Mythologie  als  ein  grimmiger  Riese 

oder   auch    aU  Adler  gedacht;    sein  Name   »LeichenschHnger«   zeigt,  dass 

hei  dessen  Bildung  die  Vorstellung  eines  aasgierigen  Raubvogels  waltete. 
*)  An  Gattfirnsäiilen ,    besonders  denen,  welche  sich  an  den  Grenzen  zweier 

Güter    befinden,    kommen  die  Hexen  zusammen,  erschehit  der  Böse  und 

andere  Unholde,  FuchtelmÜnner  etc. 


39 

(Loibeo,  Steinerkirchen)  war  eine  Bäuerin,  welche  die  Windin  weit 
mehr  fürchtete  als  den  Wind  und  sie  sehr  fleissig  fütterte.   — 

Auchj^esen  wurden,  wenn  der  Wind  gar  zu  arg  lobte,  ge- 
gen ihn  in  die  Luft  geworfen.  — 

^)  Schadenfeuer  und  Gehenkte  *)  werden  als  Fut- 
ter des  Windes  angesehen.  Wenn  bei  heftigem  Winde  ein^JPeuer 
ausbricht,  heisst  es,  nun  habe  er  ein  Futter  und  werde  sich  bald 
legen^  Besonders  dem  üntcrwind  (Ostwind)  geht  es  um  Feuer. 
Wenn  der  »Eosenwindt  ^)  (Ostwind)  im  FrülyaUcJlälJßg  ,geht,  wird 
es  bald  Sommer.  —  Wenn  es  sehr  stark  windet  und  stürmt,  so 
hat  sich  Jemand  gehenkt,  und  es  stürmt  durch  3  Tage  fort.  Oder 
man  sagt  auch:  »Der  Wind  wird  sich  nicht  eher  legen,  bis  er 
wieder  einen  hat.« 

i)  Als  gefährlich  gilt  es  auch ,  am  Blasiustage^ 
p  i  n  n  e  n ;  thut  man  es,  so  zerreisst  der  Wind  das  Dach.  — 
enn  auf  Schiffe  lyg  e  p  f  i  f  f  e  n  wird,  thun  es  die  Schiffleute 
selbst  oder  andere,  so  pfeift  man  den  Wind  herbei. 


')  Dass  Feuer  und  Wind  in  diese  Verbindung  gebracht  werden,  ist  schon 
daraus  t>egreiflich,  dass  die  Flamme  selbst  Wind  erzeugt,  und  durch  den 
Wind  verbreitet  wird.  —  Der  Glaube,  bei  Selbstmorden  durch  Erhängeu 
entstehe  Sturm,  erklärt  sich  aus  der  ehemaligen  Auffassung  (Mannhardt, 
die  Götterwelt  der  deutschen  und  nordischen  Völker)  der  Seele  als  kör- 
perlicher Luflhauch  oder  Wind,  welcher  beim  Tode  vom  Sturmgotte  in 
Empfang  genommen  wird,  und  setze  ich  hinzu,  aus  der  tiefen  Ueberzeu- 
gung  dcsVolkes  von  der  Frevelhaftigkeit  des  Selbstmordes.  Sieh  auch  B. 
die  vier  Elemente,  Altmünster. 

*)  Man  fühlt  sich  wirklich  versucht,  an  Asenwmd  zu  denken,  weil  dieser 
Name  sonst  nie  vorkommt.  Einen  West-,  Nord-  oder  Südwind  nennt 
das  Volk  gar  nie. 

*)  Er  fällt  auf  den  3.  Februar,  und  manches  (siehe  Februar)  lässt  vermuthen, 
dass  in  den  Anfang  dieses  Monats  ein  Fest  des  Luflgottes  fiel.  Denkt 
doch  das  Volk  selbst  bei  dem  Namen  «Blasius«  an  »Blasen.«  — ^er 
Akt  des  Spinnens  erzeugt  stets  einen  Luftzug.  Wer  spinqt^JMCbt  als«^ 
Wifld  «tc.  — 


40 

5)  Zigeuner  können  Stürme  erregen.  —  Als  man 
einst  in  »Edm  (Steinerkirclien)  »Har«  zettelte,  kam  zufällig  eine 
solche  Bande  des  Weges  vorüber,  schlug  ein  helles  Gelächter  an, 
und  jauchzte. und  klatschte  in  die  Hände.  Als  man  nun  nach  der 
■Retz«  den  iHar«  heben  wollte,  kam  bei  völlig  heiterem  Himmel 
ein  fürchterlicher  Sturm  daher,  der  ihn  allen  wegführte.  Die  Leute 
gaben  die  Schuld  den  Zigeunern ;  sie  hätten  es  ihnen  angcthan, 
als  man  den  Har  zettelte. 

j6.  Besonders  die, jtWiJtt jdja4).ra  u  d  ä  r  n«  •)  macht  sich  gerne 
über  »Ha_r_und  Leinwat«  her.  Man  schützt  den  Har  vor 
ihr,  indem  man ,  wird  er  zur  Rotze  ausgelegt,  3  Burzelbäume  ^ 
darüber  macht;  sie  vermag  ihn  auch  nicht  zu  heben,  wenn  man 
ihn  mit  3  oder  9  Haselzweigen  »ansperlt.i  Die  »Windspraudärn« 
führt  ganze  Stücke  Leinwand  hoch  in  die  Lüflc  und  treibt  damit 
ihr  tolles  Spiel.  In  Buchkircben  erfasste  sie  gar  einmal  ein  gaqz 
nasses  Stück,  das  eben  zum  »Blödern«  zusammengelegt  auf  der  Wasch- 
bank lag,  und  trug  es  unter  heftigem  Geräusche  weit  mit  sich  fort. 

7.  Die  >W  in  d  s  praudär  n,«  der  Teufel.  Der  Teufel  ist 
es,  sagen  die  Leute,  wenn  der  Sturmwind  das  dürre  Laub  im 
WirbeLheriimdreht.  Wer  in  die  Nähe  kommt,  kann  leicht  besessen 
werden.  —  Wenn  die  »Windspraudärn«  (Sleinerkirchen)  um  einen 
tanzt,  so  macht  man  den  Mund  zu,  damit  einem  der  Teufel  nicht 
in  den  Leib  fahre.  —  Die  »Windspraudarn«  Ist  eigentlich  der 
»Deixl,«  der  da  sein  »Gschpil«  hat.  Wenn  man  sie  herankommen 
sieht,  bekreuzt  man  sich  und  ruft :  »Saudrök,  Saudrök,c  ^)  oder  auch  : 
tSaudröky  Geh  wög!,c  damit  der  Böse  nicht  in  einen  hineinfahre.  — 


')  Es  ist  wol  an  eine  Entstellung  aus  Windsbraut  zu  denken,  die  tu  einer 
Zeit  eintrat,  als  der  mythische  Ausdruck  »Windsbrautt  nicht  mehr  ver- 
ständlich war.  Dem  steht  freilich  entgegen,  dass  das  Volk  dennoch  von 
einer  Windin  spricht.  — 

•)  Überhaupt  werden  Sprünge  in  Verbindung  mit  dem  Gedeihen  des  Flach- 
ses gebracht.  — 

')  Die  Sau,  der  Eber,  ist  ein  Naturbild  des  Sturmes.  Daher  ist  dieser  Zuruf 
als  Drohung   gegen   den   Teufel,   den    alten  Sturmgott     aufzufassen,  wie 


41 

6.  Die  Bauern  in  Traunkrrcben  und  Umgegend  sagten,  wenn 
der  AVetterwind  zu  toben  und  tosen  begann :  »Die  Riesen 
fangen  an  zu  zürnen.  • 

J9.  Nun  eine  Erzählung,  welche  die  wohlthätige  Kraft 
des  Windes  anerkennt.  Ein  Bauer,  dem  selten  eine  Ernte  gut  genug 
war,  hatte  die  Gewohnheit,  über  die  Massen  auf  Jon  lieben  Herr- 
gott zu  schmähen,  dass  er  kein  gesche|teres  Wetter  mache.  Eines 
Abends,  es  war  noch  zu  der  Zeit,  als  der  Herr  Jesus  mit  Petrus 
auf  Erden  wanderte  ,  trat  dieser  ein  und  bat  für  sich  und  den 
Jünger  um  Nachtherberge.  Sie  ward  gewährt.  Das  Gespräch  drehte 
sich  bald  ums  Wetter,  und  der  Hauswirth  zog  wie  gewöhnlich 
auf  den  Herrgott  los.  Der  Herr  stellte  nun,  nachdem  er  ihn  hatte 
ausschimpfen  lassen ,  die  Frage,  ob  denn  er,  wenn  er  die  Macht 
hätte ,  sich  besseres  Wetter  zu  machen  getraute  ?  Der  Bauer  be- 
jahte es  aus  Leibeskräillen  ;  man  solle  ihm  nur  Gewalt  geben  über 
Regen  und  Sonnenschein !  Beim  Abschied  nun  verlieb  ihm  der 
Herr  die  Gewalt  über  beide.  Doch  ,  so  gut  es  auch  der  Bauer 
anzutragen  ineinte,  das  Wetter  schlug  dem  Getreide  nicht  an  ;  er 
hatte  nämlicb  in  seinem  Unverstände  ganz  und  gar  darauf  ver- 
gessen, dass  es  hiezu  auch  der  Gewalt  über  den  Wind  ')  bedurfte. 

iO.  Wolf,  Naturbild  des  Windes.  Wenn  man  nicht  ein- 
schlafen kann ,  rälh  man  im  oberen  Mühlvierll,  soll  man  sich  ein 
vom  Winde  bewegtes  Kornfeld,  oder,  setzte  der  Mitlheiler  un- 
gläubig hinzu ,  ein  Feld  vorstellen,  durch  welches  der  Wolf  lauft, 
und  der  Schlaf  kommt  gewis  bald.  '^) 


man  noch  etwa  droht:     »Dich  kenn  ich  schon!«    In  Beziehung  auf  Flachs 
und    Leinwand    werde    hier    nachträglich  bemerkt ,    dass    die   Flachsarbeit 
selbst,  Spinnen  und  Weben  mit  dem  Wind,  Bleichen   und  Waschen,  Nähen  ^ 
und  Flicken  mit  dem  Gewitter  in  Verbindung  scheint.  — 
*)  Wind,  der  nicht  zu  heftig  ist,  befördert  die  Befruchtang.  — 
')  Das  Wind-  oder  Sturmeslied  (Orpheus,  Horand)  ist  allgewaltig,  es  singt 
auch  in  Schlaf.    Von  Volker  sagt  das  Nibelungenlied :    Süeior  und«  senfler 
gigen  er   began,   Do  entsehwebete    er  an   den   betten  tU  mtiiegen  sor 
genden  man.« 


42 

11.  Redensarten    und    Räthsel.    Gschwind,    wie    d4 

Wind.   —    Ganz  vädr^ht,    wie  da  Wind    s*  Laufes  wälit.  —  Pfeift 

i       der  Wind  aus  dem  Loch?    ')  —  Mil'n  Wind  scbifn.  — :.  Was  ist 

5     stärker,  als  die  FhUhjm  Meer  ?  Der  Wind,  der  sie  treibet  hin  und  her. 

d)  Erde. 

Auch  die  Erde  erhält  in  der  Fastnarht^Jhr  FuUer,  indem  man 
ein  kleines,  zugleich  mit  der  StÖri  gcbackenes  Laibchen  eingräbt. 
Das  Brot  hat  auch  Daumenform,  und  das  Eingraben  geschieht  am 
hl.  Dreikönigsabend. 


>(i*^  C.    Zeit  und  Witterung, 

D-  -r^-^  Fruchtbarkeit  und  Gestutdheif. 


ili'^"^5^'"'  i 


Jänner ,  auch  Holzbrenner  genannt. 

Im  Weihnachtstag  wächst  der  Tag, 

So  weit  d*  Mukn  gea^  mag. 

Im  Neujahrstag,  so  weit  da  Han  kr^tschn  mag, 

Im  hl.  Dreikönigstag,  so  weit  da    Hirsch  springä  mag. 

Im  hl.  > Dreikönigstag c  beginnt  ein  Sprechspiel  für  Kinder, 
»springt  der  Hirsch  ^)  übern  Bach.«   — 

Am  Neujahr  heisst  es  :  „Ma"Äaßlis,Taff  wachs,  Köldn  wachs.  — 

Am  Valdistag  singt  man:  »Um  Valentin  gehnt  d'  Peirt^, 
d*  Nächtn  und  d'  Störin  dahin.«    — 

Zu  Sebastian  Will  der  Saft  jg  die  Bäume,  gan.  ^)  — 


*)  Nimmt  man  jetzt  diese  Richtung  ?    Oder  :    Kommt  von  daher  der  Antrieb  ? 

')  Der  Hirsch  ist  Natarbild  der  Sonnenbewegung.  Mithin  wollen  diese 
Sprüche  sagen:  erst  am  h.  Dreikönigtag  beginnt  eine  merkbare  Zu- 
nahme des  Lichtes. 

')  Das  Volk  ent^elt  sich  an  diesem  Tage  des  Genusses^  \:ou  Obst.  A]i^cm 
sowol  als  gedorrtem.  Auch  dem  Moste,  dem  beliebten  »Uaustrunke«  sprach 
man  nicht  zu,  fastete  bis  zum  Abend  bei  Wasser  und  Brot  und  zwar, 
weil  der  Heilige,  an  einen  Baum  gebunden,  die  Marter  ausstund.  Er  wird 
als  Patron  gegen  ansteckende  Krankheiten  verehrt.  — 


43 

Z'  Vrzenzi  heiratn  d'  Vögl  zsam.  — 

Pauli  Bekehrung  Halb^>^!iOtcr  hinum,  Halb  Winter  herum. 
Oder:     »Pauli  beker  dich,  Halb  Winter  scher  dich.t   — 

On  Jena    vil  Tropin,  On  Moa  vil  ZogJA»   *)  —     J  ^^L. 

Tanzen  im  Jänner  die  Mukn^  Muss  der  Bauer  nach  dem 
Futter  guckn.  — 

Is  s'  nöo  Jar  ano^  Sturm  und  Rögn ,  Bleibt  God  nöd  aus 
mit  Glik  und  gögii.^  — 

Wenn  am  Neujahrstag  eine  Mocg^oiuUh  ist,  so  bedentel's 
selbiges  Jahr  KHeg^  und  üngewitter.  — 

Scheint  an  diesem  Tage  die  Sonne  klar,  so  gibt's  selbiges 
Jahr  viel  Fi§/^|ic.  — 

Hat  Pauli  Bekehrung  einen  Nobel  und  zwar  in  der  Hohe, 
so  kommt  in  dem  Jahre  lüber  die  hohen  Häupter  ein  Sturm;« 
ist  der  Nebel  am  Boden,  so  kommt  er  über"(?'as  gemeine  Volk. 

Redensart.  Hcu^t  derft  m^  singä  gehn  ;  r  e  i  m  a  thuet*s 
sih  so  selbä.   ^)  — 

i)  Februar,  H^  I. 

Am  Lichtmesstag  soll  die  Sonn*  schon  um  ^T^l^r  auf  den 
Kirchthurm  scheinen.  ^)   — 

Peter  Stulfeir  Macht  Tag  und  Nacht  gleich.  '— 
Matheis  brichts  Eis;  fni3t   a  kosTs,  Sä  macht  är  oa~s.  — 
Gibts    im    HerjjdMßux.Trüpfl,  Gibts    im  Mai  ein  Schöpfl.  *) 
Oder  auch :    Ön  He  nl  vül  Tröpfl,  ön  Moa  viil  Knöpfl.  — 

D'  Faschingjirapfn^in  da  Sun, 
Z'  Eostern  d'  ^ar  Jn  ja^tubn.  — 

Wenn  am  Lichtmesstag  die  Sonne  den  Geistlichen  auf  der 
Kanzel  anscheint ,  soll  die  grosse  Dirn  geschwind  h^imlaufen  und. 
alles  zusammenputzen,    sogar    >s*  Gsod    undärn  Baru;«    denn    es 


')  Viel  Regen  im  Jänner  lässl  einen  kalten  Mai  erwarten. 

•)  Scberzlnifles  Wortspiel. 

')  Bezeichnet  den  normalen  Stand  der  Sonne  zu  diettir  Zeitig! 

*)  Begnet  es  im  Hornunf,  gibt  es  im  Mai  Schnee. 


44 

wird    ein    schlechtes   Jahr.  —  Nuc^^derjüachs   gerätb,   wenn  an 
diesem  Tage  die  .Saimfi..scb«ioi.  — 

Das  l^*nl  soll  mit  Saus  und  Braus   eingehn.  — 
Kimls  Hü*nl  mit  Saus  und  Braus, 
Bauer,  trag  s^  üräs  aus*n  Haus ; 
Kirnt's  abä  ganz  stül, 
Lass's  drol)nit  in  da  Dül.  — 
Geht  s  Hc'nl  ein  mit  Saus  und  Braus, 
So  haldcns  Man  und  Ros  leicht  aus; 
Gehts  aber  ein  in  Gstül, 
So  habn  Ros  und  Man  nöd  vil.  — 
Kirnt's  He'nl  sanft  und  gstül, 
Mucs    mä   s    UrAs    sauba    zsampuzn    und    äffölragn 

ö  d'  Dül. 
Kirnt's  awÄ  mit  Wind  und  Wäh", 
De'f  mä  s   Uräs  int'astr'an.   — 
Wan's  He'nl  kirnt  mit  Saus  und  Braus, 
Baur'  kim  mit'n  Pflueg  heraus; 
Wan's  ab'a  kirnt  Ö  d'a  Gstül, 
Mensch'a,  tragt's  Ura*s  ^ffo  ö  d'  Dül.  — 
Dös  ganz  He'nl  sol's  so  viel  schneibn  und  jyähn ,  dass's  nei^ 
Mut  ^Schrjßß  durch  ä  N'abingälukd  wdht.  — 

Im  Hornung    hats  der  Bauer  lieber,  wenn    ihm  derJ5[i»lf  *) 
zum  Fenster  hineinschaut  als  die  Sonne.  — 

Wan's  He'nl  den  Gwalt  het  wie  da  Jena, 
So  that's  s^KailMö^jiä^        dabrenä.  — 
Fallt  am  Faschingmontag  Schnee, 
Rufen  die  Aepfelbäum'  Juchhe.  — 
Wenn  am  Aschcrmittjwfl^li  die  Sonne  schön  ausscheint,  ist's 
die  ganze  Fasten  schön,  scheint    die  Sonne   jeden  Tag  docli  we- 
nigstens etwas  aus.  — 

Wenn    es    am  Lichtmes^lag.,.schneit ,  sc hnjeit__es  Blattern.  — 


')  Der  Wolf  vertritt  hier  wol  nur  den   »Saus  und  Braus«,  womit  der  Hör- 
nung  eingehen  soll. 


45 

3.  XAn. 

St.  Gertrud.  Ad  ihrem  Namenstag  hö^LjUe  Heilige^  zu  spin- 
nen .jiuf;  ein  Mäuschen  ^)  beisst  ihr  den  Faden  am  Rocken  ab, 
und  sie  fängt  zu_>j^rtelnt  an.  Daher  endet  auch  an  diesem  Tage 
die  Rockenarbeit,  und  die  im  freien  beginnt. 

Der  hl.  Joseph  sagt:  BWenidit  (Benedikt)  steh  äf  und  bau 
Hawinlf  Benedikt  aber  antwortet*  »Is  noch  um  3  Ta|;_z*Jbar, 
nah  insjMieben  Eraun,  Is  guet  baun.i  Auf  Haber,  der  um  diese 
Zeit  gebaut  wurde,  den  sogenannten  »Märzen habe/«  hält  man 
grosse  Stücke.  — 

Z'  Maria  Verkündigung  Kemänt  d'  Schy|linL  wjdenim.  -— 
D^  FraiQjlgJ[,Jafibt-^\Iiechl  a.  — 

Auf  Maria  Verkündigung  wurden  vor  alter  Zeit  Bäume  ge- 
pHanzt.  2)  —  "*"'' 

Im  März  soll  es  so  kalt  sein,  dass  es  dem  Raben  seine  Eier 
ausgefriert.  —  ^ 

'  üä  Mörz    mue*  s'  Holz  ffefr  n ,   Bis    ön  Ke  n ,   Eh  mag  nöd 
Sum*a  wen.  — 

Die  Märzennebel  sind  sehr  gefürchtet,  weil  jeder  nach  100 
Tagen  zu  einem  Gewitter  wird.  Es  heisst  daher  auch:  »Ein  Mär- 
zennebel  traget  so  lang  als  wie.cin'^aU^^u.t  — 

Wenn  im  März  die  Abschüblinge  der  Tannenwipfelchen,  an 
Ast  und  Zweig  und  Reis,  zahlreich  auf  dem  Boden  umherliegen» 
sind  viele  und  starke  Gewitter,  besonders  ■Schauerwetter«  zu 
fürchten.  — 

Geht  der  HärzjmuK^ein  Stier,  geht  er  aus  wie  ein  Lämpl ; 
gebt  er  ein  wie   ejnJJimpl,  gehf  er  aus  wie  ein  Slier.  — 

Wenns  am  40  Martyrcrtag  schön  ist,  bleibt  es  noch  JO 
Tage  kalt.  — 


*}  Siebe  splter:    Thierc.    Maus. 

*)  In  dem  BOcblein:  ■  Aufrichtiger  Unterricht,  d.  i.  gottselige  Lehrart  deren 
wie  sowohl  nöthig  als  gewöhnlichen  Kircbengebriuchen ■  etc.  etc.,  Linz, 
1736,  wird  ^.  403  dies  als  sündhafter  Aberglaube  gerügt  — 


46 

Wenn  am  Georgitag^dje  Sonne  scheint,  geht  der  Bär  aus*m 
Loch  und  ihut  •  Fäustling  flicken.«  Ist  aber  der  Dreijöringtng  '|ligrob,t 
so  BleTBl  er  noch  14  Tag  im  Loch;  sodann  aber  bricht  er  herfur 
und  fürchtet  keinen  Winter  mehr.  —  Kleine  Kinder  gehen  daher 
an  diesem  Tage  gern  ums  Haus  und  spähen ,  ob  sie  nicht  auf 
dem  Dachfirst  den  Bären  sitzen  sehn.  —  Z*  Drijöi'ing  muess  da 
W^idd  scH^'orn,  dass  ä  seinö  Schefl  ön  Feld  kan  dandrn.  —  So 
weit  die  Araachsl  vor  dem  Frauentag  sich  meldet »  so  lang  muss 
sie  darnach  »stitt  sein.  Nacbwintersbesümmung.  —  Nach  Maria 
Verkündigung  gefriert  es  nicht  mehr,  weil  unsere  liebe  Frau  mit 
einem  Brand  unter  dqr  Erden  hingeht.  ^) 

Wie  der  Wind  ^m  Karsamstag  w'ihrond  der  Feuerweihe  geht, 
geht  er  bis  Pfingsten.  — 

Märzenstaub  ist  Goldes  werth.  — 

Wenn  es  im  Milrz  donnert,  gibt  es  ein  fruchtbares  Jahr.  — 

Wenn  am  Georgitag  die  Sonne  scheint,  werden  viel  Aepfel. 
Wenn*s  am  Tage  Maria  Verkündigung  schön  ist,  haben  4  Scbarlner 
BauerjjJUurn  an  einem  Tische  PTalz ;  ist*s  grob ,  schmiegen  sich 
ihrer  dreizehn  leicht  zusammen.  *)  — 

Wenn  am  Frauentag  und  am  Palmsonntag  schön  Wetter, 
ingicichen,  wenn  die  Grasmücke  singet,  ehe  der  Wein  sprosset, 
soll    ein    fruchtbar  Jahr  folgen.    Wenns    am    Palmsonntag  »grob« 


')  So  entstellt  aus:  S^^egorL  —  Wenn  dieser  Tag  ein  FrühlingsUg 
ist,  (1.  h.  hell  und  warm,  so  hat  man  noch  einen  starken  Nachwinter 
zu  erwarten.  — 

•)  Simrock,  d.  Mylhol.  S.  68.  Freyr  gibt  sein  Schwert  her,  um  in  Gorda's 
Besitz  zu  kommen;  die  Sonnengluth  senkt  sich  in  die  Erde.  Sie  ist  das 
brennende  Scheit. 

')  Die  Schartner  Gegend  ist  ungemein  obstreich.  Von  der  Witterung  diese« 
Tages,  sagt  also  der  obige  Spruch,  hängt  der  Obstsegen  des  Jahres  ab. 
Ist  es  an  ihm  schön,  so  werfen  sich  die  Bauern,  einer  reichen  Ernte 
sicher,  so  in  die  Brust,  »breiten«  sich  so,  dass  nur  5  (allö  guetcn 
Ding  sänd  drei)  an  einem  Tische  Platz  haben.  Isfs  »grob,«  so  finden 
selbst  15,  und  13  ist  eine  unglückliche  Zahl,  so  dass  einer  sich  ent- 
fernen soll,  bequem  Platz.  • 


47 

ist,  bedeutet  es  ein  schlechtes  Jahr.  Wenn  während  der  Palm- 
weihe  die  Sonne  scheint,  gedeihen  in  diesem  Jahr  alle  Gattungen 
.Früchte.  —  Treibt  oer  Palmbuschen,  welchen  man  jn  den  Acker 
steckt,  aus,  so  wird  ein  gutes  Jahr ;  wo  nicht,  ein  schlechtes.  Wie 
d*  Palm*,  so  s*  Keorn,  d.  h.  wie  die  Witterung  am  Palmsonntag, 
so  die  erste  Fechsung.  — 

Wenns  am  Karfreitag  regnet,  hilft  und  schadet  kein  Regen. 
Wenns  an  ihm  einen  Reif  hat,  schadet  kein  Reif  mehr.  Am  Kar- 
samstag soll  €iä-.ffQrI*?V Weller  haben.  Wenn  es  an  diesem  Tag 
schön  ist,  ergibt  das  Wasser  nicht.  — 

Im  März  soll  man  den  Rock  versetzen  und  im  April  aus- 
losen, d.  h.  kein  Wasser  trinken,  weil  dieses  in  dem  Monat  un- 
gesund  ist,  und  hätte  man  kein  Geld,  lieberden  Rock  verkaufen, 
um  sicli  anderes  Getränke  verschaffen  zu  können.  — 

Wenn  am  Karfrei-  und  Samstag  der  Wind  stark  gehl,  ster- 
ben  in  demselben  Jahr  viele  junge  Leute  und  Kinder.  — 

Wenn  der  März  mit  den  Ostern  Fleich  isst»  d.  h.  die  Oster- 
feiertage  noch  in  den  März  fallen,  so  issl  er  s  an  den  Leuten  her- 
unter »"^XTI'.  "es  jlerben  viele.  Am  ersten  und  letzten  März  hängt 
man  alle  Kleider,  wenigstens  auf  eine  kurze  Zeit  in  die  Sonne, 
um  sie  zu  »sinnern«  und  so  vor  den  »Maucken,!  den  Larven  des 
Speckkäfers,  derme^L  lard.  und  der  PelziQfijlte,  deniusL  pellio,  Lin., 
zu  ^gh^rn.  Auch  anderes  Ungeziefer  wird  jedoch  mit  diesem 
Namen  bezeichnet.  — 

4)  April. 

Dar  Aprül  zöht  ön  Pflueg  vä  da  Düh  —  Der^jLfiCtUhut, 
wie  erwijl.  —  Was  der  März  zügelt,  vertilgt  der  April  —  9mal 
soll  der  April  jeden  Tag  d*  Fäl  aus*n  Fold  jagn.  —  Um  Georgi 
soll  das  Korn  sohadi.scin ,    dass  sich  eine   iKran«   darinverate- 


cken  mag.  Auch  soll  man  von  diesem  Tag  an  nicIiT  mehr  ins 
Wiesland  gehen .  weil  das  Gras  Schaden  leidet.  An  diesem  Tag 
mischt   man    das    erstemal    wieder  den  Rindern  etwas  Grünes  ins 


18 

FuUer.  Am  Georfitae  geht  jedenfalls  der  Bär  vom  Loc^  <)  um 
in  dasselbe  nicht  mehr  zurückzukehren,  erschallt  der  erste  Ruf  des 
Kqkiaks,  —  Der  Aprüschnee  düngt  besser,  als  Schafmist  — 
Wcnn*s  am  Ostertag^  scböa  Wetter  ist,  soll  ein  glücklich  Jahr  fol- 
gen ,  dagegen  wenn  es  an  ihm  recht  stürmti^Kneg^  Krankheiten, 
Hunger  u.  s.  w.  —  Wen  däJääoL  üöd  wül,  dÄOJumLdAiLAprül.  ^ 

5)  Mai. 

Um  Philipp!  soll  das  Korn  so  hoch  sein,  dass  sich  ein  Mann 
darin  verstecken  kann.  —  An  diesem  Tage  säet  auch  unser  Herr- 
gott  dem  Korn  unjer,  oder  Philipp  flickt  das  G^traidc  aus.  — 

Pankraz ,  Servaz  und  Bonifaz  heissen  die  »Reifmanä.«  Nach 
diesen  Tagen  kommt  kein  Reif  mehr.  —  Wenn*s  am  Pankrazitag 
regnet,  so  rinnt  der  Most  am  Sfamm  herab.  Am  Pankrazitag  soll 
man  die  Baume  beglessen.  Daher  höK  man  auch  hie  und  da  be- 
ten :  iBit  für  ins  heil.  St.  Pankraz,  dass  da  Most  und  da  Brand- 
wei"  grätJ« 

Der  Erdapfel  sagt:  »Sözst  mih  ön  Aprül,  So  kirn  ih,  wan 
ih  wül;  Sözst  mih  ön  Moa,  So  kim  ih  gleihlt  — 

Wenn*s  im  Mai  donnert,  so  »rigelt'sc  d*  Erden.  — 

Wenn  s  im  Mai  hagelt,  so  hagelt  es  jeden  Monat  — 

D*  Nachtrögn  (im  Mai)  sänd  Xfificodieb.  — 

Am  Aufiahrtstage  soll  man  sich  niciit  niederiegen,  ^)  sonst 
legt  sich  auch  der  Waizen.  — 

Wenn  am  Pfingstsonntag  die  Sonne  schön  scheint,  dürfen 
die  Backer  Wein  trinken  ;  denn  ea_^cräth  &cl^  Waiz.     Oder    auch 


')  Der  späteste  Termin  für  den  Anfang  des  Auswärts,  dessen  Naturbild  un- 
verkennbar der  Bär  ist.  Dieser  aber  geht  nun  auch  nicht  mehr  in  das- 
selbe Eurück;  er  furchtet,  wie  es  (Georgitag)  hiess,  keinen  Winter  mehr. 
Auffallend  ist  es,  dass  in  dem  Buche:  »Aufrichtiger  Unterricht  u.  s.  w. 
Linz,  1736,«  obwol  in  ihm  aller  Feiertage  des  Jahres  Erwähnung  ge- 
schieht, der  Georgitag,  den  das  Volk  noch  feiert,  nicht  genannt  ist. 
Vielleicht  geschah  dies  absichtlich,  weil  manches,  was  an  diesem  Tag« 
Brauch  war,  anstossig  erschien?   — 

*)  März  und  April  sind  seh^jmgfijsunde  Monate. 

\  Unter  Tags,  auf  die  Ofenbank  u.  dgl. 


Wenn^s  am  PfingslaonnUg  regnet»  so  regnet  es  d^n  Backen  in  den 
Trog  und  den  Bäuerinnen  in  das  •Kohku£rer.t  *)  — 

Wenn  es  ana  Abend  vor  St.  Walburg  oder  in  der  Nacht 
daror  thaut,  soll  es  ein  Zeichen  guter  Gesundheit  sein. 

Redensarten  und  RäthseL  Im  Mai  regnet  es  Gras.  ^ 
—  Der  Mai  »is  on  Habäm  sei"  Windä  <  —  V?as  ist  das  schönste 
auf  der  Welt?    Der  Monat  Mai.  — 

6.  Juni.  Ein  Feld,  auf  welches  Korn  gesäet  wird,  ackert 
man,  wo  die  Dreifelderwirthscbaft  im  Schwange  ist,  3 mal  um,  Das 
Umackern  des  Stoppelfeldes  heisst  >brachä;c  das  zweite  Umackern 
irüe*n;c  das  dritte  » keornackärn7«~Ton  diesem  »brachä«  heisst 
der  Juni  auch  Brachmonat.  — 

Zä  St.  Veit  3)  Mäht  man  ön  allö  Weit.  —  Der,  Heuschober 
soll  den  Kornschober  »dälengä  kinä  «  —  Wan  da  Radn  *)  blüeht 
reolh,  Saliamä  ön  vie*  Wochän  ä  kc^onäs  Breod.  —  Der  iSunä- 
wendlag  bricht  ön  Keo*n  d*  Wurzn  j^;  Und  da  Petärstj^^.  Macht 
earn^  qsX  gä.«  —  Der  »Sunawendtag  Sticht  ön  Keo'n  d*  Wurzn 
a.  —  Da  Pelärstag  brent  Ön  Ke^  d'  Wurzn  a.  —  ön  Petirstag 
Steht  da  Baur  mit  d^Sichl  da.  —  Oder  auch:  >Dä  VeitI  Sohlach*ts 
Keo*n  mit*n  Scheit! ;  da  Sunawendtag  Sleosst  ön  Keo'n  d*  Wurzn 
a';  DfTet^stag  Steht  mit  da  Sichl  da.  —  Vom  Korn  heisst  es 
auch :  Virzäh*"  Tag  schossn,  Virzäh"  Tag  blüehn,  Virzäh"  Tag  eP  kirni, 
Virzäh"  Tag  azciting.«  —  Nach  Sonnenwenden  wächst  das  Ge- 
treide  auch  Nachts.  — 


')  Der  Waizen  zieht  nicht  an,  bat  keine  Kraft;  Kohkupfer  ist  das  Gefliss 
oder  Geschirr,  worin  das   iKoch«  bereitet  wird. 

')  Bezeichnet  die  befruchtende  Kraft  des  Mairegens. 

'  Auch  in  der  Zeitbestimmung  macht  sich  mithin  St^y^Jtemerklich  und 
wird  in  Beziehung  zur  Heu-  und  Kornernte  gesetzt.  Zu  dieser  Symbolik, 
welche  sicherlich  alt  heidnisches  auf  ihn  übertragen  Hess,  gab  wol  auch 
sein  Attribut  Anlass.  Ein  kleines  Gefass  mit  Flammen,  die  hin  und 
wieder  sogar  für  JBlMQteri  jumiese^üi,  wurden,  ist  das  Attribut  dieses  Hei- 
ligen, der  in  einen  Kessel  voll  brennendem  Pech  geworfen  wv' 

')  Komrose,  Koronelke,  agrost,  gUhag,  Lin. 


60 

Wenns  am  Medarditag  regnet»  so  können  die  Schinder  _Meth 
und^JSIfliojU^inken.   *) 

Wenns  am  Johanpitag  ^)  regnet,  soll  es  14  Tage  fortregnen; 
auch  gerathen  dani^  die^  »BüchU  und  Has^püa^f^  mclit  ^  ifverden 
wurmig  und    löcherig. 

Wcnn*s   am  Peterstag  j^egnet,  so  regnet  es  Jö^ebjindlM'äus. — 

Wenn*s  am  Dreifaltigkeitssonntag  regnet,  so  regnet  es  13 
Sonntage.  — 

7)  Juli.  Zu  Külian  Schneidt  ein  jederman.  —  Wenn  es 
an  Maria  Heimsuchung  regnet,  regnet  es  40  Tage  nacheinander 
fort,  oder,  es  ist  6  Wochen  nicht  schön.  Denn  wie  unsere  liebe 
Frau  übers  Gebirg  geht,  so  geht  sie  auch  wieüer  zurück.  — 

Werin*s  am.  ülrichslag,  ^)  auch  tDuräslag-  genannt,  regnet,  so 
regnet  es  ins  «Urb«  *  oder  lUr^kübl,«  ')  d.  h.,  es  ziebUlas  Uebl 
nicht  an.  — 

Scheint  die  Sonn  am  Jakobilag,  ^)  So  führt  man  Kälte  halber 
grosse  Klag.  —  Am  Jakobitag_  blüht  der  Schnee.  —  Marg^retn- 
rögh  macht  d*  Kuss-ioucr.  —  Z*  Margaret  und  z  Maddlen,  do  is 
söldn  sehen.  ~ 

Wenn*s  am  Jakobitag  regnet,  so  sajztJ[akslLjlieuAepfel.  Die 
Zeiligung  derselben  bestimmt  sich  nach  folgenden  Fristen  :  »Da 
Jagl  thuct.d!  Opfl  salzen,  da  Lcnzl  thuQts  schmalzen,  ^  Da  Bart! 
gibt  ean  ön  Gschmach,  Und  da  Jfichl  brockts  a.  — 


')  Er  ist  bekanntlich  der  längste  Tag  im  Jahre.  Bei  einem  »Sauhandel« 
rühmte  der  Verkäufer  seine  Waare  mit  dem  Gleichnis  an:  >Dö  Sau  is 
6  so  lang,  4s  d4  Tag  um  Johanni.«  — 

*)  Auch  St.  Ulrich  hat  also  auf  Wetter  und  Ernte  Bezug.  Darum  bittet  er 
auch  in  dem  bereits  erwähnten  Spruch  neben  St.  Veit  und  Nikolaus  um 
Holz  zum  Sonhenwendefeuer.  Auch  klingt  schon  der  Name  »Duristag« 
an  Donner  an. 

*)  Ein   kleines,  hölzernes  Gefäss  für  das  Url,  Urä,  Urb,   Urhab,  Sauerteig. 

')  Der  Jakobitag  Pällt  genau  ein  halbes^  j£br^,spi*t«c»^als  Pauli  Bekehrung, 
womit  die  zweite,  meist  strengere  Hälfte  des  Winters  beginnt  — 

*)  lOhne  Salz  und  Schmalz«  heisst  auch  so  viel  als  geschmacklos.  — 


5i 

8)  August 

St.  Laurenz  sagt  zu  St.  Bartholomäus:  ^)  »Schir,  Bartl, 
scbir;  On  virz'äh*  Tagen  is*s  an  Dir.«   — 

Dir  AitgualLMacbLd*  Bauern  iusti\  —  Denn  auch  der  Haber» 
die  späteste  Getreideart,  wird  in  diesem  Monat  gemäht  und  ein- 
gebracht. —  An  dem  Tag,  wo  das  erste  Fahrtl  Haber  eingeführt 
wird ,  zündet  (jer  Bauer  das  erstemal  wieder  beim  Abendessen 
Licht  an;  daher  die  Redensart:  iDas  erste  Haberfahrtl  setzt  'n 
Leuchter  äfn  Tischet  und  das  Räthsel .  >Di  Habä  ^)  leschts  aus 
und  kendt*s,an.f  — 

Auch  hört  man  häufig  das  Work  » Aus'n^ Haw^fi Alm^n  geht 
da  kalt  Wind.i  Es  erläutert  sich  dadurch,  dass  es  heisst:  Beim 
HaEernrpähn  muss  man  in  die  Stoppeln  »NägärK  einschlagen,  da- 
mit der  Winter  nicht. ticrau^s  kann.«  ^)  — 

Wan  z  Bartimei  noch  •Halm«  stehen,  so  muss  sich  >dä  Bärtl 
ön  Arsch  z*krazn.t  ^)  Die  Legende  lässt  den  Heiligen  geschunden 
werden.  Daher  will  der  Heilige,  dass  auch  der  Erde  die  Haut 
gleichsamabg§^gen  wird,  Heu  -  tm3  (lefreide-Emte  völlig  been- 
digt ist  — 

Zu  Bärtimei  ftjert  man  s   Groa'amahd  äfs  Heu.  ^)  — 
Zu  Bärtimei    soll   kein    Heugras   mehr   slehn;    sonst   wischt 
sich  der  Bartl  den  Ärsch  damit  aus.  — 

Zä  Bärümei  Stökt   ma  dl^ÖpQ  und  d*  Nus5„ö:s  Heu.  «)  — 


^  Die  beiden  Tage  liegen  genau  2  Wochen  auseinander.  — 

*)  Siehe  März. 

•)  Nun  war  der  Winter  unterirdisch  eingeschlossen,  wie  vorher  der  Frühling. 

^)  Die  Volkssprache  ist  an  sich  derber,  will  aber  hier  nicht  etwa  absichtlich 
gemein  werden.  —  Mathias,  der  das  JEis  bricht,  und  Bartholomäus»  der 
das  Haberfeld  schon  umgeackert  und  auf  der  Wiese  kein  Gras  mehr  sehen 
will,  lieget  wieder  genau  ein  h^eaJJahr  auÄcinander.  Mit  BartholomSus 
beginnt  schon  halb  der  Nachsommer,  die  Gluth  der  Hundsbge  ist  mit 
ihm  vorüber,  obwoT  er  (siehe  Laureni)  noch  schüren   geholfen. 

*)  Die  Grummetemte. 

*)  Diese  Früchte  fangen  schon  reif  zu  werden  an. 

4* 


Der  Laurenzisturm  bleibt  nicht  aus.  —  Wie  es  an  Bartho- 
lomat  wittert ,  soll  es  den  ganzen  Herbst  wittern.  —  Wenn*s  zu 
Maria  Schnee  regnet,  so  wird  dasGelreide  zu  wenig,  und  wenn 
auch  an  jedem  Zaunsteeken  ein  Metzen  Korn  hienge.  — 

^"^"^^  man   auf  Laurenzi    einige  zeitige   Trauben  findet ,  so  ist 
starke  Hoffnung  zu  gutem  Wein«  — 

Die   Zeit    von    Maria    Himmelfahrt  _  bis   Namensfest    heissl 
»zwischnä  Frau  n  tag  n.t    Man  sammelt  da  verschiedene  Heil- 
kräuter ,    drischt  das    Samengetreide ,  geht^  fortan  nicht  mehr  ins 
Krautland.  — 
"^"9)  Septeml^er. 

Z*  Egidi  ist  die  erste  Kornsaat,  in  der  Kreuzwocbe  die 
zweite,  in  der  Quatemberwoche  die  letzte.  Um  zu  erforschen, 
welche  von  den  3  Saatzeiten  die^günstigste  sei,  nahm  der  Bauer 
einst  von  der  ersten  Fuhre  Korn,  die  er  einbrachtg^j  3  Aehren 
und  legte  sie  der  Reihe  nach  in  die  Erde  ein.  Welche  am  schön- 
sten  .aufging,  gab  ihm  diese  Woche  arii  '— 

Der  Weizen  wird  häufig  um  Michcli  gebaut.  Er  sagt  zum 
Bauern :    »Baust    möh  du  Ö*s  Likl ,   Sa   fül  dar  ich  dei*  S^kl.  — 

Michälö  Macht  Lauwär  und  Gras  wäjö^^  >)  Zu  Micheli  fing 
nach  alter  SiTfe  1n  den  Häuseriner  Handwerker  die  tiicliUrJ)eit 
an;  es  kam  daher  an  diesem  Tage  d5r*sögenannte^  »üehtbfädU 
auf  den  Tisch.  — 

Ist  Egidi  ^  ein  beller  Tag,  dir  ein'  guten  Herbst  vorsagt  — 

Ist  Mathias  schön,  so  darf  man  »alle  Scherbaufni  anbauen^ 
d.  h.  es  wächst  und  gedeiht  alles.  —  Matbies  Macht  die  Birn  süess.  — 

Ist's  am  Michelitag  schön,  so  darf  marTliöl^tr'äire  Berg'  und 
Hügel  anbauen.  *)  —  Wenn  beim  Kornsäen  grosse  KnoHen  wer- 
den, so  heisst  es:   »Greossö  Knoln,  Greossö  Stuk  Breodit  — 


«)  Welk. 

')  St.  Aegidius  zühlt  in  unserem  Lande  (der  in  der  Josephinischen  Zeit  ab- 
gebrochenen nicht  zu  gedenken)  14  ihm  zu  Ehren  geweihte,  durchaus 
alle  Kirchen.  — 

•)  Es  wird  ein  schöner  Nachsommer.  —  Mit  Georgi  beginnt  die  schönere 
Zeit  des  Jahres,   der  «Aoswirt«,c  mit  Ificheli  hört  sie  auf.   Dass  mach- 


SS 

Wenn  es  in  diesem  Monate  brav  Wespennester  gibt,  oder 
das  Obst  schon  an  den  Bäumen  fault,  wird  im  nächsten  Jahr  aber« 
roals  viel_  Ob§L  — 

10.  Oktober. 

D*  Laubagüss  Kirnt  ganz  gwis.  —  Sima^  wirft  ön  Schnee 
sT ;  wirft  n  dA    Sima"    nöd  a",    sa    helfänt  j^ljö    fleiligng  z'sam.  — 

Die  Oktobernebel  heisst  der  Bauer  gern  »Krautnöbl,«  weil 
sie  das  Kraut  »zsamdrähm.  — 

Wenn  die  Schafe  sich  Abends  nicht  gerne  eintreiben  lassen, 
fallt  im  JN^ntcr  viel  Schnee.  —  Will  das  Laub  nicht  gern  von 
Bäumen  faljen.  So  soll  ein  kalter  Winter  erschallen.  — 

Fällt  das  Laub  früh ,  aber  langsam  ab ,  so  wird  ein  früher, 
»langschwoafätä   ')  Winter  und  umgekehrt  — 

Wenn  man  am  Wolfgangitag  die  Bäiime^jliingt,  so  wird  das 
folgende  Jahr  viel  Most. 

11)  Hovember. 

Nach  Martini   soll   nicht   mehr    in   Acker   gefahren    werden ; 
sonst  •  fährt  (^er    Bauer   sein  Weib    ein.«   —  Z'  Anäre  Kemänt  d*ä  q 
Feirtä,  d*  Nächtn  und  d'  Slörin  dahc\  —  ^^ 

Z*  Anäre  Geht  Mül  sper.  —  Gh^lt^cr  Baum  den  Pelz  an,  ') 
so  wird  ein  strenger  Winter.  —  Am  AllerheiliggjUag  haut  der 
Bauer  "etnen  Span  aus  einer  Buche  ;  ist  dieser jass^^wird  ein  passer 
Winter,  ist  er  (mcken,  ein  harter.  — 

Ist  s  zu  St.  Leonhard  warm.  So  ist's  im  Winter  gut  fahm.  — 

Wenn  Martini   Nobel  findt,  Wird  dA  Wintä    ganz  gelind.  — 


ligc,  wenn  auch  nur  dunkle  Erinnerung  nn  diesen  Tag  sich  knüpfte, 
beweist,  dass  «auf  St.  Michaelistag  zu  Pflug  fahren  und  ansäen,  damit 
die  Erdfrüchten  kein  Unfall  bekämen,*  in  dem  schon  erwähnten,  1756 
zu  Linz  gedruckton  Büchlein  als  sündhaft  abergläubisches  Thun  ge- 
rügt wird.  — 

')  AltiodiscItMr  Glaube   schon   stellte   sich   den  WinJ 

')  Pelz  bezeichnet  das  Laub.  — 


94 

Kathirersehnee  Utuet  n'  Keon  web.  Bleibt  er  Tanger  als  100 
Tag  liegeiiT entsteht  »Winterschauer.«    *)  — 

Wenn  der  Andceasschnee  liegen  bleibt ,  Ii{£t_er,JiO  Tage. 
—  Am  Andreastag  bringt  der  Bauer  bereits  die  »Stdringmalta.« 
Korn,  woraus  weisseres  Mehl  zur  Störi  gemahlen  wird,  |urJitiUile. 
Da  geht  nun  diese  schnell    und    spricht:    »Anäre,.  Anäre^^^PJ^"*^** 

Am  Thomastag  aber  geht  sie  nogh  schnellery  ^weii  der  Bauer 
bereits ^m  das  Mehl  drängt.  Da  sagt  sie:  »Tamädi ,  Taroädi. 
Tamidi.c  —  Zu  einer  achten  Störi  muss  das  Urä  schon  am 
Thomastag  angerührt  und  der  Tejg  am  Weihnachtsfasttag^von  12 
Uhr  Nachts  an ,  gemischt  und  gebacken  werden.  So  verräth  sich 
die  ^törr  bis   an    die   kleinsten  Züge  als   ein  »Festbrot.«  — 

Gibt  man  doch  auch  die  »erste  Frucht,«  ein  Kraut,  das  man 
absichtlich  hiezu  aufbewahrt  hat,  (woi  eines  der  zuerst  im  Früh- 
ling sprossenden  )J^  in  die  Viehstöri.  Verleiht  sogar  der  Genuss  der 
Störi  dem  Menschen'  Stärke,  Leben   u.  s.  w. 

12)  Dezember. 

Schaut  s*  Christmonat  aus,  d.  h.  ist  es  einige  Zei|^  schnee- 
frei,  so  schauen  alle  Monate  aus.  — 

Am  Barbaratag  trägt  man  Zweiglein,  meist  von  Kirschbäumen, 
ins  Zimmer,  wclcEe  bis  zum  Weihnachtstag  blühen  sollen.  — 

Die  Rauchnächte,  besonders  die  Mettennacht,  sind  für  Wit- 
terung  und  Jahressegen  Leben  und  Tod  vielfach  vorbedeutsam.  — 

Liechtö  Mötn,  Finstärö  St'äl.  —        ^^ 

Scheint  die  Sonne  am  Christtag  hell  und  klar.  So  hofll  man 
ein  gutes,  fruchtbaresTahrr' — 

Wenn  der  Wind  untern  Nächtn  geht,  wird  im  nächsten  Jahre 
vieMtfo^t.  — 

Scheint  am  Fastweihnachtstag  die..^qnn'  auf  den  Tisch,  so 
werden  das  Jahr  darauf  viele  Aepfel, 


')  Kinderreiin.    »Katharina,  bist  drini.  Steh   auf,«    mach   mir  auf.  Mich 

fliest  ja  in  d*  Zehen,  der  »Reif  fällt  ma  drauf!«  — 
«)  NachtrSglich   ergab   sich,    dass  darunter   ewydal.  eav.  Lm.,  unser  Volk 

kennt  auch  den  Namen  »Wiidjt  Han^kamp.«    verstanden  sei. 


55 

ÜDter  den  iNachtn^i,  besonders  in  der  Mettennacht,  sollen 
sich  die  Bäume  stark  ^anreimen,t  dann  »rannen«  jljdie  Obstbäume, 
es  geräth  der  Most.  Dies  ist  auch  der  Fall ,  wenn  der  Most  in 
den  Kellern  ajbeilet.  so  dass  man  es  in  den  Fässern  sieden  und 
sausen  hört.  — 

13.  Unter  den  Tagen .  weiche  auf  Zeit  und  Witterung,  Saat 
und  Ernte  BggufrJtoben,  treten  gewisse  besonders  hervor,  und  es 
lassen  sich  auch,  wenn  man  die  Abstände  vergleicht,  öfters  wie» 
derkehrende  Cyklen  von  Monaten  und  Tagen  nicht  verkennen. 
Unter  den  Frauentagen  ist  vornehmlich  Maria  Verkündigung  zu 
nennen  (von  da  an  gefriert  es  nicht  mehr,  weil  u.  l  Frau  mit 
einem  brennenden  Scheit  unter  der  Erde  hingeht);  unter  den 
Tagen  der  Heiligen  sind  am  wichtigsten  Georg,  Peter  und  Paul, 
Michael,  denen  sich  Mathias,  Jakob,  Bartholomäus,  Matthäus,  Simon  und 
Judas  anschliessen.  Zu  erwähnen  sind  noch  Gregor.  Benedikt, 
Gertrud,  die  40  Märtyrer,  Maria  Heimsuchung,  Laurenz.  Gertrud 
(17.  März),  welche  an  ihrem  Namenstag  zu  »gärteln«  anfängt, 
fällt,  was  Zeit  und  Natursymbolik  betriflt,  mit  Maria  Verkündigung 
zusammen;  die  beiden  Tage  schliessen  so  zu  sagen  eine  Oktave 
ein.  Als  Haupttag  des  Jahres  stellt  sich  Georgi  heraus;  mit  ihm 
beginnt  der  Auswärts,  die  mildere  Jahreszeit,  welche  mit  Micheli 
wieder  endet :  der  Abstand  zwischen  beiden  beträgt  5  Monate  und 
wenige  Tage,  nur  1  Tag  mehr,  als  der  von  Pauli  Bekehrung  (halb 
Winter  binum,  halb  Winter  herum)  bis  zum  Peterstag,  der  mit 
der  Sichel  da  steht  und  die  erste  Hälfte  der  milderen  Jahreszeit 
abschliesst.  Von  Matbeis,  der  s*  Eis  bricht,  bis  Jakobi,  wo  der 
Schnee  blüht,  zieht  sich  ebenfalls  eine  Frist  von  5  Monaten.  Von 
Pauli  Bekehrung  bis  Georgi  verläuft  eben  Vi  Jahr,  oder  3  Mo- 
nate, und  die  nämliche  Zeitfrist  erstreckt  sich  zwischen  Georgi 
und  Jakobi,  zwischen  Jakobi  und  Simon  und  Judas,  wo  es  den 
ersten  Schnee  anwirft  und  die  rauhe  Jahreszeit  wieder  beginnt, 
endlich  zwischen  Simon  und  Judas  und  zwischen  Pauli  Bekeh- 
rung.   Auch  Peter    und  Pauli    und    Micheli   liegen    3  Monate    von 


')  Sich  mit  »Reim«  «nlegcn. 


56 

einander  ab.  Von  Matheis,  der  s'  Eis  bricht,  bis  Birtlmei,  wo 
alles  Getreide  bereits  eingebracht  sein  soll,  etc.,  geben  6  Monate, 
eben  so  von  Benedikti ,  wo  Haber  gebaut  wird ,  bis  Mathies,  der 
das  Geschick  der  neuen  Aussaat  bestimmt,  und  von  Maria  Ver- 
kündigung bis  Micheli.  Die  mildere  und  die  rauhe  Jahreszeit  währen 
je  5  oder  7  Monate,  je  nachdem  man  den  Nachwinter  oder  Vor- 
frühling, d.  i.  die  Zeit  von  Maria  Verkündigung  bis  Georgi,  und 
den  Nachsommer,  d.  i.  die  Zeit  von  Micheli  bis  Simon  und  Judas, 
zur  einen  oder  anderen  zählt  Von  Gregori,  wo  der  Bär  das  erste- 
mal aus  dem  Loche  geht,  sind  etwas  mehr  als  40  Tage  bis 
Georgi,  wo  er  keinesfalls  mehr  im  Loche  bleibt.  Mit  Beginn  der 
Woche ,  in  die  Georgi  fällt ,  enden  die  40  kalten  Tage  der  40 
Märtyrer;  40  Regentage  reichen  von  Maria  Heimsuchung  bis  Lau- 
renzi ,  und  der  Laurenzisturm  ,  der  dem  Regenwetter  ein  Ende 
macht,  bleibt  nicht  aus.  — 

14)  Wittenmgs  -  Bestimmungen  aUgememer  Art. 

1)  «tLAJ-WLin  k  el.«  ')  Fast  überall  hört  man  von  dem 
i  Hei  Winkel«  sprechen,  in  welchen  man  schaueo.jnuss.  um  die 
Witterung  für  die  nächste  Zukunft  zu  erforschen. 

2)  Als  Wetterprophet  und  zwar  weithin  fürs  Land, 
dient  der  T  rauns  tc  in.  Wenn  er  ginen  »Hut«  ^)  aufhat,  so  wird 
das  Welter^chjecht. 

3.  Mond,  Regenbogen,  Morgenröthe,  Thau 
und  Wind.  Wenn  es  im  Noujxumd -regnet,  so  regnet  es  einen 
gan^fia.Jl9P.at  iort.  Wenn*s  im  Neumond  regnet,  so  •waschfs J||q 
aus^d.  h.  es  wird  schön.  — 

Regnet  ^s_gleich  nach  dem  Regeigthogon,  so  kommetk-^ -Re- 
gentage; wo  nicht,  gibt  es  3  schöne  Tage.  — 

»Maringreot,  Dasch  ins  Keot«  —  Geht  der  «Wind  ins 
Thau,«    w  kommt^Regen.  —  Um    am  nächsten  MorgenTsSfiones 


«)  Auch  .Weiterwinkel,  W*l4ei4och«  genannt  Der  erste  Theü  des  Wortes 
ist  noch  nicht  zweifellos  erklärt.  Vielleicht  darf  man  an  heien ,  hetgen 
denken,  d.  h.  bewahren,  hegen,  oder  an  das  mhd.  lilwen,  ursprünglich 
hüllen,  wie  lat.  nubo?     »Gheiwi^   sagt  unser  Volk  für  umwölkt  — 

')  Die  den  Gipfel  umhüllende  Wolke  wird  als  Hot  gefasst 


97 

Wetter  tu  haben,   verbrannte^ man  den  Abend  vorher  einen  alten 
Besefir  ■■=^" 

*"  4)  Wochentage.  Der  FreiUg  bält  es  nicht  mit  der 
Woche.  —  Wie  Samsta^Abeg^  so  die  nächste  Woche.  —  Zwei 
Samstage  müssen  im  Jahre  sein,  an  denen  es  so  regnet  und 
Stürmt,  dass  kein  Sonnenstrahl, aushUckt.  —  Am  Eriditag,  Pfinztag 
und  Samstag  Nachts  rouss  sich  auch  der^stärkste^  Sturm  wenigstens 
durch  eine  Stund^egen.   *) 

5)  Tageszeit.  Wie  das  Wetter  um  8  Uhr  morgens,  so 
ist  es  den  ganzen  Vormittag.  --  Wie  um  12  Uhr,  so  ist  es  den 
ganzen  Nachmittag.  —  Morgenregen  und  taltö-Weibädänz«  dauern 
nicht  lange.  Frühe^  Jt^ipcn  und  frül)(^ettler  kommen  des  Tages 
öfter.  —  Frühe  Wetter  wiederholen  sich  des  Tages  9mal.  — 

6)  Winter.  Wenn  der  Springer  der  Martinigans  weiss  ist, 
gibt  es  einen  strengen  Winter.  —  Wenn^der  HoIIunder  Blütben 
undj^fuehi-jwgleich'  tȟgt,  ist  ein  starker  Nachwinter  zu  erwarten. 
—  A  fnieha  Wintd  hat  an  rund  an  lungern  Schwoaf,  d.  h^.er 
dauert^wgüJänger.  —  Ueberhaupt  sagt  das  Volk  von  einer  Zeit, 
wo  man  die  Winter  mit  einem  Kuhschweif  kann  zusammenbinden.  ^ 

7)  U  n  s  e  r  elie  he  Frau  hat  Gewalt  über  das  Wetter, 
Regen  und  Sonnenschein.  ^  —  Einst  strömte  (St.  Marienkirchen 
bei  Schürding)  lang  anhaltender  Regen  und  bedrohte  die  Ernte. 
Der  Pfarrer  hatte  nämlich  eine  altverehrte  Marienslatue  wegnehmen 
lassen  und  versteckt.  Da  schaute  ein  altes  Weib  im  Traume  den 
Ort,  wohin  sie  gebracht  worden  war.  Man  suchte  nach  und  fand 
wirklich  das  heilige  Bild.    Im  Triumph  trugen  es  6  weissgekicidete 


^)  Wenn  man  den  Sturm  fttr  Wuotan  nimmt,  ergibt  sieb  vielleicht  die  Deutung, 
düss  er  an  den  Tagen,  welche  Erich  oder  Er,  dem  Kricgsgotte,  und  Donar, 
den  höchsleo  Göttern  mit  und  neben  ihm,  geweiht  sind,  doch  auf  eine 
kurze  Zeit  zu  wehen  und  brausen  aufliöri  Der  Samstag  ist  genannt  als 
Tag  Mariens.  — 

*)  Der  GÖtterdttmmerung,  welche  Ursache  des  Weltunterganges  ist,  geht  ein 
Winter  voraus,  wo  die  Somic  ihre  Kraft  verloren  hat,  und  dieser  Winter 
kommen  drei  nacbeinaiider  ohne  Sommer  dazwisdun.   ~ 

*)  Siehe  spSter;    E.  Thiere,  Fraunlüiferl 


58 

Jungfrauen  durch  die  Flur.  Als  man  fast  schon  am  Ende  des 
feierlichen  Umzuges  Rast  hielt,  durchbrach  auf  einmal  ein  Sonnen- 
strahl die  grauen  Regenwolken  und  traf  das  Antlitz  der  Mutter- 
gottes. Schnell  heiterte  sich  der  Himmel  auf,  und  man  erfreute 
sich  der  schönsten  Erntezeit  — 

D)  Gewitter  und  Hagel 

1.  Redensarten;  Donnerkeil.  Wenn  es  donnert, 
schiebt  der  Herrgott  im  Himmel  Kegel.  —  Wenn  es  einschrägt» 
hcisst  es  (Steinerkirchen):  tder  Petrus  hat  den  vordersten  Kegel 
getroffen.«    ^)  —  ^^ 

Wo  ein  Don  njjHk  eil  fällt  (Steinerkirchen),  driogt^r  7 
Klafter  tief  in  den  Boden  und  verwandelt  sich  in  eine  GjQ  1  d  k  u  * 
gel ,  welche  von  Jahr  zu  Jahr  um  eine  Klafter  höher  steigt  und 
so  nach  7  Jahren  wieder  an  der  Oberfläche  der  Erde  erscheint 
—  Andere  stellen  sich  den  Donnerkeil  als  eine  Stein  k  u  g  e  1  ^) 
vor,  durchsichtig  wie  Glas ,  welche  9  Klafter  tief  in  den  Boden 
eindringt  und  nach  9  Jahren  wieder  zum  Vorschein  kommt.  — 
Noch  andere  meinen  darunter  einen  grossen  Stein,  der  9 
Klafter  tief  eindringt  und  von  Tag  zu^Tag  um  i  Klafter  äulwarts 
steigt,  bis  er  am  9len  Tage  wieder  injdenJHinimd  zurückfliegt,  *)  — 

2)  Das  e  r ste  G  e  w  i 1 1  e  r  im  Jahre.  Vor  allem  b  e- 
stimmt  es  Zahl,  Stärke  und  Gang  der  übrigen. 
Fällt  es  in  die  Zeit  des  aufnehmenden  Mondes,  so  sind  viele  und 
starke   Gewitter  zu    besorgen   und    umgekehrt.  —  Wo   das  erste 


')  Dieser   Ausdruck   beweist  schbgend,   dass   vieles   von  Donar  auf  Petrus 

als  den  ersten  der  Apostel  übergegangen  sei.  — 
*)   Diese   Vorstellung   erklärt    sich    aus   der   Aaffassung    des    Gewitters    als 

»Kegelscheibens.«     Die   Kugel   vertritt  Thors  Hammer,  die  Waffe,   womit 

er  die  Riesen  bekämpft  — 
')  Thdrs  Hammer,   MiÖlnir,   kehrt    von    selbst   in    des  Gottes  Hand  surQck. 

Dass  der  Donnerkeil-  oder  Kugel  oder  Stein  7  oder  9  Jahre  oder  Tage 

braucht,    um   wieder  tum   Vorschein    tu  kommen,    beruht  eben&Us   auf 
allmythicher  Vorstellung    Die  7  oder  9  Jahre  oder  Tage  sind   die  Win« 


59 

Welter  im  Frühjahr  hingeht,  dorthin  gehen  alle  bis  Sonnenwenden ; 
erst  von  Sonnenwenflgn  an  schlajcen  sie  wieder  eine  andere  Rich- 
tung ein.  — 

Früher  Donner,  später  Hunger.  —  Beim  Herannahen  des 
ersten  Gewitters,  oder  wenn  es  das  erstemal  im  Jahre  donnert, 
wälzt  man  sich  auf  dem_Erdboden ,  oder  legt  sich  rücklings  auf 
die  blosse  Erde.  Man  bleibt  dann  vor  Kreuzweh  ^)  verschont. 
—  Wer,  wenn  es  das  erstemal  im  Jahre  donnert,  einen  Baum 
schiittelt^  der  wird  über  die  Massen  stark.  — 

3.  Wie  man  Gewitter  veranlasst,  herbeizieht, 
aufhält,  oder  den  Blitz  auf  sich  lenkt.  —  Als  unter 
Kaiser  Joseph  II.  das  erstemal  »vermessen«  wurde,  sagte  das  Volk 
heftige  Gewitter  voraus,  weil  man  der  tErde  keine  Ruhe  lasse,  t 
Andere  erzählen,  die  fürchterlichen  Gewitter  jenes  Jahres  seien  von 
dem  Volk  als  eine  Strafe  Gottes  für  diesft  Rgpnriibiping  dcxJSüde, 
angesehen  worden.  • 

Ein  Gewitter  zieht  es  herbei  (Munderßng),  wenn  man  die 
Egge  umgekehrt ,  d.  h.  mit  den  Zähnen  nach  oben ,  ausserhalb 
der  Dachtraufe  liegen  lässt.   —  ' 

Eben  so  glaubte  man  (Weyer)  von  ungedeckten  Kegel- 
stätten,  dass  sie  gerährlich  seien,  weil  sie  die  GewitTer  beränatögen.  ^ 

Wenn  man  an  einem  Freitag  ^ein  frisches  Hemd  anzieht, 
und  es  kommt  zufällig  ein  Donnerwetter,  so  kann  dieses  nicht 
vorbei.  — 


termonate,  die  Zeit,  wo  es  in  der  Regel  keine  Gewitter  gibt  Unsere 
Goldkuge!  bestätigt  von  neuem,  was  oben  a,  3,  feuriger  Drache,  von  dem 
Gold  als  Naturbild  des  Blitzfeuers  behauptet  ward.  — 

')  Ich  denke  an  Thdrs  Hammer,  dessen  Form  der  eines  Kreuzes  ziemlich 
gleicht.  Sich  auf  dem  Erdboden  wälzen,  welchen  de«  Gottes  geheiligter 
Hammerwurf,  gleichsam  wieder  neu  geweiht,  verjüngt  hat,  bewahrt  vor 
»Kreuzweh.«    — 

*)  Sie  sind  den  Blicken  der  Donnerwolke,  des  Donnergottes  frei  ausge- 
setzt ;  er  erblickt  in  dem  S^le^eine  freche  Nachäffung  «eines  Thiros.  Das 
von   der  Egge    Gesagte    beruht   wol  auf  einer  ähnlichen  Vorstellang.  — 


An  einem  Freitag  soil  man  weder  Wäsche  bleuen,  noch  ein 
frisches  Hemd  anziehenV  sonst  erschl%tjemcnjier  Blitz.  — 

Anderswo :  wer  an  einem  n  e  u  e  n  Freitag^  ein  frisches  Hemd 
anzieht,  den  trifft  der  Blitz.  Zieht  gr^er  bei  herannahendem  Ge- 
witter das  Hemd  aus  und  wirft  es  in  emen  Bach  oder  überhaupt 
in  ein  Wasserj  so  fährt  der^Blilz  dahin.   •)   — 

Am  Sonnenwendelag  soll  man  nicht  nähen ;  sonst  trifft  der 
DonQ^den,  der  das  Kleidungsstück  an  hat,  woran  an  diesem 
Tage  genäht  wurde.  — 

Der  Blitz  schlägt  auch  ein,  wenn  man  Aschentücher  mit  dem 
» Waschbloi  «_.^fihrägt.  — 

Der  ThuxgTU  von  Arbing  ist  nicht  ausgebaut,  d.  h.  er  hat 
keine  Kuppel,  sondern  ist  nur  eingedeckt.  Die  Leute  sagten  einst, 
es  leide  keine  Kuppel,  und  wenn  man  eine  jj^ifsßtztc^  -schlüge  der 
Blitz  ein.  — 

Zwei  Mäpner  in  der  Gosau  wurden  vor  einigen  hundert  Jahren 
in  dem  Gosauerspitzengebirg  von  einem  heftigen  Gewitter  über- 
fallen. Da  verliess  den  einen  der  Mulh,  und  er  sprach:  »Mir 
wird  angst  und  bang ;  ich  glaube ,  wir  werden  vom  Wetter  er- 
schlagen.« Der  andere  erwiederte :  »Sei  doch  nicht  so  zaghaft; 
ich  hciss  Peter  und  schmeiss  aufs  Wetter!«  Doch  kaum  hatte  er 
ausgesprochen ,  so  traf  ihn  der  Blitzstrahl ,  und  er  war  auf  der 
Stelle  todt.  ^)  Seitdem  heisst  der  Kogel,  über  den  der  Blitzstrahl 
herabfuhr,  der  DonnerkogI,  und  der,  welchem  sie  zugingen,  der 
Peterskogl.  — 

4)  Wie  man  insbesondere  Schau  fif  \v  ^  tt  er  veranlasst. 
Schauerwetter  sind  zu  erwarten  (Altmünster),  a)  wenn  eine  Wöch- 


'}  Der  Freitag  berührt  sich  mehrfach  mit  dem  Gewitter;  ^s  liegeo  dabei 
wol  Vorstellungen  voa  der  Verbindung  zu  Grunde,  in  welche  Frigg, 
Fria,  von  wekber  schon  im  A.  Jahrhundert  der  6.  Wochentag  den  Na- 
men erhielt,  mit  dem  Donnergott  gebracht  ward.  — 

*)  Hier  scheint  der  alte  Donnergott  über  die  auf  den  christJ.  Apostel  ge- 
setxte  Zuversicht  ergrimmt  su  sein.  —  »Schmeiss  aufs  Wetter«,  ist  wol 
doppelsinnig  aufoufasaen,  einmal  als  Ausdruck  der  Geringschätzung,  jedoch 
auch  als  Akt,  Tbun  des  Donnerers,  —^ 


ftl 

nerin  tu  friSh  hervorgeht,  oder  wenn  es^jBar.  an  einem  Freilag, 
besonders  an  dem  Karfreitag  geschieht:  b)  wenn  an  einem  Freitag 
»geblödertt  wird ;  c)  wenn  man  an  Frei-  oder  Samstagen  abends 
jauchzt^oder  Tantlied^j:  singt;  d)  wenn  nach  Geo rgi  Flachsarbeit 
verrichtet  wird ;  e)  wenn  man  vor  jSeorgi  Leinwand  bleicht ,  oder 
die  BieichlüchajLlucb  nur  auf  grünenj^  Wasen  ausbreitet.   ')  — 

Auch  scbäuerts,  wenn  nach  Georgi  noch  »Agngi  ^)  auf  die 
Felder  kommen ;  wenn  Samstags  nacli  dem  Peierabendläuten,  fer- 
ners  so  lange^als  Christus  im  Grabe  liegt,  dann  an  den  Bittagen 
und  an  Christi  Himme)fahrtstage  Wäsche  geblödert  winl.  Anderswo  : 
Sonntags  soll  nach  2  Uhr  nicht  mehr  gewaschen,  noch  gesponnen 
und  eingespannt  werden.  —  Auch  wenn  Sonntags  die  Sensen  ge- 
schärft  werdetT,  setzt  es  Schauer  ab.  Eben  so ,  wenn  der  Bauer 
lu  Acker  fahrt  und  auf  der  Egge  einen  Stein  liegen  hat.  —  Wenn 
die  Leiche  eines  Menschen,  der  sich  selbst  erhenkt  hat,  im  Got- 
tesacker begraben ,  ja    auch    nur   durch   die  Felder  geführt  wird. 


')  In  «Iter  Zeit  hat  maa  sogar,  so  hcisst  es,  solche  Leinwat  weggenommen 
und  verbrannt.  Hätte  man  es  nicht  gethan,  wäre  ein  grosses  Sterben 
unter  die  Leute  gekommen.  Der  Vorgang  des  Waschens  erscheint,  mit- 
einbezogen das  Bleichen  der  Leinwand  und  das  Anziehen  des  frischen 
Hemdes,  sowie  Nähen  und  Flicken  4n[nt  Gewitier  und  Blitz  in  Verbindung. 
Das  Blödern  der  Wäsche  insbesondere,  wozu  der  Waschbloi  dient,  an 
den  sich  auch  sonst  mancher  Brauch  und  Glaube  knüpft,  konnte  leicht 
als  Abbild  des  Gewitterprozesses  am  Himmel  gedacht  werden.  Die  nassen 
TUoher jsind  die  Wplken^  <]er  Wasqhbloi  der  Hammer  Thd'rs,  die  Schläge 
damit  tönen  wie  Donnerrollen;  die  wegspritzenden  Tropfen  glinzen  in 
der  Sonne  wie  Blitzfunken.  Die  irdische  Leinwand  darf  daher  nicht  ge- 
bleicht  werden,  bevor  es  nicht  die  himmlische,  die  Wolken -Leinyirand  wird. 

')  Die  kleinen  Stachel,    welche   beim  Schwingen   von  dem   Flachs  abfallen. 

'  a«r«-*»  V  .■■■Hl'"  " 

Stets  knüpfen  sich  an  die  Verspätung  der  häuslichen  und  lindlichen  Ar- 
beiten Strafen  oder  dgl.  Ist  die  Flachsarbeit  bis  Georgi  nicht  vollendet, 
so  schauert^  es.  Zu  Bartholoroäus^o]l_;iUO  weder  mehr  Heugras  noch 
Halme  sehen,  sonst  etc.  etc.  Wer  nach  Mai  Uni  noch  zu  Acker  fährt, 
fuhrt  sein  Weib  ein.  Es  bestätigt  sich  also  an  Heu-,  Getreide-  und 
Flachsarbeit.  — 


62 

Schon  die  Thatsaclie»  dass  sich  jemand  in  der  Gegend  henkt,  er* 
rollt  mit  Besorgnis  vor  einem  Schauerwetter.  — 

Im  vorigen  Jahrhundert  wurde  ein  Verbrecher  ^henkt,  ohne 
dass  er  sich  bekehrt  hätte.  Eine  Menge  Zuschauer  waren  auf  dem 
Richtplatz  zugegen.  Da  rief  er:  >Wart*s  ös,  ih  wül  mich'  heu't 
scho*  noh  an  enk  röchn!«  Darauf  bestieg  er  den  Galgen  und  starb. 
Aber  schon  stieg  ein  fürchterliches  Ungewittervom  Westen  auf 
und  brach  so  schnell  aus,  dass  nur  die,  welche  zunächst  wohnten, 
noch  die  Häuser  erreichen  konnten.  Alles  Getreide,  selbst  das 
junge  Obst  und  das  Gras,  wurde  in  Grund  und  Boden  geschlagen. 

5)  Wetter  löcher.  *)  Auf  dem  Bleckenstein  befindet  sich 
ein  See,  von  dem  es  hiess,  wenn  man  einen  Stein  hineinwürfe, 
entstünden  Sturni  und .  ürnv^tter.  —  In  der  Nähe  von  Pernsteiu 
ist  ein  Loch,  das  geht  tief  in  die  Erde  hinab.  Wirft  man  einen 
Stein  hinunter»,  bricht  ein  Unwetter  los.  Buben,  welche  davon  ge-; 
hört  hatten,  machten  einst  aus  Vorwitz  und  Muthwillen  den  Ver- 
such. Doch  ehe  sie  noch  ihre  Wohnung,  weiche  gar  nicht  weit 
entfernt  war,e  rreichten ,  war  das  Ungewitter  schon  los.  —  Wenn 
man  in  das  Zagellauerloch  j^Gosau )  einen  Stein  wirft,  wird  schlechtes 
Wetter.  Dasselbe  heisst  es  auch  von  einem  andern  Loch  in  der 
Nähe  desselben,  das  senkrecht  in  die  Tiefe  abspringt  und  schlechthin 
das  Welterloch  genannt  wird,  —  Die  »Wödälukn«  slehn  im  Ge- 
birg ( Windischgarsten )  in  grossem  Ansehen ;  wirft  man  einen 
Stejji^ hinunter,  so  steigen  alsobald  Nebel  und  Wolken  auf«  und 
ein  heftiges  Ungewitter  bricht  los;  — 

6)  Wetter  machen  oder  erregen.  Wenn  man  ein 
Gewitter  erregen  will,  so  nimmt  man  Bröselein  von  dem  Kothe 
der  an  emem  Pflu^iQ,  klebt,  womit  man  Samstags  nach  Feierabend 
gearbeUet_hat,  und  wirft  sie  mit  einem  gewissen  Spruche  rück- 
'i"g5  über  dea^opf.  — 


')  Der  »Hciwinkel«  hicss  ebenfalls  Weiterloch.  Noch  sagen  wir:  Das 
Gewitter  stcigt^ierauf.  See  oder  Loch  sind  als  irdisch  lokalisirtcr  Wol- 
ken -  Gc\\4ttersec  zu  fassen.  Das  Steine  Hinabwerfen  ist^  nach  Schwartz, 
eine  rohe  Nachahmung  der  Art  und  Weise,  wie  dort  oben  beim  RoUen 
der  Donnersteine  Regen  gemacht  wird.  — 


t 


J- 


63 

7)  Gemachte  oder  Hexenwetter.  Wetter  erregen 
vorzugsweise  die  Hexen ;  man  nennt  solche  Wetter  b gemachte  ;c 
es  sind  gewöhnlich  Scbauerwetler.  Ein  Zeichen,  dass  eine  Hexe 
das  Wetter  gemacht  hat,  ist  es,  wenn  sich  in,  doa  ^»Piseln.«.  Haare 
befinden.   *)  — 

Auch  Zauberer  sind  es  im  Stande.  Ein  Inquisit  (Krems- 
miinster  Archiv,  Urgicbt  eines  Verbrechers,  der  sich  dem  Teufel 
verschrieben)  sagte  unter  anderm  aus,  dass  er  mittels  »eines 
schwarzen  Pulvers  aus  lUenschenbeinent,  indem  er  davon  ins  Was- 
ser warf,  ein  >  Schauerwetter  gemacht  habe,  so  das  liebe  Getreide 
zerschlug,  c 

8)  Abwehr  gegen  das  Einschlagen.  Wo  ein 
Schwerkranker  liegt,  so  lange  die  kleinen  Kinder  schlafen  und 
die  Schwalben _  im  Haus  bleiben,  hat  man  kein  Einschlagen  zu 
furchten.  — 

Um  das  Einschlagen  zu  verhindern,  legt  man  unter  den 
Dachfirst  ein  >Speispfingstag-Ei,  das  am  Gründonnerstag 
gelegt  worden  ist.  Um  seinen  Zweck  zu  erfijUen,  muss^esjinge«- 
färbt  bleiben  und  am  Ostersonntage  geweiht  werden.  ^)  Anderswo 
beisst  es  nur:    ein   Ei,   das  am  Antlassgfingstag  ^  in    die  Sonne 


')  Die  Hexen  wurden  bekanntlich  mit  fliegendem,  zerzaustem  Haar  gedacht. 
Noch  sagt  man  von  einer  Weibsperson,  deren  Haar  verworren  hin  und 
her  flattert,  sie  sehe  aus  wie  eine  Hexe.  Man  erinnere  sich  der  Ausdrücke 
■  Wetter- und  Blilzhexc,«  welche  o(t  scherzhaft  und  schmeichelnd  gebraucht 
werden,  und  halte  dazu,  dass  die  goldenen  Haare  der  Gemahlin  des  Ge- 
wittergottes Thor,  der  Sir,  auch  als  die  Blitzesstrahlen  gedeutet  werden. 
Es  heisst  ferner  von  ihr,  dass  sie  die  schönste  aller  Weiber  war.  Aus- 
drücke nun,  wie  verliebte  Hexe;  sie  hat  ihn  völlig  behext  u.  s.  w.  sind 
noch  üblich.    Siehe  Pflanze,  Widerton.      — 

*)  Die  rothe   Farbe   ist   die   des  Donner-   oder  Blitzgottes;  daher  darf  das 
Ei  nicht  gefärbt  werden.  — 

*)  Gründonnerstag. 


64 

grekgt   worden,    ist   gut   gegen   das    »MulsLJEfiur.«    Auch   ein  am 
Karfreitag  gelegtes  Ei  wird  hie  und  da  genannt.  *)  — 

Auch  gewisse  Pflanzen  wehren  dem  Einschlagen.  — 
Wenn  man  unterwegs  in  ein  Wetter  kommt,  stehe  man  unter 
einer  Hascl^staude  unter;  da  schlägt  kein  Blitz  ein,  weil  u.  L 
Frau_sich,jy(jQter  eine  solche  Staude  geflüchtet  hat,  als  sie  übers 
Gebirg  gieng  (sehr  häufig.)  Man  nimmt  daher  auch  während 
eines  Gewitters  ein  Hasclreis.  in  die  Hand,  steckt  solche,  wenn 
ein  Gewitter  naht,  an  die  Fenster.  —  Auch  das  Johannes- 
kraut, kreuzvveise  an  Jepster  und  Wände  gesteckt,  hilft  gegen 
das  Einschlagen.  —  Endlich  wird,  damit  der  Blitz  nicht  einschlage, 
auf  den  Dächern  »Hauswurz  oder  Hausrampff  gehegt  ^) 
—  W^o  viele  Brennesseln  stehen,  da  schlägt  es  ebenfalb  nicht 
ein.  —  Die  Bi  rk  en  re  i  jer,  welche  man  am  Frohnieich- 
namstage  (von  den  4  S  ege  nst  ä  tt  en)  mit  nach  Hause 
bringt,  schützen  nicht  minder.    Man  steckt  sie  in  die  Fenster  und 

^■^^^^«^  ***** 

wirft  sie,  wenn  ein  Gewitter  kommt,  ins  Feuer.  — 

Wenn  es  hagelte  (Weisskireben)  lief  der  Bauer  um  die 
Eg^  und  legte  sie  mit  aufwärts  stehenden  Zähnen  in  den  Hof; 
die  Bäuerin  aber  sputete  sieb,  die  »Ofenschüssel«  (Holz,  worauf 
das  Brot  "cingooeheeec^wird  ^)  in  den  Hof.  hinaus ^u  werfen.  — 
Unter  einem  sei  hier  bemerkt,  dass  Höfer  II,  297,  das  »Ofenschüs- 
sellaufen,« ein  Wettrennen  zu  Fusse,  erst  1757  und  1759  wegen 
ärgerlicher  Entblössung  des  Leibes  und  »verschiedener 
abergläubischer  Dinge«  obrigkeitlich  abgeschaffi  wurde. 


')  Das  Ei  ist  als  Naturbild  des  Gewitters  aufzufassen,  welcbcs  in  der  Wolke, 
der  Schale,  (Klar  und  Dotter)  Regen  und  Blitz  birgt.  Auch  ist  oder 
sind  die  Tage  bedeutsam,  an  denen  das  Ei  gelegt  wird,  das  bis  in  die 
kleinsten  Züge  bedeutsame  Räthsel  von  dem  Ei  lautet:  »Zu  Weiasen- 
berg  in  Dum  (Dom)  da  wachst  eine  gelbe  Blum;  Wer  die  gelbe 
Blum  will  bahn  Muss  zu  Weissenberg  den  Dom  einschlagn.«  Statt 
Weisaenberg   hört   man   auch    Weissenburg   und  statt  Dom  Thurm.  — 

^  Siehe  davon  Pflanze. 

*)  Siehe  das  Feuer,  1,  vom  Backen  Gesagte.  — 


65 

Die  Bergbauem  ( Kremsmünsier )  warfen  während  eines  Ge- 
witters Stühle  und  Tisch  e  in  den  Hofraum ,  jedoch  so,  dass 
die  Fiisse  au^fwSrts  sahen.  <)  —  Auch  die  Bj^e  ward,  wenn 
ein  Gewitter  am  Himmel  stand,  zum  Schutz  vor  dem  Blitz,  mit 
den  Zähnen  nach  o  b  c  n  ..s  c.h  a  u  c  n  d ,  vors  Haus  ins  freie 
gestellt  — 

9)  Abwehr  gegen  den  Schauer  insbesondere.  In  wel- 
cher Pfarre  auch  nur  Eine  Wöchnerin. ihre  Zeit  genau  hält, 
dass  sie  nämlich  in  den  6  Wochen  nicht  unter  freien  Himmel 
kommt,  sondern ''inner  der  •Dachtropfnc  bleibt,  in  der  kann  es 
nicht  schgußrn.  — 

Lange  glaubte  das  Volk  daran,  dass  manchg^fl ^ i s  1 1 i  (s h  c 
die  (auf  rechtem  Wege  erlangte)  MacbL.h'siUfin*  Schauer  abzu- 
wehren, und  nannten  solche  »schau e r f  e s  t.«  In  Schartenberg 
soll  einmal  ein  Pfarrer  gewesen  sein ,  der  konnte  sogar  regnen 
lassen ;  freilich,  fügte  der  Erzähler,  bescheidener  schliessend,  hinzu, 
freihch  nur  ganz  kurze  Zeit.  — 

Am  Palmsonntag  steckt  man,  um  Schauer  abzuwehren,  ge- 
w*eihte  Palm^uschen  in  die  Getreidefelder.  Einige^schreiben 
das  Johannes  -  Evangelium  3mal  ab,  binden  je  eine  Abschrift  an 
einen  Palmbuschen  und  lassen  srewelEenT  um  sie  in  die  3  Felder  zu 
stecken.  ^-  Auch  das  am  K  a  r  s  a  m  s  t  a  g  am  geweihten  Feuer 
angebrannte  Holz  wird  gespalten  und  die_ Späne  kreuzweise  in 
die  Celd^r  gesteckt,  und  zwar  entweder  an  diesem  Tage  selbst, 
oder  dem  der  Kreuzerfindung.  —  Auch  die  Kohlen,  welche  man 
von  dcQi  j[ewei.htea>Eeuer  mitnimmt,  und  die  Ostereißjachaiea-^e'* 
braucht  man  auf  ähnliche  Weise,  ja  hält  sie  fast  noch  Tür  wirksamer.  — 

Man  nimmt  3  Haselzweige,  3  Karfreitag  -  Eier  und  etwas 
Ghrisam,  lässt  es  am  0  s  t  e  r  s  o  n  n  t  a  g  neben  Eiern  und  Fleisch 
mitweihen,  gebt  von  der  Weihe  sogleich  hinaus  und  griibt  dieses 
Geweihte  während  des  Hochamtes  zu  3  Theilen  in  jedes  der 
3  Felder  unter  Gebet  ein  und  zwar  auf  der  Wetterseite.  —   ^-^//i 

')  »Der  JBerrgott  wirft  im  Himmel,  hörte   ich  als  Kind  wlhrend  eines  Ge- 
witters  Mgea,  Tisch'  und  SUihl*  am.«  — 

5 


66 

Andere  vergraben,    wenn  ein  Gewitter  dtber  zieht,  welches 

Hagel  zu  bringen  scheint,  in  die  4  Ecken  des  Feldes  je  ein  Ei.  — 

Um   Weissenberg    stehen    noch   einige  Kreuze,  welche  fol«- 

gende  Form  haben :  ""[        Das  Volk    erzählt   davon:     »Als   einst 

Jabr  auf  Jahr  Schauer  die  Ernte  vernichteten,  schickte  die  Ge- 
meinde 3  Männer  nach  Rom.  Der  Papst  sollte  Rath  schaffen.  Er 
wies  sie  an,  im  Umkreis  von  einer  halben  Stunde  zur  andern,  je 
3  Kreuze  und  zwar  im  Dreiecke  ^)  zu  setzen,  und  gab  ihnen 
etwas  Geweihtes  mit,  das  mit  und  in  den  Kreuzen  in  den  Boden 
sollte  eingerammt  werden.  Heimgekehrt  zimmerten  sie  die  Kreuze, 
zersägten  und  höhlten  sie  ein  wenig  aus,  gaben  das  Geweihte 
hinein  u.  s.  w.  Nun  sind  aber  diese  Schauerkreuze  bereits 
alt  geworden,  und  doch  getraut  man  sich  nicht,  sie  aus  dem  Boden 
herauszunehmen.  ^)  — 

Wenn  es  ein  »Rislwetter«  hat,  (Altmünster)  so  nimm  das 
Tischtuch,  breite  es  auf  freiem  Felde  aus  und  sage:  »Da 
gehört  die  Gottesgabe  drauf  und  nicht  da$  Jfiufelsgescimieiss.«  Al- 
sogleich hört  es  zu  riseln  auf.  — 

10)  »Wetterläuten. ff  Am  wirksamsten  jedoch,  beson- 
ders gegen  gemachte  Wetter,  galt  das  Wetterläuten.  Das  Läuten 
begann,  wenn  das  Gewitter  herankam,  und  es  wurde  damit  erst 
aufgehört,  wenn  sich  dasselbe  völlig  verzogen  hatte.  Noch  jetzt 
heisst  es  (Kremsmünster),  das  Zeichen  zum  Gebet  soll  noch  bei 
•scheinender  SoniuBi ^geläutet  werden;  anderswo,  mit  dem  Wet- 
terläuten solle  noch  begonnen  werden,  »bevor s  d*Sun*  facht«  Manehe 
Glocken,  was  jedoch  nicht  von  der  Grösse  abhieng,  hiessen  be- 
sonders kräftig  oder  » ho c  b j e  w e i h t. ■  Die  Glocke  von  St. 
Radegund  z.  B.  halle  eine  höhere  Weihe  als  die  übrigen  der  Um- 
gegend  und  trieb  die  Wetter  ^^^/^  Burghff"*^"  «i  oder  ins  Gebirg. 
Auch  die  Taxlberger  Glocke  galt  als  solche.    Weil  der  »grosse 


*)  Siehe  Feuer,  2.  Dreizack.  — 

>)  Auch   in   der  Wetterau  trifft  man   solche   Kreuze.    AUgem.    Zeit.    1857, 
Nr.  58,  S.  922,   - 


«7 

Hundt  1)  (die  grosse  Glocke)  lu  Rainbaeh  so  gebellt  habe,  ge«- 
stand  eine  Üexe,  welche  als  Wettermacherin  verurtheiU  ward ,  sei 
sie  nicht  im  Stande  jgewesen,  das  Wetter  nach  Rainbaeh  hinzu«- 
bringen,  wie  sie  es  doch  im  Sinne  gehabt  hatte.  «-—  Die  Gschwandt- 
ner  Kirche  besass  ebenfalls  eine  sehr  hoehgeweihte  Glocke,  welche 
frühe  genug  geläutet ,  jedes  Hexenwetter  ver-  oder  sertrieb.  Sie 
hiess  »Katharina.!  Vor  etwa  100  Jahren  trieb  in  der  Gegend  eine 
gefürchtete  jilB^eUesbexec  ihr  Unwesen.  Einst  wollte  sie  den 
Gschwandtner,  Kirchhamer  und  Vorchdorfer  Bauern  aus  Rache  ein 
Unwetter  über  den  Hals  schicken,  Schon  war  der  westliche  Him«- 
mel  kohlschwarz  überzogen  ^  blutrothe  Blitze  zerrissen  auf  Augen- 
blicke das  Gewölk,  und  ein  heftiges  Sausen  in  den  Lüften  ver- 
kündete Hagel.  Der  Teufel  sprach  da  zur  Hexe:  »La  da  schlaun, 
dass  dä*s  Kädärl  jDöt^  firkimmt!i  Aber  die  Gschwandtner  Bauern 
hatten  schon  das  Glocken^il  in  den  Händen  und  zogen  nach  Lei- 
beskräften. Da  stürzte  die  Hexe  aus  den  Wetterwolken  herab 
kopfüber  auf^^ eine. Dnllingesche;  ^)  man  fand   sie  mit  zerschmet- 


')  Schwartz  in  seinem  bereits  genannten  Werke  spricht  davon,  dass  man 
den  Donner,  indem  die  neuen  christlichen  Anschauongen  sich  in  der  Auf* 
Fassung  der  Natur  in  neuen  Formen  ablagerten,  als  ein  himmlisches  Glo* 
ckengelSut  auffasste,  und  weil  dieses  dem  Unwetter  ein  Ende  zu  machen 
schien,  schrieb  man  auch  dem  irdischen  Glockengeläut  einen  derartigen 
Einfluss  zu.  Der  Ausdruck  »grosser  Hund«  aber,  der  Hund  ist  Natur- 
bild des  Sturmes,  und  die  Meinung,  dass  selbst  das  Zeichen  zum  Gebet 
noch  bei  scheinender  Sonne  soll  gelautet  werden,  fnodifiziert  meine  An- 
schauung etwas.  Mir  wird  das  GlockengelÜuCe  ein  Abbild  des  Sturm- 
liedes; der  Sturm  zertheilt,  zeKreibt  selbst  manchmal  dasTGewitter.  Selbst 
der  Ausdruck  »Sturmläuten« ,  mit  allen  Glocken  stürmen  kann  hieher 
gehalten  werden.  Hiezu  stimmt,  dass  St.  Radegund  2  Wölfe  als  Attribut 
hat,  die  Taxlbergerkircho  zu  Ehren  des  hl.  Nikolaus  gebaut  ist,  und  Ni- 
kolaus ist  ein  Wasser-  und  Windpatron,  dass  die  Kirche  von  Gschwandt 
die  hl.  Katharina  als  Patronin  hat,  welche  wir  wol  auch  mit  dem  Wind 
in  Verbindung  bringen  dürfen.  — 

*)  Eine  Esche,  deren  Stamm  etwas  über  dem  Stock  sich  dreifach  theüt 
DriUingsesche  ist  selbst  ein  Naturbild  der  Gewitterwofte ,  aus  der  eben 
der  BliU  fährt.  — 

5» 


•8 

tertem  Schädel  und  wild  lerraunem  Haar.  Das  Wetter  aber  zog 
unschädlich  vorüber ;  nur  hie  und  da  fiel  ein  jfifitj^*  -.worin  ein 
Hexenhaar  steckte,  — 

Einstens  stand  ein  Gewitter  lange ,  lange  über  der  Unser- 
Stadt;  es  wollte  gar  nicht  weiter,  trotidem  dass  in  sammtlichen 
Kirchen  und  Klöstern  mit  allen  Glo.9keiijgeläutet  wurde.  Verstän- 
dige Leute  erklärten  sich  die  Sache  damit,  das  Wetter  sei  xwi- 
seh  e^n  die  vielen  geweihten  Glocken  j^ekoromen  und  habe  nicht 
mehr  ausgekonnt ;  es  musste  sich  völlig  entladen  und  von  selbst 
wieder  enden  >)  (Unteres  Hühlvierll.)  —  Sonderbar  genug  gteog 
unter  dem  Volke  auch  die  Meinung,  es  ^be  Glockcn^^  deren  Ge- 
läute die  WeUfirJifrbeixöge.  (Traunviertl)  — 

11)  tWetterschiessen.«  In  Voitsdorf  w^urden  einst, 
alte  Leute  denken  es  noch,  Polier  losgebraoiut ,  um  das  Wetter 
zu  »zerschiessen.t  Anderswo  ward  erzählt:  »Es  ist  noch  nicht 
so  lange  her,  dass  die  Bauern  mit  geweihtem  Pulver  in  die  Wetter 
Schossen,  um  die  Hexen  zu  IreiTen,  welche,  getroHenT  todt  aus  den 

Wolken  herabstürzten.    Nach   einer   anderen  Version   verloren  sie 

.  • »     .  »• 

nicht  das  Leben,  sondern  nur  ihre  Zauberkraft  — 

Namentlich  bediente  man  sich  der  in  1.  erwähnten  jStein- 
'^"B^'O^  ^J]!^.i'}  »gemachte  Wettert  iind  die  in  diesen  schwebenden 
Hexen  mit  Erfolg  zu  schiessen.  ^)  — 


I)  Von  dem  Sturmliede,  und  als  dessen  Abbild  erschien  mir  das  Wetter- 
ISuten,  heisst  es  im  Liede  von  der  Gudrun,  dass  Wurme  und  Fische 
ihre  Führte  Hessen,  nicbt  im  Grase  giengen,  nicht  im  Wasser  flössen.  — 

*)  Jedenfalls  eines  im  Verhältnis  späteren  Ursprungs.  Doch  ist  es  leicht 
begreiflich,  dass  das  Schiessen  aus  Feuergewehren  vor  allem  leicht  als 
irdische  Wiederholung  des  im  Gewitter  am  Himmel  stattfindenden  Vor- 
ganges erscheinen  konnte.  Damals  erschien  es  noch  dem  ganzen  Volke 
so;  heui  zu  Tage  sagt  höchstens  ein  Dichter,  Hebel:  «Es  donnert  überall, 
erst  heimlich,  mählich  laut,  wie  dazumal,  als  anno  66  der  Fransos  so 
graus  geschossen  hat.«  Die  Steinkugel  schien  somit  eine  aus  himmli- 
schem Geschütze  abgeschossene  Kugel.  In  Kömer  lesen  wir  »von  einer 
schwarxen  Wolkenscbanze,  aus  deren  dunklem  Schooss  Feuerkugebi 
sprühn.«    — 


69 

12)  •Wettersegen,«  oder  Segen  gegen  Ungewitter. 
Auf  einem  gedruckten,  dem  Schreiber  vorliegenden  Zettel  befinden 
sich  zuhöchst  4  kleine  Holzschnitte,  die  vier  Evangelisten  darstel- 
lend; sie  schlicssen  einen  kleineren  des  hl.  Donatus  <)  ein.  Dar- 
unter sieht :  »0  ihr  4  heiligen  Evangelisten  und  heiliger  Donate 
bittet  für  uns  zur  Zeit  des  Ungewitters  und  beschützet  uns  für 
Blitz,  Donner  und  Hagel.  Jesus  von  Nazareth,  ein  König  der  Ju"* 
den,  bewahre  uns  vor  allem  Uebel  des  Leibes  und  der  Seele. 
Amen.  —  Darauf  folgt  das  Gebet  dder  der  Segen  selbst,  dessen 
Mittheilung  nicht  erw'ihnenswerth  ist,  und  den  Beschluss  macht 
ein  Bericht  über  den  Ursprung  dieses  Segens.  —  Der  Zettel  ist 
gedruckt:    Steyer,  bei  Gregori  Menhardt.  — 

Auch,  wo  der  iK  o  1  o  m  a  n  n  i  -  B  r  i  e  f«  ^)  aufbewahrt  wird, 
schlägt  das   »wild  Feur«   nicht  ein.  — 

13)  «Wcttergsegnen.t  Ein  Schulmeister  in  Wolfseck 
konnte  di&  Wetter  «gsegnen;«  er  «gsegnete«  sie  meist  nach 
■  Schwank«     Er   ging  nämlich  mit  einem  alten,  hölzernen  Kruzifix 

^  '•         ■  _  *  *•       " 

vor  die  Hausthür  und  machte  damit,  indem  er  einen  gewissen 
Spruch  hersagte,  Kreuze  in  die  Luft.  Die  »Schwand«  führten  öfter 
als  einmal  über  ihn  darob  Klage. 

11)  «Wetterbannen.«  Nur  wenige  (oberes  Mühlviertel) 
wissen  noch  von  der  Kunst  des  Wetterbannens ;  die  Anwendung 
geschieht  gar  nicht  mehr.  Der  Bauer  begab  sich  nämlich,  war 
ein  Welter  im  Anzug,    auf  seinen  Grund,   schlug   daselbst  einen 


*)  Schon  der  Name  Donatus,  Doiiit  mahnte  das  Ohr  des  Volks   an  Donner. 

*)  Ich  weiss  annocb  nichts  anderes,  den  h,  Kolomann  betreffend,  miliu- 
theilen,  als  dass  in  einem  neeroiog.  antiquum  unseres  StiAcs,  das  wahr- 
scheinlich um  d.  J.  1S50  angefangen  wurde,  am  12.  Oktober  nurKoj 
loroann  ohne  llaximilian  als  Tagesheiliger  eingetragen  ist.  Züge  aus 
seiner  Legende,  welche  mir  nicht  unbedeutsam  scheinen,  sind,  dass  der 
Heilige  Enten  zähmt,  und  dass  ein  dürrer  Baoro^  woran  er  gebunden 
wird,  grünt  und  blüht  — 


7« 

Pflock   fest  in  dis.£cd$.  und  King,  eine  Bannformel   hersagend, 
dreimal  um  iko  im  Kreise  herum  ^).  — 

15)  •'We  Uer  wenden.«  Gericbtsakten,  Scbarnstein  1684. 
Der  Zauberer  nabm ,  so  oft  er  ein  Welter  wendete ,  jedesmal  sei- 
nen halben  Pergamentbogen,  der  mit  gewissen  Zeichen  und  Cba<- 
rakteren  beschrieben  war,  und  zeigte  ihn  dem  Ungewitter,  •  alsdann 
es  sich  in  die  4  Tbeile  der  Welt  zerschlagen  und  zu  Wasser  hat 
werden  müssen.«  Er  sagte  zugleich  aus,  dass  es  auf  solche  i ge- 
wendete« Gewitter  jederzeit  3  oder  4  Tage  regne.  — 

16)  Redensarten.  Dös  sänd  lautä  Wassästroah  ^).  —  Dös 
is  nur  ä  gmachts  Wödä.  — 


£.  Thieve. 


j^fi^^^  Voraus  gehe  die  Bemerkung,   dass  in  den  Abschnitten  £,  F 

'^         und  G    das  in   die    volksmSssige   Heilkunde  *)   Einschlägige  unter 
einem  angeführt  wird. 

a)  »Weisende  Thiere.«  Als  solche  kommen  unter  den  lau- 
fenden in  Sage  und  Legende  vorzüglich  Ochs  und  Hirsch  vor. 

Als  ein  Bauer,  der  eben  so  fromm  als  reich  war,  im 
Sterben  lag^^  trug  er  es  aus,  dass  ein  Tbeil  seiner  Hinterlassen- 
schaft zum  Bau  einer  Kirche  verwendet  werde.  Die  Stelle,  wo 
der  Bau  sollte  aufgeführt  werden,  bestimmte  er  selbst.  Er  befahl 
nämlich,  wenn  er  todt  wäre,  seinen  Leichnam  auf  einen  mit 
Ochsen  bespannten  Wagen  zu  legen;   wo  die  Thiere  von  selbst 

^   ■■mW     H.Waifc^    ^^    ^MM*     ' 


*)  Wol  ein  uralter  Brauch,  ebenfalls  einen  T^rmeinttich  himmlischen  Vor- 
gang nachahmend.  — 
^  Siehe  3;  daraus  erklSrt  sich  diese  btldiiche  Redeweise.  — 
*)  Was  insbesondere  die  Pflanzen  betrifft,  habe  ich  aus  »Höfcra  etymolo- 
gischem Wörterbuch  der  in  Oberdeutscbland,  voRÖglich  aber  in  Oester- 
reich  herrschenden  Mundart»«  Lins,  1815,  was  fUr  meinen  Zweck  passend 
erechien,  mit  Angabe  der  Quelle  entnommen.  — 


71 

stille  hielten,  da  sollte  die  Kirche  erbaut  werden.  Es  geschab, 
und  an  der  Stelle  erhob  sich  die  Kirche  ■  Allerheiligen  •  (unteres 
MühlvierÜ).  — 

Den  von  der  Ens_ausgeschwemmten  Leichnam  des  heiligen 
Florian  *)  liess  die  hl.  Valeria,  um  ihn  an  sicherer  Stätte  beizu* 
setzen ,  von  einem  G^pana  Ochse  n  weitem  Tühren ,  indem  sie 
die  Thiere  in  der  Richtung  gehen  hess,  welche  sie  selbst  ein- 
schlugen. An  der  Stelle,  wo  das  Gespann,  trotz  der  bereits  zum 
drittenmal  wunderbar  erhaltenen  Tränkung,  nicht  mehr  vonrFiecke 
zu  bringen  war,  da  wurde  der  heilige  Märtyrer  bestatter. 

Es  war  einmal  ein  grosser_Sünder,  der  schon  lange  nicht 
mehr  gebeichtet  hatte;  endlich  ging  er  in  sich  und  beichtete.  Doch 
ein  Priester  nach  dem  andern  verweigerte  ihm  die  Lossprechung; 
endlich  fand  sich  einer,  der  ihn  lossprach,  doch  unter  der  Be- 
dingung ,  dass  er  sich  lebendig  in  eine  Kuhhaut  einnähen  und 
so  nach  Rom  fahren  lasse.  Es  geschah ;  aber  auf  dem  Wege 
starb  er^  und  die  Würmer  fressen  j^oinen  Leichnam,  Als  der 
Wagen  in  der  heiligen  Stadt  einfuhr,  fingen  all^  Glocken  von 
selbst  zu  läuten  an,  weil  er 'eiHTIeiliger  war.    (MühlviertI  ^). 

In  der  Sage  von  der  Gründung  Kremsmünsters  weist  ein 
Hirsch  mit  brennenden  Lichtern  auf  den  Geweihen  dem  Bayern- 
herzog Thassilo  die  Stelle,  wo  er  den  Leichnam  seines  Sohnes 
bestatten  soll.  Er  weicht  nicht  von  dem  Flecke,  bis  Thassilo  eben 
sie  envählt  hat.  — 

Die  Entstehung  der  Kirche  •  Maria  Falsbachi  bei  Gunskirchen 
schreibt,  wie  die  Legende  erzählt,  sich  davon  her,  dass  ein  un- 
gewöhnlich grosser  Hirsch^  der  ein  Muttergottesbijd[  in  den  Ge- 
weihen trug,^en  Falsbach  berabschwamm.  Wo  er  das  heilige 
Bild  am  Ufer  absetzlcTwariJ  eine  Kapelle  erbaut ,  welche  sich ,  da 


*)  Die  Legeude  erzählt,  dass  dicss  trot%  des  umgebängteii  Mühlsteines  ge- 
schah. Der  Leichnam  des  Heiligen  sollte  also  in  der  nassen  Tiefe  ver- 
senkt bleibe  n.  — 

*)  Die  Seele,  der  LuAbaucb,  entschwebt  iM.iißcKuhheit,  der  Wölk«,  nach 
Rom,  in  den  Wo^l^enhimmeL  — 


72 

iiDmer   mehr   andicbtige  Beter   und   fromme  Spenden  zuströmten, 
bald  in  eine  Kircbe  verwandelte. 

Die  Steinbacher  Kirche  (am  Attersee)  ist  eine  der  ältesten 
im  Lande.  Sie  sollte  etwa  eine  halbe  Viertelstunde  bergaufwärts 
eri>aut  werden.  Alles  war  dort  schon  zum  Bau  hergerichtet,  das 
Bauholz  ausgehackt  u.  s.  w.  Nachts  aber  kamen  Vögel,  einige 
nennen  Krähen,  andere  Schwalben,  und  trugen jlie  «Hack- 
scbaitsn«  an  dje^teUe«  wo  die  Kirche_noch  steht. 

Zugleich  erzählt  sich  das  Volk,  dass  die  Kirche  ursprüng- 
lich ein  Heidentcmpel  gewesen  ist  *).  — 

Auch  der  Ameise  muss  hier  eine  Stelle  vergönnt  werden. 
Das  Gnadenbild  von  Adelwang  hiess  einst  auch  :  »Unsere  I.  Frau 
am  Ameishaufen. c  Es  wurde  nämhch  im  17.  Jahrhunderte,  in 
der  Erde  vergraben,  in  einem  > Schwarzameisbau fen,«  von  neuem 
aufgefunden.  Die  Ameisen  liessen  sich  auch,  nachdem  man  die 
Statue  auf  ein  Postament  von  ^tein  gesetzt  halte ,  nicht  vertreiben, 
sondern  führten  darum,  jedoch  j(^hne  die  Statue,  selbst  zu  berüh- 
ren, einen  neuen  Bau  auf.  Sie  verloren  sich  erst  dann,  als  das 
Gnadenbild  wieder  an  seine  alte  Stelle  auf  dem  Hochaltir  kam. 

In  einer  eigenthümlichen  Beziehung  zu  Kirclienbaulen  steht 
der  Wo I  f.  Der  hl.^Wpl^gang  «)  sandle  näiglich^  dem  Teufel,  der 
ihm    ein   Kirchlein   gebaut   und    sich    dafür    die  Seele  des  ersten 


')  Ueberfaaupt  scheinen  die  Gegenden  um  den  Gmundner-  und  AUersee 
reich  an  solchen  Erinnerungen,  und  detaiUirte  Mitthcilungen  wären  sehr 
wünschenswcrth.  — 

*)  Der  hl.  Wolfgang  und  seine  Legende  enthält  auch  sonst  vieles  Beach- 
tungswerthe.  Er  drückt  dem  Berge,  gegen  den  er  sich  stemmt,  die 
Spuren  von  Kopf,  Rücken  und  Armen  ein;  hie  und  da  ijn  Lande  gibt 
es  WoljjgaAgfis^eiue,  denen  der  Bgtende  seine  Knieespucea  iün^riigte.  Der 
Stein,  auf  dem  er  Rast  hält,  wicd^JKieish  wie  Wachs  etc.  —  Mittelst 
eines  Beilwurfes  bestimmt  er  die  Stelle,  wo  er  eine  Kirche  bauen  will.  — 
Wie  es  wol  an  sich  klar  ist,  kommt  hier  die  fromme  Sage  nur  in  so- 
fern, als  Thiere  etc.  damit  in  Being  stehen,  zur  Vertretung,  und  auch 
da  nur  in  den  wesentlichsten  Zügen.  — 


7$ 

Wallfahrers  ausbedungen  hatte,    stattdnes  Mensohen  einen  Wolf, 
als  ersten  Besucher.  — 

Aehniicb  lautet  folgende  Sage.  Die  Waldburger  Pfarrkirche 
(unteres  MübIviertI)  hat  2  SeitenaltSre.  Auf  einem  beOndct  sich 
(oder  befand  sich  doeh)  ein  altes  Gemälde,  welches  die  Einweihung 
der  Kirche  vorstellte.  Der  Bisciiof,  von  dem  Maurermeister  und 
dem  Grundbesitzer  begleitet,  geht  einer  schwarten  Figur,  dem 
Teufel,  entgegen;  vor  ihnen  lüuft  ein  ■HauawfilC'L.(fiipe  Art  Wolfs- 
bund)  dcr^jnen  Rripf  (die  Vcrschtcibuim^JUL  den  Teufel)  um  den 
Hals  gehSngt  trägt;  darüber  fliegt  ein  Hahn.  Links  neben  dem 
Altar  ist  unten  eine  vergitterte  Oeflhung,  durch  welche  der  Sage 
nacli^jj[gj[,JC0uCQL-^usfuhr ,  und  die  sich  durchaus^  nic||^_3UUnauern 
lässt.  Der  Teufel  hatte  sich  nämlich  dem  Maurermeister  anheischig 
gemacht ,  die  Kirche  zu  bauen ,  unter  der  Bedingung ,  dass  der 
erste,  welcher  die_Schwelle  des  fertigen  Baus  übertrete,  sein  ge- 
höre. Als  nun  die  Kirche  ausgebaut  war  und  die  Weihe  sollte 
vorgenommen  werden,  nahm  man,  um  den  Bösen  um  seine  Beute 
zu  betrügen,  einen  Hahn  mit,  der  aber,  als  hätte  er  die  Gefahr 
geahnt,  in  die  Höhe  flog  und  so  das  Leben  rettete.  Da  gab  man 
ihm  Jen  Hund  preis,  welchen  der  Teufel  auch  wirklich  zerriss 
und  sodann  durch  jenes  I..ocb  ausfuhr  ^).  — 


')  In  der  Waldburger  Gegend  ist  Tor  alten  Zeiten  auch  eine  Burg  gestan- 
den ;  sie  versank  aber  nachher  spurlos  in  die  Tiefe.  Ein  Hirtenknabe 
gcrieth  einmal  auf  einen  Stein,  und  als  er  ihn  wegwSlzte,  auf  ein  Loch, 
in  welches  er,  um  die  Tiefe  zu  ergründen,  einen  kleinen  Stein  hinab- 
rollen Hess.  Vernehmlich  und  lange  hörte  er  ihn  von  Staffel  zu  Staffel 
anschlagen,  bis  er  endlich  wieder  Grund  fand.  An  dieser  Stelle,  man 
hat  jedoch  das  Loch  seit  dem  nie  wieder  mehr  aufgefunden,  geht  es 
zur  versunkenen  Burg  hinab.  Nach  Schwartz  ist  die  Kirche  die  Wolken- 
burg, welche  sich  im  Winter,  aber  auch  in  jedem  Ungewitter,  auflhürml. 
Der  Teulel  im  Gewitter  baut  alsa-fliajacche.  Der  Bau  wird  nie  ganz 
vollendet,  daher  das  Loch  in  der  Kirclie.  Der  Gewittersturm  verhindert 
oder  stört  die  Vollendung,  der  Teufel  Tsihrt  durch  jenes  Loch  mit  dem 
llauswolf  aus.  In  unserer  Sage  fliegt  selbst  noch  ein  Hahn,  ein  Natur- 
bild des  Feuers,  Ursprung].  Blitzfeuers,  in  die  Höhe.  Sieh  auch  Strudel- 
und  Wirbelsage,  b.  Wasser,  6.  — 


Tl 

b)  Als  TenUstbkr»  treten  besonders  Bock»  Hase 
Hund,  Katze,  Pferd,  Schwein  und  Rabo  auf. 

Bock  und  Pferd,  dem  iBdsent  leibt  bekanntlicb  der 
Volksglaube  einen  Bocks-  oder  Pferdcfuss,  treten  am  auffallend- 
sten als  solche  auf.  Ein  Bauer  ging  einst  Nachts  (Innviertl)  etwas 
angetrunken  vom  Wirlhsbause  heim.  Da  sagte  er:  fWenn  nur 
jetzt  ein  Geisbock  da  wäre,  auf  dem  ich  beimreitcn  könnte !•  Und 
sieb,  schon  s^und  der  Bock  vor  ihm,  und  er,  trunkenen  Mutbes, 
setzte  sich ,  ohne  Anstand  zu  nehmen ,  auf  seinen  Rücken ,  zum 
Glücke  verkehrt.  Denn  fort  ging  es,  geschwinder  als  der  Wind, 
und  er  hätte  ersticken  müssen,  wäre  er  nicht  rückUngs  gesessen. 
Als  beim  •  Taganläuten  ■  das  Thier  verschwand  und  er  wieder  auf 
die  eigenen  Beine  kam,  fand  er  sich  in  einem  wildfremden  Lande, 
wo  ihn  niemand  verstand;  selbst  von  der  Wienerstadt,  d.  h.  dem 
blossen  Namen  wusste  niemand.  3  Jahre  brachte  er  auf  dem 
Heimweg  zu  *).  — 

Ein  junger  Bursche,  welcher  «fensterin«  oder  »g^sseln«  ging, 
traf  auf  ein  junges  Pferd,  welches  vor  ihm  stille  stand,  als 
wollte  CS  ihn  zum  Aufsitzen  einladen.  Er  tbat*s;  doch  nun  flog 
es  nur  dahin,  so  dass  er  schier  ersticken  musste.  In  einigen 
Minuten  war  er  so  weit  gekommen,  dass  er  eine  gute  Tagreise 
heim  hatte  ^).  — 

Von  .^^D.unden,  einem  grösseren  und  2  kleinem,  ist  der 
Teufel  gegleitet,  wenn  er  ijQ .stürmischen  Nächten  jagt.  Es  inimmt« 
auch  nicht  selten  die  »schwarzen  Hunde«  aus  den  Häusern  «mit« 
ZU  dieser  Jagd,  selbst  wenn  sie  eingesperrt  und  angehängt  sind  '). 


*)  Dem  Wagen,  welcher  in  der  Grünau  ( KremsinUiister  Prograinm  18G0) 
am  Kaschiugsdtenstag  das  kleine  Floss  führt,  dient  ein  mannigfach  her- 
ausgeputzter Bock  als  Vorspann.  —  Pferd  und  Bock  standen  in  Be- 
ziehung zu  Wuotan  und  Donar,  zu  Sturm  und  Gewitter.  — 

'j  Die  zwei  letzten  Erzählungen  beruhen  darauf,  dass  nach  allem  Glauben 
das  wüthende  Heer  nicht  selten  Menschen  mit  sich  in  die  Luft  entführt 
hat.  Von  demselben  sind  hier  nur  mehr  Bock  und  Pferd  übrig  geblie- 
ben.   Der  Bock  ist  ihm  ursprünglich  sogar  fremd.  — 

')  Der  Hund  ist,   wie  bereits  gesagt,  Naturbild   des  Windes  oder  Sturmes. 


7S 

In  H  a  8  e  ^)  und  K  a  t  z  e  ^)  verwandeln  sich  Teufel  und  Heie. 
Sie  treten  auch  in  Beziehung  zu  der  Sage  von  dem  iWeehseU 
thaler f,  den  sich  einst  so  mancher  mit  der  Hilfe  des  Bösen  zu 
verschaffen  wusste. 

Am  Schiederbach  (zwischen  Kremsmünster  und  Hall)  sprangen 
einst  auf  einen  Mann ,  der  zuföllig  Nachts  dieses  Weges  ging,  eine 
Menge  gräulicher  Katzen  los.  Da  gelobte  er,  wenn  er  glücklich 
heim  gelangte,  ein  hl.  Bild  hieher  zu  opfern.  Er  erfüllte  auch 
sein  Gelübde;  noch  jetzt  sieht  man  das  Bild  an  einem  Baume. 

Ein  Mann,  der  Nachts  heim  ging,  stiess  auf  einen  tSau- 
treiben  mit  12  ScJiwe-inen  ').  Eine  Zeit  lang  ging  er  arg- 
los neben  ihnen  her;  auf  einmal  bemerkte  er  aber  zu  seinem 
grössten  Schrecken ,  dass  jener  einen  Pferdefuss  habe ,  und  in  dem 
nämlichen  Augenblick  waren  auch  Treiber  und  Thiere  verschwunden. 

Der  Rabe  ^)  erseheint  häufig  in  Sagen  von  Teufelsbeschwö* 
ningen.  Wenn  der  Beschwörer  die  Zauberfermelf  womit  er  den 
Bösen  herbeirief,  nicht  oder  doch  nicht  schnell  genug,  rückwärts 
lesen  kann,  oder  mit  anderen  Worten,  wenn  er  das  •  Abdanken • 
nicht  oder  zu  wenig  versteht ,  so  stellen  sich  Raben  ein ,  welche 
ihm  hart  zusetzen.  — 

»Verwunschene!  Menschen  treten  besonders  in  Ge- 
stalt von  Pferden  auf,  wobei  die  Farbe,  weiss  oder  schwarz, 
einen  wesentlichen  Unterschied  macht  Jedoch  heisst  es  hin  und 
wieder   auch    ganz    allgemein,   die   ein    lasterhaftes  Leben  führen, 


*)  Der  Hase  itebt  mit  dem  GewittergoUe,  sieh  Thiere,  Hase,  also  mit  Ge- 
witter und  Blits  selbst  in  Verbindung.  — 

')  Von  der  Katze  gilt  es  cbenialU,  dass  sie  ein  Naturbild  des  Gewirrs 
ist.  losbesondere  fahrt  Fre)^a  auf  einem  mit  Katzen  bespannten  Wagen. 
In  Freyja  ist  aber  dieselbe  Göttin  erkenntlich  wie  in  Frigg.  So  berührt 
sich  nun  diese  Göttin ,  von  der  der  Freitag  benannt  ist ,  im  Klement 
(sieh  D,  3.)  mit  Thorr.  — 

*)  Das  Schwein,  besonders  der  Eber,  ist  ein  Naturbild  des  Sturmes.  -*— 

^)  Auf  Odhimis  Schultern  fttzen  2  Raben,  Hugin  und  Munin,  Gedanke  und 
Erinnerung.  — 


76 

viel  betrogen  haben  u.  s.  w.,  werden  nach  dem  Tode  des  Teufels 
Rosse,  mit  welchen  er  fürchterlich  reitet  und  fährt. 

Auch  in  Hunds-,  Katzen-  und  Seh w eins gestalt 
» gehen •   lasterhafte  Menschen  nach  ihrem  Tode   tum.!   — 

c)  YiexfBssige  Thiere. 

i)  Eichhörnchen,  <Oahmindl.«  Es  ist  ein  guter  An- 
gang,  wenn  man  Geschäfte  halber  ausgeht,  und  es  rennt  einem 
ein  Töachkatzlf   oder  •OachmandJi   über  den  Weg. 

2)  Fuchs.  Der  Name  des  Fuchses  wurde,  Greise  denken  es 
noch,  nicht  gerne  ausgesprochen;  man  nannte  ihn :  •  HpIghapaK  den 
pfiffigen  Hansl.i  nach  Höfer  auch:  »Belderer  Oi  Hansl,  Holzhund, 
PrccIiteU  ^)  oft  hcisst  er  auch  absichtlich  ganz  unbestimmt,  das  »Laufid. 
RennüiL*  Der  Fuchs  wurde  gefüttert,  wie  man  Wind  und 
Feuer  etc.  fütterte,  indem  man  ihm  z.B.  Kopf  und  »Krebnt  einer 
Henne  auf  einen  Platz  irn  Walde  legte.  Eine  Bäuerin  in  Hof- 
kirchen ( Flausruckviertl )  ging  von  Zeit  zu  Zeit  mit  einem  tHefn,i 
worin  Futter  fur  den  Fuchs  war,  in  den  Wald,  um  es  an  einem 
passenden  Platz  hinzulegen ;  sie  sagje  dabei  sogar  einen  Spruch  her. 

Wenn  man  unterwegs  zufällig  dem  FucTrs'ifr 'dte  Nähe  kam, 
pflegte  man  ihn  gerne  anzureden  und  zwar  am  liebsten  mit  dem 
Namen  >  Hansl.  ■  Man  fürchtete  nämlich,  dass  er,  wenn  man  seinen 
eigentlichen  Namen  nennte,  ins  Hau^  kjlme  und  sich  über  die 
Hühner  her  mache.  Doch  wusste  man  auch  verschiedene  Mittel, 
sie  vor  dem  blutdürstigen  Feinde  zu  schützen.  Man  gab  ihnen, 
wenn  sie,  als  (lübnchcn  ,  das  erstemal  ausgetrieben  wurden ,  eine 
Fuchsleber  zu  fressen,  oder  stutzte  ihnen  am  Faschingsonntag  vor 
Sonnenaufgang  Flü^eljund  Schweif.  Auch  gab  man  ihnen  zu  dem 
Zwecke  Habgr  zu  fresseji,  der  mit  dem  Blut  eines  während  der 
Karfreitagpassion  gestochenen ,  schwarzen  Lammes  war  besprengt 
worden.  —  Hatte  er  dennoch  eine  Henne  gestohlen ,  sagte  man : 
»Gsögn    Got,    gsögn    Got!«     Er   bekäme  davon,  so   glaubte  man. 


')  Belderer  von  bclderen,  l>cUon. 

*)  Bei  Prechtet  dacbie  scheu  Höfer  an   den  Knecht  Roprocbt,  dessen  Stelle 
hier  su  Lande  am  Niklatag  der  Ntkolaherr  vertriU.  — 


77 

einen  Grausen  und  bliebe  fortan  aus.  Auch  seigtejoan^ihm  den 
nackten,  damit  er_»abEeirote.«   — 

Zugleich  war  der  Glaube  verbreitet»  dass  manche  Leute,  be* 

sonders  die  Jäger,  den  iFuchs  schickem    könnten:  natür- 

^       ^.      ^  • — "^"^ 

Keher  Weise  verstanden  solche  auch  das  Gegenlheil.  —  Wenn 
nachts  in  der  Nähe  des  Hauses  die  •Fuobszöoaf  *)  (Allmünster) 
seilet,  stirbt  baldjtmand  aus  dem  Hause,  oder  du  hast  sonst  Unglück. 

•Schau,  dass  dich  der  Holzfnebs  oicht  hoU,i  sagt  man  im 
InnviertI  su  jemanden,  der  dureli  einen  Wald  muss.  Auch  den 
Kindern  droht  man*  mit  dem  Hohfuchs,  wenn  sie  in  den  Wald 
laufen  wollen ;  dieser  erwischt  und  frisst  sie.  -^ 

•Fuchswild,  fuchsteufelswild  sein.  D*  Fuchswildhaubn  ^)  aufha- 
ben,! sind  gewöhnliche  Redensarten.  Schuhe  von  Fuchsleder  bleiben 
untertags  zu  Hause  und  gehen  bei  Nacht  aus.  Von  einer  Höhle 
unweit  Grünau,  der  •Gugälös-,  Gugilutzkirii  heisst  es  geradezu, 
der  Teufel  habe  einige  Zeit  darin  bei  Tagesweile  als  Fuchs 
gehaust,  — 

Redensarten.  Dieweil  man  ön  Fuchs  nennt ,  dieweil 
kimmt  ä  grent.  —  Wo  da  Fuchs  s^  Gligä  hat,  da  stilt  4  koan 
Hen.  —  Ich  bin  ä  ghöztä  Fuchs.  —  Der  Fuchsschwanz  hengt 
eam  au4.  —  Oessn  neddi,  äs  wie  wan  da  Fuchs  ä  Mukn  facht.  ^ 

3)  Geiss.    Sie  zjght  Krankhjsitea-an  sich. 
Redensarten.    A    nedligö    Goass.    —    Blsingigö     Goass, 

Schlekgoass.  —  Schocidigoass.    Dreizöäh  Schneider  bahnt  Virzöäh  / 
Pfund,  So   össnt  A  Goass   ön   ä    Halbn    Virtlstund.  —  Sist  kimt 
eam  s'  GUk  äf  da  Goass  gridn.  — 

4)  Hase.  Sein  Angang  bedeutet  Unglück.  —  Wenn  wäh- 
rend eines  Begräbnisses  ein  Hase  über  den  Gottesacker  läuft«  er* 
henkt  sich  bald  jemand  aus  der  Pfarre. 


^  Fachsweibehen. 

*)  Mkon  (Ue  Farbe  des  Fuchses  erinnert  an  Thorr.  Die  eben  vorgeföhrten 
Redensarten  aber  mahnen  noch  oiaehtiger  an  seinen  Asenzom ,  in  wel- 
chem er  entbrennt,  wenn  er  seine  Gegner  vor  sich  sieht  — 

*)  Man  sagt  dies  von  denen,  welche  beim  Essen,  z.  B.  als  GSste,  gar  zu 
■  gsehimig«  thun.  — 


7« 

Wem  man  an  Karfreitag  tot  der  Seme  eineo  Hwen  mhieart. 
Balg  und  Blut  in  einen  neuen  Hafen  gibt  und  oiesen  in  einen  ge- 
beizten Backofen  seist,  bis^  alles  veibrannt  oud  zu  Staub  gewor- 
den  ist,  so  erhält  man  eine  »Stuppt,  wdehe  eingenooiaien  voo 
Sand  und  Stein  befreit.  —  Man  sdiiesst  einen  MSrsenfaasen 
und  taucht  in  den  Fetisch  eineo  Lappen  ungeblejchjgi;^  rupfeoer 
Leinwand,  gibt  biezu  etwas  Haar  von  den  Läufen  und  raueberi 
daroit7ie  Körperstellen,  über  welche  sieh^der  Rotblau  f  ver- 
breitet bat.  —  Hasenzäbne  werden   zahnenden  Kindern  ange* 

^*^ II    f         I  -    -a^^». 

hängt  Schon  aus  diesem  Heilverfahren  kann  man  mil  einigem 
Grund  darauf  scbliessen,  dass  der  Hase  mit  Thorr  in  Veii^iaduiig 
stand.  — 

Redensarten.    Döweil  ma"  ön  Haan  nent,  kirnt  i  grenf. 
—  A  Ros  und  ä  Has   Is  in  ü^gliksälögs  As.  —  Da  liegt  der  Has 
im  Pfeffer.  —  Ein  furebtaamer  Has.  —  «Koan  heurigi  Hast  seia 
/  —  Jedn  Häsl  Wichst  sef  Grisl.  — 

5)  Haselmaus.  Das  Thier,  besonders  der  Schweif,  ist 
zu  allerhand,  vornehmlich  auch  zu  Zauber  nützlich. 

6)  Hirsch.  Der  Hirsch  erlangt  ein  ungemein  hohes  Alter 
oder  vielmehr,  er  würde  gar  nicht  sterben,  wenn  es  nicht  ge- 
waltsam  geschähe.  Er  kennt  nämlich  das  «Kräutleim  wider  den 
Tod.  Als  einst  ein  Hirsch  Christum  den  Herrn  auf  sefn^nr  Geweih 
über  ein  Wasj.ex.  ioig«  gab  ihnen  dieser  zum  Lohne  die  Kenntnis 
dieses  Kräutleins.  — 

/  In    der  Sage   von   dem  T qdte n  r i 1 1 ,  wovon  sich  auch  in 

der  Heimat  mehrere  Versionen  finden, ""toramt  der  Todte,  auf 
eineqi^  Hirsche  reitend,  zu  Liebchens  Kämmerlein. 

Redensarten.  Springen,  wierä  Hirschl.  —  Dumm,  is 
wieri  Hirsch. 

7)  Hund.  Wenn  man  eines  Geschäftes ,  z.  B.  eines  Han- 
dels halber  vom  Hause  fortgeht ,  und  es  bellt  der  Hund  des  nächsten 
Hauses ,  so  gilt  dies  als  ein  gutes  Anzeichen  ^).  —  In  den  Rauch- 


')  OdhuD,  der  Sturmesgotft,  ist  auch  der  des  Wunsches.  — 


7» 

Dächten  verkündet  der  Hund  durch  sein  Gebell  heiratbslustigen 
Dirnen,  in  welche  Gegend  hin  sie  heirathen  werden. 

Wenn   der  Hund    »weint«»   so   geschieht   bald   ein  Unglück, 

oder  es  stirbt  jemand  aus  dem  Haus  oder  der  Nachbarschaft  — 
Frisst  der  Hund  Grsis,  so  kommt  Regen.  —  Hunde  können  «ge<» 
ban  ^^l«_werdjpja«.ju^  das»  sie,  macht  «aa>  auch  einen  noch  so 
grossen  Lärm,  wedex  ^incn  melden ,  noch  einem  etwas  anthun. 
Nicht  bannen  jedoch  kann  man  die,  welche  von  Natur  aus  einen 
gestutzten  Schweif ^ haben.  —  Man  bannt  sie,  indem  man  ihnen 
die  Feige  zeigt,  den  Mund  schlicsst  und  nicht  alhmet.  Bann«- 
formein  sind:  »Hund,  du  beiss  mich  nicht,  Christi  Fleisch,  das 
serreiss  du  nicht,  das  helf  mir  Gott  der  Vater  etc.«  Oder:  »Hand, 
mich  hat  Gott  erscbaflen,  auf  dich, hat  er  nicht  oder  mr  gedacht  ^!« 

Will  man  einen  Hund  bannen,  (Ällmünster)  so  nehme  man 
etwas  Brot^  oder  Fleisch  unter  die  «Ucrxn«  und  gebe  ihm,  wenn 
es  warm  und  »marbi  geworden  ist,  davon  zu  fressen ;  er  geht 
einem  dann  nicht  mehr  von  der  Seite. 

Wenn  ein  Hund  gebannt  ist,  (Altmünster)  und  du  willst  ihn 
erschiessen ,  so  lade  Scbuhricmcn  ins  jGiQii^^r ;  sonst  bringst  du  es 
nicht  zu  Stande.  — 

Einem  Kinde,  das  «Hundsspr üngn«  hat,  Auswüchse  am 
Kopf,  hilft  man,  indem  man  einen  schwarzen  Hund  ihm  dreimal 
über  den  KapC  springen  lässL  Ein  schwarzer  Hund,  an  dem  auch 
nicht  ein  weisses  Härlein  ist,  kostet  viel  Geld;  denn  er  ist  gut 
gegen  das  iHiiTraTTäd.«  Ein  solcher  KriakfiC^cbäumt  seriie 
aus  ^em  Munde.  Gibt  man  nun  einem  solchen  Hunde^  ein  Stück 
Brot^as  mit  diesem  Schaume  benetzt  ist,  zum  fressen,  krepiert 
^*^*^''  un4.  der.Jiranke  wird  gesund.  —  Ein  frischgeworfenes 
Hündchen , Reichen  Geschlechtes  mit  dem^&ind^»  das  die,Freis6 
hat,  wird  in  einem  Backofen  lebendig  verbrannt  und  daraus  ein 
Pulver^  gewonnen  etc.  etc.  — 


*)  Beides  wird  gehört  ^ 


80 

Kinderspiel:  a)  Kiufer;  b)  Verkäkifer;  c)  HundeL  — 
a)  «Mein  Herr  Schickt  mich  her  Ueber  Dialei  und  Dom,  lieber 
Waizen  und  Korn,  Und  lasst  fragn,  ob  keine  jungen  Run  dl 
mehr  da  sind  zum  verkaufen,  b)  Es  sänd  schon  noch  eine  da, 
aber  noch  zjung  zum  Laufen«  a)  Wans  nur  übern  Haek- 
stock  springen  können,  b)  Das  mögns  leicht  verrichten,  a)  Ib 
wird  ge*  heimgehen  und  wirs  mein  Herrn  sagn.  b)  Bleibt  der 
Herr  nur  da  (repet.)  Ih  ha*"  mürs  scbo"  widä  anders  dacht,  der 
Himmel  ist  blau,  die  Erde  ist  grün  Und  der  Schmalz- 
kocblöffel  liegt  Atn  Ueerd.  a)  Was  essens  gern?  b)  An 
Schmalzkoh.  a)  Und  was  trinkcns  gern?  b)  An  gsotnen 
Wein,  a)  Und  wo  Schlafens  gern?  b)  Im  Federbett  a)  Wie 
beisst  er  und  wo  muss  man'n  nehmen?  b)  Bei  der  klein 
Zechen.«  Und  so  führt  der  Käufer  das  benannte  Hundel  bei 
der  kleinen  Zehe  fort.  —  Das  Spiel .  beisst  das  Hundelspiel  und 
CS  sei  hier  nur  bemerkt,  dass  sein  Name,  dass  Hackstock^  Scbmak- 
koch ,  gesoUnox'  Wein ,  Fedecb/^^*  dass  selbst  die  kleine  Zehe 
mythisch  b«4^utsam  sind. 

Redensarten.  Um  mich  schaut  sich  kein  Hund  um.  — 
Damit  lockt  man  koan  Hund  van  Ofn  fürä.  —  Von  sehr  schlech- 
tem Wetter  beisst  es,  es  stürme  so  arg,  dass  man  keinen  Hund 
zur  Tfaür  hinausjagen  ntochte.  —  Mich  fricst  wierän  Hund.  — 
Oan  Gwand  ham,  wie  dA  (fund  oan  Haut.  —  Wartn,  wie  da 
Hund  äf  d*Schleg.  —  Hciln  wierä  Ködnhund.  —  Afn  Hund  kemä, 

—  Dö  ersten  Hund  trenkt  mä  ge'^n.  —  Liegn,  lügen  wierä  Bum4l, 
gstuztä  Hund ,  reotä  Hund.  —  Umäschwoafln  wierä  Hund.  —  Abi- 
beudln  (etwas,  z.  B.  eine  Rüge),  wie  da  Hund  Fleh.  —  Wie  da 
Hund  ön  Flehn.  —  Da  liegt  der  Hund  begraben.  —  Hundshar  äflögn. 

—  Da  greoss  Hund  is  sän  Vödä.  —  Nöd  an  iedä  Hund  hoast 
Brändl  *).  —  Ein  Leben  haben,  wie  ein  junger  Hund.  —  Vil 
Hund  sänd  s   Hasn  Teod.  —  Sih  vätragn,  wie  Hund  und  Kaz.  — 


')  Unter  verschiedenen  Benennungen,  in  verschiedener  Gestaltung  tritt  oft 
derselbe  Gegenstand,  nSuüicho  Fall  auf.  —  Brindl  ist  ursprünglich  ein 
Name  rother  Hunden 


81 

Wan  m^  on  Hund  if  d'Sau  wirft,  so  baisst  i*s  nitnä  ^).  -^ 
Os  schroekt  iem,  wier  on  Hund  s*  Hicbllekä.  —  Win  da  Bumil 
mil'n  Geld  kimt^)! 

8)  litis,  das  »Oltis.i  Wenn  sich  in  einem  Hause  und 
zwar  in  allen  Räumen  desselben  plötzlich  ein  cigenthümlicher  Ge- 
stank verbreitet,  wofür  man  keinen  anderen  Grund  anzugeben 
weiss,  so  sagt  man:  »ös  hat  so  s  Öltis  umdriht.t  Daher  auch 
•  Stingi,  wier  in  öltis.« 

Es  heisst  auch,  dass  es  (Höfer  I.  180)  das  Weizen  eines 
Messers  auf  Steinen  nicht  ertragen  kann  und  hiedurch  gereizt 
wird,  aus  seinem  Sehlupfwinkel  hervorzukommen. 

9)  Katze.  Geht  die  Katze  9roal  ums  Haus,  so  wird  es 
brjrmfin.  —  Das  Haus,  in  welchei«  eine  dreiförbige  Katze  ist, 
kann  niijht  abbrennen  3).  — 

Wenn  die  Katze  »weint«,  stirbt  bald  jemand  aus  dem  Hause 
oder  der  Nachbarschafl.  —  Wenn  sich  die  Katze  putzt,  hat  der, 
welcher  sie  darnach  zuerst  ansieht,  Unglück.  — 

Wenn  sich  die  Katze  »auszwiht,i  d.  h.  die  Pfoten  leckt  und 
um  das  Maul  sich  streichelt,  »kommt  bald  wer  schöner. •  —  Wenn 
sich  die  Katze  »wascht,«  kommt  den  Tag  über  wer  schöner  ins 
Haqs,  oder  auch  wer  seltsamer.  —  Ein  Mädchen,  das  die  Katzen 
nicht  mag,  bekömmt  einen  räudigen  Mann;  —  hat  es  die  Katzen 
gerne,  kriegt  es  einen  ^uten  Mann. 

Man  seh  eujt  sich,  eine  Katze  umzubringen;  wer 
es  thut,  verfällt  einer  auszehrenden  Krankheit  oder  wird  sonst 
ungUicklich.  Man  trägt  daher  auch  die  neugeworfenen  Jungen, 
kann  man  sie  im  Hause  nicht  brauchen,  heimlich  in  fircmde  Hau* 
s^r ,   häufig    sogar    über    ein    flicsscndes  Wasser.     Auch  soll  man 


1)  Zu  arges  Hetzen    (eines  Menschen  auf  einen  andern)   verfehlt  der  beab- 
sichtigten Wirkung. 

*)  Scherzhafte  Abweisung. 

^  Sie  ist  das  Abbild  der  Blitswolke  selbst.     Die  drei  Farb^ 
rolh  und  weiss.  — 


82 

eine  Katze  nicht  innerhalb  des  Hauses  verenden  lassen;  sonst 
müssen  noch  zwei  Hausthiere  daran. 

Eine  Katze  hat  9  Leben.  —  Die  Katzen  ibet  em,  wenn 
sie  gut  gelaunt,  ein  behagliches  Schnurren  hören  lassen:  »Nuss* 
b^m^J(e*schbäm ,  rau*  —  rau"  —  rau^  Nussbäm  eic  etc.«  '). 

Redensarten  und  Räthsel.  Kaznaugn  bam.  —  Kam- 
freindlih  sei".  —  Kaznbugln.  —  Schmeichlädä  Katz.  —  Dös  bringt 
ä  Kaz  um.  —  Sih  wüern  wierä  Kaz.  —  Streidn  um  di  Kaz  sän 
Schwoaf.  —  Dös  macht  da  Kaz  koan  Bugl.  —  ^ringt  d*Kaz  auf 
dö  ahn  Füess  ^).  —  Eam  lauft  d*Kaz  mit  dir  Ein  dava"^  ^.  — 
Drum  herumgehen,  iwie  d*Kalz  um  A  Brei^.t  —  Brumd,  wieran 
aldi  Kadä.  —  An  Grant  ham,  wierä  Iragädö  Kaz.  —  Viliebdi 
Kadä.  —  Die  Katze  kriegt  Heu  ^).  —  Afn  Kazntischl  sizn.  —  Wer, 
nachdem  er  bereits  zu  essen  aufgebort  hat«  wieder  anfängt,  der 
muss  »der  Katz«  einen  Pfenning  geben.«  —  Von  einem  recht 
zerlumpten  Gewand  sagt  man,  es  hat  so  vi!  »Lukärn,«  dass  neun 
Katzen  darin  keine  Maus  fahen  könnten.  —  Die  Katze  heisst  auch 
■Mu*l«  oder  »Mutz,  Mutzäl.«  Mutzdl  wird  als  Schmeichelwort  auch 
auf  Menschen  angewendet.  »Mu'lsaubä.«  —  >Oan  s  Mul  detn.«  — 
Gebt  um  und  um  ums  Haus  Und  hat  An  Bindgartn  in  A  seh.  — 
Die  Katze  und  ihr  Schweif.  —  Oben  schwarz,  unten  rauch« 
»0  weh,  sagt  das  Rauch,  Het  ih  das  Schwarz  in  meP  Bauch!« 
Die  Katze,  welche  im  Raucbfang  «schwarzes«,  d.  h.  Selchfleisch 
ersieht.  — 

10)  Maulwurf.  «Scher.«  Die  »Sehern«  haben  ein  sehr 
zähes  Leben ,  so  dass  nicht  leicht  jemand  im  Stande  ist,  einen 
zwischen  Zeigefinger  und  Daumen  zu  erdrücken.  — 


')  Wenn  die  GewiUerkalzc,  die  Gewitterwolke,   getödtet  würde,   müsste  das 
Weltall  selbst  auszehren.  —  Bau",  rauT  etc.  geht  auf  den  Donner.    Nuss- 
und   Kerschbaum,    von    diesem   heisst   es    in  Rindcrlicdem    oll,    dass  er 
»brinnid»   wird,  auf  die  blitaflammende  Wolke.    — 
')  Es  ist  die  Sache  trotzdem  wieder  die  alte,  dieselbe.  — 
*)  Es  fehlt  ihm  das  Mass  zu  seinem  Thun;  es  ist  daher  völlig  verfehlt 
^)  Mit  diesen  Worten  heiast  man   hie   und  da  Kinder  sich  eotfemen,  wenn 
Unschickliches  geredet  wird.  — 


88 

9 

Wenn  daher  jemand  mit  der  Jland  einen  lebendigen  Maul- 
vind  erdrückt^  so  kann  er  mit  ihr  auch  den  >Beiser,i  oder  das 
iBcisidi  ^)  erdrücken.  Oder:  wenn  man  einen  Maulwurf  so  lange 
in  der  rechten^ Hand  hält,    bis  er  abstirbt,    erhUlt   man   die  Gabe 

den    »Wiirmg    IM  tSdten.  — 

Wenn  einem  auf  dem  Weg  ein  ■  Scher«  unterkommt,  so 
löse  man  das  Strumpfband  und  lass*  ihn  darüber  laufen.  — 

(Handschriftlich.)  Wenn  ein  Scher  aufwirft,  .so  breit  ein 
neu  gewascheji^&Jjlchl  auf,  dass  derselbig  das  Koiir^ti«rauf  wühlt. 
Nimb  alsdann  solches  Koth.  Wenn  du  Kugeln  giessen  willst» 
nimb  unter  jedweder  ein  wenig  dieses  Kothes;  so  schiesst  du  mit 
solcher  Kugel  hin,  wo  du  willt.  — 

Blutungen  stillt  man,  indem  man  sich  ein  Söckchen  um- 
hängt, worin  sich  dTcTorderpfole  eines  zwischen  den  Frauentagen 
gefangenen  Maulwurfes  befindet;  doch  muss  der,  welcher  dies 
Mittel  anwendet,  dem  Thierchen  die  Pfote  abgebissen  haben. 

11)  Maus  und  RsTucrDie  Weibsgersoju, jy eiche  eine 
Haus  tödlet ,  hat  beim  Brodbacken  Unglück.  — 

Am  N  i  k  0  s  i  l  a  g  ^)  liann  man ,  indem  man  gewisse  Zeichen 
an  die  Thüre  schreibt,  alle  Mäuse  und  Ratten  aus  dem  Hause 
treiben.  -- 

In  Freistadt  gab  es  einst  so  viel  Mäuse  und  Ratten,  dass 
man  sich  gar  nicht  mehr  aus  wusste.  Da  trug  sich  ein  •Halter« 
an,  das  Geschmeiss  zu  vertreiben.  Er  stand  auf  den  Marktplatz 
und  blies  in  sein  Horn.  Je  länger  er  blies,  desto  mehr  Mäuse 
und  Ratten  krochen  aus  Mauerlöchern ,  Kellerfenstem  u.  s.  w.  her- 
vor. Endlich  zog  er  blasend  aus  der  Stadt,  das  Ungeziefer  ihm 
nach,  bis  er  an  einen  Teich  gelangte.  Da  watete  er  hinein,  so 
weit  er  konnte;  sie  schwammen  ihm  nach.  Endlich  hörte  er  zu 
blasen  auf,  und  die  Schwimmer  versanken.  — 


*)  Den  sogenaonten  »Wurm«  im  Pinger.  Der  im  Innern  der  Erde  wüh- 
lende Maulwurf  gilt  als  ein  Abbild  des  im  Finger  wühlenden,  beissenden 
Wurmes.  -^- 

*)  Wahrscheinlich  Tür  Nikasias.  -^ 


84 

Räthsel.  Is  not  z*greo8s,  is  not  K'kloaa  Und  bal  Augn 
-wierti  Funkelstoan.    Die  Rattc  *).  — 

12)  Schwein.  Der  Angang  desselben  verheisst  Glück.  — 
Dagegen  hetsst  es  aber  auch :  wenn  man  eines  Besuches  halber 
von  Hause  geht,  und  es  begegnen  einem  zuerst  Schweine,  so  ist 
das  ein  schlechigä^ichen ;  begegnen  aber  einem  Schafe,  so  wird 
man  freundlich  aufgenommen.  So  man  von  SeTnveinen  träumt, 
bedeutet  es  Streit  — 

Im  Schädel  des  Thieres  finden  sich,  .dip  2  »Froas-t  oder 
auch   «Wirflboa'l«,  welche  die  Preis  und  den  Wirfl  verhindern. 

Sie  heissen  auch  »Wögweisdrit,  weil  derjenige,  der  sie  bei 
sich  trägt,  niemals  den  rechtea  Weg  verliert.  — 

Redensarten  und  Räthsel.  A  Sau  mach» ,  Sau 
habn.  —  Gehnt  eanö  neunö  ön  Bah  waschn ,  ^(ode^f-auch)  durih*8 
Wasser ,  Und  wtl  nur  oa^s  dava"  nass.     Das^  iiücbtige  Schwein. 


')  Ratte  oder  Maus,   sie  darf  hier   wol  identisch  mit  ihm  genommen  wer- 
den ,   ist   mitunter  als  Bild  des  Blitz  ^~  Licht  =  Lebenfuukens  zn  fassen. 
Darum   beisst  ein  Müuslein    am  St.  Gertrudstage   der  Heiligen  den  Faden 
am    Rocken  ab,   und   diese   fängt    zu   g^rteln   an.     Daher  soll  man,  wie 
Rochholz  mitthcilt,  einem  Kinde,    das  mit  offenem  Munde   schläft,   diesen 
schliesscn,    damit   nicht   die    Seele   in    Gestalt    einer   weissen  Maus    ent> 
schlüpfe;  daher  bekreuzt  sich  auch  bei  uns  so  mancher,  der  gähnt,  den 
geöffiietcn  Mund;   gebraucht  man,    basonders   kleinen  Kindern  gegenüber, 
80  hlufig  liebkosend  das  Wort  Maus,  wie  man  etwa  sonst  sagte:    »Mein 
Leben!«     Darum   hat   die  Magd,   welche  um   die  Zeit   des   Störibackent 
eine  Maus   umbringt,    beim   Backen   Unglück.   —   Ein    Kinderreim    sagt 
.  »Kriecht  &  Mausurl  Üb^s  Uausirl,  Wo  Ihuets  rastn?  In  Kindol  sein  Herz- 
kasleu.«     Der  Uerzkasten    ist   als  Sitz    des  Lebens  angesehen.  —  Oder: 
»Der  Mann  auf  der  Leitn  Hat  Kraxn  auf  der  Seiten,  Da  kommt  der  Sturm 
und  der  Wind,  Dass  er  über  d'Leitn  hinabspringt.     Da  kommt  die  Maus 
/   und  hebt  ihn   auf.     Dank  dir,    meine  liebe  Maus,   Komm  heut  in   mein 
V    HauS|   In   der  Kuchl   auf  dem  Brett  steht  in  Kandl  voller  Meth.     Mu1, 
'    Mu*l,  Mu*l,  musst  aussi.«  —  Der  Halter,  der  durch  sein  Blasen  Mäuse  und 
Ratten  in  den  Teich  veriockt,  ist  Wödan,  der  Sturmgott,  der  die  Seelen 
aller  Alter  in  seinon  Zug  aufnimmt.  — 


85 

13)  Wiesel.  iMeamel.t  Es  »spürzet  und  pfuchzct,f  wenn 
man  ihm  nahe  kommt.  Das  Volk  nennt  dies  ^a  n  b  1  a  s  n. •  Wen 
»*s  Mcamcl  anblast,«  dem  schwillt  der  Kopif  auf,  oder  er  bekommt 
die  Krütze.  —  Jemand  trat  unterwegs  zufällig  auf  eine  »Meamel* 
lukn«  ;  da  schwoll  ihm  der  Fuss  so  schnell  an,  dass  er  kaum 
mehr  nach  Hause  konnte.  Man  vermochte  ihm  sogar  den  Stiefel 
nicht  mehr  vom  Fusse  zu  ziehen;  er  musste  vom  Fusse  geschnit* 
ten  werden.  —  Ja  es  heissl  selbst,  dass  der  Angeblasene  oft  so 
anschwillt,  dass  er  sterben  muss.  —  Auch  dass  einer  das  Wisarl 
»anschaut«,  reicht  schon  hin,  um  geschädigt  zu  werden  %  — 
Wenn  man  mit  Haaren  von  einem  Wiesel ,  das  zwischen  den 
Frauentagen  ge£angen  wurde ,  das  Vieh  _xäuchcrt,  schadet  Ihm  keine 
Zauberei.  — 

Das  Wiesel  kämpft  mit  Schlangen.  Ein  Mann ,  der  in 
die  Arbeit  ging,  musste  über  einen  Steg.  Da  er  aber  mitten  auf 
ihm  eine  zusammengeringelle  Natter  erblickte ,  traute  er  sich  nicht 
hinüber  und  schickte  .sich  an ,  durch  den  Bach  zu  waten.  Da 
sprang  von  jenseits  ein  Wiesel  heran ,  kehKe  jedoch ,  als  es  die 
Natter  ersah,  im  Fhig  wieder  um  und  verschwand.  Aber  eben  so 
schnell  war  es  wieder  zur  Stelle,  mit  einem  grünen  «Kräutl  oder 
Slräussl«  im  Maul  und  Hess  dieses  auf  die  Naltcr  fallen,  worauf 
sieh  diese  entrollte  und  in  3  Stücke  absprang  '^). 

Das  Wiesel  hört  sich  ungemein  gerne  loben;  man 
kann  es  hiemit  sogar  aus  seinem  Schlupfwinkel  locken;  so  oft  es 
auch  fortspringt,  es  hüpft  doch  wieder  herzu  und  treibt  hunder- 
terlei  »Schnaxn.«   — 


*)  Alles  dieses  mahnt  an  elbiscbe  Wolkcnwescn. 

')  Dürfte  man  etwa  in  dem  Wiese!  mit  dem  giüncn  Kräutl  im  Maul  ein 
Naturbild  der  Frühlingswindc ,  Stürme  erblicken,  welche  die  zusammcu- 
geringelte  Schlange,  die  annoch  verschlossene  Gewitterwolke  sich  ent- 
rollen machen?  Das  Abspringen  in  3  Stücke  deute  ich  auf  den  Blitz. 
Ich  halte  auch  Uöfers  Erklärungen  des  Wortes  »Me^mel»  hieher:  Weib- 
chen, Mütterchen,  italien.  donnola,  oder  ein  rauhes,  rürohlerliches  Thieri 
von  mummen,  vermummen. 


86 

Es  ist  überhaupt  sehr  gescheit  und  versteht  mcht  selten 
sogar,  was  die  Leute  redeTi.  — ^nErnst'stiesseh  Mäbder  auf  ein 
fWjesdnest;«  sie  nahmen  die  Jungen  aus  und  spielten  eben  da- 
mit ,  als  die  Alten  dahcrsprangen.  Es  sehen  und  zu  dem  Wasser- 
krug laufen ,  welcher  in  der  Nähe  stand ,  und  hineinblasen  war 
eins.  Nach  einer  Weile  setzten  die  Mähder  die  Jungen  wieder 
unversehrtju}^  Nest»  und  nun  sprang  ein^s^v^Jen  Alten  so  lang 
an  und  auf  dem  Kruge  herum,  ius...J2£.>umfiel  uod  in  Scherben 
zerbrach.     (Windisobgarsten.) 

Je  weisser  das  »WisU  im  Auswärts  ist,  desto  mehr  Schnee 
gibt  es  noch.  — 

Redensarten.  Wierä  Wisl.  Meamcigschwind.  —  Hat 
dich  was  anblasn?  — 

14)  Wolf.  Wer  vor  Sonnenaufgang  über  eine  Wolfsfährlc 
geht ,  der  bekommt  ^eiiMm  Wolfshunger.  —  Auch  meinte  man,  der 
Woir  habe  nur  einen  einzigen  Darm ,  welchef  von  dem  Ausgang 
des  Rachens  bj^X'^ji/^m  After  reiche. 

Redensarten.  fFrössn,  Hungä« ,  oder  auch  ein  Gebiss 
haben,  wie  ein  Wolf.  —  Da  Wolf  frisst  Schefl  und  oils.  —  Wer 
vom  tBram-  und  Hcidl-  oder  Seh warzberössn«  stark  geschwärzte 
Lippen  und  Zähne  hat,  der  hat  >ön  Wolfn  zrissn.«  — 

15)  Gemeinschaftliches.     In    der  Mitternachlsstunde, 

welche  dem  Tage  der  Geburt  des  Herrn  vorangeht,  wird  das  Vieh 

----- 

m  den  Ställen  unruhig,  erhebt  sich  vom  Lager,  um  die  Freude 
über  die  Geburt  des  Herrn  auszudrücken ;  Ochsen  und  Pferde 
reden  und  weissagen  sogar.  —  Auch  das  Slampfen^iific^crde  gilt 
*n  dieserT^^acht  als  vorbedeutsam.  — 

Wenn  jemand  schon  krank  liegt,  und  es  läuft  an  dem  Hause 
in  der  Nacht  eiji  fuchs,  Hase  oder  Wolf  vorbei,. .so  stirbt  der 
Kranke.  — 

16)  Fabelhafte  Thiere.  Das  goldene  Heinsl.  Am 
Vorabend  vor  Weihnachten  sehen  Kinder,  bis  10  Jahre  alt,  wenn  sie 
bis  JJUhr^filittags^^efastet  haben,  das  goldene  Heinsl  %    welches 


*)  Das  Pferd  ist  ein  NaturbiJd  der  Soiineiibewegung.  — 


87 

von  einem  Dache  zum  andern  springt.  —  Es  bringt  den  Kindern 
AepteMin^JlSüitf^  — 

Die  Habergeis s.  *)  Man  hört  sie ,  besonders  im  Aus- 
wärts, nachts  aus  den  Haberfeldcrn ;  sie  plärrt  wie  eine  Geiss.  Sie 
var  auch  im  Gefolge  des  »Niklac  und  kommt  als  Schreckgestalt, 
welche  muthwillig  nachgebildet  wird,  noch  vor.  Man  nimmt  dazu 
eine  Flache  über  sich  und  unter  dieselbe  2  Stäbe,  womit  man 
bald  vor-,  bald  rückwärts,  bald  in  der  Richtung  nach  oben,  bald 
wieder  zurück  schiebt,  so  dass  das  im  Mondschein  oder  nächt- 
lichem Dunkel  wandelnde  Ungethüm  den  Begegnenden  Hörner, 
Kopf  und  Hals  bald  zu  verlängern,  bald  einzuziehen  und  selbst 
den  Hinterleib  mannigfaltig  zu  verändern  scheint.  — 

Das  Märzenkalb.  Es  geht  im  Märzen  früh  morgens 
herum  und  Hingt  die  Kinder  zusammen ;  anderswo  :  es  geht  auf 
sie  los  und  stosst  sie  nieder.  —  (Rossbach).  Um  den  Kindern  im 
Auswärtsjlaa^rsehnte  Barfussgehen  zu  verleiden,  sagt  man  ihnen : 
Der  iMärzenkadä«  habe  sich  sehen  lassen:  der  die  barfuss 
gehencTcn  ^ipihx^aJtftsteche.  Stirbt  ein  Kind  in  dieser  Zeit,  so  heisst 
es:  »Seht,  der  oder  die  ist  neulich  barhaupt  oder  barfuss  gegan- 
gen ;  jetzt  hat  ihn  oder  sie  der  Märzenkadä  abgestochen. «   — 

Die  Mooskuh.  ^)  Sie  hält  sich  in  »Wäldern«  und  »Mo- 
sern« auf,  hüllt  nachts,  d.  h.  sie  stösst  ein  dumpfes  Gebrüll  aus. 
Einst  hiess  sie  auch  M  o  s  t  k  u  h .  und  wenn  sie  zeitig  im  Früh- 
jähr  sich  hören  liess,  hofTLe  man  auf  ein  gutes  Mostjahr.  In  Win- 
dischgarsten  sagt  man  von  einem  »Moosbock,«  einem  gespen- 
stigen Thier  von  ungeheuerer  Grösse,  mit  langem  Bart  und  mit 
feurigen  Augen,  das  nachts  sein  Brüllen  hören  lässt,  besonders 
an  sumpfigen  Waldplätzen.  Wer  sich  erfrecht,  sein  Gebrüll  nach- 
zumachen, dem  kommt  es  nach  und  nach  näher  und  glotzt  ihn 
mit  den  feurigen  Augen  schauerlich  an,  verschwindet  aber,  wenn 
man  sich  3mal  mit  dem  hl.  Kreuz  bezeichneL  — 


I)  Sie  ist  ein  Abbild  der  Sturmwolke.  — 

*)  Die  Rohrdommel,  nräea  $Mar,  Un.  Ist  wol  ils  Naturbild  der  Frühliogs- 
gewitter  lufzufisseo.  •  Früher  Donner,  spater  Hanger.«  —  »Früher  Don- 
ner, spater  Dnrst,«  könnte  man  hienach  scherzend  anfttgen.  — 


Der  Vi  eh  seh  ö  Im.  Er  brüllt  bei  Tag  oft  schreckhaft, 
wie  ein  Slier.  Die  Leute  haben  da  einst  gesagt,  es  komme  baid 
eine  Krankheit  über  das  Vieh.  — 

d)  Vögel. 

1)  Bachstelze.  Wer  Bachstelzen  beunruhigt  oder  ihnen 
die  Jungen  ausnimmt,  der  wird  ■  zitternd ;c  eben  so,  wer  ihrem 
Rufe . pjijcbspAUeL  in  Altmünster  allgemeiner:  wer  Bachstelzen  be« 
unruhigt,  den  trifft  ein  Unglück.  —  Und  wieder :  Zerstört  man  das 
Nest  einer  Bachstelze,  hat  man  Unglük  durch  Wasser  zu  befahren. 
—  Wenn  man  diesen  Vogel  beunruhigt  oder  tö Jfel ,'  tritt  Bach 
oder  Flüsschen  etc^  aus.  —  Wenn  die  Bachstelrß^Jbt-N6»t  hoch 
am  Ufer  baut,  ist  eine  »Güss«  zu  befürchten.  — 

R  ä  t  h  s  e  1.  Gebt  um  und  um  äfn  Dah ,  Und  hat  ät\  Bind- 
gärtn  5d  Loh. 

2)  Elster,  Älstä,  Älstävogl.  Sitzt  eine  Elster  aufs 
Haus  oder  in  dessen  Nähe  und  schreit  viel,  so  kommt  wer  »mit- 
nöoai  ^)  ins  Haus,  d.  h.  ein  noch  gar  nie  dagewesener,  ganz  Frem- 
der. Anderswo  heisst  es,  es  komme  da  ein  »Schörö,«  Scherge, 
Gerichtsdiener.  — 

Wenn  die  Elster  kräht  und  man  ist  unterwegs,  so  kommt 
man  nicht  weit  vorwärts,  hat  den  Tag  über  auf  dem  Wege  noch 
Unglück.  Man  spuckt  darum  zur  Abwehi:^  aus  oder  scheucht  sie 
wo  möglich  aus  dem  Wege.  (Sehr  häufig.)  Zur  Elster,  wenn  sie 
schreit,  sollst  du  sagen  :  »Älstäkädärl,  ih  dank  där.i  Nachher  schadt*s 
dir  nicht !  Wenn  die  Elstern  viel  schreien,  so  wissen  sie  ein  Un~ 
glück  voraus  und  »kägözn  und  lachn«  vor  Freuden.  — 

Wenn  sich  die  Elstern  auf  die  Mahd  setzen,  wird  schönes 
Wetter.  — 

Die  Elstern  gehören  dem^  Teufel  an ;  er  liat  einmal  wie 
^ott  Schwalben  schaffen  wollen,  ist  aber  so  widerlieh  krächzendes 
Gevögel    daraus  worden.    Anderswo    heissen   sie   geradezuJI-ßai- 


')  »Mit«  ist  hier  d«6  ältere  »it,«  xurUck,  abermals,  gleicbsaui  zweimal, 
9^  ganz,  völlig  neu.  —  In  unsenn  Dialekt  lautet  es  aocb  wie  »ie,  ir;« 
daher  »irdniko,«  d.  h.  wie<](6rkiiu^n,  — 


fels  V  ögel;    sie  haben  aucb_ unter  der  Kofifhagt  Hömlein  ,  \fie 

der  Böse  selbst.   — 

Wenn  man  in    einen  Baum ,  wo  die  Elster  nistet,  3  Kreuze 

schneidet^ ,  verlässt   sie  iha  alspgleichr  seihst  wenn    die  Brut  noch 

nicht  flügge  ist.    Sogar  a^s  der  Nähe  des  Hauses  kann  man  sie 

auf  diese  Weise  vertreiben.    0  — 

Wer  ein  Elsternest  zerstört,  den  trifft  bald    ein  Unglück.  — 
Wenn  man  den  Büchsenlauf  mit  Elsternblut  wäscht,  bekommt 

sie  einen  guten  Brand.  —  Die  Elster  lacht :  Cha  -  ka  -  ha  -  ha  -  ka ; 

cha-ka-ka.i     Sic  ruft  auch:    »Kommt  wer  schöner.« 

3)  E  m  e  r  1  i  n  g ,  d*Ä  m  e  r  i  n.  Sie  sLngt :  •  Sim  Bauärn  kä( 
ih  um  koan  Fist  not.«  Oder:  Zi-zi-zi-  z'  Scbnid.«  Im  Früh- 
jahr, wenn  der  Schnee  geschmolzen  ist,  bittet  sie  den  Bauern: 
»Zi-zi-zi-zi ;  Mässl  Ha  warn  bis  dfn  Schnid  hi".« 

4)  Eule,  »Auf,  Eifl.«  Wo  der  Aufjauchzt,  (InnviertI) 
da  ist  der  Teufel  nicht  weit.  — 

Der  »Auf«  (Attersee)  schreit  besonders  im  Frühling  und 
Herbst;  hört  man  aber  seinen  Ruf  im  Sommer,  so  hat  dies  nichts 
gutes  zu  bedeuten.  —  S*  Eifl  ist  (Steinerkirchen)  ein  kleiner 
Vogel,  so  klein  als  der  Zaunkönig,  der  zu  Häusern  und  Fenstern 
fliegt  und  schreit:  »Zöoh  wök,  zöoh  wök,  zöoh  wök!«  Sein  Ge- 
schrei kündet  einen  Todfall  an.  Identisch  mit  ihm  ist  vielleicht 
das  »Schafwigäl«  (Altersee  und  ßuchkirchen).  Aus  dem  Hause 
(Attersee),  in  dessen  Nähe  es  schreit,  stirbt  jemand,  oder  es  ge* 
schiebt  darin  sonst  ein  Unglück.   — 

Wenn  das  »Wichtl«  (Mühlviertl),  strix  passer,  Lin.,  sein 
widriges  Geschrei  hören  lässt,  stirbt  bald  jemand  aus  der  Nach- 
barschaft, oder  es  geschieht  sonst  ein  Unglück.  — 

Der  »Stockauf«  oder  Todtenvogel,  strix  aluc.  Lin., 
lässt  seinen  stöhnenden  Ruf  hören,  wenn  jemand  aus  der  Nähe  in 
kurzer  Zeit  sterben  soll.  Hört  man  ihn  also,  soll  man  fleissig  beten 


')  Die  Waldweibcbeo  finden  (Mannhardt)  vor  dem  wilden  Jüger  auf  Baum- 
stümpfen Schutz,  die  mit  3  Kreuzen  bezeichnet  sind.  Die  Elster  stellt 
sich  biemit  in  Verbindung  out  dem  Stunnesgotte.  — 


90 

urid  sich    zum  Tode  vorbereiten;  denn  einer   von  denen,   welche 
ihn  hören,  stirbt  gewies.  — 

Wenn  der  Auf  im  Auswärts  jauchzt,  dürfen  auch  die  Tag- 
werker  jauchzen;  denn  es  gibt  ein  gutes  Jahr,  besonders  viel  iMost.  — 

Der  Aufjauchzt:  »Juhu,«  oder  auch:  »Juhu,  wo  bist  denn  ?■ 
Und  die  Aeufm  antwortet:   »Da  bin  ich.f   oder:   »Da  kirn  beMi 

5)  Fink.  Er  ruft,  wenns  kalt  wird:  »Slink,  stink,  stink !■ 
Sonst  singt  er  auch  :  »Zi-zi-zi-zi ;  da  reit  he*  zucbä  !<  Der  Berg- 
fink  oder  Nikowitz  heisst  auch  »Pienk,«,  weil  er  singt : 
»Pienk,  pienk.t 

Redensart:  BHndHnk.  »Siegst,«  hat  dd  Fink  gsagt  Und 
hat  ön  Spazn  d*  Augng  ausghackl.«  So  erwiedert,  wer  eine  ab- 
schnappende Rede  hören  niusste,  im  Gespräch  »aHrumpft«  wor- 
den ist.  — 

6)  Gans.  Am  Martinitag  VormiKags  sind  die  Gänse 
»frei;«  jeder  darf  sie,  wenn  sie  auf  dem  Felde  sind,  wegnehmen. 
—  Di«  W  i  I  d  g  ä  n  s  e  ( unteres  MühlvierÜ)  iiehmea  Jüc  Jause 
mit  und  bringen  sie  wieder.  — 

Redensart.  Rödn,  wan  d^Gens  brunzen.  ')  -  Kinder- 
reim. »Was  tragt  die  Gans  auf  ihrem  SchnabI,  Vetter  Hans?« 
»Messer  und  Gab!  tragt  die  Gans  auf  ihrem  SchnabI  Vetter  Hans, 
Vetter  Hans!«  »Was  tragt  die  Gans  auf  ihrem  Hirn?  etc.«  »Ein 
X  j  Schneiderknecht  mit  Nadl  und  Zwirn  etc.«  »Was  tragt  die  Gans« 
auf  ihrem  Kragn  etc.?    »Ein  Fuhrmann    mit  Ros  und  Wagn  etc.« 

Was  tragt  die  Gans  auf  ihren  Flign,  etc.?  »In  Federbett 
wars  gut  liegn  etc.«  Was  tragt  die  Gans  auf  ihren  Füssn,  etc.? 
»Wer  viel  siindigt,  muss  viel  büssn  etc.«  Was  tragt  die  Gans  auf 
ihren  Zehn,  etc.?    »Wer  nicht  fahren  kann,  der  muss  gehn  etc.« 

7)  Gimpel.  Wenn  er  zeitig  im  Herbste  schreit ,  wird  es 
früh  Winter.  — 

Der  Gimpel  zieht  den  Rothlauf«  an  sich.  Dieses  gilt  auch 
von  dem  Krummschnabel.  — 


•'^ 


')  Gar  Dicht,  nie  reden,  oder  zu  reden  habeiL    «^ 


91 

Als  der  Herr  Jesus  gekreuiiget  wurde/  trauerten  alle  Vögel 
Auch  Gimpel  und  Krummschnabel  legten  ihr  Leid  an  den  Tag. 
Sic  setzten  sich  auf  das  Kreua  und  versuchten  mit  den  Schnäbe- 
lein  die  Nägel  herauszuziehen.  Im  Eifer  aber  liogim  die  einen  sich 
hiebei  denSchnat^krumm,  während  die  Gimpel  sich  ihn  stumpf 
hieben;  zugleich  bespritzten  sich  diese  Brust  und  Leib  mit  ro- 
Ihem  Blut.  — 

Redensarten.  An  Gimpel  fangn ,  auf  der  Nase  sitzn 
habn.  —  Dummer  Gimpel.  — 

9)  Habicht,  H  a  b  i  c  h.  Man  findet  sie  häufig  an  Thoren 
angenajgell.  Der  Bauer  sagt,  es  geschehe,  um  andere  aus  der 
Nähe  derJHäuser^ju  scheuchen.  Auch  mit  Eulen  geschTetit  häufig 
dasselbe.    ')  — 

Der  Name  des  Habichts  wird  nicht  gerne  genannt;  man  hört 
meist  nur  den  Ausdruck  das  »Flöogäd.«   — 

Redensarten.  Sein  gen  einen,  wie  der  Habich,  wie  der 
»Stessl«  auf  d*Taubn,  darauf  sein  wie  ein  Habich,  d.  h.  auf  etwas 
fahren,  losstürzen,  voll  Begierde  darauf  aus  sein.  — 

9)  Hahn  und  Henne.  Wenn  die  Hennen  abends  lange 
herum  »basteln,«  nicht  heimkommen  wollen,  bleibt  den  folgenden 
Tag  schönes  We  1 1  e  r.  Wenn  der  Hahn  ausserhalb  der  Stube 
kräht,  wird  oder  bleibt  es  schön ;  tbut  er  es  innerhalb  derselben, 
ist  das  Gegentheil  der  Fall.  Wenn  der  Hahn  Nachmittags  kräht, 
wird  schlechtes  Wetter.  — 

Wenn  die  Hübner  sicl^.„,>moldeln,«  ..d.  h,  schütteln^^.dass 
»d*  Moldm   herumfliegt,  wird  es  grob.  ^  — 

Wenn  die  Hüener  sich  »segnen,«  kommt  eine  ehrenwerthe 
Pe  rsonJa«--.Haus;  »breiten«  sie  sich  aber," ist^s  ein  lästiger  Gast 
(wird  auch  auf   schönes   und  schlecKtes  Wetter  gedeutet.)    Wenn 


')  Ks  ist  dieses  ursprunglich  zur  Abwehr  des  Blitzes,  des  Einscblageiis  ge- 
schehen.   Die  Eule  ist  ein  Naturbild  des  Blitzes.  — 

*)  Diese  Wetterprophezeiungen  fliessen  daraus,  dass  Hahn  und  Henne  ein 
Naturbild  der  Wolke,  insbesondere  der  Gewitterwolke  sind.  Der  Donner- 
gott ist  aber  auch  Lebensgott,  Heilgott,  segnet  Keld    und  Stall  und  Ehe. 


sie  sich  putzen  und  selbst  beschn'äbeln ,  wird  man  xu  Gast  oder 
Gevatter  geladen.  (Auch  auf  schönes  Wetter  gedeutet.)  — 

Wenn  die  Hühner  »schnibbern.t  d.  h.  den  Schnabel  mit 
dem  Fusse  kratzen,  so  kommt  bald  jemand  Fremder.  Dasselbe  ist 
der  Fall,  wenn  die  Henne  mit  dem  Schnabel  zwischen  die  Spros- 
sen der  Steige  anschlägt,  besonders  wenn  sie    es  abends  thut  — 

Wenn  die  Henne  einen  Strohhalm  unlci;_dem  Schweife  hat, 
so  stirbt  noch  irT  derselben  Woche  jemand  in  der  Nachbar- 
schaft. ^  In  der  Thomasnacht  fangt  man  im  iinstcrn  Hennen  aus 
der  Steige  um  zu  erforschen,  ob  man  im  nächsten  Jahr  sterben 
wird  oder  nicht.  Wenn  der  Hahn  am  Fastweiboai^Msiaf^  auf  einem 
Wagen  Lräht,  führt  man  bald  darauf. einen  Todtcn.  Wenn  jemand 
nicht  sterben  konnte,  stach  rnan  vor  sciacn . AjiJg£a^^inem  Hahn 
den  Ilals  durch.  — 

Wenn  die  Hühner  weit  von  den  Häusern  weg  Futter  suchen, 
kommt  Hunger  ins  Land.  — 

Auch  mittels  des  Eies  erforscht  man  die  Zukunft,  und 
eine  Zeit  lang  in  der  Achselhöhe  jgetragen,  befähigt  es  zum  Schatz- 
graben.  Jedoch,  setzen  einige  hinzu,  muss  ein  solches  Ei,  das 
zum  Schatzgraben  tauglich  sein  soll,  von  einem    Hahn  gelegt  sein. 

Krähende  Hennen  sind  Utiglücksvögel ;  sie  krähen  um 
Feuer  oder  schreien  nach  einem  andern  Unglück,  welches  bereits 
soluniiaTie  ist.  Man  soll  ihnen  daher  auf  der  Stelle  jlcD.  Kopf  ab- 
hacken. Darum  auch  der  Reim:  »Wan  d*  "Hen  mehr  schilt  als 
da  UahVlTnd  s*  Wei*  mehr  gilt,  als  da  Man,  da  ist*s  nimä  guet.«  — 

Doch  auch  als  H  o  c  h  z  e  i  t  s  v  o  g  e  I  galt  der  Hahn.  Darum 
gieng  einst  der  Hochzeitlader  mit  einem  Hahne  daher,  welcher  mit 
den  Füssen  an  einen  Stecken  gebunden  w*ar.  Um  so  leichter  bo- 
greiflich erscheint  es  auch,  dass  das  Alter  der  Hühner,  weiche  man 
in  der  Fastnacht  im  finstern  aus  der  Steige  fmg,  das  Alter  des 
Zukünftigen  bestimmte.  — 

Hin  und  wieder  erzählt  sich  das  Volk  von  dem  »Hühner- 
geist.« Zur  Nachtszeit,  wenn  die  Hühner  in  der  Steige  sind, 
wirft  CS  sie  oft,  besonders  die  schwarzen,  aus  dieser  heraus,  wenn 
sie  auch  noch  so    fest  sugemacbt  ist.    Dies  thut  der  Hühnergeist, 


es 

der  nicht  früher  Ruhe  gibt,  bis  kein  schwarzes  Huhn  mehr  dar-« 
innen  ist.  (Innviertl.)  —  Der  Hiihnergeist  wirft  die  Hübner  in  der 
Steige  so  herum,  dass  sie  auf  das  kläglichste  schreien  und  am 
Ende  gar  wie  todi  daliegen.  Wenn  die  Hübner  nachts  in  der 
Steige  ein  »Geblöd^«  machen,  ist  der  Hühnergeist  unter  sie  ge- 
fahren; man  vertreibt  ihn  mit  iWeihbrun.c  — 

Eine  schwarze  Henne  muss  auch  der ,  welcher  kreisstehl^ 
wenn  der  Teufel  erscheint,  ihm  vorwerfen.  — 

Gegen  das  ■Hinfallende«  wallfahrte  man  noch  im  vorigen 
Jahrhundert  nach  Wallern  und  opferte  daselbst  einen  schwarzen 
Hahn.  Er  ward,  während  man  in  der  Kirche  betete,  an  das  Freit«' 
bofgitter  angebunden»  — 

Die  Hühner  rufen,  der  »Gigg^l  oder  Ha":  >Gi-ka-ri-hi<-i-i;« 
die  Henne,  wenn  sie  ein  Ei  gelogt  hat:  »Da  -  da  -  da- da  -  lata.« 
Oß  auch  »greinen«  sie  einander  aus  und  sagen  :  »Geh,  geh,  geh, 
geh,  geh,  geh.«     Die  Küchlein  rufen:   »Dieb -Dieb- Dieb !« 

Redensarten  und  Räthsel.  Nah  earn  krit  koan 
Ha\  —  Mei'  Hendl !  (Kosend)  —  So  brav  wicrä  Hendl.  -—  Drein- 
acliaun,  als   wenn  einem  »d'  Henä  s'  Breed  gnum4  hcdn.«    ^)  -— 

Ha"*  sä"  ön  Korib,  äf  säo  MisL  —  Biha".  —  Lohhen.  — 
He"armandl  ( man  schilt  kleine  Buben  so. )  —  Schäldn,  steign  wierä 
Ha".  —  Wierä  Hä"  in  da  Balz.  —  Ausschaun,  wie  d*  Hen  hintim 
Schwoaf.  — 

Veor  wierä  Rifl,  Hint  wierä  Sichl,  Bä  da  Milt  wierä  Fass, 
Rat,  was  is  das  ?  ~  Hint  wierä  Sichl,  bä  da  Mitt  wierä  Budäfassl, 
veor  wierä  Fenstästock.  —  Veor  wierä  Kämpl ,  bä  da  Hilt  wierä 
Wämpl,  Hint  wierä  Sichl,  Rat  mei"  liebä  Michl!«  —  Der  König 
aus  dem  Wälischland,  Schwarz  und  weiss  is  all  sein  Gewand,  ein 
bürnäs  Maul  und  ein  fleischärn  Bart :  Wers  nicht  weiss ,  erratb*8 
gar  hart.  —  Es  ist  ein  Mann  von  Riggengiggen,  Hat  ein  Kleid  aus 
tausend  Stücken ,  Hat  ein  beiners  Angesicht ,  Seinen  Namen  sag 
ich  nicht.  —  Es  ist  ein  Mann  von  Duk ,  Duk ,  Duk ,  der  hat  ein 
Kleid  von  hundert  Stuck ,  Einen  beinernen  Kopf ,    einen  federnen 


')  Sich  gar  nicht  zu  helfen  wisMo,  gaos  UDbeholfen  sein.  -^ 


94 

Bart,  Es  ist  ein  Mann  von  allerlei  Art  —  Geht  um  und  um  ums 
Haus  Und  bat  &  StoanI  Ön  A*scli.  —  Eitrag^ende  Henne.  — 

Wer  si'iid  die  ersten  Vorbothen  Gottes?  Der  Hfthn,  weil  er 
ki^bt:  »Cbrist  ist  geboren.«  Der  Tauber,  weil  er  ruft  »Wo?« 
'  Und  der  Ziegenbock,  weil  er  schreit:   »Z*  Bethlehem!«  — 

Ein  Müllner  muss  3  Dinge  haben:  einen  Haushahn,  einen 
Flaushund  und  eine  Mühle.  »Der  Hahn  sagt:  Os  is,  is,  is,  is  i 
Die^  in^Haus ! «  Der  Hund  fragt :  »Wo,  wo,  wo?«  Und  die  Mühle 
antwortet:    »Da  Milnä,  da  Milnä!«   — 

10)  Kibitz.  Es  lieisst  von  ihnen,  dass  sie  »verwunschene 
Jungfern«   seien. 

11)  Kirschpirol,  »Vogel  Fiaus.*)«  In  Buchkirchen 
nennt  man  ihn  auch  :  »Guglvacbaus.«  Er  gilt  als  der  späteste  Som- 
mervogel;  schreit  er  einmal,  so  bleibt  es  M'arm.  •—  Mit  dem  Gelb 
oder  Gold  seines  Gefieders  hängt  es  wol  auch  zusammen ,  dass 
man,  fliegt  er  gegen  Häuser  uiul  Scheunen,  Einschlag;en..uud. Schauer 
besorgt j  man  setzt  ihm  daher  auch,  lUsst  er  sich  in  der  Nähe 
eines  Hauses  sehen  ^  auf  alle  mögliche  Weise  zu ,  um  ihn  wieder 
daraus^  ztL^yertreiben.  —  Um  Altmünster  heisst  er  geradezu  der 
»Schauervogel;«  wenn  er  schreit,  setzt  es  Schauer  ab.  — 

Er  schreit:  »Vogel  Fiaus,  Treibfs  d*  Kölpä  und  Küeh  aus!«  ^ 
Oder  auch:  »Is  da  Bach  g*a  töof.«  Nach  Regen  schreit  er,  wenn 
er  sagt:  »Gigigaglöo,  Bugl  ablöo,«  oder:  »GigIgagM  -  BIdo  dar 
ön  Bugl  a.i 

12)  Krähe.  »Kra^«  Wenn  man  auf  dem  Wege  ist  und 
hört  in  der  Nähe  den  Ruf  einer  Kran,  so  sage  man:  »Dank  dir, 
Kran,  Wan*s  mich  geht  an ;  Gehts  micb  nöd  an,  So  flieg  davan !« 
Oder  auch:  »Dank_dir.Knr,  Wans  d*  i  Giik- woaai«  aa  schreist, 
Wan  iJJngliic^sa  schweigst!«  Auch  so  mil  man  entgegen:  »Dank 
dir  Gott,  Kran;  Wenn  es  mich  angeht,  kräh  mich  nochmal^an!« 
Thut  sie  es,  so  hat  man  gewis  GIücIl  zu  erwarten.  Ran~sagt  auch: 
»Kral,  Kra'l,   grd^t   dir   dein  Speis,  Grat  mir  das  ewige  Himmel- 


')  Wol  aus  dem  nicht  mehr  verstandenen  »Gugolfinua«  entstellt.  — 
*j  Daher  vom  Volke  als  >Viebait8«   gedeutet  — 


n 

reich.!  Der  Ruf  der  KrShe  bedeutet  darum  GlüdL^jivejl^er  lautet: 
»Grat,  grit,«  d.  b.  es  gerath,  gerätb.  —  Eine  Krähe,  wenn  sie 
sich  auf  das  Hausdach  setzt,  verkündet  eben  angenehmen,  glück- 
bringenden Besuch.  — 

Wenn  die  Kraben  im  Herbste  sich  sammeln,  so  heisst  es, 
sie  »^alten^Jloch;;cit ;«  je  grösser  die  Zahl ,  je  höher  der  Flug, 
desto  glücklicher  das  Jahr.  — 

Wenn  sich  die  Krähe  auf  die  Mahd  setat ,  zeigt  sie  schlech- 
tes Welter  an.  — 

>Kra"'wafni  bringen  dem  Jäger  Glück.  Mancher  tnig  sie  da- 
her best^dig  bei  sich.  — 

Wird  e[n  Schwein  geschlachtet  ( SteineHurchen ) ,  so  thut 
man  ein  gewisses  Stück  Fleisch  auf  die  Seite  und  hängt  es  an 
einen  Baum  auf.  Die  Leute  nennen  es  daher  auch  .»Kra'fl  eTsclLc 

Man  nimmt  eine  M  ä  r  z  e  n  k  r  a" ,  d.  h.  eine  im  März  ge- 
schossene Krähe,  dörrt  die  Leber  und  gibt  sie  den  jlidgen  Huhn« 
chen  undliänschen  zu  frcssen7^amit  sic^  »i^^hts«  fangen  kann.  — 

Die  Todtenkra"^  eorv.  com.  Lin,  Wenn  sie  ihr  »W^eh« 
ruft,  stirbt  bald  jemand  aus  der  Nähe;  schreit  sie  3mal,  geht  es 
einen  Mann ,  wenn  nur  2mal ,  ein  Weib  an.  Man  bekreuzte  sich 
daher  einst  und  betete,  dass  man  in  keine  Todsünde  falle  und 
auch  um  Abwendung  anderen  Unheils.  In  Altmünster  spielt  neben 
der  grauen  Krähe  auch  die  Mandelkrähe  diese  Rolle.  — * 

Der  Ruf  der  Todtenkrähe  lautet  und  zwar  traurig  und  ge- 
zogen: iWeb,  weh,  weh!«  Oder:  > Auweh,  auweh !•  — 

Redensarten.  Wan  d*  Kra"  an  bössirn  sizt ,  aft  floigts 
dava".  —  »Oan  Kra'  hakt  dir  anärn  d*Augng  nöd  aus.«  — 

13)Kukuk,  «Gugu,  Gugä,  Gugitzer.«  Er  schreit 
nicht  eher,  als  bis  der  Haber  grün  wird.  Insbesondere  wird  Georgi 
als  der  Tag  genannt,  an  welchem  er  zu  rufen  anfängt  —  Eine 
Blume,  lychn.  floi,  Liti. ,  welche  um  die  Zeit,  als  er  ankommt,  zu 
blühen  pflegt»  heisst  daher  auch  Gugitzer  Blüemel.  — 

Auf  hört  er,  wenn  er  den  Wiesbaum  fallen  hört,  oder  das 
erste  Mandl  auf  dem  Komacker  sieht  Hört  man  ihn  das  erstemal 
im  Auswärts  schreien,  so  soll  man  auf  einen  grünea  Wasen  ste- 


dl 

ben;  man  stirbt  dftnn'das  Jabr  nicht.  —  So  oft  er  aaf  die  Frage: 
«Gugötzür  üf  dar  öm  (Ebene),  Wie  lang  last  mib  noh  löbn  ?c 
tGugu«  schreit,  so  viele  Jahre  lebt  man  noch.  —  Mädchen  er- 
fahren auf  dieselbe  Weise  auch  die  Anzahl  Jahre,  nach  welcher 
sie  heirathen  werden.  — 

Schreit  er  das  erstemal  und  man  hat  eben  kein  Geld  bei 
sich,  hat  man  das  ganze  Jahr  keines  und  umgekehrt.  Man  pflegt 
daher  auch ,  bat  man  Geld  im  Sackef,  dasselj!)je  zu  schütteln,  und 
hofll,  dass  es  sich  sodann  vermehre.  — 

Wenn  man  den  Kukuk  das  erstemal  rufen  hört,  soll  man 
darauf  achten,  ob  er  v  o  r  oder  hinter  einem  ruft.  Schreit  er 
vor  einem,  so  geht  es  mit  einem  das  Jahr  hindurch  vorwärts  und 
s.  f.  In  dem  Büchlein  »Aufrichtiger  Unterricht  u.  s.  w.,c  ist  die 
Rede ,  dass  man  damals ,  wenn  man  den  Kukuk  zum  erstenmal 
h5rte,  etwas  unler  dem  Fusse  suchte«  Dies  bringe,  meinte  man, 
Gföck.  — 

Wer  dem  Gugitoer  nachspoltet,  bekommt  die  »Gugl-  oder 
Gug^schokn.«   — 

Man  glaubt  auch  von  ihm,  dass  er  Vogeleier  raube  und  sie 
austrinke,  und  sagt  daher,  er  höre  zu  schreien  auf,  »wan  d*  Vögl 
s*  Lögn  heng^nt,«  weil  er  da  keine  Eier  mehr  bekomme.  — 

Selbst  das  heisst  es  von  ihm ,  dass  er  nur  das  erste  Jahr 
ein  Gugitzer  ist,  sodann  aber  ein  »T  a  u  b  n  s  t  e  s  s  1,  Habichte  wird.  — 

Dcr'Gugu  schreit:  »Gugu,  Gugu«  und  das  Kind  antwortet: 
»Tscha,  tscha;  tscha,  tscha.«  —  Das  Guguspiel  der  Kinder  ist 
allgemein  bekannt.  —  Ein  Reim  lautet:  »Uintä  (d.  h.  inti)  da 
Hoilästaud"  sitzt  da  Gugu;  ih  het  dö  ga'bal*  nöd  kennt,  bistäs 
den  du?«   — 

Bruchstück  eines  Kukukliedes. 

1)  Der  Kukuk  sitzt  wol  auf  ein  Ast, 

Wenns  regnet  oder  schneibt,  so  wird  er  nass, 
Kukuk,  Kukuk,  Kukuk,  Kukuk,  Kukuk,  Kukuk  I 

2)  Und  er  weiss  schon,  wanns  gut  wandern  ist, 

Im  Sommer,  wanns  schön  warm  ist. 
Kukuk,  Kukuk,  etc.  etc. 


•7 

3)  Der  Kukuk  fahrt  vors  Goldsehmidhtus, 

Goidscbmid,  bist  drin,  komm  selbst  heraus  ! 
Kukuk,  Kukuk,  etc.  etc. 

4)  Mach  mir  ein  Ring,  ein  Ring  von  Gold,  ^) 

Steck  ihn  mir  an,  an  die  rechte  Hand! 
Kukuk,  Kukuk,  etc.  etc. 

II)  Meise.  Sie  singt :  iZixibeT  -  zizibe"  -  nzibe*  -  zizibe' 
zizibe".!  —  Oder  auch:  iZi-zi-zi  Muschgäblüeh ,  Muscbgäblüeb, 
Muschgäblüeh. «   — 

Die  »Bemmoasn,«  par,  pabatf,  lin.    Sie  singt  uad  zwar 
hastig:    »Zi-zi-be\<    Die  Kohlmeise,  par.  ma^or,  Lm.;  der 
lustige  und  wiederholte  Pfiff  dieser  Meisenart  ward  »Schnudmichel« 
und  ein  anderer  schleifender  Gesang,  der  ab  noch  vornehmer  galt 
»Sagfeiln«  genannL  — 

Redensart.  Eine  rechte  »Spermoasn«,  d.  h.  recht  mager 
sein,  schlecht  aussehen.  — 

15)  Der  Moosschnepf,  scolopax  galUnag,  hin.  Er  gibt, 
wenn  sich  das  Wetter  verändern  will ,  im  Fluge  einen  Laut  von 
sich,  der  dem  Geschrei  der  Ziege  nicht  un'ähnlich  ist.  — 

16)  Nachtigall  Ihr  Nest  verleiht  dem,  welcher  es  bei 
sich  trägt,  die  Gabe  der  Uosip)itbarkeit.  Jedoch  es  ist  sehr  schwer 
zu  bekommen;  denn  es  findet  sich,  wie  die  Nachtigall  überhaupt, 
nur  selten  und  ist  ^selbst  uD^üchlbar.  Man  kann  nur  in  seinen 
Besitz  gelangen,  indem  man  in  einen  Bach  schaut,  an  dem  Eden 
stellen^  und  das  Nest  erspäht,  wie  sich*s  im  Wasser  spiegelt,  und 
Ast  und  Zweig  sich  genau  merkt,  woran  es  sich  befindet.  — 

Redensart.   Singä  wierä  Nachtigal. 

Bruchstück  eines  Liedes. 

1)  S*  sitzt  ein  kleins  Vögerl  im  Tannäbaum, 

Singt  allweil,  fispelt  und  pfeift; 


1)  Man  hat  hiebei  an  das  Sonnengold  zu  denken,  welches  der  ankommende 
Kukuk  mitbringt,  oder  an  den  von  dem  Gewitterschmiede  verfertigten 
Goldring.    Der  Regenbogen  heissl  dem  Volke  noch  HimmeUriog.  — 

7 


98 

Ei,  was  muess  das  für  ä  Vögerl  sein? 
•Es  muess  ein  Nachtigal  sein.« 
2)  lEija,  das  ist  ja  kein  Nachtigal, 
Eija,  das  derfst  ja  nit  glaubn; 
D'  Nachtigal  sitzt  auf  kein  Tannabaum, 
Schlaft  in  efr  Haselnussstaudn.fl 

17)  Pfau.  Die  tPfahnfedern«  (die  des  Schweifes)  halten 
iSchaben  und  Maucken«  ab;  man  legt  sie  daiher^gernezu  Wol- 
len -  oder  PelzEieidem.  — 

18)  l\  ab  e.  Es  wird  hier  gleich  voraus  bemerkt,  dass  höchst 
wahrscheinlich  unter  diesem  Namen  nicht  selten  die  Krähe,  corv. 
conüx,  gemeint  ist  und  somit  unter  verschiedenen  Namen  ein  und 
derselbe  Vogel  auftritt.  — 

So  die  Raben  in  den  Wäldern  stark  schreien ,  so  bedeutet 
dies  ein  starkes  Donnerwetter.  — 

Wenn  ein  Rabe  »kräht,«  sagen  die  Schiffleute  (Viecbten- 
stein)  BWinsch  dir  an  teodn  Hund,  weiFs  gräl!«    <)  — 

Wenn  der  »%t a'vogi« "sich  hören  lässt,  soll  man  sich  be- 
kreuzen und  beten :  >0  Gott,  gib  uns  das  ewige  Leben  und  dem 
Rabeii  einen  todten  Hund!«  — 

Der  Rabe,  Mahnvogel  ruft:  >Grab^_Grab«  und  mahnt  so  an 
die  Kürze  des  Lebens  und  die  Vorbereitung   fur  die  Ewigkeit  — 

Der  Ma'vogl  warnt  auch :  »Gib  -  acht  -  gib  -  acht !«  Man 
nehme  aus  einem  R.^b^ennest  das  mittlere  Ei  heraus  und  lege 
an  dessen  Stelle  (was  gab  der  Kriminalakt  aus  dem  Kremsmünster 
Archiv  nicht  an).  —  Dann  fliegt  der  Rabe  fort  und  bringt  einen 
Stein  her,  den  er  in  ^s  Nest  legt.  Dieser  Stein,  unter  der 
Zunge  i>n_Munde_ £etragen,  macht  un;sichtbar.  — 

(Kremsmünster  Archiv.)  »Dass  man  dich  nit  sieht.  So 
nimb  ein  Ei  von  eines  Raben  Nest  und  seud  es  den  nächsten  Tag 
vor  Karfreitag^Vnd  leg  es   wieder  in  das  Nest.    Und  darnach,  so 


1)  Odhinn  verleiht  auch  den  Schiffen  den  günstigen  Wind.  Weil  Rabe  und 
Krähe  vom  Volke  häufig  nicht  unterschieden  werden,  erklärt  sich  auch 
du  oben  von  der  KrKhe,  als  Gliioksvogel  überhaupt,  Mitgetheilte.  — 


ft» 

die  Vögel  rauh  ^erden,  so  kumb  hin  wieder  zu  dem  Nest,  so 
findtu  ein  »rotlin«  Stein,  und  wenn  du  denselben  Stein  in  den 
Mund  nimbst,  so  mag  dich  "niemand  sehen.     Ist  bewährt.  — 

Redensarten.  Ram  =  as ,  britl ,  vieh.  Gausrap.  Die 
mythische  Bedeutung  des  Raben  spricht  sich  auch  in  dem  folgen- 
den Liede  (Buchkirchen)  aus,  dessen  Text  so  vollständig  berge- 
stellt  wurde,  als  möglich  war   '). 

1)  Es  bat  eine  Frau  drei  liebiste  Söhn, 

Sie  weiss  nit,  wo  sie  schlafen  seind  hin, 
In'n  Himmel  oder  auf  Erden,  ja  Erden! 

2)  Sie  ging  wol  in  den  Wald  hinein 
Und  suchet*  dort  ihre  drei  Söhnelein; 

»0  weh,  wo  mag  ich  sie  finden,  ja  finden!» 

3)  Da  flogen  drei  schwarze  Rabelein  herein : 
*0  Rabelein ,  liebste  Rabelein  mein, 

Leicht  wol  gar  ihr  meine  Kindelein  seid,  ja  Kindelein  seid?c 

4)  >0  Rabelein,  liebste  Rabelein  mein, 
Was  habt  denn  ihr  verschuldet  heint, 

Dass  ihr  so  schwarze  Rabelein  seid  worden ,  ja  worden  ?• 

5)  >0  Mutter,  liebste  Mutter  betracht, 
Haben  wir  gespielt  3  Samstagsnacht, 

Im  Sonntag  sind  wir  nicht  in  d'Kirchen  kemmen,  ja  kemmenft 

6)  »0  Rabelein,  liebiste  Rabelein  mein, 
Flieget's  mit  mir  in  die  Stadt  hinein, 

Ich  will  euch  ein  Jausen  geben,  ja  geben!« 

7)  »0  Mutter,  wir  müssen  noch  über  den  Rein, 
Dort  drinnat,  dort  liegt  ein*  todte  Schwein, 
Das  wird  unsere  Jausen  werden,  ja  werden!« 

8)  >0  Rabelein,  liebiste  Rabelein  mein, 
Was  mag  das  für  eine  Busse  wol  sein, 
Damit  ich  euch  kann  erlösen,  ja  erlösen!« 


')  Das  Lied  ist  eine  Variante  des  Mährchens  von  den  7  Raben  und  der  treuen 
Schwester,  welches  von  Mor.  v.  Schwind  so  geistreich  ist  komponirt  worden. 

7* 


100 

9  lO  Mutter,  wir  wollen  die  Buss  dir  wol  nennen, 
Eia  ganzes  Jahr  musst  du  auf  dich  nehmen, 
Musst  alle  Freitag  fasten ,  ja  fasten! 

10)  Und  als  das  Jahr  herum  schier  kam, 
Und  ihr  nur  ein  einziger  Freitag  abgang, 

Vor  lauter  Leid  ist  sie  gestorben,  ja  gestorben! 

11)  Da  kamen  ihre  drei  Söhnlein  daher, 
Sie  hoben  ihre  Mutter  von  der  Erd, 

Zu  Grab  haben  sie*s  getragen,  ja  getragen. 

19)  Rebhuhn.  Es  ruft:  .Gröa"'Röck,  Gröa"  Rock,  Gröa" 
Rock  1)  *  — 

20)  Roth  schweife  hen.  «Reotschwoaferl  (mota- 
eil.  phoenicur.)  und   »Wij5,chpÄN   (motaciL  erUhac,  Lin.)  — 

Das  Rothschweiferl  ist  ein  Glücksvogel.  Es  heisst  auch  der 
Vogel  unserer  1.  Frau,  und  wo  es  nistet,  da  schlägt  es  nicht  ein  % 
"'^Wer  ihnen  etwas  zu  Leide  thut.  beleidigt  u.  1.  Frau.  Das 
Nest  dieses  Vögleins  wird  daher  auf  alle  mögliche  Weise  geschont. 
Das  Haus,  in  welchem  es  zerstört  oder  beschädigt  würde,  müsste 
abbrennen.  — 

Es  lobpreist  morgens  unter  allen  Vöglein  den  Schöpfer  zu- 
erst; wenn  ein  heiterer  Sommermorgen  ist,  singt  es  schon  in  aller 
Gottesfrübe,  um  3  Uhr,  vom  Dachfirst  herab  oder  vom  Hofraum 
her  den  Bauern  an:    »Herr  Jesu  Christ,  Schlafts  den  noh?c 

Das  »Wischpälc  oder  S  chwa  r  z  w  i  sp  erl  (das  Roth- 
schweiferl heisst  auch  Rothwisperl)  ist  ebenfalls  u.  1.  Frau  heilig 
und  ruft,  jedoch  nur  das  Männchen ,  gemeinschaftlich  mit  dem 
Rothschweifchen ,  vom  Dache  herab:  »Herr  Jesu  Christ,  ligts  den 
noh  ön  Nest?i 

Auch  singt  es:  »Zieziezie  Muschg^blüeh ,  Geht  ^  schens 
Diendl  Tür*.  Hat  ä  weiss  Haubirl  i(  Und  gröanö  B4ndl  drif.c 
Wenn   man   sein  Nest   beunruhigt,   ruft  es:    »Halt   Dieb  —  halt 


*)  Es  ist  damit  der  JÜger  gemeint.  — 

*)  St«ht,  seiner  Farbe  halber,  mit  dem  Donnergotte  in  Verbindung.  — - 


lOi 

Dieb  —  halt  Dieb,t  oder  auch  nur:  »Dieb  -*  Dieb  —  Dieb  — 
Dieb  —  Dieb!«  Wenn  Regen  bevorsteht,  ruft  es:  tHaltDieb  — 
halt  —  halt  —  halt  —  halt!«  — 

21)  Schwalbe.  Sie  beisst  häufig  der  ifl  e  rr  g  Otts- 
vogel.c  Die  Schwalben  sind  dem  Herrgott  seine  Vögel;  in  das 
Haus,  wb~  sid  züchten ,  kehrt  Glück  und  Segen  ein ,  Unglück  trifft 
den,  welcher  sie  vertreibt,  quält  oder  gäT tödtet ,  ihre  Eier  oder 
Jungen  ausnimmt.  —  Wenn  sie  »kirren  und  lustig  schwätzen«  ist 
Fried  und  gute  Gesinnung  im  Haus.  Wem  sie  am  Kopf  vorbei- 
streichen, indem  sie  Töne  von  sich  geben,  als  wenn  sie  bös 
wären , jder_ häriein  gutes  Gewissen^odcr  den^bosen  Blick.  — 

Werfen  sie  die  Eier  aus  dem  Neste,  sojind  die  Frauen 
(im  Hause)  nichj..bei  guter  Gesundheit.  — 

So  lange  Schwalben  im  Haus  Jm  Nest  bleiben ,  stirbt  kein 
Kranker  ;  erst  wenn  sie  das  Nest  verlassen ,  droht  Gefahr.  —  Sieht 
man  die  erste  Schwalbe,  soll  man  auf  griinen  Wasen  stehen; 
sonst  stirbt  man  das  Jahr.  —  Wenn  die  Schwalben  "^aha^fruhen 
Morgen  in  grösserer  Anzahl ,  vor  den  Fenstern  des  Hauses  sich  ver- 
sammeln, stirbt  bald  jemand  aus  dem  Hause.  —  So  die  Schwal- 
ben während~der  Messe  immer  beim  Altar  herumfliegen,  kommt 
eine  Theuerung.  — 

Wenn  die  Schwalben  hoch  fliegen,  bedeutet  es  schönes 
Wetter,  grobes  aber ,  wenn  sie  niedrig  oder  um  den  Menschen 
herumfliegen.  —  Wer  die  erste,  neuangekommene  Schwalbe 
sieht,  der  heirathet  noch  in  demselben  Jahr.  —  Auch  so: 
wer  die  ersten  Schwalben  im  Frühling  paarweise  sieht ,  hei- 
rathet bald.  — 

Wenn  man  die^r^s  te^S  ch  walb  e  erblickt,  soll  man  mit 
der  grossen  2ehe  Erde  aufnahmen  und  ins  Bett^i^Q|)en ;  dies  ver- 
scheucht JifiL.Clö_h  e.  — 

Die  Schwalbe  singt:  >Fert,  wie  mä  fort  sän,  Sand  d*Stä*l 
voigwön;  Höor,  wie  mä  kemä  sän,  sänds  widä  lär  gwön!«  Oder: 
iOn  Höröst,  wie  mä  fort  san,  Sand  d*  Stä'l  vol  gwön;   ön  Aus- 


102 

w'ärts,  me  m&  kemä  sän,  Haint*8  ös  ols  väfi*lt  und  \Me\i  ').« 
Oder:  >ön  Höröst,  wie  m&  fort  san,  Sand  d*  SU*1  vol  gwön;  ön 
Auswärts ,  wie  mA  kemä  san ,  Is  ols  vädiglt  und  v^däglt  und  vädc^lt 
wa'n!«  Oder:  «  D*  Kidlflikerin,  d*  Kidiflikerin  Hat  koan  Flök  not, 
bat  koan  Flök  nöd,  Is  da  Schneide  dagwön,  is  da  Schneidä  da- 
gwön,  Hat  mä  d'Flök  allö  wökgöbnli   — 

Wenn  man  sie  im  Neste  stört  oder  eine  Katze  in  ihre  Nähe 
kommt,  schreit  sie:   iGeh  weg,  geh  weg,  geh  weg!«  — 

Redensart.     Oan  Scbwalm  macht  koa"  Sumä.  — 

22)  Seidenschwanz.  iZuserl«,  auch  iPest-  oder 
Todtenvogel.«  Er  stellt  sich  (Höfer,  III,  135)  nach  der 
Meinung  des  Volkes  alle  7  Jahre  in  unseren  Gegenden  ein  und 
bringt  Pest  odcr^anderes  Unheil.  Im  Jahre  1800  nannte  man  ihn 
den  Franzosenvogel,  weil  gleich  darauf  der  Franzoseneinfall  statt- 
fand.    Im  Fliegen  ist  sein  Laut:  iZi  —  zi  —  ri.« 

23)  Specht.  iGöosvogel«  {picus  virid,  LinJ  Sein  Ruf 
verkündet  Regen.  Daher  sagt  auch  mancher,  der  ihn  rufen  hört, 
der  Grünspecht  je  ischj)n  wieder  durstig.  Der  Ruf  lautet:  tGöos, 
göos,  göos,  göos,  göos«   und  bedeutet  auch  hohen  Wassersland. 

Eine  Schnepfenart,  (scolopax  phacop.  Lin.)  ist  ebenfalls  ein 
Wettervogel  und  führt  nach  Höfer  den  Namen  •Güssvogcl.« 
Fliegt  er  nämlich  (an  der  Traun)  abwärts,  so  bedeutet  es  schönes 
Wetter;  wenn  er  aber  aufwärts  fliegt,  folgt  bald  eine  Ueber- 
schwemmung ,  Güss  ^). 

Ein  frischgeschossener  Rothspecht  ( Bämhacki ) ,  wenn 
man  ihn,  da  er  noch  warm  ist,  zusammenhackt  und  auflegt,  bis 
das   »Gehäck«  zu  faulen  beginnt,  hilft  für  den   •  Scherwurm.«   

Wenn  der  Schwarzspecht  (Holzha"')  schreit-  »doli  — 
doli  —  doli«   oder  auch   »grüll  —  grüll  —  grüll«    (das  erste  doli 


*)  Verthan.  »Videll«  halte  ich  von  einem  Subst.  »Dan,«  wovon  auch  Tand 
stemmt,  gebildet  iDan«  selbst  leitet  sich  von  din,  dan,  d«ncn,  gedonen 
her,  wozu  auch   >  dehnen  i   gehörig  ist.  — 

")  Die  Wörter  Göoss-  und  Güssvogel,  würden  rein  deutsch  Giess-  und 
Güss-  (Güsse)  Vogel  lauten.  — 


103 

klingt  lang  gezogen .   das  zweite  rascher ),   so  kommt  ganz  sicher 
Regen.  — 

21)  S  p  e  r  li  n  g ,  Spatz.  Wer  sie  quält ,  tödtet,  ihre 
Eier  ausnimmt,  den  trifft  ein  Unglück.  —  Er  singt,  wenn  der 
Bauer  einführt,  ihn  an:  iVödi  drisch,  Vödä  drisch;«  wird  aber 
ausgedroschen  ruft  er:  iDieb,  Dieb!«  Wenn  mehrere  Spatzen 
beisammen  sind,  sagen  sie:  »Spatz  hat  Habärn  gössn,  Katz  hat 
Spatz  gsegng,  Schnaps  hat  Katz  Spatz  ghat.«  — 

25)  Taube.  Wenn  die  Tauben,  nachdem  sie  gebadet 
haben,  auf  das  Dach  fliegen,  so  bleibt  es  schön;  wenn  unters 
Dach,  so  wird  es  grob.  — 

Arme  Seelen ,  welche  erlöst  werden ,  fliegen  nicht  selten  in 

Gestalt  einer  weissen  Taube  zum  Himmel  auf. 

Turteltaubenkoth  ist  als  »Rauckä«  gen  das  »Leagföort  gut* 
Der  Tauber  gurrt:  >Au  —  ba  —  ruggu  —  ruggu  —  ruggu.« 
Die  Holz-    oder  Wildtauben   sprechen   zu  einander:    »Wieg 

du's  Kind,  wieg*s  ich,  sänd  netä  ih  und  Du!«   Oder:  »wieg  Du — 

wieg  Du  —  wieg  Du  —  Du  —  Du  —  Du!« 

Redensarten.     Dahe'  gehn ,    wierä  rauchfuessätä  Daubä, 

—  As  wans  d*  Daubn  zsamtragng  hedn. 

26)  Wachtel.  So  oft  sie  aus  dem  Saatfeld  ihren  Ruf 
hören  lässt,  so  viele  Gulden  kostet  das  davon  geerntete  Getreide. 
Anderswo :  Die  Anzahl  der  Schläge  zeigt  dem  Bauern  die  Höhe 
des  Getreidepreises  vor  Weihnachten  an.  —  Sie  ruft:    »Bimpäling 

—  bimpälim«,  oder  auch:  »Bimpälin  —  bimpälin  —  bimpälin  — 
wau  —  wau  —  wau  —  wau.« 

27)  Wiedehopf.  »Wudvogel,  Wudwud,.  Wer 
mit  der  Galle  des  Wtedhopfes  die  Kugel  salbt,  der  trifft  mit  ihr, 
auf  was  er  nur  immer  schiesst.  -^ 

Er  ruft:  »Wudwudwud  —  Wud  —  Wudwudwud«  ;  oder 
auch:  »Hup  —  Hup  —  Hup.« 

Redensart     Stinken  wie  ein  Wiedhopf.  — 

28)  Zaunkönig.  Das  »Kinigl.«  Wenn  der  Zaunkönig 
im  Winter  nahe  an  die  Häuser  kommt,  so  erfolgt  bald  Schnee 
oder  grosse  Kälte.    Man  bestrich  Kindern,  welche  die  Preise  hat- 


104 

ten,    den  Bauch   mit   den  Flügelchen  dieses  Vogels.  —  (Scham- 
stein, Kriminalakten  1648) 

29)    Zeisig,     »Z  e  i  s  1. «       Der    Zeisig    zieht    Krankheiten 

an  sich.  — 

Wer  ein  Z  ei  sinnest  bei  sich  trägt,  ist  unsichtbar.  Es 
liegt  nämlich  in  ihm  der  Stein,  der  unsichtbar  macht.  Natürlicher 
Weise  wird  dadurch  auch  das  Nest  selbst  unsichtbar.  Dennoch 
kann  man  es  ausfindig  machen ,  indem  man  an  einen  Bach  geht, 
an  dessen  Ufer  Schwarzerlen  stehen,  worauf  der  Zeisig  gerne 
nistet,  und  ins  Wasser  sieht.  Darin  Regelt  siclJ.  nlmlich  das 
Nest  dennoch  ab ,  und  man  kann,  hat  man  sich  die  Lage  gut  ge- 
merkt, desselben  habhaft  werden;  doch  soll  man  es  nicht  mU 
blosser  Hand,jin^reifen.  — 

Ein  Schlossbesitzer  (Traun vierll)  hatte  einst  ein  »redendes 
Zeiserl«,  das,  wenn  die  Herrcnleute  von  einem  Ausflug  oder  einer 
längeren  Reise  heimkamen ,  stets  die  vom  Gesinde  verklagte,  welche 
faul  gewesen  waren.  Als  die  Herrschall  wieder  einmal  aus  war, 
übte  das  nichtsnutzige  Volk  Rache  und  nähte  dem  Vöglein  den 
Steiss  zu.  Bei  ihrer  Rückkehr  sprach  der  Vogej:  »Herr  und  Frau, 
Knecht  und  Dirn,  Na'l  und  Zwirn,  s*Loch  zuegnäht!«   — 

Der  Meerzeisig  (frvigiU.  linar.  hin)  Man  glaubt ,  dass 
er  alle  3  Jahre  her  kommt,  und  dass  sein  Erscheinen  Unheil 
bedeutet  — 

"^  30)  Zinkzankvogel  (moladll,  saliear,  hin.)  Er  ruft: 
»Zink,  zank«,  oder  auch  »tuit,  tuit.«  Wenn  er  sich  hören  lässt, 
ist  es  Zeit,  Haber  zu  bauen,  indem  die  Saat  nicht  leicht  mehr 
etwas  von  der  Kälte  zu  befürchten  hat. 

Er  singt:  »Sibn  Bird  bind  zsam,  bind  zsam ,  bind  d'Bird 
zsam,  sibn  Bird  bind  zsam,  bind  d'Bird  zsam.«  Oder  auch  nur: 
»Bind  zsam,  bind  zsam,  bind  zsam.«  Die  Wiedhacker,  welche 
im  Frühling  die  Aeste  der  im  Winter  gefällten  Bäume  zu  Wied 
hacken ,  beziehen  diesen  Ruf  auf  sich  und  ihre  Bürde  Wied. 

31)     Liedlein: 

Kommt  ein  Vogel  geflogen. 
Setzt  sich  nieder  auf  mein  Fuss, 


105 

Hat  ein  Zettel  im  Schnabel 
Mit  einem  freundlichen  Gruss. 

2)  Hab  so  lang  mich  vertröstet 
Auf  die  schön  Sommerszeit 
Und  der  Sommer  ist  kommen, 
Und  ich  bin  noch  so  weit. 

3)  Ach  gar  fern  ist  die  Heimath. 
In  der  Fremd  bin  ich  hier 
Und  es  fragt  halt  kein  Hundel 
Und  Katzcl  nach  mir. 

4)  Liebs  Vogerl ,  flieg  weiter. 
Nimm  mit  ein  schön  Gruss, 
Ich  kann  dich  nicht  begleiten, 
Weil  ich  hier  bleiben  muss. 

Kinderreim. 

kuf,  Auf,  sagt  der  Auf.  / 

Is  denn  schon  Tag,  sagt  der  Rah. 
Wird  schon  grau,  sagt  der  Pfau. 
Was  denn  sagt  die  Henn. 
So  wolln  wir  reisn,  sagt  d*Mcisn. 
Mir  is  recht,  sagt  der  Specht. 
Wir  wer*n  uns  gwandtn,  sagt  d*An(n. 
Nur  fein  gschwind ,  sagt  der  Fingg. 
Jetzt  voran,  sagt  der  Fasan. 
Ih  bleib  ii  nit  z'Haus,  sagt  die  Fledermaus. 
Ih  führ  den  Zug,  sagt  der  Gugu. 
Ih  flieg  voraus,  sagt  VogI  Fiaus. 
Ich  bin  der  Man,  sagt  der  Han.  — 

32)  Antheil  der  Vöglein  an  der  Feier  der  Geburt 
des  Herrn. 

Dass  Ochs  und  Eselein,  nachdem  der  Weltbeiland  geboren 
ist,  im  Stalle  zu  Bethlehem  sieh  einfinden,  daran  erinnern  noch 
mehr  ab  die  wolbekannten   Reime,   worin   diese  Thiere   gemahnt 


106 

werden ,  den  Schlummer  des  göttlichen  Kindes  nicht  zu  stören, 
die  Gemälde  so  vi(^ler  Meister  und  die  davon  nicht  spärlich  ver- 
vieiraltigten  Kopien ,  erinnert  selbst  im  einsamen  Dorf  die  in  der 
Kirche  aufgestellte  Weihnachtskrippe.  Diese  erzählt  auch ,  obschon 
nicht  mit  Worten,  von  Schäfchen  und  Lämmlein,  die  von  den 
Hirten  dem  neugebornen  Gottessohn  zum  Opfer  gebracht  werden. 
Weniger  aber  ist  es  bekannt,  dass  nach  zahlreichen,  einst  auch 
in  der  H.eimath  gesungenen  Weihnachtsliedem ,  in  volks-epischer 
Wiederholung,  die  freien,  frohen  Sänger  der  Lüfte,  die  Vöglein, 
an  der  gnadenreichen  Geburt  des  Herrn  ebenfalls  ihr  Theil  neh- 
men.   Dieser  Antheil  ist  zweifach. 

a)  Die  Vöglein,  aus  dem  Schlummer  froh  aufgeschreckt,  er- 
wachen alle,  jubeln  heil  auf,  obwol  es  Mitternacht  ist,  und  begleiten 
mit  ihren  melodischen  Stimmen  den  Hymnus  der  Engel. 

An  Ruschärl  muesss  tan  bahn. 

Hat  d*  Vögl  däschröckt, 

Habn  alsand  äfgjubelt, 

Hats  alsand  äfgwökt.  — 

So  wars  gen  bal*  dnetti, 
Wan*s  Schrein  koanä  hengt, 
S*  wans  ÖS  alsand 
Aus*n  Nest  hätn  gsprengt.  — 

111  moanet  gen  bal*, 

ös  warn  d*  Vögldieb  da.  — 

Denk  ih  mei'  Tag  nie  koan  Zeit, 

Dass  *s  um  Mitternacht  gibt  solche  Freid, 

Es  singen  gar  d*  Vögel  in  Wald.  — 

D*  Vögel,  die  singen  frei, 
D*  Engel  sänd  ä  dabei.  — 
Noch  mehr,  aus  nah  und  fern  haben  sich  die  Vöglein  ver- 
sammelt, um  die  Geburt  des  Herrn  mitzufeiern. 
Lassen  sich  die  Yöglein  hören 
Aus  den  Wäldern  gross  und  klein, 
Die  zu  der  Geburt  abreisen. 


i07 

Neben  den  Sängern ,  wie  Meise  und  Nachtigall,  werden  be- 
sonders der  »Gugu«  und  der  »Auf«  genannt.  Der  iGugu«  gilt 
in  der  Heimath  als  der  eigentliche  Herold  der  schönen  Jahreszeit, 
deren  sicherer  Sieg  sein  Ruf  verkündigt.  Gejauchze  des  Aufs  ver« 
kündet  ein  gutes,  glückliches  Jahr,  selbst  den  Aermsten. 

Ja  gar  äKolmoasen  her  ih, 

Wie  klar  singt  sie  nicht  Zi  —  beri, 

Ja ,  ja ,  gar  da  Gugä  stimmt  ei", 

0 

As  wan  halt  da  Sumü  wurd  gleih.  — 

Da  Gugu  da  gugäzt, 
Dass  *s  gugelt  und  klingt, 
Und  schau ,  ddr  Auf  juchäzt, 
Und  d'  Nachtigall  singt.  — 

Vor  Zeiten  hat  fraling  ^) 
Dür  Auf  iebäl  gjuchäzt, 
Um  dö  Zeit  hat  abä 
Der  Gugu  nie  gug«1zt.  — 

b)  Vögel  werden  dem  göttlichen  Kinde  zum  Opfer  gebracht, 
tbeils  um  ihm  und  den  Seinen,  was  auch  Gemälde  und  Krippe 
nicht  selten  andeuten ,  zur  Nahrung  zu  dienen ,  tbeils  um  ihm 
Vergnügen  zu  machen  durch  ihre  Bewegungen  und  Stimme.  So 
bringen  die  Hirten  neben  Schaf  und  Lamm,  auch  Hahn  und 
Henne,  besonders  wird  die  »Butterhenne«  genannt,  so  wie  Tauben^ 
als  fromme  Gaben  in  den  Stall  von  Bethlehem. 

Oder  es  schenkt  ein  Hirte  dem  Christkinde  seinen  »wun- 
derschönen Pinken,  der  alleweil  «zi  —  zi  —  zi ,  reit  herzu« 
singt;  oder  eine  Meise,  welche  gar  so  lieb  »Fhtschel  und  Tscliü« 
pfeift,  oder  eine  Kohlmeise,  welche  ihr  »flitscherl ,  flitscherl, 
Zinsenberg«  recht  stattlich  abzutrillern  versteht. 


')  In  der  alten,  guten  Zeil  hat  freilich  der  Auf  dflers  schon  in  dieser  Jah- 
reszeit, vor  dem  Auswärts,  wol  in  den  tNichtn«  gejauchzt;  aber  davon, 
dast  der  Kukuk  um  diese  Zeit  rief,  hat  man  selbst  damals  nicht  gehört. 
Es  naht  also  die  beste,  die  glücklichste  Zeit.  — 


i08 

Wie  der  Fink  ireit  herzu«  pfeift,  kommen  die  heil,  drei 
Könige  angeritten. 

Meise  und  Kohlmeise  ergötzen  das  Jesukind  durch  die  lustig- 
sten Sprünge,  singen  es,  indem  die  Mutter  die  Wiege  schaukelt, 
in  Schlaf  ein,  und  wird  das  Kindlein  wach,  so  muss  es  lachen, 
wenn  die  Kohlmeise  iSchmid  —  Schmid  —  Michl ,  Pfing  — 
pfing  —  tschä«  pfeift.  — 

e)  Andere  Thiere. 

1)  Ameise.  Christus  trug  einmal  dem  Petrus  auf,  Ameisen 
und  Wespen  zu  schaffen,  indem  er  die  Worte  >z*  Mittag,  z* 
Mittag«  ausspreche.  Petrus  aber  verstand  unrecht  und  sprach : 
•z*  Mitt  ab,«  und  so  wurden  diese  Thierchen,  wie  dieselben  noch 
sind.  — 

In  Ameisenhaufen  werden  gewisse  Krankheiten,  z.  B.  die 
Auszehrung,  vergraben,  jedoch  nur  in  die  der  grossen  schwarzen 
Ameisen.  — 

Die  Haufen  der  kleinen  schwarzen  und  die  der  rothen  Amei* 
sen,  wie  solche  sich  häufig  in  Wiesg'ärtcn  finden,  schlägt  man, 
um  ihrer  auf  immer  los  zu  werden,  im  April,  bei  abnehmendem 
Monde,  mittelst  eines  Schlägels  in  die  Erde.  — 

2)  B  i  e  n  e ,  B  e  r.  Die  Bienen  hat  der  Herr  Jesus  erschaf- 
fen. Er  schuf  sie,  indem  er  Hölzlein  in  einen  Korb  warf.  Petrus 
wollte  es  ihm  nachmachen  und  that  eben  so.  0och  sieh,  da  ent- 
standen die  W  e  s  p  e  n.  — 

Wenri^  am  Josephitage  schön  hell  und  klar  ist,  so  werden 
die  Bienenstöcke  schwer.  —  Die  Stöcke^  welche  am_Efingstsonn- 
tag  abgehen,  werden  lauter  Raubstöcke.  —  Bevor  der  Stock  ein- 
getrieben wird,  besprengt  man  den  Korb  mit  Weihwasser.  — 

Die  Bienen  wollen  in  ihrem  Thun  und  Treiben  nicht  näher 
beobachtet  werden.  Ein  Bauer,  welcher  mehr  darüber  zu  erfahren 
wünschte,  Hess  sich  zu  dem  Ende  einen  GJaskorb  idachen:  aber 
es  nahm  mit  den  Bienen  darin  kein  Gedeihen.  Daher  weiss  man 
auch  von  diesen  Thierchen  nur  wenig.  — 

Niemals  sieht  man  Bienen  auf  roth  blühendem  Klee.  — 


109 

Die  Bienen^mögen  keinen  Branntweinsäufer  leiden ;  auch  der, 
welcher  eben ,  wenn  auch  jiur  _elwas  BrannFwefn  getrunken  hat, 
vermag  sie  nicht  einzutreiben.  — 

Die  Bienen  können  so  wenig,  als  Wespen,  Hummeln  und 
Hornisse,  das  Wetzen  vjon  Messern  oder  Sensen  leiden.  Wenn 
man  es  in  ihrer  Nähe  thut,  so  fahren  sie  auf  einen  hin  und  sie- 


»^y  amiu  ».  ..^ 


chen,  was  sie  können.  Vor  mehren  Jahren  flog  in  der  Au  (Krems* 
münster)  ein  Stock  ijber  die  Wiese.  Ein  Hähder  schlug  an  die 
Sense,jind. de/ .ganze.  Schwärm  licss^^ifilujiuf  ihn  nieder.  — 

Auch  wird  den  Bienen,  wenn  der  Hausvater  stirbt,  dessen 
Tod  gemeldet.^. — 

Wenn  die  »abgehenden  Beim  hoch  fliegen  oder  sich  hoch 
ansetzen^  also  gleichsam  von  der  Erde  und  aus  ihrer  Nähe  flüch- 
len,Jiommen_Krankheilen_ins  Land.  — 

Bei'weri',  d.  h.  die  Nester  der  Bienen  und  der  ihr  ähn- 
lichen Thiere,  wie  Wespen  etc.,  besonders  die  Waben,  gebraucht 
man  als  »Rauckerc  gegen  Geschwulsten.  —  Wenn  die  apis  tue- 
cincia,  Lin,  im  Frühling  aus  der  Erde  hervorkriecht  und  man  die 
kleinen  Häufchen  der  dabei  von  ihr  aufgeworfenen  Erde  sieht,  so 
sagt  man:    »Die  Erddämpfe  gehen.«  — 

R  U  t  h  s  e  I.  Es  fliegt  was  über  hohe  Berg  und  Zäun ,  Es  hat ! 
kein  Fleisch  und  hat  kein  Bein.  Es  hat  kein'  Federn  und  hat  kein 
Blut,    Und  ist   doch   für   alle  Kaufleut*  gut.  —  Viel  hundert  viel 
Vieh ,  Gehnt  oft  zu  eim  Scherben ;  Schau  fleissig  dazu.  Lass  s  nicht 
verderbn.  — 

3)  Eidechse,  »ÖrexJ,D  Erexl,  Eröchsl.«  Das  Er- 
öchsl  ist  dem  MeQScbc^JudiL;.i»e8onder8  gerne^  weckt  es  ihn.  auf. 


I)  Dürfte  man  «Ör«  auf  ahd.  »ercli,  in  zurückführen,  der  Dienstag  beisst 
noch  örti,  ergäbe  sich  Beziehung  auf  den  Rriegsgott  Ziu,  Er.  —  Es 
sei  hier  nur  noch  kurz  erwähnt,  dass  in  der  Nähe  von  Altmünster 
mehre  Hauser  im  >Erä<  heissen  und  an  derselben  SleUe  einst  der  Tem- 
pel eines  Abgottes  »Eri  oder  Erer«  gestanden  sein  soll.  Der  nächste 
Bauernhof  an  diesen  Häusern  heisst  »beim  Hain«  und  ein  Tbeil  des  an- 
stossenden  Horn-  oder  Grasberges  der  Erersberg.  Auch  ein  •  Siegesbach« 
findet  sich  in  der  Umgebung.  — 


110 

wenn   er,   wie  dies  bei  Bauersleuten   nicht  selten  geschieht,    im 
Grase  schläft   und  ihm    von    der    lerossen    Natter«    Gefahr 


droht  —  Ein  Bauer  schlief  einst  im  Schatten  eines  Baumes,  Da 
kam  eine  Natter  herangekrochen  und  liess  auf  das  Herz  des  Schla* 
feuden  ein  grünes  Blatt  fallen^  um  die  Stelle  gQJiaiLJ^u  merken, 
wo  sie  ihm  durch  den^J^eib.  ^chiessen  wollte.  Hierauf  stieg  sie 
auf  den  Baum,  um  von  da  herabzuschiessen.  Indes  war  aber  ein 
töröebsl«  herbeigekommen  und  kitzelte  den^üaDUf^dem  es  ihm 
auf  dem  Gesichte  herum  lief,  so  lange,  bis  er  erwachte  und  auf- 
sass.  Kaum  aber  hatte  er  sich  etwas  in  die  Höhe  gerichtet,  schoss 
die  Natter  hart  hinter  seinem  Kopfe  herab  und  sprang  vor  Wuth 
in  drei  Stücke  *).  — 

Wer  einer  Eidechse^etwas..  aoibut,  verfehlt  sich  sehr  und 
hat  irgend  ein  Unglück.  — 

4)  Fledermaus.  Dies  Thier  ist  sehr  gefürchtet ;  man 
meint,  dass  es  in  die  Haare  fährt  und  darein  sich  so  verwickelt 
und  verbeisst,  dass  man  es,  ohne  das  Haar  abzuschneiden,  nicht 
mehr  los  wird.  — 

Wenn  man  einer  Fledermaus  (auch  von  der  Eule  gilt  das 
nämliche)  das  Herz  aus  dem  Leibe  schneidet  und  unter  dem  Hemd- 
ärmel,  am  Arme  angebunden,  trägt^  gewinnt  m%n.  im  Kegelspiel  ^). 

Wer  mit  ihrem  Blut  sich  die  Augen  beschmiert,  sieht  Nachts 
so  gut,  als  LeTTag.  '— 

Kinderspruch.    D*   Flödämaus   gukt  alio  Häfäl  aus.  — 

5)  Fische.  Unter  den  zahlreichen  Tümpeln  des  Bösenba- 
ches  (St.  Martin,  MühlviertI)  ist  besonders  einer  gefürchtet,  die 
•  Teufelsbottich.«  Niemand  getraut  sich,  darin  zujuiden  oder 
Krebse  ziTTangen ;  der  Teufel  würde  unfehlbar  jeden  in  die  Tiefe 
ziehen.    Bisweilen    erblickt   man   in   ihm   einen    Fisch   von  der 


')  Nachdem  Ziu  ursprünglich  Himmels-,  also  auch  LuftgoU  war,  ergäbe  sich 
wieder  ein  Kampf  zwischen  der  verderblichen  Gewittergewalt  und  dem 
Lull  -  Element.  — 

*)  Wie  die  Eule,  wol  also  auch  die  Fledermaus,  so  hat  auch  das  Kegelspiel 
das  Gewitter  als  Hintergrund.  — 


Ill 

Grösse  eines  Kalbes,  der  schon  so  alt  ist,  dass  auf  seinem  Rücken 
Moos  w'dchst,  — 

Der  Hecht  hat  die  Leidenswerkzeuge  des  Heilandes  in  sei- 
nem  Kopfe  :  Kreuz,  Leiter,  Hammer,  Nägel,  Zange,  Geissei,  Schwamm. 
Die  Juden  zogen  nämlich  den  Herrn  Jesum,  als  er  das  schwere 
Kreuz  trug^  durchweinen  Bach,  und  da  bildeten  sich  die  Leidens- 
werkzeuge in  dem  Kopf  dieses  Fisches  nach.  — 

Kinderlieder.  1,2,3,  bicke,  backenei,  bicke,  backe 
Haberstroh ,  liegen  14  Fischl  da.  Eins  liegt  «mterm  Tisch, 
Kommt  das  Katzl^  frisst  den  Fisch ,  Kommt  der  Jäger  mit  der 
Taschn,  Schlägt  das  Katzl  auf  die  Goschn,  s  Kalzl  schreit  Miau, 
s'  Brätl  rr*scEo*'T»rau'*.i  " —  * 

Genüge  an  der  Mittheilung  dieses  einzigen  Liedes  und  an 
der  Bemerkung,  dass  (Schwartz)  das  mythische  Fisch  -  Element 
aus  dem  im  himmlischen  Wasser  hin  und  her  schiessenden  Blitz 
vor  sich  geht,  und  das  Treiben  des  Gewitters  sich  als  Fang  dieses 
Fisches  darstellt,  t  Der  eine  Fisch  ist  also  der  Blitz ,  der  unter 
dem  Tisch,  im  himmlischen . Wasser  sich  befindet.  Die  Katze  ist 
die  Gewitterwolke ,  der  schlagende  Jäger  der  Gewittergott ,  das 
Miau  der  Donner  etc.,  das  Brätl  der  Gewittersegen  ^.  —  lingerie, 
Bangerle  schlag  mih  not,  Kraut  und  Rueben  die  mag  ih  not.  B  a- 
ebene  Fischl  hätt  ich  gern ;  Mein  Herr  wird*s  schon  innä 
wer'n.    Kikri  Hahn!    Sitz  Ah  Pferd  und  reit  dava*.  — 

6)  Fliege.  Wenn  an  schönen  Sommertagen  Fliegen  und 
>B  r  e  m  el  n<  das  Vieh  viel  belästigen,  wird  es  bald  grob.  —  Wenn 
die  »Muggn«  besonders  abends  recht  tlötz«  sind,  wirds  bald 
grob.  —  Wenn  die  an  der  Wand  sitzenden  Fliegen  den  Kopf 
nach  unten  gekehrt  haben,  wird  es  grob.  —  Wenn  gegen  Abend 
bin  die  >Muggn  Heu  beitln,«   ^  wird's  den  anderen  Tag  schön.  — 

Höfer  theilt  II.,  271 ,   einen  Spruch  mit,  den,  wie  er  binzu- 


*)  Gesetzt,  diss  diese  und  ähnliche  Deutungen  zulässig  sind,  so  erscheinen 
manche  dieser  Lieder  und  Reime,  ich  möchte  sagen,  als  eine  Art  Rithsel, 
welche  spielend,  aber  doch  an  althergebrachten  Naturbildem  festlialtend, 
den  Gewittervorgang  zum  Gegenstande  haben.  — 

*)  Wie  es  die  Mädher  oder  Heuer  thun ;  sonst  wenn  die  Mucken  tanzen.  — 


112 

setzt,  die  Leute  in  einer  gewii^sen  Gegend  jenseita  der  Donau  vor 
dem  Essen   hetbcten :    »Gott  segne    uns  die  Suppn,   Vor  Fliegen 
I  und  vor  Muckn,  Und  vor   den  grossen  Bremen,  damit  sie  es  uns 
nicht  mehr  nehmen!«   — 

7)  Floh.    Wenn   die  Flöhe  viel  beissen,  wird  es  grob.  — 
Wenn   dir  ein    Floh   auf  die  Hand  sitzt,  erhältst   du  einen 

Besuch.  —  Floh  auf  der  Hand,  Brief  aus  fernem  Land.   ')  — 

Redensarten  und  Räthsel.  Jemanden  einen  Floh 
ins  Ohr  setzen.  —  Wie  kommt  der  Floh  über  die  Donau?  Alsä 
braunä.  —  Was  ist  das  beste  am  Floh  ?  Dass  er  nicht  beschlagen 
ist.  —  Wer  trinkt  das  theuerste  Getränk?  Der  Floh,  weil  er  Blut 
trinkt.  —  Es  gicngen  5  nach  Spanien,  brachten  einen  Gefange- 
nen, brachten  ihn  nach  Wutzelbach,  Von  da  nach  Nageibacb,  Dort 
wurd*  er  umgebracht.  — 

8)  F  r  0  s  c  h.  Wenn  die  »Jägfrösch«  (ra/ia  escul.  Lin.)  schreien, 
bleibt  es  schön.  —  Schreien  sie  nach  einem  Gewitter»  so  wird  es 
schön.  Sie  schreien:  »Jägl- Jägl-Jägl,  hast  ön  Stöfil  (oder  dafür 
auch:  »man  Bruad^m«)  nia  göseh^?  io-jo-jo,  nächtn,  nächtn, 
nächtn.«  — 

Der  L  a  u  b  f  r  0  s  c  h  ist  als  Wetterprophet  hinlänglich  bekannt. 

Zwischen  den_Frau^nt^en  gefangen,  ohne  jedoch  mit  blosser 
Hand  berührt  zu  werdep,  dient  er,  in  ein  Päckelein  gebunden  und 
am  Leibe  getragen,  gegen  Schwindel.  — 

Redensart.    Wicrä  zmähdä  Frosch.  — 

9)  Horniss,  »Hum  a  us.«  Drei  bringen  ein  Kind,  sechs 
einen  Mann,  neun  ein  Pferd  um.  —  Manche  Leute  verstehen  die 
Kunst,  die  Hornisse,  so  wie  Bienen   und  »Wössn«  zu  bannen.  — 

10)  Käfer. 

a)  Frauen-  oder  Mar i  enkäf erl.  Man  setzt  es  auf 
die  äussere  Handfläche,  und  indem  man  es  frei  lässt,  sagt  man 
3mal :  »Frau^käferl,  flieg  Jiber  jjen JRbein,  Und  frag  unsere  liebe 
Frau,  obs  beut  und  morgen  schön  wird  sein.t  Fliegt  es,  wenig- 
stens auf  das  dritiemal,  auf,  so  wird  schönes  Wetter.  — 


')  Der  Floh  auf  der   Hand  erscheint   mir  als  ein  Bild  des  Siegels  auf  dem 
Briefe.  — 


Hi 

Der  Sprach,  womit  man  das  »Jungf  r  aukife  rl  e  i  nc  be* 
fragt,  lautet  in  Steinerkireben  und  Umgegend.  iJungfraukeffl 
flöog  übira  ReT,  Frag  insu  liebö  Frau,  wos  beu'^t  und  maring 
sehe''  kan  sei'.c  In  Buchkircben:  >  Jungfraukiuil ,  Sitz  äh  Stiuiäl, 
Fldog  übirn  Ref,  Frag  insä  liebö  Frau,  wo*s  beu't  und  maring 
sehe'"  kan  sei";  in  Gunzkirchen:  •  Jungfrauku^l ,  Sitz  A(s  StuoMl, 
Flöog  übdm  ReT,  Frag  def  Muedä,  wo*s  maring  sebe''  kan  sei"*!« 
Unter  dem  Stuhl  oder  Stühlchen  versteht  man  in  Buch-  und  Guns- 
kirchen  den  Zeigefinger,  auf  dessen  Spitze  man  das  Thierchen  von 
A&t  Handfläche  aus  hinanlaufen  lässt  — 

Wer  ein  Jungfraukäferl  umbringt,  auf  den  ist  u.  L^tau  9 
Tage  lang  iharb.«  ^ 

ß)  Hirschkäfer.  Kirntlkäfer.  Ob  PopowiUch  (Höfer, 
III.  102)  in  Oberösterreich  ihn  »Berner  oder  Römer c  nennen 
hörte,  weil  er  mit  seinen  Zangen  glühende  "Kohlen  auf  die  Stroh- 
d'icher  bringe  und  sie  so  anzünde,  bleibt  noch  dahingestellt  In 
SaM)urg  biess  er  oder  heisst  er  noch  der  .»SchiQidkäÜBr.t  — 

y)  Rosskäfer.  Wenn  dieser  Käfer  an  schönen  Soramer- 
tagen  nach  Sonnenuntergangs  summend  herumfliegt,  so  sagt  man, 
»er  jgehejra£werkerj)it^  Man  hofll  da  nämlich,  es  werde  der 
andere  Tag  auch  wieder  schön  sein.  — 

<t)  Schwabenkäfer.  Wenn  sich  in  den  Sommermonaten 
in  den  Stuben  die  »weissen  Käfcn  sehen  lassen,  d.  i.  Schwaben- 
käfer, welche  die  braune  Haut  abgestreift  haben,  befürchtet  man 
»Risl.c   — 

11)  Kellerwurm,  »Nassel,  Assel,  Astel.c  Sie 
ist  für  den  Rolblauf  gut,  wenn  man  sie  auf  die  kranken  Stellen 
überlegt.  Eben  so  werden  sie  gegen  ein  Geschwür,  »Nasselt  ge- 
nannt, angewendet.  — 


')  Als  im  himmlischen  Gewässer  bei  der  GöUin  Halda  wohnend,  über  den 
Wolkenbrunnen  zu  seiner  Herrin  hinauf  fliegend,  wird  er  so  angespro- 
chen.  Mannhardt,  L  283.  — 

8 


tu 

12)  Krebs.  ^Kroiss  •).•  Wenn_eiii_Krebs  aus  dem 
Wasser,  Bach,  Fluss  u.  s.  w.,  ans  Ufer  geworfen  wird,  so  be- 
kommt _dei%_^auf  welchen  eine  Fliege^  die  auf  dem  Krebs  geses- 
sen isij Jtufsitzt  und  saugt,  den   iKrebs.«  — 

Dem  Geoi^  Kbaperger,  einem  Spiessgesellen  des  berüchtigten 
Zauberers  »Jaglc ,  dessen  Name  fast  sprichwörtlich  geworden  ist, 
haben  8  Krebse  ein  volles,  grosses  Weinfass  über  den  Kirch- 
bamer  Berg  (Kirchham  bei  Vorcbdorf)  hinaufgezogen  ^).  — 

Gegen  den  Krebs,  das  >Beiss^d.c  Man  gibt  einen  Krebs  in 
einen  Hafen,  den  man  mit  ungebleichter  Leinwand  zubindet,  und 
iSsst  ihn  verenden  und  verfaulen  etc.  — 

R'äthsel.  Wer  schämt  sich  noch  nach  dem  Tode?  Der 
Krebs,  weil  er  gesotten  roth  wird.  —  Geht  dunkel  ins  Bad  und 
roth  heraus.  — 

13)  Kröte,  »Krodn.c  Auch  >He£pjng,  Hö|>pin,  Ndding, 
Nödin,  Broatlingc  genannt  Sie  spritzt,  wenn  sie  beunruhigt  wiid, 
so  meint  das  Volk,  einen  giftigen  Saft  von  sieb,  isoacbtc  einen 
>an.c  Auch  unter  dem  Namen  »Luadäc  tritt  sie  häufig  auf.  Dies 
Wort  ist  aber  auch  ein  Name  des.  Teufels  und  dient  als 
Schelte  auf  Mensch  und  Thier ,  Personen  und  Sachen.  Er  wird 
von  der  Kröte  vorzüglich  gebraucht ,  um  sie  nicht  bei  ihrem  eigent- 
lichen  Namen  nenjien  zu  dürfen.  — 

Die  Feuerkröte,  rana  bombin.  Lin.,  heisst  von  den  Lauten, 
welche  sie  hören  lässt,  häufig  iMugitzäc ,  in  Buchkirchen  tMuh- 
stirlc ,  nach  Höfer  auch  »Ruckerl.c  —  Um  ihr  lästiges  Schreien 
zu  verhüten,  wirft  man  gleich  nach  der  Palmweihe,  bevor  man 
noch    mit    dem  Besen  unter  Dach  und  Fach  gekommen  ist,    drei 


')  Diese  Wortform  erklärt  sich  aus  der  Verwandtscbafl  des  e  mit  w  uad 
des  w  mit  >u.«    >eui  ist  in  Oberösterrcich  bin  und  wieder  >oi.«  — 

*)  Yfire  eine  solche  Deutung  nicht  zu  gewagt,  möchte  man  (dass  und  wie 
der  Krebs  mit  dem  Gewitter  sich  berührt,  sehen  wir  Feuer  5),  auch 
hier  das  Weinfass  als  den  himmlischen  Wein,  das  himmlische  Nass  an- 
sehen, das  aus  der  Tiefe,  in  der  es  8  Monate  versenkt  lag,  zum  Him- 
mel gefSOirt  wird. 


lis 


Palmen  in  die  Hauslaclie.    Sie  ziehen  dann  fort  und  sohreien 
biges  Jahr  niclit  meiir. 

Die  Art,  welche  das  Volk  •Schneider«  nennt,  ra$M  tem- 
porär, hin.,  —  sie  bäh  sicli  meist  in  Gehägen  und  Wäldern  auf, 
—  seigt,  wenn  das  Tbier  nass  ist,  schönes  Wetter  an  und  um- 
gekehrt. •— 

Kommt  einem  unterwegs  eine  Kröte  unter,  soll  man  sie  auf« 
gpiessen  und  sagen:  'Uci*^l  is  ä  heiügä  Sun-  oder  Ma'la*  e(c.  etc.« 
Andere  setzen  hinzu,  und  dies  gill  auch  von  »Blindsehlcichn«  und 
Nattern,  man  solle  sie  mit  einer  Haselgcrte  erschlagen  oder  doch 
wenigstens  an  enae  solche  spiessen  und  sagen:  iGeh  heim, 
mach*s  deiner  Frau  auch  so!«  Manche  stecken  ihnen  noch  über- 
dies einen  Strohhalm  in  den  Rachen  und  henken  sie  so  auf.  — 

Hie  und  da  ward  einst  auc^ufiij)C  so  gespiesste  Kröte  am 
Dachfirst  aufgehenkt  und  erst  im  Frühjahr^  wieder  beseitigt.  Man 
meinte,  in  dem  Hause,  wo  dieser  Brauch  von  7ahr  zu  iabr  geübt 
werde,  lasse  sich  Jkcin  Dieb  sehen.  —  Nicht  wenige  aber  be- 
haupten fest,  einer J^ait£L^jlc  man  ja  nichts  zu  leide  tbun.  — 

Die  Erklärung  dieses  WidersprucFiesHcgt  in  folgendem.  Die 
Kröte  steht  einerseits  im  Diensle^derJJexen  ,  speit  diesen  insbe- 
sondere Schmak  in  den  Kübel.  Aber  dieselben  Thiere  sind  auch 
arme  Seelen,  welche  erst  erlöst  werden  müssen.   — 

Eine  Bäuerin  (Innvierll)  hatte  immer  eine  Menge  des  scbön- 
aten  Sobmalzes.  Die  Leute  konnten  es  sich  gar  nicht  erklären, 
woher  sie  das  viele  und  gute  Schmalz  nehme.  Doch  es  erklärte 
steh,  als  einst  jemand  im  Grunde  ihres  Schmalzkübels  eine  grosse 

Kröte  erblickte.  — 

Jemand  war  gestorben ,  und  da  er  der  Seligkeit  nicht  würdig 
war,  so  wurde  er  in  eine  Kröte  verwunschen.  In  dieser  Gestalt 
suchte  min  die^^rae  Seele  nach  Allotting  zu  kommen,  wurde 
jedoch  auf  der  Brücke  über  den  Inn  von  einem  Vorübergehenden 
in  das  Wasser  gestossen  und  so  die  Erlösung  vereitelt.  — 

Wenn  jemand  eine  Wallfahrt  versprochen  hat,  sie  aber  zu 
Lebzeiten^  nicht  verricbteteT^cli^  auch  ein  Freund  seine  Stelle 
vertrat,  so  muss  er  sie  nach  dem  Tode  machen  und  zwar  in  Ge 

8» 


Hi 

stalt  Ton  Thieren^  mftwt  »in^r  Kröte.  So  erging  es  eioem ,  der 
starb,  ehe  er  die  gelobte  Wallfahrt  nach  MariazeU  gemacht  hatte. 
Unausprechlich  ist  es ,  was  das  arme  Thierleio  auf  dem  Wege  hin 
erdulden  musste.  Bald  zerquetschte  man  ihm  ein  Füsslein,  bald 
rollte  röän  es»  hatte  es  mit  aller  Mühe  einen  Berg  lerkratscht«, 
wieder  hinab,  oder  schleudect&..es^  ia.. einen  steilen  Graben,  in 
Lachen  und  Bäche.  Endlich  kam  sie  doch  nach  Mariasell,  wo  es 
ihr  aber  nicht  besser  ging.  Es  brauchte  gar  viel,  bis  sie  bei  der 
Kirchenthür  hinein  kam.  Am  Gnadenaltar  angelangt,  erhob  sie 
sich  nun«,  die  tVorderbräzlc  faltend,  wie  es  einmietender  Mensch 
il^it  Nun  erst  ward  sie  erlöst,  und  man  kannte  sich  aus,  dass 
es  eine  arme  Seele  gewesen  *). 

14)  Laus.  Wenn  jemand  auf  einmal  TielLüuse  hat»  «o  ist's 
ihm  »angethan.t  Doch  kann  solche  Läuse  niemand  erben.  Ein 
wolhabendes  Weib  schlug  einst  einem  fahrenden  Handwerksbur- 
schen die  gewöhnliche  kleine  Gabe  ab.  —  »Du  wirst  auf  mich 
denken,!  drohte  dieser  und  zog  ab.  Bald  darauf  ward  sie  voller 
Läuse,  so  dass  sie  sich  völlig  nicht  aus  wusste.  Durch  9  Tage 
dauerte  dieser  Zustand;  darnach  erst  verloren  sie  sich  von  selbst 
wieder.  —  Von  einem  der  recht  »schuftigt  ist,  heisst  es:  »Er 
ziech^l  d6  Laus  ön  Bolz  ä.«  Er  furchtet,  sacrt  maii  —  ^cliersend 
von  einem,  der  Hut  oder  Mütze  nicht  lüpfen  will,  »dass  dV  Laus 
n'  Katarrh  kriegn.« 

15)  Maulwurfsgrille.  »Wern.t  Eine  jede  Wem  frisst 
7  Laib  Brot.  —  Der  Reiter  soll  vom  Rosa  steigen .  um  eine  Wem 
zu  zertreten.  —  Dem,  welcher  eine  Wem  ertritt,  soll  dfigiJlauer, 
dem  der  Grund  gehört,  mit  einem  Laib  Brot  na^ehen.  —  Wer 
eine  Wem  umbringt,  dem  wer^erT^rSur^den  verziehen.  —  Wer 
eine  Wem  laufen  lässt,  ladet  eine  Todsünde  auf  sich.  —  Eine 
Wem  muss  man  umbringen,  sonst  ist*s  unserer  ).  fxaiLdrei  Tage 
lange  leid.  — 


0  Die  Kröte  bangt  mit  dem  Blitze  zusammen.  Das  Schmalzspeien  des  Tbie- 
res  sowol  als  die  Auffassung  desselben  als  arme  Seele  erklSrt  sich  aus 
der  Vorstellung  des  Blitz -Lichtfunkens  als  Gold-  und  Lebensfunkens.  — 


117 

16)  Motte.  Es  sind  darunter  pAo^oen.  Iticem.,  ünea  sarcUelL 
und  pMioneU.  Lin.  u.  s.  w.  gemeint  Das  Volk  heisst  sie  «Schnei- 
derseelen,  Zaub^e rinnen,  Zinsler«  und  bringt  sie  mit 
den  Hexen  in  Verbindung,  von  denen  sie  ausgeschickt  werden. 

17)  Natter.  In  einem  Hause  der  Pfarre  Äspach  hatten  sie 
eine  »Ha  us  natter.«  Die  Besitzerin  erzählte,  dass  die  Natter 
schon  ganz  weis  aussehe,  und  wenn  sie  allein  im  Zimmer  sei 
und  spinne  oder  n'ähe  ,  gern  aus  ihrem  Loch  hervorkomme  und 
bis  in  die  Mitte  des  Zimmers  kd^che.  Ueberhaupt,  fügte  sie  hinzu, 
ist  ein  solches  thier  dem  Menschen  sehr  anhänglich,  siedle  manch* 
mal  sogar  mit  ihm  um,  und  in  den  Häusern,  wo  sich  eines  be- 
findet, ^ei^^M^gesund^  wohnen,  — 

Die  HausnaiUgXD^^B&Vman  nicht  umbringen;  sie  ziehen  alles 
Gift  im  Hause  an.     (Steinerkirchen.) 

In  jedem  HauA^&st  (oberes  Mühlviertl)  ist  eine^Hausnatter, 
man  nennt  sie  auch  die  » KjjSuulüaUer. «  Sie  hält  sich  gewöhnlich 
unter  dem  Stein  vor  der  Hausthijre  auf  und  ist  dem  Hause  sehr 
zugethan^^/Zur  Zeit  der  3.  Mahlzeiten  finden  sie  sich  gerne  im 
Stall  ein,  wo  ihnen  die  Stallmagd  Milch  aufgiesst.  Hat  sie  dies 
eine  geraume  Zeit  hindurch  gethan,  und  breitet  sie  dann  einmal 
ein  weisses  Tuch  auf  dem  Boden  aus^^^soJhggLdie  Natter  ihre  Krone, 
das  Kränzl,  darauf  nieder,  lässt  sich  aber  dann  nicht  mehr  sehen. 
Legt  man  die  Krone  zum  Geld  oder  ins  Getreide,  so  nimmt  beides 
nicht  ab.  — 

Wer  sich  das  Krönlein  der  Hausnatter  zu  verschaffen  weiss 
und  es  in  seinen  Geldbeutel  tbut^  dcra.geht,  und  wäre  auch  nur 
ein  einziger  Kreuzer  darin  gewesen,  das  Geld  nicht  mehr  aus.  — 

Die  Kränlnatter  trägt  eine  Krone,  welche  das  halbe  Könige 
reich  Burgund  wcrth  ist.  (Mühlviertl).  —  Jedes  ge^kcönte  Haupt 
(Steinerkirchen)  soll  eine  Nattemkrone  haben.  —  Man  bemächtigt 
sich  des  »Kränls« ,  indem  mäh  der  Natter  ein  Tuch,  das  aus 
»Moadlgarn«  gewebt  ist,  in  den  Weg  legt.  — 

(Windischgarsten).  Will  man  beständig  Geld  haben,  sorge 
man  für  ein  leinen  Tüchlein,  das  ein  Mädchen-von.,7.  Jahren  ge- 
sponnen  und  ein  Knabe  von  7  Jahren  jgeM[fiht  hat,  und  gehe  an 


118 

einen  Ort  hin,  wo  es  viele  Nattern  gibt.  Nicht  hnge,  so  kommt 
die  iNatternkönigint  (in  Kremsmünsler  heissl  es  auch  der 
.Nattern  kön  ig«)  mit  dem  Krönlein  auf  dem  Kopf  uYid  legt 
es  in  das  Tuch.  Nun  schlägt  man  dieses  schnell  zusammen  und 
läuft,  was  man  kann,  davon.  — 

Die  Natlcrnkonigin  (Steinerkirchen)  legt  auf  ein  weises  Tuch 
ihr  Krönlein  ab ;  welches  9  Königreiche  werth  ist ;  aber  wenn  man 
mit  Tuch  und  KrönleiiTnichr  schnell  durch '9  Thiiren  Jkommt ,  so 
ist  man  verloren.  —  Ein"  Kind  ,  das  baden  ging,  (Innvierlel)  sah 
eine  Kränlnatter :  es  legte  ein  weisses  Tuch  auf  den  Wasen,  und 
die  Natter  gab  ihre  Krone  darauf.  Als  aber  das  Kind  mit  der 
Krone  fortging,  schoss  ihr  die  Natter  durch  9  Thüren  nach;  erst 
an  der  zehnten  blieb  sie  lodt.  —  Die  »Schussna tte  ri  (Inn- 
viertel)  schiessl,  springt  durch  9jeiserne  Thiiren,  und  selbst  die 
zehnte  bekommt  noch  einen  tüchtigen  Bug.  — 

^fiat  man  (Kremsmünster)  das  Krönlein  im  weissen  Tuche 
weggenommen,  so  sehe  man  zu,  dass  man  schleunigst  durchjieun 
eiserne  Thüren  komme;  denn  das  »Na  tte  rn  h  e  e  n  fährt  also- 
gl^RlTTiacir'und  schiesst  durch  8  Thüren;  durch  die  neunte  jedoch 
mag  es  nicht  mehr. 

Aber  selbst  bei  der  grössten  Eile  entkommt  man  nur  schwer; 
selbst  den  flüchtigsten  Reiter  ereilen  sie  und  schjiogea  «ich  um 
den  Schweif  des  RossesT"^  ^SVIrR  er  ihnen  aber  ein  Tuch  hin ,  so 
machen  sie  sich  Jos  und  fallen  über  es  her,  in  der  Meinung,  das 
Krönlein  darin  zubinden.  Nur  so  kann  er  dem  Nattemheer  ent- 
rinnen. — 

Einem  Soldaten  und  zwar  einem  Reiter,  legte  die  »Krä"!- 
natter«  ihr  Kleinod  auf  ein  rothes  Tuch  und  er  sprengte  sporn- 
streichs davon.  Doch  er  war  noch  nicht  weit  gekommen,  da  hörte 
er  einen  Pfiff,  und  eine  Unzahl  Nattern  waren  hinler  ihm  her. 
So  sehr  er  auch  das  Pferd  antrieb  und  spornte ,  der  Abstand 
wurde  immer  kleiner.  Da  warf  er  seine  Patrontascfae  hinter  sich, 
über  welche  die  Nattern  sich  insgesammt  hermachten,  in  der  Mei- 
nung, darin  die  Krone  zu  finden.  So  gewann  er  einen  Vorsprung 
und  rettete  Krönlein  und  Lebern  — 


119 

lo  Licbtenau  (Miihiviertel)  arbeitete  einst  ein  Bindergeselle, 
welcher  die  Kunst  verstand,  die  Nattern,  die  Königin  nicht  ausge- 
nommen, zu  »bannen.c  Er  stellte  sich,  wann*s  er  that,  immer 
auf  dem  Platz  auf,  wo  jetzt  die  »Natternsäule«  steht.  So  begab 
er  sich  auch  wieder  einmal  hin  und  beschwor  die  Nattern  aus 
dem  benachbarten ,  etwas  weiter  aufwärts  gelegenen  Wald ,  dem 
sogenannten  »Eckirtsberg.i  Doch  er  machte  diesmal  beim 
Beschwören  einen  Fehler.  Da  hörte  er  es  immer  näher  und  gräu- 
licher zischen,  in  schnellen  Windungen  schoss  die  Nattemkönigin 
heran  und  umschlang  ihn,  die  andern  Nattern  fuhren  ihr  nach,  und 
so  endete  der  Uogltickliche  auf  die  schrecklichste  Weise.  — 

Ein  Haus  (Miihiviertel)  war  so  voll  Nattern,  dass  sich  die 
Bewohner  nicht  mehr  zu  helfen  wussten.  Em  fahrender  Hand- 
werksbursclie,  welcher  zufällig  im  Haus  zugesprochen  hatte,  ver- 
hiess  Hilfe,  wenn  anders  unter  den  Nattern  keine  rothe  sich 
bgfinde.  Die  Hausleute,  welche  nie  einer  rothen  Natter  waren  an* 
sichtig  gewordeQj,  betheuerten  es,  und  er  ging  ans  Werk.  Er 
legte  um  einen  »Kriechnbaum«  dürres  Hok  und  Reisig  im  Kreise 
herum ,  so  dass  ein  freier  Platz  Blieb.  In  diesen  stellte  er  sich, 
zündete  das  Holzwerk  an  und  spra^ch^  die  Beschwörung.  Da  kam 
das  ganze  Natternvolk  herangezischt,  steckte  den  Kopf  ins  Feuer 
«ikl  kam  um.  Schon  meinte  er,  alles  set 'glücklich  zu  Ende,  als  die 
rothe  Natter  in  wilden  Sätzen  daher  und  ihm  durch^enlifiij) ,?cbos8  '). 


<)  Die  Schlange  ist  Abbild  der  Himmelsschlange,  des  Blitzes.  Die  Milch, 
welche  sie  so  gerne  trinken  sollen,  ist  nach  Schwartz,  die  Milch  des  weiss* 
lieh  bezogenen  Wolkenhimmels.  Die  himmlischen  Blitsschlangen  wurden 
in  die  heiligen  Hausschlangen  übertragen.  Das  Schlangen  -  Nattemheer 
ist  das  Gewitter,  das  Zischen  der  Donner;  der  feurige  Glani  des  Gewit- 
ters das  »Kranit  Das  Gewitter  bringt  auch  Fruchtbarkeit  und  Gesund* 
heit.  —  Unter  dem  Reiter  ist  wol  der  Sturm  geroeint,  der  dem  Gewitter 
voraneilt.  —  Die  um  den  Kriectienbaum  {prunus  insmiia)  angexündeto 
Flamme  ist  als  Abbild  des  den  himmlischen  Gewitterbaum  umlohenden 
Blitzfeuers  aufzufassen,  woraus  sich  auch  die  Hoffnung  auf  Abwehr  er- 
klärt. Die  gefährlichsten,  schrecklichsten  Blitze  nennt  das  Volk  noch 
heutzutage  feuer-  oder  blutroth.  — 


12Ö 

Natternsegen  (Aus  einer  handschriftlichen  Mittheilung; 
Kremsmünster  Archiv,  die  wol  aus  dem  Ende  des  i  6.  Jahrhunderts 
rührt):  »Osig  t,  Osig  t,  Osig  t  %  du  schalkhaftige  Schlangen,  her  die 
Wort  Gottes,  steh  da  als  das  Wasser,  in  welichem  getauft  hat 
St.  Joannes  der  Taufer  unsern  Herrn  Jesu  Christi.  Ich  beschwöre 
dich  bei  dem  lebendigen  Gott,  der  dich  beschaffen  hat,  dass  du 
mir,  noch  keinem  Menschen  schadest.  Ich  hebe  dich  im  Namen 
Gott  des  Vaters  etc.  etc.  Amen.«  Und  zwick  dich  durch  den 
rechten  Fuss  und  sprich  diese  Wort:  »Osig,  Osig,  Osig,«  und 
lass  das  Gift  da  von  dir  hindan.  — 

Bergstutzen.  Auf  der  Höhe  des  Pyhrn,  wo  die  Grenz- 
s'aule  steht,  zieht  sich  rechts  eine  tiefe  Schlucht  hinein;  da  arbei- 
tete ein  Holzknecht.  Plötzlich  kam  eine  Natter  auf  ihn  los.  Er 
lief,  so  schnell  er  konnte ,  warf  Steine  hinter  sich ;  doch  umsonst, 
sie  blieb  nicht  zurück  und  kam  ihm  stets  näher  auf  den  l^ib. 
Zum  Glücke  war  ein  •  Scheiterzaun«  in  der  Nähe,  auf  diesen 
schwang  er  sich  hinauf.  Selbst  da  noch  versuchte  das  Unthier  ihn 
anzufallen.  Es  war  eine  von  den  Nattern,  welche  Füsse  haben 
und  Bergstutzen  ircisseri.^  Auch  Bergnattern  neimt  man  sie; 
das  Wiesel  ist  ihr  ärgster  Feind.  — 

Der  •StutzU'c  (Grünau)  lauft  so  schnell  bergauf  als  thalab. 
Wer  sich  also  vor  ihm  retten  will,Taü"n"»zwcrchs«,  da  »scheibt 
jener  ab.«    — 

Auch  das  »Blindschleich«,  mitunter  »Blindschlacht«, 
hie  und  da  auch  »Haselwurm«  genannt,  gilt  dem  Volke  als  giftig. 
Wer  darauf  steigt,  dem  schneidet  oder  schiessl  es  durch  jjen  Leib.  — 

Wenn  Natter  und  Blindschleiche  sich  zahlreich  sehen  lassen, 
in  grosser  Anzahl  sich  sonnen,  wird  es  grob.  — 

Ein  »Natternschlaur«,  zwischen  den  Frauentacren,  ohne 
mit^losser  Hand  berührt  zu  werden,  an  sich  gebracht,  hilft  als 
»Raucker«  gegen  alle  »Gschwulstn.« 

Natt£fob«me,  am  blossen  Leibe  getragen,  helfef^,gegen  das 
»kalte  Gift.« 


')  Hängt  wol  mit  »Ase«  zusammen.  — 


m 

Redensarten.  Vor  Zorn  aspringi.  Von  einer  recbt  ar- 
beitsamen, fur  (las  Wohl  des  Hauses  unablässig  besorgten  Person 
heisst  es;  »Sie  ist  ein  rechter  Hauswurm. t  Auch  hört  man  den 
Spruch:  »Dos  is  i  rechti  Geldwurm. ■  Es  ist  eine  Person  ge* 
meint,  welche  recht  aufs  Geld  schaut,  nicht  leicht  etwas  Unnöthi* 
ges  ausgibt  ^.  — 

18)  Raupe.  Eine  ^^U£5^n.>il  ( Windiscbgarslen) ,  welche 
besonders  in  Wäldern  häufig  vorkomml  und  ungemein  gefürchtet 
wird,  heisst:  >ön  Teufl  sein  Ross!« 

19)  Regenwurm.  Man  fegt  sie  zuweilen  auf  Schäden  auf. — 
Räthsel.     S*  sagt  da  Kurz  zä  den  Langi:   Wä'n   mi  fur 

d*  He*r  und  d'  Hanär,    für   d*  Hund  und  d*  Kalzn,    woldmi  scha* 
raschn.  — 

20)  Salamander,    »Saunadärn.«   ^    Wer  dieses  Tbter 

*  -  ■ — ,     •■ 

mit  blossen  Fütsen  zertritt,   bekommt  daran  eben  so  viele  Wun- 

den ,  als  es  gelbe  Flecken  am  Leibe  hat.  — 

Wer  es^scbj^ien  hört,  verliert  das  Gehör.  — 

Zwischen  den  Frauentagen  gefangen ,  ohne  mit  blosser  Hand 

berührt  zu  werden,  ist  es  gut  gegen  allerlei  Krankheilen.  — 

21)  Schmetterling,  »Beinfal  tern.t  Wenn  man 
im  Auswärts  zuerst  einen  gelben  Schmetterling  siebt,  stirbt  man 
hfl  ilie^sem  Jahre  aipht;  ein  brauner  aber  bedeutet  das,.Gegen- 
Iheiir^   — 

Die  Schmetterlinge  bestimmen  schon  im  Auswärts  das  Er- 
gebnis ,  besonders  die  Qualität  der  Ernte.  Sind  die  gelben 
die  zahlreichsten,  wird  ein  > schmalziges •  Brot;  die  weissen  ver- 
künden ein  wefsses,  die  braunen  ein  schwarzes  Brot  vor.  — 


')  Ohne  Zweifel  mit  Beziehung  auf  die  Hausnttter.  — 

■)  Dieses  Wort  erscheint  mir  nur  als  eine  Form,  in  welcher  sich  das  Volk 
das  fremde,  onversfSndlicfae.t  Salamander«  mnndgerecht ,  so  in  sagen 
deotach  gemacht  hat  Auch  deutet  es,  so  wie  es  auch  die  heidea  tuerst 
angerührten  Ghraben  than,  daraaf  hin,  dass  das  Thier  als  Abbild  der 
Gewitterwolke  genommen  wnrde.  — 

*)  Mannbardt,  L,  284,  vermuthet,  dass  der  weisse  Schmettertiog  als  ein 
Seelenbfinger  gegolten  habe.  — 


m 

Oder  aueh:  Wer  im  Frühjahr  ab  ersUa  Schmetterling  eine 
gelbe  BerfaUcrn  sieht,  bat  das  Jahr  über  viel  weisses  Brot  zu 
essen;  wer  als  ersten_^i0^Ji)raiine  sieht,  isst  nur^  schwarzes. 
(Wickenbrol).  — 

22)  Die  Schnecke,  »der  Schnegg.f 
Schwarzer  Schnegg,  Umax  ater,  Lin,    Wenn  man  mit 

ihm  die  Hühneraugen  »umreisstf,  d.  b.  einen  Kreis  um  sie 
zieht,  so  vergehen  sie.  — 

Klaubtman  ein  solches  Tbier  mit  dem  Hunde  auf  und  be- 
hält es  cintce  Zeit  darin,  so  bekommt  man  durch  so  viele  Jahre 
kein  Zahnweh,  als  man  indess  Schritte  macht.  — ' 

Auch  gegen  den  *S^<^hji  ?j^e,g  im  Äuget  hilft  es,  wenn 
man  ein  Schncckenhäusl  oder  einen  sdiwarzen  Sdmecken-über' 
bindet.  — 

Man  nimmt  einen  schwarzen  Wegschnecken,  umPährt  3mal 
im  Kreis _die  Warze  im  Namen  e(c.  etc.,  und  legt  hierauf  den 
Schnecken  wieder  auf  den  alten  Platz  in  die  vorige  Lage.  Wer 
nun  nach  diesem  den  Schnecken  zuritt _Qf]pr^  ^/schlägt  ete.,  der 
bekommt  die  Warze.  — 

Elr  darf  jedoch  bei  keiner  dieser  Anwendungen  mit  blosser 
Hand  berührt  werden.  — 

Redensarten  und  Räthsel.  »SchneggnU  Abschnapp- 
wort, womit  man  gütig  oder  scherzend  auf  eine  Bitte  erwiedert, 
welche  man  nicht  errüllen  kann  oder  will.  —  Gehn,  als  wenn 
man  Schnecken  treiben  th'ät*.  —  Was  ist  das  stärkste  Landtbier? 
Der  Schpeck,  weil  er  sein  Haus  mit  sich  tnlgt  — 

23)  Sp^inne,   »Spinnerin.! 

Wenn  die  SpinneJbr,Jie.tz  zerreisst,  so  steht  S  ^  u  r^m  zu 
erwarten.   ')  — 


')  Schon  früher  ward  dtnuf  hingedeutet,  dass  Spinnen  und  Wind  erregen 
sich  herühren.  Das  Spinnengewebe  oder  Netz  ist  wol  als  ein  Abhild  der 
▼on  der  Luft,  der  LuflgÖllin  gesponnenen  Wolke  aufzufassen.  Wird  das 
irdische  Spinnennetz  zerrissen,  so  zerreisat  auch  hahl  darauf  da«  faimm- 
Ksche.  loh  steUe  also  die  Spinne  in  Beziehung  zu  einer  Luft- Wolken- 
göttin, welche  spinnt  — 


123 

Wenn  erne  Spinne  an  einem  binauflüaft,  bedeutet  es  Glück; 
wenn  hinab ,  Unglück.  — 

Als  besonderes  Glücksxeichen  wird  es  angesehen,  wenn  sie 
einem  gar  anf  den  Kopf  läuft.  — 

Ein  häufig  gebmuchter  Spruch  sagt  dagegen :  »Spinnerin 
am  Morgen,  Kummer  nnd  Sorgen.«    — 

Es  gibt  viele  Leute ,  welche  sich  X^fchten  eine  Spinne  zu 
erlrelcn,  oder  überhaupt  irgendwie  zu  tödten.  — 

Unter  den  verschiedenen  Arten  tritt  die  K  j[_p  u  ^  s  p  i  n  n  e 
als  in  hühefcm  Grade  Jjlijck bringend  auf.  Sie  wird  daher  nicht 
selten  in  ein  Sclia\*}itelchen  gesperrt  und  dazu  90  Pagierfleck- 
eben  gegeben ,  welche  man  mit  den^OO^iiTern^  des  Lotto's  be- 
schreibt. Die  Zahlen,  welche  sich,  ölTnet  man  das  Schächtelchen 
in  einigen  Tagen  wieder,  lunspoiUlcnL Juiden ,  setzt  man,  weil  sie 
nächstens  gezogen  werden.  — 

Die  Spinnen  z  i  eben  das  im  Hause  befindliche  Gift  a  n  ; 
sie  sind  auch  selbst  ei  f t i g  und  können  die  Mensehen  ver- 
giften.  So  erzählt  man,  (Steinerkirchen,  Steinhaus)  dass  eine 
Spinne  absichtlich  ein  ganzes  Hausgesinde,  ein  par  Personen  aus- 
genommen,  vergiftet  habe.  Sie  hatte  über  dem  Tisch  an  der 
Zimmerdecke  ihren  Sitz  genommen ,  genau  so ,  dass ,  wenn  die 
Suppenscjnisscl  aufgesetzt  wurde«  diese  unter  ihr  zu  stehen  kam. 
Sie  hess  nun  ihr  Gift  hineintrupfeln ,  und  so  starb  eine  Person 
nach  der  andern.  Erst  ein  fremder  Gast[,  der  im  Hause  übernach- 
tete, bemerkte  den  unglücklichen  Leuten,  diese  Spinnerin  sei  es, 
welche  ihnen  in  die  Suppenschüssel   igsoacht«   habe.  — 

Gegen  die  hitzige  Krankheit.  Man  tliut  in  eine  Nuss,  welche 
am  Weihnachts-Fasttage  in  der  12.  Stunde  Mittags  geöfTnet  wurde, 
eine  Krcuzspmnc  ^  verschliesse  die  Nuss  und  hängt  sie  um.  Die 
Spinne  saugt  die  Krankheit  ein.  Doch  muss  man  die  Nuss,  wenn 
man^esund  wonlea  ist,  ia  fliessendes  Wasser  werfen.  Auch  den 
■  Afl«   vertreibt  man  auf  diese  Weise.  — 

Die  »Spina  wötn«  legt  man  über  Wunden,  um  das  starke 
bluten  zu  stillen.  — 


i24 

Kranken  Hühnern,   überbauitl.  VSgeln,   welche  sich  unwohl 

ZU  befinden  scheinen,  gibt  man  gerne  Spinnen  zu  fressen.  — 

«,    -  . II-  -  --  «-»•■^■••.- «' » .  • 

24)  Todtenuhr,  »Mauerhammerl,  Trotzkopf.! 
Wenn  es  sich  anmeldet  T^*  h.  aus  der  Wand  oder  Mauer  seinen 
Schlag  vernehmen  lässt,  so  stirbt  bald^J^raand  aus  dem  Hause 
oder  der  Verwandtschaft.   — 


F)  Pßanzen. 

a)  Der  Baum  in  der  frommen  Sage  und  Legende. 

Dass  Wälder  und  Bäume  bei  unsern  heidnischen  Vorfahren 
in  hohem  Ansehen  standen,  ist  allbekannt.  Einzelne  Haine,  in 
ihnen  vermuthlich  besondere  Bäume,  waren  den  Göttern  geweiht, 
welche  in  deren  Zweigen  wohnten;  sie  durften  nicht  umgehauen 
werden  u.  s.  w.  — 

Hieraus  wird  auch  die  Bedeutung  klar,  welche  die  Bäume 
in  der  frommen  Sage  und  Legende  sich  bewahrt  haben.  Hier 
darüber  nur  einiges.  — 

Pillwcin  in  seinem  bekannten  Werke  bringt  die  Notiz  bei, 
dass  in  Utzeneich  einst  in  einer  Eiche  der  Abgott  Utzius  verehrt 
wurde.  Der  Name  Utzius,  Utz,  Ulrich  führt  auf  den  altdeutschen 
Donnergott  zurück;  ^)  auf  ihn  weist  die  Eiche  hin.  um  so  mehr, 
da  Wolf  in  den  Beiträgen  zur  deutschen  Mythologie,  II.  107,  eines 
Eichenstumpfes  in  Bayern  erwähnt,  auf  welchem  das  Bild  des  Lan- 
despatrons von  Bayern,  des  hl.  Ulrich  stand.  Trotz  der  Dürftigkeit 
der  von  Pillwein  beigebrachten  Notiz,  bricht  dennoch  schon  in 
dem  Namen  des  Abgottes  Utzius  die  Vorstellung  durch ,  und  sie 
muss  bei  der  ursprünglichen  Namensgebung  noch  bestimmend 
gewesen  sein ,  da.ss  Anlehnung  des  Donnergottes  an  St.  Ulrich 
stattfand.  — 


^  An  »Donner«   erinnOTt  auch  das  schon  angeführte,  Tom  Volke  sich  mund- 
gerecht gemachte  Wort  »Durästag.«   — 


125 

Wol  allen  Bewohnern  der  Sudt  Gmunden  ist  die  hlFichte 
bekannt.  Dem  Eigenthümer  wurde  vor  Zeiten  aus  dem  Säckel 
der  Stadt  jahraus,  jahrein  eine  {gewisse  Summe  bezahlt,  damit  der 
hl  Baum  vor  Axt  und  Beil  verschont  bleibe.  — 

An  der  Ostseite  der  Friedhofmauer  in  Steinerkirclien  (Haus- 
ruckvierti)  stand  vor  Zeiten  eine  alte  Linde,  deren  Stamm  mehr 
als  eine  halbe  „Klafter  im  Durctimesser  hatte.  Mehrmals  wollte 
man  sie  umhauen,  liess  aber  nach  jedem  Versuche  gleich  wieder 
davon  ab ;  denn  auf  jedem  Axthieb  quoll  Blut  hervor.  Man  spürte 
endlich  dem  Wunder  nach,  und  es  fand  sich  in  einer  Höhlung 
des  Baumes  ^in  Muttergottesbild.  Nun  wagte  es  niemand  mehr, 
die  Linde  zu  fällen;  sie  blieb  stehen,  bis  sie  ein  Blitzstrahl  traf 
und  bis  in  den  Grund  verzehrte.  — 

b)  B&vme  und  Pflanieii. 

1)  Vorerst  einige  Räthsel,  den  Baum  und  seine  Theile 
im  allgemeinen  betreffend.  —  Es  hat  _yiel  Augen  und  steht  doch 
nicht.  Der  Baum.  —  Es  geht  immer  um  den  Baum  und  kann 
doch  nicht  hinein.  Die  Rinde.  —  Geht  mitten  durchs  Holz,  auch 
durch^alle'^  grünen  und  dürren  Aestlein.  Das  Mark.  —  Wie  viele 
Blätter  hat  der  Baum  ?     So  viel  als  er  Stängel  hat.  — 

2)Abraute.  >A*rutnc,  artenUs.  abrolan,  hin.  wird,  nach 
Höfer  I.  45 ,  »in  Gärten  erzielt  und  bei  Verstopfung  und  Beschwe- 
rung der  Mutter,  als  auch  in  Engbrüstigkeit  und  zähem  Auswurf 
gebraucht,  c  — 

3)  »Aflblätter,!  nach  Höfer  I.  7,  die  Blätter  »von  sol- 
chen Kräutern,  welche  wider  Entzündung  auf  Wunden  aufgelegt 
werden,  c  Dergleichen  sind  ajuga  reptans,  chdidanium  nuy.  Im.  etc. — 

4)  Allermannsbarnisch,  aUium  victorial.  Un,  Wer 
dieses  Kraut  bei  sich  trägt,  dem  kann  nichts  schaden,  und  wenn 
er  spielt,  muss  er  allezeit  gewinnen,  und  im  Raufen  überwindet 
er  aUe^seme  Gegner.  (Altmünster.) —  In  Kriminalakten,  Scham-' 
stein  1648,  wird  ausgesagt,  dass  der  Allermannsbarnisch  sehr  gut 
sei  gegen  allerlei  Gebrechen.  — 

5)  Alraun._.»A'rau"'l.«  nach  Höfer  L  23,  »die  Wurzel 
der  a/roßgunatuiM^or.  Ltik,f    oder   »weil  diese  seltsam  ist,   ein 


426 

aus  der  Zaunrübe,  brtjmw,  k5ostlicb  gestaUetts  Nänncbcir,  weickes 
verborgene  Dinge  wissen  und  dem  Besitzer  Geld  bringen  soll.«   — 

%)  Andorn.  Von  dem  schwarzen  oder  stinkenden  Andorn, 
ballot,  nigr,  Lxn.,  sagt  Höfer  I.  25,  dass  er  in  unseren  Gegenden 
den  Namen  »das  alte  Weib«   oder  das  »Fee weilb^J«.  führe. — 

7j  Ankehrkraut,  ')  osmunda  lunar,  Lin.  In  unseren  Ber- 
gen glauben,  Höfer  I.  36,  die  Leute,  dass  es  den  Kühen  gute 
Milch  verschaiTe ,  wesswegen  es  auch ,  nadi  Art  altberübmter  Kräu- 
ter mit  einem  Sm'uche  abgepflücket  wird:  iCrüss  Dich  Gott,  An-- 
kehrkraut,  Ich  brock  Dich  ab  und  trag  Dich  nacli  Haus,  Wirf  bei 
meinem  Kuliel  Hngerdick  auf!«   — 

8)  Apfelbaum.  »Die  A  pf  ol  te  r.«  ^)  Aepfel  theilt  der 
»Nikla«  aus.  —  In  den  Rauhnächten  sind  Aepfel  vorbedeutend  Tür 
Leben  oder  Tod,  Heirath  u.  dgl.  —  In  der  Mitte  dos  Palmbuschens 
steckt  nicht  selten  ein  eigens  auf  diesen  Tag  gesparter  Apfel.  — 
AHe  Bäder  cmsi»  männlichen  Kindes  schüttet  maujuufiiaJiikLdeiB- 


*)  Sonst  auch  Si.  l*«ters  Schlüssel  genannt.  Dieser  Name  schon  hilft  die 
Berühmtheit  des  Krautes  erklaren.    Siehe  G.  Donnersieini.  — 

')  Uiaweifclhaft  ein  Nalurhild  des  Gewitlerbauiocs,  woraus  sich  die  Bezie- 
hungen zu  Lehen,  Tod,  Heiralh,  Fruchtbarkeit  ergeben  haben.  Ich  tbeile 
an  dieser  Stelle  ein  Kinderspiel  mit ;  es  heisst  das  G  e  r  s  t  e  n  r  o  11  n.  2 
Kinder  hängen  sich  rücklings  einander  in  die  Arme  und  sagen  unter  be- 
ständigem Hin  -  und  Herschwenken  des  Körpers :  a)  Ich  roll,  ich  roll 
ein  Gersln.  b)  Für  wen?  a)  Fur  meine  Gast  b)  Wer  sind  denn  deine 
GSst?  a)  8  Birkenäst.  b)  Wann  kommens  denn?  a)  In  FreitR*naolil  (auck 
z'  SamstagiMicht ,  als  Samstagnäcbto  gelten  besonders  die  3  ersten  Sam- 
stage iiaoh  Micheli,  sie  heissen  auch  die  » goldenen •.)  b)  Was  bnngen's 
da?  a)  Ein  neus  Par  Schuh,  b)  Was  ist  im  Schuh?  a)  Ein  Apfel, 
b)  Was  ist  im  Apfel?  a)  Ein  Kern,  h)  Was  ist  im  Kern?  a)  Ein  Kis. 
b)  Was  ist  im  Ms  ?  a)  Ein  Wasser,  b)  Was  ist  im  Wasser  ?  a)  Ein 
Fisch,  a)  und  b)  Jetzt  setzen  wir  uns  (sie  setzen  sich,  ohne  die  Arme 
auseinander  zu  thun  auf  den  Boden)  an  den  goldncn  Tisch.  Wäh- 
rend sie  80  sitzen  b)  Wo  ist  dein  Vater  hin?  a)  Nach  Rom.  a  und  b) 
Stehn  wir  auf  (sie  thun  es,  nodi  die  Arme  verschränkt)  in  Gottes 
Nam.«  — 


127 

selben  Apfelbaum ;  das  Kind  nennt  ihn  sernen  Baum ,  und  er  wird 
auch  von  anderiTnach  dem  Kinde  benannt,  z.  B.  ts*  Wolfn  B^m.c 
—  Stirbt  der  Baum,  stirbt  auch  der  bald,  von  dem  er  den  Na- 
men hat.  —  Wenn  aus  einem  Hause  jemand  stirbt,  lehnt  man 
an  einen  Apfelbaum  die^Stüble,  über  denen  der  Todte  auf  dem 
Brette  lag.  —  Einen  oder  alle  Aepfelbäume  des 'WtöSgartens  küsst 
man,'^'damit  die  Bäume  recht  viel  »tragen«,  am  hl.  Dreikönigabend, 
indem  man^sich  den  Mund  mit  Koch  oder  Krapfen  füllt  und  dabei 
spricht,  —  mati  umarmt  zugleich  den  Baum  —  iBäm  ih,  Bäm 
ill  buss  dih ,  Wir'  si  voll  ds  wie  raäT  Maül ! « 

9)  A  po  11  on  i  akr  a  u  t.  »Aplanawurzo^«  Sie  ist  ge- 
gen Zahnweh  gut.  Man  pflegt  auch,  weil  die  hl.  Apollonia  als 
Furbitterin  gegen  Zahnschmerzen  angerufen  wird ,  zur  Abwehr  der- 
selben an  dem  Tage  der  Heiligen  zu  fasten.  Nach  Höfer  I.  177, 
erhielt  diese  PSanze,  welche  sonst  Eisenbütcl,  aconü.  napeU.  hin., 
heisst,  den  Namen  der  genannten  Heiligen  von  den  Wurzenkrä- 
mem,  w*elche  sie  wider  das  Zahnweh  anriethen.  Dasselbe  Kraut 
heisst  nach  ihm  in  den  Bergen  auch  »Fliegenkraut«  und  im 
Salzburgischen  »blaue  Geister.«  — 

10)  Atticb,  »Adö,  Adäbör.«  Am  Abend  vor  Son- 
nenwenden schneidet  man  Attichkraut  und  l'asst  den  Thau  darauf 
fallen.  Am  Sonnenwendetag  selbst  wird  es  »vor  der  Sonne«  ein- 
gebracht und  in  der  Luft  gedörrt.  Klein  zusammengeschnitten 
gibt  man  es  unter  das  Viehbrot,  backt  es  besonders  zu  Weih- 
nachten unter  die  Viehstöri.  ^) 

Aus  dem  »Nadö«  ^  wird  auch  von  den  alten  Weibern,  welche 
die  Stelle  der  weisen,  heilkundigen  Frauen  der  deutschen  Vorzeit 
vertreten,  eine  recht  heilsame  »Salssn«  bereitet,  welche  besonders 
gegen  die  Wassersucht  angebraucht  wird.  Die  Anwendung  ist  am 
wirksamsten ,  wenn  die  Trauben  zwischen  den  Frauentagen  gesam- 
melt werden.  — 


')  StÖri  für  die  Hinder;    die   für  die    Rosse  lieisst  gewöhnlich  auch   »Ros^ 

»löri.  •   — 
*)  Schon  der  Name  »Nadö,  Nadabör«   konnte  auf  Natter,  Gewitter,  Frucht« 

barkeit  etc.  leiten.  — 


128 

11)  Bannkraut  In  WeUskircben  stiegen  einmal  swei 
Diebe  zur  NachUzeit  in  einen  Bauernhof  ein.  Der  Bauer  aber 
war  mit  dem  Bannkraut  versehen,  und  so  konnte  das  Paar  nicht 
mehr  von  der  Stelle  und  wurde  ohne  Hübe  gefangen.  Das  Bann- 
kraut,  schloss  der  Erzähler,  wächst  auch  heutzutage  noch ;  aber 
es  kennts  leider  niemand  mehr.  — 

12)  Beifuss,  artemU,  vulgar.  lAn.,  nach  Höfer  I.  81. 
von  dem  Volke  auch  »Soonenwend-  oder  Johannesgür- 
te 1«  genannt,  weil  es,  am  Johannestag  und  zwar  vor  Sonnen- 
aufgang ausgegraben,  für  allerlei  Krankheiten,  wie  auch  für  Zau- 
bereien gut  ist  — 

13)  Birke.  Die  alten  Weiber  lecken  nicht  nur  die  Bir- 
kenstöcke ab ,  wovon  eben  der  Stamm  gehauen  wurde ,  sondern 
sie  bohren  im  Mai  die  frischen  Stämme  selbst  an  und  zapfen 
ihnen  in  Röhrl<;in  den  aufsteigenden  Saft  ab.  Denn  Birkensaft 
ist,  besonders  für  die  Brust,  sehr  gesund.   *- 

Kinder  darf  man  (Steinerkirchen)  nur  mit  Birkenruthen  schla- 
gen. Aus  Birkenreisern  macht  der  Bauer  seine  Besen.  Die  Haus- 
frau nimmt  zum  Krapfenbacken  am  liebsten  Birkenscheitlein,  — 

An  einer  Birke  hat  sich  Judas  der  Verräther  erhenkt  — 

14)  Birnbaum.  Von  weiblichen  Kindern  und  diesem 
Baume  gilt  das  nämliche,  was  in  8)  von  Knaben  und  Apfelbaum 
mitgetheilt  wurde.  Nur  in  Bezug  auf  das  Anlehnen  der  Stühle, 
worüber  der  Todte  auf  den  Brettern  lag,  wechseln  Apfel-  und 
Birnbaum  ohne  Unterschied.  — 

An  dem  weissen  Sonntag  weist  oder  tragt  man  die  kleinen 
Kinder  gern  unter  einen  Birnbaum,  damit  sie  gross  und  stattlich 
werden.  — 

15)  Bitterklee.  Als  einst  die  Pest  im  Lande  gewaltig 
abhauste,  kam  auf  die  uralte  riesige  Linde,  welche  noch  neben 
der  Weichstettner  ')    Kirche  steht ,    ein  Vögelein  geflogen 


')  Der  Name  «Weichgtetten,!  d.  h.  geweihte,  heilige  Stätte,  die  sagenhafle 
Linde  vor  der  Kirche,  der  nahe  Wallfahrtsort  Ruppisbofen  deuten  auf 
alle  Heiligkeit  hin.  — 


129 

und  sang:    •Isa   BiUeridee  und   EnziaT,    So  kirnst  diviT,  so  kirnst 
däva"!!  — 

16)  Booksbart,  tragopog.  fMraiens.  lAn.  Wird  neuge- 
bornen  Kindern,  (Viecbtwang)  oft  sogar  in  Silber  gefasst,  als  eiii 
Amulet  umgehängt.  ^)  — 

17)  B  r a  u  n  e  i  I  e ,  prtmdla  vulgar.  Lin.,  ist,  Höfar  I.  HO, 
lein  gutes  Wundkraut,  mildert  die  Schärfe  u.  s.  w.«  Unser  Volk 
nennt  es  »Mundfäulkraut ,  Zepfen,  auch  St  Antonikraut,  vielleicht 
weil  es  wider  das  St.  Antoniusfeuer  oder  den  Rofblauf  gebraucht 
wird.t  — 

18)  Braunmünze,  mentha  saHv.  lAn.  Sie  wird,  H5fer 
I.  HO,  »sammi  der  Krausmiinze  klein  geschnitten  und  mit  Zucker 
in  Branntwein  angesetzte,  um  den  »Briminzn-Geisl«  zu  bereiten.-^ 

ii)  Brennessel.  Ein  wahrhafter  Jüngling  und  eine 
wahrhafte  Jungfrau  können  sie  angreifen ,  ohne  sich  zu  brennen.  — 

Um  den  Haarwuchs  zu  fSrdern  und  dem  Erkahlen  zu  steuern, 
wäscht  man  den  Kopf  mit  Wasser,  worin  Brannesselwurzen  ge- 
sotten wurden.  Uebrigens  geschieht  dies  auch  mit  den  »Kleber- 
staudenwurzen.1 

Brennosselsamen  dient  als  Raucker  gegen  die  Gicht  — 

Impotente  Männer  sollen  sich,  um  dieses  Gebrechens  ledig 
zu  werden ,  mit  Brennesseln  peitschen.  ^)  •— 

Redensarten  und  Rätbsel.  Wan  d*  Nössl  brennt,  so 
brennt*s  bözeitn.  —  Rund  ums  Haus  brennts ,  und  brennt  doch 
nicht.  — 

20)  D  a  u  r  o  n ,  eriger,  acre  lAn, ;  man  steckt  ihn  gegen 
den  Donner  an  die  Fensler,  und  in  die  Ställe,  um  das  Vieh  vor 
»Beschreiungc  zu  schützen.  ^  — 

21)  Donnerdistel,    eonf.  lAn. ,    »Da^'rdisil.«     Die 


0  Der  Bock  ist  Thier  des  Donnergottes,  der  auch  Lebens-  und  Heflgott  ist 
<)  Ist,  (siehe  Gewitter  9)  eine  dem  Donnergott  heilige  Pflanze  gewesen.  Da 

der  Blitzfonke  auch  Lebensfunke,  der  Donnergott  auch  Gott  des  Kinder^ 

Segens  ist,  erklärt  sich  leicht  diese  Meinuag.  — 
*)  Der  Name  schon  klingt  an  Donner  tn.  — 

9 


iSO 

»Hu*l«    der  im    Waizfeld   stehenden  Da'rdistt  ist»    als  Tbee  ge- 
braucht, für  die  Wassersucht  gut  ')  — 

Auch  gibt  man  amGeorgitag  >Tor  der  Sonnet  den  Kühen 
von  Donnerdisteln  zu  fressen.  — 

22)  Ehrenpreis,     Siehe:  Widerton, 

23)  Eiche.  Die  Eiche  und  besonders  das  Laub  davon 
kann  der  Teufel  nicht  leiden.  Als  er  nämlich  einst  in  Gott  den 
Herrn  mit  Fragen  drang,  wann  er  wieder  selig  würde,  gab  ihm 
dieser  sur  Antwort:  »Wann  das  Eichenlaub  abftiltlt  — 

Der  Teufel  fragte  einst  Gott,  wann  er  die  Ackerer  einmal  be- 
käme, welche  viel  Scheltens  pflegten,  und  erhielt  die  Antwort:  »Wann 
einmal  alles  alte  Laub  an  sämmtlichen  Bäumen  vor  dem  Hervor^ 
spriessen  des  jungen  abfallen  würde.«  Da  nun  die  Eiche,  wenn 
auch  das  junge  Laub  bereits  hervorsprosst ,  noch  immer  altes  hat, 
ist  sie  dem  Teufel  ein  Aerger  und  Greuel.  — 

Eichenlaub  schützt  gegen  den  Bösen  uud  gegen  alle 
•Zauberei.  — 

In  den  iOaopflnt,  d.  h.  Eich  -  Galläpfeln  sitot  der  Teufel 
leibhaftig  drinnen. 

Eichenmistl  (Krimtnalakten,  Scbarnstein  1648)  ist  die 
beste  Sach  für  die  Zauberei.  — 

In  Eichen  verbohrt  und  vernagelt  man  auch  Krankheiten.  — 

Der  an  der  Mundfäule  leidet,  stelle  sich  zwischen  2  oder  3 
Eichen,  nehme  einen  »Zwail«  davon,  fahre  damit  dreimal  an  den 
geschlossenen  Zähnen  hin  und  her  und  sage  dabei:  »Hundßuly 
geh  hin  und  wieder.  Geh  aus  alle  meine  Glieder,  Und  kim  nim~ 
mer  wieder  Im  Namen  Gott  etc.  etc.«  Wer  an  der  Gicht  leidet, 
geht  zu  was  immer  für  einem  Waldbaum  und  bindet  um  ihn 
einen  etwa;  2  Finger  breiten  Lappen  von  neuer,  nicht  gebrauchter 
Leinwand.  Dazu  spricht  er:  »Guten  Morgen,  ich  komme  zu  dir 
im  Namen  der  allerheiligsten  Dreifaltigkeit  und  verbinde  in  dir 
77erlei  Gicht  etc.  etc.«  — 


')  Siehe  10.     Hier  tritt  die  Beziehung    des  Donnergottes  zur  Wtfsersucht 
noch  nachdrücklicher  hervor«  -^ 


131 

24)  Eisenkraut  oder  Eisenwurzn.  (Handschriftlich 
KremsDiünster  Archiv).  Im  Manen  am  SL  Gregoritag  zu  Morgen 
um  1  Uhr  musst  du  die  Würzen  graben.  Sie  hat  mancherlei 
Tugend  an  sich.  Wenn  du  die  Würzen  bei  dir  hast,  so  werden 
offenbar  alle  Schätz,  die  verborgen  sind  oder  liegen;  du  siebest 
durch  alle  Ding.  Wenn  du  die  Würzen  ins  Maul  nimmst,  wenn 
100  mit  dir  gingen,  so  giengst  all  hin,  und  wenn  man's  einem 
Ros  anhängt,  in  den  Schweif  bindet,  wenn  100  Ros  iauFen,  so 
lauft  das  deine  hin.  Wer  die  Würzen  bei  sich  tragt ,  welche  Frau 
er  damit  anrührt  oder  küsset,  oder  umfahet;  so  muess  ihn  lieb 
bahn,  geht  ihm  alles  gleich  hinaus,  was  er  anfangt.  — 

25)  E 1  e  X  e ,  ^)  prutnu  pad.  lAn.  Ein  Elexenreis  wird  im 
Innviertel  am  Georgitag  an  die  Fenster  gesteckt ,  blüht  oder  knospt 
es,  ist  es  ein  besonders  gutes  Zeichen.  In  den  Häusern,  wo  sie 
blüht  odr  knospt,  kehrt  der  »Jörgelt  zu.  — 

Das  Elexenreis  dient  auch  als  Wünschelruthe.  — 

26)  Enzian.    Siehe  Bitterklee. 

27)  Erdbeere.  Erdbeeren ,  welche  am  Sonnenwendetag 
vor  der  Sonne  gebrockt  und  in  Branntwein  angesetzt  werden,  sind 
gut  fur  die  »Mundfaul.«  ^)  — 

Wenn  Beeren,  besonders  Erdbeeren,  aber  auch  die  übrigen 
•Söp-  oder  Hindelböm  etc.«  auf  die  Erde  fallen,  soll  man  sie 
nimmemehr  aufheben  und  geniessen,  Sie  gehören  schon  dem 
Teufel  an.  ^ 

28)  Esche,  öschä,  *)  Dieser  Baum  oder  vielmehr  sein 
Laub  erzittert  unausgesetzt,  daher  die  Redensart :  »Ziedärn  wierän 
öschis  Lauwl«  Es  kommt  daher,  weil  die  Esche  einst,  als  der 
Heiland  vorüberging,  ihr  Haupt  stolz  erhoben  hielt  und  ihm  nicht 
neigte.    Dabei'  schlug  sie  der  Herr  mit  ewigem  Zittern.  — 


t)  BedeotMm  sind  schoo  die  anderwSrts  vorkommenden  Namen:  Alpkinch- 

bäum  nnd  DradenblQtlie.  — - 
*)  Gegen  die  Mandilul  (siehe  1 7)  scheinen  insbesondere  Pflanzen  mit  rolher, 

brauner  oder  wol  auch  blauer  Farbe  heilsam.  — 
*)  H5fer  bemerkt,  dass  man  an  der  Traun  die  Zitterpappel  so  nenne.  — 

9» 


132 

fn  die  Escbe  warden  auch  Knnkheiten  gebohrt  oder  vema- 
geU ,  und  zwar  geachiebi  das ,  wie  auch  bei  den  übrigen  Büumen, 
stets  auf  der  Morgenseite.  —  Wenn  ein  Kind  etnen  »Bruch«  bat, 
spaltet  man  einen  Eschenbaum  und  erweitert  den  ^alt,  bis  es 
durch  ihn  durchgezogen  werden  kann.  Hierauf  drückt  man  die 
getrennten  Theile  wieder  zusammen  und  bindet  sie  fest  Bis  sie 
wieder  verwachsen  sind,  heilt  auch  der  Bruch.  *)  — 

29)  Farnkraut  »Im  Gebirge,  Höfer  I.  193,  zählen 
unsere  Wurzenkriimer  neun  verschiedene  »Fasen  oder  Faden. «^ 

Die  Wurzel  wird  »F  ün  f- Finger- Wurzel«  genannt 
weil  man  sie  künstlich  so  zusammenschneidet,  dass  sie  eine  höhte 
Hand  mit  5  hervorragenden  krummen  Gelenken  darstellt  — 

Kriminalakten,  Schamstein  1648.  Ein  Inquisit  bekannte, 
dass  er  den  »Farn«  unter  Hersagung  einer  gewissen  Formel  ge*- 
pflückt  und  darunter  etliche  Himmelbrand-Blätter  gelegt  Des  an- 
deren Tages  habe  er  einige  Samenkörner  davon  erhalten.  In  Linz 
verkaufe  er  7  Kerne  je  um  1  Reichsthaler.  Sie  hätten  die  Kraft, 
dass  dem,  der  sie  bei  sieh  trägt,  auf  der  Reise  nichts  zustosse, 
und  dass  die  Hantirung  glücklich  fortgehe.  Der  Samenkem,  der 
sehr  klein  sei,  laufe,  wenn  man  ihn  auf  ein  Papier  gäbe,  als  ob 
er  lebendig  wäre,  gleich  dem  Quecksilber. 

In  der  Mitternachtstunde ,  wenn  das  Feuerspriogen  (Sonnen- 
wendetag)  zu  Ende  ist,  blüht  die  »Toifelsfedä  (Famkraul) 
und  trägt  in  der  nämlichen  Stunde  noch  Samen.  Wer  davon  zu 
seinem  Gelde  legt,  dem  nimmt  es  nicht  ab.  Einst  wollte  sich 
jemand  den  Samen  verschaffen  und  begab  sieh  zu  der  bezeich^ 
neten  Stunde  in  den  Wald«  Da  fing  es  aber  zu  sausen  und  brau- 
sen an,  als  wollten  alle  Bäume  brechen,  und  erschrocken  wandte 


*)  Von  der  Bedeutung  der  Esche  abgesehen,  welche  sicherlich  mit  yon 
EinAuss  ist,  erklärt  sich  dies  Verfahren  auch  daraus,  dass  der  Bmch  als 
»etwas  Gebrochenes,«  was  entzwei  ist,  aufgefasst  wird.  — 

*)  Das  Famkraut  ist  besonders  als  Abbild  des  himmlischen  Famkrautes, 
der  Gewitterwolke  zu  fassen.  —  Federwolken  (siebe  Toifelsfadi)  nennt 
man  noch  heutzutage  eine  gewisse  WolkenbÜdung.  — 


133 

er  sich  xur  schleunigsten  Flaoht  ^).  —  Die  Toifelsfedi  ist  auch 
gegen  die  Hauckn  gut.  Wenn  daher  das  Hausgevögel  daran  leidet^ 
macht  man  ihm  die  Streu  aus  Teufelsfedem.    ~ 

30)  Fencb,  panieum  virid.Lin,;  iwird,  Höf.  I.  211,  am  Traun- 
fluss,  wo  er  auf  Scbiitteh  angetroffen  wird,  Traun-  oder  Schütt- 
gries  genannt  und  für  Kranke,  wie  Reis  in  der  Suppe,  einge- 
kocht etc.« 

31)  Fuhr-  oder  Furchtkraut,  stachys  rect.  Lin.;  es 
beisst  so,  weil  es  wider  das  Fabren  oder  Reissen  des  Kopfes  und 
der  Glieder  gebraucht  wird.  Auch  dasPfenningkraut,  lydtnach. 
numular.  Lin,,  wird  Fubrkraut  genannt  (Höfer  1.,  252).  —  Das 
Furchtkraut  ist  gut  gegen  den  > Furcht ■,  eine  Kopfkrankheit,  wobei 
die  Kopfplatte  auseinander  gebt  oder  fährt.  — 

32)  Der  iGänskressf  pasUnae.  saHv.,  wird  häufig  als 
Futter  fiir  die  jungen  Gänse  klein  gehackt.  Man  braucht  ihn  auch 
wider  das  Nasenbluten',  Blutspeien,  die  rothe  Ruhr  und  starken 
Blutgang  der  Frauen.  Höfer,  aus  dem  diese  Mittheilung  genommen 
ist,  setzt  hinzu,  dass  er  in  einem  Lexico  MS.  (wahrscheinlich  der 
Kremsmünster  Bibliothek)  Gensekresse,  mit  Sangiänaria  übersetzt, 
gefunden  habe  ^).  — 

33)  iGefrerbeere«,  die  Beere  von  vibum.  optd.  Lin. 
■Man  macht,  Höfer  I.  280,  aus  ihnen  eine  Salsse  wider  das  Sticken 
und  Keuchen,  und  wider  die  gemeine  Husten  wird  die  Milch,  worin 
diese  Beeren  gesotten  wurden,  laulicht  getrunken.«  *- 

34)  •Gesch  wu  1st  krau  t.t  Unter  diesem  Namen  begreift 
das  Volk  mehrere  Pflanzen,  welche  es  wider  Geschwulsten  ge- 
braucht Höfer  I.  290  führt  in:  a)  $edum  tele  hium.  Lin.;  die 
Blätter  davon  werden  auf  geschwollene  Füsse  gelegt,  von  der  ge- 
stossenen  Wurzel  aber  auf  der  Glut  ein  Tuch  geräuchert;  b)  che- 
Udan.  nu^.f  wird  ebenfalls  unter  geschwollene  Füsse  gelegt;  c)  $olan* 


*)  Der  Samen  ist  das  Gewittergold.     Die  Vertretung  des  Gewitiers  zeigt  sich 

hier  ganz  unzweifelhaft.  — 
*)  Schon  der  Name  •sangumaria*  oiochta  zu  den  erwtthnten  Anwendongen 

leiten.  -* 


131 

dulcamar,   wird    den  Pferden   wider  Verstopfung  und  BlSliung   in 
einem  Einguss  gereicht  — 

35)  Gnadenkraut,  ffratiola  ofßdn,  lAn.  Kommt  nach 
Höfer  IIL  295  um  Ens  auf  feuchten  Wiesen  vor  und  ist  in  der 
Bleich-  und  Wassersucht,  so  wie  in  hartnäckigen  Fiebern  sehr 
heilsam.  — 

36)  Gundelrebe,  glecom.  hederac.  Lin.,  »mildert,  Höfer  I. 
338,  die  scharfen  Säfte  des  Körpers,  löset  das  dicke  Blut  und 
den  Schleim  auf  etc.«  — 

37)  Halbäts  Ros,  rumex,  crUp.  Lin.  Manche  reissen  die 
Wurzeln  dieser  Ampferart  aus.  Wohin  die  Wurzel  schaut,  dorthin 
kommen  sie.  ^^ 

38)  Halm.  In  dem  Büchlein:  •  Aufrichtiger  Unterricht  etc.« 
wird  es  als  verwerflicher  Abei^laube  angcHihrt ,  einen  Halm  (wahr- 
scheinlich einen  Getreidchalm)  ijber  eine  gescliwollene  Hand  zu 
spalten.  •— 

Fiir  starkes  Nasenbluten  bilil  es,  wenn  man  2  Halme,  von 
was  immer  für  einer  Getreideart,  ins  Kreuz  *)  legt  und  darauf  das 
9lut  tröpfeln  lässt.  — 

Die  3  ersten  Korn-  oder  Waizenstämme,  die  man 
bei  Beginn  des  Schnittes  schneidet,  bindet  man  sich  um  die  Mitte, 
so  bekommt  man  kein   »Buglweh«  mehr  ^).  — 

Man  nimmt  von  einem  Waizenhalme,  dort  wo  er  den  zweiten 
Knoten  angesetzt  hat,  2  Blätter  und  legt  sie  kreuzweise  überein- 
ander; sodann  biegt  man  den  Theil  des  einen  Blattes,  welcher 
den  oberen  Balken  bildet,  um  und  wickelt  ihn  mit  dem  unleren 
zusammen,  so  dass  ein  kleines  Päckchen  entsteht.  Macht  man  es 
nun,  nachdem  man  es  etwa  ein  paar  Minuten  mit  Daumen  und 
Zeigefinger  zusammengedrückt  gehalten,  wieder  auf,  und  es  zeigt 
sich  das  Blatt,  welches  vorher  in  dem  andern  war,  ausserhalb  des- 
selben, so  geht,  was  man  vorhat,  gut  von  statten.  —  Im  Scherze 
wenigstens  hat  sich  das   »Hälmel-  oder  Hölzlziegn«  bis  zur  Stunde 


V  Die  Farbe  des  Blutes  und  das  Kreuz  weisen  wieder  auf  den  Donnergott  hin. 
*)  Thorr  schnallt  sich,  wenn  er  kämpfen  muss,  den  StSrkegüriel  um.  — 


139 

erbtUaB.  Wer  in  einer  Wahl  onscblüssig  ist,  zieht  einen  von 
zwei  Hahnen  ungleicher  Länge,  nachdem  er  vorher  die  Bedeutung 
beider  bestimmt  hat  — 

39)  Hiningwurze,  bryon.  aih.  hin.,  nach  Höfer  H*  27, 
so  genannt,  weil  sie  von  dem  Volke  gebraucht  wird,  »wenn  das 
Rind  die  ■■Uininge<i  hat«  eine  Krankheit,  wobei  die  Haut  dürre 
wird  und  fest  an  die  Beine  klebet.« 

40)  Hasel  <).  Unter  der  Hasel  ist  u.  1.  Frau  untergestan- 
den während  eines  Gewitters,  und  darum  schlägt  es  in  eine  Hasel 
nie  ein  und  eben  so  wenig  in  ein  Haus,  an  dessen  Fenstern 
Hasekweige,  besonders  grüne  mit  Blättern,  stecken.  Wer  ein 
Uaselzweiglein  an  der  Brust  trägt,  den  trift  der  BUtz  nicht  —  In 
das  Palmbüschlein  bindet  man  3  Haselzweige  im  Dreieck  ^)  ein ; 
überdies  befindet  sich  in  dem  Bund  oder  Buseben  zuweilen  noch 
ein  kleineres  Büschlein,  das  nur  aus  Haselzweiglein  besteht^  welche 
man  thcib  klein  zusammen  geschnitten  dem  Vieh  zwischen  2  Broten 
eingibt  oder  unter  die  Viehslöri  bäckt,  tbeils  in  Fenster  und  Saat* 
felder  steckt  —  Von  der  Hasel  nimmt  man  auch  häufig  die 
Scheitlein  zum  Weihholz  am  Karsamstag.  —  In  jedem  Stalle  steckt 
ein  Hasekweig,  damit  Glück  und  Segen  darin  verbleibe.  —  Drei 
Kreuze  aus  6  Haselzweigen  legt  man,  bevor  das  »Einführen«  den 
Anfang  nimmt,  auf  den  Grund  jedes  Barrn.  —  Mit  7  Haselzweigen 
wird  der  »gezettelte  und  gestreute  Har«  angebunden,  damit  ihn 
der  Wind  nicht  wegführe.  —  Zu  einer  grossen  Anzahl  Acker-  und 
Stallgeiäthe  verwendet  man  mit  Vorliebe  Holz  von  der  Hasel  ^.  — 
Der  Grosstheil  der  nunmehr  fast  überall  ausgerotteten  Gehäge, 
welche  längs  der  Marken  sich  hinzogen  oder  diese  selbst  bildeten, 
waren  Haselstauden.  —  »s*  Haselnussbrocken«  ist  auf  dem  Lande 
ein  Kinderfest     Wenn   die  Haselnüsse,    welche  nach  Pfunden  ge- 


1)  Sie  ist  eiQ  Abbild  des  Gewitters.  — 

*)  Siehe  Dreifuss  u.  s.  w. 

*)  Eben   weil   die   irdische  Hasel   die   am   Himmel   vertriU,    der  DonnergoU 

Acker-   und  StallgoU  ist.     Auch  das  Folgende    erklärt  sich  aus  der  Be- 

xiehuog  zum  Gewitter.   ^ 


1S6 

reebnel  werdtn  ^),  leitigen,  es  isl  um  das  SohuUengelfest  btruov 
so  liehen  die  Kinder  schaarenweise  in  die  Haselgeh'äge,  um  Niisse 
zu  sammeln.  —  Schon  am  Sonnenwendtag  hat  es  sich  etttsebieden 
ob  viele  und  scbbne  Nijsse  werden.  iUm*s  Haselnussbrockem 
heisst  es  daher  auch,  als  eine  Tolksmässige  Zeitbestimmung.  — 
Auch  SU  einer  iZoag-  oder  Wünschlrudnt  ist  die  Basel  brauch^ 
bar,  so  wie  beim  Kreis-  oder  Kreuzstehen  ^).  —  Nur  mit  einem 
Haselstecken  kann  man,  versteht  man  anders  überhaupt  die  Kunst, 
Abwesende,  d.  h.  Feme  durchpeitschen,  ■  übers  Feld  prügeln.« 
•^  Der  liebste  Stock  ist  dem  Bauern  ein  Hasebtock;  entfernt  er 
sich  weiter  vom  Hause,  oder  geht  er  einen  gefaiirlichen  Weg,  so 
bat  er  ihn  gewis  zur  Seite.  —  Die  mit  einem  Haselstecken  aus- 
getheilten  Hiebe  haben  eine  besondere  Kraft;  ja  es  heisst  sogar, 
dass,  wer  mit  einer  Hasel  geschlagen  wird,  die  Auszehrung  be-* 
kommt  ^.  —  In  der  Mettennacht  werden  heirathshalber  die  Hasel- 
Stauden  gebeutelt.  —  Haselzweige,  kreuzweis  in  den  Weg  gei^t, 
nöthigen  die  Teufelsjagd  zur  Umkehr.  —  Nattern  und  Blindsehlei« 
chen,  mit  einer  Hasel  geschlagen,  sind  auf  3  Streiche  todt  -^  An 
Haselspiesse  steckt  man  die  Kröten.  — 

Wenn  die  Haselnüsse  gerathen,  gibt  es  viele  uneheliche 
Kinder  -^ 

41)  Die  Haselwurz,  auch  iSch  eib  el  krauti,  esor. 
earopae.  lAn,,  genannt,  Höfer  liL  74,  hat  eine  stark  öiFnende  und 
purgirende  Kraft  — 

Die  Kühe  geben  recht  viele  und  gute  Mikfa,  wenn  man 
Trempel  und  Milcbhiifen  mit  Haselwurz,  oder  auch  Leberkraui 
liepiaäd,  trüoh.  JUn.,  am  besten  mit  beiden  gemeinscbaftiich  aus<> 
siedet.     Die  Milch  wirft  dann  viel  und  dick  auf.   — 

42)  iHauswurzn.i  Auch  die  »Hausram p fei,  anders- 
wo BDonnerbarti,  ^)   sempet^viv.  teäor,  Lin.     Von  seiner  Be- 


0  Ein  Pfund  bat  60  Böcke,  ein  Bock  4  NUsse.  — 

*)  Man  denke  an  das  Gewittergold. 

^  Gewis  lag  die  Vorstellung  des  Haselsteckens  als  Blitzstabes  zu  Grunde. 

D^er  Rasetstock  tritt  selbst  in  persönlicher  Benennung  »Haslingeri  auf. 

Ein  Donnerkraut,  wie  sehon  der  Name  aussagt. 


137 

tiehiDK  luin  GewitAer  war  bereits  die  Rede.  »Der  Saft  ist  käb« 
lend.  Höfer  HL  13,  und  kana  wider  Brsndsobiden,  foule  Ge- 
sebwiire,  HUhneraugen  dienen.!  — 

Das  Volk  sagt,  der  Saft  sei  gut  für  die  Gehörlosen.  — 
Aueh  für  den  •HdAtk*  ist  Haosramplensaft  gut.  -^ 

43)  H  e  i  1  k  r  a  u  t ,  ehenopod,  hon.  Hinric.  lAn,  Nach  Uöfer 
IL  42 ,  dient  es  zur  Heilung  von  Wunden  und  faulen  Scbfiden.  — 

44)  Himmel  brand,  fferba$e.  taps.  Un.  Man  putzt  damit 
am  Sonnenwendetag  vor  der  Sonne  die  Kübbarren  aus.  — 

45)  Hirsohwurzen.  Sie  werden  Ton  den  Würzen- 
männern  hHufig  verkauft  und  den  Kühen  eingegeben,  damit  sie 
•  stieren.  •  — 

46)  Holer,  ')  Sambue.  nigra  Lin,  Vor  der  tHolästaudnc 
(Kremsmünster)  soll  man  den  Hut  abnehmen,  weil  an  ihr  alles 
gut  ist  »vom  Blatt  bis  zum  K^.«  Rücklings  zu  ihr  hingehen, 
hilft  schon  gegen  eine  Mengo  Krankheiten.  Man  findet  sie  daher 
auch  häufig  in  der  Nähe  von  Häusern ,  Scheunen  und  Ställen.  Der 
Stock  steht  meistens  innerhalb  der  Traufe.  —  Der  BMelchersöch- 
teri  und  die  » Schmalzkübel ■  werden  meist  aus  Holerholz  gemacht, 
sowie  auch  die  »TrempeL«  ^)  — 

Holerbast  legt  man  auf  für  den  ÄfeL  Holerholz,  besonders 
»Scbiferni  braucht  man  zum  Gicht-  und  Hundßulwenden.  Auch 
zum  Schwundwenden  bedient  man  sich  kleiner  Hölzlein  von  der 
Holer^taude.  Holerschindn  legt  man  für  das  Zahnweh  auf  Genick 
und  Pulse,  Wer  mit  einer  »Schiferf  von  der  Holerwurzen  sich 
die  Zähne  »ausstrilt«,  bekommt,  wenn  er  die  Schifer  wieder  genau 
an  ihre  Stelle  legt,  so  dass  sie  sich  wieder  in  die  Schinde  ver- 
wächst, sein  Leben  lang  kein  Zahnweh  mehr.  »Holerblüh- 
trauppän«,  am  Sonnenwendetag  vor  der  Sonne  eingebracht 
und  in  der  Luft  gedörrt,    geben   einen   Thee,   der   for  allerband 


')  Fast  alles  weist  auf  Gewitter  und  Gewittergoti  hin.  — 

^  Trempel    ist   das    »RQhr-Butterfass.«     Der    Vorgang   des   Gev^itters    am 

Himmel  wurde,  wie  schon  angedeutet  ward,   so  zu  sagen  als  ein  Butter- 

rühreo  und  Schmaluu«0ieden  gedacht.  — •  * 


138 

Krankheiten,  besonders  Fieber  gut  ist.  Aus  den  Beeren  wird  etoe 
beliebte  Speise  gemacbt,  welche  noch  dazu  fijr  sehr  gesund  gUt» 
der  >H  ol  er  r  ÖS  ter.t  —  Auch  einen  Absud  bereitet  man  aus 
ihnen »  der  in  mancherlei  Krankheiten  heilsam  ist.  —  Es  gibt  wol 
nur  wenige  Häuser,  'in  welchen  die  Holersaisse  nicht  vor- 
rüthig  wäre.  Sie  ist  die  im  Volke  bekannteste  und  berühmteste 
Arznei ,  und  besonders  die  alten  Weiber  wissen  sie  echt  und  recht 
zu  bereiten.  Sie  brocken  den  Holer  zwischen  den  Frauentagen« 
nicht  nur  von  der  Staude  oder  den  Stauden,  welche  um  das 
Haus  herum  stehen,  sondern  auch  in  Leiten  und  Auen  und  sam- 
meln oft  ganze  Körbe  und. Säcke  voll  Die  von  den  Trauben  ge- 
streiften Beeren  werden  ausgesotten  und  ausgepresst  und  der  Saft 
so  lange  gesotten  und  gereinigt,  bis  er  fast  so  dickflüssig  wird 
wie  Latwerg.  — 

Kriminalakten,  Scharnstein  1648.  »Wenn  man  die  2  in- 
wendigen Schälen  abzieht  und  den  Leuten ,  so  im  Kopf  unrichtig, 
auflegt,  heilet  es  diese. ■   — 

Austria  1856.  Ein  Müller  in  Steyer  hat,  damit  ihm  das 
Malter  besser  von  statten  gehe,  ein  Holländer  -  Röhrlein ,  woran 
ein  Bienenstock  zum  ersten  Mal  geschwärmt,  ober  der  Thür  in 
der  Mühle  aufgesteckt.   — 

Es  heisst  auch  überiiaupt,  dass  der  Holer  zu  allerlei  Zauberei 
gut  sei.  — 

Räthsel.  Weiss  wie  Schnee,  grün  wie  Gras  und  schwarz 
wie  Kohln.  —  Kinderreim c.  Ringä,  ringä,  reihä,  Sand  mär 
ins!  dreiä,  Sözn  mär  ins  äf  d*  Holerstau  n,  Than  mi  fleissi  Berl  klaubn. 
—  Ringä,  ringä,  reihä,  Sand  mä  insä  dreid,  Sitzn  mär  äf  d'  Holerstau*n, 
d*  Holerstau*n  bricht  a,  Liengng  alle  3  in  Bah.  — 

47)  »Holzbocki,  melampyr,  prat,  lAn,;  wird,  Höfer  H.  62, 
wider  »die  Mundsehre  und  andere  Mundgeschwäre ,  in  Essig  ge- 
sotten, und  mit  selbem  die  Zunge  gerieben,  mit  dem  Essig  aber 
die  Gurgel  ausgespült.«  — 

48)  1  r  r  w  u  r  z  e  n.  Manche  verstehen  darunter  Tannen- 
oder Waldbäum  -  Wurzeln ,  andere  eine  Pflanze ,  für  welche  sie 
keinen  anderen  Namen  wissen.  — 


188 

Wer  über  eine  Irrwurzen  steigt,  kommt  von  dem  rechten 
Weg  ab.  — 

Im  Gmuiböld  <)  (Steioerkircben)  stehen  so  viele  Irrwurzen,  dass 
der,  welcher  hineingeht,   nicht  so  schnell  wieder  herausfindet.  — 

Um  sich,  wenn  mau  über  eine  solche  Würzen  gestiegen 
ist,  wieder  zu  » erkennen ■,  kehrt  man  Hut  oder  Tüchel,  kurz, 
die  Kopfbedeckung  um  und  setzt  sie  in  >^bing<  auf.  Man  räth 
auch  dagegen  an,  was  Air  immer  ein  Kleidungsstück,  z.  B.  tSchampl 
oder  Scheikäl«  umzukehren  und  im  inübingc  anzuziehen.  — 

Eine  Steinhauser  Bäuerin  gieng  einst  von  Wels  heim  und 
war  nur  mehr  eine  Viertelstunde  vom  Hause  entfernt;  da  trat  sie 
über  eine  solche  Wurzel  und  gieng  nun  einen  halben  Tag  in  der 
Irre  herum.  Endlich  rastete  sie  einmal  und  kehrte  die  Kittelsäcke 
um,  und  alsogleicb  erkannte  sie,  wo  sie  war,  nämlich  ganz  nahe 
an  ihrem  Hause.  — 

Am  Pyrgas  (Spital)  ist  ein  Gehsteig  nach  Admont,  häufig 
von  •  Holzwegen  ■  durchkreuzt  und  mannigfaltig  gewunden.  Wer 
darauf  geht,  und  den  Weg  nicht  recht  gut  weiss,  verirrt  sich  ge* 
wisser  als  nicht.  Der  Grund  hievon  sind  die  Irrwurzen,  welche 
von  den  t  Bergmandeln  •  gelegt  werden.  — 

49)  Jerichorose,  anastatic.  $yriac  Lin. ;  Höfer  II.  89, 
erwähnt,  dass  sie  »nach  dem  Glauben  des  Volkes  in  der  Christ- 
nacht sich  selbst  aufUiue,  und  dass  Hebaromen  die  rauhe  Wurzel 
gebrauchen,  um  zu  erfahren,  ob  die  Geburt  bald  erfolgen  werdet  — 

50)  Johannskraut,  hyperic.  perfor.  Lin,  Am  Sonnen- 
wendetag werden  vor  Sonnenaufgang  Zweiglein  dieses  Krautes 
kreuzweise  an  die  Fenster  gesteckt  und  acht  Tage  daselbst  be- 
lassen. — 

Man  gebraucht  ferners  dieses  Kraut  häufig  als  BRaucker.« 
Auch  zum   »Neidraucker«  (sieh  später)  wird  es  genommen.  — 

Endlich  ist  es  gegen  allerlei  Viehkrankheiten  gut,  besonders 
wenn  es  an  dem  Tage ,  wovon  es  den  Namen  hat,  vor  der  Sonne 
oder  in  der  12.  Stunde  Mittags   gesammelt   und   in   der  Luft  ge- 


')  Wol  Gemeiuholz ;  solche  Hölzer  sind  eben  mehr  sagenhaft  als  andere.  — 


lift 

ddrrt  wird.    Man   gibt  es  tu   dieiem  Zweeke  Id«in  lusaameDge- 
schnitten  zwischen  2  Broten  ein  oder  bäckt  es  in  die  Viehstdri.  — 

51)  »Juiigfrauennünterlt,  routine,  rep.  Im,  Die 
WurzeMitier  zeigen  auf  der  oberen  Fläche  rothbratme  Flecken 
als  wie  von  Blutstropfen.  Diese  rühren  daher,  weil  u.  1.  Frau 
Blut  darauf  fiel.  — 

Andere  nennen  diese  Pflanze  Fruohtkraut»  und  die  Wei- 
ber pflegen  sie  zu  gewissen  Zeiten  zu  essen.— 

52)  Kappis*Samen,  »Gawöss same,  Samen  des  Kopf- 
kohles, brastie.  capUat,  Linr,  er  soll  am  Karfreitag  gebaut  werden 
und  zwar  vor  der  Sonne.  — 

53)  Kern.  Mit  einem  Gerstenkern  umreisst  man  den 
Zidirä  und  wendet  ihn,  indem  man  zngleich  einen  gewissen 
Spruch  sagt.  ^)  —  Auch  der  lAfli  wird  auf  diese  Weise  ge- 
wendet. — 

Haberkerne  schützen  das  Vieh  vor  Verhexung.  ^)  — 

54)  Kl  aft,  rkinant,  Christa  gall,  lAn,  Er  spricht  zu  dem 
Bauer:  i Vertilg  mich,  sonst  vertilg  ich  dich.i    — 

55)  Klee.  Der  4blätterige  ist  gut  zu  allerlei  Zauberei; 
nur  darf  er  beim  Abpflücken  nicht  mit  blosser  Hand  berührt  wor- 
den sein.  —  Wer  solchen  Klee  bei  sich  trägt,  gewinnt  im  Spie- 
len. —  Wenn  man  ihn  in  ein  Buch  legt,  lernt  man  leicht.  — 
Wird  er  unter  das  Altartuch  gelegt  und  mehrere  Messen  darüber 
gelesen,  ist  er  fast  zu  allem  gut.  Nur  kann  der  Priester,  wenn 
ein  solcher  Klee  auf  dem  Altäre  liegt,  beim  lesen  schier  nicht 
weiter,  wird  völlig  verwirrt  —  Auch  sieht,  wer  ihn  bei  sich 
trägt,  allerhand,  was  andere  nicht  sehen.  — 

Einst  schaute  ein  Weib  den  Spektakeln  zu ,  welche  eine 
Seiltänzer  -  Gesellschaft  auf  dem  Platze  vor  der  Kirche  aufführte. 
(Andere  neonea  ein  Mädclien,  welches  mit  einem  Korb  Klee  auf 
dem  Kopfe,  worin   ein    vierblätteriger  war,    vorübergieng.)     Dem 


I)  Die  sogenannte  »Wern«    im  Auge   heisst   auch    » Gerstenkorn.«     Hidraus 

erklärt  sich  wol  die  oben  angeführte  Anwendang.  -> 
*)  Weitere«  darüber  bei  anderer  Gelegenheit  — 


ill 

Weih  hatte  min  jemand  heiaüch  einen  Ibtttterigen  Klee  in  die 
Schuhe  gelegt  Daher  sah  sie  auch  das  Blendwerk  genau,  wel- 
ches die  Seiltinser  den  Leuten  vormachten,  und  klärte  sie  auf. 
data  diese  Zauberer  niebt  auf  einem  Seile,  sondern  auf  einem 
»Bo*nla*n«  mit  der  Scheihtruhe  hin-  und  herfuhren,  der  Wursll 
nicht  einen  Wisbaum,  sondern  einen  Strohhalm  im  Maul  halte 
und  damii  seine  »Gsehwenddä«  mache.  Doch  sie  büsste  es  bitter. 
Die  Seiltänser  >thaten*s  ihrt,  dass  sie  mehrere  Schuh  tief  im  Was- 
ser zu  waten  Yermeiote  etc.  etc.  (Bäufig.)  — 

56)  »K  0 1  m  ä  s  w u  r  z  ni ;  *)  sie  ist  gegen  Bauchweh  gut  — 

57)  Kornelbaum,  cornus,  masc.  Lin,  »Dirntelbaum«; 
(der  wilde  oder  weibliche  heisst  Hundsbeerstaude.)  iDer  ange- 
nehm säuerliche  Sad  wird,  Höfer  I.  157,  schon  von  alten  Zeiten 
her  wider  die  Ruhr  und  den  Durchfall  empfohlen.!   — 

58)  »Kornvaterf,  Höfer  II.  156,  ein  schwarzer,  krum- 
mer Kern ,  welcher  bei  nasser  Witterung  häufig  an  Kornähren  an- 
getroffen wird.  Man  käut  ihn  wider  den  Bervater  (Kolik).  Den 
Kuben  wird  er,  wenn  sie  lange  nicht  stieren  wollen,  zwischen 
Brot  eingegeben.  ')  — 

59)  »Kranewitnit,  ^)  jwuper,  cotnmun,  Lin.  Die  Krane- 
witstaude  ist  noch  jetzt  beim  Volke  sehr  gesehätzt  und  war  es 
einst  wol  weit  mehr;  darauf  lassen  schon  die  zahlreich  davon  ge- 
nommenen Orts-  und  Häusemamen  schliessen.  — 

Das  Holz  und  besonders  diejenigen  Reiser ,  woran  viele  Na- 
deln stehen,  sind  das  beliebteste  Räucberungsmittel.  Ist  in  einem 
Hause  ein  Kranker,  so  wird  nicht  nur  im  Krankenzimmer,  sondern 
häufig  auch  in  allen  Zimmern  und  Stuben  damit  geräuchert  Wü- 
thet  in  der  Gegend  eine  geräbrliche  Seuche,  so  sucht  man  sich 
vor  der  Ansteckung  dadurch  zu  bewahren,  dass  man  im  ganzen 
Hause  fieissig  mit  Kranewiten  räuchert  — 


')  Wol  Kolomannswurui.     Siehe  GewiUer  12.  — 

*)  Wo],  weil  er  Kornvater  heisst. 

*)  Aas  »grüner  Wid«  gebildet»  wie  Groamit  aus  GrünmaluL 


112 

Sogar  in  den  Fleisckselcbeii  macht  man  lue  und  da  Krane- 
witrauch  an,  weil  das  so  geselchte  Fleisch  besonders  gut  und 
gesund  ist  — 

Die  Kranewitwipferl  nimmt  man  nicht  nur  zu  Palm- 
buschen,  sondern  auch  cum  »Wenden. •  Man  bereitet  daraus  auch 
einen  Absud  für  die  Wassersucht.  ^ 

Noch  bsiu6ger  aber  wird  von  den  Kran  ewitbeeren  Gebrauch 
gemacht,  von  den  reifen  blauen  *)  sowohl,  als  auch  von  den  un- 
reifen grijnen.  Man  bereitet  daraus  ein  heilsames  0  e  1  für  Bauch- 
schmerzen, eine  »Sc  hm  in  für  die  Wassersucht,  eine  Salsse, 
die  für  allerlei  Krankheiten  ganz  sicher  hilft,  eine  Essenz,  in- 
dem man  sie  in  Branntwein  ansetzt;  gibt  sie  als  Raucker  in  die 
Gluth  und  rauckt  damit  Stube  und  Stall  Herrscht  irgendwo  .  eine 
ansteckende  Krankheit,  kaut  man  die  Beeren  und  isst  sie,  be- 
sonders ,  wenn  man  in  ein  angestecktes  Haus  geht.  Als  die  wirk- 
samsten gelten  Beeren,  welche  am  Sonnenwendetag  in  der  zwölf- 
ten Stunde  Mittags  gesammelt  werden.  Daher  auch  der  Brauch, 
dass  ro^n  in  dieser  Stunde  »Kraniwötbör  bei  tin«  geht. — 

Ueberdiess  beschränken  sie  des  Teufels  Wissen ,  thun  seiner 
Macht  Einhalt;  wo  Kranewiten  stehen,  haben  er  und  Hexen  und 
aller  Zauber  weniger  oder  gar  keinen  Einfluss.  — 

Einst  hatte  ein  Bauernbursche  mit  einem  Teufel  einen  Ver- 
trag abgeschlossen ;  er  verschrieb  ihm  seine  Seele ,  wenn  er  bis 
zum  bestimmten  Tage  nicht  wüsste,  wie  er  heisse.  Dafür  erhielt 
er  Geld,  so  viel  er  wollte.  Die  festgesetzte  Zeit  war  nun  um, 
es  fehlten  nur  mehr  3  Tage,  und  der  Bauernbursche  wusste  noch 
keinen  Sterbenslaut  von  dem  verhängnissvollen  Namen.  Wie  be- 
greiflich, war  er  darüber  sehr  traurig.  Da  gab  ihm  ein  Freund 
zu  rechter  Zeit  guten  Rath.  Dieser  wusste  nämlich,  dass  der 
Teufel  sich  häufig  auf  einem   grossen   Berg  in  der  Umgegend 


^)  Blau  ist  auch  Blitzfarbe.  Die  ZusammenBetzung  «blitzblaut  ist  bekannt. 
Von  einem  Kleid  oder  Gewand  von  blitzblauer  Farbe  hörte  ich  als  Rind 
öfters  im  Scherze  sprechen.  Ausdrücke  wie:  »Einem  etwas  blaues,  einen 
blauen  Dunst  vormachen,  einen  blau  anlaufen  lassen,  das  geht  ins  Blitz- 
blaue  ■  dürften  woi  daraus  erkJUrt  werden,  dass  der  Blitz  das  Auge  blendet 


143 

aufhalte,  wo  er  oft  alteriei  singe  und  jodle.  Dort  seien  auch  eine 
Menge  Kranewiten;  wenn  er  sich  darunter  verstecke,  so  kenne 
er  vielleicht  den  Teufel  belauschen  und  dessen  Namen  erfahren. 
Der  Bedrängte  folgte  der  Weisung  und  verbarg  sich  unter  den 
Kranewiten.  Der  •  Ganggerl  •  hüpfte  mit  grossem  Schall  und 
unter  t höllischem  Gelächter ■  hin  und  her,  sprang  und  sang: 
»Gfreut  mih  sfst  nix  äs  wie  das,  dass  da  Baunbua  not  woass, 
dass  öh  •Spitzbärti  hoass.«  Am  dritten  Tage  nun  stellte  sich  der 
Teufel  ein,  des  Fanges  völlig  sicher.  Doch  au  seinem  Verdruss 
antwortete  der  Knecht  auf  die  Frage:  •SpitzbärtÜi  »Henendi, 
wie  ein  Ros,  verschwand  er,  scheusslichen  Gestank  zurück- 
lassend. — 

60)  K  r  e  n.  Man  hängt  9  Rädchen  gegen  die  >Dörrc  an 
den  nackten  Leib  an.  — 

Zu  dem  iGweihtem  (Ostersonn(ag)  gehört  nothwendig  auch 
der  Kren.  — 

Wenn  man  zu  Ostern  3  Rädl  geweihten  Kren  isst,  fällt 
einen  keine  Ohnmacht  an. 

Redensart.  Sich  län  Kren  göbn.f  —  Der  ist  just  zum 
Krenreibn  recht.  — 

61)  tKuMkraut«,  wol  aus  Kunigundenkraut  verkürzt. 
Nach  Höfer  11.  184  führen  diesen  Namen  Ukymus  $erpiU,  u.  vulgar. 
und  tormenliU.  erecta  Lin.  ^ 

Es  gilt  nach  ihm  als  ein  vorzügliches  Mutter*  oder  Frauen- 
kraut. — 

Doch  auch  in  den  Viebställen  findet  es  häufig  Anwendung. 
Es  wird  am  Sonnenwendetag  oder  zwischen  den  Frauentagen  ge- 
sammelt und  als  Raucker  gebraucht,  oder  zwischen  2  Broten  ein- 
gegeben oder  in  die  Viehstöri  gebacken.  Es  schützt  das  Vieh 
nicht  nur  vor  Krankheiten,  sondern  bewirkt  auch,  dass  die  Kühe 
reichliche  und  gute  Milch  geben,  daher  wäscht  man  auch  mit 
einem  Absud  davon  das  Euter  der  Kühe  und  die  Milcbhäfen  und 
ismnertt  sie  sodann;  man  hofft,  dass  die  hineingegossene  Milch 
recht  dick  aufwirft.  — 


144 

tl)  Leberkrallt,  miem^n.  hepoi.  Lin.  Nach  H^fer  II. 
200«  »wird  BS  wider  die  Verstopfung  der  Leber  angertihmt«  — 

63)  Leinsamen.  Man  Dinmit,  Hdfer  IN.  131,  etwas 
Leinsamen  in  die  Hand,  baut  ihn  auf  einem  Aeker  an  mit  den 
Worten:  »72  Fieber  seins,  et  ja,  das,  was  ih  lian,  bau  ih  an, 
Nams  Vater,  Nams  Sobn  etc.  etc.i  Wie  der  Sanken  aufbiübt, 
muss  das  Fieber  hinweg  sein.  — 

Heirathslustige  Dirnen  streuen  am  Thomasabend  iLiiisitt 
rückwärts  über  den  Kopf.  — ^ 

64)  Linde.  Lindensaft  ist  gut  (Ur  die  Wassersucht ;  aus 
linärio  Bast  noaebt  man  allerhand  gute  Schmim  gegen  verschte» 
dene  offene  Schäden,  indem  man  ihn  in  Rindschmalz  oder  in 
frisch  gerührter  Butter  kocht  und  ausbrät, 

65)  Lungenkraut,  pulmon,  o/ßcin,  Lin.,  Hofer  IL  224, 
•ist  ein  zusammenziehendes  Wundkraut. ■ 

66)  »s*  M  ä  n  dl  am  We  g.i     Ist  gut  gegen  Krämpfe.  — 

67)  »Manätresäl,f  bellis  perenn.  Lin.,  bisweilen,  Hofer 
III.  49,  auch  tRuckerli  genannt.  — 

Wenn  sie  ungewöhnlich  lange  Stiele  haben,  kommt  eine 
»Sucht«  ms  Land.  — 

6S)  Wenn  die  »MoareM«  (Mairöhrlein),  d.  h.  die  Blüthen 
von  leonlod.  tharaxöc,  hoch  sind,  wird  aueh  der  >Har«   koch.  — 

69)  »Mundfäulkraut«,  nach  Höfer  II.  273,  ein  Name 
verschiedener  Kräuter,  welche  wider  die  Mundfäule  und  den  Skor- 
but dienen,  als  rumex  aeeios.,  primul,  veris^  chenopod.  vulvar., 
chelidon.  majus,  hin.  —  Siehe  auch  17  und  27. 

70)  N  a  r  r  e  n  ä  s  t  e.  Die  Narrenäste  kommen  vorzüglich 
an  Kirschbäumen  und  Weisstannen  vor.  Das  Volk  meint  darunter 
eine  eigenthümlich  gestaltete  Ueberwucherung  der  Aeste,  welche 
mit  einem  Elsternnest  Äehnlichkeit  hat.  — 

Diese  Aeste  soll  man  nun  nicht  verbrennen,  noch  weniger 
von  der  Frucht,  die  an  ihnen  wächst,  gemessen,  wo  mögltek  sie 
gar  nicht  anrühren ;  mit  dem ,  der  sich  davor  nicht  in  Acht  nimmt, 
kann  der  iNarr«,  d.  h.  der  Teufel  sein  Spiel  treiben.  ^-  Wer 
Kirschen  isst,  welche  an  einem  Narrenast  stehen,  wird  nlrnsch. — 


Ill 

71)  NeidkUe,  trifok  melU$l.  cMerul  Lin,;  H&fer  U.  282; 
•man  rlluehert  damit  die  ViehstiiUa,  dass  das  Vieh  nicbl  beschrieen 
und  beneidet  werde.«  -^ 

72)  Neidkraut,  «)  a$anm  euröp.  Un.  (Siehe  41.)  Et 
wird  gedörrt  und  als  Stupp  gegen  den  Neid  dem  Vieh  Kwiseh^n 
2  Broten  oder  im  iTrank«  gereicht.  — 

73)  iNimm  mir  nichts,«  (Sieh  11)  hemiüria  gldbr, 
Lm,  »Dieses  heilsame  Kraut,  (Höfer  H.  292),  welches  eine  zu- 
sammenziehende, kühlende  und  trocknende  Kraft  hat,  kommt  hSuflg 
an  den  Ufern  der  Traun  vor,  und  das  Volk  glaubt,  aus  einem 
Hause ,  wo  dies  Kraut  aufbewahrt  wird ,  kann  die  Hexe  nichts  neh- 
men oder  wegtragen.  Im  Gebirge  wird  unter  diesem  Namen  der 
Alpen-Frauenmantel,    tUchemiU.  alpin»  lAn.,  verstanden.  — 

74)  Nussbaum.  Der  Nikia  streut  nebst  Aepfeln  auch 
Nüsse  aus.  —  Die  »Nusslieohdn«  bestimmen  die  Lebensdauer.  — 
Heirathslustige  Dirnen,  welche  Stecken  werfen,  wählen  hiezu  den 
Nussbaum.  «-<-  Nur  auf  einer  Nussbaumwurzel  kann  man,  nach 
einigen,  kreisstehn.  — 

Ein  Absud  aus  Nussbaumblättem  ist  gut  fiir  die  Würmer.  — 
Räthsel.    Ei*wenö*  fleischär,    auswenö'   fleisch^r   und  ön 

di  Mit  hülzär.  —  S*  ist  wier6  Bibergall,  Essens  d'  Herrn  überall. 

Nuss  in  der  grünen  Schale.  — 

75)  R  e  1 1  i  0  h.  Er  soll  am  Sonnenwendetag  vor  der  Sonne 
gesetzt  werden.  < — 

76)  R  0  s  m  a  r  i  n  ^  >R  a  s  n  m  a  r  T.«  Wird  in  gar  manchem 
Bauernhaus  sorgfiltig  gehegt  und  gepflegt.  —  Er  gilt  als  das  Ab- 
seichen  unversehrter  Jungfräulichkeit.  So  dürfen  nur  die  lEngerU 
«m  Frobnleiohnamstag  und  die  Jungfrauen  bei  Prozessionen  Kränze 
von  Rosmarin  auf  dem  Haupte  tragen. 


')  Der  »Neid«  spielt  besonders  in  Angelegenheit  des  Stalles  eine  grosse 
Rolle.  Doch  auch  Menschen,  vornehmlich  Kindern,  kann  er  Schaden 
bringen.  Es  gibt  auch  eine  Menge  Mittel,  welche  gegen  den  »Neid« 
BohStien.  — 

*)  Jedenfalls  mit  dem  Gewittergott  in  Verbindang.  -^ 

10 


116 

Die  Weiber  stecken  nur  kleine  Sträusschen  an  die  Brust» 
und  das  nur,  wenn  sie  Hochzeiten  beiwohnen.  Jünglinge  hinge- 
gen tragen  auf  Hochzeiten  3  vergoldete  Rosmarinaträusschen  auf 
dem  Hute  und  Jungfrauen  einen  Kranz  davon  auf  dem  Kopfe. 
Auch  jungfräuliche  Bräute  tragen  an  dem  Hochzeitstag  einen  Ros- 
marinkranz auf  dem  Haupte ,  aber  darnach  auch  niemals  wieder.  — 

Er  ist  aber  auch  Todtenstrauss.  Bei  Leichenzügen  eines  Jüng- 
lings oder  einer  Jungfrau  tragen  die  an  der  Leichenfeier  thcilneh- 
menden  Jünglinge  und  Jungfrauen  Rosmarinkränze  und  Sträuss- 
chen. Jünglinge  erhalten  ein  Büschlein  Rosmarin  in  die  Bahre, 
verstorbene  Jungfrauen  einen  Kranz  auf  den  Kopf,  und  selbst  ihren 
Särgen  wirft  man  solch»  Sträusschen  ins  Grab  nach.  Hie  und  da 
macht  man  auch  die  Weihbüschel  am  Sarge  des  Todten  aus  Ros- 
marin. — 

Rosmarin,  in  Branntwein  angesetzt,  dient  als  Heilmittel  gegen 
die  Auszehrung.  — 

77)  Rothwurze,  onosma  echioid.  Litu  >ln  den  Apo- 
theken gewöhnlich  anchma  lutea ;  es  wird  in  Butter  zu  einer  rothen 
Salbe  gekocht,  welche  für  Verrenkungen,  Geschwulst,  Engbrüstig- 
keit dienlich  ist.  Auch  die  Wurzeln  von  ecMum  vulgar,  werden 
zu  dieser  Salbe  genommen.«    Höfer  HI.  46.  — 

78)  Ruhrkraut.  Höfer  III.  50 ,  führt  als  unserem  Volk 
bekannt  an:  das  weisse,  euphras  ofjfic.  Lin.,  das  rothe,  eupator, 
cannabin.f  und  das  schwarze,  origan,  vulgare,  —  Doch  führen 
auch  noch  andere  Pflanzen  diesen  Namen.  — 

79)  Schafgarbe,  achiUea  miUefoL  Lin,  Sie  heisst  in 
unserem  Gebirge,  Höfer  I.  65,  das  Bauchwehkraut,  weil  sie  dem 
Vieh,  wenn  es  »den  Bauchweh«  hat,  unter  das  »Trank«  abge- 
sotten wird.  Auch  fur  Menschen  wird  es  in  der  Ruhr  sehr  an- 
gerühmt. Von  einigen  wird  die  Schafgarbe  auch  »Margarethn- 
kraut«  genannt,  weil  sie  um  das  Fest  dieser  Heiligen  blüht  — 
Auch  der  Name  »Herrgott-Ruckenkraut«  kommt  vor.  — 

80)  Saturqi,  »Zaderei«,  saturej.  hört.  Lin.^  Höfer  111.  62, 
sie  wärmet  und  stärkt  den  Magen,  führt  die  zähe  Feuchtigkeit  ab, 
zertheilt  die  Geschwulsten.  — 


117 

81)  Seidelbast,  h'äufig  »Zwülindn.c  Man  sucht  ihn 
wo  möglich  blühend  zu  bekommen  und  bindet  Zweiglein  in  den 
Palmbuschen,  theils  um  davon  zu  gewissen  Zeiten  dem  Vieh  ein- 
zugeben, tbeils  um  insbesonders  die  »Harwindnt  zu  wenden,  in- 
dem man  dem  Vieh  damit  auf  den  Rücken  »schmeisst«  und  dabei 
einen  Spruch  hersagt.  —  In  Buchkirchen  heisst  diese  Pflanze 
»Sei*lbäm.« 

Der  Seidelbast,  (Weisskirchen)  nur  ein  am  Boden  hinkrie- 
chendes Sträuchlein,  ist  einst  ein  stolzer,  hoch  ragender  Baum  ge- 
wesen. Aus  seinem  Holze  wurde  das  Kreuz  gezimmert,  woran  der 
Gottmensch  litt  und  starb.  Da  traf  ihn  aber  der  göttliche  Fluch, 
und  er  schwand  zu  der  unansehnlichen  Pflanze  hin ,  welche  er 
annoch  ist. 

82)  Schelmwurze,  hellebor.  virid,  Lin.,  wenn  das  Vieh 
den  Schelm  *)  hat,  »wird  ihm.  Höfer  III.  71,  ein  kleiner  Theil 
dieser  Würze  eingezogen«,  besonders  thut  man  dies  den  Schweinen. 

83)  »Schlaf,  Schlafbozn,«  Auswüchse  der  Hagebutte. 
Sie  verleihen,  unter  den  Kopfpolster  gelegt,  vorausgesetzt  dass  man 
sie  nicht  mit  der  blossen  Hand  berührt  hat,  dem  darauf  Liegenden 
Schlaf.  —  Wenn  man  einen  »Schlaf«  unterlegt,  der  muss  so  lange 
schlafen,  bis  man  diesen  wegnimmt.  — 

Auch  sollten  sie  den  Kühen  Fruchtbarkeit  geben  ^).  — 

84)  Schmiele,  aira  Lin,  Wenn  der  Teufel  ausfahrt,  so 
verlangt  er  in  ein  »ungebundenes  Fass  ^),«  oder  in  einen  »Schmeler 
am  Weg«   fahren  zu  dürfen.  —  In  den   »Schmelnärn«  sitzt  häufig 


'}  Schelm,  Schölm ,  nach  Höfer  allgemeiner  Ausdruck  einer  gerährlichen  Vieh- 
krankheit oder  einer  Viehseuche.  So  hat  eine  Kuh  den  MUchschelm,  wenn 
sich  die  Milch  verzieht,  den  Blutschclm,  wenn  sich  Blut  verschossen  hat 
Die  Hühner  haben  ihn,  wenn  Kamm  und  Schnahel  schwarz  werden.  — 

•)  Ist  ein  Bhtz-  oder  Donnerkraut.     Siehe  Luft  10. — 

')  Räthsel.  Zwei  Säulen,  ein  Fass,  eine  Mühle,  zwei  Lichter,  ein  Wald. 
Der  Mensch.  Der  Vergleich  des  Leibes  mit  einem  Fass  ist  uralt  Man 
hört  daher  auch  wol  sagen,  dass  es  gut  sei,  einen  Bing  zu  tragen.  Fass 
und  Reif  gehören  zusammen.  -^ 

10» 


lis 

der  Teufel  — •  Einst  wurde  einer  besessen»  als  er  Erdbeeren  an 
Schmelern  wie  an  einer  Schnur  anreihte.  -^  Im  Mühlviertel  sagt 
man,  der  Teufel,  nachdem  ihm  der  Herr  Jesus  befohlen,  in  die 
Säkie  zu  fahren,  sei,  als  diese  in  den  See  sprangen,  in  die  Schme- 
Um  gefahren.  •—  Man  hört  auch  nicht  selten  die  Warnung,  ja 
nicht  mit  einem  Schmeler  sich  die  Zähne  »auszustritni ,  man  könnte 
sonst  leicht  besessen  werden.  — 

Sind  die  Schmeler  hoch  (lang),  wird  auch  im  Winter  der 
Sdinee  hoch.  — 

85)  Sprengwurz.  (Handschriftlich).  >Im  Frühling  sieh 
auf,  wo  zwei  Frosch  aufeinander  sitzen.  So  nimb  den  unteren, 
thue  in  ein  Glas,  verbirge  dich.  So  kommt  ein  Gsell  und  bringt 
ein  Wurzel,  hält  sie  vor  das  Glas;  so  zerspringt  das  Glas.  So 
nimb  dieselbige  Wurzel,  so  hast  du  Sprengwurzel  *).■  — 

86)  »Schrä  dl  kraut,«  Hex  aquifol  Lin.  Ist  gut  gegen 
alle  Zauberei.  — 

87)  Schwarzwurz.  Man  legt  sie  gequetscht  auf  kranke» 
besonders  wunde  Glieder,  — 

88)  Schweigg,  corydal,  cav,  Lin.  Wird  sehr  häufig  ge- 
sammelt und  gedörrt,  und  wenn  man  das  Vieh  für  behext  hält, 
angebraucht,  indem  man  davon  in  einen  mit  Gluth  gefüllten  Hafen 
gibt  und  das  kranke  Stück  räuchert.  — 

89)  Teufels  A  b  b  i  s  s.  Höfer  III.  227.  Ein  allberühmtes, 
beUsames  Kraut.  Höfer  führt  eine  Stelle  aus  Schönspergers  Kräu- 
terbuch an:  »Oribasus,  ein  Meister  spricht,  dass  mit  dieser  Wurzel 
der  Teufel  als  (also)  grossen  Gewalte  treib  (trieb),  dass  die  Mutter 
Gottes  ein  Erbärmde  darin  hett  (hatte).  Und  nahm  dem  Teufel 
den  Gewalt,  dass  er  darnach  nit  mehr  mit  schaffen  mocht.  Und 
von  grossem  Grimmen,  dass  ihm  der  Gewalt  entgangen  was,  do 
beiss  (biss)  er  sie  unten  ab.  Also  wächst  sie  noch  heut  des 
Tagens,  — 

90)  Wagenblume,   chrysanth.  leucanih.   Lin,;   anderswo 


*)  Sie  ist  ein  Bild  des  Blitzes,  der  die  Gewitterwolke  sprengt  etc. 


149 

»Si.  Petersblume«  ')  genannt^  Höfer  III  265.  Eben  derselbe 
deutet  die  in  der  Heimat  üblichen  Namen  »Wagen-  oder  Rad- 
blume ■  damit)  dass  man  sich  dabei  die  Geslalt  eines  Wagenrades 
vorstellt  ^).  — 

Man  nimmt  die  Blume,  zupft  die  Strahlen  bis  auf  einen  aus, 
nimmt  sie  dann  zwischen  die  Hände  und  dreht  sie  unter  den 
Worten:  »Spitz,  spitz,  Wo  mein  Weib  sitzt«  herum.  Wo  nach 
geendetem  Drehen  der  Strahl  hinzeigt,  aus  der  Gegend  ist  die 
Zukünftige.  — 

Oder  man  nimmt  die  gelben  Samen,  legt  sie  auf  die  'äussere 
Handfläche  und  schwingt  die  Hand  in  die  Höhe«  So  viele  Samen 
nun  auf  ihr  liegen  geblieben  sind,  mit  so  vielen  Kindern  wird  die 
künftige  Ehe  gesegnet  (oder  auch,  so  viel  Geld  bekommt  man).  — 

Die  Dirnen  reissen  die  Strahlen  der  Reihe  nach  ab ;  mit  wel- 
chem sie  beginnen,  ist  beliebig,  und  sprechen  dabei:  »Jungfrau, 
Kellnerin,  Köchin,  Sau.«  Knaben:  »Edelmann,  Bettelmann,  Bürger, 
Bauer.«  Kinder  ohne  Unterschied  des  Geschlechtes:  »Kaiser,  König, 
Amtmann,  Schöri.«  Das  Wort  nun,  welches  auf  den  letzten  Strahl 
trifft,  bestimmt  die  Zukunft. 

Aehnliches  thut  man  mit  dem  Manätresälin  Steinerkirchen 
und  Umgegend:  »auch  Mangäresäl«  genannt.  — 

Um  den  Atter-  und  Mondsee  bedient  man  sich  der  Wagen- 
blume, welche  hier  »Wucherblume«  oder  auch  »Bedl- 
mändl«  heisst,  um  zu  erforschen,  ob  man  das  Jahr  noch  am 
Leben  bleibt  oder  nicht«  Man  legt  sie  nämlich  auf  ein  Brett  und 
lässt  sie  über  Nacht  im  Freien.  Dessen  Blume  des  andern  Mor- 
gens verwelkt  ist,  der  stirbt  noch  in  dem  Jahr.  — 

91)  Wegerich,  plantag.  media,  hin.  Man  reisst  die  Blätter 
mitten  quer  ab,  und  die  Zahl  der  hervorstehenden  Aederchen  ent- 
spricht der  der  begangenen  schweren  Sünden.  Die  Kinder,  wenn 
gie  dieses  thun,  sagen  dabei:  »So  viel  Fadn,  So  viel  Lugn.«  Er 
heisst  auch  das  »Sündenkraut.«  — 


<)  Dieser  Name  schon  weist  auf  Gewitter  hin.    — 
*)  Auch  Wagen  und  Rad  deuten  auf  Gewitter.  — 


150 

92)  Wegwart,  cichor.  intyb.  lAn,  Wer  an  einem  Apostel- 
tag  eine  Wegwart  ausgräbt,  am  besten  eignet  sich  hiezu  ein  Hirsch- 
geweih, auf  keinen  Fall  aber  darf  man  die  blosse  Hand  dazu 
gebrauchen,  sichert  sich  die  Liebe  der  Person,  welche  er  mit  ihr 
berührt.  —  Ein  Mädchen  weinte  unmassen  um  ihre  Mutter  *) 
welche  der  Tod  hin  weggenommen  hatte.  Umsonst  versuchte  man 
alles  mögliche,  sie  zu  trösten.  Selbst  u.  liebe  Frau  erschien  ihr 
und  tröstete  sie  vergeblich.  Sie  gab  nur  immer  zur  Antwort :  >Rh 
ih  thuc*s  Woan  äfhe*n,  Wül  ih  lieber  zarÄ  Wögwart  wc"'n!t  Zur 
Strafe  wurde  sie  dazu  verwandelt. 

Die  Wegwart  wechselt,  wenn  sie  blüht,  3 mal  des  Tages  die 
Farbe;  morgens  ist  sie  dunkel-,  Mittags  licht-,  Abends  fast  weiss- 
blau.  — 

Pflückt  man  eine  Wegwart  in  der  12.  Stunde  Mittags  und 
steckt  sie  in  einen  Ameishaufen,  so  fliessen  bald  Blutstropfen  am 
Stengel  herab.     Es  ist  aber  ein  Frevel,  es  zu  thun.  — 

93)  Weichsel  bäum.  Weichselbäume  werden  von  hei- 
rathslustigen  Dirnen  am  Thomasabend,  unter  einem  gewissen  Spruche 
gebeutelt.  —  Mit  Schiefern  aus  einer  Weichselwurzel  stochert  man 
die  Zähne  aus  und  lässt  sie  (die  Schiefern)  sodann  wieder  ver- 
wachsen.    Es  hilft  gegen  das  Zahnweh.  — 

94)  Weide,  Fälwä,  Fälhärä').  Mancher  nimmt  zu 
dem  Palmbuschen  auch  Zweiglein  von  der  gelben  Felber,  von  dem 
Volke  iFelberf  schlechthin  genannt,  von  der  jedoch  immer  die 
»Wi'l«,  d.  h.  die  Widlein  (Bänder  aus  Holz)  sein  müssen.  Von 
der  weissen  Felber  oder  der  »Palmstaude,  auch  Weide 
schlechthin  heisst  sie  das  Volk,  nimmt  man,  in  der  ganzen  Um- 
gegend von  Kremsmünster,  die  Mu*i  zu  dem  Palmbuschen,  d.  h. 
die  Kätzchen,  welche  einen  Hauptbestandtheil  desselben  bilden.  — 
Die  dünnen,  biegsamen  Rütlein  der  Felber  gebraucht  man,  um 
damit  die  Gelbsucht  zu  wenden.  Auch  zum  Kreisstehen  bedient 
man  sich  ihrer.  —  Ucberhaupt   bohrt    und   vernagelt  man  Krank- 


*)  Versionen  derselben  Mythe  nennen  statt  der  Mutter  den  Geliebten.  — 
«)  Würde  in  der  Schriftsprache  Felberich  lauten.  — 


151 

heilen  häufig  in  Feiberstöcke ;  man  »bindet,!  »hengt«  sie  auch 
dran.  Man  nimmt  eine  Felbergirtn,  macht  8  Knoten  darein  und 
sagt  jedesmal:  »Widl  dich,  widl  dich,  Fiebä  sänd  72;  dös  Fiebi, 
dös  ih  han,  dös  bind  ih  a''  den  Felba  an.f  Der  Felberstock  dorrt 
ab,  und  das  Fieber  weicht.  Oder  man  lauft  72mal  um  eine  Felbä- 
staudn  und  spricht:  »Wind  dich,  Widl,  wind  dich,  Fiebi  sand  72; 
dös  Fiebä,  dös  ih  han.  Dös  heng  ih  dran.f  Die  Feiberstöcke  sind 
meist  zerspalten  und  zerrissen  und  moderig  und  zwar,  weil  Judas 
sich  an  einem  »Felwä»  erhenkt  hat.  -^ 

In  der  Hegau ,  unweit  Kremsmünster ,  stand  einst ,  alte  Leute 
denken  es  noch,  ein  Felberstock,  von  dem  die  Rede  gieng,  man 
könne  ihn  nicht  aus  dem  Boden  herausarbeiten ;  auf  jeden  Streich 
oder  Hieb  sprühe  Feuer  aus  ihm.  *)  Das  Feuer  wurde  mit  dem 
Teufel  in  Verbindung  gebracht  — 

Hedensar t.     Gewachsen  sein,  »wierä  Fälwastock.«  ^ 

95)  Weinkraut,  nUa  graveoL  Lin,  Höfer  l!I.  277.  Das 
Weinkräutel  hat  eine  erwärmende,  seh weisstreibende  Kraft,  wider- 
steht der  Faulniss,  Pest  und  dem  Gift,  dienet  daher  wider  Lungen- 
sucht, Krebsschäden,  ungesunde  Ausdünstung.  In  dieser  Absicht 
wird  es  theils  in  den  Freithöfen  gepflanzt,  theils  Todten  in  den 
Sarg  gelegt  und  heisst  desswegen  auch   >T  o  d  t  e  n  k  r  ä  u  t  e  I.> 

In  Sierning  und  Umgegend  gibt  man  den  Leichen  Kränze 
von  Weinkraut  um  den  Hals,  oder  legt  sie  ihnen  auf  die  Brust; 
sie  werden  beim  jüngsten  Gericht  zu  lauter  Goldblumen.  —  Aus 
Weinkraut  macht  man  auch  die  Weihbüschlein ;  man  legt  auch  diese, 
bevor  der  Sarg  verschlagen  wird,  zu  dem  Todten  in  die  Bahre.  — 

96)  Weisswurz,  convallar.  polygon.  »Unsere  Buben, 
Höfer  III.  310,  legen  die  gestossene  Wurzel  über,  um  die  blauen 
Flecke  zu  vertreiben,  welche  sie  bei  Haufbändeln  erhalten  haben. • 


')  Hier  zeigt  sich  der  Felber  gar   sprechend   als  Abbild   des  Gewitters,   der 

Gewitterwolke.  — 
*)  Scherzhafte  Umschreibung  eines  schlechten  Wuchses.  —  Auch  der  Felber 

tritt  als  >  Feibin ger*  auf.  — 


162 

97)  Wideriat.  W  i  d  e  r  t  o  n.  «)  Kriminalakton  Scham« 
ftlein  1648:  »Eine  herrKcbe  Sach,  dass  man  einen  niobt  veraau* 
bern  kann,  wuchst  auf  den  höchsten  Feiten  und  muss  bei  ab- 
nebmendeia  Mond  gegraben  werden.«  -^ 

Im  Verein  mit  Kulkraut  und  Ehrenpreis  tritt  es  in  einer 
ungemein  oft  vorkommenden  Sage  auf.  Der  Teufel  wollte  etnsl 
in  Gestalt  eines  Jägers  ein  Mädchen  Yerrühren.  Oft  war  er  sclion 
nachts  an  ihr  Fenster  gekommen»  sie  war,  so  zu  sagen,  beinahe 
schon  sein.  Da  ersah  sie  einmal,  als  sich  der  Liebhaber  nach 
einem  nächtlichen  Besuche  wieder  entfernte,  an  dem  Pferdefuss, 
dass  es  der  Böse  wäre.  Sie  setzte  nun  einen  Kram  von  Ku*lkraut» 
.  Ehrenpreis  und  Widertat,  auf  den  Kopf  und  steckte  einen  eben 
solchen  Strauss  vors  Fenster.  Als  nun  der  Böse  sein  Lieb  wieder 
besuchte,  musste  er  in  der  Ferne  bleiben,  Kranz  und  Strauss 
liessen  ihn  nicht  zum  Fenster,  und  traurig  singend:  iKu^lkraut, 
Ehrenpreis  und  Widertat,  Habn  mich  um  mein  Herzliebste  bracht!«, 
zog  er  ab,  um  sich  nie  mehr  einzufinden.  — 

Häufig,  besonders  im  Flacblande,  hört  man  statt  des  Wider- 
tat das  »Weinkraut«  nennen.  — 

98)  Wurmkraut,  lanacel.  vulg.  Lin.  Wird  wider  die 
Würmer  gebraucht.  Unter  dem  Namen  »Wurinsamen«  sind  vor- 
züglich chenopod,  anlhelminL  und  arlemis.  judaic,  bekannt.  Höfer  111.  308. 

99)  Zeitlose,  cokhic,  anlumn,  Lin.  Die  Zwiebeln  der 
Herbstzeitlose,  »Ruhrwurzn«,  »Ruhräpfel«,  auch  »Kaibl« 
genannt,  schützen,  im  Sacke  getragen,  vor  der  Ruhr.  Die  oh 
schon  im  März  oder  Frühling  hervorsprossenden  Samenbeutel  nennt 


')  Güldner  Widerion,  polyirioh.  aur.  beisst  auf  Island  SU^har,  d.  h.  Haar 
der  GöUin  Sif.  Bei  uns  soH  polylrich,  commun,  uut^r  dem  Volke  Jung- 
frauhSrlcina  heisscn.  Pflanzen,  welche  das  Volk  bei  uns  mit  Frauennamen 
nennt,  sind  nacb  Höfer  ausser  den  bereits  angcHibrlen:  briia  media,  u. 
1.  Frauen  Haar;  dimtüms  plumar,,  zotticbtos  GreU;  nigeUa  danuucen., 
GreU  in  derStaudn;  galanih.  nivaUs,,  Schneekattierl;  gaimm  vtnun,  unser 
1.  Frauen  Beitsiroh;  pama$$iM  pokutr,  FrauenblUenel ;  iwutoet,  baUamUa, 
Frauenmünze.  — 


1S3 

das  Volk   •Minenluibl.a     In  Buchkircben  tritt  die  HerbsUeiilose 
unter  dem  Namen  »Rockistimpfl«  auf.  ^)  — 

Aus  den  Zwiebeln  der  Zeitlosen  wird  eine  »Lausschmir«  ge- 
braten. ^- 

100)  Zwetschkenbaum.  Man  beutelt  sie  am  Thomas* 
abend,  wie  die  Weichselb'äume.  — 

Das  Mies  des  Baumes  ist  gut  gegen  offene  SclUlden.  — 
Am  Ende   sei  noch  einiger  HeUmitlely   zu   deren   Bereitung 
mehrere  Kräuter  und  Pflanzen  zugleich  dienen ,   und  gewisser  Tage 
gedacht,    an   welche  sich  Bräuche  knüpfen,    welche  mit  Kräutern 
und  Pflanzen  in  Verbindung  stehen.  — 

101)  Bettlersalbe,  auch  grüne  Salbe,  unguent, 
tneudieor.  Höfer  I.  80«  Man  nimmt  dazu  Alberbrossen ,  Knospen 
von  Birken  und  Eichen,  Breonesselblätter,  Waehholderbeeren  und 
Abbisswurzel  und  kocht  sie»  gut  zerstossen,  in  frischer  Butter  ein, 
bis  die  Flüssigkeit  verzehrt  ist.  — 

102)  In  den  Räthen  der  heilkundigen  alten  Weiber  spielen 
die  S  a  1  s  s  e  n  eine  wichtige  Rolle.  Ausser  den  im  Verlauf  be- 
reits genannten  sei  als  besonders  »kräftig«  noch  der  aW  e  i  n^ 
schärling«-  und  der  »Kreuzbeersalssn«  erwähnt,  so 
wie  einer  Art  S  e  i  m  e  s ,  der  aus  jungem  Aepfelmost  durch  Ab- 
kochen bereitet  wird«  — 

103)  Pestessig,  auch  Spitzbubeneasig  genannt  Vor- 
züglich ward  Rosmarin,  Weinkraut,  oft  auch  Kranewitbeeren  dazu 
genommen;  nebst  diesen  Salbei  u.  s.  f.     Höfer  111.  163. 

101)  Der  »N  e  i  d  r  a  u  c  k  a«,  womit  man  das  Vieh  öfters 
räuchern  soll,  damit  ihm  der  Neid  nicht  schaden  kann,  besteht 
aus  folgenden  9,  einst  auch  geweihten  Kräutern:  1)  Widertat; 
2)  »Nimm  mir  nichts •;  3)  Wagenkraut,  paientiU.  anserin,  Lin.; 
4)  Falsches  Weinkraut,  asplenium  rata  murar.;  5)  Zögerlkraut, 
dicran.  scopar.;  6)  Ku'lkraut;  7)  Johanneskraut;  8)  Schelmkraut; 
9)  Echtes  Weinkraut.  — 


*)  Bu    dieser  NanensUUhing  ist  wol  nicht  mir  das  Aussehen  der  Pflanze, 
sondern  aacb  die  Zeit,  wann  sie  blüht,  bestinoKnd  gewesen. 


154 

Statt  Widertat  ninmit  man  auch  Wermuth  und  statt  »Nimm 
mir  nichts  •  Fünflßngerkraut ,  potentiUa  reptans.  — 

105)  Palmsonntag  »Palmbusch  en.«  In  Steiner* 
kirchen  und  Umgegend  nimmt  man  zu  den  Palmbuscben :  1)  Palm- 
zweige (siehe  Weide) ;  2)  Felberschüss  *)  (siehe  Weide) ;  3)  Hasel- 
schüsse ;  4)  Segenbaum,  juniper,  sabin.  Lin.;  5)  Zwülindn ;  6)  Eicben- 
zweige;  7)  Schrädl,  ilex  aquifoL;  8)  Albäräzweig;  9)  Kranewit- 
wipferl;  10)  Wintergrün,  hedera  heUa;  11)  Buchsbaum. 

Zu  Stäblein  werden  junge  Haseln,  zu  Widlein  dünne  zarte 
Felberrüthlein  gebraucht.  Die  Mu*l  liefert  die  »Weidet  (siehe 
Weide.) 

Nicht  selten  bindet  man  auf  den  Palmbuscben  Äepfel,  welche 
fur  diesen  Tag  eigens  aufbewahrt  >^'urden ;  die  Zahl  schwankt  zwi- 
schen 1  —  5 ,  beträgt  aber  kaum  jemals  mehr. 

Mitunter  bindet  man  in  den  Palmbuscben  auch  ein  Kcklein 
Wicken,  um  sie  nach  der  Weihe  den  Tauben  zu  futtern,  damit 
sie  »das  Flöogad  nicht  fahe.« 

Auch  ein  rothes  Seidenband  sieht  man  öfters  angebunden, 
welches  nöthigen  Falls  wider  das  »Leogföor«  (Rothlauf)  gebraucht 
wird.  — 

Der  Grund,  warum  man  den  Palmbuscben  eben  so  zusam- 
mensetzt ,  liegt  in  den  Meinungen ,  welche  man  von  den  verschie- 
denen Bestandtheilen  desselben  hat. 

Von  dem  Buchsbaum  heisst  es  zwar,  er  diene  nur  als  Zier.  ^) 
Den  Segenbaura  nimmt  man,  weil  auf  ihm  und  überall,  wo  er 
ist,  der  Segen  Gottes  ruht;  ^)  er  fehlt  daher  auch  nicht  leicht  in 
dem  Palmbuscben.  Schrädl  kommt  vorzuglich  in  die  Büschlein, 
welche  für  den  Stall,  besonders  Rossställe,  bestimmt  sind.   Er  ver- 


*)  Neue,  frische  Schösslinge. 

')  Scheint  kaum  glaublich.  Ueberdics  heisst  es  hie  und  da  von  ihm,  er 
müsse  dabei  sein,  obwol  er  »keine  Weihe  annehme.«  Auch  die  Eichen- 
zweiglein nehmen  diese  nicht  an.  — 

*)  Stutzt  sich  nur  auf  das  aus  »Sehen«  entstellte  »Segen«;  es  ist  mithin 
nicht  der  ^ahre  Grund.  — 


1S5 

hindert  den  Teufel,  das  Vieh,  «vornehmlich  die  Rosse  bei  der 
Nacht  zu  quälen,  zu  »reiten.«  Dasselbe  gilt  von  den  Eichenzwei- 
gen, nur  dass  sie  weit  häufiger  als  Schrädl  und  besonders  die 
gebraucht  werden,  woran  wenigstens  etwas  altes  Laub  ist.  Sie 
halten  überall,  in  Stuben  und  Ställen  und  auch  auf  Feld  und 
Acker,  Teufel  und  Hexen  ab.  Die  Kranewiten  haben  dieselbe  Kraft; 
wo  Kranewiten  sind,  da  können  Teufel  und  Hexe  nicht  hin.  Die 
Beziehung  der  Haselstaude  zu  Ernte  und  Stall  wurde  bereits  be- 
sprochen. Von  der  Zwülindn  heisst  es,  sie  hätte  eine  besondere 
Kraft,  weil  dem  Heiland,  als  er  seinen  feierlichen  Einzug  in  Jeru- 
salem hielt ,  nebst  Palmen  auch  Zwülindn  gestreut  wurden ;  Er 
also  selbst  darüber  gewandelt  ist.  — 

Am  häufigsten  jedoch,  denn  es  findet  sich  vielleicht  kaum 
e  i  n  Palmbuschen ,  der  die  angeführten  Stücke  sämmtlich  in  oder 
an  sich  vereinigte ,  nimmt  man  neben  den  Palmzweigen  und  Palm- 
mu  In  Segenbaum ,  Zwülindn ,  Hasel-  und  Eichenzweige ;  ebenfalls 
noch  häufig  kommen  Schrädl,  Kranewiten,  Älbärä-  und  Felber- 
zweige  und  Wintergrün  vor,  am  seltensten  Buchsbaum  u.  Wicken. — 

Von  dem  Gebrauche  der  Palmbuschen  wird  zu  dem  bereits 
Angerührten  der  Vollständigkeit  halber  noch  bemerkt,  dass  man 
sie  auch  in  die  Getreidekästen  steckt  und  bei  Hochgewittern  Theile 
davon  ins  Feuer  wirft.  —  Man  geht  nüchtern  zur  Palmweihe  und 
issl,  heimgelangt,  vor  allem  andern  3  Palmmul.  — 

Wenn  der  Palmbuschen  bis  zum  Schnitt  austreibt,  heirathet 
die  Person ,  welche  ihn  in  das  Feld  gesteckt  hat.  — 

106)  Gründonnerstag.  Das  erste  junge  Grünzeug 
setzt  man,  womöglich,  am  Gründonnerstag  auf  Auch  zupft, 
wer  im  Hause  die  erste  Grünspeise  zuerst  kostet,  den  Tischnach- 
bar am  Ohrläppchen ,  der  dasselbe  dem  folgenden  thut  u.  s.  w.  — 

107)  Ostertag.  »Osterblüm  ch  en.«  (Innviertl.)  Der 
»Dienstbube«  muss  Vormittags  nach  dem  Hochamte  Blumen  oder 
doch  »Sahern«,  d.  h.  Spitzen  der  jungen  Saat  oder  des  sprossen- 
den Grases,  von  Feld  oder  Wiese  holen.  Zu  Hause  legt  man  sie 
in  der  Mitte  des  Tisches,  der  mit  einem  weissen  Tuche  gedeckt 
ist,  im  Kreise  herum  und  setzt  innerhalb  desselben  das  Essen  auf.  — 


156 

108)  Georgitag,  »Geargiwiscb.«  ')  PürdiesenTag 
macht  man  in  Buchkirchen  und  Umgegend  einen  Wisch  aus  dem 
»Grassati  einer  Rothtanne  (Fichte),  einer  Föhre  und  einer  Krane- 
witn,  um  damit  am  Georgitage  selbst  vor  der  Sonne  auszukebren. 
Eine  Person  spritzt  auf»  die  andere  kehrt,  wenigstens  einen  Strei- 
fen in  der  Mitte  hin.  Das  Kehricht  wird  auf  eine  KreuzsIrasse 
gelragen  und  2  Besen  kreuzweise  darüber  gestellt.  — 

109)  Frohnleichnamskränze,  (Innviertl).  Am  Vor-* 
abend  bindet  man  kleine  Kränze  von  Ku*lkraut  und  Kleeblumen 
und  wickelt  einen  Zettel  darum,  worauf  der  Name  des  Kranzbin- 
ders geschrieben  steht.  Während  des  Amtes  am  Tage  selbst  legt 
man  sie  in  die  Nähe  des  Hochaltars.  Bevor  die  Prozession  be- 
ginnt, nimmt  der  Messner  oder  »Grabät  die  sämmtlichen  Kränze 
und  trägt  sie  während  des  » Umganges ■  hinter  dem  »Himmel«  her. 
Nach  dem  Umgang  legt  er  sie  wieder  in  die  Nähe  des  Hochdtars, 
woselbst  sie  die  Oktave  hindurch  liegen  bleiben.  Erst  dann  nimmt 
man  sie  heim,  um  davon  verschiedenen  Gebrauch,  besonders  fiir 
den  Stall  zu  machen.  Man  gibt  davon  zwischen  2  Brotschnitten 
dem  Vieh  ein,  den  Rest  legt  man  auf  ein  Milchbrettel,  um  ihn 
in  den  Raubnächten  dem  Vieh  einzufüttern ,  oder  davon  bereit  zu 
haben,  wenn  ein  Stück  erkrankt  oder  verkauft  wird.  —  Auch  ge- 
räuchert wird  damit.  — 

Im  MühlviertI  darf  oder  durfte  in  den  Frohnleichnams  -  Krän- 
zen vor  allem  das   »Kulkrautt  nicht  fehlen.  — 

Zu  diesen  Kränzen  nimmt  man  (Gunskirchen)  vorzüglich: 
Stcinnägl,  Jungfrauhärl,  Jungfrauschuäl ,  auch  Taubenkröpferl  ge- 
nannt, lotus  corfiicul;  Kornblumen  und  Kulkraut.  — 

110)  S  on  nen  wond  ctag.  Am  Abend  vor  dem  Sonnen- 
wendetag steckt  man  während  des  Gebelläutens  Blumensträusschen 
gegen  Sonnenaufgang  an  die  Fenster.  Dessen  Blumen  am  andern 
Morgen  noch  frisch  sind ,  der  bleibt  das  Jahr  am  Leben.  Sind  sie 
aber  welk,  so  stirbt  er.     (Atlersee.)  — 


<)  Ist  »Is  Abbild  des  bimmliscben  Gewitterbesens  zu  nehmen.  — 


157 

ill)  Maria  Himmelf  ah  rts  tag.  Kr'äuterweihe. 
Diese  fand  auch  in  Oberösterreich  bis  tief  ins  vorige  Jahrhundert 
hinein  statt ,  und  man  trug  die  geweihten  Aestlein ,  Zweigchen  etc. 
theils  bei  sich,  theils  bewahrte  man  sie  im  Hause;  auch  dem  Vieh 
gab  man  davon  ins  Fulter.  — 

Die  Heilkräuter  soll  man  alle  •zwischn  den  Frau'tagm 
oder  doch  in  «altn  Mant  sammeln. 


G)  Steine. 

1)  Blutstein.  Wer  stark  Nasenbluten  hat,  der  nimmt,  um 
es  zu  stillen ,  einen  B I  u  t  s  t  e  i  n  *)  in  die  Hand. 

2)  Donnerstein.  Die  »Da^ästoal«  sind  weisse,  durch- 
sichtige Steine ,  welche  Feuer  geben ;  mit  dem  kleinsten  Bröcklcin 
davon  kann  man  beim  Raufen  einen  erschlagen.  — 

(Altmünster.)  DonnersteinI  werden  häufig  bei  der 
Feldarbeit  in  Äeckern  gefunden  und  Abschabsei  davon  dem  Vieh, 
wenn  es  nicht  gerne  fressen  will,  eingegeben.  — 

3)  Eisen.  Wer  Eisen  findet,  hat  den  Tag  über  bis  zur 
Stunde  noch  nicht  gelogen.  — 

Hat  man  sich  verwundet,  so  legt  man  eine  Messerklinge 
auf  den  verletsten  Theil.  Die  Wunde  schw'ärt  dann  nicht,  voraus^ 
gesetzt,  dass  man  dabei  nicht  gescholten.  — 

4)  Feuerstein.  Man  schlägt  mittelst  seiner  Feuer  über 
Stellen  des  Körpers,  an  denen  sich  der  Rothlauf  zeigt.  — 

5)  Furchtstein.  Das  •Firöohtstoa'lf  hängt  man  Kindern 
furchtsamen  Naturells  um  den  Hals  oder  an  die  Brust  — 

6)  6  a  1 1  s  t  c  i  n.  So  nennt  man  Steine ,  welche  sich  in  der 
Gallenblase  von  Tbieren  finden;  sie  sind  gut  für  •  Gicht  und  Gall.« 

7)  Gold.  Man  hängt  es  sich  um,  wenn  man  die  Gelb- 
sucht hat.  Es  hilft  schon,  wenn  man  ein  Kind,  welches  diese 
Krankheit  hat,  in  den  vergoldeten  Messkelch  schauen  lässt.  -^ 


•^MirikMaMMMi^ 


0  Das  Volk  neimt  d«ii  R^ttieisenstein  so.  — 


156 

8)  Harnstein.^)  Der  Stein ,  der  sieb  in  der  Barnblase 
eines  Ochsen  findet,  wird  zu  Gold.  — 

9)  Hirn  m  el  SS  tein.  ^)  »ist  im  Lande  ob  der  Ens  un- 
weit Traunkirchen  zu  finden.  Der  weisse  dient  dem  weiblichen 
Geschlechte,  der  rothe  oder  graue  dem  männlichen.«  Nun  preist 
der  Zettel  die  Wirkungen  des  Steines  an  und  schliesst:  »Wenig- 
stens kann  das  Pulver  hieven  sicher  und  ohne  Gefahr  versucht 
werden,  welches  schon  vorlängst  von  zweien  hochgelehrten  Doc- 
toren  der  Medizin  (es  werden  Namen  und  Wohnort  genannt)  vor 
gut  geheissen  und  approbirt  worden.  — 

10)  Kiesel.  Findet  man  zufällig  auf  einem  Zaun  einen 
»K  iz  I  i  n  g  s  te  i  n«,  so  bedient  man  sich  seiner,  um  damit  die 
Hühneraugen  zu  wenden.  Man  »umreisstc  sie  nämlich  damit,  in- 
dem man  dabei  einen  gewissen  Spruch  hersagt.  — 

11)  Kupfer.  Man  hängt  es  sich  gegen  den  Rothlauf  an. 
Jedoch  muss  man  es,  soll  es  anders  helfen,  von  dem  Kupfer- 
schmid  erhalten ,  ohne  darum  zu  bitten ;  auch  danken  darf  man 
nicht.  — 

Für  das  Nasenbluten  ist  es  gut,  ein  Stück  Kupfergeld  in 
die  Hand  zu  nehmen.  — 

12)  Schreckstein.  Man  hängt  ihn  Kindern  um ,  welche 
im  Schlaf  öfters  Zeichen  von  sich  geben,  als  ob  sie  einen  plötz- 
lichen Schreck  erführen.  — 


*)  Harnen  und  Gewitterregen  sind  wol  einst,  wenn  auch  später  und  durch 
Verkehrung  auf  einander  bezogen  werden.  ~  Mit  einer  Gewitterpflanze 
dem  Seidelbast  oder  »Seidelbaum*  wendet  man  dem  Vieh  die  Harnwinde. 
In  Wiese  oder  Acker  harnen,  wird,  wenn  auch  nur  scherzweise,  für  etwas 
die  Fruchtbarkeit  in  einem  so  hohen  Grade  beförderndes  ausgegeben,  dass 
an  einen  andern  als  den  natürlichen  Grund  gedacht  werden  muss.  Ich 
erinnere  auch  an  das  einst  häufig  gehrauchte  Wort  Brunn  Tür  Harn.  — 
Was  den  Harnstein  oben  betrifft,  erscheint  er  mir  also  nur  als  ndas  in 
der  Harnblase'  des  Ochsen,  in  der  Hülle  der  Gewitterwolke  verborgene 
Gewittergold  selbst  — 

*)  Von  einigen  andern  ausländischen  Steinen,  von  deren  Heilkraft  alte 
Anschlagzettel  etc.  melden,  bei  einer  andern  Gelegenheit!  —  - 


159 

13)  Stein  im  allgemeinen.  Verwundet  man  sich 
auf  dem  Feld  oder  im  Walde,  so  nimmt  man  den  nächst  besten 
Stein,  umkreist  damit  dreimal  die  Wunde  im  Namen  des  Vaters 
u.  s.  w.  und  legt  ihn  hierauf  wieder  genau  an  den  Platz,  woher 
man  ihn  genommen  hat.  —  Auch  •  Gicht,  Gall  und  Schwund« 
wendet  man  mit  einem  Feldstein  und  zwar  dem  ersten  besten. 
Doch  muss  man  mit  ihm  einen  Kreis  um  das  Feld  ziehen,  woraus 
man  ihn  eben  nimmt,  und  dabei  sagen:  »Stein,  ich  nimm  Dich 
aus  diesem  Grund  Und  wend  mit  Dir  Gicht,  Gall  und  Schwund.! 
Im  Namen  Gottes  des  Vaters  etc.  etc.  — 

14)  Auf  dem  Rosskogl  hinter  dem  Almsee  findet  sich  an 
einer  Stelle  eine  E  r  d  a  r  t ,  welche  eigentlich  gelb  gefärbt  ist. 
Man  glaubt,  sie  wäre  zum  Goldmachen  geeignet.  — 


161 


Zur  Seite  3t. 


Feuersegen  a. 

Von  Gott  und  seines  Gesandten, 
unserM  lieben  Herrn  Jesu  Chrieii,  f*  unsere 

Herrn ,  Heilands  und  Seligmachers ,  ein  gnadenreicher 

Feuersegen  9 

so   alien   frommen  Christen  in  grossen  Feuers  ^  Söihen  kann 

damit  geholfen  werden. 


Er  ist  auch  dermassen  gut  und  nützlich  in  einem  Haus  und 
Hof  zu  bewahren ,  wegen  allein  widerwärtigen  Unglück  des  Feuers, 
auch  zu  allen  Brünsten  gut  und  dienlich ;  auch  zum  Gebrauch  der 
harten  Kindesmütter,  um  sie  von  ihrer  harten  Leibsgeburt  zu 
entledigen. 


Sw  Matkius 
t  Consum 
S.  Lucas 
8.  Michael 
S.  Bafael 
S.  Florian 


S.  Markus 
t  malum  est 
S.  Joannes 
S.  Gabriel 
S.  Uriel 
S.  Vitas 


Ort  pro    nobis 
4.  N.  R.  J. 


R.     J. 


Jesus  hat  am  heilieen  Oelberff 
bluti^n  Angst-Schweiss  ge- 
sohwitzel,  um  das  roenseE- 
liehe  Geschlecht  zu  erlö- 
•en,  und  vor  allem  Un- 
glück des  Feuers  zu 
bohüthen.    Amen. 

Jesus.  Maria 
u.  Joseph. 

LN.R.J. 
tttt 


Wenn  man  das  Feuer  sieht ,  muss  man  es  schon  von  weitem 
ansprechen  und  sagen:  Sei  mir  itiilkommen  Feuersgast ,  greif 
fdeht  weiter,   als   du  jel%t  hast  (ffasst,   das  gebielh  ich  dir 

11 


Fmteraglut  im. Namen  dtr  atterhettigtlen  DreifaUigkett,  0M  . 
de»  Vater*  f,  Söhnet  f  und  hetligen  f  OeUtea.  Awien. 
3  HaL  Hernach ,  weno  du  beim  breanenden  Haul  oder  Gebäude 
bist,  geh  rechler  Hand  3  Mal  berum,  und  bete  3  Mal  folgende 
3  Gesettel,  oder  was  im  Kreis  inwendig  steht.  Kannst  du  aber 
um  das  Haus  oder  Gebiude  nicht  herumgehen ,  so  bleib'  dort  sto- 
ben ,  wo  das  Feuer  am  gefährlichsten  ist  und  bete : 

0  Feuer  und  Oluth  !  ich  gebielhe  dir  durch  Gott  und 
«ein  h.  rotenfarbea  Btut ,  f  da»»  du  mir  unterthänig  biat  auf 
dieee  gegtnuiärtige  Stund  und  Augenbtick  durch  den  wahren 
und  lebendigen  Sohn    Göltet  meine»  himmliaehen  Vater»,  f 

0  Feuer  uitd  Qluth,  »lehe  »litl,  ao  wahr  al»  Je»u* 
Chri»tu»  »tunde  am  Stamme  de»  h.  Kreuxe».  f  0  Feuer  und 
Gtuth ,  behalte  deine  Flammen,  »o  wahr  at»  Maria,  dtt 
Mutter  Je»u,  behielu  ihre  Jungfrau»ehaft ,  durch  Chrieti 
Geburt  und  »eine  hl.  Auferttehung  und  durch  <eJn«  hl.  Bim- 
mutfokrl  und  durch  alle  Erzengelein  Oolte»  f,  damit  GoU 
der  Herr  Jeeu»  Chriilu»  den  Bimmel  damit  beKieret  hat. 

O    Feuer   und    Gluth ,   die»»  gebiethe  ich   dir   bei    dem 

»trengen   Oerichttlag ,    da  Gott  der  Berr   kommen   wird  und 

erwecket    alle    die    todten    Men»chen   in    äieeer     Welt.      0 

Feuer  und   Glulh,  in  Galt   den  himmlieehen   Veter  gib  ich 

dich  f,  und  in  Gott  den  Sohn  befehl  ich  dichf,  und  in  OoU 

den  hl.  Geiet  verpfticht  ich  dich,  f   Auch  GeU  bei  »einen  hl. 

6  Wunden  beeehwör  ich  dich ,    f  da»»  du  mir,  o  Feuer  und 

Gluth,   in  Dampf  und  Rauch  vereehwinden  mu»»t.     0  Feuer 

und  Gluth  ,  da»  gebiethe  ich  dir  durch  da»  bittere  Leiden  und 

unter»  lieben  Berrn  Jetv  Chriat ,  da»»  du  ttilte  ttehtt 

tht  weiter  geheet.     Im  Kamen  Gott  de»  Vater»  f  und 

hn»  f   und   de»   hl.  Qeitte».  f   Amen.    0    Fiuer  und 

dir   »ei  gebothen   bei   der  gbttlichen   und   Mendigen 

Balte»  f ,  da»»  du ,  a  Feuer  und  Ftamwien ,  in   dieaem 

Bau»   und    Bef  und  »amtmt   allen  denen ,    »o  imrin 


163 

sind,  hei  dem  hohen  und  theuem  Namen  Jesu  ChrisU  f  nichts 
magst  thun,  weder  f>erderben,  his  dass  unsere  liehe  Vrau,  die 
Mutter  Gottes  9  einen  anderen  Sohn  thut  gehären  y  in  Jesu 
Christi  f  und  der  aliersetigsten  Jungfrau  Maria  und  Mutter 
Gottes  Namen. 

^li^Jx'^       0  Feuer  und  Gluth,    ^^v!^ 
,^!^/^    »»*  aller   deiner    HiUe    Roth   bist  ^S 
^y^  <*«  beschwört  bei  Sonn    und  -Mond,    bei  Laub 
^j^V^and     Gru,    bei   Himmel    und   Erden  und  bei  allen 
^/  Enengelein  und  bei  der  allerheOigsten  Dreifaltigkeit  I  Im  Na-     ^- 
^/  men  Gott  des  Vaters  t  und  Gott  des  Sohns   t  und  Gott  des  hlN^ 
^  /   Geistes   t  Amen ,    dass   du,  o  Feuer  und  Flammen ,  in  diesem  gan-    \% 
^/    zen  Haus  und  Hof  ohne  allen  Schaden  und  Leid  stille  stehest,    also 
^1   wie   du   Wasser  in  dem  heil  Jordan  still  gestanden  ist,  da  der  heiL 
V:/    Jünger  Johannes  Jesum  Christum  geUufet,    den  lebendigen  und  wahren 
Sohn  Gottes;  so  widerfahret  deinem  Haus  und  Hof  und  allen    die   darin 
sind  ,  Fried  und  Freud ,  auch  gute  Gesundheit  bis  in  Ewigkeit     Jesus  Chri- 
stus der   Herr  behüthe  uns  vor  dem  Höllenfeind ,  er  gebe  uns  seine  göttli- 
che Gnad  und  Segen  hier  zeitlich  und  dort  ewiglich.  Die  hohe  und  nnxer^ 
tfaeilte  heü.  Dreifaltigkeit ,  ewiger  Gott  Vater  t  Sohn  t  und  heil  Geist  t     /  f" 
^\     Amen;  der  Friede  und  Segen  unsers  lieben  Herrn  Jesu  Christi  und  die     /^ 
't\     Kraft  und  Wirkung   seines   allerfaeU.    bitteren  [Leidens   und   Sterbens    /(^ 
.  A    **o^  <^»  Zeichen  des  heil.  Kreuzes  t  und  die  unbefleckte  Empftng-    /«? 
*  ^     niss  der  glorwürdigsten  Jungfrau    und  Mutter   Gottes  Maria   und     /g 
der  Segen  aller  HeUigen  und  der  heil.  Erzengelein  ein  SchuU     / i^ 
und  Verdienst  und  Gebeth   aller  AuserwSblten  Gottes  f      /  V 
die  stehen  vor  mich  und  alles,  was  unser  ist,  we-?    /^ 
gen  aller  Widerwärtigkeiten  und  UnglQcks  des   j^ 
Feuers,  jetzt  und  in  Ewigkeit  >^^ 

Amen.  .^y^'^ 


3 


•V  fiJjgff  tMtun  V969S   ^^ 


Mein  Gott  und  zukünftiger  Richter  Jesus  Christus  f, 
erhöre  diesen  christlichen  Feuersegen  um  deines  hitteren  Lei" 
dens  und  Sterhens  willen. 

Dann  nimm  3  händevoll  Erde,  Roth  oder  Schnee  und  wirf 
es  ins  Feuer  rückwärts  im  Namen  f  f  f.  Amen« 

11* 


164 

Hernach  freh  weg  an  einen  einsamen  Ott,  dort  kniee  nieder 
und  bethe  zu  Ehren  der  heiligen  5  WuiHien  Jesu  Christi  5  Vater  un- 
ser ,  Ave  Marie  und  einen  Glauben.  Nun  ist  m^n  fertig,  alles  «ih- 
rige lässt  man  dem  allmächtigen  Gott  und  der  Hilfe  guter  Mensehen 
über,  oder  man  kann  auch  im  Nothfalle  noch  milbclfen. 

Jesus  i  Naiareiius  f  Rex  f  Judaeoriim.  f 

Jesus,  Maria  und  Jescf  und  der  heilige  Florian,  der  ist  al- 
lem Feuer  ein  Patron. 

Das  fst  der  gerechte  und  approbirte  Feuersegen,  welcher 
durch  den  Zigeunerkönig  aus  Egypten  zu  Jerusalem  auf  dem  hei- 
ligen Grab  ist  erfunden  worden  im  Jahre  1315  nach  der  gnaden- 
reichen Geburt  unscrs  Herrn ,  Heilands ,  Erlösers  und  Seligmachers 
Jesu  Christi.  Er  ist  ausgewählt  gut  und  nützlieh  in  einem  Haus 
und  Hof  zu  behalten  wegen  allem  Unglück  des  Feuers,  auch  zu 
allen  Brünsten  gut,  und  dienlich  zu  gebrauchen  den  harten  Kindes- 
müttern ,  um  sie  von  ihrer  harten  Leibs  ^  Geburt  zu  entledigen. 

Behaltet  diesen  Brief  immer  in  eurem  Haus  und  Hof.  Las- 
set ihn  niemals  über  Nacht  aus  eurem  Hause.  Bethet  alle  Frei- 
tag zu  Ehren  des  bittern  Leidens  und  Sterbens  Jesu  Christi  5 
Vater  unser,  5  Ave  Maria  und  1  Glauben,  so  könnt  ihr  euch 
mit  Gewissheit  auf  die  Kraft  dieses  Briefes  und  seiner  darin  ge- 
schriebenen Worte  verlassen. 

Gelobt  sei  Jesus  Christus  in  Ewigkeit,  Amen. 

U.  J,  0.  0.  D. 


m 


Feuersegen  b. 

Ein  gewisser  Feuersegen,  so  allzeit  hilft.  Ba»  woiite  (waUti) 
da9  bittere  Leiden  und  Sterben  uneers  lieben  Herrn  Jesu 
Christ :  Feuer  und  Wind  und  heisse  Oiuth ,  was  du  in  dei^^ 
ner  elementischen  Gewalt  hast  y  ich  gebielhe  dir  bei  den  Leh^ 
ren  Jesu  Christi  y  welche  er  gesprochen  hat  iUter  den  Wind 
und  das  Meer ,  die  ihm  aufs  Wort  gehorsam  gewesen ,  durch 
diese  gewaltige  Wort,  wie  Jesus  gesprochen  hat,  thue  ich 
dir  j  Feuer ,  befehlen ,  drohen  und  ankündigen  y  dass  du 
gleich  flugs  dich  sollest  legen  mit  deiner  elementischen  Oe^ 
wait  y  du  Flamm  und  Oluth ,  das  wolle  QwalleJ  das  heilige 
rosen färbe  Blut  unsere  lieben  Herrn  Jesu  Christi/  Du  Feuer 
und  Kind  (^WindJ  und  heisse  Glulhy  ich  gebielhe  dir  y  wie 
Gott  geholhen  hat  dem  Feuer  durch  seine  h,  Engel ,  der 
feuerigen  Glulh  in  dem  Feuerofen  ,  als  die  3  heil.  Männer 
Sadrah  und  seine  Mitgesellen  y  Mesach  und  Abed  'S  ego  durch 
Gottes  Befehl  dem  h,  Engel  befohlen  (f),  dass  sie  sollen  un^ 
uerzehret  hleiben  ,  wie  es  auch  geschehen.  Als  Qalso')  sollest 
gleicherweis  du ,  Feuer  flamm  und  heisse  Gluth  ,  dich  legen, 
da  der  allmächtige  Gott  gesprochen ,  als  er  die  4  Elemente 
sammt  Himmel  and  Erde  erschaffen  hat:  Fiat  y  fiaty  fiaty  das 
ist ,  es  werde  im  Samen  Gottes  des  Vaters  etc,     Amen.